{"id":9430,"date":"2024-07-31T11:24:59","date_gmt":"2024-07-31T10:24:59","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?post_type=news&#038;p=9430"},"modified":"2024-07-31T11:24:59","modified_gmt":"2024-07-31T10:24:59","slug":"die-ard-sender-zerstoeren-die-zeitungen","status":"publish","type":"news","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/news\/die-ard-sender-zerstoeren-die-zeitungen\/","title":{"rendered":"Die ARD-Sender zerst\u00f6ren die Zeitungen"},"content":{"rendered":"<p>Seit Jahren streiten Verlage mit ARD-Anstalten \u00fcber die Presse\u00e4hnlichkeit von Onlineangeboten. Bayerns Zeitungsverleger wollen nun gegen den BR klagen. Der Saarl\u00e4ndische Rundfunk bedroht die Existenz der Regionalzeitung des Landes. [\u2026]<\/p>\n<p>Der SR, so will es die Landesregierung, habe die Aufgabe, \u201eein Gesamtangebot f\u00fcr alle zu unterbreiten\u201c. Dabei soll er \u201etechnologische Entwicklungen und Ver\u00e4nderungen in der Mediennutzung bei der Ausgestaltung, Gewichtung und Verbreitung seines Angebotsportfolios ber\u00fccksichtigen\u201c. Der Sender habe \u201ein seinen Angeboten und Programmen einen umfassenden \u00dcberblick \u00fcber das regionale Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben\u201c.<\/p>\n<p>Die Umsetzung des Gesetzes im Saarbr\u00fccker Funkhaus Halberg macht klar, wohin die Reise geht: Sparen bei linearen Programmen, Ausbau der Onlineinhalte. Der Intendant Martin Grasm\u00fcck dr\u00fcckte das im Gespr\u00e4ch mit der F.A.Z. im Mai so aus: \u201eMit den Programmreduzierungen im linearen Programm haben wir auch die M\u00f6glichkeit geschaffen, die digitalen Produkte auszubauen. Wir ben\u00f6tigen Spielraum f\u00fcr neue Angebote f\u00fcr die j\u00fcngere Zielgruppe im Netz, auch wenn deren Produktion im Vergleich zu linearen Sendungen \u00fcberwiegend weniger Geld kostet.\u201c<\/p>\n<p>Die negativen Konsequenzen dieser Onlineoffensive sp\u00fcrt die einzige Tageszeitung des Saarlands, die \u201eSaarbr\u00fccker Zeitung\u201c, von Tag zu Tag mehr. \u201eDer SR spart beim Rundfunkangebot und setzt erkennbar immer st\u00e4rker auf Presse\u00e4hnlichkeit im Netz\u201c, sagt Peter Stefan Herbst, Chefredakteur der Zeitung. Das zeige sich darin, dass immer \u00f6fter Texte auf die Onlineseite gestellt werden, ohne dass sich dazu ein Video oder Audio im Programm finde. Immer h\u00e4ufiger seien zudem bei Presseterminen mehrere Journalisten vertreten, die f\u00fcrs Fernsehen und getrennt f\u00fcr Online berichten. Die regionale Onlineberichterstattung des SR sei ein eigenst\u00e4ndiges Informationsangebot geworden. [..]<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber der F.A.Z. fasst Markus Rick, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Verbands Bayerischer Zeitungsverleger (VBZV), die gereizte Stimmung seiner zehn Mitgliedsverlage zusammen: \u201eWir haben uns in den vergangenen zwei bis drei Jahren, nachdem die presse\u00e4hnlichen Aktivit\u00e4ten wieder zugenommen haben, mehrfach um eine Verst\u00e4ndigung und einen vern\u00fcnftigen Kompromiss bem\u00fcht. Doch als im Februar dieses Jahres auch ein Schlichtungsverfahren scheiterte, weil die ARD auf ihrer Position beharrte, haben sich die Verlage entschlossen, erneut eine Klage gegen den Bayerischen Rundfunk anzustreben, weil sie keine andere M\u00f6glichkeit mehr sehen, den Sender zu zwingen, die Festlegungen des Medienstaatsvertrages einzuhalten.\u201c Der VBZV rechnet wegen der Missachtung der Unterlassungserkl\u00e4rung mit einer gerichtlichen Entscheidung zu seinen Gunsten, auf eine siebenstellige Strafsumme. Gemessen an den Rekordeinnahmen des BR im vergangenen Jahr von 1,2 Milliarden Euro sind das Peanuts. Auch der Bayerische Rundfunk rechtfertigt sein wettbewerbssch\u00e4digendes Verhalten mit dem \u201eAuftrag\u201c, \u201emit politisch und \u00f6konomisch unabh\u00e4ngigem Journalismus zur demokratischen Meinungsbildung beizutragen. Dazu m\u00fcssen unsere Qualit\u00e4tsangebote da sein, wo Meinungsbildung stattfindet\u201c, sagt Markus Huber, Sprecher des BR, gegen\u00fcber dieser Zeitung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/die-ard-sender-machen-die-zeitungen-kaputt-19886423.