{"id":9202,"date":"2024-05-23T07:53:36","date_gmt":"2024-05-23T06:53:36","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?post_type=news&#038;p=9202"},"modified":"2024-05-23T09:05:53","modified_gmt":"2024-05-23T08:05:53","slug":"gendersprache-offener-brief-an-den-intendanten-des-hr","status":"publish","type":"news","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/news\/gendersprache-offener-brief-an-den-intendanten-des-hr\/","title":{"rendered":"Gendersprache: Offener Brief an den Intendanten des HR"},"content":{"rendered":"<div class=\"content-module-text grid-cell col-12\">\n<div class=\"wrapper \">\n<h4>Offener Brief an den Intendanten des Hessischen Rundfunks (Mai 2024)<\/h4>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"content-module-text grid-cell col-12\">\n<div class=\"wrapper \">\n<p>Sehr geehrter Herr Hager,<\/p>\n<p>nach einer ebenso rasanten wie starken Ausbreitung der Gendersprache in der letzten vier Jahren \u2013 an der auch der <span class=\"caps\">\u00d6RR<\/span> engagiert mitgewirkt hat \u2013 zeigt sich immer wieder deutlich, dass eine gro\u00dfe Mehrheit unserer Sprachgemeinschaft (rund 80%) dem \u201egendersensiblen\u201c Deutsch wenig bis gar nichts abgewinnen kann. In mehreren Bundesl\u00e4ndern (Baden-W\u00fcrttemberg, Hessen, Hamburg) wurden Volksentscheide gegen das Gendern auf den Weg gebracht, einige Landesregierungen (zuletzt Bayern und Hessen) haben den Einsatz von Gendersonderzeichen in Beh\u00f6rden, Universit\u00e4ten und Schulen g\u00e4nzlich untersagt. In diesem Zusammenhang hat die neu gew\u00e4hlte hessische Landesregierung im letzten Jahr angek\u00fcndigt, auch die Genderpraxis des hr auf den Pr\u00fcfstand zu stellen.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund breiter und nicht nachlassender Kritik am Gebrauch sogenannter gendersensibler Sprache nehmen wir mit Befremden eine aktuelle <a href=\"https:\/\/www.hessenschau.de\/redaktion\/gendergerechte-sprache-auf-hessenschaude-v2%2Cgendergerechte-sprache-redaktion-100.html\">Stellungnahme der Redaktion der Hessenschau<\/a> zur Kenntnis, in der sich Ihre Mitarbeiter dezidiert zur Nutzung \u201egendergerechter Sprache bekennen:<\/p>\n<p>Die heftigen Debatten der letzten vier Jahre \u00fcber das Thema Gendersprache \u2013 aber auch <strong>aktuelle Forschungsbeitr\u00e4ge zum Thema<\/strong> \u2013 sind an diesem Text offenbar spurlos vor\u00fcbergegangen. Er weist eine erhebliche Einseitigkeit in der Darstellung auf und l\u00e4sst den Sprachgebrauch vieler Menschen als defizit\u00e4r und reparaturbed\u00fcrftig erscheinen. Nicht erst in den letzten vier Jahren haben sich zahlreiche Sprachwissenschaftler zu Wort gemeldet und die zentralen Pr\u00e4missen der Gendersprache kritisch beleuchtet. Die Thesen zur Wechselwirkung von Sprachstruktur und gesellschaftlicher Wirklichkeit, die von Bef\u00fcrwortern der Gendersprache vorgebracht werden, sind empirisch nicht belegbar. Auch psycholinguistische Studien, die zur Rechtfertigung der Genderpraxis herangezogen werden, gelten vielen Forschern als wenig aussagekr\u00e4ftig. Dass Menschen beim generischen Maskulinum vorwiegend an M\u00e4nner d\u00e4chten, diese Form also nur \u201epseudogenerisch\u201c sei, ist wissenschaftlich l\u00e4ngst widerlegt (siehe etwa: Meineke, Eckhard: Studien zum genderneutralen Maskulinum. Heidelberg: Winter 2023). Insofern ist nicht nachzuvollziehen, weshalb die \u201eHessenschau\u201c dogmatisch verk\u00fcndet: \u201eAnsonsten geh\u00f6rt das generische Maskulinum in unserem Angebot der Vergangenheit an\u201c.<\/p>\n<p>Der Text, in dem wiederholt die Formulierung \u201em\u00e4nnliche Form\u201c verwendet wird, legt die Vermutung nahe, dass den Verfassern der kategoriale Unterschied zwischen Genus und Sexus nicht bekannt zu sein scheint. Das Maskulinum ist keine \u201em\u00e4nnliche Form\u201c, sondern eine grammatische Kategorie (ebenso wie das Femininum und das Neutrum). Eine grunds\u00e4tzliche Kopplung von grammatischem und biologischem Geschlecht gibt es im Deutschen nicht. W\u00f6rter wie \u201eMensch\u201c, \u201ePerson\u201c oder \u201eOpfer\u201c belegen dies.