Kontraste und der lange Arm des GRU

Symbolbild – Screenshot ZDF

Die Namen wohlbekannter Juroren, die bei den hierzulande zahlreich stattfindenden journalistischen Selbstbeweihräucherungs-Veranstaltungen dem Talent Claas Relotius all die vielen Preise zujubelten, verschwinden nach und nach aus den Onlinepublikationen oder werden aus „Rücksicht“ auf die Kollegen von den Autoren nicht veröffentlicht. Auch die narrativen Geschichten von Relotius selbst werden wohl nach und nach aus den Publikationen entfernt. Aber werden sie auch aus den Gehirnen der Meinungsbildner gelöscht? Wird sich eine Frau Miosga oder eine Frau Hassel bei der Anmoderation oder beim Kommentar künftig beherrschen und doch lieber ausschließlich Faktenbasiertes verkünden können, auch wenn es den zahlreich zu vermittelnden Feindbildern  nicht dienlich ist? Wie fing der Syrienkrieg (der kein Bürgerkrieg ist) gleich nochmal an und wie war das genau auf dem Maidan? Es wird schwierig werden, wenn man weiterhin die Dichtung hofiert und von der Wahrheit behauptet, dass es sie nicht gäbe.

Ähnlich diffus verhält es sich mit sogenannten Dokumentationen oder investigativen Recherchen der öffentlich-rechtlichen Anstalten. Selbst der beliebte Spartenkanal arte spielt das schmutzige Spiel – ob bewusst oder aus Unkenntnis und Narrativ-Treue – inzwischen mit.

Wenn der Begriff „investigativ“ fällt und im Abspann von einem Arndt Ginzel die Rede ist (da war doch mal was..) wird der aufgeklärte Rezipient hellhörig. Dieser Name taucht prinzipiell immer dort auf, wo besonders hinterhältig getrickst, dramatisiert, manipuliert und dick aufgetragen wird. Bedrohlich dräuende Hintergrundmusik und das theatralische Pathos der aus dem Off raunenden Moderation verheißt dann zumeist Unheilschwangeres und zielt in der Regel direkt auf Russland und Putin. Ginzel ist der Mann fürs Grobe, der Endlosschleifen an Propaganda, Verleumdung und Verdummung aneinander reihen und diese Elaborate sowohl an ARD als auch an ZDF als „Dokumentationen“ oder „investigative Recherche“ verkaufen kann.

Der inzwischen vom ZDF gekündigte, freie Mitarbeiter Bodo Schickendanz nimmt hier in seinem Video eine der oben beschrieben Machwerke auf unterhaltsame Weise auseinander.

Auch die jüngste Programmbeschwerde, die ein Mitstreiter anlässlich der Sendung ARD Kontraste vom 10.1.2019 verfasste, befasst sich mit einem Beitrag von Arndt Ginzel. Und wieder ist die gleiche Masche zu erkennen.

Zur Programmbeschwerde:

Programmbeschwerde: ARD Kontraste vom 10.1.2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit erhebe ich Programmbeschwerde wegen Verstoßes gegen den Rundfunkstaatsvertrag, §3 (Auftrag) Absatz 5.

„Alle Beiträge für Informationsangebote (Nachrichten, Berichte und Magazine) sind gewissenhaft zu recherchieren; sie müssen wahrheitsgetreu und sachlich sein. Nachrichten sind vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Wahrheit und Herkunft zu prüfen. Die Redakteure und Redakteurinnen sind bei der Auswahl und Sendung der Nachrichten zur Objektivität und Überparteilichkeit verpflichtet. Kommentare sind deutlich von Nachrichten zu trennen und unter Nennung des Verfassers oder der Verfasserin als persönliche Stellungnahme zu kennzeichnen.“

Eine sachliche, wahrheitsgetreue und objektive Berichterstattung beim ÖRR über Russland, die Ukraine oder auch Syrien kann ich beim besten Willen nicht finden. Wann immer es geht, wird versucht Russland zu diskreditieren. Egal ob der Anlass dazu taugt oder nicht. Zahlreiche Beispiele für diese Feststellung können Sie hier nachlesen:
http://publikumskonferenz.de/blog/ [1]

