Moralische Feldzüge – Deckmäntel der wahren Kriege

Menschen werden in Kriege gezogen, in dem man ihnen ein hehres Ziel vorgaukelt.

Veröffentlicht am von


Und all zu leicht tappen sie in die gestellte Falle, werden so benutzbar für jene, welche sehr profane, zutiefst egoistische Ziele verfolgen. Unachtsame Menschen werden ihre Opfer, damit befähigt wahre Empathie gegen aufgesetzte Empörung auszutauschen und gegen die Interessen der Gemeinschaft, ja nicht zuletzt die eigenen Interessen zu handeln. Am Ende steht die Gewalt – und das alles im Namen des Guten und der Guten, denen man angehören muss, um nicht selbst verfemt zu werden. Der von den Regierungen ausgerufene Feldzug gegen das Coronavirus macht da keine Ausnahme. Er deckt die wahren Kriege auf diesem Globus mit Doppelmoral.


All die Kriege, welche die Welt in den vergangenen Jahrzehnten gesehen hat, waren den Menschen im Grunde nicht zu verkaufen. Denn sie waren ungerecht und sind es bis heute. Daher musste jeder dieser ungerechten Kriege in die schillernde Hülle eines gerechten Krieges gepackt werden. Um Menschen in den Krieg zu treiben, den diese dann aus einem Gefühl der Rechtmäßigkeit führen, muss man sie zuvor manipulieren, sie in ein Gefühl der Ausweglosigkeit und Alternativlosigkeit zwingen. Man muss ihnen das freie Denken, und außerdem ihre selbstreflektierenden empathischen Gefühle durch solche von Angst, Hysterie und Aggressionen ersetzen.

Das kann, ja muss sogar bereits geschehen, lange bevor der Krieg mit militärischen Mitteln ausgefochten wird. Menschen ziehen erst dann in Kriege, wenn der Krieg in ihrer Seele als Dauerzustand Platz gefunden hat.

Vor allem die Angst ist es, die den Krieg speist, und die Angst bedarf eines starken, wirkmächtigen, eines bekannten Bildes. Eines dem man all das zuschreibt, was man zuvor gelernt hat als hässlich, schmutzig und gefährlich, als böse zu empfinden. Damit die Manipulierten den Krieg unbarmherzig, rücksichtslos und ohne jede echte Empathie führen, müssen sie mit dem Gefühl ausgestattet sein, dass ihr Brechen ethischer Kategorien — aufgrund außergewöhnlicher Situationen — legitimiert ist.

Das Feindbild muss stark, beständig, es muss immanent sein. Das ist der Grund, warum den Menschen ganz bestimmte Feindbilder regelrecht antrainiert werden.

Feindbilder sind Manifestationen von Verleumdung. Als solche benutzt, um andere Menschen für den eigenen Krieg einzuspannen, sind diese auch ein Zeichen für die Angst vor der Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich. Von dieser Angst — gekoppelt mit Selbsthass — getrieben, sucht man die Lösung im Außen, maßt sich an, andere (Menschen wie Kollektive) “besser” machen zu müssen.

Die echten, die wahren, unehrlichen Kriege wurden immer zutiefst egoistisch betrieben, als gewaltsam umgesetzter Anspruch zur rücksichtslosen Verwirklichung des eigenen Egos oder/und der Plünderung fremder Ressourcen. Ressourcen für deren Inbesitznahme es kein Naturrecht gibt, außer dem antisozialen Recht des Stärkeren, betrieben um das eigene Elend im Außen zu kompensieren.

Und so taugten auch die — aus Sicht der Nationalsozialisten — guten Kriege gegen die Juden letztlich dafür, den in ihrem Schatten stattfindenden Raub von Ressourcen zu kaschieren. Die für den Massenmord — keinesfalls nur an Juden — entwickelte “gute” Ideologie in den Strukturen des nationalsozialistischen Deutschland wurde genauso hemmungslos gelebt, wie das maßlose Ausrauben anderer Völker und Gesellschaften. Zu letzterem war das Dritte Reich eh verdammt – warum?

