Fluchtgründe 35. KW

Quelle: Gruppe 22 – Informationszentrum Asyl und Migration
Bildquelle Symbolbild: dpa

Kürzlich hatte das Auswärtige Amt einen vertraulichen „Zwischenbericht“ zur Sicherheitslage in Afghanistan vorgelegt. In dem Papier sind unter anderem 27 der 34 Provinzen aufgelistet, in denen mit Angriffen vor allem der radikalislamischen Taliban gegen die afghanische Regierung oder internationale Vertreter gerechnet werde. Die Gefahr für die afghanische Bevölkerung wird dennoch als eher gering beschrieben. Das Außenamt und das Innenressort kamen auf der Basis des Berichts zu dem Schluss, dass es keinen Grund gebe, ihren Abschiebekurs zu verändern. Die USA haben indes angekündigt, ihr Engagement in Afghanistan angesichts der schwierigen Sicherheitslage wieder zu verstärken. Die US-Luftwaffe könnte nach eigener Einschätzung häufiger Angriffe auf Ziele in Afghanistan fliegen. Die deutsche Regierung sieht aber keinen Grund, von Abschiebungen in das Land abzusehen. (Handelsblatt/dpa)

Afghanistan

Bewaffnete Auseinandersetzungen

Weiterhin kommt es zu Kampfhandlungen, Säuberungsaktionen, Luft- und Drohnenangriffen, Razzien der Sicherheitskräfte sowie Überfällen und Anschlägen der Aufständischen, bei denen teilweise auch Zivilisten getötet oder verletzt werden. Nach Presseberichten waren in der vergangenen Woche folgende Provinzen betroffen: Jawzjan (Norden, hier sollen die Taliban mindestens 17 Dörfer im Distrikt Khamab überrannt haben), Balkh, Sar-i-Pul, Faryab (Norden), Kunar, Laghman, Nuristan (Osten), Nangarhar (Osten, neben Militäroperationen und Drohnenangriffen sollen hier zwei Stämme einen Konflikt um eine Mineralienmine mit schweren Waffen ausgetragen haben), Maidan Wardak (Zentrum), Uruzgan, Kandahar (Süden), Ghazni (Südosten, hier sollen die Taliban den Distrikt Zana Khan kurzzeitig erobert haben), Paktia, Paktika (Südosten), Baghlan (Nordosten), Badghis, Farah und Herat (Westen).

Anschläge und Übergriffe

Am 21.08.17 sollen die Taliban im Distrikt Raghistan der Provinz Badakhshan (Nordosten) einen behinderten Mann wegen des Vorwurfs einer Vergewaltigung ausgepeitscht haben.
Am 23.08.17 starben mindestens 50 Menschen bei einem Bombenanschlag in Lashkargah, der Hauptstadt der Provinz Helmand (Süden). In Kabul wurden mindestens sieben Personen verletzt, als Unbekannte Handgranaten auf einen Kontrollposten warfen.
Am 24.08.17 wurden im Distrikt Nijrab der Provinz Kapisa (Zentrum) zwei Polizisten und zwei Zivilisten bei einem Bombenanschlag getötet.
Am 25.08.17 wurden bei einem sog. komplexen Angriff (d.h. mit mehreren kombinierten Taktiken, etwa wie hier mit Selbstmordattentätern und weiteren bewaffneten Angreifern) auf eine schiitische Moschee in Kabul mindestens 28 Menschen getötet und über 50 verletzt.
Bei einem weiteren Vorfall wurden in Kabul fünf Menschen bei der Explosion einer an einem Auto angebrachten Magnetbombe verletzt.
Am 26.08.17 wurden drei Polizisten und ein Kind bei einem Anschlag auf das Frauenministerium in der Provinz Badghis verletzt. In der Provinz Nangarhar (Osten) wurde ein Geistlicher ermordet. In der Provinz Farah (Westen) starben zwei Polizisten und ein Zivilist bei einem Anschlag.
Am 27.08.17 sprengte sich ein Selbstmordattentäter in der Nähe eines Militärkonvois in der Provinz Helmand in die Luft. Dabei starben mindestens 13 Menschen, darunter auch Zivilisten. In der Provinz Zabul (Süden) wurde der stellvertretende Vorsitzende des Rats der Geistlichen (Ulema Council) ermordet. In der Provinz Nimroz (Süden) wurde der Polizeichef des Distrikts Delaram zusammen mit einem seiner Leibwächter bei einem Hinterhalt der Taliban getötet.

Kamerun

Boko Haram: Mindestens 15 Tote bei Angriff auf Grenzort

Am 24.08.17 attackierten mutmaßliche Angehörige der islamistischen Terrororganisation Boko Haram die etwa 1 km von der nigerianischen Grenzstadt Kerawa entfernt gelegene Ortschaft Gakara (Region Far North). Dabei wurden mindestens 15 Menschen von den Terroristen erschossen und acht entführt. Zudem wurden 35 Häuser in Brand gesteckt.

Marokko

Neue Flüchtlingsroute von Tanger nach Europa?

In der Hafenstadt Tanger sollen sich ca. 20.000 bis 30.000 Migranten aus den südlicheren afrikanischen Ländern aufhalten, in der Hoffnung, von dort aus nach Europa zu gelangen. Einige von ihnen hoffen, mit Hilfe von Schlauchbooten nach Gibraltar überzusetzen; 9.300 Migranten ist dies seit Anfang des Jahres gelungen. Andere versuchen, über die Exklaven Mellila und Ceuta europäischen Boden zu erreichen; auch dies haben mehrere tausend Migranten in diesem Jahr bereits geschafft.

