{"id":11467,"date":"2026-03-11T12:23:54","date_gmt":"2026-03-11T11:23:54","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=11467"},"modified":"2026-03-11T12:23:54","modified_gmt":"2026-03-11T11:23:54","slug":"iran-die-zeit-arbeitet-gegen-trump","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/iran-die-zeit-arbeitet-gegen-trump\/","title":{"rendered":"Iran &#8211; Die Zeit arbeitet gegen Trump"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die USA begr\u00fcnden ihren Angriff auf den Iran mit der Bedrohung, die von ihm ausgehen soll. Das entspricht weder den Tatsachen noch den Erkenntnissen der eigenen Geheimdienste. Was also will Trump und vor allem, wie will er wieder aus diesem Konflikt aussteigen k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p><em>Beitrag von R\u00fcdiger Rauls<\/em><\/p>\n<p><strong>Falsche Grundlagen<\/strong><\/p>\n<p>Aus den fast t\u00e4glich sich \u00e4ndernden Aussagen des amerikanischen Pr\u00e4sidenten zu Zielen und Dauer des Krieges entsteht ein Bild von Planlosigkeit. Zuerst wollte man das iranische Atomprogramm vernichten, dann kamen noch auch die Raketen hinzu, sp\u00e4ter sollte zus\u00e4tzlich ein Regimewechsel herbeigef\u00fchrt werden. Inzwischen geht es auch um die Vernichtung der iranischen Flotte. Eine klare Strategie ist daraus nicht zu erkennen. Nicht zuletzt aus den st\u00e4ndig wechselnden Zeitangaben entsteht der Eindruck eines kopflosen Losschlagens, und alles Weitere wird sich dann zeigen.<\/p>\n<p>Vermutlich glaubte\u00a0 man, den Venezuela-Einsatz wiederholen zu k\u00f6nnen, dass man anfangs nur drei bis vier Tagen f\u00fcr den Iran einplante. Jetzt ist immer \u00f6fter von vier bis f\u00fcnf Wochen die Rede, stellt aber auch einen k\u00fcrzerer Zeitraum in Aussicht wegen der angeblich schnellen Erfolge. Aber auch der Einsatz von Bodentruppen wurde nicht ausgeschlossen, wenngleich das aber den Beteuerungen widersprechen w\u00fcrde, keinen lang anhaltenden Krieg zu wollen.<\/p>\n<p>Dabei waren schon im Vorfeld die von Trump an die Wand gemalten Bedrohungen durch den Iran von den eigenen Geheimdiensten widerlegt worden. In Bezug auf das iranische Atomprogramm hatten diese wie auch die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) und die Atomaufsichtsbeh\u00f6rde der Vereinten Nationen erkl\u00e4rt, \u201edass der Iran sein Atomwaffenentwicklungsprogramm im Jahr 2003 eingestellt hat.\u201c(1)<\/p>\n<p>\u00c4hnlich sch\u00e4tzte die US Defense Intelligence Agency noch im Jahr 2025 die angeblichen Gefahren durch iranische Raketen ein, \u201ewonach der Iran bis 2035 ben\u00f6tigen k\u00f6nnte, um aus seinen bestehenden Satelliten-Startrampen eine milit\u00e4risch einsetzbare Interkontinentalrakete (ICBM) zu entwickeln.\u201c (<a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/aerospace-defense\/trump-iranian-missile-claim-unsupported-by-us-intelligence-say-sources-2026-02-27\/\">2<\/a>) Selbst wenn China und Nordkorea technische Unterst\u00fctzung leisten w\u00fcrden, so d\u00fcrfte das die Entwicklungszeit nicht wesentlich verk\u00fcrzen. Aber offensichtlich misstrauen Trump und Kriegsminister Hegseth den eigenen Geheimdiensten und glauben, es besser zu wissen.