{"id":11320,"date":"2026-01-17T13:00:50","date_gmt":"2026-01-17T12:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=11320"},"modified":"2026-01-30T17:23:15","modified_gmt":"2026-01-30T16:23:15","slug":"was-geschieht-im-iran-ein-blick-hinter-die-schlagzeilen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/was-geschieht-im-iran-ein-blick-hinter-die-schlagzeilen\/","title":{"rendered":"Was geschieht im Iran? Ein Blick hinter die Schlagzeilen."},"content":{"rendered":"<p><strong>(Red.) Im Iran scheint ein bekanntes \u201eSpiel\u201c abzulaufen: Sanktionen von westlicher Seite verschlechtern die wirtschaftliche Situation in einem Land. Sobald das erste Ziel erreicht, Unruhen in der Bev\u00f6lkerung tats\u00e4chlich ausbrechen, werden die \u201eAufst\u00e4ndischen\u201c von au\u00dfen unterst\u00fctzt und angetrieben \u2013 zum n\u00e4chsten Ziel, dem Sturz der Regierung. Klar ist, dass westliche Geheimdienste aus Israel, Gro\u00dfbritannien und den USA im Iran schon lange am Werkeln sind. Karin Leukefeld, eine langj\u00e4hrige aufmerksame Beobachterin des Geschehens im Nahen und Mittleren Osten, erkl\u00e4rt, wie die deutschen Medien nach eigenen Vorgaben eigentlich berichten sollten \u2013 und wirft dann einen konkreten Blick auf den Iran. (cm)<\/strong><\/p>\n<p>Beitrag von <a href=\"https:\/\/leukefeld.net\/\"><span class=\"post-author\">Karin Leukefeld<\/span>\u00a0<\/a><\/p>\n<p>Leitmedien in Funk und Fernsehen und gro\u00dfe Tageszeitungen im deutschsprachigen Raum gelten in Sachen Berichterstattung als Instanz. Erstaunlich allerdings ist es, dass sie in der Berichterstattung \u00fcber zahlreiche Krisen und Kriege ihren eigenen und auch internationalen Regeln nicht gerecht werden.<\/p>\n<p>Die aktuelle Berichterstattung \u00fcber das Geschehen im Iran \u2013 die eher der Hetze gegen Feinde \u00e4hnelt \u2013 ist dabei nicht das einzige Beispiel daf\u00fcr, dass Medien oft nicht informieren, sondern zum Sprachrohr bestimmter Interessen werden. Das zeigt ein Vergleich mit Medien in anderen Teilen der Welt, die mehr vorhandene Quellen nutzen und \u00fcber den eigenen Tellerrand hinausblicken. Sie beziehen regionale, iranische, asiatische und internationale Quellen ein, lassen Minister der iranischen Regierung und Analysten zu Wort kommen, die Zusammenhang herstellen, der in hiesigen Medien nicht vorkommt.<\/p>\n<p>Dabei gibt es f\u00fcr die journalistische Berichterstattung in Deutschland Regeln: den\u00a0<a href=\"https:\/\/www.presserat.de\/pressekodex.html\">Pressekodex.<\/a>\u00a0Ausf\u00fchrlich wird darin in 16 Artikeln dargestellt, welche Regeln f\u00fcr journalistische Arbeit gelten. Es geht um \u201eWahrhaftigkeit und Achtung der Menschenw\u00fcrde\u201c und \u201eSorgfalt\u201c, um den \u201eSchutz der Pers\u00f6nlichkeiten, Schutz der Ehre, Religion und Weltanschauung\u201c, um \u201eSensationsberichterstattung\u201c, die vermieden werden soll, um \u201eDiskriminierungen und Unschuldsvermutung\u201c.<\/p>\n<p>Die Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung, BpB hat verschiedene\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/25396\/medienethik\/\">Hefte zur Medienpolitik<\/a>\u00a0ver\u00f6ffentlicht, die frei erh\u00e4ltlich sind. Eines dieser Hefte befasst sich mit den \u201eGrundprinzipien der Medienethik\u201c, die mit \u201eWahrhaftigkeit, Privatsph\u00e4re, Nichtdiskriminierung, Achtung der Menschenw\u00fcrde, Vermeidung von Sensationsmache, Quellenintegrit\u00e4t und Transparenz bei Interessenkonflikten\u201c benannt werden.