{"id":10435,"date":"2025-03-28T19:09:49","date_gmt":"2025-03-28T18:09:49","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=10435"},"modified":"2026-07-21T11:08:28","modified_gmt":"2026-07-21T10:08:28","slug":"trumps-schwierigkeiten-innenpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/trumps-schwierigkeiten-innenpolitik\/","title":{"rendered":"Trumps Schwierigkeiten: Innenpolitik und Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gemessen an seinen gro\u00dfen Ank\u00fcndigungen hat Trump nur wenig von seinen Versprechungen umsetzen k\u00f6nnen. Vieles l\u00e4uft ins Leere oder st\u00f6\u00dft gar zunehmend auf heftigen Widerstand. Was die wirtschaftliche Lage angeht, sind f\u00fcr die meisten B\u00fcrger kaum Vorteile zu erkennen.<\/strong><\/p>\n<p><em>Beitrag von R\u00fcdiger Rauls<\/em><\/p>\n<p>Trump hatte im Wahlkampf hohe Erwartungen geweckt, die wirtschaftliche Lage der Amerikaner zu verbessern. Besonders jene mit geringen Einkommen, aber auch zunehmend der Mittelstand leiden unter den hohen Preisen. Deshalb weist er bei vielen seiner innenpolitischen Ma\u00dfnahmen und Einsparungsbem\u00fchungen immer wieder darauf hin, dass es darum geht, die Amerikaner zu entlasten. Das ist die Idee, die hinter seiner Zollpolitik steht. Trump sieht sie an als Allheilmittel gegen die amerikanische Misere der hohen Staatsverschuldung, der Handelsdefizite und der Verarmung der amerikanischen Arbeiter und des Mittelstands.<\/p>\n<p>Wenn auch er selbst nicht zu jenen geh\u00f6rt, f\u00fcr die er sich einzusetzen glaubt, so scheint Trump doch ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr zu haben, wo den amerikanischen Arbeiter der Schuh dr\u00fcckt. Denen scheint er sich n\u00e4her zu f\u00fchlen als die meisten seiner Vorg\u00e4nger, die eher in den akademisch-intellektuellen Kreisen verwurzelt waren. Viele seiner Entscheidungen sind getragen von der Absicht, diese Probleme zu beheben. Mit den Z\u00f6llen will er, \u201eBillionen von Dollar einnehmen und Arbeitspl\u00e4tze schaffen, wie wir sie noch nie zuvor gesehen haben\u201c(1).<\/p>\n<p>Insofern tritt Trump als der Volkstribun auf, der zwar zur herrschenden Klasse geh\u00f6rt, aber die Interessen der beherrschten zu kennen und zu vertreten vorgibt. \u201eViel zu lange haben wir uns darauf verlassen, dass wir unsere gro\u00dfartigen Leute \u00fcber den Internal Revue Service[Steuerverwaltung] besteuern\u201c (2). Stattdessen stellt er in Aussicht, die Einnahmen\u00a0 des amerikanischen Staates aus ausl\u00e4ndischen Quellen wie Z\u00f6llen zu speisen, um die amerikanischen Steuerzahler zu entlasten.<\/p>\n<p>Auch der Kampf gegen die Staatsdefizite, die nach seiner Meinung durch \u00fcberbordende und ineffiziente B\u00fcrokratie, teure Subventionen und unsinnige politische Programme entstanden sind, sollen die Staatsausgaben senken. So will er unter anderen \u201edas 52 Milliarden Dollar schwere F\u00f6rderprogramm f\u00fcr die amerikanische Halbleiterindustrie stoppen\u201c (3). Stattdessen setzt er auf wirtschaftlichen Druck durch Z\u00f6lle f\u00fcr Unternehmen, die mit den USA Handel treiben wollen.