{"id":12594,"date":"2026-08-21T09:15:27","date_gmt":"2026-08-21T08:15:27","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=12594"},"modified":"2026-08-21T09:17:50","modified_gmt":"2026-08-21T08:17:50","slug":"ard-und-zdf-mir-reichts-ich-schreibe-programmbeschwerden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/ard-und-zdf-mir-reichts-ich-schreibe-programmbeschwerden\/","title":{"rendered":"ARD und ZDF: Mir reichts! Ich schreibe Programmbeschwerden!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wer die fast st\u00fcndlichen Nachrichtensendungen der \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten schaut, auch \u201eMorgenmagazin\u201c, \u201eKontraste\u201c, <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/vorwurf-der-verzerrung-ukrainerin-attackiert-ard-wegen-polen-bericht-10027933\">\u201eWeltspiegel\u201c<\/a> und wie sie alle hei\u00dfen, der kommt aus dem Schreiben von Programmbeschwerden gar nicht mehr heraus. Doch es bringt scheinbar nichts, obwohl es mich viel Zeit und M\u00fche kostet, diese Sendungen zu schauen, zu analysieren und schlie\u00dflich eine Beschwerde sachlich und fundiert zu schreiben.<\/strong><\/p>\n<p>Warum mache ich das? Mir ist die Berichterstattung in letzter Zeit oft zu einseitig, wichtige Fakten werden nicht genannt. Besonders wichtig ist mir das Thema Krieg, denn ich m\u00f6chte, dass der Frieden in diesem Land erhalten bleibt. Von Kriegsert\u00fcchtigung halte ich gar nichts.<\/p>\n<p>Die Antworten auf meine Programmbeschwerden sind in der Regel immer in wenige Abs\u00e4tze aufgegliedert nach Schema F. Der Beantworter\u00a0\u2013 meist jemand aus der Chefetage von <a href=\"https:\/\/ostdeutscheallgemeine.com\/article\/ard-zdf-verfassungsbeschwerde-rundfunkbeitrag-10124644\">ZDF, ARD und ihren Programmen<\/a>\u00a0\u2013 bedankt sich zun\u00e4chst f\u00fcr mein Schreiben, dann wiederholt er zun\u00e4chst den Inhalt und die Kritik meiner Programmbeschwerde.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich erfolgt eine Art Einordnung, zum Beispiel des historischen Hintergrunds, gefolgt von einer Aufz\u00e4hlung, warum der Sender oder das Programm bzw. der oder die Journalistin seine Sendung so und nicht anders aufgebaut hat, nur ein Schwerpunkt genannt werden konnte und andere Sendungen oder G\u00e4ste diese eine Meinung relativieren, wodurch Vielfalt und Meinungsfreiheit ja gewahrt seien.<\/p>\n<h2 class=\"text-black pt-4 text-xl leading-[30px] font-bold font-roboto\">Auch die Zuschauer sind in der Pflicht<\/h2>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">In der Folge gibt man mir irgendwie recht, best\u00e4tigt, dass meine Kritik berechtigt sei. Doch die Schlussfolgerung lautet dennoch oft: \u201eNach eingehender Pr\u00fcfung k\u00f6nnen wir daher keinen Versto\u00df gegen den \u00f6ffentlich-rechtlichen Programmauftrag feststellen. Ihre Programmbeschwerde weisen wir aus diesem Grund zur\u00fcck.\u201c Allerdings bedankt man sich f\u00fcr mein Interesse und hofft, dass ich weiterhin interessierte Zuschauerin bleibe.<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">Das bleibe ich, denn nicht nur die Medien sind als vierte Gewalt W\u00e4chter \u00fcber Politik und Politiker, sondern auch wir Zuschauer sind in der Pflicht, wiederum den Journalistinnen und Journalisten auf die Finger zu schauen, ob sie ihrer Verantwortung f\u00fcr eine sachliche, neutrale Berichterstattung gerecht werden im Sinne des Grundgesetzes und der Meinungsfreiheit. Auch Gabriele Krone-Schmalz, die fr\u00fchere Russland-Korrespondentin f\u00fcr die ARD, hat vor dem Hintergrund der aktuellen Russland-Berichterstattung in den \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien dazu ermutigt.