<\/p>\n<p>In der klassischen Ausbildung lernen Journalisten, dass es bis zu sieben \u201eW-Fragen\u201c gibt, die f\u00fcr Nachrichten und in Berichten beantwortet werden sollten, um die Glaubw\u00fcrdigkeit nachzuweisen: wer (hat etwas getan); was (hat er denn getan), wo (hat er es getan), wann (hat er es getan), wie (hat er es getan), warum (hat er es getan) und woher (ist die Information)? Besonders die Frage nach der Quelle oder woher eine Information stammt, ist dabei von besonderer Bedeutung. Die\u00a0<a href=\"https:\/\/deutschejournalistenakademie.de\/journalismus-lexikon\/quelle\/\">Quellenpr\u00fcfung<\/a>\u00a0dient dem Wahrheitsgehalt und damit der Qualit\u00e4t einer Meldung oder eines Berichts. Allgemein hei\u00dft es, mindestens drei Quellen sollten einer Nachricht oder einem Bericht zugrunde liegen.<\/p>\n<p>Angesichts einer chaotischen Entwicklung im Medienbereich durch soziale Medien und K\u00fcnstliche Intelligenz, die zu einer gro\u00dfen Schnelligkeit im Nachrichten\u201cgesch\u00e4ft\u201c f\u00fchren, beschw\u00f6ren neue Lehrmeinungen, die \u201eW-Fragen\u201c\u00a0<a href=\"https:\/\/www.newsroom.de\/news\/aktuelle-meldungen\/ausbildung-13\/das-ende-der-w-fragen-5-tipps-fuer-den-gelungenen-leadsatz-907259\/\">wegzulassen.<\/a>\u00a0Damit wird die Berichterstattung immer mehr zu einer Werbung f\u00fcr das, was man vermitteln wird, zu Public Relation.<\/p>\n<p>Hinzu kommt eine international hoch komplexe oft un\u00fcbersichtliche Entwicklung, die Hintergrundwissen und Zeit erfordert, um sie an die \u00d6ffentlichkeit zu vermitteln. In Kriegs- und Krisenzeiten kommen politische und wirtschaftliche Interessen hinzu, die zunehmend \u2013 auch in Europa \u2013 mit dem Unterdr\u00fccken anderer Perspektiven gest\u00e4rkt werden sollen. Medien aus anderen Teilen der Welt werden verboten, Journalisten diffamiert und seit einigen Monaten sollen Journalisten und Analysten von der EU-Kommission mit sogenannten \u201eSanktionen\u201c zum\u00a0<a href=\"https:\/\/zgif.ch\/2026\/01\/14\/es-gibt-in-der-eu-kein-prinzip-der-gewaltenteilung\/\">Schweigen gebracht werden<\/a>.<\/p>\n<p>Um das vor der \u00d6ffentlichkeit zu begr\u00fcnden oder zu rechtfertigen, werden so genannte \u201eFakten-Checker\u201c als besonders hochwertige Pr\u00fcfinstanz eingestuft, um \u201eF\u00e4lschungen\u201c von \u201eFakten\u201c zu unterscheiden. Die ARD hat beispielsweise ein eigenes Ressort \u201eFaktenfinder\u201c eingerichtet, um den eigenen Meldungen Glaubw\u00fcrdigkeit zu verleihen. In Br\u00fcssel gibt es ein \u201eDesInformations Lab\u201c, wo u.a. ein \u201e<a href=\"https:\/\/www.disinfo.eu\/projects\/european-fact-checking-standards-project\/\">Fact-checking project<\/a>\u201c Standards f\u00fcr \u201eFakten\u201c f\u00fcr die EU ausarbeitet. Die \u201eFakten-Checker\u201c arbeiten im Auftrag ihrer Geldgeber, was sie tats\u00e4chlich in einen Interessenskonflikt bringen k\u00f6nnte. Wer\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132930\">\u00fcberpr\u00fcft s<\/a>ie?<\/p>\n<p>In Deutschland und Europa schein eine neue Klasse von Journalisten zu entstehen. Neben den \u201eFakten-Checkern\u201c gibt es einen \u201eprivilegierten\u201c Journalismus, bei dem ausgew\u00e4hlte akkreditierte Journalisten privilegierte Informationen bei der EU-Kommission, der NATO, bei der M\u00fcnchner oder anderen Sicherheitskonferenzen oder bei der Begleitung von Kanzler und Ministern auf Reisen erhalten.