{"id":1138,"date":"2016-02-19T20:25:16","date_gmt":"2016-02-19T19:25:16","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=1138"},"modified":"2017-05-27T22:22:34","modified_gmt":"2017-05-27T21:22:34","slug":"zapp-medien-in-der-vertrauenskrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/zapp-medien-in-der-vertrauenskrise\/","title":{"rendered":"ZAPP &#8211; Medien in der Vertrauenskrise"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>&#8222;Unterschiedliche Studien aus der j\u00fcngsten Zeit kommen alle zu \u00e4hnlichen Ergebnissen: Bis zu 40 Prozent der Befragten verleihen in den Untersuchungen ihrer Medienskepsis Ausdruck und geben an, der Berichterstattung wenig oder keinen Glauben zu schenken &#8211; wobei sich die einzelnen Werte zum Teil deutlich unterscheiden.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Das NDR-Medienmagazin ZAPP hat erneut eine Sendung zum Thema <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/zapp\/Das-Medienmagazin,sendung480650.html\">&#8222;Medien in der Vertrauenskrise&#8220;<\/a> produziert, die einerseits Hoffnung macht, aber andererseits auch wieder alte Stereotypen bedient, die einer punktgenauen \u00dcberpr\u00fcfung nicht standhalten w\u00fcrden. Interessant war jedoch vor allem der Blick \u00fcber den Tellerrand und die Ansicht des Nachrichtenchefs vom d\u00e4nischen Rundfunk. Es sollte z. B. eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit in einer Demokratie sein, politische Spektren und Parteien, die nicht verboten sind, ad\u00e4quat innerhalb der Berichterstattung zu behandeln und Kritik an der Berichterstattung endlich ernst zu nehmen. <\/p>\n<p>Der Chefredakteur der Tagesschau Kai Gniffke meint u. a. in der Fl\u00fcchtlingskrise <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/zapp\/Sind-Weg-der-Unabhaengigkeit-gegangen,zapp9304.html\">keine Position bezogen<\/a> zu haben, sondern  beschrieben zu haben was ist &#8211; in allen Facetten.<\/p>\n<p>F\u00fcr ZDF-Moderatorin Dunja Hayali ist es <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/zapp\/Interview-Dunja-Hayali,zapp9292.html\">im ZAPP-Interview<\/a> die &#8222;Gretchenfrage&#8220;: Wie kann man das Vertrauen des Publikums zur\u00fcckgewinnen?<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/zapp\/feedback136_page-3.html\">Ausgew\u00e4hlte Zuschauerzuschriften.<\/a><\/p>\n<p>Unsere Mitstreiterin Anja B\u00f6ttcher hat ihre Kritik an der Sendung gewohnt scharfsinnig und rhetorisch mitrei\u00dfend zur Kenntnis gebracht:<\/p>\n<p>Sehr geehrte ZAPP-Redaktion,<\/p>\n<p>als jemand der mediendidaktisch t\u00e4tig ist und hierdurch sowohl wissenschaftlich fundierte Medienkritik wie auch die eben nicht akademisch reflektierenden \u00c4u\u00dferungen der vielen emotional auf Medienkampagnen reagierenden Zuschauer kennt, habe ich mit gro\u00dfem Interesse Ihren erneuten ZAPP-Beitrag vom 17. Februar 2016 angeschaut \u2013 und war, wie inzwischen \u00fcblich, entt\u00e4uscht. Statt einer wirklich analytischen Untersuchung der Ursachen des Publikumsunmuts, die auch entsprechende wissenschaftliche Befunde zur Kenntnis nimmt, wurde hier wieder einmal, unter Eingest\u00e4ndnis vereinzelter handwerklicher und pers\u00f6nlicher Fehler im Detail, der wesentliche Grund des weit verbreiteten Protests nur aufseiten der Zuschauer verortet, denen \u2013 durch Einspielen \u00e4u\u00dferst selektiver und leicht zu diskreditierender Einzelstimmen \u2013 entweder politische Unbedarftheit, eine extremistische politische Grund\u00fcberzeugung oder die N\u00e4he zu obskuren \u201eVerschw\u00f6rungstheorien\u201c attestiert wurden.<\/p>\n<p>Und dabei ist der Grundbefund der Diskrepanz zwischen etablierten Medien (inklusive \u00d6F) und der Stimmung der Bev\u00f6lkerungsmehrheit nicht nur mit H\u00e4nden zu greifen, sondern auch in gro\u00dfen Teilen der Wissenschaft nicht ansatzweise umstritten: Die seit der breit diskutierten Ver\u00f6ffentlichung von Thomas Piketty (\u201eDas Kapital im 21. Jahrhundert\u201c) in der \u00d6ffentlichkeit bewusste extreme sozio\u00f6konomische Asymmetrie, die mit der von Colin Crouch unter dem Begriff der \u201ePostdemokratie\u201c diagnostizierten Homogenisierung der politischen Agenda (die einen allgemeinen sozio-\u00f6konomischen Rechtsschub der Eliten durch ein links angehauchtes rhetorisches Decorum kaschiert) einherging, bildet sich in der Ausrichtung von Medien, die entweder von zunehmend monopolisierten Medienkonzernen oder ihnen durch lobbyistische Netzwerke verbundenen Parteien abh\u00e4ngen, vollst\u00e4ndig ab.