Stellungnahme zum geplanten Verkauf von Kunstwerken aus öffentlichem Eigentum durch den WDR

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Bereits anlässlich der Bilanz seiner einjährigen Amtszeit hatte Tom Buhrow ein Sparprogramm für den WDR angekündigt: Bis 2020 sollen 500 Planstellen abgebaut werden. Es fehlen durchschnittlich zwischen 80 und 100 Millionen Euro pro Jahr im Etat. 2012 lag der Verlust bei 83,8 Millionen. Nach aktuellem Stand wird das Unternehmen bis zum Jahr 2018 eine Finanzlücke von 236,3 Mio. Euro aufweisen.

Der WDR zahlte 2013 für seine rund 4300 Mitarbeiter rund 535 Millionen Euro, inklusive Pensionsverpflichtungen. Für die Altersversorgung seines Intendanten Tom Buhrow hatte der Westdeutsche Rundfunk (WDR) laut Geschäftsbericht 2013 1,779 Millionen Euro zurückgestellt.
Tom Buhrow verdient pro Jahr 367.232 Euro. Quelle

Auf Grund des desaströsen Zustandes der Finanzlage des WDR wurde neben der Einsparung von Personalkosten zusätzlich nach alternativen Möglichkeiten gesucht, die Sanierung des Haushaltes voranzutreiben. So soll etwa die hauseigene Bibliothek verkauft werden und auch von Teilen der umfangreichen Kunstsammlung will Buhrow sich trennen. Diverse Kunstwerke, darunter Bilder von Emil Nolde, Oskar Kokoschka, Ernst Ludwig Kirchner und Max Beckmann, die der WDR im Laufe der Jahrzehnte seines Bestehens aus Mitteln des Rundfunkgebührenaufkommens angeschafft hatte, stehen daher zur Disposition und sollen nach dem Willen des Intendanten und Teilen des Rundfunkrates unter den Hammer.

Laut Presseberichten sollen im kommenden Frühjahr um die 50 Werke bei Sotheby’s in London versteigert werden. Der Erlös des Verkaufes des öffentlich-rechtlichen Eigentums ist jedoch offensichtlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein und nicht dazu geeignet Finanzlücken längerfristig ausgleichen. So schätzte Tom Buhrow die WDR-Sammlung lediglich auf 3 Millionen Euro, das entspricht in etwa drei Prozent des Betrags, den er pro Jahr einsparen will oder in etwa dem aktuellen Barwert seiner Pensionsrückstellungen.

In Artikel 18 der Landesverfassung NRW und im Kulturfördergesetz ist die Pflicht des Landes NRW verankert, Kunst und Kultur zu bewahren, zu pflegen und zukunftsfähig zu fördern.

Alle Vorhaben, die den Ausverkauf oder die Versteigerung künstlerischer und ästhetischer Werte in öffentlich-rechtlichen Besitz betreffen, sollten daher umgehend gestoppt werden. Kunst und Kulturgüter dürfen keinem kurzfristigen monetären Diktat geopfert werden, kulturpolitische Verantwortung, respektvoller und sorgfältiger Umgang mit Kunst und ein umfassender Kulturbegriff sollte insbesondere öffentlich-rechtlichen Medienhäusern ein besonderes Anliegen sein.

Für die Anschaffung der Kunstsammlung wurden nachweislich Beitragsgelder (früher Gebühren) der Rundfunkteilnehmer genutzt und somit agiert der WDR (sowie alle anderen Anstalten mit Kunstbesitz) lediglich als Treuhänder der Kunstsammlung.

Im Interesse einer zukunftsfähigen Weiterentwicklung des öffentlich zugänglichen nationalen Kunstbestandes, fordern wir die Überführung der Werke in den Bestand der Kunstsammlung NRW oder in eine andere öffentliche Einrichtung/Stiftung mit explizitem Publikumszugang, falls der WDR an den Verkaufsplänen festhält.

Zur Sicherung, Erhaltung und zum Schutz vor dem Zugriff des Marktes halten wir die Gründung einer entsprechenden Stiftung, bzw. die Überführung der Werke in eine bereits bestehende Stiftung als präventive Maßnahme für unumgänglich.

Im Falle einer Veräußerung gegen den Willen von Künstlerverbänden, Politikern und Experten ist der „Spekulations“gewinn (Differenz zwischen Kaufpreis und Verkaufspreis) den Beitragszahlenden zu erstatten bzw. der entsprechenden Stiftung zum Schutz der Kulturgüter zur Verfügung zu stellen.

Ein entsprechendes Schreiben der Ständigen Publikumskonferenz wird der Landesregierung NRW zugehen.


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