<\/p>\n<p>Fernsehanstalten und Printmedien geben sich zudem eigene Regeln, die f\u00fcr ihre Redaktionsangestellten gelten. So legte die ARD im Oktober 2023 zur \u201einternen Nutzung\u201c ein \u201e<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/231027-Glossar_Berichterstattun-gNahostkonflikt.pdf\">Glossar zur Berichterstattung im Nahostkonflikt<\/a>\u201c auf, wo f\u00fcr Mitarbeiter und Korrespondenten eine Sprachregelung festgelegt wurde. Das 44 Seiten umfassende Glossar erschien am 18.10.2023, 10 Tage nach dem Angriff pal\u00e4stinensischer Milizen auf israelische D\u00f6rfer \u00f6stlich des Gaza-Streifens. Am gleichen Tag noch begann Israel einen mehr als zwei Jahre dauernden Vernichtungskrieg gegen die Bev\u00f6lkerung des pal\u00e4stinensischen K\u00fcstenstreifens.<\/p>\n<p><strong>\u201eFaktencheck\u201c, Sprachregelungen und privilegierter Journalismus haben besonders in Kriegs- und Krisenzeiten Hochkonjunktur, denn die \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Information wird stark von Interessen der Regierungen, Unternehmen, von Herrschenden und herrschenden B\u00fcndnissen gepr\u00e4gt. Wenn Medien und Berichterstatter sich von den herrschenden Interessen nicht deutlich distanzieren oder diese Interessen mit anderen Perspektiven erg\u00e4nzen, wird Information zur Propaganda.<\/strong> (Hervorhebung durch die Redaktion.)<\/p>\n<p>Ungepr\u00fcfte Todeszahlen zu verbreiten und zu sagen, die Zahlen k\u00f6nnten in Kriegs- und Krisengebieten nicht \u00fcberpr\u00fcft werden, reicht nicht. Was nicht \u00fcberpr\u00fcft werden kann \u2013 und Angaben von Organisationen, die im Fall Irans in Norwegen oder in den USA sitzen,\u00a0\u00a0sind nicht zu \u00fcberpr\u00fcfen \u2013 sollte den journalistischen Regeln entsprechend nicht \u00fcbernommen werden.<\/p>\n<p>Was also wissen wir \u00fcber den Iran und seine Gesellschaft? Was ist bekannt \u00fcber die wechselhafte Geschichte des Landes, das wegen seines \u00d6lreichtums und der geostrategisch bedeutsamen Lage seit dem Ende des 2. Weltkrieges im Visier von USA und Gro\u00dfbritannien ist?<\/p>\n<p><strong>Hintergrund Iran<\/strong><\/p>\n<p>91,5 Mio Einwohner (Quelle: Weltbank), etwa zur H\u00e4lfte Frauen und M\u00e4nner. Hoher Bildungsstand der Frauen, die mehr als 60 Prozent der Hochschulabsolventen ausmachen. Stadt-Land-Gef\u00e4lle. Das Land verf\u00fcgt \u00fcber Kohle, \u00d6l, Gas, Eisen, Chrom, Mangan,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.worldatlas.com\/articles\/what-are-the-major-natural-resources-of-iran.html\">Blei und Zink<\/a>. Iran hat\u00a0<a href=\"https:\/\/www.worldatlas.com\/articles\/what-are-the-major-natural-resources-of-iran.html\">Au\u00dfengrenzen zu 11 L\u00e4ndern<\/a>: Pakistan, Afghanistan, Turkmenistan, Aserbeidschan, Armenien, T\u00fcrkei, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien, Katar, Vereinigte Arabische Emirate). Iran grenzt an drei Meere: Kaspisches Meer im Norden, Persischer Golf im Westen, der \u00fcber die Stra\u00dfe von Hormus mit dem Golf von Oman im S\u00fcden verbunden ist.<\/p>\n<p>Seit Beginn des US-gef\u00fchrten \u201eKrieg gegen den Terror\u201c im Jahr 2001, hat Iran 3,6 Mio\u00a0<a href=\"https:\/\/www.unhcr.org\/ir\/refugees-iran\">Fl\u00fcchtlinge<\/a> aufgenommen. Die \u00fcberwiegende Mehrheit kommt aus Afghanistan, weniger aus Irak. 20.000 Iraker und rund 2,6 Mio Afghanen sind offiziell im Iran als Fl\u00fcchtlinge registriert. Nicht registriert sind rund 1 Mio Afghanen.<\/p>\n<p>Iran geh\u00f6rt zu den 51 Staaten, die von den \u201eGro\u00dfen Vier\u201c China, Gro\u00dfbritannien, UdSSR und USA 1945 eingeladen worden waren, die Vereinten Nationen zu gr\u00fcnden. Iran unterzeichnete die UN-Charta am 26. Juni und ratifizierte die Charta am 16. Oktober 1945.