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/die-ard-sender-machen-die-zeitungen-kaputt-19886423.html<\/a><\/p>\n<p>Hinweis I: \u201eOnline\u201c ist wie auch Radio bzw. Fernsehen ein eigenst\u00e4ndiges Medium, dessen Anforderungen und M\u00f6glichkeiten man gerecht werden muss.<\/p>\n<p><strong>Hinweis II:<\/strong> \u201eAls Richtschnur f\u00fcr die crossmediale Weiterentwicklung ist damit die Richtung gewiesen. Das heutige Realangebot zeigt aber noch eine nur schwach entwickelte Vernetzung von Inhalten, die neue Sinnzusammenh\u00e4nge und damit publizistischen Mehrwert stiften k\u00f6nnten. M\u00f6glicherweise hat dies weniger mit mangelndem publizistischen Willen als mit begrenzten redaktionellen Kapazit\u00e4ten zu tun. [\u2026]<\/p>\n<p>Gleichwohl muss der MDR, will er im Online-Wettbewerb bestehen, mehr in die Richtunq von vertiefende Vernetzung gehen. Die Aufbereitung eines Themas wird von anspruchsvollem Online-Publikum dann als nutzbringend erlebt, wenn das Thema dossierartig aufgef\u00e4chert wird und inhaltlich wie darstellungsstilistisch mehrere Facetten aufweist.\u201c<\/p>\n<p><em>Volker Lilienthal: Konzept, Bestand, Entwicklung. Gutachten zum Bestandsangebot von MDR Online. Hamburg, 2009.<\/em><\/p>\n<p><strong>Hinweis III:<\/strong> Der Grundversorgungsauftrag der \u00f6ffentlichrechtlichen Rundfunkanstalten erfasst in heutiger Zeit auch den Beitrag zur Meinungsbildung im Internet. Dabei liegt der Schwerpunkt weniger darauf, die Meinungsvielfalt \u00fcberhaupt zug\u00e4nglich zu machen, als vielmehr darauf, sie objektiv und neutral zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Zur Realisierung dieses Auftrags d\u00fcrfen sich die \u00f6ffentlichrechtlichen Rundfunkanstalten der im Internet \u00fcblichen Mittel bedienen, also auch Text-Bild-Seiten verwenden. Der Begriff der Presse\u00e4hnlichkeit ist demgem\u00e4\u00df so auszulegen, dass die \u00f6ffentlichrechtlichen Rundfunkanstalten ihrem Grundversorgungsauftrag nachkommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dies bedeutet, dass die \u00fcblichen Internetangebote nicht als presse\u00e4hnlich eingestuft werden d\u00fcrfen, mag es auch im Internet \u00e4hnliche Angebote geben, die von Presseunternehmen veranstaltet werden.<\/p>\n<p>Der Grundversorgungsauftrag der \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten kann insoweit zu einem im Verfassungsrecht angelegten und und durch dieses gerechtfertigten Wettbewerbsvorteil bei Internetangeboten f\u00fchren. Dieser geht freilich auch mit der Verpflichtung einher, die inhaltlichen Anforderungen des spezifischen Internet-Grundversorgungsauftrags zu erf\u00fcllen und mit den Online-Angeboten eine objektive, binnenplurale Informationsquelle darzustellen. Online-Angebote von anderen Anbietern wie Presseunternehmen unterliegen dieser inhaltlichen Einschr\u00e4nkung nicht, was wiederum einen Vorteil im Hinblick auf ihre Finanzierung sein und damit den Wettbewerbsvorteil der \u00f6ffentlichrechtlichen Anbieter ausgleichen kann.<\/p>\n<p><em>Hans-J\u00fcrgen Papier: Rechtsgutachten zur Abgrenzung der Rundfunk- und Pressefreiheit zur Auslegung des Begriffs der \u201ePresse\u00e4hnlichkeit\u201c im Auftrag der Konferenz der Gremienvorsitzenden der ARD<\/em><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_9430 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_9430')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_9430').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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