Publikumskonferenz trifft Otto-Brenner-Stiftung und Heinrich-Böll-Stiftung

Station 1: Otto-Brenner-Stiftung

Nicht Ruhe, nicht Unterwürfigkeit gegenüber der Obrigkeit ist die erste Bürgerpflicht, sondern Kritik und ständige demokratische Wachsamkeit.
Otto Brenner

Am 21.November 2017 verlieh die Otto-Brenner-Stiftung erneut die Otto Brenner Preise für kritischen Journalismus. Verbunden wurde die Preisverleihung wiederholt mit einer medienpolitischen Tagung – in diesem Jahr unter dem Motto „Journalismus zwischen Morgen und Grauen“.

Keynote: „Zahlreiche Studien attestieren dem Journalismus eine Vertrauenskrise und viele Untersuchungen diagnostizieren den Medien eine Glaubwürdigkeitskrise. Journalisten werden immer stärker als Teil der „etablierten“ Klasse wahrgenommen und als Teil des Establishments heftig kritisiert. Skeptische Distanz bis hin zu aggressiver Ablehnung des (traditionellen) Medienbetriebs werden als Ergebnis eines Entfremdungsprozesses zwischen Medien-Machern und Medien-Nutzern interpretiert.“

Nach der allgemeinen Begrüßung und Eröffnung durch OBS-Geschäftsführer Jupp Legrand stieg der Publizist und Autor Christian Nürnberger in das Thema ein und nahm kein Blatt vor den Mund.

Dass er im Verlauf der Veranstaltung sein Buch promoten konnte, welches er gemeinsam mit seiner Frau, der bekannten ZDF-Nachrichtensprecherin Petra Gerster geschrieben hat – geschenkt. Seine Thesen und Überlegungen zur externen Medienkritik aber, waren zum Teil der Gipfel der Unverfrorenheit und ein beredtes Beispiel für das irrlichternde Schubladendenken der Etablierten. Medienkritik von außen ist laut Nürnberger verbunden mit „Aluhut“, Pegida, aus Russland gefütterten Wahrheitsgemeinschaften und Echoräumen, Fake-News-Gläubigkeit und Verschwörungstheorien. Soweit, so müßig, so redundant.
Seine Überlegungen zur Zukunft der Medien waren in Bezug auf Konzernmedien und Netzgiganten allerdings nicht von der Hand zu weisen. Schlussendlich soll es der mündige Bürger richten, welcher allerdings vorher mit der entsprechenden Bildung ausgestattet sein sollte, um die Notwendigkeit des Journalismus für die Demokratie zu erkennen. Ein frommer Wunsch.

Podiumsdiskussion „Journalismus zwischen Morgen und Grauen!“

Es diskutierten:

• Prof. Dr. Michael Haller, Medien- und Kommunikationswissenschaftler, OBS-Autor
• Henriette Löwisch, Leiterin der Deutschen Journalisten Schule (DJS), München
• Sonia Seymour Mikich, WDR-Chefredakteurin Fernsehen
• Christian Nürnberger, Publizist
• Stefan Niggemeier, Medienjournalist, Gründer und Autor von Übermedien GmbH
• Moderation: Silke Burmester (freie Journalistin)

Die Podiumsdiskussion wurde für den erkrankten Thomas Leif vertretungsweise von Silke Burmester moderiert, was auf der einen Seite tröstlich, aber auf der anderen teilweise ärgerlich war. War Leif optisch und von seinem arrogant-schnoddrigem Auftreten her eine Zumutung, so fuhr Silke Burmester intellektuell und moderativ auf einer ziemlich konfusen Schiene, aber schaffte es dabei immer noch spielend ihre feministische Agenda in die Diskussion einzustreuen, insbesondere dann wenn diese partout nicht passte.
Aber machen Sie sich selbst ein Bild. Diese Podiumsdiskussion ist interessanter und unterhaltsamer als das übliche Hauen und Stechen im TV.

2. Teil – Verleihung der Otto Brenner Preise 2017

Festrede von Georg Schramm als Lothar Dombrowski

Georg Schramm hat bei seiner Festrede erkennbar improvisiert, denn diverse Thesen und Überlegungen von Christian Nürnberger wollte er nicht unkommentiert stehen lassen. Alles in Allem, ein gewohnt launiges, hintergründiges und wortgewaltiges Feuerwerk.

Überblick über die gesamte Preisverleihung.

Station 2: Heinrich-Böll-Stiftung

Merken die Politiker nicht, dass sie uns zu viel Absurditäten zumuten, wenn sie dann auch mit glücklich glitzernden Augen auf Flugplätzen und vor Regierungssitzen Fronten abschreiten, da wehen die Haare, da flattern die Fahnen, Musik erklingt – im Normalfall stupides Gefühlsgetrommel; welch ein großartiges, international abgesprochenes Täuschungsmanöver.
Heinrich Böll

Am Tag darauf, dem 22. November 2017, besuchte ich mit meinem Freund und Mitstreiter Gert Ewen Ungar eine Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung, die sich thematisch an Perspektiven für eine ökologische Modernisierung der russischen Volkswirtschaft versuchte.

Gert Ewen Ungar hat den Veranstaltungsverlauf freundlicherweise bereits aufgearbeitet, sodass ich lediglich einige Gedanken zur Veranstaltung äußern möchte.

