{"id":10064,"date":"2024-12-06T06:51:23","date_gmt":"2024-12-06T05:51:23","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?post_type=news&#038;p=10064"},"modified":"2024-12-10T10:24:52","modified_gmt":"2024-12-10T09:24:52","slug":"die-usa-finanzieren-internationales-journalisten-kollektiv","status":"publish","type":"news","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/news\/die-usa-finanzieren-internationales-journalisten-kollektiv\/","title":{"rendered":"Der mysteri\u00f6se R\u00fcckzug des NDR von einer investigativen Recherche"},"content":{"rendered":"<p>(aktualisiert am 10.12.2024)<\/p>\n<p>Eine einflussreiche Journalismusorganisation soll ma\u00dfgeblich von der US-Regierung finanziert worden sein. Reporter des NDR haben Recherchen dazu vorangetrieben. Doch enth\u00fcllt wurde die Geschichte jetzt von anderen Medien. Eine Spurensuche. (PaidI<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/medien\/plus254768780\/Journalismus-und-Politik-Der-mysterioese-Rueckzug-des-NDR-von-einer-investigativen-Recherche.html\">https:\/\/www.welt.de\/kultur\/medien\/plus254768780\/Journalismus-und-Politik-Der-mysterioese-Rueckzug-des-NDR-von-einer-investigativen-Recherche.html<\/a><\/p>\n<p>Der ruhmreiche Norddeutsche Rundfunk kooperierte einst, wie andere hiesige Medienh\u00e4user auch, mit dem Inves\u00adtigativ-Netzwerk &#8222;Organized Crime and Corruption Reporting Project&#8220; (OCCRP), trennte sich aber von diesem Partner, um Anfang 2023 damit zu beginnen, \u00fcber diesen nunmehrigen Ex-Partner zu recherchieren. Daf\u00fcr tat man sich dann in diesem Jahr mit neuen Partnern zusammen, doch, ach, diese Kooperation scheiterte bald &#8211; und zwar auf f\u00fcr den NDR schmachvolle Weise. Das ist jedenfalls eine von zwei dieser Ex- Partner &#8211; mediapart.fr und dropsitenews.com &#8211; ausf\u00fchrlich dargelegte und vom NDR heftigst bestrittene Sichtweise.<\/p>\n<p>Der Kern der Recherchen \u00fcber das OCCRP betrifft \u00fcbrigens deren \u00fcberwiegende Finanzierung durch verschiedene US-Regierungsbeh\u00f6rden. Sowohl darauf als auch auf die gegen den NDR vorgebrachten Vorw\u00fcrfe gehen nun unter anderem das NDR-Magazin &#8222;Zapp&#8220; in halbeigener Sache und auch Michael Hanfeld in der FAZ ein.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/altpapier\/das-altpapier-3950.html\">https:\/\/www.mdr.de\/altpapier\/das-altpapier-3950.html<\/a><\/p>\n<p>Das internationale Journalistennetzwerk \u201eOrganized Crime and Reporting Project\u201c (OCCRP) war an zahlreichen gro\u00dfen Enth\u00fcllungen der vergangenen Jahre beteiligt. \u201ePanama Papers\u201c, \u201eSuisse Secrets\u201c, der \u201eRussian Laundromat\u201c: investigative Recherchen zu Korruption und organisiertem Verbrechen mit Verbindungen bis in h\u00f6chste politische Kreise. Nun wird das OCCRP selbst zum Gegenstand einer aktuellen Recherche.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/zapp\/Journalisten-im-Auftrag-der-US-Regierung-Vorwuerfe-gegen-OCCRP,occrp102.html\">https:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/zapp\/Journalisten-im-Auftrag-der-US-Regierung-Vorwuerfe-gegen-OCCRP,occrp102.html<\/a><\/p>\n<p><strong>Recherche zu OCCRP: Franz\u00f6sische Journalisten werfen NDR \u201eZensur\u201c vor<\/strong><\/p>\n<p>Das franz\u00f6sische Portal \u201eMediapart\u201c kritisiert den Norddeutschen Rundfunk f\u00fcr das Vorgehen bei einer gemeinsamen Recherche. Der Sender widerspricht vehement.