<\/p>\n<h2 class=\"text-black pt-4 text-xl leading-[30px] font-bold font-roboto\">Immer mehr Programmbeschwerden<\/h2>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">So bin ich offensichtlich nicht nur ich eine Beschwerdef\u00fchrerin. Laut einer Erhebung des Formates \u201e@mediasres\u201c vom Deutschlandfunk habe sich die Zahl der <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/article\/programmbeschwerden-bei-ard-zdf-und-deutschlandradio-viermal-so-viele-wie-im-vorjahr-10230505\">Programmbeschwerden von 1100 im Jahr 2024 auf rund 5000 im Jahr 2025 erh\u00f6ht<\/a>. Auch die Berliner Zeitung berichtete k\u00fcrzlich dar\u00fcber. Allerdings sei aus der Sicht der zust\u00e4ndigen Gremien f\u00fcr Programmbeschwerden nur eine einzige der Beschwerden berechtigt gewesen. Nun, das entspricht genau meiner Erfahrung mit diesen Gremien, die meine Beschwerden kontinuierlich abweisen oder zur Bearbeitung an die Chefetagen weiterreichen. Ich selbst halte nat\u00fcrlich jede meiner Programmbeschwerden f\u00fcr berechtigt.<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">F\u00f6rmlich geplatzt ist mir der Kragen in der Sendung \u201eheute-live\u201c des ZDF vom 17. Juni 2026, als der Milit\u00e4r\u00f6konom Marcus Keupp im Gespr\u00e4ch mit dem ZDF-Moderator erkl\u00e4rte: \u201eLustig auch die Russen, die gerade noch weglaufen, bevor die Drohne einschl\u00e4gt!\u201c Vielleicht k\u00f6nnen sich viele Zuschauer noch an die gezeigten Bilder w\u00e4hrend dieses Kommentars von Milit\u00e4r\u00f6konom Keupp erinnern. Auf dem Bildschirm waren ein Milit\u00e4r-Lkw und zwei M\u00e4nner zu sehen, bevor eine Explosion erfolgte. Vermutlich waren die beiden M\u00e4nner tot oder schwer verletzt, was f\u00fcr Marcus Keupp ein Grund zur Belustigung war. Warum? Nun, weil es Russen waren.<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">Eine ZDF-Chefin vom Dienst antwortete mir lediglich dies: \u201eMilit\u00e4r\u00f6konom Keupp hat bei ZDFheute live die aktuellen Entwicklungen im Iran- und Ukraine-Krieg analysiert. Dabei erl\u00e4uterte er unter anderem, wie sich die ukrainische Kriegsf\u00fchrung ver\u00e4ndert hat und welche Bedeutung Drohnenangriffe gegen russische milit\u00e4rische Ziele haben. Die Formulierung fiel in einer Live-Gespr\u00e4chssituation im Rahmen einer l\u00e4ngeren fachlichen Einordnung konkreter Kampfhandlungen. Das ZDF sucht Experten nach Kompetenz und Fachkenntnis aus. Einfluss auf konkrete Formulierungen nimmt das ZDF nicht und macht sich diese auch nicht zu eigen.\u201c Aber: Man habe die Problematik in der Redaktion \u201enachbesprochen\u201c.<\/p>\n<h2 class=\"text-black pt-4 text-xl leading-[30px] font-bold font-roboto\">Kein Wort \u00fcber die Gr\u00e4ueltaten der UPA<\/h2>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">Ein paar Tage sp\u00e4ter, n\u00e4mlich am 20. Juni 2026, gab es im ZDF-\u201eheute journal\u201c eine Berichterstattung \u00fcber die Zur\u00fccknahme des Ordens \u201eWei\u00dfer Adler\u201c, den Polen dem <a href=\"https:\/\/ostdeutscheallgemeine.com\/article\/angriffe-auf-ukraine-selenskyj-meldet-einsatz-nordkoreanischer-raketen-stahlwerk-getroffen-10283447\">ukrainischen Pr\u00e4sidenten Wolodymyr Selenskyj<\/a> \u00fcberreicht hatte, aber nach der Benennung einer ukrainischen Milit\u00e4reinheit nach dem Helden einer faschistischen UPA-Einheit aus dem Zweiten Weltkrieg wurde in Polen Widerstand laut. Nun will Polen den h\u00f6chsten Orden des Landes zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">In der ZDF-Sendung hie\u00df es zu der UPA-Einheit lediglich, sie sei in Polen negativ belegt. Kein Wort \u00fcber deren faschistische Vergangenheit, die Gr\u00e4ueltaten, die diese in Polen begangen hatte, \u00fcber die Kollaboration mit den deutschen Faschisten im Zweiten Weltkrieg. Doch die UPA war eine Einheit der Ukrainischen Nationalisten und verfolgte das Ziel eines \u201efreien ukrainischen Staates\u201c von faschistischem Charakter. In Polen, vor allem in Galizien und Wolynien, waren die UPA-Einheiten bei ethnischen S\u00e4uberungen beteiligt, bei denen sch\u00e4tzungsweise 100.000 Polen ermordet wurden.<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">Auch wegen dieser Sendung muss es viele Beschwerden gegeben haben, sodass man alle zu einer Sammelbeschwerde zusammenfasste, wie mir in Beantwortung meiner Programmbeschwerde mitgeteilt wurde. Es gebe eine Leitbeschwerde, hie\u00df es, auf deren Grundlage die Beschwerde schlie\u00dflich bearbeitet w\u00fcrde, so die Fernsehratsvorsitzende.