Frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr

Sehr geehrte Mitstreiter und Leser der Ständigen Publikumskonferenz,

schon wieder neigt sich ein Jahr dem Ende zu und man hat den Eindruck, dass mal wieder nicht alles geschafft wurde, was man sich ursprünglich vorgenommen hatte. In unserem Fall sind es stapelweise Eingaben, kluge Texte, neue Projekte, Gespräche und Kontakte zu Gleichgesinnten, sowie die notwendige und längst geplante Etablierung von Netzwerken. Die Liste der guten Vorsätze für das neue Jahr dürfte lang werden. Die Bewältigung der Aufgaben steht und fällt mit einem engagierten Team und daher beginnen wir diesen Newsletter mit jener Passage, die sonst immer am Ende steht:

Für die praktische Arbeit suchen wir auch weiterhin ehrenamtliche Mitstreiter:

– Grafikdesigner, IT-Experten
– Mitstreiter für regionale Netzwerkbildung, Kampagnen, Crowdfunding
– Texter, Lektoren, Übersetzer

Programmbeschwerden

Seit unserem letzten Newsletter haben wir um die 40 Programmbeschwerden unserer Mitstreiter veröffentlicht und auch einige Beschwerden in eigener Regie an die zuständigen Anstalten versandt. Die Themen sind vielschichtig und richten sich in erster Linie gegen Auslassungen wesentlicher Informationen, tendenziös, parteiische Wertungen von politisch brisanten Ereignissen, sowie gegen schlichte Desinformation. Darüber hinaus gab es wieder die allseits bekannte Massenliquidation von Programmbeschwerden durch die Rundfunkgremien.
Interessant waren wiederum einige Antworten, sowohl der Programmverantwortlichen als auch der Gremienvertreter, exemplarisch für Letztere hier die Antwort des Vorsitzenden des BR-Rundunkrates auf die Beschwerde zum „Hard-Core-TATORT“.

Veranstaltungen, Interviews, sonstiges

Im November waren wir gleich zweimal zu Gast bei Stiftungsveranstaltungen in Berlin: Einmal zur Verleihung des „Otto-Brenner-Preises“ für ausgezeichneten Journalismus und am Tag darauf bei der Heinrich-Böll-Stiftung, die zum Thema „New green Deal auf Russisch“ eingeladen hatte. Eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse können Sie auf unserem Blog nachlesen und bei Interesse die Veranstaltungen komplett über die verlinkten Videos nachschauen.

Vor einiger Zeit wurde uns eine besondere Ehre zuteil: Das Portal KenFM lud unsere Vorsitzende zu einem Gespräch ein, welches im Format „Der Rote Tisch“ stattfand und Anfang November ausgestrahlt wurde.

Der Rote Tisch – 30 Minuten mit Maren Müller (Ständige Publikumskonferenz)

Vom 26. bis 28. Januar 2018 findet die IALANA Medientagung „Krieg und Frieden in den Medien“ in der CROSS Jugendkulturkirche Kassel statt.

„Medienkritik gibt es seit langem. Mit der Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt hat sie drastisch zugenommen. Vor allem in den Sozialen Medien, der sogenannten ‚5. Gewalt‘, finden sich immer interessantere und tiefergehende Analysen. Dazu kommt das Kabarett — Gutes Kabarett war schon immer politisch, aber Max Uthoff und Claus von Wagner haben ‚Friedenskabarett‘ erfunden; eine neue Form von Pädagogik. Das will die Tagung präsentieren. Vor allem sollen die medienkritischen WissenschaftlerInnen und JournalistInnen zu Wort kommen: Kann man ein Leitbild ‚Friedensjournalismus‘, der Wahrheit verpflichtete und deeskalierende Berichterstattung etablieren?“

Ausblick und Forderungen an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Dazu ein Auszug von Mit-Autorin Maren Müller aus dem Buch „Lügen die Medien“:

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist heute weiter davon entfernt denn je, den gesetzlichen Auftrag zu bedienen, der besagt, dass die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen sind.

