{"id":11113,"date":"2025-11-06T21:04:08","date_gmt":"2025-11-06T20:04:08","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=11113"},"modified":"2025-11-06T21:04:08","modified_gmt":"2025-11-06T20:04:08","slug":"deutsche-seelen-im-kino-und-anderswo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/deutsche-seelen-im-kino-und-anderswo\/","title":{"rendered":"Deutsche Seelen im Kino und anderswo"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dass Fatih Akin sich aufs Handwerk des Filmemachens bestens versteht, hat er mit seinem j\u00fcngsten Opus \u201eAmrum\u201c einmal mehr bewiesen. Und dass dies auch f\u00fcr seinen Lehrer und Mentor, den Altmeister des westdeutschen Autorenfilms Hark Bohm gilt, der das Drehbuch zum Film geschrieben hat, steht ebenfalls ausser Frage. Die Kritik teilt diese Einsch\u00e4tzung weitestgehend und hat sich ausf\u00fchrlich dar\u00fcber verbreitet, also er\u00fcbrigen sich weitere Auslassungen zu Handwerklich-\u00c4sthetischem. Wenn ich mich hier dennoch zu dem Film \u00e4ussere, so deswegen, weil ich glaube, dass sich an seinem Beispiel sehr einfach aufzeigen l\u00e4sst, warum die deutsche Einheit auch im Jahre 35 nach der offiziellen Wiedervereinigung immer noch nicht gelungen ist, ja: nicht gelingen konnte.<\/strong><\/p>\n<p><em>Beitrag von Benjamin Kradolfer<\/em><\/p>\n<p>Ausserdem schmerzt es mich als der Theatermensch, der ich bin, dass selbst patenteste und prominenteste K\u00fcnstler, wie es Akin und Bohm sind, die herrschafts-kritischen Potenziale, die ihnen der Spielraum der Kunst bietet, ungenutzt lassen und ihre Werke in bedenklicher N\u00e4he zu den g\u00e4ngigsten ideologischen Vorgaben der M\u00e4chtigen und M\u00e4chtigsten in Politik, Wirtschaft und Medien ansiedeln, oder in gar \u00dcbereinstimmung mit ihnen \u2013 freilich im besten Glauben, die allseits beklagte Spaltung der Gesellschaft zu bek\u00e4mpfen, aber, zu meinem grossen Befremden, ohne sich daran zu stossen, dass sie sich damit im Einklang mit genau jenen befinden, welche \u00fcber die mit Abstand wirkm\u00e4chtigsten Spaltmittel verf\u00fcgen und selbstredend auch Tag f\u00fcr Tag massivsten Gebrauch davon machen: Zeitenwenden werden ausgerufen \u2013 schon wieder! \u2013, und vom Volk wird mit schrillem Geschrei verlangt, seine S\u00f6hne \u2013 nach etwas mehr 80 Jahren aufs Neue! \u2013 in den Krieg gegen Russland ziehen zu lassen.<\/p>\n<p>Das letzte Mal sind die Deutschen bekanntlich im \u00fcberaus furiosen Jahr Null der Hitler&#8217;schen Welteroberung in den Krieg gezogen, und ebenfalls unter schrillen Geschrei in Richtung Russland. Ohne Geschrei, nur in leisen T\u00f6nen erz\u00e4hlt der Film, wie f\u00fcr die \u00dcberlebenden im Jahr 6 dieser Zeitenwende bereits wieder eine neue f\u00e4llig war, diesmal mit einem ebenso harten wie hoffnungsvollen Jahr Null:<\/p>\n<p>Der 12-j\u00e4hrige Nanning konnte mit seiner Mutter und seinen Geschwistern vor den unmittelbarsten Kriegsverheerungen rechtzeitig aus Hamburg zu Verwandten auf die Insel Amrum fl\u00fcchten, und als \u00e4ltester Sohn hilft er nun der Familie an Vaters Statt, der irgendwo an einer der Kriegsfronten f\u00fcr sein deutsches