<\/p>\n<p>Iran ist seit 2024 Mitglied bei BRICS, ein B\u00fcndnis, in dem sich L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens zusammengeschlossen haben, um dem politischen und wirtschaftlichen Druck aus den USA gemeinsam Grenzen aufzuzeigen. Iran ist seit 2023 Mitglied in der Schanghai Koordination f\u00fcr Kooperation. Mit Russland und China gibt es umfangreiche, auch milit\u00e4rische Abkommen.<\/p>\n<p>Die wichtigsten Handelspartner des Iran sind China, Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate und die T\u00fcrkei. Weniger Handel hat Iran mit Afghanistan, Pakistan, Oman, Indien, Russland und Turkmenistan, wie die Weltbank schreibt.<\/p>\n<p>1953 verstaatlichte der iranische Ministerpr\u00e4sident Mohamed Mossadegh die iranischen \u00d6lquellen. CIA (USA) und MI6 (Gro\u00dfbritannien) organisierten einen Putsch, Mossadegh wurde entmachtet. Das \u00d6l wurde wieder von US-Unternehmen kontrolliert. Unter der F\u00fchrung des Schah Reza Pahlevi war Iran fest mit den USA und EU-Staaten sowie Israel verb\u00fcndet.<\/p>\n<p>Im Januar 1979 verlie\u00df der Schah den Iran, er war von einer Islamischen Revolution gest\u00fcrzt worden. Ihr F\u00fchrer Ayatollah Ruhollah Khomeini kehrte am 1. Februar 1979 aus dem franz\u00f6sischen Exil in den Iran zur\u00fcck. Im April 1979 wurde die Verfassung des Landes ge\u00e4ndert, Iran wurde zur Islamischen Republik. Es folgte eine unruhige Geschichte.<\/p>\n<p><strong>Ein Blick hinter die Schlagzeilen<\/strong><\/p>\n<p>Die j\u00fcngsten Unruhen begannen am 28. Dezember 2025. Ausl\u00f6ser war der Sturz des iranischen Rial an der B\u00f6rse in Dubai, wo er 30 Prozent seines Werte verlor. Die Unternehmer des Bazars, des gro\u00dfen Marktes in Teheran, protestierten gegen den massiven Wertverlust der iranischen W\u00e4hrung. Die Regierung hatte die H\u00e4ndler beim Kauf und Verkauf von Waren mit subventionierten US-Dollar im Ausland unterst\u00fctzt, was bei dem massiven pl\u00f6tzlichen Wertverlust nicht mehr eingehalten werden konnte.<\/p>\n<p>Die Regierung signalisierte Verst\u00e4ndnis f\u00fcr den Unmut der H\u00e4ndler, in Gespr\u00e4chen und Verhandlungen sollte eine L\u00f6sung gefunden werden. Und man fand eine L\u00f6sung, die H\u00e4ndler \u00f6ffneten ihre Gesch\u00e4fte wieder. Allerdings hatten sich einfache Demonstranten aus allen Gesellschaftsteilen den Protesten der H\u00e4ndler angeschlossen. Die wirtschaftliche Situation ist aufgrund der langj\u00e4hrigen US- und EU-Sanktionen angespannt. Finanzielle Misswirtschaft machte die Lage nicht besser.<\/p>\n<p>Was dann geschah war ein Aufstand, der von Geheimdiensten dirigiert war. Der Plan war mit gro\u00dfer Wahrscheinlich vom israelischen Mossad und der US-amerikanischen CIA entworfen worden. Bei ihrem Treffen in Florida Ende Dezember 2025 k\u00f6nnten Trump und Netanyahu sich geeinigt haben. In Israel waren Medien sich sicher, dass man von Trump \u201egr\u00fcnes Licht\u201c f\u00fcr einen Angriff auf Libanon und auf Iran bekommen habe. Die CIA \u00fcberwacht ohnehin das ganze Gebiet, der Mossad verf\u00fcgt \u00fcber zwei gro\u00dfe Basen in Erbil im Nordirak und in Aserbeidschan. Der Weg zum Irak von dort ist nicht weit.