ARD-aktuell und die trübe Quelle BILD

Beitragsbild: Screenshot FAZ

Seriöse und verifizierbare Quellen sind das A und O glaubwürdiger und qualitativ hochwertiger Berichterstattung. Innerhalb großer Medienbetriebe, in denen maßgebliche Mitarbeiter je nach politischer Großwetterlage über die Relevanz von Ereignissen befinden, sich in Folge am allgemeinen Gleichklang der Meldungen erfreuen und diesen Gleichklang auch noch als Bestätigung der Eigenleistung im Dienste der Wahrheit empfinden, ist gründliche Quellenrecherche ein Stiefkind journalistischer Aktivitäten. Zu ambivalent verhalten sich Echtzeitbegebenheiten und diverse Eigen- und Bündnisinteressen zueinander.

Passende Informationen finden sich teilweise in einer ganzen Anzahl von Quellen, wobei sich oft herausstellt, dass alle darin enthaltenen Informationen aus ein und derselben Quelle stammen, nämlich AFP, DPA oder Reuters. In der Nachrichtengebung von ARD, ZDF, DLF und sonstigem Mainstream finden sich darüber hinaus oft schwer verifizierbare Befunde von Fernbeobachtern und vermeintlichen Experten, bspw. der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London, dem Couchforensiker Elliot Higgins (Bellingcat) oder dem 1000 km vom Ereignis entfernten Korrespondentenbüro. Aber auch in unmittelbarer Nähe vom Geschehen drohen Quellen mit einschlägiger Agenda. Exemplarisch sei hier das Aleppo-Media-Center, die Al-Kaida-nahe Organisation White Helmets, oder „freie“ Reporter, die Kamera und Mikro stets in die politisch genehme Richtung halten.

Im kleinen Handbuch für Journalistenschüler steht geschrieben, dass stets versucht werden solle, für jede Fragestellung mehr als eine und unterschiedliche Arten von Quellen zu finden. Bevorzugt werden sollten in jedem Fall Original-/Primärquellen.
Es sei wichtig, nach einer möglichst großen Bandbreite an Quellen zu suchen, in denen unterschiedliche Meinungen zu einer Frage oder einem Ereignis reflektiert werden, da dies dazu beitrage, einen ausgewogenen Bericht zu erstellen. Das Auffinden von mehr als nur einer Quelle verleihe der bereitgestellten Information mehr Gewicht, was besonders in Fällen zutreffe, in denen die Information sensibler oder kontroverser Natur ist. Damit könne gezeigt werden, dass die vertretene Meinung nicht ausschließlich auf einer – möglicherweise befangenen – Quelle beruht.

Und es ist besonders wichtig, die Eignung der Quelle zu prüfen. Vielleicht in den Pausen und vor den Redaktionskonferenzen mal wieder Wallraff lesen – oder die TITANIC?

Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer hatten pünktlich zum Ereignis eine entsprechende Programmbeschwerde im Kasten und konnten daher noch nicht wissen, dass die kompromittierenden Mails nicht im Hause Springer erstellt wurden. Nachdem der Kollege mit Silicon-Valley-Hintergrund aus dem aktiven Dienst als Chefredakteur der BILD ausgeschieden war, herrscht bei Springers offenbar Notstand, was technische Möglichkeiten im elektronischen Informationsaustausch anbelangt.

Die Beschwerde richtet sich natürlich an die Nachrichtenredaktion der ARD, die sich nicht zu schade dafür ist, ihr russophobes Narrativ zu Lasten des Jusos Kevin Kühnert auszuleben und dazu die deutschlandweit zweifelhafteste Gazette als Quelle heranzuziehen.

„Nachrichtensendungen sind gemäß anerkannten journalistischen Grundsätzen zu gestalten“, schreibt der Staatsvertrag vor. Zu diesen Grundsätzen gehört, bei ungesicherten Informationen mindestens zwei Quellen beizuziehen. Bei ihrem Bericht:

No-GroKo-Kampagne
Jusos dementieren Hilfe aus Russland

stützte sich ARD aktuell ersichtlich nur auf eine einzige Quelle, und zwar ausgerechnet auf die BILD Zeitung, eines der widerwärtigsten journalistischen Produkte hierzulande.

