Die abgehobene Tagesthemen-Berichterstattung

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Die abgehobene Tagesthemen-Berichterstattung
Februar 2017

Angeregt von der Harvard-Studie über die Anti-Trump-Tendenzberichterstattung der Mainstream-Medien haben Friedhelm Klinkhammer und Volker Bräutigam, die Tagesthemen-Ausgaben im Februar 2017 auf ihre Schlagseite hin untersucht. Sie sehen ihre statistischen Ergebnisse nicht im Vergleich zur besagten Studie, halten ihr Zahlenmaterial für sich genommen aber auch für erhellend:

Die transatlantisch orientierte Berichterstattung (einschließlich aller Nachrichten über die NATO und die sog. Münchener Sicherheitskonferenz) belief sich auf 80 Minuten = 12 % der Gesamtzeit aller Februar TT-Sendungen. Es handelt sich um 34 Berichte und Nachrichten im Komplex mit US-Präsident Trump.

Nur ganz vereinzelt tauchten Nachrichten über das sonstige Geschehen in den USA (Glamour-Events und Sport) auf.

5 der 34 Berichte waren im Bezug auf Trump und seine Regierung neutral bzw. positiv. Sie drehten sich u.a. um die Besuche der deutschen Verteidigungsministerin und des deutschen Wirtschaftsministers in den USA und um die Forderung Trumps nach Erhöhung der Rüstungsaufgaben. Diesbezüglich war ein deutliches Wohlwollen erkennbar.

Die restliche Berichterstattung über Trump war kritisch-negativ, zwar sachlich nicht falsch, aber ersichtlich ausgesucht, um Zweifel an der politischen Kompetenz und Regierungsfähigkeit des US-Präsidenten zu verbreiten. Auch diese ständig negativ akzentuierte Berichterstattung hat Methode: Sie dient der Dämonisierung des Präsidenten. Dass das Ansehen der USA in der deutschen Bevölkerung inzwischen auf das Niveau des Ansehens Russlands „herunter berichtet“ wurde, ist eine der Folgen dieser Nachrichtengestaltung.

Der Glaubwürdigkeit der ARD-aktuell dient es wohl kaum, dass das das Trump „abmeiern“ die Berichterstattung dermaßen dominiert.

Die Anstöße des „Harvard Kennedy School’s Shorenstein Center“ für die Journalisten, wie sie ihr arg ramponiertes öffentliches Ansehen wiederherstellen könnten, sollten auch die Redakteure von ARD-aktuell und die aller andren deutschen Mainstream-Medien beherzigen:

„Journalisten konzentrieren sich auf die Macht-Spielchen in Washington – wer ist gerade oben und wer ist unten, wer ist immer besser als andere, wer kann eine faszinierende Geschichte liefern. Am Ende des Tages ist das nur interessant für Polit-Junkies. Solch eine Berichterstattung ist zu weit entfernt vom Leben der US-Bürger, um sie zu lehren, dass das politische System nicht für sie da ist oder auch nur für sie spricht.“

Dass ARD-aktuell auch für den ganz überwältigenden Teil der Bevölkerung in Deutschland nicht da ist, zeigen die weiteren Zahlen unserer kleinen Auswertung. Zum Thema Soziales (Arbeitskämpfe, Armut, Rente, Kinder) stellte Dr. Gniffke gerade einmal 12 Minuten Sendezeit (1,8%) für den ganzen Monat Februar zur Verfügung. In 36 Sekunden (0,2%) durften sich Bürger auch mal selbst äußern.

Regierungsverlautbarungen und Wirtschaftsnachrichten sind fester Bestandteil in den Tagesthemen.

Börsennachrichten, interessant für die Wohlbetuchten, gibt es werktäglich von Montag bis Donnerstag, das Sendevolumen hierfür war im Februar mit 17 Minuten rund 50 % höher als das über die soziale Situation der Gesamtbevölkerung. Das ist ein unbezweifelbarer Beleg dafür, dass und wie an den Interessen der Bevölkerung vorbei berichtet wird.

Wie heißt es so hübsch im Staatsvertrag über das ARD-Programmangebot:

„Die Programme und Angebote der ARD haben der Allgemeinheit einen umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. Die ARD soll hierdurch die internationale Verständigung, die europäische Integration und den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Bund und Ländern fördern.“

Wir meinen, dass ARD-aktuell gegen diese Verpflichtung massiv verstößt.

Link zur Beschwerde von F. Klinkhammer, V. Bräutigam

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