<\/p>\n<p>Lehrst\u00fcck und Blaupause f\u00fcr seine Zollpolitik ist der Chip-Gigant TSMC aus Taiwan. Den hatte Trump vor die Wahl gestellt, mit Z\u00f6llen in H\u00f6he von Hundert Prozent auf die Halbleiter belegt zu werden, die aus Taiwan in die USA exportiert werden, oder in den USA in neue Chipwerke zu investieren und sich damit die Z\u00f6lle zu ersparen. TSMC entschied sich, Hundert Milliarden Dollar in den USA zu investieren. Die Chinesen verzichteten sogar auf Subventionen aus dem Chips-Act. Ihnen war nur wichtig, \u201edass sie die Z\u00f6lle nicht zahlen wollten\u201c(4).<\/p>\n<p>Trump hatte immer wieder die Subventionen als Verschwendung gegei\u00dfelt und behauptet, dasselbe Ergebnis durch Z\u00f6lle erreichen zu k\u00f6nnen. Der Fall TSMC diente ihm nun als publikumswirksamer Beweis. Deshalb betrachtet er den \u201eChips and Science-Act\u201c, den sein Vorg\u00e4nger Biden 2022 ins Leben gerufen hatte, um die Ansiedlung moderner Technologien in den USA zu f\u00f6rdern, als \u00fcberfl\u00fcssig. Folglich fordert er dann auch, das Gesetz abzuschaffen und die restlichen Mittel daraus \u201ezur Reduzierung der Staatsschulden oder f\u00fcr andere Zwecke zu verwenden\u201c (5).<\/p>\n<p>Auch mit seinem Kampf gegen die USAID (United States Agency for International Development) traf er den Nerv vieler Amerikaner, die der Meinung sind, \u201eAmerika zahle zu viel Geld im Ausland und zu wenig f\u00fcr seine eigenen B\u00fcrger\u201c (6). Elon Musk hatte USAID gar als \u201ekriminelle Organisation\u201c bezeichnet. Viele dieser Entscheidungen zielen darauf, Trumps Versprechungen aus dem Wahlkampf umzusetzen. Damit \u201eamerikanische Steuerzahler nicht l\u00e4nger f\u00fcr radikale Programme aufkommen\u201c(7) m\u00fcssen, strich er die Mittel f\u00fcr die Sender \u201eVoice of America\u201c und \u201eRadio Liberty\u201c, zusammen. Trump denkt \u00f6konomisch, politische \u00dcberlegungen scheinen ihm weitgehend fremd zu sein, wie man am Beispiel der Sender sieht, die dem politischen Einfluss der USA in der Welt dienten.<\/p>\n<p><strong>Eingesparte Zukunft<\/strong><\/p>\n<p>Aber all diese K\u00fcrzungen scheinen vorerst kaum durchschlagende Erfolge zu bringen. Stattdessen legt Trump die Latte der Erwartungen damit h\u00f6her, doch das Entt\u00e4uschungspotenzial w\u00e4chst mit. Es ist ein zweischneidiges Schwert, das Trump gegen die Staatsausgaben schwingt. Auf der einen Seite sollen die\u00a0 K\u00fcrzungen, Stellenstreichungen und Beh\u00f6rdenschlie\u00dfungen zum Abbau von Verschuldung und zu einer geringeren Steuerlast f\u00fchren, auf der anderen aber untergr\u00e4bt er damit bei vielen B\u00fcrgern die soziale Sicherheit und Lebensgrundlage. Denn entgegen allen Versprechungen gehen die Preise nicht runter, die Inflation sinkt nicht.<\/p>\n<p>Mittlerweile bekommen immer h\u00e4ufiger republikanische Politiker den Zorn in der Bev\u00f6lkerung gerade \u00fcber die Entlassungen selbst oder die damit verbundenen Leistungseinschr\u00e4nkungen zu sp\u00fcren. Die gestutzten Beh\u00f6rden k\u00f6nnen ihre Aufgaben nicht mehr in der gewohnten Form erf\u00fcllen, was f\u00fcr wachsenden Unmut in der Bev\u00f6lkerung sorgt. Davon weitgehend unber\u00fchrt scheinen Trump und seine Leute ihre Pl\u00e4ne zur Konsolidierung der Staatsfinanzen durch Abbau des Staates weiter zu verfolgen.