<\/p>\n<p>Wer Interesse an Verschw\u00f6rungsgeschichten hat, dem liefert das franz\u00f6sische Onlineportal Mediapart neues Material. Denn es wirft dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) \u201eZensur\u201c vor. Diese bestehe darin, dass der NDR eine Recherche \u00fcber das Inves\u00adtigativ-Netzwerk \u201eOrganized Crime and Corruption Reporting Project\u201c (OCCRP) aufgenommen, drei weitere Medien, darunter Mediapart, zur Teilnahme eingeladen, das Ergebnis der journalistischen Erkundung aber unterdr\u00fcckt habe. Dem widerspricht der NDR vehement. [\u2026]<\/p>\n<p>Das Themengebiet, dem sich OCCRP widmet, ist umfassend, es geht um Machtmissbrauch und Korruption, Gewalt gegen Frauen, Cyberattacken, Drogenkriminalit\u00e4t, Umwelt- und Kriegsverbrechen und den russischen An\u00adgriffskrieg gegen die Ukraine. Mehr als 200 Mitarbeiter wirken f\u00fcr OCCRP, die Organisation hat nach eigenen An\u00adgaben mehr als 50 Verlagspartner in der ganzen Welt, das Jahresbudget belief sich 2023 auf 22,1 Millionen Dollar. Finanziell unterst\u00fctzt wird die NGO von zahlreichen Gebern, darunter Stiftungen und Regierungsstellen in Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Schweden und den USA.<\/p>\n<p>An dieser Stelle setzt die vermeintliche Enth\u00fcllung von Mediapart \u00fcber das OCCRP und den NDR an. Der Lesart von Mediapart zufolge ist das Journalistennetzwerk n\u00e4mlich so etwas wie eine politische Vorfeldorganisation der USA, weil sie anfangs vor allem vom US Bureau of International Narcotics and Law Enforcement Affairs gef\u00f6rdert worden sei, einer Beh\u00f6rde, die dem Au\u00dfenministerium unterstellt ist; rund 50 Prozent der Gelder, \u00fcber die OCCRP verf\u00fcgt, stammten von der US-Regierung. Das habe die Organisation verheimlicht. Washington, so Mediapart, k\u00f6nne \u00fcber ma\u00dfgebliche personelle Besetzungen des OCCRP per Vetorecht bestimmen und finanziere Recherchen, die sich gegen Russland oder Venezuela richteten. [\u2026] Der NDR habe zwar beschlossen, k\u00fcnftig nicht mehr mit OCCRP zusammenzuarbeiten, es aber nicht f\u00fcr n\u00f6tig erachtet, das Ergebnis der Recherche ins Programm zu bringen, ein vorbereiteter Beitrag des Magazins \u201eZapp\u201c sei zur\u00fcckgezogen worden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/ndr-gegen-mediapart-franzoesische-journalisten-werfen-sender-zensur-vor-110153573.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/ndr-gegen-mediapart-franzoesische-journalisten-werfen-sender-zensur-vor-110153573.html<\/a><\/p>\n<p>Es lohnt sich allemal, die ausf\u00fchrlichen Artikel zu lesen, aus denen &#8222;Zapp&#8220; und die FAZ zitieren. Bei mediapart.fr findet sich folgende recht drollige Passage:<\/p>\n<p>&#8222;In einer E-Mail vom 12. November 2024 baten die gemeinsamen Chefredakteure des NDR-Fernsehens, Andreas Cichowicz und Adrian Feuerbacher, sowie die stellvertretende Programmchefin des Senders, Juliane von Schwerin, darum, die Antworten auf unsere Fragen nicht zu ver\u00f6ffentlichen. &#8218;Wir m\u00f6chten Sie bitten, diese Aussagen nicht zu zitieren oder zu verwenden&#8216;, schrieben sie. &#8218;Wenn Sie dies w\u00fcnschen, wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des NDR.