Vaterland um den Endsieg k\u00e4mpft, Tag f\u00fcr Tag Essbares aufzutreiben, und dazu nutzt er mit grossem Geschick alle M\u00f6glichkeiten, welche die Insel bietet; dabei macht er aber auch die schmerzhafte Entdeckung, dass seine Eltern famili\u00e4re Schuld auf sich geladen haben, indem sie sich weigerten, die j\u00fcdische Verlobte von Nannings Onkel vor den F\u00e4ngen der Nazis zu retten, obwohl sie das h\u00e4tten tun k\u00f6nnen, denn beide sind sie nicht nur \u00fcberzeugte Nazis: der Vater ist sogar einer mit Einfluss und Beziehungen, die er h\u00e4tte geltend machen k\u00f6nnen, wenn er denn gewollte h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Die Geschichte beruht auf Hark Bohms Erinnerungen an sein eigenes Erleben des Kriegsendes auf Amrum. Bohm hat den gleichen Jahrgang wie Hitlers letzte Zeitenwende und war bei Kriegsende also nur etwa halb so alt wie der Nanning des Films, zu jung also, um dieser selbst gewesen zu sein. Die Schlusseinstellung des Films zeigt Bohm als den alten Mann am Amrumer Strand, der dort von heute aus auf seine Bubenzeit zur\u00fcckblickt. Er wendet sich also an uns als das deutsche Kriegskind, das er ist und das Nanning war \u2013 egal wie weit erfunden und wie weit selbst erlebt: die Geschichte erz\u00e4hlt Glaubw\u00fcrdiges in eindringlicher Schlichtheit, und so kann sie Detail f\u00fcr Detail f\u00fcr sich selbst einstehen, Tatsachen hin, Konstrukt her.<\/p>\n<p>Schon die Entscheidung des Kriegskindes Bohm, die Realisierung seiner Geschichte auf der Leinwand dem Kriegsenkel Akin anzuvertrauen, ist augenscheinlich mit \u00fcber-pers\u00f6nlicher Bedeutung aufgeladen, und dadurch, dass letzterer 1973 ebenfalls in Hamburg geboren ist, und zwar von t\u00fcrkischen Eltern, ist sie es noch mehr. Das best\u00e4tigt auch der Regisseur selbst, wenn er, vom Reizthema Migration nat\u00fcrlich unmittelbarer betroffen als die meisten Deutschen, in einem Interview auf die m\u00f6rderischen Umtriebe in M\u00f6lln, Solingen und die der NSU verweist (auf epd-Film, 6.10.2025)\u00a0 und bekennt: \u201eAlle meine Filme sind Heimatfilme\u201c, der Aufstieg der Rechtsextremen in Deutschland sei ein Grund f\u00fcr ihn gewesen, sich an das Projekt \u201eAmrum\u201c zu wagen, denn: \u201eIch muss, nicht nur als Filmemacher, sondern auch als Mitglied dieser Gesellschaft, meine deutsche Seele verteidigen.\u201c (Variety, 14.5.2025)<\/p>\n<p>Heimat und meine deutsche Seele verteidigen \u2013 das klingt, wenn es ein eingeborener Deutscher sagt, eher unangenehm grossspurig; doch wenn es ein t\u00fcrkisch-st\u00e4mmiger tut, dann erkl\u00e4rt er sich damit schlicht eines solchen Sprachduktus&#8216; f\u00fcr genauso f\u00e4hig und vor allem: w\u00fcrdig \u2013 und zu Recht, wie ich finde: wenn schon, denn schon. Aber wie ist es denn in der Wirklichkeit, die Akins Hark-Bohm-Film imaginiert, um diese deutsche Seele im Detail bestellt?<\/p>\n<p>Die Seele des 12-j\u00e4hrigen Nanning, aus dessen Blickwinkel wir das Kriegsende 1945 miterleben, wird nat\u00fcrlich nicht nur durch die Entdeckung der Schuld seiner geliebten Mutter ersch\u00fcttert \u2013 dagegen wehrt er sich anfangs noch mit \u201eMeine Eltern tun so was nicht!