<\/p>\n<p>Die umgesetzten und angek\u00fcndigten Entlassungen von Staatsdienern gehen in die Zehntausende. Laut einem internen Memo plant die Trumpregierung \u201emehr als 80.000 Stellen im Veteranen-Ministerium zu streichen\u201c(8). Dabei waren schon Tausende von Veteranen entlassen worden. Auch im Bildungsministerium, das urspr\u00fcnglich ganz aufgel\u00f6st werden sollte, soll nun die Zahl der 4100 Mitarbeiter halbiert werden. Man will den \u201eBildungssumpf der Regierung in Washington trocken legen und den Missbrauch von Steuergeldern stoppen\u201c(9).<\/p>\n<p>Das Ministerium verf\u00fcgte \u00fcber einen Etat von 241 Milliarden Dollar. Allein die hohe Summe scheint Musk und seiner DOGE (Department of Government Efficiency) schon auszureichen, um die Kettens\u00e4ge anzusetzen. Aber der L\u00f6wenanteil des Budgets floss in \u201eBundesfinanzhilfen f\u00fcr Studenten\u201c (10), was besonders Kindern aus einkommensschwachen Familien zugute kam. Mittlerweile vergeht kaum ein Tag, an dem nicht aufgrund der Sparwut der Regierung \u201eein neuer Wissenschaftsbereich Einbu\u00dfen hinnehmen muss\u201c (11).<\/p>\n<p>Dem Sparrausch werden tausende Wissenschaftler in den Forschungsinstituten und Beh\u00f6rden der USA geopfert. Forschungsgelder werden nicht freigegeben, \u201eUniversit\u00e4ten werden massiv Gelder gek\u00fcrzt, Stipendien abgesagt\u201c(12). Musks DOGE\u00a0 durchw\u00fchlt mit inquisitorischem Eifer die Beh\u00f6rden auf \u00fcberfl\u00fcssige Stellen und unterdurchschnittliche Mitarbeiter. Dabei waren doch gerade Wissenschaft und Forschung mittlerweile die einzigen gesellschaftlichen Bereiche, in denen die USA noch weitgehend an der Weltspitze standen, wenn auch arg bedr\u00e4ngt von China. Nun f\u00e4llt dem Spareifer von Trump und Musk der letzte Vorteil der USA in der weltweiten Konkurrenz zum Opfer. Die USA sparen ihre Zukunft ein.<\/p>\n<p><strong>Politische Gefahren<\/strong><\/p>\n<p>Nicht nur dass viele von Trumps Beschl\u00fcssen und Erlassen die gesellschaftlichen Spannungen erh\u00f6hen und Unfrieden stiften, sie versto\u00dfen h\u00e4ufig auch gegen geltendes Recht. Eine Klagewelle breitet sich aus, die immer wieder auch zu Niederlagen f\u00fcr Trump vor den Gerichten f\u00fchrt. Ein Umdenken findet aber nicht statt in seinem Lager, vielmehr kommt es zu einer Zuspitzung der Konflikte und einer Eskalation mit der Justiz. Denn Trump steht unter Erfolgsdruck. Zum einen sind da die Erwartungen, die er selbst gen\u00e4hrt hat. Zum anderen ist dort eine Selbstgef\u00e4lligkeit, die die Wirklichkeiten nicht wahr haben will und deshalb immer wieder mit diesen in Konflikt kommt. Die Eiferer beim Staatsumbau dulden keinen Widerspruch.<\/p>\n<p>Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung, Mangel an Wissen \u00fcber die gesellschaftlichen Zust\u00e4nde und Grundlagen oder\u00a0 aber st\u00f6rrische Uneinsichtigkeit, vermutlich von allem etwas, f\u00fchren zu Handlungen, die das Land immer tiefer in eine Verfassungskrise f\u00fchren. Indem Trump, Musk und seine Bilderst\u00fcrmer in ihrem kopflosen Eifer und ihrer verbohrten Rechthaberei die Zust\u00e4ndigkeit von Gerichten anzweifeln und sich sogar \u00fcber deren Urteile hinwegsetzen, legen sie die Axt an die Gewaltenteilung als einer der Wurzeln der herrschenden Ordnung. Es ist zu bef\u00fcrchten, dass es nicht ohne Folgen bleiben f\u00fcr die politische und gesellschaftliche Stabilit\u00e4t der USA, wenn die Exekutive weiterhin die Unabh\u00e4ngigkeit der Justiz in Frage stellt oder gar \u00fcbergeht.