&#8220;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/altpapier\/das-altpapier-3950.html\">https:\/\/www.mdr.de\/altpapier\/das-altpapier-3950.html<\/a><\/p>\n<p>Der Schaden f\u00fcr die Glaubw\u00fcrdigkeit entstehe unabh\u00e4ngig von der Frage, ob Politik tats\u00e4chlich Einfluss auf die redaktionelle Arbeit genommen habe, erkl\u00e4rt Leonard Novy vom Institut f\u00fcr Medien- und Kommunikationspolitik. Schon der Anschein von Parteilichkeit sei ein massives Problem f\u00fcr die Glaubw\u00fcrdigkeit und Legitimation der journalistischen Arbeit. Auch scheinen Sullivan und das OCCRP sowohl ihre journalistischen Partner als auch ihre Leserinnen und Leser \u00fcber die N\u00e4he zur US-Regierung im Unklaren gelassen zu haben. Damit habe die Organisation in den Augen von Novy eine Grenze \u00fcberschritten. [\u2026]<\/p>\n<p>Politikwissenschaftler Leonard Novy sieht angesichts der \u201eexistenziellen strukturellen Herausforderungen, vor denen der Journalismus steht\u201c, durchaus die Notwendigkeit f\u00fcr finanzielle F\u00f6rderung aus \u00f6ffentlichen Geldern. Diese m\u00fcsse aber \u201eintelligent und transparent\u201c eingesetzt werden. Um die journalistische Unabh\u00e4ngigkeit nicht zu gef\u00e4hrden, m\u00fcsse das Geld nach klaren Kriterien vergeben werden, die F\u00f6rderung transparent gemacht und unbedingt staatsfern organisiert sein &#8211; beispielsweise durch unabh\u00e4ngige Gremien, die das Geld verwalten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/zapp\/Journalisten-im-Auftrag-der-US-Regierung-Vorwuerfe-gegen-OCCRP,occrp102.html\">https:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/zapp\/Journalisten-im-Auftrag-der-US-Regierung-Vorwuerfe-gegen-OCCRP,occrp102.html<\/a><\/p>\n<p>Laut NDR fehle es dem Thema an Relevanz f\u00fcr ein breites Publikum. Die eigens vom NDR ermittelte Tatsache, dass die US-Regierung die Berichterstattung der \u201egr\u00f6\u00dften Organisation f\u00fcr investigative Berichterstattung auf der Welt\u201c\u201c bewusst steuert, indem sie ihre Mittelvergabe konditioniert, hat also keinen Nachrichtenwert f\u00fcr ein breites Publikum. Das muss man sich angesichts der Belanglosigkeiten, die es in sch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit in die Hauptnachrichten und Flaggschiffe des OERR schaffen, auf der Zunge zergehen lassen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/news\/ndr-zensiert-eigene-recherche-zu-einflussnahme-der-us-regierung-auf-unabhaengige-investigativplattform-occrp\/\">https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/news\/ndr-zensiert-eigene-recherche-zu-einflussnahme-der-us-regierung-auf-unabhaengige-investigativplattform-occrp\/<\/a><\/p>\n<p><strong>\u201eWas hat ZAPP damit zu tun?<\/strong><\/p>\n<p>Mediapart erhebt in einem zweiten Artikel den Vorwurf, der NDR habe die eigene Recherche zum Thema OCCRP \u201ezensiert\u201c. Hierzu stellt die ZAPP-Redaktion klar: Es gab keinerlei Zensur bei ZAPP, dieser Vorwurf entbehrt jeglicher Grundlage. ZAPP war an der NDR-Recherche zu OCCRP gar nicht beteiligt und auch nicht Teil der internationalen Recherchekooperation. Auch der NDR insgesamt hat den Vorwurf der Zensur nach Ver\u00f6ffentlichung der Recherchen zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n<p>Autoren des NDR haben