{"id":1162,"date":"2016-02-24T11:37:05","date_gmt":"2016-02-24T10:37:05","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=1162"},"modified":"2016-02-24T12:41:53","modified_gmt":"2016-02-24T11:41:53","slug":"selbstwertgefuehl-zu-marktpreisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/selbstwertgefuehl-zu-marktpreisen\/","title":{"rendered":"Selbstwertgef\u00fchl zu Marktpreisen"},"content":{"rendered":"<p>Bildquelle: ndr.de<\/p>\n<p><strong>Selbstwertgef\u00fchl zu Marktpreisen<\/strong><\/p>\n<p>\u00bb86 Prozent der Menschen im Norden halten den NDR f\u00fcr glaubw\u00fcrdig. Dies ergab eine repr\u00e4sentative <a href=\"http:\/\/images.google.de\/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fwww.ndr.de%2Fnachrichten%2Fndr6269_v-contentxl.jpg&#038;imgrefurl=http%3A%2F%2Fwww.ndr.de%2Fder_ndr%2Fdaten_und_fakten%2FWie-bewerten-die-Norddeutschen-den-NDR%2Cndrdaten151.html&#038;h=600&#038;w=1067&#038;tbnid=AsN8zbGFKRHnmM%3A&#038;docid=h87UmGH-Dmc9zM&#038;ei=Y4bNVvaFMuKd6AS6zoSYCw&#038;tbm=isch&#038;iact=rc&#038;uact=3&#038;dur=2741&#038;page=1&#038;start=0&#038;ndsp=25&#038;ved=0ahUKEwi2w4L_mJDLAhXiDpoKHTonAbMQrQMIIzAC\">Umfrage des Instituts TNS im Auftrag des NDR<\/a>\u00ab, berichtet das Internetportal www.meedia.de. Ein dreifach \u00bbHoch!\u00ab auf den NDR! Und weiter im Meedia-Text: \u00bbBei der Bewertung der Sachkunde von Reportern und Korrespondenten gab es allerdings einen Verlust: Hier sinkt der Wert um neun Prozentpunkte von 86 auf 77 Prozent.\u00ab Meedia l\u00e4sst den NDR-Intendanten Lutz Marmor trotzdem sich selbst beweihr\u00e4uchern: \u00bb86 Prozent Zustimmung f\u00fcr den NDR in dieser Kategorie sind ein Spitzenwert.\u00ab<\/p>\n<p>Meedia berichtet nicht, was sich hinter dem K\u00fcrzel TNS verbirgt: Der Laden geh\u00f6rt zur WPP Group, einem weltumspannenden Konzern von Medien- und Reklame-Unternehmen, verschachtelt in viele Geschwister-, Tochter- und Enkelunternehmen; Vettern und Basen nicht zu vergessen. TNS sitzt in Hamburg, ist eine deutsche Enkeltochtergesellschaft der britischen Kantar Group, der Marktforschungs-Sparte der WPP Group \u2013 oder wie sonst man ein solches Konstrukt zur Steuervermeidung und Profitsteigerung bezeichnen soll; man h\u00e4tte nur gern gewusst, an wen denn nun eigentlich Rundfunk-Pflichtbeitr\u00e4ge f\u00fcr den hier so erfolgreichen Intendanten-Akt einer \u00f6ffentlichen Selbstbeweihr\u00e4ucherung verjuxt werden.<\/p>\n<p>TNS erf\u00fcllte die Erwartungen seines Auftraggebers, des Intendanten Marmor, mit der Vorlage prachtvoller demoskopischer Daten. Die hatte er auch n\u00f6tig. Denn das medienkritisches NDR-Magazin \u00bbZapp!\u00ab hatte 2015 zu Jahresbeginn vermeldet, von tausend Befragten h\u00e4tten 69 Prozent wenig oder gar kein Vertrauen mehr in die Medien \u2013 und damit auch keins mehr in den NDR. 63 Prozent gaben an, besonders wenig oder kein Vertrauen in die Ukraine-Berichterstattung hierzulande zu haben. Das geht nun mal eindeutig gegen ARD-aktuell, eine Hauptabteilung des NDR.<\/p>\n<p>Und jetzt: Ein Wunder im n\u00fcchternen Norden, die vollkommene Trendumkehr?<\/p>\n<p>Im Auftrag der \u00bbZapp\u00ab-Redaktion \u2013 also nicht des NDR-Intendanten, der wusste davon vorher vermutlich gar nichts \u2013 hatte Infratest Dimap (Berlin) die vorherigen, wesentlich kritischeren Zahlen ermittelt. Infratest Dimap geh\u00f6rt auch zur Kantar Group. Die beiden Konzerngeschwister haben nun nicht etwa vers\u00e4umt, ihre Befragungsergebnisse auszutauschen und die Statistiken abzugleichen. Nein. Sie erhoben ihre Daten zu unterschiedlichen Zeiten und folgten dabei den unterschiedlichen Vorgaben unterschiedlicher Auftraggeber. Die Ergebnisse von Infratest Dimap (Berlin) wurmten genug, um eine weitere, dem Selbstwertgef\u00fchl des Intendanten und seiner F\u00fchrungsriege dienlichere Umfrage zu bestellen. Beim gleichen Konzern, aber bei einer anderen Tochter, die dem NDR seit einem Jahrzehnt innig gewogen ist: eben TNS Infratest (Hamburg). Von einer prima Gesch\u00e4ftsbeziehung w\u00e4re da zu berichten &#8230;<\/p>\n<p>Infratest Dimap (Berlin) hatte auch die speziellen Ablehnungsgr\u00fcnde der Rundfunk-Kundschaft (also auch des NDR-Publikums) herausbekommen: So halten 31 Prozent die Berichterstattung zum Thema Ukraine f\u00fcr \u00bbeinseitig\u00ab, weitere 18 Prozent sprechen von einer \u00bbbewussten Fehlinformation\u00ab und neun Prozent halten die Medienberichterstattung zum Thema sogar f\u00fcr \u00bbgesteuert\u00ab. Diese drei Punkte wurden in der Abfrage von Gr\u00fcnden f\u00fcr das Misstrauen am h\u00e4ufigsten genannt. TNS Infratest (Hamburg) blieb diesbez\u00fcglich erkenntnisfrei.