\u201c \u2013, sondern auch durch weitere Einblicke in die Zusammenh\u00e4nge und Abgr\u00fcnde des Weltkriegsgeschehens, die gr\u00f6sser, weitreichender und ausgreifender sind als das, was es auf der kleinen Insel Amrum unmittelbar zu sehen gibt. Ein paar pr\u00e4gnante Beispiele:<\/p>\n<p>Gleich zu Beginn des Films tuckert neben den Feldern, auf denen der Bub jeweils nach der Schule gegen Milch als Lohn aushilft, ein Gef\u00e4hrt mit polnischen Fl\u00fcchtlingen vorbei, und von den Erwachsenen erf\u00e4hrt er auch den Grund daf\u00fcr: \u201eDer Russe steht f\u00fcnfzig Kilometer vor Berlin\u201c;<\/p>\n<p>in einer Schulpause verweisen ihn eine Meute pr\u00e4potenter Jung-Amrumer ruppig ins Lager der Polen-Fl\u00fcchtinge: als Hamburger Fl\u00fcchtling geh\u00f6re er genauso wenig hierher wie die, und nicht einmal, dass seit Generationen immer auch Verwandte seiner Familie auf der Insel angesiedelt waren, lassen die Rabauken gelten;<\/p>\n<p>sp\u00e4ter nehmen ihm ein paar von den polnischen Fl\u00fcchtlingen sein wacker ergattertes Familien-Futter gewaltsam ab; und als dies ein zweites Mal droht, flieht er vor seinen beiden Verfolgern, einem jungen Mann und seiner Freundin, ins Meer hinaus, und obwohl der Mann nicht schwimmen kann, folgt er ihm, worauf Nanning ihn rettet, zusammen mit der jungen Frau;<\/p>\n<p>eines Nachts tr\u00e4umt der Junge von seinem Onkel, demjenigen, der ohne seine j\u00fcdische Verlobte zu den Engl\u00e4ndern fliehen musste: gewissermassen als Schuldeingest\u00e4ndnis an Mutters und Vaters Statt gibt er ihm im Traum das Messer mit dem Griff aus Walfisch-Elfenbein zur\u00fcck, das der ihm fr\u00fcher mal geschenkt hat; aber der Onkel will es nicht: \u201eIch kann doch nichts daf\u00fcr!\u201c, sagt Nanning, und der Onkel erwidert: \u201eAber du hast trotzdem damit zu tun\u201c;<\/p>\n<p>einmal weiht ihn der Vater seines Freundes in ein lebensgef\u00e4hrliches Geheimnis ein: diese Familie h\u00f6rt insgeheim Feind-Radio, um zu erfahren, wie es dem in die USA emigrierten Sohn ergeht, der nun als alliierter Soldat von Westen her in Richtung Deutschland unterwegs ist;<\/p>\n<p>gegen Ende des Films feiern die Amrumer die Kapitulation der Nazis am 9. Mai, indem sie zu Jazz-Musik aus ebendiesem Radio tanzen: man freut sich US-amerikanisch;<\/p>\n<p>als die Mutter mit ihren Essens-Marken aus der Kriegszeit kein Fleisch und auch sonst nichts mehr bekommt, erf\u00e4hrt er vom Fleischer, dass ab sofort ohne Dollars oder Pounds nichts zu machen ist und die Familie sich doch das richtige Geld von den Verwanden in New York schicken lassen soll \u2013 und er muss miterleben, wie seine Mutter vor aller Augen des Diebstahls einer Wurst \u00fcberf\u00fchrt wird: aus Nazi-Unrecht wird law and order;<\/p>\n<p>und als sich die Familie, mit ihrer Habe auf einen Wagen gepackt, zum guten Ende der Geschichte in die Emigration nach Amerika aufmacht, h\u00e4lt die junge polnische Frau den Wagen bei den Feldern, auf denen die Fl\u00fcchtlinge vom Anfang des Films nun selbst arbeiten, noch einmal zur\u00fcck und gibt Nanning ihr Amulett, das sie um den Hals tr\u00e4gt, mit auf den Weg; und w\u00e4hrend sich der Wagen von den Fl\u00fcchtlingen entfernt, bleiben die beiden mit einem bedeutungsschwangeren L\u00e4cheln des Einverst\u00e4ndnisses auf den Lippen, einem fast verschw\u00f6rerisch anmutenden, in Blickkontakt.