<\/p>\n<p>Wenn aber der Pr\u00e4sident sich nicht mehr an Recht, Gesetz und die Ordnung h\u00e4lt, warum sollen es dann die B\u00fcrger noch? Das Rechtsempfinden, ohnehin nicht sehr hoch in den USA, droht weiter auszuh\u00f6hlen. Wenn der B\u00fcrger der Exekutive wehrlos ausgesetzt ist, an wen soll er sich noch wenden, wenn die Rechtsprechung nicht mehr funktioniert? Nimmt er dann das Recht in die eigene Hand, noch mehr als ohnehin schon in den USA?<\/p>\n<p>Immer h\u00e4ufiger bekommen republikanische Politiker vor Ort in den Town Hall Versammlungen vonseiten vieler B\u00fcrger eine Wut zu sp\u00fcren, die \u201ein den Augen der republikanischen F\u00fchrung \u00fcberhand nahm\u201c (13). So gab der Sprecher des Repr\u00e4sentantenhauses, Mike Johnson, inzwischen die Empfehlung aus, \u201eTown Halls sollten k\u00fcnftig nur noch online abgehalten werden\u201c(14).<\/p>\n<p>Anscheinend kommt also der Unmut inzwischen auch in F\u00fchrungskreisen der Republikaner an, wenn er auch an der Staatsf\u00fchrung um Trump noch vorbei zu gehen scheint. Aber was soll er machen, wenn die Versprechungen nicht in Erf\u00fcllung gehen? Die Inflation l\u00e4sst sich nicht von ihm per Dekret beenden. Trotzdem m\u00fcssen Erfolge her, wenn nicht in der Inflationsbek\u00e4mpfung dann in der Au\u00dfenpolitik und Migrationspolitik. Wenn sich auch der ukrainische Pr\u00e4sident immer in der Friedensfrage quer stellt, mit Putin zusammen wird Trump ihn schon weichklopfen.<\/p>\n<p>In der Migrationspolitik hatten die gro\u00df aufgemachten Bilder von abgeschobenen Mitgliedern einer venezolanischen\u00a0 Verbrecherorganisation dem Pr\u00e4sidenten dagegen Pluspunkte verschaffen k\u00f6nnen. Dabei handelte es sich nach dem amerikanischen Rechtssystem um Bilder, \u201edie es nicht h\u00e4tte geben d\u00fcrfen\u201c (15). Sie stehen f\u00fcr eine Migrationspolitik, die in gro\u00dfen Teilen der Bev\u00f6lkerung Beifall findet, aber innenpolitisch f\u00fcr eine \u201ebemerkenswerte Eskalation in Trumps Umgang mit der Gewaltenteilung\u201c (16) sorgt. Aber gl\u00fccklicherweise lenken sie ab von seinen ausbleibenden Erfolgen in der Bek\u00e4mpfung der Inflation.<\/p>\n<p><strong>Trumps Schwierigkeiten: Wirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>Von seinen gro\u00dfen Ank\u00fcndigungen hat Trump bisher wenig umsetzen k\u00f6nnen. Die wirtschaftliche Situation der meisten Menschen in den USA hat sich kaum verbessert. Kraftmeierei in der Au\u00dfenpolitik und der Migration k\u00f6nnen die Misserfolge an der Preisfront nicht wettmachen.<\/p>\n<p><strong>Au\u00dfenpolitik als Pluspunkt<\/strong><\/p>\n<p>Es sieht so aus, als h\u00e4tte Trump au\u00dfenpolitisch mehr Erfolge vorzuweisen als innenpolitisch. Dort kann er Tatkraft und Entschlossenheit zeigen. Er bringt den Friedensprozess zwischen Russland und der Ukraine voran. Doch der Erfolg seiner Mission st\u00fctzt sich nicht auf amerikanische St\u00e4rke sondern vielmehr auf die Schw\u00e4che der Ukraine. Diese ist abh\u00e4ngig von den Waffen, dem Geld und sonstigen Hilfen der USA und dadurch erpressbar. Vor allem aber st\u00fctzt sich der Erfolg von Trumps Friedensbem\u00fchungen auf den guten Willen Russlands. Denn auch Putin hat ein Interesse an der Beendigung des Krieges, das verbindet beide.