{"id":3791,"date":"2018-06-29T10:20:38","date_gmt":"2018-06-29T09:20:38","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?post_type=news&#038;p=3791"},"modified":"2018-06-29T10:23:47","modified_gmt":"2018-06-29T09:23:47","slug":"medien-blenden-bereits-bestehenden-konsens-im-europaparlament-zum-migrationsstreit-aus","status":"publish","type":"news","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/news\/medien-blenden-bereits-bestehenden-konsens-im-europaparlament-zum-migrationsstreit-aus\/","title":{"rendered":"Medien blenden bereits bestehenden Konsens im Europaparlament zum Migrationsstreit aus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fast alle Medien blenden aus, dass es seit Monaten einen partei- und l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Konsens im Europaparlament zum Migrationsstreit gibt<\/strong><\/p>\n<p><em>Publiziert 29. Juni 2018 | Von Heiko Hilker<\/em><\/p>\n<p>Es wird immer wieder dargestellt, dass Angela Merkel eine europ\u00e4ische L\u00f6sung f\u00fcr die Migrations- und Fl\u00fcchtlingsfragen schaffen will. Horst Seehofer konnte am Mittwochabend bei \u201eMaischberger\u201c darstellen, dass er nur dann f\u00fcr eine nationale L\u00f6sung ist, wenn es keine europ\u00e4ische gibt. Dabei gibt es <strong>schon seit mehr als acht Monaten eine europ\u00e4ische L\u00f6sung<\/strong>, die u.a. der Vorsitzende der EVP-Fraktion und Seehofers Stellvertreter als CSU-Parteichef, Manfred Weber, mittr\u00e4gt. Sandra Maischberger h\u00e4tte Horst Seehofer fragen k\u00f6nnen, wie er zu dieser Position steht, warum er nicht will, dass dieser Konsens umgesetzt wird. Dass es diesen Konsens \u00fcber sechs Parteien und eine zweidrittel Mehrheit im Europaparlament gibt, wird von den Medien nur selten dargestellt. Eigentlich m\u00fcsste in jedem Beitrag, in dem es um die Suche nach einer europ\u00e4ischen L\u00f6sung geht, auf diesen Konsens hingewiesen werden. Und die bisher weitgehend ungestellte journalistische Frage ist, warum sich die Regierungen weigern, einen Kompromiss des Parlaments umzusetzen.<\/p>\n<p>Wie ist es zu diesem Kompromiss gekommen? <a href=\"https:\/\/mediendemokratie.eu\/2018\/06\/22\/stress-ohne-grund-ein-diskurs-im-freien-fall\/\">Karim Khattab beschreibt das so:<\/a><\/p>\n<p>Im Mai 2016 legte die EU-Kommission einen ziemlich radikalen Vorschlag zur Dublin-Reform vor, der zahlreiche Asylrechtsversch\u00e4rfungen beinhaltete. So beispielsweise die sogenannten Zul\u00e4ssigkeitspr\u00fcfungen, nach denen festgestellt wurde, ob eine Person vor dem Asylantrag bereits einen \u2019sicheren Drittstaat\u2018 passierte, in einem solchen Fall w\u00e4ren die Personen dorthin zur\u00fcckgeschickt worden. \u00c4hnliches haben auch Seehofer, Salvini &amp; Co. im Sinn. Der Kommissions-Vorschlag sah zahlreiche Ma\u00dfnahmen vor, die das Grundrecht auf Asyl in der Europ\u00e4ischen Union gef\u00e4hrdet h\u00e4tten. Dieser Vorschlag kam im Mai 2016 ins Europaparlament, wo die Fraktionen die M\u00f6glichkeiten zur Ab\u00e4nderung bekamen.<\/p>\n<p>Die zust\u00e4ndigen Abgeordneten schrieben den Kommissions-Vorschlag komplett um, kein Komma blieb an seiner Stelle und im Grunde haben sie in der Zeit eine v\u00f6llig neue Dublin-Verordnung geschrieben, die mit den drei gescheiterten Vorg\u00e4nger-Systemen nicht mehr viel gemein hatte.<\/p>\n<p>Im November 2017 gelang den daran beteiligten sechs Fraktionen (ohne EKR und ENF) nach 22 Verhandlungsrunden die Fertigstellung eines Vorschlags f\u00fcr ein grundlegend neues Dublin-System. In den sechs Fraktionen, die diesen Parlamentsvorschlag tragen, organisieren sich 180 nationale Parteien, zusammen repr\u00e4sentieren sie eine Zweidrittelmehrheit des Europaparlaments. Alle sechs zust\u00e4ndigen Unterh\u00e4ndlerinnen sind Frauen. Drei von ihnen stammen aus Italien, eine geh\u00f6rt der italienischen Regierungspartei der MoVimento Cinque Stelle an.