Der Fall Skripal

Der Fall Skripal

Im Fall Skripal gibt es erstaunlich wenig gesicherte Fakten, dafür aber eine Menge Anschuldigungen von britischer Seite gegen Russland. Da eine vollständige Chronologie des Falles schwer finden ist, werde ich diese hier erstellen.

Am 4. März 2018 gegen 13.40 erreichte Sergej Skripal zusammen mit seiner Tochter Julia das Einkaufszentrum Maltings, sie gingen kurz in den Pub The Mill um danach von 14.20 Uhr bis 15.35 Uhr im italienischen Restaurant zu essen. Danach fühlten sie sich plötzlich schlecht und gingen an die Luft. Der Notarzt wurde um 16.15 Uhr gerufen und um 17.10 wurden die beiden bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert. Auch ein Polizist wurde stationär behandelt, aber noch im März wieder entlassen, während die Skripals noch im Koma lagen.

In den folgenden Tagen gab es wilde Spekulationen, was passiert sein könnte und am 7. März gab die britische Seite bekannt, es handele sich um ein seltenes Nervengift, nannte jedoch zunächst keine Details. Am 12. März gab die britische Premierministerin May dann bekannt, es handele sich um das in der Sowjetunion entwickelte Nervengift Nowitschok.

Es gab in dieser Zeit verschiedene Spekulationen darüber, wo und wann die Skripals mit dem Gift in Kontakt gekommen sein sollen und es wurden hunderte Menschen aufgefordert, die sich am 4. März in der Nähe aufgehalten hatten, ihre Kleidung gründlich zu waschen.

Erst am 28. März wurde bekannt gegeben, dass die höchste Konzentration des Giftes auf der Türklinke des Hauses von Skripal gefunden wurde. Demnach müssen beide Skripals beim Verlassen des Hauses die Türklinke berührt haben und sind dann aber noch über zwei Stunden nach dem Kontakt mit dem Nervengift völlig Symptom-frei in einem Pub und einem Restaurant gewesen, bevor sie sich begannen schlecht zu fühlen.

Nachdem Premierministerin May am 12. März mitgeteilt hat, dass es sich um das Nervengift Nowitschok handelte, beschuldigte sie auch sofort Russland der Tat und stellte Russland ein Ultimatum, sich bis Mitternacht „zu erklären“. Russland wies das Ultimatum zurück und erklärte, nichts mit dem Fall zu tun haben und forderte Proben des Giftes an, um es untersuchen zu können. Russland hat die Briten in der Folge immer wieder aufgefordert, Proben zur Verfügung zu stellen und auch den Mitarbeitern der Botschaft Zugang zu den russischen Staatsbürgern Skripal zu geben, was diplomatischer Usus und in Abkommen geregelt ist. Man stelle sich einmal vor, z.B. die Türkei würde deutschen Behörden den Zugang zu deutschen Staatsbürgern in einem türkischen Krankenhaus verwehren, so etwas ist unvorstellbar. Die Briten jedoch verweigerten den Zugang und verweigern ihn bis heute.

Außer den britischen Vorwürfen war immer noch nichts bekannt, trotzdem griff die Presse in Deutschland die britische Version auf. So schrieb der Spiegel z. B. „“Quatsch“, „Unsinn“, „Märchen“: Moskau weist jede Schuld an der Vergiftung des russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal von sich. Die Taktik ist altbewährt“

Schon die Formulierung der „altbewährten Taktik“ suggeriert, dass nur Russland schuld sein könne, während es über die Beschuldigungen aus Großbritannien hieß: „Der Ex-Spion Skripal wurde in England mit einem Mittel aus Sowjetproduktion vergiftet. London sieht die Schuld bei Moskau und bestellt den russischen Botschafter ein.“

Für den Spiegel war es also sofort klar, dass die britische Position, das Mittel wäre aus sowjetischer Produktion, wahr ist. Allerdings wissen wir heute, dass die Formel für Nowitschok seit 1992 bekannt ist, als ein russischer Überläufer sie weitergab und dass in der Folge viele Länder damit experimentiert haben, unter anderem auch Deutschland, England oder die Tschechei. Es kann also aus den Beständen sehr vieler Länder kommen. Trotzdem schlossen sich als erstes die USA dem Urteil der Briten an und ihnen folgten die Nato und die EU mit ihren Mitgliedern. In den folgenden Tagen kamen die Medien nicht zur Ruhe, allein bei Spiegel-Online erschienen am 12. und 13. März zehn Artikel, die sich um dieses Thema drehten und dem Leser in den verschiedensten Varianten klar machten, dass Russland für einen Giftgasanschlag in Europa verantwortlich sei.

