Geschichtsbilder und deren Deutung in den ÖR Medien

Vor gut zwei Monaten fand ein hochkarätiges Treffen des russischen Präsidenten Putin mit jungen Akademikern und Historikern statt. Im Zuge der Berichterstattung innerhalb der deutschen Medien wurden zwei Aussagen, die Putin in diesem Frage-Antwort-Marathon beantwortete, herausgepickt, aus dem Zusammenhang gerissen und wiefolgt zusammengefasst: „Putin fand-Hitler-Stalin-Pakt ganz okay“ und „Polen war an Teilung selbst schuld“.
Wie es im Netz aussieht, wenn Qualitätsjournalismus den Gleichklang übt und beim fröhlichen dpa-copy&paste die einzelnen Meldungen aussehen lässt, als wäre Karl-Ede von Schnitzler auferstanden, kann man hier sehen:

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Die Publikumskonferenz hat sich in dieser Angelegenheit lediglich mit DRadio angelegt und nachgewiesen, wie auf Linie gepolter Journalismus mit allen Mitteln versucht diverse machtstrategischen Positionen unterschwellig oder auch mit gebotener Penetranz in die Gehirne der Rezipienten zu trommeln.

Dass sich Intendant Dr. Steul in seiner Antwort auf unsere Beschwerde ausgerechnet auf die inflationär gleichlautenden Medienberichte beruft, wirkt tragisch und entlarvend zugleich.

Aber auch CDU-Urgestein und ZDF-Fernsehratsvorsitzender Ruprecht Polenz bezog sich vor Vertretern der Seniorenunion im rappelvollen Cafe Café Klostermann in Hiltrup auf die angeblichen Aussagen Putins. Mag sein, dass man in diesen Kreisen keinen großen Schaden mehr anrichten kann, was das Ideologische anbelangt, aber einem Fernsehrat in verantwortlicher Position sollte die Fähigkeit der Differenzierung gegeben sein. Auch eine gewisse Neutralität wäre durchaus angebracht und wenn man beides nicht zu bieten hat, käme vielleicht ein Verzicht auf den Posten in Frage.

Schnitt

Gestern Abend beglückten Pinar Atalay und „our guy, Jaz“ die Zuschauer der Tagesthemen mit einem Interview, in dessen Verlauf Jazenjuk wörtlich sagte (bzw. der Dolmetscher übersetzte):

„Wir können uns alle sehr gut an den sowjetischen Anmarsch in die Ukraine und nach Deutschland erinnern“.

Der persönliche Freund von Obama-Beraterin Fuck-the-EU-Nuland darf doch tatsächlich im 70. Jahr der Befreiung vom Hitlerfaschismus im ersten deutschen Fernsehen verkünden, dass der 2. Weltkrieg sowas wie eine „russische Aggression gegen Deutschland und die Ukraine“ war. Oder hab ich da etwas missverstanden? Identifiziert sich „our guy Jaz“ live im ersten deutschen Fernsehen mit Hitler-Kollaborateuren wie den Schlächtern von Babij Jar?
Hat er vielleicht deshalb den Nazibanden der Swoboda in seinen Kreisen parlamentarischen Schutz gesichert?
Immerhin hat Pinar Atalay ungewohnt kritisch nachgefragt, allerdings nicht nachgehakt, als die absurden Antworten Jazenjuks auf ihre Fragen kamen. Warum man das Anti-Korruptionsgesetz nicht ratifiziert hat, welches mit soviel Brimborium an diesem denkwürdigen Tag beschlossen wurde, wäre interessant gewesen angesichts der Forderungen, die von Jazeniuk gegenüber Deutschland und der EU gestellt wurden.
Die Ukraine ist bekanntlich dringend auf Hilfsgelder aus der EU angewiesen, deren Auszahlung ursprünglich an Bedingungen geknüpft war. Weitere Milliarden an Hilfsgeldern sollten eigentlich erst auszahlt werden, wenn die Ukraine Verwaltung und Justiz umkrempelt und die überbordende Korruption aktiv bekämpft. Der Aufbau der Antikorrruptionsbehörde wird allerdings gerade von den Leuten verschleppt, die es kraft ihres Amtes vorantreiben sollten – von Parlamentariern, Ministern und anderen hochrangigen Regierungsvertretern.

Immerhin sind die Kommentatorenhirne auf Tagesschau.de in der Mehrzahl noch nicht ganz eingedampft und auch der Spiegel versuchte sich an einer halbgaren Satire.

Nun darf der Medienkonsument gespannt sein, ob die Entgleisung von „our guy jaz“ in den nächsten Tagen eine ähnliche Aufmerksamkeit bekommt, wie das „Geschichtsbild des Kreml“.

Die Aufmerksamkeit unserer Freunde von der Propagandaschau hat sie bereits.

Die entsprechende Programmbeschwerde gibt es hier.


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