Aber nun zu meiner eigentlichen Beschwerde: In der Sendung Kontraste vom 10.1.2019 war mal wieder „Russenbashing“ in gleich 2 Beiträgen angesagt:

Der Erste Beitrag: „Der lange Arm des GRU“ und der 2. Beitrag „Des Kremels treue Helfer“

Meine Beschwerde richtet sich gegen den Beitrag „Der lange Arm des GRU“ . Den 2. Beitrag hab ich mir wegen Übelkeit nicht mehr ansehen können.

Der eigentlich Anlass (vertrauliche Twitter oder Facebook- Infos wurden von einem 20 Jährigen ausgespäht und nach und nach veröffentlicht), ist wenig dazu geeignet irgendwas negatives zu Russland zu konstruieren. Vielmehr wirft er ein bezeichnendes Licht auf die Inkompetenz der gehackten Politiker und C- Promis wie Böhmermann beim Umgang mit sozialen Medien und der Sicherheit von Passwörtern.

Gleich zu Beginn schwadroniert eine Abgeordnete der Grünen, dass sie von einem NBC Team angesprochen wurde. Die wussten, dass sie von den selben Hackern angegriffen wurden, die auch seinerzeit Hillary Clinton im US-Wahlkampf gehackt haben sollen.

Als „Beweis“ russischer Hackertätigkeiten flimmerten dann irgendwelche Pseudologfiles in russischer Sprache über den Bildschirm. Dort taucht unter anderem das Wort „ROOT“ mit russischer Erklärung (Admin Rechte) ← das kyrillisch geschriebene Wort „praw“ musste ich mit Leo überetzen, das kyrillische geschriebene Wort „Admin“ konnte ich noch selber lesen.

Wer sich auch nur rudimentär mit Betriebssystemen wie Linux oder Unix auskennt, weiß, dass „root“ kleingeschrieben wird und auch wer in solchen Systemen „Admin rechte“ hat, nämlich root. Da braucht es keine weitere Erklärung. Schon überhaupt nicht für einen professionellen Hacker.

Weiter in dem „Beweistext“ kam dann noch „Android Studio“ vor.

Bei „android studio“ handelt es sich um eine von Google kostenlos zu Verfügung gestellte Entwicklungsumgebung um apps für android Smartphones und Tablets zu entwickeln. Server laufen nicht unter Android sondern meist unter Unix bzw. verschiedener Linux Distributionen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Android_Studioo [2]

Das was dort abgegriffen und gezeigt wurde, ist offensichtlich die Onlinekommunikation irgendwelcher russischer „Script Kiddies“ die Android apps entwickeln möchten, aber definitiv kein Auszug aus einem protokollierten Hackerangriff auf irgendwelche Server.

Dann ging es munter weiter:

„Die Ressourcen sind enorm und die Zeiten deckten sich mit „Moskauer Bürozeiten“.

Lol. Dort wird also von Mo. – Fr. von 08:00 bis 16:30 Uhr gehackt. Das ist natürlich ein „Beweis“.

Die Frage „wie wahrscheinlich ist es, das das ominöse „APT 20 eight“ in Verbindung zum GRU steht, beantwortet der „Experte“ dann auch ohne Begründung dass die bei 95 % + steht. Wohl gemerkt, bei „APT 20 eight“ handelt es sich um ein von der USA erfundenes angebliches russisches Hackerteam, dass zu Lasten von Hillary Clinton“ in den US Wahlkampf eingegriffen haben soll. Bewiesen wurden diese Behauptungen zu keinem Zeitpunkt.

Bisher bewiesen ist der Eingriff in die US Wahl von Cambridge Analytica, das aber auch nur mit mäßigem Erfolg:

https://www.welt.de/politik/ausland/art … timmt.html [3]

Dann geht es nach Montenegro, das ja in die NATO möchte. Putin wird zitiert: „die fortlaufende Erweiterung der Nato in den Osten…kann unweigerlich dazu führen, dass Russland Maßnahmen ergreift“.
Ja natürlich, da war doch mal was? Da gab es doch mal 2+4 Gespräche vor knapp 30 Jahren. Hatte der damalige US Außenminister dem sowjetischen Staatschef nicht in die Hand versprochen, dass es keine! weitere Osterweiterung der Nato geben wird? Ein Versprechen, dass schon wenige Jahre später gebrochen wurde.