Unter dem Motto „Wie heißt Green New Deal auf Russisch?“ versuchte der Veranstalter insbesondere in Person des ehemaligen Geschäftsführers und ideologischen Scharfmachers Ralf Fücks dem anwesenden Publikum weißzumachen, dass ein ökologischer Wandel in Russland nur unter einer anderen politischen Führung möglich wäre.

Ich erinnere mich bei solchen Phantasien an die erbärmlichen Zustände in Russland, die unter der Herrschaft des trunksüchtigen, schwachen und westhörigen Präsidenten Jelzin herrschten, der das Volksvermögen Russlands an ausländische Konzerne verhökerte und die eigene Bevölkerung in Hunger, Elend und Kälte darben ließ. Zustände, an die im Übrigen diverse Qualitätsjournalisten und Politiker mit Wehmut zurückdenken.

Die Heinrich-Böll-Stiftung holte sich ausgewiesene Experten und Russlandkenner auf das Podium, die aus Ihren Erfahrungen und von ihrer Arbeit berichteten. Ein solcher ist der habilitierte Wirtschaftswissenschaftler Prof. Sergej Bobyljow. Er leitet den Lehrstuhl für Natur- und Umweltwirtschaft an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Moskauer Staatlichen Universität (MGU) und ist Leiter des Zentrums für Biowirtschaft und ökologische Innovationen der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der MGU und trägt die Auszeichnung und „Verdienter Wissenschaftler der Russischen Föderation“. Dass in Statements von Prof. Bobyljow die Gesundheit der Menschen als Aktionsgrund prioritär vermittelt wird, halte ich für besonders erwähnenswert.

Fücks despektierliche Körpersprache, sein skeptisch-höhnisches Minenspiel während der Ausführungen des Professors, sowie seine teils unzutreffenden und manipulativen Aussagen waren für mich schwer erträglich. Ein gelegentlicher Blick auf den Globus wäre für eine angemessene Wertung der ökologischen Herausforderungen Russlands hilfreich gewesen. Weiß dieser Mann überhaupt von welchen Dimensionen er da fabuliert?

Ein paar ökologisch relevante Fakten zu Russland:

• Die Russische Föderation ist mit einem Staatsgebiet von 17,1 Mio. km² der flächenmäßig größte Staat der Erde.
• Russland ist ein multinationaler Staat mit ca. 200 ethnischen Gruppen.
• In Russland gibt es 11 Zeitzonen.
• Russland verfügt über so viel unberührte Wildnis wie kein anderer Staat der Welt.
• Zwei Drittel des russischen Territoriums liegen in der Permafrostzone.
• Mehr als ein Fünftel aller Waldflächen und ein mindestens ebenso großer Teil der nutzbaren Süßwasservorkommen der Erde liegen in Russland.
• Rund 70 Prozent des russischen Territoriums liegen in Gebieten mit dezentraler Energieversorgung.

Wie Gert Ewen Ungar in seiner Zusammenfassung schon erwähnte, brachte es Fücks doch tatsächlich fertig, US-amerikanisches Frackinggas als Alternative zu russischem Erdgas für Europa zu bewerben. Der Widerspruch zur sonst geläufigen Agenda des Grünen ist evident: So sollten im Zuge der Dekarbonisierung 80% der weltweiten erforschten Kohlevorräte, 50% der Öl- und 30% der Gasvorkommen im Boden verbleiben, was eine langfristige Entwertung dieser Vorräte bedeute. Wichtig für Fücks ist die Feststellung, dass damit dem gegenwärtigen Geschäftsmodell Russlands der Boden entzogen werde. Der Verdacht liegt nahe, dass Fücks mit Hilfe von NGOs und stark involvierten Stiftungen primär die energiewirtschaftliche Notwendigkeit des Pipeline-Projekts „Northstream II“ in Zweifel zieht und das Projekt insgesamt zu Gunsten anderer Profiteure zu torpedieren hilft.
Fücks sorgte sich bei Northstream II bereits an anderer Stelle um die Umweltverträglich des Projektes, insbesondere wegen des geplanten Streckenverlaufs durch das ökologisch sensible Naturschutzgebiet Kurgalskij, welches auch unter die Konvention zum Schutz der Meeresumwelt des Ostseegebietes fällt.

Derweil sind anderweitig bereits Pläne für die längste Unterwasser-Gaspipeline der Welt in Sack und Tüten. Diese Leitung soll ungefähr 2000 Kilometer lang sein und von Israel und Zypern nach Griechenland, Italien und in andere europäische Märkte reichen um die Versorgungssicherheit (sic!) der EU zu sichern. Gas ist offenbar nicht gleich Gas und darf in anderen Regionen der Welt nach Ansicht von Pseudoumweltschützern ohne Rücksicht auf ökologische Erwägungen geborgen und über ökologisch und wirtschaftlich bedenkliche und irrwitzige Routen transportiert werden.

Wer den mit üppigen staatlichen Zuwendungen ausgestatteten Protagonisten des „New Green Deal“ außerhalb Russlands über den Weg traut, ist ebenso naiv wie Jene, die einst daran glaubten, dass sich die NATO nicht in Richtung Osten ausbreiten werde.

Auf YouTube können Sie sich den Mitschnitt der Veranstaltung anschauen, um sich selbst ein Bild zu machen.

 

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