Das Deutsche Reich leistete Auftragsarbeit. Ihr in den Augen “guter” Krieg war der gegen die Juden und Bolschewisten, und trotzdem waren diese Feindbilder für die im Dunkeln wirkenden Lenker eher nützliche Ideologien, Mittel zum Zweck, dem der eigenen hemmungslosen Bereicherung. Schließlich besagte das Konzept, dass das Dritte Reich “seinen” Krieg um jeden Preis führen musste, nämlich um den Schuldendienst zu bezahlen. Die Kriegsmaschinerie Hitlerdeutschlands war das Ergebnis einer gigantischen Investition des anglo-amerikanischen Banken- und Industriesektors, und sie war dafür gedacht Rendite einzufahren. Oder aber in Europa ein Feld für die aufstrebenden Eliten der USA zu bereiten. Dieser ganz und gar nicht gute Krieg findet in der Geschichtsschreibung des Westens allerdings praktisch keine Würdigung, er wird zugedeckt vom moralisch edlen Feldzug gegen den Hitlerfaschismus.

Spätestens nach dem Untergang des Dritten Reiches waren es die “Roten”, welche als Feindbild herhalten mussten. Nach außen als ideologischer Feind gebrandmarkt, bestand deren im Grunde einziges “Vergehen” darin, dass sie beim schrankenlosen Plündern von Ressourcen extrem störten. Es war daher nicht entscheidend, dass es völlig unlogisch, den gesunden Menschenverstand beleidigend war, alle möglichen Regierungen des “bösen” Kommunismus zu bezichtigen: Korea, Vietnam, Kambodscha, Laos, Guatemala, Nikaragua, Grenada, Iran, Chile, Indonesien, Angola und so weiter und so fort. Aber einen Krieg zu führen, mit der erklärten Absicht fremde Ressourcen zu plündern und Menschen auszubeuten, ist ausgeschlossen. Denn er würde abgelehnt.

Dann, nach 1990 waren die verteufelten “Roten” weg. Also mussten neue Feindbilder her, damit der globale Raubzug weitergehen konnte. Der Feindbilder wurden immer mehr und ihr Bild zunehmend mit einer Existenzbedrohung für die gesamte menschliche Spezies gleichgesetzt. So war es auch beim Krieg gegen den Terror. Unter der Flagge dieses geradezu heiligen Krieges wurden die Kriege geführt, welche dem System rücksichtsloser Gewinnmaximierung seine Existenz sicherten. Kriege — offen oder verdeckt — in Syrien, Yemen, Afghanistan, Irak, Iran, Libyen, Kongo, Mali und weiteren Staaten.

Der moralisch sauber angehauchte Krieg gegen den Terror wurde gepaart mit dem angeblich eben so ehrbaren Krieg gegen Diktatoren, humanitären Interventionen und sogenannten friedensbildenden Maßnahmen. Um die Kriege schön zu reden, führte man die Orwellsche Sprache — der Verdrehung von Begriffen in ihr Gegenteil — zu neuen Triumphen.

Doch all diese “guten” Kriege dienten einzig dazu, den Bevölkerungen den tatsächlichen Krieg, nämlich den zur Gewinnmaximierung akzeptabel, ja geradezu notwendig erscheinen zu lassen. Verklärung für dieses amoralische Verhalten erhielt man durch die Anmaßung, dass eigene Ego über das seiner Mitmenschen zu stellen, ja für eine historische Aufgabe berufen worden zu sein. Stets machte es die entfachte Angst in Jenen möglich, die sich der Manipulation unterwarfen, geistige Opfer zu werden. Unrecht wurde zu Recht, erlaubte das bis dahin Abgelehnte, gar Undenkbare.

Nun, was hat das alles mit dem Coronavirus zu tun?

