{"id":10780,"date":"2025-07-20T16:27:29","date_gmt":"2025-07-20T15:27:29","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=10780"},"modified":"2025-07-20T16:27:29","modified_gmt":"2025-07-20T15:27:29","slug":"fleiss-um-jeden-preis-die-ard-und-der-verordnete-arbeitswahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/fleiss-um-jeden-preis-die-ard-und-der-verordnete-arbeitswahn\/","title":{"rendered":"Flei\u00df um jeden Preis: Die ARD und der verordnete Arbeitswahn"},"content":{"rendered":"<p><strong>Was fiele wohl mehr ins Gewicht: Wenn f\u00fcr einen Monat alle Minister, Regierungsbeamten und Unternehmensberater ausfielen, oder f\u00fcr den gleichen Zeitraum alle unterbezahlten Pflege- und Reinigungskr\u00e4fte streikten? Die Frage, die einst der Kabarettist Volker Pispers so \u00e4hnlich einmal formulierte, l\u00e4sst sich relativ leicht beantworten: W\u00e4hrend die Mehrheit Ersteres vermutlich kaum mitbek\u00e4me, wenn nicht die <em>Tagesschau<\/em> dar\u00fcber berichtete, tr\u00e4te im letzteren Fall das pure Chaos und Schlimmeres ein.<\/strong><\/p>\n<p><em>Beitrag von <\/em><a href=\"https:\/\/weltexpress.info\/author\/susan-bonath\/\"><em>Susan Bonath<\/em><\/a><\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte auch Folgendes fragen: Wer schadet der Bev\u00f6lkerung eigentlich weniger: Ein vom Steuerzahler \u00fcberbezahlter Kriegstreiber in der Politik, der daf\u00fcr sorgt, dass immer mehr Staatsmilliarden in die R\u00fcstungsindustrie sickern statt in Schulen und Krankenh\u00e4user? Oder jemand, der keiner Lohnarbeit nachgeht, von 563 Euro plus Mietbeihilfe sein Dasein fristet und niemandem etwas zuleide tut? Auch hier kann der Punkt abseits von Polemik und etwaigen Neidgef\u00fchlen nur an Letzteren gehen.<\/p>\n<p>Statt solche Fragen zu stellen oder das Wesen von Lohnarbeit und die Ursachen f\u00fcr Arbeitslosigkeit systemisch zu beleuchten, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=3v-aEilQS-k\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">begr\u00fcndete<\/a>\u00a0das <em>ARD<\/em>-Magazin \u201eMonitor\u201c seine Kritik an der politischen und medialen Hetze gegen Arbeitslose mit hart ein-Euro-jobbenden B\u00fcrgergeldbeziehern. Es sang ein Loblied auf ihren Flei\u00df um jeden Preis als h\u00f6chste Tugend des perfekten Lohnabh\u00e4ngigen.\u00a0Die Botschaft: Seht her, die sind doch gar nicht alle faul, da gibt es welche, die ackern leidenschaftlich sogar f\u00fcr lau. So kann man auch das Gesch\u00e4ft der Hetzer und Spalter erledigen.<\/p>\n<h3 id=\"h-faulpelze-verhungern-lassen\" class=\"wp-block-heading\">\u201eFaulpelze\u201c verhungern lassen<\/h3>\n<p>Beeindruckend sind die zusammengestellten Zeugnisse der Hetzkampagnen gegen B\u00fcrgergeldbezieher von ganz oben. \u201eDiejenigen, die nicht arbeiten, aber arbeiten k\u00f6nnen, werden in Zukunft kein B\u00fcrgergeld mehr bekommen\u201c, t\u00f6nte etwa Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der seine Karriere beim weltweit m\u00e4chtigsten Verm\u00f6gensverwalter BlackRock f\u00fcrs h\u00f6chste Amt ruhen lie\u00df. Doch wer beurteilt eigentlich, wer genau was arbeiten k\u00f6nnen soll? Die Antwort liegt auf der Hand: Jobcenter-Angestellte.<\/p>\n<p>Auch CDU-Generalsekret\u00e4r Carsten Linnemann spuckte Gift und Galle gegen Erwerbslose: \u201eDer Staat geht davon aus, wenn jemand arbeiten kann, dass er auch arbeiten geht\u201c, polemisierte er bei Markus Lanz im <em>ZDF<\/em>. Die SPD als Juniorpartner l\u00e4sst sich nicht lumpen und zieht mit: \u201eWer Grundsicherung bezieht und arbeiten kann, der muss mitziehen\u201c, trommelte Bundesarbeitsministerin B\u00e4rbel Bas im Bundestag. Die Geschichte vom arbeitsscheuen B\u00fcrgergeldempf\u00e4nger ist auch in dieser Wirtschaftskrise Programm.