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.conflictsforum.org\/who\/\">Alastair Crooke,<\/a>\u00a0langj\u00e4hriger britischer Diplomat bei der Europ\u00e4ischen Union und Geheimdienstoffizier des MI6, skizziert auf seinem Blog <em>Conflicts Forum<\/em> die einzelnen Schritte, die innerhalb k\u00fcrzester Zeit die Lage eskalierten und zu einem bewaffneten \u201e<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=P1NTzriyBj0\">Regime Change<\/a>\u201c f\u00fchren sollten. Der Ruf \u201eKhamenei beseitigen\u201c folgte in Europ\u00e4ischen Think-Tanks und Medien, kurz nachdem eine Spezialeinheit der USA-Armee den venezolanischen Pr\u00e4sidenten Nicolas Maduro und seine Frau Cilia Flores in Caracas entf\u00fchrten und in die USA verschleppt hatten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich die iranischen Proteste in erster Linie gegen die schlechte wirtschaftliche Lage richteten, wurde in westlichen Hauptst\u00e4dten und Leitmedien ein \u201eSturz des Regimes\u201c in Teheran als \u201ekurz bevorstehend\u201c bezeichnet, sofern die USA und Europa den Demonstranten helfen w\u00fcrden. Man stehe mit geladenem Gewehr an ihrer Seite, so US-Pr\u00e4sident Trump, Hilfe sei auf dem Weg. Die Demonstranten wurden aufgefordert, iranische Verwaltungsgeb\u00e4ude einzunehmen, kurz darauf brannten Regierungsstellen und Banken.<\/p>\n<p>Die t\u00fcrkische Armee informierte den Iran \u00fcber bewaffnete Aufst\u00e4ndische, die aus dem kurdischen Nordirak \u00fcber Kermanshah im westlichen Iran vordrangen. Der Iran t\u00f6tete die meisten von ihnen, wurde aber von den Aufst\u00e4ndischen, die sich landesweit unter Demonstranten mischten und rohe Gewalt einsetzten, \u00fcberw\u00e4ltigt. Auf wackeligen Videobildern war das zerst\u00f6rerische Vorgehen festgehalten: Gesch\u00e4fte, Autos, Feuerwagen und Moscheen gingen in Flammen auf. Aus den hinteren Reihen oder von seitw\u00e4rts der Demonstrationen wurde auf die iranischen Sicherheits- und Polizeikr\u00e4fte geschossen. Die schossen ihrerseits zur\u00fcck und trafen nur selten die eigentlichen Sch\u00fctzen, sondern einfache Demonstranten.<\/p>\n<p>Deutsche Politiker wie Au\u00dfenminister Johann Wadepfuhl und Bundeskanzler Friedrich Merz frohlockten, dass das Ende des \u201eMullah-Regimes\u201c kurz bevorstehe. Die massiven Proteste gegen das \u201eAyatollah-Regime\u201c nannte Wadepfuhl eine Folge der EU Sanktionen: \u201eDas hei\u00dft: Sanktionen wirken und auf diesem Weg sollten wir\u00a0\u2060weiter\u00a0<a href=\"https:\/\/lostineu.eu\/wadephul-freut-sich-ueber-iran-krise-eu-sanktionen-wirken\/?utm_source=mailpoet&amp;utm_medium=email&amp;utm_source_platform=mailpoet&amp;utm_campaign=die-letzten-newslettertotal-beitrage-von-lost-in-europe-124\">vorangehen.\u201d\u00a0\u200d<\/a>\u00a0Der ehemalige franz\u00f6sische Au\u00dfenminister Domenique de Villepin warnte derweil vor einer ausl\u00e4ndischen Intervention im Iran und pl\u00e4dierte im Interview mit Euronews Englisch f\u00fcr\u00a0<a href=\"https:\/\/lostineu.eu\/de-villepin-warnt-vor-intervention-in-iran\/\">Gespr\u00e4che<\/a>.<\/p>\n<p>Bundeskanzler\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/merz-iran-massenproteste-100.html\">Merz<\/a>\u00a0wiederum erkl\u00e4rte auf seiner Indienreise, er gehe davon aus, dass \u201eRegime ist faktisch am Ende\u201c. Deutschland koordiniere sich eng mit den USA und im E3-Format (Deutschland, Frankreich, Gro\u00dfbritannien), die Au\u00dfenminister seien eng miteinander im Gespr\u00e4ch. Es k\u00f6nne nur noch \u201ewenige Tagen oder Wochen\u201c dauern, so Merz. T-Online fragte darauf hin: \u201eWas wei\u00df Merz?