<\/p>\n<p>Ihre Mitarbeiter nehmen f\u00fcr sich in Anspruch, <strong>\u201ealle Menschen in Hessen\u201c<\/strong> anzusprechen und die \u201eVielfalt Hessens\u201c in ihrem Angebot sprachlich abzubilden. Sie behaupten, dass sich \u201eviele Menschen\u201c durch das generische Maskulinum nicht mehr \u201erepr\u00e4sentiert\u201c f\u00fchlten. Es ist unklar, wie sie zu dieser Einsch\u00e4tzung gelangen, denn s\u00e4mtliche Umfragen zur Akzeptanz der Gendersprache sprechen eine andere Sprache. Eine gro\u00dfe Mehrheit in unserer Sprachgemeinschaft versteht und sch\u00e4tzt das generische Maskulinum als genderneutrale Sprachform. Ihre Mitarbeiter sollten vorrangig das Ziel verfolgen, m\u00f6glichst viele Beitragszahler anzusprechen. Das tun sie am besten mit einer Sprache, die bei den Zuh\u00f6rern und Zuschauern Akzeptanz findet. Es wird ihnen nicht gelingen, ein gro\u00dfes Publikum anzusprechen, wenn sie mit dem Gendern auf den sprachpolitisch motivierten Soziolekt einer Minderheit setzen.<\/p>\n<p>Auf welcher Rechtsbasis gestattet es der hr seinen Mitarbeitern, ihre pers\u00f6nlichen sprachpolitischen Ambitionen auszuleben? Sie schreiben: \u201eInsbesondere f\u00fcr j\u00fcngere Kolleginnen und Kollegen geh\u00f6rt gendergerechte Sprache, die sich in Darstellungsformen wie dem Gendersternchen oder dem Genderdoppelpunkt darstellt, zum Alltag.\u201c Das mag ja so sein, Ihre Mitarbeiter sind jedoch nicht repr\u00e4sentativ f\u00fcr unsere Gesellschaft. In den Redaktionen des Hessischen Rundfunks ist offenbar ein Milieu \u00fcberproportional vertreten, das sich gerade in der Frage von Gendersprache (aber auch in seinen sonstigen politischen Pr\u00e4ferenzen) deutlich von der \u00fcbrigen Gesellschaft unterscheidet. Umfragen zeigen, dass sich \u2013 auch in den j\u00fcngeren Altersgruppen der Bev\u00f6lkerung \u2013 eine \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit gegen gegenderte Sprachformen ausspricht. Das von der Friedrich Ebert-Stiftung j\u00fcngst ausgezeichnete Buch \u201eTriggerpunkte\u201c von Steffen Mau et al. macht auf diesen Umstand aufmerksam. Und warum eigentlich gestattet es der hr seinen \u201eKolleginnen und Kollegen\u201c, genau jene Gendersonderzeichen zu verwenden, die hessischen Sch\u00fclern als Fehler in Arbeiten angestrichen werden? Warum d\u00fcrfen sich Mitarbeiter, die mit einem grammatisch falsch angewandten Partizip als \u201eMitarbeitende\u201c bezeichnet werden, \u00fcber das geltende Regelwerk der Rechtschreibung hinwegsetzen und damit den Bildungsauftrag des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks unterlaufen?<\/p>\n<p>Bereits im Jahr 2022 wurde eine <strong>Petition<\/strong> auf den Weg gebracht, in der Sprachexperten die Genderpraxis des <span class=\"caps\">\u00d6RR<\/span> kritisieren (<a href=\"http:\/\/linguistik-vs-gendern.de\">linguistik-vs-gendern.de<\/a>). Die Presse berichtete ausf\u00fchrlich dar\u00fcber. Dieser Aufruf wurde mittlerweile von rund 1100 Sprachexperten unterschrieben. Darin hei\u00dft es: \u201eDie Sprachverwendung des <span class=\"caps\">\u00d6RR<\/span> ist Vorbild und Ma\u00dfstab f\u00fcr Millionen von Zuschauern, Zuh\u00f6rern und Lesern. Daraus erw\u00e4chst f\u00fcr die Sender die Verpflichtung, sich in Texten und Formulierungen an geltenden Sprachnormen zu orientieren und mit dem Kulturgut Sprache regelkonform, verantwortungsbewusst und ideologiefrei umzugehen.\u201c Zwischenzeitlich haben mehrere \u00f6ffentlich bekannt gewordene Skandale in einigen Sendeanstalten daf\u00fcr gesorgt, dass sich eine Debatte \u00fcber den Zustand und die Zukunft des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks entsponnen hat. Dennoch ist bis heute nicht erkennbar, dass die Sender bereit w\u00e4ren, sich selbstkritisch mit ihrer Sprachpraxis auseinanderzusetzen. Dass vielmehr das Gegenteil der Fall ist zeigt der Text auf der hr-Website: Er dokumentiert, dass der Hessische Rundfunk sich weiterhin gegen jegliche Kritik an seiner Sprachpraxis abschottet. Damit jedoch stellt er seine Legitimation als lebendiges, offenes und b\u00fcrgerfreundliches Medium leider zunehmend selbst in Frage.<\/p>\n<p><em>Dr. Dagmar Lorenz ist Literaturwissenschaftlerin und Sinologin. Sie war als Dozentin in China t\u00e4tig und arbeitet als Autorin u.a. f\u00fcr mehrere Rundfunkanstalten. Ihre Themen: Sprachgebrauch, Literaturgeschichte und chinesische Kultur. Zu ihren Ver\u00f6ffentlichungen z\u00e4hlt auch ein in zwei Auflagen erschienenes Sachbuch \u00fcber Journalismus.<\/em><\/p>\n<p><em>Der studierte Germanist und Musiker Fabian Payr ist Autor des Buches: \u201eVon Menschen und Mensch*innen. 20 gute Gr\u00fcnde, mit dem Gendern aufzuh\u00f6ren\u201c. Er ist Initiator des Aufrufs linguistik-vs-gendern.de<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_9202 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_9202')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_9202').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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