<\/p>\n<p>Der amerikanische Pr\u00e4sident wei\u00df, dass zum Tango zwei geh\u00f6ren, aber sie m\u00fcssen auch im selben Takt tanzen. Das bedeutet, wo Russland hart bleibt, lenkt Trump ein. Er zwingt die Ukraine zum Nachgeben oder beruft gar seinen Unterh\u00e4ndler Keith Kellog ab, weil dieser den Russen nicht neutral genug ist. Was aussieht wie ein Erfolg Trumps, ist in Wirklichkeit ein Zugest\u00e4ndnis Putins. Wenn Russland nicht mitspielt, erreichen vollmundige Ank\u00fcndigungen Trumps wenig, noch weniger rei\u00dferische Drohungen aus Washington, die Russen \u201ewindelweich\u201c zu sanktionieren. Die russische F\u00fchrung ist sich in ihrer sehr rationalen Art \u00fcber die eigenen Interessen im Klaren, auch \u00fcber die eigenen St\u00e4rken und Schw\u00e4chen.<br \/>\nSie kennt auch die Schw\u00e4chen der Amerikaner, wird aber trotzdem nicht \u00fcberm\u00fctig. Nicht zuletzt das Afghanistan-Debakel hat gezeigt: Amerika kann keine Kriege gewinnen. Siege gab es nur gegen weit schw\u00e4chere Gegner oder im Verbund mit kampferprobten L\u00e4ndern wie der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg. Weder in Korea noch in S\u00fcdostasien, nicht im Irak, nicht einmal gegen den Islamischen Staat haben die USA \u2013 auf sich allein gestellt &#8211; einen Krieg gewinnen k\u00f6nnen. Immer waren sie angewiesen auf die Unterst\u00fctzung und Opferbereitschaft anderer V\u00f6lker. Das wissen die Russen, trotzdem untersch\u00e4tzen sie die Amerikaner nicht.<\/p>\n<p>Trumps vollmundige Drohungen gegen den Iran, gegen Kanada, Panama und Gr\u00f6nland haben bisher wenig bewirkt, erwecken aber den Eindruck von St\u00e4rke. Hier kann er seinen Anh\u00e4ngern im Land unter Beweis stellen, dass Amerika wieder gro\u00df ist. Aber all das sind nur Scheingefechte. Selbst die neuerlichen Angriffe auf die Huthi im Jemen erfolgen aus sicherer Entfernung. Den Einsatz amerikanischer Bodentruppen wagt Trump nicht, auch wenn es leicht ist, gegen einen so schwachen Gegner St\u00e4rke zu zeigen. Aber eigentlich geht es darum, dem viel st\u00e4rkeren Iran zu drohen, dass als n\u00e4chstes die Reihe an ihm sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Trump punktet mit au\u00dfenpolitischer Kraftmeierei. Das ist allemal leichter, weil er sich dabei nicht gegen Teile der eigenen Bev\u00f6lkerung stellen muss. Im Inland Erfolge zu erzielen, ist da schon um einiges schwieriger. Seine Ma\u00dfnahmen zur Senkung der Defizite wie die Entlassungen im \u00f6ffentlichen Dienst gehen immer wieder auch zulasten der eigenen B\u00fcrger oder gar W\u00e4hler. Die vollmundig angek\u00fcndigten Z\u00f6lle erweisen sich als Bumerang. Die betroffenen Staaten schlagen mit Gegenz\u00f6llen zur\u00fcck haupts\u00e4chlich gegen Wirtschaftsbereiche, in denen man Trumps Unterst\u00fctzer vermutet. Schon zweimal hatte er die Z\u00f6lle verschoben.<\/p>\n<p>All das aber l\u00f6st nicht das Kernproblem der Amerikaner: die Inflation, die einfach nicht runtergehen will. An diesen Bed\u00fcrfnissen und N\u00f6ten werden die Ergebnisse von Trumps Politik gemessen. Wenn die au\u00dfenpolitische Kraftmeierei auch den Eindruck von St\u00e4rke hinterl\u00e4sst, so wird sie auf Dauer nicht jene Amerikaner ruhigstellen, denen die Preise wichtiger sind als das Zittern im Ausland vor Amerikas scheinbar neu erlangter St\u00e4rke.