\u201c<\/p>\n<p>Iran stellte das Internet ab, um Kontakte mit dem Ausland zu unterbinden. Israel und die USA aktivierten Starlink-Verbindungen, die allerdings rasch \u2013 mit Technologie aus China und Maschinen aus Russland \u2013 erfolgreich von Iran blockiert wurden. Rund 40.000 Starlink-Einheiten seien innerhalb k\u00fcrzester Zeit effektiv stillgelegt worden, berichtet Alastair Crooke unter Berufung auf iranische\u00a0<a href=\"https:\/\/conflictsforum.substack.com\/p\/iran-jams-starlink-in-game-changing\">Sicherheitsfirmen<\/a>. Die Starlink-Einheiten, die mit einem kleinen Solarmodul ausgestattet sind, waren illegal in den Iran gebracht worden und konnten von iranischen Sicherheitsbeh\u00f6rden in Lagerh\u00e4usern konfisziert werden. Damit war die Verbindung zwischen den gewaltt\u00e4tigen Gruppen und ihren Anstiftern im Ausland unterbrochen. Die Demonstrationen ebbten auch wegen der enormen Gewalt und Zerst\u00f6rung und wegen der vielen Todesopfer ab.<\/p>\n<p>Der iranische Au\u00dfenminister Abbas Aragchi erkl\u00e4rte\u00a0<a href=\"https:\/\/youtu.be\/P1NTzriyBj0?t=1728\">am 12. Januar,<\/a>\u00a0der Iran habe Audiobotschaften aufgefangen, die aus dem Ausland gekommen seien. Die Anrufer h\u00e4tten den Empf\u00e4ngern gesagt, sie sollten das Feuer er\u00f6ffnen, solange sie unter den Demonstranten seien. \u201eWenn Ihr auf die Polizei schie\u00dfen k\u00f6nnt, tut das. Wenn das nicht geht, schie\u00dft auf irgendjemanden. Und wenn das nicht geht, schie\u00dft auf das M\u00e4dchen oder den Jungen, der direkt vor Dir ist.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.presstv.ir\/Detail\/2026\/01\/14\/762333\/Tehran-riots-damage-estimate-mayor-Zakani\">Offizielle Zahlen<\/a><\/p>\n<p>Aliireza Zakani, der B\u00fcrgermeister von Teheran, bezifferte am Mittwoch die Sch\u00e4den in der Hauptstadt auf eine Summe von mehr als 20 Millionen US-Dollar. Die Verw\u00fcstung sei von gewaltsamen Terroristen ver\u00fcbt worden, sie sich unter die \u201efriedlichen Proteste wegen der schweren Wirtschaftslage\u201c gemischt h\u00e4tten, so Zakani.<\/p>\n<p>Die Sch\u00e4den an der Infrastruktur, auch am \u00f6ffentlichen Transportnetz betr\u00fcgen fast 39 Billionen Rial. 89 Busse seien angez\u00fcndet worden, 57 davon seien so sehr besch\u00e4digt, dass einige aus dem Verkehr gezogen werden m\u00fc\u00dften. Zwei Geb\u00e4ude der Stadtverwaltung und acht neu gekaufte Feuerwagen seien zerst\u00f6rt worden. Man bereite eine vollst\u00e4ndige Liste des besch\u00e4digten Eigentums vor, die Verwaltungsbeh\u00f6rde werde dar\u00fcber entscheiden, in welcher H\u00f6he Reparaturen und Entsch\u00e4digungen gezahlt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Der Gouverneur der Provinz Teheran sagte, rund 1000 private und \u00f6ffentliche Fahrzeuge seien zerst\u00f6rt oder besch\u00e4digt worden. Darunter seien 54 Krankenwagen und 71 L\u00f6schfahrzeuge. 44 Moscheen, 26 Regierungsgeb\u00e4ude, H\u00e4user und Gesch\u00e4fte seien in Teheran und Umgebung zerst\u00f6rt oder besch\u00e4digt worden. Die iranische Nachrichtenagentur IRNA berichtete \u00fcber gro\u00dfe Sch\u00e4den an der st\u00e4dtischen Infrastruktur aus Rasht im Norden, Mashhad im Osten und Kerman im S\u00fcden.<\/p>\n<p>Die iranische Regierung machte Washington und Tel Aviv f\u00fcr die Verw\u00fcstungen verantwortlich. Sie h\u00e4tten den \u00f6ffentlichen \u00c4rger \u00fcber die schlechte wirtschaftliche Lage im Iran seit dem 12-Tage-Krieg Israels und der USA gegen Iran instrumentalisiert. Au\u00dfenminister Aragchi erkl\u00e4rte, angebliche Hinrichtungsbefehle durch Erh\u00e4ngen im Schnellverfahren werde es nicht geben.