Myanmar

Dutzende Tote bei Angriffen auf Posten der Sicherheitskräfte

Am 25.08.17 wurden bei offenbar koordinierten Angriffen muslimischer Rohingya auf etwa 30 Polizeiposten und ein Militärlager in den Gemeinden Maungdaw, Buthidaung und Rathedaung im Rakhine State mindestens 71 Menschen getötet, darunter zehn Polizisten, ein Einwanderungsbeamter und 59 mutmaßliche Angreifer. Die Arakan Rohingya Salvation Army (ARSA) bekannte sich zu den Überfällen. Das Militär evakuierte etwa 4.000 Nicht-Muslime aus dem betroffenen Gebiet. Etwa 2.000 Rohingya flohen ins benachbarte Bangladesch. Mittlerweile stieg die Zahl der Todesopfer in den andauernden Auseinandersetzungen zwischen den Sicherheitskräften und hunderten Kämpfern auf insgesamt mindestens 104.

Niger

Hochwasser bedroht tausende Menschen in Nigers Hauptstadt Niamey

Nach sintflutartigen Regenfällen haben die nigrischen Behörden tausende Bewohner der Hauptstadt Niamey zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert. Mehrere Viertel der Stadt seien erheblich bedroht, sagte der Leiter der Katastrophenschutzbehörde, Abdoulaye Bako, am 27.08.17.

Nigeria

Boko Haram: Sechs Tote bei Selbstmordanschlag in Maiduguri

Am 23.08.17 näherte sich in Maiduguri im Gebiet Muna Garage ein Selbstmordattentäter einem Personentransporter der Polizeisondereinheit SARS. Als die Sicherheitskräfte das Feuer auf ihn eröffneten, explodierte sein Sprengstoffgürtel. Bei dem Anschlag wurden laut Polizeiangaben der Attentäter und ein Zivilist, nach anderen Angaben sechs Personen getötet und mehrere verletzt.

Boko Haram: Zahl der minderjährigen Selbstmordattentäter 2017 stark angestiegen

Laut Angaben des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) vom 22.08.17 erhöhte sich die Zahl der minderjährigen Selbstmordattentäter von 19 im Jahr 2016 auf 83 im laufenden Jahr. 55 davon waren Mädchen, die meisten noch keine 15 Jahre alt.

Somalia

Anschläge

Al-Shabaab-Kämpfer ermordeten im Stadtteil Karan von Mogadischu am 24.08.17 einen Angehörigen der örtlichen Verwaltung. Nach Angaben von al-Shabaab töteten Kämpfer am 25.08.17 in der Stadt Fahdun (Region Gedo) einen Mitarbeiter des somalischen Geheimdienstes NISA.

Kampfhandlungen

Die somalische Armee und AMISOM nahmen am 19.08.17 die Ortschaft Barire (Region Lower Shabelle) ein und errichteten dort einen Stützpunkt. Al-Shabaab eroberte nach einem Gefecht mit AMISOM am 21.08.17 für kurze Zeit die Ortschaft Mahaday (Region Middle Shabelle). Es handelte sich um den achten Angriff der Extremisten auf diese Ortschaft in zwei Wochen. Al-Shabaab beschoss am 22.08.17 nach eigenen Angaben somalische Sicherheitskräfte in Qoryooley und Barire (Region Lower Shabelle). Die somalische Armee und Einheiten der Übergangsregierung von Galmudug (Galmudug Interim Administration – GIA) nahmen am 23.08.17 die von der Ahlu Sunna wal Jama’a (ASWJ) gehaltene Ortschaft Mareer Gur (Region Galgudud) ein. Ungeachtet andauernder Verhandlungen zwischen der GIA und der ASWJ um eine mögliche Einbindung der ASWJ in die Regierung kam es daraufhin am 23.08.17 in Dhusamareb (Region Galgudud) zu Zusammenstößen. Bei der ASWJ handelt es sich um eine sufitisch geprägte islamistische Miliz, die gegen al-Shabaab kämpft und vor allem in den zentralsomalischen Regionen Galguduud und Hiiran aktiv ist. Wegen Streits um eine angemessene Vertretung der ASWJ auf nationaler und regionaler Ebene kam es bereits mehrfach zu militärischen Auseinandersetzungen mit der somalischen Armee sowie der GIA.
Am 25.08.17 unterstützten US-Einheiten eine Operation der somalischen Armee nahe Barire (Region Lower Shabelle). Dabei sollen nach Angaben des stellvertretenden Gouverneurs von Lower Shabelle ausländische Soldaten zehn Zivilisten, darunter drei Kinder, getötet haben. Der somalische Informationsminister wies diese Behauptung zurück. Ihm zufolge kamen ausschließlich al-Shabaab-Kämpfer ums Leben. Das US Africa Command gab an, das Verteidigungsministerium untersuche die Anschuldigungen.

Türkische Militärbasis in Mogadischu

Die Türkei eröffnete am 22.08.17 in Mogadischu einen Militärstützpunkt, auf dem somalische Soldaten ausgebildet werden sollen. Am 23.08.17 wurden etwa 200 türkische Ausbilder nach Mogadischu verlegt. Die Stationierung weiterer türkischer Soldaten ist für die nächsten Wochen vorgesehen.

Missernte droht
Nach UN-Angaben werden in Somalia wegen der unterdurchschnittlichen Regenfälle der Sommerregenzeit bis zu 50 % weniger Getreide produziert werden als üblich.

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