{"id":4946,"date":"2019-06-17T08:06:01","date_gmt":"2019-06-17T07:06:01","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?post_type=news&#038;p=4946"},"modified":"2019-06-17T08:06:01","modified_gmt":"2019-06-17T07:06:01","slug":"desillusion-der-wendezeit","status":"publish","type":"news","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/news\/desillusion-der-wendezeit\/","title":{"rendered":"Desillusion der Wendezeit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Desillusion der Wendezeit<\/strong><\/p>\n<p>Schon im M\u00e4rz 1990 wurden von den Gro\u00dfverlagen der BRD massiv westdeutsche Presseprodukte auf den DDR-Markt gedr\u00fcckt. Das gelang mit Hilfe von Preisdumping. Eigentlich war der Umtauschkurs 1 DM zu 3 Mark. Im Bestreben, m\u00f6glichst fr\u00fch neue Leser zu gewinnen, wanderten die Presseerzeugnisse zum 1:1-Kurs \u00fcber die Theke. Das war faktisch ein Minusgesch\u00e4ft. Es ging aber zun\u00e4chst vor allem zu Lasten kleinerer westdeutscher Verlage und der DDR-Verlage. Letztere arbeiteten noch unter den Bedingungen der Planwirtschaft. Das hei\u00dft, sie waren immer noch auf Subventionen angewiesen. Springer, Burda, Bauer und G+J dagegen teilten das Verbreitungsgebiet DDR unter sich auf und errichteten einen verlagseigenen Pressevertrieb. Am 1. April fielen dann die Subventionen f\u00fcr die DDR-Presse weg. Die DDR-Verlage verf\u00fcgten \u00fcber keine Infrastruktur, keine Werbung, kein Marketing. Das knappe Papier mussten sie weiter im Preisverh\u00e4ltnis 1:3 kaufen. Was Vertriebsstrukturen und Qualit\u00e4t anging, waren die DDR-Bl\u00e4tter mit den Produkten der Westverlage nicht konkurrenzf\u00e4hig. Auch die Neugr\u00fcndungen konnten in diesem Umfeld nicht lange mithalten. Obwohl die DDR zu diesem Zeitpunkt formal noch ein souver\u00e4ner Staat war, hatte sich faktisch bereits ein gesamtdeutscher Printmarkt etabliert. \u2026<\/p>\n<p>Die Aufteilung der DDR-Medien unter den westdeutschen Gro\u00dfverlagen war im Prinzip sp\u00e4testens im Mai 1990 schon durch. Es zirkulierten Listen ostdeutscher Zeitungen mit potentiellen K\u00e4ufern oder mit klaren Kooperationsvereinbarungen. Die reichten von B\u00fcroausstattungen \u00fcber Druckauftr\u00e4ge bis zur Inhalteproduktion im Westen. Allein die Ostsee-Zeitung bekam schon im Dezember 1989 f\u00fcnf Anfragen innerhalb einer Woche. Hoch im Kurs stand auch der Berliner Verlag, da gaben sich s\u00e4mtliche Gro\u00dfverlage die Klinke in die Hand. Besonders scharf waren die finanzstarken Gro\u00dfverlage, vor allem Bauer und sp\u00e4ter Springer, auf die vierzehn SED-Bezirkszeitungen sowie den Berliner Verlag samt Berliner Zeitung. \u2026<\/p>\n<p>Was die Presse angeht, da ist die Treuhand eigentlich nur der S\u00fcndenbock. Das eigentliche Problem lag bei der Bundesregierung. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der bestehenden Kooperationen wurde faktisch 1991 von der Treuhand nachtr\u00e4glich nur offiziell genehmigt. Nat\u00fcrlich h\u00e4tte es die M\u00f6glichkeit gegeben, das zu unterbinden. Am Ende bestand aber kein Interesse daran, die Monopolisierung zu verhindern. Birgit Breuel, seit 1991 Pr\u00e4sidentin der Treuhand, sagte sp\u00e4ter: Die Gro\u00dfverlage wussten um ihre Macht. Die Treuhand hatte kaum Alternativen und keinen politischen Auftrag, f\u00fcr Pressevielfalt zu sorgen.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"6tnSrx9WSr\"><p><a href=\"https:\/\/mmm.verdi.de\/medienwirtschaft\/desillusion-der-wendezeit-59091\">Desillusion der Wendezeit<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Desillusion der Wendezeit&#8220; &#8212; M - Menschen Machen Medien (ver.di)\" src=\"https:\/\/mmm.verdi.de\/medienwirtschaft\/desillusion-der-wendezeit-59091\/embed\/#?secret=DFx17aiq09#?secret=6tnSrx9WSr\" data-secret=\"6tnSrx9WSr\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>Verspielt wurde \u201edie gro\u00dfe Chance auf eine dicht gewebte, feingliedrige, von unten gewachsene Presselandschaft\u201c, urteilt der Leipziger Kommunikationswissenschaftler Uwe Kr\u00fcger. Eine Landschaft, die die spezifischen lokalen und regionalen Wahrnehmungen, Bed\u00fcrfnisse und Interessen mit viel B\u00fcrgerbeteiligung h\u00e4tte ausdr\u00fccken, verhandeln und in den gesamtdeutschen politischen Diskurs einspeisen k\u00f6nnen\u201c. Was w\u00e4re, fragt Kr\u00fcger, wenn die Keime einer solchen Printmedien-Flora nicht \u201evon den m\u00e4chtigsten Akteuren in einem unregulierten Markt zerst\u00f6rt worden w\u00e4ren?\u201c <\/p>\n<p>Und er gibt selbst die Antwort: <\/p>\n<blockquote><p>\u201eVielleicht w\u00e4re der Osten heute weniger rechts, weniger anf\u00e4llig f\u00fcr Demagogen, f\u00fchlte sich weniger abgeh\u00e4ngt und bedroht, vielleicht w\u00e4re er st\u00e4rker, selbstbewusster, demokratischer.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_4946 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_4946')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_4946').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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