<\/p>\n<p>In den kampagnenartigen Kernnarrativen, die sich aus der Summe der medialen Beitr\u00e4ge ergeben, operiert auch der \u00f6ffentliche Rundfunk ganz offensichtlich nach der Devise: \u201eWes Brot ich ess, des Lied ich sing.\u201c Dieses Lied jedoch ist an allen Fronten eine Aufk\u00fcndigung des Grundkonsensus\u2018, der die bundesdeutsche Sozialdemokratie von 1949- 1989 auszeichnete: Dies betrifft ebenso die Sozialpolitik wie die Ersetzung der Friedens- durch eine unverantwortliche Kriegspolitik wie auch die Aufk\u00fcndigung des Grundrechtschutzes durch Total\u00fcberwachung und das Eindringen der betriebswirtschaftlichen Logik in alle Lebensbereiche.<\/p>\n<p>In dem Protest dagegen nur die rechtspopulistischen Stimmen und die angebliche \u201e5. Kolonne der russischen Regierung\u201c zu sehen, ist einfach eine Ungeheuerlichkeit und der unverfrorene Versuch einer demagogischen Publikumsbeschimpfung. (Ist Ihnen noch nie in den Sinn gekommen, dass zum Beispiel der Protest gegen die konfrontative Russlandberichterstattung nach zwei Weltkriegen einfach der beRECHTigten KRIEGSANGST  der Menschen entspringt? Dass dem Publikum vern\u00fcnftigerweise mehr als nur flau wird, wenn in Bezug gerade auf dieses Land Journalisten alleine durch ihr \u201eWording\u201c eine unverst\u00e4ndliche L\u00fcsternheit zeigen, propagandistisch zur Kanone zu greifen? So mancher hat einen Gro\u00dfvater gehabt, der im Kessel von Stalingrad steckte, und h\u00e4lt es deshalb f\u00fcr unglaublich, dass Medienvertreter einen Ton anschlagen, der Unsicherheit dar\u00fcber aufkommen l\u00e4sst, ob nicht erneut Schlafwandler zu einer Wiederholung des Hasardeurspiels voranspreschen \u2013 und dies im Zeitalter nuklearer Bewaffnung?)<\/p>\n<p>Das Publikum, das eben mehrheitlich den sozio\u00f6konomischen Rechtsruck des Neoliberalismus nicht mitvollzogen hat, wehrt sich dagegen, durch Geb\u00fchren die Propaganda einer Politik subventionieren zu sollen, die sich inzwischen weder seiner sozial\u00f6konomischen noch seiner blanken physischen Existenz verpflichtet f\u00fchlt. Und damit ist es tausendfach n\u00e4her am Rechtsbestand des Grundgesetzes als die medialen Blockfl\u00f6ten einer Politik, die sich gerne f\u00fcr eine Refugee-Welcome=Show feiern l\u00e4sst, aber keine Probleme damit hat, PR f\u00fcr eine Logik zu machen, die die Herkunftsl\u00e4nder der Fl\u00fcchtlinge in Schutt und Asche gelegt hat und dies fortzuf\u00fchren gedenkt. <\/p>\n<p>Wie viele diesen Zusammenhang durchaus differenziert zu begreifen versuchen, k\u00f6nnte Ihnen der unglaubliche Erfolg des folgenden Vortrags eines Professors der Universit\u00e4t Kiel auf Youtube verdeutlichen:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\"  id=\"_ytid_41027\"  width=\"605\" height=\"340\"  data-origwidth=\"605\" data-origheight=\"340\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Rx5SZrOsb6M?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;disablekb=0&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  epyt-is-override  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><\/p>\n<p>Es w\u00e4re also langsam an der Zeit, die Deklassifizierungsattacken gegen das Publikum durch eine ernsthafte Ursachenanalyse zu ersetzen \u2013 wenn Sie nicht wollen, dass uns diese Gesellschaft noch um die Ohren fliegen wird.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen,<br \/>\nAnja B\u00f6ttcher<\/p>\n<p>Update: Auch die ehemalige Mitarbeiterin des kleinen RT-Ablegers &#8222;RTdeutsch&#8220; <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/marsili.cronberg\/posts\/1030975433635616\">Lea Frings musste nun erfahren<\/a>, wie beim NDR gearbeitet wird. ZAPP ist daf\u00fcr bekannt, dass O-T\u00f6ne aus dem Zusammenhang gerissen werden, um ein gew\u00fcnschtes Ergebnis zu erzielen. Dass allerdings ausgerechnet eine Sendung f\u00fcr derart unfaire Methoden genutzt wird, in deren Verlauf es um die &#8222;Vertrauenskrise der Medien&#8220; geht, hat Chuzpe. <\/p>\n<div style=\"float:left;margin-top: 20px;\"><span style=\"background-color:rgb(248,109,14);padding:30px;margin-left: 30px;\"><a style=\"color:white;font-size:20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<p><br style=\"clear:both;\" \/><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1138 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1138')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1138').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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