Von U-Booten und anderen Kuschelbären

Wolfgang Lieb in eigener Sache: Ich habe mich schweren Herzens entschlossen, nicht mehr für die NachDenkSeiten zu arbeiten

Wolfgang Lieb, geboren 1944 in Stuttgart, ist promovierter Jurist, Publizist und ehemaliger Politiker (SPD). Seit Gründung der NachDenkSeiten war Lieb, zusammen mit Albrecht Müller, deren Herausgeber. Nun hat er überraschend hingeschmissen. Hatte er noch vor einigen Monaten im Vortrag „Die Medien in der „wirtschaftskonformen“ Demokratie – Warum sie ihre Wächterrolle nicht mehr erfüllen“, die in den Nachdenkseiten gängige Medienkritik vertreten, so gibt sein Entschluss einige Rätsel auf.

Wolfgang Lieb berichtete anlässlich der eingangs erwähnten Veranstaltung von kleinen Fortschritten, welche er in seinem Umfeld erreichen konnte. Leute zum Umdenken zu bewegen sei oft nicht einfach. Besonders wenn sie gewissermaßen in einer „anderen Welt oder besser: in einem anderen Bewusstsein leben“. Das Versagen unserer Medien war ein großes Thema für Lieb, welchem er auch zahlreiche Vorträge und Schriften widmete.

Ob Diffamierungsversuche gegen Albrecht Müller und/oder die in dem Zusammenhang anstehenden juristischen Auseinandersetzungen eine Rolle spielen, ob Lieb die Querfront- und Truthervorwürfe aus mehr als dubiosem Umfeld gegen die Nachdenkseiten leid war und ob er vielleicht dadurch Nachteile für seine Reputation und/oder alternative Engagements fürchtete, weiß nur er selbst.

Von U-Booten und anderen Kuschelbären

Vielen Dank für den Gastbeitrag

Liest sich ein wenig wie: Das U-Boot Wolfgang Lieb taucht auf und damit ab. Anders können diese halbgaren Zeilen nicht gedeutet werden. Was dachte der gute Mann? An Veränderung ohne grundsätzliche Kritik? An ein wenig Meinungsmanipulation der Leser in den Grenzen seiner eigenen politischen Vorstellung? Naiv war er oder aus Berechnung dabei? Ein Korrektiv wollte er spielen – doch für was genau?

Sein letzter Artikel mit all den Verlinkungen stellt groteskerweise genau das Gegenteil dessen dar, was er damit aussagen wollte. Denn wenn der Leser den Links folgt und diese liest, dann wird schnell klar, was Lieb mit dieser letzten “guten Tat” vor hat. Vermeintlich will nun er Albrecht Müller ebenfalls in eine Ecke stellen. In eine Ecke die nach den Worten von Lieb weit weg ist von der humaneren, sozialeren und friedlicheren Welt, die sich Lieb so sehr für die NDS gewünscht hätte. Lieb versucht Müller damit ebenfalls in die Querfrontlinie zu schieben, weil Lieb vielfach darauf angesprochen wurde und auch dafür verantwortlich gemacht, was auf den NDS steht. Wer tat das wohl? Waren es alte Parteispezl? Oder dann diese Damen und Herren vom “Initiativkreis zur Förderung des öffentlichen Rundfunks” bei denen er Mitglied ist (siehe auch Wiki).

Nach Liebs Leitmotto: “Wer nicht handelt, der wird behandelt” (Willy Brandt) sollte doch genau Lieb höchstselbst wissen, dass das was nun Müller erfuhr, sich aus genau diesem Motto speiste. Sie haben beide zu zögerlich gehandelt, dass nun ein “altes” aber aktuelles Buch von Müller als Waffen gegen die NDS genutzt wird. Kritik bewirkt immer das Gegenteil, wenn sie zaghaft vorgetragen oder der Gegenüber sie nur als lästig empfindet. Da wird Albrecht Müller bald die V-Leute aus “seinen eigenen” Reihen bitterböse zu spüren bekommen, wenn die Unterstützer und Leser der NDS nicht genau jetzt wissen was es mit dieser Trennung Liebs auf sich hat und dazu zwischen den Zeilen herausfiltern, was dies alles bedeutet.