<\/p>\n<p>Auch die nachgeschobene Begr\u00fcndung, der Iran plante einen Erstschlag auf amerikanische St\u00fctzpunkte und Verb\u00fcndete in der Region, konnte von den Geheimdiensten nicht best\u00e4tigt werden. Am 1. M\u00e4rz, also am zweiten Tag des Krieges, r\u00e4umten Beamte der Trump-Regierung in Besprechungen mit Kongressmitarbeitern ein, \u201edass es keine Geheimdiensterkenntnisse gebe, die darauf hindeuteten, dass der Iran einen Erstschlag gegen US-Streitkr\u00e4fte plane\u201c.(3)<\/p>\n<p><strong>Ungereimtheiten<\/strong><\/p>\n<p>Neben all diesen widerlegten Behauptungen gibt es grunds\u00e4tzliche \u00dcberlegungen, die die iranische Bedrohung als h\u00f6chst fragw\u00fcrdig erscheinen lassen. W\u00e4hrend die USA \u00fcber etwa 5000 Atomsprengk\u00f6pfe verf\u00fcgen, hat der Iran bisher keinen einzigen. Dasselbe Missverh\u00e4ltnis besteht auch bei den strategischen Raketen, die das Territorium des jeweils anderen vom eigenen aus erreichen k\u00f6nnten. Die amerikanische Marine hat alleine zwei Flugzeugtr\u00e4ger in der Reichweite des Iran im Einsatz. Iran verf\u00fcgt nicht \u00fcber einen einzigen.<\/p>\n<p>Neben dieser waffentechnischen \u00dcberlegenheit besteht auch eine strategische. Denn w\u00e4hrend die USA einen Ring von St\u00fctzpunkten um den Iran gezogen haben, verf\u00fcgt das Mullah-Regime bisher \u00fcber keinen au\u00dferhalb des eigenen Landes. Wo soll da eine strategische Bedrohung bestehen, die die Existenz der USA gef\u00e4hrden k\u00f6nnte? Zudem sind die \u00c4u\u00dferungen des amerikanische Regierung insofern sehr widerspr\u00fcchlich, wenn im Sommer 2025 noch von Trump vollmundig behauptet wurde, dass mit dem Zw\u00f6lf-Tage-Krieg das iranische Atomprogramm vollkommen vernichtet worden sei.<\/p>\n<p>Es stellt sich die Frage, inwiefern heute von diesem Programm wieder eine solche Gefahr ausgehen soll, dass sich die USA auf der anderen Seite des Ozeans davon existenziell bedroht f\u00fchlen. Entweder stimmten die damaligen Aussagen nicht oder die heutigen. In beiden F\u00e4llen m\u00fcssen die Erkl\u00e4rungen aus Washington mit \u00e4u\u00dferster Vorsicht in Bezug auf ihren Wahrheitsgehalt aufgenommen werden. Solche Widerspr\u00fcche aber scheinen die Meinungsmacher nicht nachdenklich zu stimmen.<\/p>\n<p>Doch die Staaten des politischen Westens haben sich von\u00a0 ihrer eigenen Propaganda einer iranischen Bedrohung derma\u00dfen selbst ins Bockshorn jagen lassen, dass sie diese Widerspr\u00fcche nicht mehr sehen oder nicht wahrhaben wollen. Dar\u00fcber hinaus aber d\u00fcrften vermutlich auch noch andere Interessen vorliegen, dass man an einer Sichtweise festh\u00e4lt, die keinerlei Grundlage hat.<\/p>\n<p><strong>Unentschieden<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Angriff auf den Iran hat man nach Venezuela den n\u00e4chsten gro\u00dfen \u00d6lf\u00f6rderer ins Visier genommen. Ist er erst einmal in irgendeiner Form unter Kontrolle, kommt man in der Kontrolle der \u00d6lm\u00e4rkte insgesamt einen guten Schritt voran. Doch der Iran ist nicht Venezuela, wenn er auch milit\u00e4risch den USA nicht gewachsen ist. Es sieht so aus, als teile\u00a0 er sich seine Kr\u00e4fte gut ein und spiele auf Zeit. Denn sie ist im Moment sein einziger strategischer Vorteil gegen\u00fcber den USA. Zwar beantwortet er die Schl\u00e4ge der Israelis und Amerikaner, eskaliert aber nicht zus\u00e4tzlich. Es ist Trump, von dem schnelle Ergebnisse erwartet werden: ein schnelles Ende des Krieges und m\u00f6glichst auch ein schneller Sieg.