<\/p>\n<p>Bei den Vereinten Nationen reichte Iran am vergangenen Mittwoch eine offizielle Beschwerde bei UN-Generalsekret\u00e4r Antonio Guterrez ein. Amir Saed Iravani, der iranische UN-Botschafter, bezog sich in dem Schreiben auf Aussagen von US-Pr\u00e4sident Donald Trump, mit denen dieser offen zur Gewalt im Iran aufgerufen und mit einer milit\u00e4rischen Intervention gedroht habe. \u201eIranische Patrioten, protestiert weiter, \u00fcbernehmt Eure Institutionen! Hilfe ist auf dem Weg\u201c habe Trump erkl\u00e4rt und damit ausdr\u00fccklich die Menschen aufgefordert, die Lage politisch zu destabilisieren, anzuheizen und zu Gewalt aufgerufen. Das sei eine Bedrohung der Souver\u00e4nit\u00e4t, der territorialen Integrit\u00e4t und der Sicherheit des Iran, so der Botschafter.<\/p>\n<p>Nicht nur f\u00fcr Medien, auch f\u00fcr Politiker und Regierungen aller 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen gibt es Regeln: die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.un.org\/en\/about-us\/un-charter\/full-text\">UN-Charta.<\/a>\u00a0Angesichts der Erfahrung der zwei gro\u00dfen Kriege (1914\/18 und 1939\/45) verspricht die Pr\u00e4ambel die Verpflichtung zum Frieden und erkl\u00e4rt f\u00fcr alle Menschen und f\u00fcr alle Staaten, gro\u00df und klein, Gleichberechtigung, Souver\u00e4nit\u00e4t, Respekt der Grenzen und Sicherheit fest. Der Iran h\u00e4lt sich mit seinem Vorgehen im UN-Sicherheitsrat daran, die USA, Israel und andere Staaten im US-Orbit haben \u2013 basierend auf ihren eigenen Interessen \u2013 ihre eigene \u201eRegel-basierte Ordnung\u201c entwickelt, die sich \u00fcber die UN-Charta und internationale Abkommen hinwegsetzen will.<\/p>\n<p><strong>Die Toten werden beerdigt<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend deutsche Medien Stimmen f\u00fcr einen \u201eRegime-Change\u201c und neue Sanktionen gegen Iran noch eine breite B\u00fchne geben, haben im Iran die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.presstv.ir\/Detail\/2026\/01\/14\/762319\/Mass-funeral-held-in-Isfahan-for-those-martyred-in-riots-\">Beerdigungen<\/a>\u00a0begonnen. Um einen Eindruck des Trauermarsches in Isfahan zu bekommen, verfolgt die Autorin iranische Fernsehaufnahmen. Man sollte genau auf die Bilder sehen. Jung und alt laufen in losen Reihen. Manche Frauen mit schwarzer Abaja, manche Frauen mit Hosen und halblangen M\u00e4nteln, die einen Schal leicht \u00fcber das Haar geworfen haben. Der iranische Reporter spricht sie an, die meisten sprechen stolz \u00fcber ihr Land und sind dennoch ersch\u00fcttert. Junge und alte M\u00e4nner marschieren in dem Trauerzug mit. Bilder der Toten sind auf Transparente vergr\u00f6\u00dfert, dazwischen immer wieder Lautsprecherwagen, die gro\u00dfe Bilder des Religionsf\u00fchrers Ali Khamenei und von General Qasim Solimani zeigen.\u00a0\u00a0Der Kommandeur der Quds-Brigade in den iranischen Revolutionsgarden war vor fast genau 5 Jahren, Anfang Januar 2020 von der Trump-Administration mit einem Drohnenangriff am Flughafen von Bagdad ermordet worden.<\/p>\n<p>Auf einem dieser Wagen vorne steht ein noch junger Mann, der ein DIN A4 gro\u00dfes Bild hochh\u00e4lt. Er selber tr\u00e4gt schwarz, das Bild ist in Farbe. Es zeigt ein kleines M\u00e4dchen unter einer Girlande von bunten Luftballons. Ihr langes schwarzes Haar f\u00e4llt \u00fcber die Schultern, als sie sich in einem weiten, wei\u00dfen Kleid dreht und strahlt. Die Schrift darunter ist f\u00fcr die Betrachterin der Filmaufnahmen nicht zu erkennen. In Farsi, der Landessprache im Iran, wird vermutlich ihr Name stehen, und was ihr widerfahren ist. Der Mann weint.