<\/p>\n<p>Als eine \u201eAustreibung aus dem Paradies\u201c bezeichnet laut Regisseurs-Interview der Drehbuchautor Bohm seine Geschichte, und von jenseits dieses Paradieses also, aus der grossen Welt, werden dem 12-J\u00e4hrigen und dem Publikum die alliierten M\u00e4chte Russland, USA und Grossbritannien vor Augen ger\u00fcckt \u2013 und genau hier liegt nun der ideologische Hund begraben, der mich zum Schreiben dieser Zeilen veranlasst: W\u00e4hrend der Onkel mit dem Walfisch-Messer sich vor den Nazis zu den Briten retten konnte, und w\u00e4hrend der Krieg mit US-Jazzmusik gl\u00fccklich zu Ende geht und die Familie, wie Onkel und Tanten schon vor oder w\u00e4hrend des Krieges, in ein besseres Leben nach Amerika aufbricht, bleibt der Russe vom Anfang bis zum Ende des Films still und leise der, vor dem man fliehen muss wie die polnischen Fl\u00fcchtlinge.<\/p>\n<p>Diese Sicht der Dinge herrschte nicht nur im Deutschland des Jahres 1945, sondern auch den ganzen Kalten Krieg \u00fcber \u2013 in der BRD; und heute, im Jahr 35 der Einheit, offensichtlich immer noch! Erst ab Mitte der 1980er Jahre, als sich mit Gorbatschow das Ende des Kalten Krieges und die deutsche Einheit anbahnten, und solange die Rote Armee mit ihrem friedlichen R\u00fcckzug um 1000 Kilometer Richtung Moskau besch\u00e4ftigt war und der Warschauer Pakt sich aufl\u00f6ste, brachte man es im Westen zustande, den Russen nicht als Feind zu sehen, im Gegenteil: er war genauso ein Freund wie der Ami und der Brite. Als sich aber der Westen zum alleinigen Sieger des Kalten Krieges erkl\u00e4rte und fast tausend Kilometer Richtung Moskau vorr\u00fcckte, wurde all dies in den K\u00f6pfen flugs wieder ausradiert und verleugnet \u2013 nur die DDR-B\u00fcrger hatten wohl in ihrer Besatzungszone schon zu lange und zu nachhaltig auch gute Erfahrungen mit dem Russen gemacht, um sie so prompt wieder vergessen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Denn w\u00e4hrend im Westen Deutschlands die angels\u00e4chsischen Besatzer zum einen zahlreiche Nazi-Gr\u00f6ssen und -Richter erneut in Rang und W\u00fcrden erhoben und zum andern das ganze Land, um die Bev\u00f6lkerung von ihrer Nazi-Infektion zu heilen und f\u00fcr immer dagegen zu immunisieren, zur US-Kultur-Provinz werden liessen, die alles Deutsche als nazi-verd\u00e4chtig beargw\u00f6hnte, machten im Osten die sowjetischen so ziemlich tabula rasa mit Hitlers Eliten und wiesen, aus eigener, althergebrachter Begeisterung f\u00fcr das deutsche Kulturerbe, auch mit ihrer allerersten Wiederaufbau-Massnahme nach der Kapitulation eine ganz andere Richtung: in den Ruinen der Hauptstadt Berlin liessen sie gleich mal Lessings \u201eNathan den Weisen\u201c auff\u00fchren \u2013 und und das blieb die Generallinie: Volk und Kultur wurden nicht russifiziert, sondern ihre anti-faschistische \u2013 und sozialistische \u2013 Neuausrichtung auf die deutsche Tradition abgest\u00fctzt.