<\/p>\n<p><strong>Hartn\u00e4ckige Inflation<\/strong><\/p>\n<p>Trump hatte die Preissteigerungen zum Wahlkampfthema und Versprechungen auf sinkende Preise gemacht. Darauf kommt es vielen Amerikanern an. Und da sieht es alles andere als rosig aus, auch wenn Unmut noch von der Hoffnung im Zaum gehalten wird. Dennoch scheint sich die Stimmung im Land allm\u00e4hlich zu drehen. Zwar ist die Lage am Arbeitsmarkt immer noch recht stabil, auch wenn die Arbeitslosenquote im Februar leicht auf 4,1 Prozent gestiegen ist.<br \/>\nTrotzdem stellen Untersuchungen der Universit\u00e4t Michigan fest: \u201eAmerikas Verbraucher sind deutlich besorgter als vor einem Monat\u201c (1). Auch die Inflationserwartungen in der Bev\u00f6lkerung sind weiter gestiegen. Lagen sie im Januar 2025 noch bei 3,3 Prozent, so stiegen sie im Februar bereits auf 4,3 Prozent. Im M\u00e4rz erreichten sie schon einen Wert von 4,9 Prozent(2). H\u00f6her lag die Inflationserwartung zuletzt im Sommer 2022 nach dem Beginn der westlichen Sanktionen gegen Russland, die besonders zur Verteuerung von Energietr\u00e4gern f\u00fchrten.<br \/>\nIm November, als Trump mit dem Thema Inflation Wahlkampf gef\u00fchrt hatte, hatten die Erwartungen mit 2,6 Prozent ihren tiefsten Stand seit Sommer 2020 erreicht. Danach waren die Werte von Monat zu Monat angestiegen. Das bedeutet, dass Trump die Erwartungen, die im Wahlkampf gesch\u00fcrt hatte und die in ihn bez\u00fcglich des R\u00fcckgangs der Inflation gesetzt wurden, als Pr\u00e4sident immer weniger erf\u00fcllen kann. Die Zahl der B\u00fcrger, die die aktuellen Preise als g\u00fcnstig f\u00fcr den Kauf langlebiger G\u00fcter ansehen, sinkt. Allein im vergangenen Monat ging deren Anteil um 20 Prozent gegen\u00fcber dem Vormonat zur\u00fcck.<br \/>\nDie Folge ist, dass Konsumenten ihre Kaufentscheidung hinausz\u00f6gern und K\u00e4ufe aufschieben. Aber auch Trumps Hin und Her in der Zollpolitik verunsichert Investoren und Unternehmen. Sein Kurs \u00e4ndert sich fast t\u00e4glich. Allein die Ank\u00fcndigungen gegen \u00fcber den direkten Nachbarn Kanada und Mexiko waren inzwischen zweimal verschoben worden. \u00c4hnlich wankelm\u00fctig ist er bei China und der Europ\u00e4ischen Union. Seine Zollpolitik scheint mehr von Launen und Rachegel\u00fcsten getrieben zu sein als von Vernunft und Kenntnis um wirtschaftliche Zusammenh\u00e4nge.<br \/>\nIn Erwartung von Z\u00f6llen haben viele Unternehmen Bestellungen vorgezogen und Vorprodukte auf Vorrat gekauft. Das treibt die Kosten f\u00fcr Lagerhaltung. Aber auch die Preise der Logistik sind gestiegen, weil Transportkapazit\u00e4ten nicht unbegrenzt zur Verf\u00fcgung stehen und bei wachsender Nachfrage deren Preis steigt. All das wird umgelegt auf den Verbraucher. In einem Interview mit dem Sender Fox erkl\u00e4rt Trump, dass er \u201eeine Rezession nicht ausschlie\u00dfen wollte\u201c (3).<\/p>\n<p>Aber er betrachtet diese wirtschaftlichen Vorg\u00e4nge als \u201eEntgiftungsphase [\u2026 , weil] die Regierung von robusten Staatsausgaben zu mehr Ausgaben im Privatsektor \u00fcbergehe\u201c(4). Trump scheint also zu glauben, dass eine Senkung der Staatsausgaben den gew\u00fcnschten Erfolg in Bezug auf die Preise bringen wird und dass verst\u00e4rkte private Investitionen die Wirtschaft wieder auf Vordermann bringen. Der Staat soll dann aus Steuern und Z\u00f6llen finanziert werden.