{"id":11657,"date":"2026-05-13T09:04:20","date_gmt":"2026-05-13T08:04:20","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?post_type=news&#038;p=11657"},"modified":"2026-05-13T09:04:20","modified_gmt":"2026-05-13T08:04:20","slug":"wir-sind-anwalt-der-wirklichkeit-nicht-der-schwachen-gniffkes-provokante-these-zum-qualitaetsjournalismus","status":"publish","type":"news","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/news\/wir-sind-anwalt-der-wirklichkeit-nicht-der-schwachen-gniffkes-provokante-these-zum-qualitaetsjournalismus\/","title":{"rendered":"\u201eWir sind Anwalt der Wirklichkeit \u2013 nicht der Schwachen&#8220;: Gniffkes provokante These zum Qualit\u00e4tsjournalismus"},"content":{"rendered":"<p>SWR-Intendant Kai Gniffke nimmt im KNA-Interview kein Blatt vor den Mund \u2013 und kein Medienhaus aus. Er kritisiert despektierlichen Ton, fehlende Tiefe und zu viel kritisierenden statt kritischen Journalismus. Und er fordert mehr \u201eTechnikfr\u00f6hlichkeit&#8220; beim Einsatz von KI. [\u2026]<\/p>\n<p>Damit stellt Gniffke einen verbreiteten Ansatz im Journalismus in Frage. Die klassische Dramastruktur \u2013 Schwache gegen Starke, David gegen Goliath \u2013 sei eine wunderbare Geschichte, \u201edie immer funktioniert \u2013 aber leider nicht das, was ich unter Perspektivenvielfalt verstehe&#8220;. Unternehmen etwa, die mit B\u00fcrokratie, Fachkr\u00e4ftemangel und internationaler Konkurrenz zu k\u00e4mpfen h\u00e4tten, br\u00e4uchten eine st\u00e4rkere journalistische Einordnung aus ihrer Perspektive.<\/p>\n<p>Gniffke unterscheidet dabei scharf zwischen kritischem und kritisierendem Journalismus: \u201eWir haben uns angew\u00f6hnt, etwas f\u00fcr kritischen Journalismus zu halten, wenn man m\u00f6glichst viele Gegenstimmen findet.&#8220; Das berge die Gefahr der False-Balance-Falle. Sein Pl\u00e4doyer: Erst verstehen, dann debattieren. Als Beispiel nennt er die Rentendiskussion \u2013 Journalisten h\u00e4tten alle Protagonisten aufmarschieren lassen, bevor irgendjemand verstanden hatte, worum es inhaltlich eigentlich ging.<\/p>\n<p>Beim Thema KI sieht Gniffke den \u00d6RR zu z\u00f6gerlich: \u201eIch glaube, wir brauchen ein bisschen mehr Technikfr\u00f6hlichkeit.&#8220; Der Fokus liege zu stark auf Risiken und Nebenwirkungen, die Chancen w\u00fcrden zu wenig beachtet. KI k\u00f6nne wertvolle Dienste leisten \u2013 etwa beim Fact-Checking oder der Analyse gro\u00dfer Datenmengen. Am Ende aber bleibe immer ein Mensch, der draufschaut.<\/p>\n<p>Zur Fehlerkultur bekennt sich Gniffke klar: Der SWR mache Fehler transparent und ver\u00f6ffentliche sie auf einer eigenen Korrekturen-Seite. \u201eWir sind nicht unfehlbar.&#8220;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kress.de\/news\/beitrag\/152836-wir-sind-anwalt-der-wirklichkeit-nicht-der-schwachen-quot-gniffkes-provokante-these-zum-qualitaetsjournalismus.html\">https:\/\/kress.de\/news\/beitrag\/152836-wir-sind-anwalt-der-wirklichkeit-nicht-der-schwachen-quot-gniffkes-provokante-these-zum-qualitaetsjournalismus.html<\/a><\/p>\n<p>Die Qualit\u00e4tsmedien m\u00fcssten hier auch ihre Perspektive \u00fcberdenken. &#8222;Wir sind Anwalt der Wirklichkeit und nicht Anwalt der vermeintlich Schwachen, der Machtlosen, oder der Opfer&#8220;, so der SWR-Intendant. Deren Perspektive abzubilden, sei wichtig. &#8222;Aber genauso wichtig ist die Perspektive aus der Wirtschaft.&#8220; Journalisten erz\u00e4hlten gerne in der Dramastruktur &#8222;David gegen Goliath&#8220;, so Gniffke weiter. &#8222;Das ist eine wunderbare Geschichte, die immer funktioniert &#8211; aber leider nicht das, was ich unter Perspektivenvielfalt verstehe.&#8220;<\/p>\n<p>Die ARD und seinen SWR sieht der Intendant mit Blick auf mehr Transparenz und eine bessere Fehlerkultur auf einem guten Weg.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.turi2.de\/aktuell\/swr-intendant-kai-gniffke-beklagt-despektierlichen-ton-von-medienschaffenden\/\">https:\/\/www.turi2.de\/aktuell\/swr-intendant-kai-gniffke-beklagt-despektierlichen-ton-von-medienschaffenden\/<\/a><\/p>\n<p><em>Hinweis I: SWR-Korrekturenseite<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.swr.de\/unternehmen\/korrekturen-swr-programm-102.html\">https:\/\/www.swr.de\/unternehmen\/korrekturen-swr-programm-102.html<\/a><\/p>\n<p><em>Hinweis II: \u201eDeshalb ist dem Postulat der Vielfaltssicherung nur dann Rechnung getragen, wenn die Tiefe und Qualit\u00e4t der Informationen und Hintergr\u00fcnde von Meinungsverschiedenheiten in einer Weise aufgearbeitet werden, die ihrer Komplexit\u00e4t gerecht wird. Je schwieriger, komplexer also eine Frage ist, umso notwendiger ist die inhaltliche Aufbereitung \u2013 und zwar \u2013 in der Vielfalt der in der Gesellschaft bestehenden Wertungen, Erfahrungen etc.\u201c (<\/em>Paul Leo Giani. In: Marc Jan Eumann, Frauke Gerlach, Tabea R\u00f6\u00dfner, Martin Stadelmeier (Hg.): Medien, Netz und \u00d6ffentlichkeit. Klartext-Verlag, 2013, S. 286 f.)<\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_11657 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_11657')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_11657').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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