Am 14. März wies Großbritannien dann als Reaktion 23 russische Diplomaten aus, worauf Russland drei Tage später ebenfalls mit der Ausweisung von 23 Diplomaten reagierte. Alleine am 14. März veröffentlichte der Spiegel nun zehn Artikel, die den Fall Skripal zum Thema hatten und alle Russland mehr oder weniger offen als Schuldigen benannten.

Wie gesagt, gab es zu diesem Zeitpunkt nur die Behauptungen der britischen Regierung, der sich andere westliche Regierungen anschlossen. Aber zu diesem Zeitpunkt hatten die Experten der UNO von OPWC noch gar keinen Zugang zu den Skripals oder zu Proben des Giftes. Es gab also keinerlei neutrale Bestätigung. Trotzdem war für westliche Presse und Politik der Fall bereits klar. Russische Forderungen, endlich Zugang zu den Patienten zu bekommen oder die Proben untersuchen zu dürfen, wurden von der Presse nur knapp erwähnt: „Moskau weist jede Schuld an der Vergiftung des russischen Ex-Agenten Skripal von sich. Jetzt will der Kreml den Fall selbst untersuchen – und Kontakt zu Skripals ebenfalls vergifteter Tochter aufnehmen.“

Die Anschuldigungen von May gegen Russland lasen dagegen z.B. so: „Mit ernster Miene tritt May an das Rednerpult. Sie sagt, es sei richtig gewesen, Moskau die Möglichkeit zu geben, auf die Vorwürfe zu reagieren. Doch die russische Regierung sei dieser Aufforderung nicht gefolgt. „Ihre Antwort hat eine völlige Verachtung für die Schwere dieser Geschehnisse gezeigt“, sagt May. „Es gibt keine andere Schlussfolgerung, als dass der russische Staat verantwortlich ist für den versuchten Mord an Herrn Skripal und seiner Tochter.“ Die Giftattacke sei „ein unrechtmäßiger Einsatz von Gewalt durch den russischen Staat gegen das Vereinigte Königreich“ gewesen.“

Wie wir gesehen haben, war das Thema Skripal nun Thema Nummer eins in den Medien, mit allein bei Spiegel-Online bis zu zehn Artikeln pro Tag. Auch am 16. März gab es allein beim Spiegel wieder 8 Artikel zu dem Thema und in einem durfte die Moskau-Korrespondentin als Einleitung schreiben: „Für Großbritannien steht fest: Russland ist für die Giftattacke auf den Ex-Spion Skripal verantwortlich – doch in Moskau zweifeln viele daran. Im Staatsfernsehen läuft die Propaganda auf Hochtouren.“

Die Wortwahl sagt alles: Im russischen Staatsfernsehen lief „die Propaganda auf Hochtouren“, mit dieser Wortwahl weiß der Leser gleich, was er von den russischen Mitteilungen halten kann: Alles Propaganda.

Dabei lief die Propaganda im Westen noch wesentlich hochtouriger. Bei der BBC (dem britischen Staatsfernsehen) und auch in den deutschen Medien. Und wenn beim Spiegel über 30 Artikel zu einem Thema in vier Tagen veröffentlicht werden, was ist das wenn nicht eine Propaganda-Welle? Der Fall Skripal, das zeigt ein einfacher Blick in die Archive der russischen Medien, bekam weit weniger Artikel in Russland, als in der deutschen Presse. Die Propaganda lief tatsächlich, allerdings weniger in Russland als im Westen. Und als drei Tage später, am 19. März, in Russland Präsidentschaftswahlen stattfanden, titelte die Moskau-Korrespondentin des Spiegel über Putin: „Der große Täuscher“

Das nächste Ziel der Briten war es nun, auch andere Länder zur Ausweisung von russischen Diplomaten zu bewegen. Zu diesem Zweck wurden Pressebriefings abgehalten. In Moskau lud die britische Botschaft Journalisten ein und präsentierte die britische Sicht der Dinge in einer Präsentation bestehend aus sechs Seiten, inklusive Coverseite. Diese Präsentation würde in keiner zehnten Schulklasse zu einer genügenden Schulnote ausreichen, war aber für die Briten anscheinend sehr überzeugend. Es lohnt sich, darauf näher einzugehen, weil die Folgen gravierend waren.

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