<\/p>\n<h3 id=\"h-lobgesange-auf-ein-euro-jobs\" class=\"wp-block-heading\">Lobges\u00e4nge auf Ein-Euro-Jobs<\/h3>\n<p>So n\u00f6tig die Kritik daran, so herrschaftskonform sind die Schl\u00fcsse des Magazins: Es pr\u00e4sentierte \u00e4ltere Ein-Euro-Jobber, die f\u00fcr die mickrige Aufwandsentsch\u00e4digung von einem bis zwei Euro pro Stunde (ohne Anspruch auf Urlaub oder Ausgleich bei Krankheit) Arbeiten verrichten, f\u00fcr die sie angemessen entlohnt werden m\u00fcssten. Darunter ist ein 64-J\u00e4hriger, der trotz Schmerzen bereitwillig mit schwerem Ger\u00e4t Rasen trimmt und Hecken schneidet. Ma\u00dfnahmen statt Arbeitspl\u00e4tze: So sparen klamme Kommunen viel Geld.<\/p>\n<p>Zu sehen ist eine 42-J\u00e4hrige, die zu gleichen \u201eKonditionen\u201c in einem Caritas-Sozialkaufhaus jobbt, das es gar nicht br\u00e4uchte, wenn es keine Armut g\u00e4be. Dem\u00fctig l\u00e4sst das Magazin sie in die Kamera sagen, dass es ihr \u201eja nicht ums Geld\u201c gehe, \u201esondern darum, wieder eine Struktur zu haben.\u201c Aha, wer arbeitslos ist, gammelt demnach den ganzen Tag herum, wenn der Staat nicht nachhilft. Das h\u00e4tte auch von Merz kommen k\u00f6nnen. Das Magazin zeigt \u00fcberdies eine 48-J\u00e4hrige, die 40 Wochenstunden in einem privaten Supermarkt auf Staatskosten ackert und einen 46-J\u00e4hrigen, der seinem Ein-Euro-Job im Verkauf nachtrauert.<\/p>\n<p>All das suggeriert zun\u00e4chst mal Folgendes: Wer sich nicht so willig ausbeuten lassen will wie die Gezeigten, es aus verschiedenen Gr\u00fcnden vielleicht nicht kann, ja, den k\u00f6nne der Staat dann wohl verhungern lassen. Er muss nur ordentlich sortieren in \u201eFlei\u00dfige\u201c und \u201eFaule\u201c. Faul ist demnach, wer solche Ausbeutung verweigert, vielleicht auch nur ein wenig lustlos dabei wirkt, den Lohnarbeitsfetisch zu preisen.<\/p>\n<h3 id=\"h-entlassungswellen-und-nutzniesser\" class=\"wp-block-heading\">Entlassungswellen und Nutznie\u00dfer<\/h3>\n<p>An dieser Stelle h\u00e4tte \u201eMonitor\u201c mal auf die aktuelle Entwicklung schauen und sich fragen k\u00f6nnen: Was erwartet eigentlich die Tausenden von Arbeitern, die krisenbedingt kurz vor ihrer Entlassung stehen? Umschulungen sind dank der Dauersparprogramme in Deutschland schlie\u00dflich Mangelware, insbesondere f\u00fcr \u00c4ltere. Ford will beispielsweise knapp <a href=\"https:\/\/www.cio.de\/article\/4021602\/ford-deutschland-muss-sparen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">3.000<\/a> Stellen streichen, und Daimler <a href=\"https:\/\/www.elektroauto-news.net\/news\/daimler-truck-deutschland-stellenabbau\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">5.000<\/a>. Und auch viele andere <a href=\"https:\/\/finanzmarktwelt.de\/industrie-stellenabbau-2025-332584\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Unternehmen<\/a> sind auf diesem Weg.<\/p>\n<p>Sollen die Betroffenen dann alle f\u00fcr Ein-Euro-Jobs bereitstehen, wenn sie innerhalb eines Jahres nichts Neues finden? Und was sollen jene tun, die durch Ein-Euro-Jobber ersetzt werden? Auch ein-Euro-jobben? Die Spirale, die so was nach sich zieht, k\u00f6nnte lang werden, zumal das Angebot an neuen Arbeitspl\u00e4tzen seit Monaten rapide schrumpft und private wie staatliche Nutznie\u00dfer bekanntlich wie Pilze aus dem Boden schie\u00dfen, wenn\u2019s auf diese Weise was zu gewinnen <a href=\"https:\/\/statistik.arbeitsagentur.de\/DE\/Navigation\/Statistiken\/Fachstatistiken\/Gemeldete-Arbeitsstellen\/Aktuelle-Eckwerte-Nav.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">gibt<\/a>.<\/p>\n<h3 id=\"h-teurer-uberwachungsapparat\" class=\"wp-block-heading\">Teurer \u00dcberwachungsapparat<\/h3>\n<p>Und so f\u00e4llt das Resultat der \u00f6ffentlich-rechtlichen \u201eKritik\u201c dann wie erwartet aus: Der Staat m\u00fcsse mehr Geld f\u00fcr \u201eEingliederung in den Arbeitsmarkt\u201c ausgeben, auch f\u00fcr Ein-Euro-Jobs. Dass die Regierung seit Jahren an dieser Stelle das Geld zusammenstreicht, die Jobcenter die verbliebenen Mittel \u00fcberdies in ihren \u00fcberbordenden Verwaltungsapparat umschichten, <em>kritisierte<\/em>\u00a0\u201eMonitor\u201c dann auch. Doch dass der Apparat nicht zuletzt so teuer ist, weil dort nicht nur gerechnet und vermittelt, sondern \u00fcberwacht, bespitzelt, kontrolliert und bestraft wird, verschweigt das Magazin.