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich will auch der Iran ein Ende der K\u00e4mpfe \u2013 je schneller um so lieber. Doch aufgrund der eigenen Unterlegenheit kann er den Kriegsverlauf nicht beschleunigen au\u00dfer durch die eigene Kapitulation. Dazu aber scheint im Moment noch kein Grund zu bestehen, denn der Iran verf\u00fcgt \u00fcber einen Trumpf: Hyperschallraketen. Diese sollen nach einer Meldung von \u201eThe Sunday Guardian\u201c vom 1.3.2026 gegen amerikanische Streitkr\u00e4fte bereits eingesetzt worden sein soll. Damit habe Teheran signalisiert, \u201ebereit zu sein, seine modernsten strategischen Waffen einzusetzen.\u201c\u00a0(4)<\/p>\n<p>Ob es sich um eine Reaktion der Amerikaner auf diesen Einsatz handelt, dass am 2.3.2026 kaum \u00fcber neue Angriffe auf Ziele im Iran berichtet wurde? Noch am 28. Februar, hatten die USA und Israel nach eigenen Angaben deren etwa 1400 geflogen. Bisher haben weder der Iran noch die amerikanische F\u00fchrung den Angriff durch eine Fattah-Hyperschallwaffe best\u00e4tigt. Teheran hat immer nur auf diese Waffen hingewiesen und sie als Drohung gegen\u00fcber den USA ins Spiel gebracht.<\/p>\n<p>Vielleicht hat deshalb der amerikanische Pr\u00e4sident am 1. M\u00e4rz \u00fcberraschend erkl\u00e4rt, dass der Iran um neue Verhandlungstermine bei ihm nachgesucht habe, und er bereit sei, mit ihnen zu reden. Doch am\u00a0 2. M\u00e4rz machte die neue F\u00fchrung unter Ali Larijani postwendend deutlich, dass sie weder um solche Termine nachgesucht habe, noch sei sie zu Gespr\u00e4chen mit den USA bereit. Diese Wendung ist insofern auff\u00e4llig, da auch die Kampfhandlungen deutlich nachgelassen haben, zumindest was die Anzahl der Meldungen in den Medien angeht. Wirkt da die Drohung mit Hyperschallraketen?<\/p>\n<p>Druck auf Trump kommt auch aus den USA und dem eigenen MAGA-Lager. Hier w\u00e4chst der Unmut \u00fcber die verpulverten Milliarden f\u00fcr die Kriege seit Beginn des Jahres, w\u00e4hrend der Ruf\u00a0 nach der Verbesserung der Lebensbedingungen im eigenen Land immer lauter wird. Zudem gibt es inzwischen\u00a0 auch Tote unter den US-Soldaten zu beklagen. Im November stehen Wahlen zum Kongress an, die \u00fcber die weitere Handlungsf\u00e4higkeit des Pr\u00e4sidenten entscheiden. Betont er deshalb so oft, dass es sich um einen Einsatz von wenigen Wochen handeln soll, nicht um einen lange andauernden Krieg?<\/p>\n<p><strong>Ungedeckte Rechnungen<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong>Noch k\u00f6nnen nur Vermutungen zur Entwicklung dieses Krieges angestellt werden. Aber vieles deutet darauf hin, dass Trump sich das alles leichter vorgestellt hatte.\u00a0 Das wurde bereits deutlich an seiner \u00dcberraschung und Entt\u00e4uschung dar\u00fcber, dass der Iran sich nicht kampflos geschlagen gab angesichts des milit\u00e4rischen Aufgebots vor seiner K\u00fcste. Den Regimewechsel, den eigentlich er selbst hatte herbeif\u00fchren wollen, legte Trump dann auch sehr schnell in die H\u00e4nde der Opposition. Er forderte das iranische Volk auf, f\u00fcr seine Freiheit einzutreten, die USA h\u00e4tten das Ihre dazu getan. Dieser Plan ist bisher nicht aufgegangen. Der schnelle Fall des Regime schlug fehl.