<\/p>\n<h2 class=\"text-black pt-4 text-xl leading-[30px] font-bold font-roboto\">Ein Schelm, wer B\u00f6ses denkt<\/h2>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">Ein Link wurde hinterlegt, den ich mir nat\u00fcrlich anschaute und feststellte, dass die Leitbeschwerde zwar die von mir genannte Sendung betraf, jedoch ein v\u00f6llig anderes Thema behandelte. Also schrieb ich erneut eine Beschwerde zur Bearbeitung meiner urspr\u00fcnglichen Programmbeschwerde und verlangte eine gesonderte Beantwortung.<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">Jetzt vor wenigen Tagen, am 27. Juli, erhielt ich darauf eine Antwort und Ablehnung. \u201eBez\u00fcglich Ihrer Eingabe \u2026 m\u00f6chten wir Sie darauf hinweisen, dass neben der Leitbeschwerde \u2026 die Stellungnahme des Hauses zu den Beschwerdepunkten auf folgender Seite (Link) ver\u00f6ffentlicht wurde \u2026 Eine dar\u00fcber hinausgehende individuelle Bearbeitung Ihrer Programmbeschwerde ist im Rahmen dieses Verfahrens nicht m\u00f6glich.\u201c Was soll ich sagen: W\u00e4hrend es mir um ein Ukraine-Polen-Thema ging, wird in der Leitbeschwerde und deren Beantwortung das Thema Israel\u2013Iran behandelt.<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">Zuletzt ein Thema aus dem t\u00e4glichen Leben: das neue <a href=\"https:\/\/ostdeutscheallgemeine.com\/article\/rente-mit-63-hartefallregelung-10277219\">Rentenpaket<\/a>. Darum ging es in der ZDF-Sendung \u201eheute\u201c vom 23. Juni 2023 um 19 Uhr. Wulf Schmiese war damals als ZDF-Wirtschaftsexperte in die Sendung eingeladen. Dabei wurde er vom Moderator auch gefragt, warum nicht auch die Beamten k\u00fcnftig in die Rentenversicherung einzahlen sollen. Schmiese gab neben anderen Ausf\u00fchrungen zwei kurze Erkl\u00e4rungen: Er behauptete, Beamte k\u00f6nnten nicht einbezogen werden, da der Kostenaufwand zu gro\u00df sei, wenn sie in das Rentensystem eingegliedert w\u00fcrden. Weiterhin erkl\u00e4rte er, Beamte lebten l\u00e4nger, darum seien langfristig die Ausgaben f\u00fcr deren Rente h\u00f6her als die Einnahmen.<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">Ich traute meinen Ohren nicht. Wollte man uns Zuschauer veralbern? Sofort schrieb ich wieder einmal eine Programmbeschwerde. Die Antwort: Das Thema \u201eRentensystem und Beamte\u201c sei an diesem Tag gar nicht behandelt worden.<\/p>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">Diese Antwort wunderte mich, da es sich explizit um eine Nachfrage des Moderators an den Experten Schmiese handelte, die allerdings im Streaming-Portal inzwischen tats\u00e4chlich nicht mehr abrufbar ist. Moderator-Nachfrage und Experten-Antwort fehlen. Ein Schelm, wer B\u00f6ses denkt.<\/p>\n<h2 class=\"text-black pt-4 text-xl leading-[30px] font-bold font-roboto\">Sind Beschwerden letztlich sinnlos? Nein!<\/h2>\n<p class=\"text-black text-[17px] leading-7 font-normal font-merriweather\">Und noch etwas kann ich aus pers\u00f6nlicher Erfahrung zum Thema Programmbeschwerden berichten: Der Wortlaut der Antworten ist bei mehreren Adressaten bis auf Name und Ansprache fast identisch, obwohl es sich zwar um dasselbe Thema bei den \u201eEingaben\u201c handelt, aber die Fragestellungen verschieden sind. Das habe ich in einem Abgleich mit mir bekannten Beschwerdeschreibern eindeutig herausfinden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Mein Fazit: Programmbeschwerden werden durchaus beantwortet, sachlich, freundlich, aber heraus kommt dabei gar nichts. Nicht einmal habe ich erlebt oder davon geh\u00f6rt, dass eine solche Beschwerde wirklich Ver\u00e4nderungen bewirkt hat. Sind sie deswegen sinnlos? Nein, meine ich. Schweigen w\u00e4re der Fehler.<\/p>\n<p><em>Andrea-Yvonne M\u00fcller wuchs im th\u00fcringischen Gotha auf, machte ihr Abitur an der Kinder- und Jugendsportschule in Zella-Mehlis und studierte danach in Leipzig Journalistik. Sie arbeitete 34 Jahre bei der M\u00e4rkischen Allgemeinen Zeitung.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_12594 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_12594')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_12594').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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