Die deutsche Wiedervereinigung und ihre Folgen – Teil 1

Bildquelle: ZDF Info

Die deutsche Wiedervereinigung und ihre Folgen – Teil 1

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Wie die gesamte deutsche Bevölkerung nach der Wiedervereinigung in die finanzielle Versklavung gebracht wurde

Beim Stöbern in Filmarchiven bin ich auf eine interessante Dokumentation gestoßen, die Ereignisse beschreibt, die nun schon über 25 Jahre zurückliegen. Sie ist aber wichtig zum Verständnis der Dinge, die jetzt gerade in Deutschland stattfinden.

Es geht um die Tätigkeit der Treuhand-Anstalt nach der Wiedervereinigung. Deren Auswirkungen sind so immens – für die Bevölkerung in Ost und West, dass sie als ein Schlüsselereignis für den Sozialabbau und die zunehmende Verarmung in Deutschland angesehen werden kann. Vielen Menschen in Westdeutschland und auch jüngeren Ostdeutschen mögen die damaligen Ereignisse weniger bekannt sein. Sie sind aber der Schlüssel zum Verständnis der heutigen sozialen Situation und der Protestbewegungen, die sich nun formieren – in Ost und West.

Die Dokumentation

Beutezug Ost

ist eine Produktion des ZDF aus dem Jahre 2010 von 45 Minuten Länge. Die Autoren sind Herbert Klar und Ulrich Stoll. [1]

Die Treuhand-Anstalt verwaltete das gesamte Staatsvermögen der DDR nach der deutschen Wiedervereinigung. Sie wurde maßgeblich von westdeutschen Managern und Politikern geleitet und kontrolliert.

Das Ergebnis war die fast komplette Enteignung der ostdeutschen Bevölkerung und eine verheerende De-Industrialisierung. Das, was die Ostdeutschen in 40 Jahren aufgebaut hatten und was ihnen gemeinschaftlich gehörte, wurde ihnen genommen oder zerstört. Heute befinden sich 90 Prozent des ostdeutschen Produktivvermögens im Besitz von Westdeutschen und nur 5 Prozent gehören Ostdeutschen.
Innerhalb kürzester Zeit verloren über 40 Prozent der arbeitenden Bevölkerung ihren Arbeitsplatz. Seit der deutschen Wiedervereinigung haben mindestens 3 bis 4 Millionen Menschen ihre Heimat verlassen – von ursprünglich einmal 16 Millionen.

Das Vermögen der Treuhand wurde zu Beginn auf 600 Milliarden D-Mark geschätzt. Am Ende war es ein Minus von 250 Milliarden. Wo ist diese gigantische Summe von 850 Milliarden D-Mark verblieben ?
Die Dokumentation zeigt an ausgewählten Beispielen, wie dieses Vermögen verschleudert und verzockt wurde und wie unliebsame Konkurrenten im Osten durch Entscheidungsträger aus dem Westen beseitigt wurden.
Im zweiten Schritt erfolgte eine Enteignung der westdeutschen Bevölkerung, die nun die soziale Katastrophe im Osten auffangen musste über Steuern und Sozialabgaben.

Die Rolle der Banken

m dritten Schritt schließlich wurde die gesamte deutsche Bevölkerung in die Schuldknechtschaft der Banken gebracht. Das Zauberwort heißt Erblasten-Tilgungsfonds. Durch eine buchhalterische Trickserei und einen fatalen Fehler beim Einigungsvertrag konnten die westdeutschen Banken milliardenschwere Forderungen gegen die Treuhand geltend machen, die wiederum in den sogenannten Erblasten-Tilgungsfonds des Staates verlagert wurden.

Wie dies geschah erläuterte einmal sehr klar und anschaulich Hermann Ploppa in einem Interview. [2]

Der Erblasten-Tilgungsfonds verpflichtete die arbeitende deutsche Bevölkerung, über 300 Milliarden D-Mark plus Zinsen an die Banken zu zahlen. Das ist ein Geschenk der Politiker an die Banken, die dafür keinerlei Gegenleistung erbringen mussten.

Parallelen zu Griechenland

Dieses Vorgehen weist große Parallelen zum Umgang mit Griechenland auf. Die abrupte Einführung der D-Mark zerstörte die ostdeutsche Wirtschaft, die des Euro die griechische. Die Märkte wurden mit Waren aus Westdeutschland überflutet, die Menschen wurden arbeitslos. Griechenland steht nun unter Zwangsverwaltung der Troika (Treuhand), das Staatsvermögen wird ausverkauft.

Die Bevölkerung der Europäischen Union muss die Kredite an die deutschen und französischen Banken tilgen, die diese Griechenland zu lukrativen Zinssätzen gewährt hatten.

Weitere Entwicklungen

Die Finanzkrise von 2008 führte zu einer weiteren Pleitewelle in der ostdeutschen Wirtschaft. Seit 2014 erfolgt durch die EU-Sanktionen gegen den Handel mit Russland der nächste Schlag. Das Ergebnis sind Demonstrationen und Protestbewegungen in der ostdeutschen Bevölkerung, da die soziale Situation sich zunehmend verschärft und sich viele Menschen daran erinnern, dass es ihnen früher besser ging.

Die Regierung hat natürlich keinerlei Interesse daran, zuzugeben, dass es in Deutschland soziale Proteste gibt. Deshalb wird jeglicher Widerspruch diffamiert und in politische Schmuddelecken gestellt. Es ist sehr durchsichtig, dass die Bevölkerung nach dem Teile-und Herrsche-Prinzip gespalten werden soll.

Die Dokumentation beschreibt Ereignisse, die nun schon über 25 Jahre zurückliegen. Sie ist aber wichtig zum Verständnis der Dinge, die jetzt gerade in Deutschland stattfinden.

Links:

[1] Dokumentation des ZDF (45 min)

[2] Interview-Ausschnitt mit Hermann Ploppa (5 min)

Nachtrag zu den Begrifflichkeiten: „Vermögen“

Wenn oben von „Vermögen“ und „Enteignung“ gesprochen wird, so muss man unterscheiden zwischen Privatvermögen, persönlicher Habe und Produktivvermögen.

Produktivvermögen sind Eigentumswerte mit denen sich Einnahmen erzielen lassen. Die Industriebetriebe in der DDR waren zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung alle im Staatsbesitz (Volkseigentum). Nur kleine Handwerksbetriebe wurden zum Teil noch privat oder genossenschaftlich geführt.

Das macht deutlich, welche gigantischen Ausmaße und Konsequenzen die Privatisierung und Stilllegung der ostdeutschen Industriebetriebe für die Menschen hatte: Ihnen wurden schlichtweg die Existenzgrundlagen unter den Füßen weggezogen.

Anders sah die Situation in der Landwirtschaft aus. Die Ländereien und Landmaschinen befanden sich im Besitz der Genossenschaften, welche ihnen auch erhalten blieben. Problematisch war hier zunächst der Verkauf der Produkte, da westdeutsche Großhändler sofort den Lebensmittelmarkt stürmten und die Waren ihrer angestammten Lieferanten aus Westdeutschland und Holland bevorzugten, wodurch die Einnahmen der ostdeutschen einbrachen.

Nicht betroffen von der Enteignung war freilich die persönliche Habe wie Hausrat, Auto, Sparguthaben und selbstgenutztes Wohneigentum (Einfamilienhaus). Wohnungen in größeren Häusern waren durchgängig Mietwohnungen. Zur persönlichen Habe der Landbevölkerung gehörte in der Regel ein Einfamilienhaus mit Hof und Garten, eventuell noch ein kleines Stück Ackerland zur individuellen Nutzung.

 

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