<\/p>\n<p>Die westlichen Medien haben sich ein Bild von der Opposition gezeichnet, das sie selbst gerne geglaubt haben, das aber nicht den wirklichen Verh\u00e4ltnissen entspricht. Sie kann nicht als geeinte Kraft angesehen werden, die ein Kr\u00e4ftemessen mit dem Staat und seinen Sicherheitsorganen aufnehmen k\u00f6nnte. Nach der blutigen Niederschlagung der Proteste im Januar d\u00fcrfte sie zus\u00e4tzlich geschw\u00e4cht sein. Ob sie Trumps Zusicherungen weiterhin vertraut, d\u00fcrfte fraglich sein, blau\u00e4ugig w\u00e4re es in jedem Fall.<\/p>\n<p>Denn auf dem H\u00f6hepunkt der Auseinandersetzungen hatte er die zugesagte Hilfe zur\u00fcckgezogen. Anscheinend hatte er andere Pl\u00e4ne. Mit diesem R\u00fcckzieher hatte Trump aber auch selbst alle Tr\u00fcmpfe f\u00fcr einen Regimewechsel aus der Hand gegeben, wenn diese Gelegenheit denn wirklich bestanden haben sollte. Nun, wo alles zu sp\u00e4t ist, schickt er das Milit\u00e4r. Wenn er in dieser Situation die iranische F\u00fchrung aufruft, sich zu ergeben, dann wirft das einen Blick von unglaublichem politischem Unverm\u00f6gen und Wirklichkeitsferne auf den amerikanischen Pr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p>Denn wem soll sich diese F\u00fchrung nach Trumps Vorstellung ergeben? Eine ernst zu nehmende, weil geeinte und organisierte Opposition ist nicht zu erkennen, die in der Lage w\u00e4re, die Macht gegen den noch weitgehend intakten Staat zu \u00fcbernehmen. Und Trump selbst? Er ist weit weg im sicheren Washington jenseits des Ozeans oder auf seinem Goldplatz im warmen Florida. Seine Truppen haben zum Teil die St\u00fctzpunkte verlassen aus Vorsicht vor iranischen Angriffen, und schon gar nicht stehen sie im Iran selbst, um die Kapitulation entgegen zu nehmen.<\/p>\n<p>Trump scheint sich Kapitulationen vorzustellen wie die Wochenschauberichte aus dem Deutschland und Japan von 1945.\u00a0 Doch im Moment ist der Iran von diesem Zustand noch weit entfernt, Staat und Armee sind weitgehend intakt. Israel scheint verst\u00e4rkt wieder den Libanon und die Hisbollah ins Visier zu nehmen, und wer wei\u00df, wie lange Trump noch in seiner Ungeduld und Sprunghaftigkeit dem zunehmenden Druck standh\u00e4lt? Keiner kann vorher sagen, welche Entwicklung dieser Krieg nimmt \u2013 au\u00dfer nat\u00fcrlich den unvermeidlichen Experten der westlichen Nachrichtenformate.<\/p>\n<p>(1, 2, 3) <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/business\/aerospace-defense\/trump-iranian-missile-claim-unsupported-by-us-intelligence-say-sources-2026-02-27\/\">Reuters 27.2.2026 Trumps Behauptung \u00fcber iranische Raketen wird laut US-Geheimdiensten nicht gest\u00fctzt, so Quellen.<\/a><\/p>\n<p>(4) <a href=\"https:\/\/sundayguardianlive.com\/world\/fattah-2-hypersonic-missile-used-for-the-first-time-against-us-forces-irans-advanced-weapon-escalates-middle-east-conflict-173339\/?utm_source=chatgpt.com\">Guardian 1.3.2026 Fattah-2-Hyperschallrakete erstmals gegen US-Streitkr\u00e4fte eingesetzt? Irans hochentwickelte Waffe versch\u00e4rft den Nahostkonflikt.<\/a><\/p>\n<p>Bildquelle: Screenshot Netzfund<\/p>\n<p>R\u00fcdiger Rauls ist Reprofotograf und Buchautor. Er betreibt den Blog Politische Analyse<\/p>\n<p><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_11467 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_11467')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_11467').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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