die Recherche begonnen und \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum fortgef\u00fchrt. In der Abw\u00e4gung gegen\u00fcber anderen Projekten haben wir uns gegen eine Beteiligung entschieden. Dies war alleinige und freie Entscheidung der Redaktion. ZAPP berichtet unabh\u00e4ngig und immer wieder kritisch \u00fcber den NDR. Auch deswegen hat die Redaktion sich dagegen entschieden, eine Recherche zu \u00fcbernehmen, die nicht in der Redaktion entstanden ist. Wir haben uns stattdessen darauf vorbereitet, im Nachgang \u00fcber die Recherche und ihre m\u00f6glichen Auswirkungen zu berichten.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/zapp\/Journalisten-im-Auftrag-der-US-Regierung-Vorwuerfe-gegen-OCCRP,occrp102.html\">https:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/zapp\/Journalisten-im-Auftrag-der-US-Regierung-Vorwuerfe-gegen-OCCRP,occrp102.html<\/a><br \/>\nDer NDR im internationalen Rampenlicht<\/p>\n<p>Internationale Aufmerksamkeit f\u00fcr den deutschen \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk generiert seit gut einer Woche der NDR. Bzw. wurde er da zum Gegenstand vieler &#8222;sehr ausf\u00fchrlicher Texte&#8220;, die auf franz\u00f6sisch bei mediapart.fr, auf italienisch und englisch erschienen (Altpapier), und inzwischen immer mehr, ebenfalls \u00e4u\u00dferst ausf\u00fchrliche deutsche Texte nach sich ziehen. Bei uebermedien.de (Abo) schrieben Ex-Altpapier-Autorin Annika Schneider und Alexander Graf. Und heute f\u00fcllt &#8222;SZ&#8220;-Veteran Hans-J\u00fcrgen Jakobs, von der (in Papiermedien wichtigen!) R\u00e4tselspalte abgesehen, die ganze &#8222;SZ&#8220;-Medienseite (auch Abo).<\/p>\n<p>Die Materie ist komplex. [\u2026] Diese an Bedingungen wie die, bei bestimmten Recherchen US-amerikanische Bez\u00fcge auszusparen, gekn\u00fcpften OCCRP-Finanzierungen galten ab Anfang 2023 selber Recherchen, die vom NDR ausgingen, und zwar von dessen Investigativreporter John Goetz. Der seit langem in Deutschland t\u00e4tige US-Amerikaner geht investigativ oft in Grauzonen, in denen Schwarz und Wei\u00df sich nicht schnell oder auch gar nicht zeigen. F\u00fcr diese Recherchen holte der NDR auch Partner ins Boot \u2013 welches er selber dann verlie\u00df, um seine Recherchen lieber nicht zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p>&#8222;Im harmlosesten Fall zeigt das Beispiel, wie planlos und unkoordiniert ein \u00f6ffentlich-rechtlicher Sender Ressourcen vergibt und Inhalte plant: Nach vielen Monaten aufwendiger Recherche, einer extra vereinbarten Kooperation mit Medienpartnern und einem gro\u00dfen Teil der Schnittarbeit versandet ein fast fertiger Beitrag irgendwo zwischen Zust\u00e4ndigkeiten und Programmschemata \u2013 ohne dass der Sender eine inhaltliche Begr\u00fcndung geliefert hat, warum das Thema nicht ausgestrahlt wurde&#8220;, hei\u00dft es bei uebermedien.de zu diesem Aspekt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/altpapier\/das-altpapier-3954.html\">https:\/\/www.mdr.de\/altpapier\/das-altpapier-3954.html<\/a><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_10064 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_10064')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_10064').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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