Diese Tatsache findet in dem Kontraste Beitrag keine Erwähnung. Obwohl die Osterweiterung der Nato sehr wohl die fundamentalsten Sicherheitsinteressen Russlands verletzen. Wir dürfen nicht vergessen, dass sich die Rolle der Nato in den letzten 25 Jahren gewandelt hat. Vom einstigen Garanten für Frieden und Sicherheit in Europa hat sie sich spätestens seit dem Krieg in Jugoslawien zu einem Aggressor gewandelt, der ohne UNO Mandat als Lakai der US Regierung das Völkerrecht mit Füßen tritt. Egal, ob damals im Kosovo oder heute in Syrien.
http://www.taz.de/!5165840// [4]

Zum Ende dann natürlich nochmal Skripal. Diesem unrühmlichen Propagandafall wird hier nochmal die Krone aufgesetzt.
Obwohl die angebliche „Enttarnung“ der beiden „Attentäter“ längst als unseriöse Manipulation seitens „Bellingcat“ entlarvt wurde, wird die Lüge einfach wiederholt. Hier kommt dann auch der tolle „Journalist“ Roman Dobrochatow, Chefredakteur von „The Insider“ zu Wort.

Ein Blick, wer die Förderer dieses „Blattes“ spricht Bände:
https://www.dekoder.org/de/source/insider [5]

Da finden sich unter anderem die nicht unumstrittene „Alfred Toepfer Stiftung“
https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ … 69970.html [6]

Das Einzige, was der Beitrag von The Insider wirklich beweist, ist die Tatsache, dass es offensichtlich in Russland Presse- und Meinungsfreiheit gibt. Zu Sowjetzeiten wäre der längst in irgendeine Nervenheilanstalt gewandert.

Die Beleglage im Fall Skripal sei inzwischen „Zweifelsfrei“ wird behauptet. Das Einzige, was im Skripalfall zweifelsfrei ist, ist die Verstrickung der Medien und Regierungen in Lügen:
https://www.nachdenkseiten.de/?p=44188 [7]
ausführlicher zum Skripalfall:
https://www.anti-spiegel.ru/blog/der-fall-skripal [8]

Die ARD Sendung Kontraste behauptet doch tatsächlich auf Ihrer Homepage:

Kontraste ist das kritische Magazin aus Berlin. Kontraste bringt Gegensätze auf den Punkt. Keine Politikerphrasen, kein Infotainment: Das Magazin geht den Dingen auf den Grund, neugierig und mit sorgfältiger Recherche. Kontraste deckt Hintergründe auf, erklärt Zusammenhänge und bezieht Stellung. Kontraste steht für seriöse Information des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: investigativ, analytisch, kritisch.

Das soll wohl ein Witz sein?

Das meine Beitragsgelder unter anderem dafür missbraucht werden, solch hetzerische Beiträge zu erzeugen ist inakzeptabel. Den angeblichen „Mehrwert“ den ich laut Urteil vom BVG haben soll, wenn ich solche Sendungen auf dem Niveau des ehemaligen „Schwarzen Kanals“ mit meinem Beitrag finanziere, sehe ich nicht.

Links:
——
[1] http://publikumskonferenz.de/blog/
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Android_Studioo
[3] https://www.welt.de/politik/ausland/art … timmt.html
[4] http://www.taz.de/!5165840/
[5] https://www.dekoder.org/de/source/insider
[6] https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ … 69970.html
[7] https://www.nachdenkseiten.de/?p=44188
[8] https://www.anti-spiegel.ru/blog/der-fall-skripal

Nachtrag: 98 Prozent aller Hacker tragen keine Skimaske am Rechner und mit Sicherheit auch keine Kapuze.

 

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