Vietnam – Die verschwiegene GI-Revolte

Die verschwiegene GI-Revolte
via termiten.net

Das der Vietnamkrieg nicht allein an der Unbesiegbarkeit der geschundenen Vietnamesen scheiterte, ist eigentlich ein offenes Geheimnis.

Die realen Hintergründe werden – bis heute naheliegend – noch immer gern unter den Tisch gekehrt.

Der US-Imperialismus scheiterte in Vietnam nicht zuletzt an innerer Sabotage, Desertation & offener Revolte – an der geistigen Entwicklung von GI’s und der Zivilbevölkerung. Bis vor kurzem existierte dazu allein spärliches, englichsprachiges Material und der Film dessen Plakat oben eingefügt ist.

Nun hat sich die „Neue Debatte“ um die Übersetzung und das Zusammentragen von Fakten, in einem lesenswerten längeren Artikel, verdient gemacht.

Hier nur wenige, aber prägnante Auszüge:

1970 zählte die US-Armee 65 643 Deserteure, was grob etwa vier Infanteriedivisionen entspricht. In einem Artikel, der im Armed Forces Journal erschien (7. Juni 1971) schreibt Marine Colonel Robert D. Heinl Jr., ein altgedienter Kampfbefehlshaber mit mehr als 27 Jahren Erfahrung bei den Marines und Autor von Soldiers of The Sea, einem Standardwerk zur Geschichte der Marineinfanterie:

„Nach allen erdenklichen Indizien ist unsere in Vietnam verbleibende Armee in einem Status, der sich dem Zusammenbruch nähert, wobei einzelne Einheiten Kampfhandlungen aus dem Wege gehen oder diese verweigert haben, ihre Offiziere und Unteroffiziere umbringen, drogenbeherrscht und entmutigt, wenn nicht nahezu meuterisch. Außerhalb von Vietnam ist die Situation fast genauso bedenklich … Aufruhr, gepaart mit Unzufriedenheit innerhalb der Reihen, von außen angefacht mit einer bislang undenkbaren Kühnheit und Intensität, überschwemmt die Streitkräfte …“

Heinl zitierte die Aussage eines Freiweilligen aus einem Artikel der New York Times:

„Die amerikanischen Garnisonen auf den größeren Basen sind praktisch entwaffnet. Die Berufssoldaten haben uns die Waffen weggenommen … Es gab auch durchaus einige Fälle von Fragging im Bataillon.“

Frag incidents oder Fragging waren im Soldatenslang Vietnams Begriffe für die Ermordung von strengen, unbeliebten und aggressiven Offizieren und NCOs (Non-Commissioned Officers bzw. non-coms = Unteroffiziere). Der Ursprung des Wortes liegt darin, dass gewöhnliche Soldaten Splittergranaten (fragmentation grenades) verwendeten, um damit Offiziere auszuschalten. Heinl schrieb:

„Es wurde weithin berichtet, dass durch Zusammenlegen von Beträgen zwischen $50 und $1.000 Belohnungen auf die Köpfe von Anführern ausgesetzt wurden, die die gemeinen Soldaten und SP4s ausradieren wollen.“

Kurz nach der verlustreichen Schlacht am Hamburger Hill Mitte 1969 bot eine der Soldaten-Untergrund-Zeitungen in Vietnam, GI Says, öffentlich ein Kopfgeld von 10.000$ für Lieutenant Colonel Weldon Hunnicutt, den Offizier, der den Angriff angeordnet und angeführt hatte.

„Das Pentagon hat jetzt mitgeteilt, dass es 1970 (209 Morde) mehr als doppelt so viele Fraggings gab wie im vorangegangenen Jahr (96 Morde). Die Kenntnis vom Tod der Offiziere wird Jubel in Truppen-Kinos oder Feldlagern bestimmter Einheiten hervorrufen.

1973 kamen Kongressverhandlungen zu Fraggings zu der Einschätzung, dass 3 % der Todesfälle von Offizieren und Unteroffizieren in Vietnam zwischen 1961 und 1972 das Ergebnis von Fragging waren. Diese Zahlen bezogen sich jedoch nur auf Tötungen, die mit Granaten verübt worden waren und schlossen Offiziersmorde durch automatische Waffen, Handfeuerwaffen und Messerstechereien nicht mit ein. Der Generalanwalt des Armeekorps’ der Streitkräfte vermutete, dass in nur 10 % der Fragging-Versuche irgendwer angeklagt wurde. Man schätzte, dass es in der America I Division, die unter schlechter Kampfmoral litt, einmal pro Woche zu Fragging kam. Kriegsgerät wurde häufig sabotiert und zerstört.

Der Drogenkonsum verbreitete sich seuchenhaft, wobei sich geschätzt 80 % der Truppen in Vietnam irgendwelcher Drogen bedienten. Irgendwann Mitte 1970 wurden enorme Mengen Heroin auf den Schwarzmarkt gekippt und die Soldaten waren empfänglich für seinen einhüllenden Rausch. Ende 1971 waren mehr als 30 % der Kampftruppen heroinabhängig.“

Weiterlesen und die größeren Zusammenhänge erfahren unter Neue Debatte.com.

GI resistance – Widerstand von US-Soldaten im Vietnamkrieg

Das Fazit das bei der „Neuen Debatte“ am Ende des Artikels gezogen wird, muss hier aber unbedingt noch angefügt werden:

„Die Geschichte dieser olivgrünen Aufständischen wird uns von den Herrschenden weitgehend vorenthalten, denen es lieber wäre, ihre Lehren wären vergessen. Dass nämlich die Macht des schlagkräftigsten Militärs der Welt nichts mehr wert ist, wenn Arbeiter sich weigern zu töten oder ihre Kollegen zu tyrannisieren, und dass die einzige Loyalität, die uns trägt, nicht die gegenüber unseren Ländern, unseren Generälen oder unseren Flaggen ist, sondern die gegenüber unserer Klasse.“

 

 

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