<\/p>\n<p>Der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk, einst eine S\u00e4ule der b\u00fcrgerlichen Demokratie, verspielt seine Glaubw\u00fcrdigkeit als Gral realit\u00e4tsgerechter Information. Zugunsten transatlantischer Gefolgschaftstreue und entgegen den vitalen deutschen und europ\u00e4ischen Interessen. Mittlerweile hagelt es Programmbeschwerden beim NDR, vorzugsweise gegen dessen Hauptabteilung ARD-aktuell. Hauptbeschwerdegrund ist die russophobe, kriegstreiberische und regierungskonformistische Arbeit von \u00bbTagesschau\u00ab, \u00bbTagesthemen\u00ab und tagesschau.de. Zunahme an Beschwerden, Verlust an Image: Das kann auf Dauer auch einen Spitzenmanager vom Schlage Lutz Marmors verunsichern, trotz dessen sicheren und mit 30.000 Euro monatlich weit \u00fcberbezahlten Jobs. Wer seiner eigenen Sache nicht mehr trauen darf, kauft sich, das ist halt so im Kapitalismus, Best\u00e4tigung, formbare und interpretierbare Marktdaten.<\/p>\n<p>Wollte ein Intendant sich ernsthaft mit dem Problem \u00bbVertrauensverlust\u00ab auseinandersetzen, w\u00e4re kritische Selbstbefragung anzuraten. Beispielsweise dann, wenn jeder Dritte der Ansicht ist, \u00fcber den Ukrainekonflikt werde einseitig informiert. K\u00f6nnen diese vom Glauben Abgefallenen wirklich allesamt Opfer russischer Propaganda sein? Die Chefredaktionen reagieren dagegen auf Publikumskritik entweder frech wie Oskar (alias Kai Gniffke von der Hohen Pforte der ARD-aktuell) oder ausweichend. In auff\u00e4lliger Eintracht betonten deren Sprecher zwar, dass man \u00bbFehler einr\u00e4ume\u00ab, wenn man denn einmal welche mache. \u00bbAber ein Fehler ist keine absichtliche Falschinformation, Fehler passieren. Nicht nur bei uns, sondern bei allen Qualit\u00e4tsmedien\u00ab (ARD). Entz\u00fcckend, welch hohe Meinung die Herrschaften \u00fcber sich selbst zum Besten geben. Als h\u00e4tten sie noch nie von der Atlantikbr\u00fccke geh\u00f6rt und w\u00fcssten nicht, dass ihre Moderatoren und Korrespondenten den letzten Schliff plus ausreichende Mengen Schmierfett in den USA erhielten, ehe sie aufs deutsche Publikum losgelassen werden, nunmehr gebleckte Z\u00e4hne zeigend wie Thomas Roth.<\/p>\n<p>Reden wir Tacheles \u00fcber Befragungsdaten, die man selbst f\u00e4lschen muss, um sie glaubhaft und werbewirksam in die Weltgeschichte pusten zu k\u00f6nnen. Es kommt zuerst auf die Formulierung einer Frage an, wie sie dem Befragten telefonisch serviert und intoniert wird; das beeinflusst das Ergebnis von Telefonumfragen entscheidend. Dazu kommt eine bedenkliche Abh\u00e4ngigkeit: Der NDR ist seit zehn Jahren ein vorz\u00fcglich zahlender Dauerkunde der privaten Hamburger Firma TNS Infratest. F\u00fcr solche Kunden wird wunschgem\u00e4\u00df geliefert. Was dachten Sie denn?<\/p>\n<p>Weit mehr als irgendwelche Prozentzahlen von Telefonbefragten sagen konkret gemessene Marktanteile \u00fcber die Glaubw\u00fcrdigkeit aus. Das Programm NDR hat verloren, sein Marktanteil ist innerhalb eines Jahres von 8,1 Prozent auf 7,8 Prozent gesunken. Das hei\u00dft konkret: Bei einer marktweit relativ hohen durchschnittlichen Einschaltquote (auf deren Basis werden die Marktanteile berechnet) hat Herrn Marmors NDR heute ungef\u00e4hr so viel Zuschauer wie Hannover Einwohner: 500.000. Ein Klacks, wenn man bedenkt, dass die Reichweite des NDR die Grenzen Deutschlands \u00fcberschreitet und allein in seinem ureigenen Sendegebiet, den vier Staatsvertragsl\u00e4ndern Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Niedersachsen, 14 Millionen Menschen leben. Und aus diesen 500.000 Einschaltern und Gewohnheitsguckern, aus diesen 28 Prozent der Pflichtzahler, werden diejenigen ausgew\u00e4hlt, die ab und an mit mehr oder weniger suggestiven Befragungen beehrt werden.<\/p>\n<p>Ein Beitrag von Volker Br\u00e4utigam<br \/>\nErschienen in Ossietzky 4\/2016<\/p>\n<div style=\"float:left;margin-top: 20px;\"><span style=\"background-color:rgb(248,109,14);padding:30px;margin-left: 30px;\"><a style=\"color:white;font-size:20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<p><br style=\"clear:both;\" \/><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1162 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1162')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1162').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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