Dafür kann ein Blick auf die Art und Weise genügen, mit welcher man sich, selektiv und monokausal mit einem Erreger befasst – aufgefasst als erbittert zu bekämpfender Gegner. UN-Generalsekretär Guterres am 19. März: “Die Welt befindet sich im Krieg mit einem Virus”(1). Frankreichs Präsident Macron erklärte Corona den Krieg (2) und rief eine militärische Operation namens “Operation Widerstandskraft” aus, um die Bevölkerung im Krieg gegen das tödliche Virus zu unterstützen (3). So wie Macron in seiner Rede an die Nation, wendete sich auch die Deutsche Kanzlerin Angela Merkel in einer TV-Ansprache an die Bevölkerung (4). Eine Atmosphäre akuter Bedrohung, Angst und der Notwendigkeit zum unverzüglichen, pragmatischen Handeln wurde beschworen. Die Bevölkerungen sollten hinter ihren Führern geeint, alle Diskrepanzen zurückgestellt und alles in den gemeinsamen Kampf gegen das Virus geworfen werden. Wer sich diesem Kampf entzog, lief umgehend Gefahr, charakterlich defizitär zu sein – so wie damals im Jahre 2001, als “Amerika angegriffen wurde”.

Das – der “Krieg gegen das Virus” – ist der unehrliche Krieg, das weiße Leinentuch, dass die Kriege verdeckt, die nun in seinem Schatten geführt werden. Was treibt sie doch noch, die wahren, die unehrlichen Kriege: rücksichtsloses Ausleben des Egos und Gier, Bereicherung auf Kosten anderer.

Ganz vorn in der von Corona zugedeckten Liste der nun mit ganzer Kraft losgetretenen Kriege steht der Krieg der Reichen gegen die Armen. Die beiden weltweit größten Wirtschaftsunternehmen heißen Amazon und Microsoft. Während die US-Wirtschaft im zweiten Quartal 2020 um 32,9% einbrach, machte Amazon einen Rekordgewinn von 5,2 Milliarden US-$ (5). Die Notstandsverordnungen in den europäischen Staaten waren gerade erst angelaufen, in den USA noch ausstehend, da suchte Amazon bereits 100.000 neue Mitarbeiter (6). Das Geheimnis des Geschäftserfolges von Amazon ist die schonungslose Ausbeutung wie maximale Kontrolle seiner Mitarbeiter — und die Akzeptanz dieser Zustände durch die Kunden; und Microsoft? Bereits im ersten Quartal hatte der Gewinn dieses Weltkonzerns bei 10,8 Milliarden US-$ gelegen.

Weltweit — auch in den europäischen Industrienationen — findet ein Krieg gegen den Klein- und Mittelstand statt, ein echter skupelloser Krieg der Gier zum Ziele der Umverteilung von unten nach oben. Nicht das Virus hat diese Situation erzeugt, sondern die Notstandsverordnungen. Dass kleine Unternehmen nunmehr in Massen gefährdet sind, ist kein bedauerlicher Seiteneffekt im “Krieg gegen Corona” sondern wurde ganz gezielt herbeigeführt. Umgesetzt von Regierungen, deren Handeln nicht durch deren Wähler sondern global aufgestellte, private Interessen gelenkt wird.

Desweiteren erfahren wir einen verschärften Krieg gegen unsere Lebensgrundlagen, der wiederum viele regionale und lokale Kriege auf der Welt zwingend herbeiführen wird. Während man die Bevölkerungen in Angst und Schrecken vor einem Coronavirus geführt hat, propagiert der “Weltverbesserer” Bill Gates: “Die Menschheit solle in Zukunft möglichst nur noch mit E-Autos fahren”. Hier paart sich die Gier mit maßloser Überhebung und Selbstsucht (7). Und ein weiterer “guter” Krieg wird diesem antisozialen Verhalten vorangestellt: “Der Kampf gegen die Klimakatastrophe”.

