{"id":6123,"date":"2021-02-27T21:56:07","date_gmt":"2021-02-27T20:56:07","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?post_type=news&#038;p=6123"},"modified":"2021-02-27T21:56:07","modified_gmt":"2021-02-27T20:56:07","slug":"zukunft-der-literaturkritik-im-rundfunk","status":"publish","type":"news","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/news\/zukunft-der-literaturkritik-im-rundfunk\/","title":{"rendered":"Zukunft der Literaturkritik im Rundfunk"},"content":{"rendered":"<p>27.02.2021<\/p>\n<p>Eine Diskussion \u00fcber die Zukunft der Literaturkritik im Rundfunk verfehlt in vielsagender Weise ihr Thema. Die Erkenntnis des Abends: Die Selbstaufl\u00f6sung des Kulturradios ist in vollem Gange.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/warum-die-selbstaufloesung-des-kulturradios-begonnen-hat-17214471.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/warum-die-selbstaufloesung-des-kulturradios-begonnen-hat-17214471.html<\/a><\/p>\n<p>\u00d6ffentlich-rechtlicher Rundfunk ist nicht kapitalismuskonform gedacht<\/p>\n<p>Medienmanager des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks erkl\u00e4ren Verlegerinnen, dass Literaturkritik nur eine linksliberale Blase anspricht. Ernsthaft? \u00dcber eine Diskussion im Literaturhaus K\u00f6ln, die unzufrieden stimmt. &#8230; Der Konflikt zwischen gesellschaftspolitischem und plattformkapitalistischem Denken, das um die eigentlich im Rundfunkstaatsvertrag kaum kapitalismuskonform gedachten Rundfunkanstalten gerade tobt, liegt jetzt also offen zutage: Auf der einen Seite war vor allem von Allgemeinheit, \u00d6ffentlichkeit und Demokratie die Rede. Auf der anderen von Communitys und spitzen Zielgruppen. Im Literaturhaus K\u00f6ln verlief der Konflikt entlang der Geschlechterlinien: Wenn Wilke und Gleba von &#8222;\u00d6ffentlichkeit&#8220; sprachen, hatten sie eine Zivilgesellschaft vor Augen, die \u00fcber die sozialen Zusammenh\u00e4nge, denen sie ausgesetzt ist, im Bilde sein muss, um politisch handlungsf\u00e4hig zu sein. Wenn Mentzer und Schaeffer von &#8222;\u00d6ffentlichkeit&#8220; sprachen, ging es um Zielgruppen, die es mit optimiertem Content zu erreichen gelte.<\/p>\n<p>Dieses Denken steht einem sicher gut zu Gesicht, wenn man zum Beispiel eine Sonnencreme verkaufen will. Der Auftrag des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks ist aber ein anderer. Den Umbau der Gesellschaft, den der Rundfunk auf diese Weise zwangsl\u00e4ufig vorantreibt, w\u00e4hrend er vorgibt, ihm nur zu folgen, sollte man sich genau vor Augen f\u00fchren: Rousseaus Gemeinwohl, Kants Vernunftidee, Habermas&#8216; Diskursbegriff werden dort nicht mehr als Fundament der Republik verstanden, sondern als Spleen einer linksliberalen Sieben-Prozent-Blase.<\/p>\n<p>Es ist vor diesem Hintergrund unversch\u00e4mt, wie selbstgerecht und aufgekratzt die Medienmanager des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks die deutschen Verlegerinnen und Verleger, Kritikerinnen und Kritiker und Intellektuellen immer wieder \u00fcber die sensationelle Neuigkeit in Kenntnis setzen, dass \u00fcbrigens das digitale Zeitalter begonnen habe. Als sei die Aufl\u00f6sung der Gesellschaft in Zielgruppen und Kundenprofile unabwendbar und werde nicht von ihnen selbst vorangetrieben. Etwas Antidemokratisches liegt in dieser Naturalisierung von Gesellschaft. Literatur und Kritik geh\u00f6ren in der Vorstellungswelt dieser Entscheider in das 20. Jahrhundert. Man hatte derlei neudeutschen Entscheiderunsinn schon vermutet &#8230;. Die deutschen Literaturverlage melden in der Pandemie steigende Verk\u00e4ufe, und sie bauen st\u00e4ndig Autoren auf, die aus dem Digitalen in die