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Arte und WDR halten Dokumentation „Der Hass auf Juden in Europa" zurück

Thema sollen insbesondere Film- und Dokumentarproduktionen für das Fernsehen sein.
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Maren

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Arte und WDR halten Dokumentation „Der Hass auf Juden in Europa" zurück

BeitragFr 9. Jun 2017, 21:23

Zentralrat der Juden kritisiert ZDF, WDR und Arte

Weil die drei öffentlich-rechtlichen Sender eine Dokumentation über steigenden Anti-Semitismus einbehalten, werden sie vom Zentralrat der Juden kritisiert.

http://www.digitalfernsehen.de/Zentralr ... 921.0.html

Arte und WDR sind gefragt

Für ihre Dokumentation „Der Hass auf Juden in Europa“ hatten die Autoren einen Auftrag, doch senden wollten Arte und WDR nicht. Jetzt formuliert der Zentralrat der Juden eine Bitte.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/m ... 51094.html

Zensur bei Arte?

Der deutsch-französische Kulturkanal steht wegen der Ablehnung einer Antisemitismus-Doku in der Kritik. Arte sei im vorauseilenden Gehorsam gegenüber dem islamistischen Terror eingeknickt.

http://www.tagesspiegel.de/medien/strei ... 07424.html

Arte-Programmdirektor Alain Le Diberder hat die Forderung des Zentralrats der Juden in Deutschland, einen unter Verschluss gehaltenen Film über Antisemitismus zu zeigen, zurückgewiesen. Le Diberder verwies in einem Schreiben an Zentralratspräsident Josef Schuster auf die Argumentation seines Senders, dass der abgelieferte Film nicht dem genehmigten Projekt entsprochen habe. http://www.berliner-zeitung.de/27759802

Der „ausgewogene“ Judenhass: WDR und ARTE wollen eine von ihnen selbst beauftragte Antisemitismus-Doku aufgrund angeblich mangelnder Ausgewogenheit nicht zeigen. Nur ein Beispiel für einen nicht nur unter Programmmachern grassierenden Irrsinn. “Abgesehen von den Beschäftigten der Supermärkte weiß tatsächlich niemand genau, was ausgewogen bedeutet; schon gar nicht was es mit dem dazu gehörenden Hauptwort auf sich hat, mit der Ausgewogenheit.”

http://www.carta.info/84950/der-ausgewogene-judenhass/

“Judenhass entsteht nicht durch Wissen, durch Kenntnis oder Erfahrung. Judenhass entsteht, weil es Juden gibt. Judenhass hat dementsprechend keinen rationalen Grund. Nicht der Jude hat ein Problem, weil er in Berlin oder Frankfurt lebt, sondern der- oder diejenigen, die die Existenz eines Juden als „irgendwie“ anstößig empfinden und das „irgendwie“ rauslassen müssen. Weil das so ist, gibt es da auch nichts auszuwiegen und abzuwägen.”
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Kommentar zum Film „Der Hass auf Juden in Europa“

BeitragDo 13. Jul 2017, 15:32

Die Fernsehsender Arte und WDR wollten den Film zunächst nicht zeigen, haben dann später aber dem ausgeübten Druck nachgegeben.
Zu prüfen ist, ob es sich dabei um eine Zensur oder um die (berechtigte) Ablehnung einer mangelhaft ausgeführten Arbeit handelt.
Oder war es etwa ein organisierter Coup, um Aufmerksamkeit zu erregen ?
Nur ein Bruchteil des nun involvierten Publikums hätte bei planmäßiger Ausstrahlung, zu nachtschlafender Zeit im Spartenprogramm von Arte, Notiz von diesem Film genommen, geschweige denn diese hitzige Debatte geführt.

Die öffentlich-rechtlichen Sender sind den Prinzipien einer objektiven Berichterstattung verpflichtet.
Der Film liefert dagegen eine unsystematische Aneinanderreihung von Filmausschnitten, die stark polemisieren und suggerieren sollen, dass jeder, der Kritik an der israelischen Siedlungspolitik und dem Umgang mit den Palästinensern übt, ein Antisemit sei.
Es findet keinerlei Trennung zwischen Fakten und Meinungen statt. Historische Ereignisse werden stark verkürzt und damit irreführend dargestellt.