<\/p>\n<p>Ausl\u00e4ndische Unternehmen sollen in den USA produzieren, wenn sie Z\u00f6lle vermeiden wollen. Das schafft Arbeitspl\u00e4tze und Steuereinnahmen, und wer aus dem Ausland seine Waren auf dem amerikanischen Markt anbieten will, muss halt eben Z\u00f6lle zahlen, so die einfache Rechnung. Es geht ihm darum, \u201eunsere Z\u00f6lle, Abgaben und alle Einnahmen aus ausl\u00e4ndischen Quellen einzutreiben\u201c (5). Damit will er den amerikanischen B\u00fcrger helfen, denen er im Wahlkampf fest versprochen hat, \u201eTrinkgeld, staatliche Renten und \u00dcberstunden steuerlich zu entlasten\u201c (6).<\/p>\n<p><strong>Teurer Irrglauben<\/strong><\/p>\n<p>Wenn seine Versprechen und Ideen auch vielleicht gut gemeint waren, so ruhen diese Gedankengeb\u00e4ude auf dem schwachen Fundament von Trumps Wunschtr\u00e4umen und wirtschaftlicher Unkenntnis. Weil Trump ein erfolgreicher Unternehmer ist, halten viele seiner Anh\u00e4nger ihn deshalb auch f\u00fcr einen Fachmann in wirtschaftlichen Belangen. Er scheint zu glauben, dass alles ganz einfach ist, wenn man nur will. In dieser Vorstellung von Allmacht gen\u00fcgt ein Federstrich unter einer Verordnung. Aber die Wirklichkeit ist anders, als Trump und seine Anh\u00e4nger sich vorstellen.<br \/>\nEinfuhrz\u00f6lle trugen im Jahr 2023 nur 80 Milliarden Dollar zu den Staatseinnahmen der USA bei, was einem Anteil von etwa 2 Prozent entsprach. Dagegen werden mehr als 75 Prozent der Staatseinnahmen aus Einkommen gehoben. Wollte Trump seine Ank\u00fcndigungen wahr machen und diese Mittel aus anderen Quellen erwirtschaften, \u201em\u00fcssten Importz\u00f6lle auf 70 Prozent steigen\u201c (7). Aber selbst dann bliebe noch das Defizit von fast zwei Billionen Dollar (2000 Mrd) im amerikanischen Staatshaushalt.<br \/>\nAuch in Bezug auf die Stimmung und W\u00fcnsche der Wirtschaft sitzt er seinen eigenen Irrungen und Wirrungen auf. Dass er \u201eauf Dr\u00e4ngen der amerikanischen Autobauer die Zollerh\u00f6hung abermals um einen Monat auf den 2. April verschoben\u201c hat, (8), zeigt, dass es nicht nur Unternehmen aus dem Ausland sind, die die Z\u00f6lle ablehnen. Ganz erheblicher Widerstand gegen\u00fcber seiner Politik kommt aus der heimischen Wirtschaft selbst, die er zu sch\u00fctzen glaubt.<\/p>\n<p>Amerikanische Unternehmen sind angewiesen auf billige Vorprodukte aus anderen Teilen der Welt. Die amerikanische Autoindustrie kann allein durch die \u201eArbeitsteilung mit Mexiko und Kanada erschwingliche Autos produzieren\u201c (9). Diese Arbeitsschritte nun in die USA zur\u00fcckzuholen, l\u00f6st nicht das Problem der mangelnden Konkurrenzf\u00e4higkeit. Diese liegt nicht nur im Preis sondern letztlich auch darin, dass \u201eAusl\u00e4nder Produkte geliefert haben, die Amerikaner gerne kaufen wollten\u201c (10). Das kann man durch Z\u00f6lle nicht l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Trump hofft, dass er durch Z\u00f6lle ausl\u00e4ndische Unternehmen zur Ansiedlung in den USA bewegen kann. Die Zusage des Chipherstellers TSMC sieht er als Beweis f\u00fcr die Richtigkeit seiner Theorien und der darauf fu\u00dfenden Politik. Aber das ist nur einer, ein weithin sichtbarer Leuchtturm. Die meisten gro\u00dfen Unternehmen haben schon Produktionsst\u00e4tten in den USA, allein schon aus Gr\u00fcnden des Marktvolumens und der Vermeidung der bisherigen Z\u00f6lle. Doch die Ansiedlung neuer Unternehmen gen\u00fcgt alleine nicht, man muss auch \u00fcber die entsprechend qualifizierten Arbeitskr\u00e4fte verf\u00fcgen. Ohne diese kann keine Industrie aus dem Boden gestampft werden beziehungsweise die Produktion aufnehmen. Aber Arbeitskr\u00e4ftemangel bedeutet steigende L\u00f6hne als weitere Belastung.