Verlagswelt kommen und damit den umgekehrten Weg gehen wie die Rundfunkanstalten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/literaturkritik-oeffentlich-rechtliche-insa-wilke-1.5216814\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/literaturkritik-oeffentlich-rechtliche-insa-wilke-1.5216814<\/a><\/p>\n<p>\u00dcber die Streichung von Literaturformaten im Radio wurde im Literaturhaus K\u00f6ln gestritten. Dabei nervte die Arroganz, das Publikum zu untersch\u00e4tzen. &#8230;. Der Hessische Runkfunk (hr) soll hier als Beispiel f\u00fcr die Umstrukturierung eines \u00f6ffentlich-rechtlichen Senders fungieren. Alf Mentzer, der die Kultur beim hr verantwortet, spricht sich f\u00fcr Massenwirkung aus: Der Auftrag der \u00d6ffentlich-Rechtlichen sei es, den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Teil der Bev\u00f6lkerung zu erreichen. Und Radio sei heute eben ein Begleitmedium, dem niemand mehr \u201ein Pf\u00f6tchenstellung\u201c zuh\u00f6re, sagt Schaeffer. Die Zu\u00adschaue\u00adr:in\u00adnen im Chat sind unterdessen erbost. Diese Arroganz, das Publikum st\u00e4ndig zu untersch\u00e4tzen, nerve. &#8230;. Aufgabe einer Kultursendung sei es, Denkanst\u00f6\u00dfe zu geben und nicht nur abzubilden, was H\u00f6\u00adre\u00adr:in\u00adnen angeblich h\u00f6ren wollen. Sie kritisiert auch die vage Sprache der Reform und will genau wissen: \u201eWie ist der Plan?\u201c<\/p>\n<p>Dieser Plan werde gemeinsam entwickelt, verspricht Schaeffer, und auch Mentzer wei\u00df maximal unkonkret: Der Plan sei ein Prozess. Inhalte scheinen in diesem Prozess erst mal zweitrangig zu sein, der Fokus liegt auf der Digitalisierung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/Debatte-um-Literaturkritik-im-Radio\/!5750574\/\">https:\/\/taz.de\/Debatte-um-Literaturkritik-im-Radio\/!5750574\/<\/a><\/p>\n<p>Dass die Literaturvermittlung neue Formate brauche, galt den Radioleuten als ausgemacht, auch um damit \u2013 das ist etwa die Aufgabe der von Mentzer geleiteten \u201eKultur-Unit\u201c \u2013 in sozialen Medien zu verstreuten, nicht unbedingt gebildeten Subkulturen durchzudringen. \u201eWir m\u00fcssen das so gestalten, dass wir bei denen in die Timeline gesp\u00fclt werden\u201c, assistierte Schaeffer. Was aber \u00fcber die Schlagworte \u201ebunt\u201c und \u201evielf\u00e4ltig\u201c hinaus denn nun der Plan sei, wollte Wilke, nun schon halb verzweifelt, wissen. Schlie\u00dflich w\u00fcrden die klassischen Formate ja bereits eingestellt. Mentzers Antwort: Der Plan sei ein Prozess mit bestimmten Konkretionen, wobei die gegenw\u00e4rtigen Produkte noch nicht das Endportfolio darstellten. Das Ziel sei, Publika zu gewinnen, die man linear nicht mehr erreiche. Warum man daf\u00fcr dem kulturinteressierten Radiopublikum die Literaturbesprechung streichen muss, erkl\u00e4rte das nicht. &#8230;. Die (ganz bewusste) Selbstaufl\u00f6sung des Kulturradios, so die Erkenntnis des Abends, ist in vollem Gange. Das Analytische in seiner alten, fordernden Form hat an der Spitze der H\u00e4user immer weniger F\u00fcrsprecher, weil die Jugend, so stellt man es sich offenbar vor, eher Leichtverdauliches wolle.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/warum-die-selbstaufloesung-des-kulturradios-begonnen-hat-17214471.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/warum-die-selbstaufloesung-des-kulturradios-begonnen-hat-17214471.html<\/a><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_6123 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_6123')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_6123').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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