Sehr zu empfehlen zum Verständnis des Israel-Palästina-Konfliktes ist ein Interview mit der Islam-Wissenschaftlerin Petra Wild, in dem sie ausführlich die historische Entwicklung und die aktuelle Situation darlegt.
Es ist wohltuend, hier eine Wissenschaftlerin zu erleben, die die Fakten nennt und eine klare Analyse betreibt.
https://www.youtube.com/watch?v=U1SHpanfHu8


Wenn der Zentralrat der Juden in Deutschland solch einen einseitigen Film mit aller Macht ins Fernsehen bringen will, dann muss man sich fragen, wie es um die Ausgewogenheit und den Willen zur Völkerverständigung bestellt ist.
Die Haltung des Zentralrates der Juden in Deutschland besteht in einer kritiklosen Unterstützung der Politik des israelischen Staates.
So wurde der Lübecker Psychologie-Professor Rolf Verleger als Direktoriumsmitglied aus dem Zentralrat entfernt, nachdem er öffentlich eine kritische Haltung zur Politik Israels gegenüber den Palästinensern eingenommen hatte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Rolf_Verleger

Ein Aufsatz von und zwei Interviews mit Rolf Verleger während des Gaza-Krieges 2014, bei dem etwa 2200 Palästinenser getötet wurden:
http://www.theeuropean.de/rolf-verleger/8986-israels-politik-beschaedigt-das-judentum


http://www.deutschlandfunk.de/anti-israelische-proteste-wer-hat-uns-das-denn-eingebrockt.694.de.html?dram:article_id=292408


http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.interview-mit-rolf-verleger-in-israel-gibt-es-eine-kultur-des-hasses.57c6125c-ba8b-4a56-b25b-6d1771763317.html



Zum geschichtlichen Hintergrund des Palästina-Konfliktes:
In der Balfour-Deklaration vom 2. November 1917 erklärte sich Großbritannien einverstanden mit dem 1897 festgelegten Ziel des Zionismus, in Palästina eine „nationale Heimstätte“ des jüdischen Volkes zu errichten. Dabei sollten die Rechte bestehender nicht-jüdischer Gemeinschaften gewahrt bleiben. Zum damaligen Zeitpunkt befand sich Palästina noch im Machtbereich der Osmanen.
Der britische Außenminister Lord Arthur James Balfour sandte die Zusage der britischen Regierung in Form eines Briefes an Lord Lionel Walter Rothschild, 2. Baron Rothschild, einen prominenten britischen Zionisten.

Britische Interessen, die zu dieser Zusage geführt hatten, waren sowohl mit dem laufenden Weltkrieg verbunden wie auch mit langfristigen Überlegungen. Das Kabinett versprach sich von dieser Erklärung die Unterstützung zionistischer Organisationen in aller Welt in seinen Kriegsanstrengungen gegen die Mittelmächte, vor allem in den USA und in Russland.
Zu diesen akuten Interessen auf Weltebene traten die langfristigen in der Region selbst, bot doch ein Palästina unter britischer Herrschaft ein ideales Verbindungsstück zu den britischen Einflusszonen im Mittleren Osten und der wichtigsten britischen Kolonie, Indien. Der Suez-Kanal, die Hauptader britischen Handels mit Asien, würde dadurch ebenfalls besser gesichert werden können.

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges erhielt Großbritannien das Mandat über Palästina. Es setzte ein massiver Zustrom an jüdischen Einwanderern ein, der schon in den 1920er Jahren zu Protestbewegungen der arabischen Bevölkerung führte, die zunehmend von ihrem Land verdrängt wurde.
Während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland in den 1930er Jahren folgte eine weitere Einwanderungswelle. Die UNO verabschiedete dann 1947 einen Teilungsplan, der allen Bevölkerungsgruppen Territorien zuordnete.
Bei der Staatsgründung Israels im Jahre 1948 und im Sechs-Tage-Krieg von 1967 wurde ein großer Teil der palästinensischen Bevölkerung aus den Heimatorten vertrieben. Sie flohen in den Gaza-Streifen, in das Westjordanland und in die Nachbarstaaten.
Die Verurteilung der völkerrechtswidrigen Landnahme in der UNO und Resolutionen zur Rückgabe wurden von Israel bis heute ignoriert. Gleiches trifft auf die UN-Resolution 194 (III) vom Dezember 1948 zu, die das Rückkehrrecht der Palästinenser garantiert.


Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Balfour-Deklaration
Karin Leukefeld: Flächenbrand - Syrien, Irak, die arabische Welt und der Islamische Staat, PapyRossa Verlag, 2015-16

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