{"id":1018,"date":"2015-11-20T17:06:39","date_gmt":"2015-11-20T16:06:39","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=1018"},"modified":"2015-11-26T13:35:48","modified_gmt":"2015-11-26T12:35:48","slug":"entruestung-ueber-die-pariser-attacken-verdeckt-unseren-rassismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/entruestung-ueber-die-pariser-attacken-verdeckt-unseren-rassismus\/","title":{"rendered":"Entr\u00fcstung \u00fcber die Pariser Attacken verdeckt unseren Rassismus"},"content":{"rendered":"<p><em>Foto: Jamie Skinner \/ jamieskinner00. Quelle: Flickr. Verbreitung mit CC-Lizenz Attribution-NonCommercial-ShareAlike 2.0 Generic (CC BY-NC-SA 2.0)<\/em><\/p>\n<p>Ein Artikel in der <a href=\"https:\/\/newmatilda.com\/\">australischen Publikation New Matilda<\/a> \u00fcber die Attacken in Paris in der vergangenen Nacht bringt es auf den Punkt \u2013 auf einen Punkt, \u00fcber den niemand reden will. Was Bewohner des Westens jetzt f\u00fchlen, ist eine sehr m\u00e4chtige und sehr selektive Entr\u00fcstung, die sich mit dem Leiden von Menschen \u201ewie wir\u201c identifiziert. Wir trauern \u00fcber die Toten in Paris, w\u00e4hrend wir diejenigen, die einen Tag fr\u00fcher im Libanon und fast sicher von denselben Fanatikern, die die Attacken in Frankreich durchgef\u00fchrt haben, get\u00f6tet wurden, nicht einmal wahrnehmen.<\/p>\n<p>Viele Westbewohner tun derlei Beobachtungen gern als \u201eWortklauberei\u201c ab. Sie sagen, dass es nat\u00fcrlich ist, wenn wir uns mehr um Leute k\u00fcmmern, die wir kennen und die uns \u00e4hnlich sind. Diese reflexartige Reaktion mag vielleicht tr\u00f6stlich sein, ist aber genau das Problem.<\/p>\n<p>Was steht denn letztlich hinter unserer selektiven Emp\u00f6rung, wenn nicht selektives Mitgef\u00fchl? Aber unser selektives Mitgef\u00fchl ist das, was uns \u00fcberhaupt in diese missliche Lage gebracht hat. Als Europ\u00e4er haben wir uns immer als vollwertige Menschen betrachtet, diejenigen im Mittleren Osten und dem Gro\u00dfteil des Restes der Welt jedoch als etwas weniger als Menschen und nicht so unserer Sympathie w\u00fcrdig. Derlei Gef\u00fchle erlauben es Europa, braune Menschen zu kolonialisieren, zu qu\u00e4len und auszubeuten.<\/p>\n<p>Der historische Rassismus, den wir Europ\u00e4er jetzt nur zu bereitwillig eingestehen, und der, wie wir verstehen, den westlichen Kolonialismus am Leben hielt, ist kein Ding der Vergangenheit. Er gedeiht noch immer tief in unseren Seelen. Wo wir einst des wei\u00dfen Mannes B\u00fcrde f\u00fchlten, f\u00fchlen wir jetzt seine Emp\u00f6rung. Beide beruhen auf derselben Arroganz und derselben Zuschreibung von weniger menschlichen Qualit\u00e4ten an diejenigen, die wir als verschieden von uns betrachten.<\/p>\n<p>Wir versuchen noch immer, braune Menschen zu zivilisieren. Wir glauben noch immer, dass wir das Recht haben, sie zu \u00e4ndern, sie unserem Willen zu unterwerfen, sie mit Gewalt zu verbessern. Wir wollen sie noch immer belehren, verurteilen, bedrohen, wollen ihre Wahlen umsto\u00dfen, ihre unterdr\u00fcckerischen F\u00fchrer bewaffnen und ihre Ressourcen pl\u00fcndern.<\/p>\n<p>Und nachdem wir ihre Gesellschaften zerst\u00f6rt haben, erwarten wir in der Lage zu sein, unsere Grenzen vor ihnen zu schlie\u00dfen, wenn sie verzweifelte Reisen unternehmen, um etwas Frieden zu finden, etwas Sicherheit weg von den Kriegszonen in Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien und woanders, wo wir solche entweder direkt schufen oder mit unserem Geld und Waffen unterst\u00fctzten.<\/p>\n<p>Unser Rassismus hat sich nicht ge\u00e4ndert. Er ist am Leben und schafft Tag f\u00fcr Tag neue Rechtfertigungen f\u00fcr unser Mitgef\u00fchl.<\/p>\n<p>Was sich ge\u00e4ndert hat, ist dass technologische Fortschritte es leichter gemacht haben, Waffen des Todes und der Zerst\u00f6rung immer leichter und billiger zu bekommen. Diejenigen, die wir einst straflos und weit entfernt au\u00dfer Sichtweite von unseren Wohnorten unterdr\u00fcckt haben, k\u00f6nnen uns jetzt finden und uns eine Kostprobe unserer eigenen Medizin verabreichen.<\/p>\n<p>Wenn wir die Attacken stoppen und vermeiden wollen, dass sich unsere Gesellschaften in die repressiven Diktaturen verwandeln, die wir in einem gro\u00dfen Teil des Restes des Erdballs unterst\u00fctzt haben, dann m\u00fcssen wir aufh\u00f6ren, uns einzumischen, zu pl\u00fcndern, zu manipulieren und zu missbrauchen. Und wir m\u00fcssen damit beginnen, indem wir uns weigern, uns selbst zuzugestehen, dass wir uns mehr mit den Opfern in Paris identifizieren als mit denen in Beirut. Wenn wir wirklich so ziviliert w\u00e4ren, wie wir glauben, dann w\u00fcrden wir verstehen, dass beide gleicherma\u00dfen unser Mitgef\u00fchl verdienen.<\/p>\n<p>Jonathan Cook: <a href=\"http:\/\/www.jonathan-cook.net\/blog\/2015-11-14\/outrage-at-paris-attacks-masks-our-racism\/\">The Blog from Nazareth <\/a><\/p>\n<div style=\"float:left;margin-top: 20px;\"><span style=\"background-color:rgb(248,109,14);padding:30px;margin-left: 30px;\"><a style=\"color:white;font-size:20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<p><br style=\"clear:both;\" \/><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1018 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1018')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1018').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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