<\/p>\n<p>Unter den Toten, die die Iraner in allen St\u00e4dten des Landes dieser Tage zu Grabe tragen, sind Kinder, Jugendliche, Frauen und M\u00e4nner, Angeh\u00f6rige der iranischen Sicherheitskr\u00e4fte, Busfahrer, H\u00e4ndler, sie kommen aus allen Teilen der Gesellschaft. Auch ein Polizist, der von den Provokateuren zu Tode getrampelt wurde, wird seine Ruhe finden. Die Namen der meisten werden f\u00fcr Au\u00dfenstehende unbekannt bleiben. Alle hinterlassen Familie, Angeh\u00f6rige, die nicht wissen, welche Zukunft sie erwartet.<\/p>\n<p><strong>Und eine aktuelle Erg\u00e4nzung<\/strong><\/p>\n<p>Am Donnerstagabend \u2013 15.1.2026 \u2013 befasste sich in New York der UN-Sicherheitsrat mit der Lage im Iran. Die UN-Berichterstatterin und beigeordnete UN-Generalsekret\u00e4rin Martha Pobee fasste in einer kurzen Erkl\u00e4rung die bekannten Tatsachen zusammen und warnte vor Eskalation. Sie erinnerte an die Prinzipien der UN-Charta und an die Verpflichtung der Mitgliedsstaaten, Konflikte friedlich beizulegen. Die Androhung von Gewalt oder der Einsatz von Gewalt sei in internationalen Beziehungen zwischen den Staaten verboten. \u201eDiese Prinzipien sind keine abstrakten Ideale\u201c, so die UN-Berichterstatterin. Sie seien \u201edas Fundament f\u00fcr internationalen Frieden und Sicherheit. Das gilt heute ebenso wie zu der Zeit, als die Vereinten Nationen gegr\u00fcndet wurden.\u201c<\/p>\n<p>Ganz anders \u00e4u\u00dferte sich die US-amerikanisch-iranische Journalistin Mahsih Alinejad. Die international bekannte und aktive Gegnerin der iranischen Regierung lebt seit 2009 im Exil in New York und machte in einer ausf\u00fchrlichen Anklage gegen die iranische Regierung aus ihrer Verachtung keinen Hehl. Die Islamische Republik verhalte sich \u201ewie der Islamische Staat\u201c, erkl\u00e4rte sie und forderte, dass der Iran auch so behandelt werden m\u00fcsse, wie der Islamische Staat.<\/p>\n<p>US-Botschafter Waltz griff die Forderungen auf und erkl\u00e4rte, im Wei\u00dfen Haus seien \u201ealle Optionen auf dem Tisch, um das Gemetzel zu stoppen\u201c. Pr\u00e4sident Donald Trump sei ein Mann der Tat und nicht des nutzlosen Geredes, wie es bei den Vereinten Nationen \u00fcblich sei. Der Vertreter Russlands forderte die \u201eHitzk\u00f6pfe\u201c in Washington auf, zur Vernunft zu kommen und der Vertreter Chinas erkl\u00e4rte, die \u201edirekten Drohungen von US-Pr\u00e4sident Donald Trump gegen Iran\u201c m\u00fc\u00dften gestoppt werden.<\/p>\n<p>Hier der Link zum <a href=\"https:\/\/youtu.be\/1QqM4Qxd_B0\">kompletten Mitschnitt<\/a> des Treffens in der UNO. Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Schweizer Portal <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/\">GlobaleBridge.<\/a><\/p>\n<p>Beitrag von Karin Leukefeld aus <strong>dem Jahr 2019<\/strong> zum Thema: N\u00e4chstes Ziel Iran &#8211; Mit einem Angriff auf den Golfstaat wollen die USA einen beispiellosen Zyklus von Kriegshandlungen im Nahen Osten vollenden.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.manova.news\/artikel\/nachstes-ziel-iran\">https:\/\/www.manova.news\/artikel\/nachstes-ziel-iran<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_11320 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_11320')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_11320').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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