<br \/>\nTrump scheint zu glauben, dass der gute Wille und gro\u00dfe Ank\u00fcndigungen gen\u00fcgen, damit die amerikanische Wirtschaft wieder auf die Beine kommt. Er scheint nicht zu erkennen oder wahr haben zu wollen, dass die USA in weiten Teilen der Industrieproduktion sind nicht mehr konkurrenzf\u00e4hig sind. Das jedoch ist der Grund f\u00fcr die Handelsbilanzdefizite mit fast allen L\u00e4ndern der Welt. Doch auch in den Bereichen, wo die USA bisher eine Vormachtstellung innehatten, der IT-Technologie, dem e-Commerce und der R\u00fcstungsindustrie, kommen sie immer mehr unter Druck.<\/p>\n<p>In den ersten beiden holt China immer mehr auf wie Huawei, Deep-Seek sowie Temu und Shein zeigen. Im Bereich der R\u00fcstung d\u00fcrften die Ums\u00e4tze der US-Waffenschmieden sinken, wenn die Europ\u00e4er sich von amerikanischen R\u00fcstungsg\u00fctern unabh\u00e4ngiger machen wollen und einer eigenen Produktion den Vorzug geben. Vor allem aber ist damit zu rechnen, dass die russischen Erzeugnisse nach dem Kriegsende den amerikanischen erhebliche Konkurrenz machen werden. Denn diese sind kampferprobt und den Anforderungen moderner Kriegsf\u00fchrung angepasst. Einzig die Vorherrschaft des Dollars und die Gr\u00f6\u00dfe seines Marktes sch\u00fctzen die USA noch vor wirtschaftlichem Bedeutungsverlust. Aber Geld verdienen dort immer weniger die Amerikaner selbst.<\/p>\n<p><strong>Quellen zur Innenpolitik:<\/strong><\/p>\n<p>(1) FAZ 6.3.2025: Trump will Chiphilfen stoppen<br \/>\n(2) FAZ 21.2.2025 Trump will den Fiskus dichtmachen<br \/>\n(3) FAZ 6.3.2025: Trump will Chiphilfen stoppen<br \/>\n(4) ebenda<br \/>\n(5) ebenda<br \/>\n(6) FAZ 10.2.2025: Weiterer Kollateralschaden<br \/>\n(7) FAZ 18.3.2025: Die Diktatoren der Welt jubeln<br \/>\n(8) FAZ 15.3.2025: Nicht mehr drum herumreden<br \/>\n(9) FAZ 14.3.2025: Ein Feindbild f\u00fcr den Pr\u00e4sidente<br \/>\n(10) ebenda<br \/>\n(11) FAZ 21.3.2025: Trumps Angriff auf die Forschung<br \/>\n(12) ebenda<br \/>\n(13) FAZ 15.3.2025: Nicht mehr drum herumreden<br \/>\n(14) ebenda<br \/>\n(15)\u00a0 FAZ 18.3.2025: Szenen, die es nicht h\u00e4tte geben d\u00fcrfen<br \/>\n(16) ebenda<\/p>\n<p><strong>Quellen zur Wirtschaft:<\/strong><\/p>\n<p>(1) FAZ 12.3.2025: Die Trump-Wirtschaft schw\u00e4chelt<br \/>\n(2) https:\/\/de.tradingeconomics.com\/united-states\/michigan-inflation-expectations<br \/>\n(3) FAZ 12.3.2025: Die Trump-Wirtschaft schw\u00e4chelt<br \/>\n(4) ebenda<br \/>\n(5) FAZ 21.2.2025 Trump will den Fiskus dichtmachen<br \/>\n(6) FAZ 14.2.2025: Der Erwachsene in Trumps Kabinett<br \/>\n(7) FAZ 21.2.2025 Trump will den Fiskus dichtmachen<br \/>\n(8) FAZ 17.3.2025: Bedrohte Milliarden in Mexiko<br \/>\n(9) FAZ 21.3.2025: Befreiung \u00e0 la Trump<br \/>\n(10) ebenda<\/p>\n<p>R\u00fcdiger Rauls ist Reprofotograf und Buchautor. Er betreibt den Blog Politische Analyse<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_10435 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_10435')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_10435').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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