Die Methode (nicht nur) dieses Drecksblattes ist es, einer anzugreifenden politischen Zielperson eine abträgliche Äußerung/Verhaltensweise anzulasten, und zwar unter Berufung auf Dritte, die nicht greifbar sind. In den Konjunktiv gesetzt, ohne dass sich die Autoren selbst damit identifizieren. Der Vorwurf zwingt den dergestalt Diskreditierten meist zu einem Dementi, das wiederum wird aufgegriffen und rundet die ganze Story ab – und fertig ist die Skandalgeschichte.

Im vorliegenden Fall dienen dazu einige E-Mails, für deren Echtheit es keinerlei Nachweis gibt und die mit größter Wahrscheinlichkeit Fälschungen sind. Dass die BILD sie nicht sofort in den Müll warf, sondern öffentlich zitierte, diente dazu, dem Juso-Chef geradezu hanebüchene Dummheit zu unterstellen. Der Zweck dieser Art von Boulevard-Journalismus ist allerdings deutlich: „Semper aliquid haeret,“ es bleibt immer etwas hängen. Da kann der Juso nun soviel dementieren wie er will.

Zitat tagesschau.de:

(…) Die Jusos wehren sich gegen Vorwürfe, ihr Vorsitzender Kevin Kühnert habe russische Hilfe für eine Social-Media-Kampagne gegen eine neue Große Koalition angenommen. Die in einem Bericht der „Bild“-Zeitung zitierten E-Mails von Kühnert seien gefälscht, sagte Juso-Sprecher Benjamin Köster. Die Sozialdemokraten prüfen, ob sie eine Anzeige gegen Unbekannt erstatten. „Solche Methoden machen wir nicht, brauchen wir auch nicht“, sagt der Juso-Sprecher. Der SPD-Nachwuchs verwies zudem darauf, dass es technisch nicht möglich sei, von dem genannten Account mit der Endung „jusos.de“ E-Mails zu verschicken.

Echtheit der Mails unbelegt

„Bild“ hatte von angeblichen E-Mails berichtet, die dem Blatt zugespielt worden seien, deren Echtheit sich aber nicht belegen ließe. Demnach soll ein Russe namens „Juri“ aus St. Petersburg Kühnert Unterstützung bei der Kampagne gegen die Neuauflage der Großen Koalition angeboten haben. Kühnert habe diese Hilfe gerne angenommen, so der angebliche Informant.

Diskreditiert wird mit dieser Schein-Objektivität und Schein-Distanziertheit auch, was der Juso Kühnert will.

Es liegt im Interesse des Springer-Konzerns und ersichtlich auch im Interesse der regierungskonformen ARD-aktuell, die Gegner einer Neuauflage der Regierungskoalition abzuwerten und die SPD-Führung medial nach Kräften zu unterstützen. Dazu zählt, dass mittlerweile auch Ortsvereinssitzungen dazu genutzt werden, Frau Nahles ins Bild zu hebeln als angeblich aussichtsreichste Bewerberin um den Parteivorsitz.

Unstreitig beteiligt sich hier die Tagesschau an politischem Kampagnenjournalismus. Sie übernimmt einfach eine Behauptung der BILD-Zeitung, die selbst von diesem Drecksblatt nicht als beweisbar deklariert wird. Wenn man sich an frühere Fälschungen der BILD erinnern wollte, könnte man sogar auf den Verdacht kommen, auch die hier genannten E-Mails aus Russland seien im Hause Springer produziert worden. Aber ARD-aktuell erinnert nicht an Früheres, sondern macht hier auch noch kostenlos und vollkommen grundlos Werbung für das Drecksblatt.

Von Sachlichkeit und Verpflichtung zur Wahrhaftigkeit, wie in den Programmrichtlinien vorgegeben, ist dieses Nachrichten-Surrogat der ARD-aktuell meilenweit entfernt.

Link zur Beschwerde im Forum

 

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