<\/p>\n<p>Statt mit einen blossem Negativ-Bild des Russen wie im Westen, lebte man im Osten Deutschlands also einen Alltag mit lebendigen Exemplaren, vor denen zu fliehen man genauso wenig Grund sah wie vor den Menschen im Westen, deren neue Kultur man insgeheim ja doch auch ziemlich knorke fand; geflohen wurde allenfalls wegen der Unzufriedenheit mit der eigenen Staatsf\u00fchrung, deren Beharren auf ihrem und <em>nur<\/em> ihrem Neuen Deutschland immer engstirniger wurde, und wegen der Disp\u00e4rit\u00e4ten zwischen Wohlstand und \u00dcberfluss in Ost und West \u2013 aber nicht vor dem Russen. Vor diesem Hintergrund werden sich zahllose ost-deutsche Seelen von dem Heimatfilm, der das Kultur-Produkt \u201eAmrum\u201c zu sein beansprucht, nicht so mitgenommen f\u00fchlen k\u00f6nnen wie die BRD-sozialisierten, die in ihrer Russen-Furcht best\u00e4tigt werden: die Seele des Films ist keine gesamt-, sondern nur eine west-deutsche.<\/p>\n<p>Dabei h\u00e4tten die beiden Autoren gerade dieser Sorte Spaltung der Gesellschaft und des Landes \u2013 beileibe nicht die einzige \u2013 mit einer klitzekleinen \u00c4nderung des Dialogs etwas entgegensetzen k\u00f6nnen:<\/p>\n<p>Kurz vor Ende des Films erklingt aus dem Off die Stimme des Nazi-Vaters: aus einem Kriegsgefangenenlager hat der einen Brief nach Hause geschrieben und nun ist zu h\u00f6ren, wie stolz er auf seine Frau ist, dass sie die harten Kriegsjahre auf der Insel so t\u00fcchtig gemeistert hat; da blitzt in mir die Hoffnung auf, es k\u00f6nne sich bei dem Lager um eines der Roten Armee handeln, und die Hoffnung wird zu einem echten, kleinen, hitchcock&#8217;schen Suspense-Moment, als Vaters Stimme weitererz\u00e4hlt, es gehe ihm gut im Lager, manchmal bek\u00e4men sie sogar Fleisch zu essen, denn der \u2013 und damit ist es vorbei mit dem Supsense \u2013 Brite sorge gut f\u00fcr ihn und seine Kameraden.<\/p>\n<p>Nur an dieser einen Stelle \u201eder Russe\u201c statt \u201eder Brite\u201c: mehr w\u00e4re gar nicht n\u00f6tig gewesen, und schon h\u00e4tte der Film sein Publikum mit einem ganz anderen, vers\u00f6hnlicheren Ausblick auf Nachkriegs-Deutschland nach Hause entlassen, und historisch w\u00e4re der keinen Hauch unbegr\u00fcndeter gewesen, im Gegenteil: Nicht nur \u00fcberlebten auch in den sowjetischen Lagern Wehrmachts-Soldaten den Krieg und schrieben Briefe nach Hause, vielmehr ist auch heute noch von Russland-Reisenden immer wieder zu h\u00f6ren, dass bei Gedenkveranstaltungen f\u00fcr die Opfer des Grossen Vaterl\u00e4ndischen Krieges \u2013 bekanntlich 27 Millionen russische: da gedenkt in dem riesigen Land freilich das ganze Jahr hindurch immer wieder irgendwo eine Ortschaft ihrer Verw\u00fcstung durch die Wehrmacht \u2013 ganz selbstverst\u00e4ndlich auch der deutschen Soldaten gedacht wird, die Hitler vor Ort ans Messer geliefert hat. \u2013 Analoges hier und heute auch bei uns? Undenkbar.