<\/p>\n<p>Angeblich, so behauptet \u201eMonitor\u201c dann weiter, seien die Ein-Euro-Jobs vor allem deshalb n\u00f6tig, weil sie ein Sprung in den sogenannten \u201eersten Arbeitsmarkt\u201c seien. Dass das nicht stimmt, ist aber l\u00e4ngst belegt. Bereits 2008 berichtete unter anderem die <em><a href=\"https:\/\/taz.de\/1-Euro-Jobs-ersetzen-regulaere-Stellen\/!5176922\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">taz<\/a><\/em>, dass diese sogenannten Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentsch\u00e4digung laut einer Studie gro\u00dffl\u00e4chig regul\u00e4re Stellen verdr\u00e4ngten, aber nur in zwei Prozent der F\u00e4lle zu einer festen Anstellung f\u00fchrten.<\/p>\n<h3 id=\"h-lohnkosten-sparen\" class=\"wp-block-heading\">Lohnkosten sparen<\/h3>\n<p>Zu Hochzeiten dieser Besch\u00e4ftigungsma\u00dfnahmen hatte sich ein ganzes Netz aus Firmen entwickelt, die Ein-Euro-Jobber besch\u00e4ftigten. Hunderte Euro, die diese pro Person vom Staat kassierten, landeten vor allem in ihren Taschen. Seit Jahren <a href=\"https:\/\/www.destatis.de\/DE\/Presse\/Pressemitteilungen\/2024\/11\/PD24_445_713.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">unterfinanzierte Kommunen<\/a> ersetzten ihre regul\u00e4ren Arbeitskr\u00e4fte in der Gr\u00fcnanlagen-, Park- und Denkmalpflege durch verpflichtete Hartz-IV-Arbeiter. Ob in Jugendclubs und Sportvereinen, Fitnesscentern und Sozialkaufh\u00e4usern, Stadtarchiven und der Forstwirtschaft: \u00dcberall mussten bezahlte Angestellte den neuen Billigstjobbern weichen. B\u00f6se Zungen sprachen von einem staatlichen Programm f\u00fcr Lohndr\u00fcckerei.<\/p>\n<p>Das war auch der Grund, warum der Staat diese Ma\u00dfnahmen nach und nach zur\u00fcckfahren musste. Wobei es trotzdem immer wieder neue Varianten davon gab, beispielsweise in Form von <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen-anhalt\/dessau\/anhalt\/asylbewerber-fluechtlinge-gemeinnuetzige-arbeit-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">80-Cent-Jobs f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge<\/a>. Das schwebt der GroKo nun f\u00fcr alle Arbeitslosen vor, die nicht schnell genug einen neuen Job finden \u2013 und \u201eMonitor\u201c promotet das, gut versteckt hinter richtiger Kritik.<\/p>\n<h3 id=\"h-abgrunde-des-sozialdarwinismus\" class=\"wp-block-heading\">Abgr\u00fcnde des Sozialdarwinismus<\/h3>\n<p>Fest steht schon jetzt: Mit Merzscher H\u00e4rte werden die Zeiten rauer f\u00fcr Lohnabh\u00e4ngige. Wer seinen Arbeitsplatz verliert und keinen neuen findet, weil er zu alt, zu krank ist oder keine Umschulung bekommt, darf sich dann auch als Faulpelz und Gammler beschimpfen lassen oder findet sich f\u00fcr ein, zwei Euro pro Stunde mit Heckenschere, Laubgebl\u00e4se oder Schneeschaufel im Park wieder, wenn er \u00fcberleben will.<\/p>\n<p>Und wer wei\u00df, vielleicht kommen ja Kanzler Merz und Co. auf die Idee, die Arbeitslosen in die R\u00fcstungsindustrie zu zwingen, damit die Kriegswirtschaft den Euro f\u00fcr die Profiteure wieder rollen l\u00e4sst? Oder wie w\u00e4re es in naher Zukunft mit einem Ein-Euro-Job im Sch\u00fctzengraben im Dienst \u201ef\u00fcrs Vaterland\u201c? Der Abgrund des Sozialdarwinismus l\u00e4sst noch einiges an Tiefe offen. Ob \u201eMonitor\u201c dann auch so \u201ekritisch\u201c daf\u00fcr werden w\u00fcrde?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_10780 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_10780')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_10780').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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