Im Schatten des “guten” Krieges gegen das Virus wird still und heimlich, wie brutal der Krieg gegen Syrien weitergeführt, auch von Deutschland. Man sieht hier sehr gut, wie sich Doppelmoral aufstellt. Während man dramatisierend und mit abenteuerlichen Tricks Toten- und Infektionszahlen hochrechnet, interessiert diese Moralapostel das Elend der syrischen Bevölkerung einen Dreck, genauso wie in Afghanistan, in Yemen und im Irak; nicht zu vergessen Venezuela und den Iran. Die militärischen Interventionen in Afrika werden ebenso weiter forciert, und eine Unterdrückung verängstigter Bevölkerungen kann bedeutend effektiver betrieben werden.

Gewinnstreben und Größenwahnsinn können auf Demokratie gern verzichten, wenn sie deren Prämissen nicht mehr dienlich ist, und das scheint der Fall. Der angeblich hehre Krieg gegen das Virus ist in Wirklichkeit auch ein Krieg gegen fundamentale Grundrechte freier, selbstverantwortlicher Menschen. Es ist ein Krieg gegen die freie Äußerung von Meinungen, ein Krieg gegen Vielfalt und Lebensfreude.

Damit und abschließend ist auch die große Aufgabe genannt, die ansteht, um das alles in etwas Positives, Verbindendes zu überführen: Holen wir die Menschen aus der Angst. Verhindern wir alles, was neue Gräben zieht. Allen Menschen wünsche ich den Mut, sich der Ängste bewusst zu werden, auch jener vor winzigen Erregern, diese zu überwinden und so zu freiem, lebensbejahendem Handeln zu kommen. Verbinden Sie sich und seien Sie offen für andere, zeigen Sie Verständnis und laden Sie ein. Entziehen Sie sich dafür — wo immer Sie es auch können — dem System, was den Krieg nährt.

Bitte bleiben Sie schön aufmerksam.


Anmerkungen und Quellen

(Allgemein) Dieser Artikel von Peds Ansichten ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert. Unter Einhaltung der Lizenzbedingungen kann er gern weiterverbreitet und vervielfältigt werden. Bei Verlinkungen auf weitere Artikel von Peds Ansichten finden Sie dort auch die externen Quellen, mit denen die Aussagen im aktuellen Text belegt werden. Der Text ist das Skript einer Rede, die vom Autor anlässlich des Weltfriedenstages am 5. September auf einer Kundgebung der Friedensinitiative aufstehen Dresden und Umland – in Zusammenarbeit mit der Friedensinitiative Dresden und der Mahnwache für Frieden Dresden – in Dresden gehalten wurde.

(1) 19.03.2020; ARD; Liveblog; https://www.tagesschau.de/newsticker/liveblog-coronavirus-125.html#Danke-fuer-Ihre-Aufmerksamkeit

(2) 14.08.2020; NDR kultur; Sabine Wachs; Corona: “Guerre” gegen das Virus; https://www.ndr.de/ndrkultur/sendungen/gedanken_zur_zeit/Corona-La-Guerre-gegen-Virus,coronavirus2906.html

(3) 23.03.2020; Stern; https://www.stern.de/news/-macron-kuendigt-militaeraktion-im–krieg–gegen-coronavirus-an-9198354.html

(4) 19.03.2020; SZ; Stefan Braun; Merkels letzte Chance, Deutschland wachzurütteln; https://www.sueddeutsche.de/politik/corona-merkel-1.4850747

(5) 30.07.2020; golem.de; Achim Sawall; Amazon verdoppelt Gewinn in der Coronakrise; https://www.golem.de/news/quartalsbericht-amazon-verdoppelt-gewinn-in-der-coronakrise-2007-149949.html

(6) 17.03.2020; Gründerszene; Barbara Barkhausen; Amazon sucht 100.000 neue Mitarbeiter; https://www.gruenderszene.de/business/amazon-tesla-apple-github-hashicorp-rocketlab

(7) 01.09.2020; Corona Transition; Bill Gates kommt mit Hilfe von VW richtig in Fahrt;

(Titelbild) Angst, Sensation, Manipulation; Juri_B (Pixabay); 05.07.2019; https://pixabay.com/de/illustrations/fantasy-lord-mystisch-b%C3%B6se-4317735/; Lizenz: Pixabay License

Veröffentlicht in News Getagged mit: , , ,