<\/p>\n<p>Oder haben wom\u00f6glich die Autoren Hark Bohm und Fatih Akin eine alternative Text-Variante in diesem Sinne wenigstens in Erw\u00e4gung gezogen? Wir wissen es nicht. Kann sein \u2013 dann fragt sich aber, warum sie sie verworfen haben; kann aber auch nicht sein \u2013 dann spr\u00e4che dies genauso f\u00fcr meine These, dass die Teilung Deutschlands noch heute tief in den K\u00f6pfen verankert ist. Da es sich aber immerhin um einen Heimatfilm zweier K\u00fcnstler handelt, die seit Jahrzehnten in der obersten Kultur-Liga der Nation spielen, kann es auch sein, dass der Verleiher \u2013 Warner Bros. \u2013 auf deutschen Leinw\u00e4nden schlicht keine vers\u00f6hnliche Variante haben wollte. \u2013 Lassen wir dies dahin gestellt sein, und wenden wir uns der Spaltung zu, die mit dem Thema Migration und dem Begriff Rechtsextremismus in Akins Interviews einhergeht.<\/p>\n<p>Mal angenommen, es g\u00e4be in Deutschland noch eine echte Linke, die ihren Marx studiert und all die Kriegs-Vertriebenen und Perspektivlosen dieser Erde als das begriffen h\u00e4tte, was sie ja nur allzu offensichtlich sind, n\u00e4mlich als das gr\u00f6sste \u201eErsatzheer von Arbeitslosen\u201c der bisherigen Geschichte, das vom weltumspannenden Grosskapital kreuz und quer um den Globus gescheucht wird, so w\u00e4re Regisseur Akin sicher nicht dazu zu z\u00e4hlen. Denn statt den M\u00e4chtigen die Verantwortung zuzuweisen, die sie f\u00fcr die globalen Miseren unleugbar haben, macht er es wie sie und die angeblichen Linken von heute, und behauptet, diese Ungl\u00fccklichen m\u00fcssten dringend vor den undankbaren Arbeits- und Perspektivlosen im eigenen Land besch\u00fctzt werden: Schwache gegen Schwache, altbew\u00e4hrte Herrschaftsmethode!<\/p>\n<p>In seinen Interviews macht Akin sich dezidiert gegen jene politische Partei stark, die derzeit im deutschen Volk zunehmend Zustimmung bei den klaren Verlierern der Einheit findet, vor allem in der ehemaligen DDR, und statt all diesen Volksgenossen zuzugestehen, dass sie daf\u00fcr ihre guten, handfesten Gr\u00fcnde haben k\u00f6nnten, sagt er, in Anspielung wohl auch auf die Rabauken-Szene auf dem Schulhof: \u201eLeute w\u00e4hlen AfD, das polarisiert Familien und Freundschaften. Dadurch hat Nannings Geschichte automatisch eine Aktualit\u00e4t, ob man will oder nicht. Eine rechtsextreme Partei ist zweitst\u00e4rkste Kraft in unserem Land. Allein dadurch ist ein Film, der von Rechtsextremismus in Deutschland handelt, aktuell.\u201c Stimmt! und kann sogar sein, dass er damit nicht speziell die ost-deutschen AfD-W\u00e4hler im Visier hat; bloss:<\/p>\n<p>Im aktuellen politischen und medialen Klima befindet sich, wer so spricht, nun mal eindeutig nicht mit den immer zahlreicheren Verlierern der Einheit im Einklang, sondern mit den M\u00e4chtigen und M\u00e4chtigsten im Lande, die seit 35 Jahren mit allen ihnen zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln daf\u00fcr sorgen, dass es landauf landab immer mehr Verlierer gibt, nur um dann von ihnen in schrillen T\u00f6nen zu verlangen, sie h\u00e4tten gef\u00e4lligst endlich ihre faschistoiden Tendenzen zu \u00fcberwinden und sich ihnen, den M\u00e4chtigen, vorbehalt-und alternativlos anzuvertrauen; und er bedient sich, wie sie es seit Jahrzehnten zur Rechtfertigung eines jeden ihrer zahlreichen Kriegs- und Raubz\u00fcge tun, der l\u00e4ngst ausgelutschten Floskel von den ach so heiligen \u201eWerten\u201c, die \u201eweltweit und auch in Deutschland ausgel\u00f6scht\u201c werden: offenbar mag er f\u00fcr die fortschreitende Spaltung der Nation, genau wie die hohen Verantwortungstr\u00e4ger auch, einzig und alleine einen fortschreitenden Mangel an richtiger Gesinnung in der Bev\u00f6lkerung verantwortlich machen, und sein Film soll die Heimat bis in die hinterste Provinz gegen eine angeblich neu aufflammende Nazi-Pandemie immunisieren helfen \u2013 wie vormals seine Besatzungsmacht.