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Verhandlungen wurde derma\u00dfen viel Druck aus M\u00fcnchen und Berlin ausge\u00fcbt, dass die Verhandlungen zwischenzeitlich zu scheitern drohten. Doch konnte sich Manfred Weber (CSU), der Fraktionsvorsitzende der gr\u00f6\u00dften EP-Fraktion \u2013 der Europ\u00e4ischen Volkspartei (EVP) \u2013 nicht durchsetzen und die zust\u00e4ndige EVP-Unterh\u00e4ndlerin Alessandra Mussolini blieb ihrer kooperativen Arbeit treu. Dennoch wehte w\u00e4hrend der Verhandlungen massiver Gegenwind aus Deutschland.<\/p>\n<p>Der letztlich fertiggestellte und angenommene Parlamentsvorschlag sieht unter anderem vor,<\/p>\n<ul>\n<li>vorgelagerte Zul\u00e4ssigkeitspr\u00fcfungen zu streichen, das hei\u00dft, dass Gefl\u00fcchtete weiterhin in der EU Asyl beantragen d\u00fcrfen, auch wenn sie zuvor einen sogenannten \u201asicheren Drittstaat\u201a passiert haben;<\/li>\n<li>ein Ende mit dem Grundprinzip von Dublin zu machen, also der EU-Staat des Ersteintritts soll nur mehr f\u00fcr die Verteilung, nicht aber f\u00fcr den Asylantrag als solchen verantwortlich sein \u2013 was letztlich die Grundlage der Misere in Italien und auf den griechischen Inseln ist;<\/li>\n<li>einen Kriterienkatalog einzuf\u00fchren, nach dem die Verteilung aus dem Staat des Ersteintritts vorgenommen werden soll. Familienanbindungen, Sprachkenntnisse, Ausbildungs- oder Studienaufenthalte werden ebenso ber\u00fccksichtigt, wie die Auslastung eines bereffenden Mitgliedstaates. Auf Basis dieses Kriterienkatalogs sollen dem\/der Antragssteller\/in vier L\u00e4nder zur Auswahl gestellt werden. Damit h\u00e4tte sich das Problem der Sekund\u00e4rmigration praktisch erledigt;<\/li>\n<li>Familienzusammenf\u00fchrungen und unbegleiteten Minderj\u00e4hrigen sollen Garantien zugesprochen werden;<\/li>\n<li>keine Sanktions- sondern einen Belohnungsmechnismus f\u00fcr Mitgliedstaaten einzuf\u00fchren, wenn sie sich an der Umsetzung der Verteilung beteiligen;<\/li>\n<li>Rechtsbeistand f\u00fcr Asylantragssteller\/innen zu gew\u00e4hrleisten um sie w\u00e4hrend ihrer Asylprozesse nicht mehr sich selbst zu \u00fcberlassen;<\/li>\n<li>Sponsoring durch Firmen zu erm\u00f6glichen;<\/li>\n<li>allgemeine Standards f\u00fcr die Registrierungen aller, die Asyl beantragen, einzuf\u00fchren;<\/li>\n<li>die Aufstockung personeller Ressourcen f\u00fcr die Asylbeh\u00f6rden, damit die Dauer der Bearbeitungszeiten radikal verk\u00fcrzt werden kann.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dadurch soll und w\u00fcrde der Druck f\u00fcr die Grenzstaaten sinken, Dublin-R\u00fcckf\u00fchrungen w\u00fcrden durch diesen Vorschlag unn\u00f6tig werden, eine gleichm\u00e4\u00dfige Verteilung von Verantwortung zwischen den Mitgliedstaaten w\u00fcrde geregelt werden.<\/p>\n<p>Es ist Kompromiss zwischen den sechs Parteifamilien, das ist au\u00dfergew\u00f6hnlich und kommt f\u00fcr EP-Verh\u00e4ltnisse selten vor. Von der Europ\u00e4ischen Volkspartei (EVP) bis zur EP-Linksfraktion (GUE\/NGL), von Mussolini (Forza Italia) bis zur Kommunistischen Partei Frankreichs (PCF). Der Text wird fraktions- und l\u00e4nder\u00fcbergreifend getragen.<\/p>\n<blockquote><p>Vermutlich werden 80 Prozent der Menschen von dem Unionsstreit zwischen CDU und CSU erfahren haben, vermutlich werden ebenso viele Menschen die Vorschl\u00e4ge seitens Seehofer kennen. Vermutlich kennt aber nicht einmal ein Prozent der Gesellschaft in Deutschland den Vorschlag des Europaparlaments. Und genau hier liegt das Problem.<\/p><\/blockquote>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_3791 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_3791')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_3791').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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