Inhalte werden privatisiert und boulevardisiert, Strukturen sind einem verkrusteten Parteiensystem unterworfen, der Quotenterror regiert. Die Berichterstattung trägt staatspropagandistische Züge und ist geradezu „regierungsfromm“. Das Credo des anständigen Journalismus, den Mächtigen auch unbequem zu sein, ist mehr oder minder komplett von einem vorauseilenden Gehorsam verdrängt worden. Angebote der Bildung, Information, Beratung sowie niveauvolle kulturelle Beiträge kommen regelmäßig zu kurz, weil die Unterhaltungssparte drastisch überzieht. Der größte Teil der Einnahmen aus dem Beitragsaufkommen wird inzwischen für Unterhaltung, Fußball sowie grenzwertige Talk- und Spielshows verwandt. Hochwertige Dokumentationen werden in die Nachtstunden verbannt, Degeto-Schrott, Pilcher-Schmonzetten, Kitsch-Serien und Aldi–versus-Lidl-Dauerwerbesendungen dominieren die Primetime. Die Einschaltquoten entscheiden über das Programmschema, die Quote regiert zu Lasten der Qualität. Die über sechzig Radiosender, zwanzig Fernsehkanäle und zahllose Onlineangebote der Öffentlich-rechtlichen stellen keine Grundversorgung im Sinne des Gesetzgebers mehr sicher, sondern stehen für eine Überversorgung mit falschen und Unterversorgung mit relevanten Inhalten.
Im Vergleich zu den ausländischen öffentlich-rechtlichen Anstalten haben wir in Deutschland das mit Abstand teuerste Angebot der Welt und erreichen im Verhältnis zum Aufwand die wenigsten Zuschauer. Finanziert wird der Apparat, der ein Drittel seiner Einnahmen für Personalkosten und Pensionsrückstellungen aufwendet, dabei durch eine sozial ungerechte Abgabe, die selbst Geringverdienern ohne Rücksicht auf deren Einkommenssituation abgepresst wird, um damit Einkommensmillionäre und grenzwertige Inhalte zu finanzieren.

Kultur statt Konsum, Bildung statt Ablenkung, Information statt Propaganda sind die Mindestforderungen. Der regelmäßige Dialog des Publikums mit den Machern der Programme über zu etablierende Inklusionsinstrumente stellte dabei sicherlich einen ersten Schritt in die richtige Richtung dar. Der Einsatz von Publikumsbeiräten und unabhängigen Ombudspersonen als beratende Instanzen wäre ein weiterer, sogar ohne großartigen Aufwand machbarer Schritt.

Wichtig ist, dass die öffentlich-rechtlichen Medien uns allen gehören. Das Publikum finanziert die Programme, die Gehälter und Honorare, die Infrastruktur, die exorbitanten Pensionsrückstellungen von Intendanten und produziert Millionäre am laufenden Band. Die bisherige Art und Weise der Kontrolle und demokratischen Anbindung durch Vertreter von Parteien, Verbänden und Kirchen in den dafür zuständigen Gremien funktioniert nicht. Hier ist ein undurchdringlicher Filz von Freundeskreisen, Interessenlagen und Machtansprüchen entstanden. Unser Ziel ist es daher, dass diese oder neu zu schaffende Gremien künftig frei von politischen Einzelinteressen ihren Aufgaben nachgehen und die Programme der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wieder dem gesetzlich definierten Auftrag entsprechen. Perspektivisch müsste hierfür eine Rechtsinstanz etabliert werden, die die Vorgaben des Staatsvertrages durch die Anstalten wirksam auf ihre inhaltliche Erfüllung kontrolliert und den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit eröffnet, bei Nichterfüllung und Verstößen auch den Klageweg zu beschreiten.

Buchcover, Buchabbildung

Die ersten drei Einsender, die uns eine Mail an info@publikumskonferenz.de mit dem Betreff „Lügen die Medien?“ unter Angabe ihrer Postadresse zugesendet hatten, bekamen ein Freiexemplar des Buches direkt auf den Gabentisch. Die Freiexemplare gingen nach Buggingen, nach Tübingen und in das schöne Seegebiet im Mansfelder Land.

Frohe Weihnachten und ein gesundes neues Jahr

Aber nun ist zunächst die Zeit des Innehaltens und der Besinnlichkeit, Zeit und Muße für Familie, Entspannung, ein gutes Buch oder einen ansprechenden Film. Wir wünschen Ihnen für die Feiertage und die Zeit zwischen den Jahren recht gute Erholung und eine stille, aber auch fröhliche Zeit mit Ihren Lieben sowie einen guten Start ins neue Jahr.

Wir möchten uns ganz herzlich bei unseren Mitgliedern, Fördermitgliedern, Spendern und Mitstreitern für die Unterstützung im Jahr 2017 bedanken. Sie haben den reibungslosen Betrieb von Technik, Logistik, Kommunikation und auch den Besuch diverser Veranstaltungen ermöglicht und gewährleistet. Ohne diesen aktiven Beitrag wäre unsere Arbeit nicht möglich.

Wir würden uns freuen, wenn Sie unsere Arbeit weiterhin mit Interesse begleiten. Auf unserer Agenda stehen die Förderung von Medienkompetenz, die Demokratisierung der Gremien und die Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Initiativen ohne eigenwirtschaftliche Interessen. Im Fokus unserer Arbeit steht immer das Publikum und dessen Anrecht auf angemessene, wahrheitsgetreue und relevante Information.

Daher wie immer unsere Bitte:

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Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie ein schönes Weihnachtsfest
und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Bleiben Sie aufmerksam, kritisch
und vor Allem – uns gewogen.

Ihr Team der Publikumskonferenz

 

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