<\/p>\n<p>\u201eIn einem recht dramatischen Moment\u201c, so erz\u00e4hlt der Regisseur, habe sein Lehrer Bohm gesagt: \u201e&#8217;Ich m\u00f6chte, dass du den Film drehst.&#8216; Da musste ich erst mal in mich gehen. Kann ich das? Darf ich das? M\u00f6chte ich das \u00fcberhaupt? Das ist doch gar nicht meine Geschichte. (&#8230;) Das Einzige, was mir wirklich geholfen hat war die Liebe zum Kino. Wie m\u00fcsste ich das erz\u00e4hlen, damit mir gef\u00e4llt, was ich auf der Leinwand sehe? Wie m\u00fcsste ich das fotografieren? Mit dem Glauben ans Kino, mit dem Wissen ums Kino und der Liebe zum Kino habe ich das dann gemacht.\u201c<\/p>\n<p>Ich meine, lieber Fatih Akin, die Liebe zum Kino ist eine wundersch\u00f6ne Sache, und es k\u00f6nnen wundersch\u00f6ne Filme dabei herauskommen. Aber ich meine auch, dass es einer weiterreichenden Liebe bedarf, um einen Heimatfilm <em>f\u00fcr alle<\/em> zu drehen. Mein Tip: Halten Sie sich an Brecht und sein Beharren auf dem, was er den \u201eplebejischen Blick\u201c nannte: immer <em>alle<\/em> Erniedrigten und Beleidigten mitdenken, und immer den M\u00e4chtigen auf die Finger schauen \u2013 und bei Bedarf auch hauen! Wer&#8217;s als K\u00fcnstler nicht so h\u00e4lt, ist entweder naiv, oder er duckt sich. Freilich sind die Herren des WEF oder der Blackrock-Macht hinter dem deutschen Bundeskanzler alles andere als Engel der Unschuld oder gar des Heils, ganz im Gegenteil, und so halte ich Ihnen immerhin zugute, dass Sie wom\u00f6glich einfach Angst vor ihnen haben und Ihre deutsche Seele nur im Rahmen des Erlaubten zu verteidigen wagen.<strong> Jedenfalls h\u00e4tten Sie dazu reichlich gute Gr\u00fcnde in so dramatischen Zeiten, wo Deutschlands M\u00e4chtige bis in den hintersten Winkel ihres Reichs nichts so sehr wie die Angst bewirtschaften und wieder einmal mit schrillem Get\u00f6se ihre Zeitenwenden aus- und zum Krieg aufrufen.<\/strong><\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<div><a href=\"https:\/\/www.epd-film.de\/themen\/fatih-akin-lass-mal-auf-deine-insel-gehen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.epd-film.de\/themen\/fatih-akin-lass-mal-auf-deine-insel-gehen<\/a><\/div>\n<div><a href=\"https:\/\/variety.com\/2025\/film\/news\/fatih-akin-anatolian-dragon-ghosts-amrum-cannes-1236397295\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/variety.com\/2025\/film\/news\/fatih-akin-anatolian-dragon-ghosts-amrum-cannes-1236397295\/<\/a><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_11113 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_11113')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_11113').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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