Albrecht Müller hat spätestens zu dem Zeitpunkt, als die vermeintliche Querfront auch auf ihn zugeschnitten und dazu auch noch sein Buch “zufälligerweise” diskreditiert wurde (bzw. werden sollte), bemerkt, dass die bisher verfolgte Linie alleine nicht reichen wird, ohne auch massiv Kritik zu üben. Ohne an den Boden der Tatsachen zurückzukehren. Und die Entwicklung die er durch macht, kann nur als positiv empfunden werden. Leider hat es persönliche Anfeindungen gegen ihn gebraucht, um ihm aufzuzeigen, das nur eine Linie der scharfen Schrift und klaren Worte sein Projekt weiterbringen kann. Hoffentlich sieht er dieses Argumentum ad hominem baldmöglichst als Auszeichnung, da seiner Gegnerschaft wohl nun nur diese letzte Möglichkeit blieb, ihn und sein Projekt und damit alle seine Mitstreiter und Leser zu diffamieren.

Wer kann Müller dies ernsthaft vorhalten, sich nun gen diesen Mob zu stellen und ob seiner Erfahrungen nun eine eigene rote Linie zu ziehen?

Nur einer der es gerne heimelig und nett hat und dann die Kurve kratzt, wenn es ungemütlich wird. Wolfgang Lieb scheint einer davon zu sein. Mit was wollte er denn die kritischen Gegenöffentlichkeit bilden? Mit was daraus eine demokratische Gegenöffentlichkeit formen? Mit lauwarmen Sätzen über versehentliche Verfehlungen und unbeabsichtigten Seitentritte von Politik und Medien, gegen eigene Wähler, Nichtwähler, Bürger, Zuschauer und Leser und gegen die Opposition? Kilometerlangen Gesetzesbrüchen nationaler als auch internationaler Art säumen die Strasse des Todes der heutigen Medien und der Politik? Alles halb so wild, Herr Lieb? Sich bei denen, die das betreiben noch lieb Kind machen?

Den Mann kann nach diesen Zeilen niemand mehr ernst nehmen – er hat damit 12 Jahre seiner eigenen “idealistischen” Mühe in den Eimer getreten. Und er hat noch etwas damit bewirkt: In aller Öffentlichkeit einen Bruch dargestellt, der sich vermeintlich in den NDS wiederspiegelt. Weit gefehlt, da überschätzt er wohl sein eigenes Gewicht. Die NDS waren und sind immer darauf ausgelegt, dass sich der Ton verschärfen muss. Zuerst vielleicht ein Vorreiter. Doch auch andere Alternativen für Leser taten sich auf, was zwangsläufig dazu führt, dass sich alle genauer positionieren müssen, um auch in Zukunft Gehör zu erfahren. Genau dies geschieht in 2015/2016. Und nicht nur bei den NDS.

Aber andere kritische Geister bemanteln sich (nicht zuletzt auch aus der Not heraus, von etwas leben zu müssen) mit Kritik, die sich nur bis zu einem kritischen Punkt wagt. Medienjournalisten getrauen sich nur so lange nicht wirklich nachhaltig harte Kritik zu äußern, bis auch sie bald eines ihrer Werke verdutzt neben dunklen Werken anderer Zeiten erblicken werden oder einfach pro Forma eine Verwurstung zur baldigen Quadratfront erfahren werden. Wird ein interessantes Schauspiel werden das mit anzusehen, wenn plötzlich aus diesen netten eloquenten Kritikern harsche Verfechter gegen die offizielle Linie werden. Aber erst nachdem sie selber von Medien oder Politik persönlich diffamiert wurden. Vorher wagen sie sich nicht aus der Deckung. Zu der Zeit sollte dann auch keiner zurückschrecken und sie daran erinnern, was sie vormals schrieben, sagten und taten um die allgemeine Kuschelzone nicht verlassen zu müssen, trotzdem so irgenwie ihren Job zu machen und natürlich ihr Geld damit zu verdienen.


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