{"id":1327,"date":"2016-04-24T12:29:25","date_gmt":"2016-04-24T11:29:25","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=1327"},"modified":"2016-04-24T15:04:40","modified_gmt":"2016-04-24T14:04:40","slug":"1327","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/1327\/","title":{"rendered":"Vergelt\u00b4s Gott"},"content":{"rendered":"<p><em>Bildquelle: MDR<\/em><\/p>\n<p><strong>Vergelt\u00b4s Gott<\/strong><\/p>\n<p>Beitrag von Volker Br\u00e4utigam<\/p>\n<p>Wie unfromm und respektlos! Maren M\u00fcller, Vorsitzende des Vereins \u201eSt\u00e4ndige Publikumskonferenz \u00f6ffentlich-rechtlicher Medien\u201c hatte schon vor Jahr und Tag wissen wollen, <a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/forum\/viewtopic.php?f=49&#038;t=200\">was die Fernseh-\u201eGottesdienste\u201c eigentlich kosten<\/a> und wer das bezahlt. Exaktes wei\u00df sie bis heute nicht, nur, wer f\u00fcr die vielen Millionen Euro aufkommt: der Geb\u00fchrenpflichtige. Ich zitiere weiter unten aus ihrer Korrespondenz. Die ist nicht mehr ganz frisch, aber nach wie vor aktuell. Der n\u00e4chste Schwall christlicher resp. j\u00fcdischer Esoterik steht bevor, Himmelfahrt und Pfingsten wird wieder geliefert, Ostern und Pessach waren gerade erst&#8230;<\/p>\n<p>Die \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, neun Landessender der ARD, das ZDF, Deutschlandfunk und Deutsche Welle, weisen gerne auf ihr breites Angebot \u00fcber Religion, Glauben und Ethik hin. Befreien diese Programme den \u2013 zahlenden! \u2013 Zuschauer\/Zuh\u00f6rer aus dessen \u201eUnverm\u00f6gen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines Anderen zu bedienen\u201c? Kaum. Das sapere aude! \u2013 Habe den Mut, dich auf die eigene Gr\u00fctze zu verlassen! \u2013, Wahlspruch unserer gro\u00dfen Aufkl\u00e4rung, ist l\u00e4ngst so vergessen wie diese.<\/p>\n<p>Nun werden die meisten der konfessionell ausgerichteten Sendungen \u2013 es sind hunderte pro Jahr \u2013 von den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten selbst redaktionell geplant, betreut und verantwortet, auch das erbauliche \u201eWort zum Sonntag\u201c zwischen Tagesthemen, Krimi oder Softporno. F\u00fcr \u201eVerk\u00fcndungssendungen\u201c gelten hingegen andere Regeln. Hier bestimmen die Kirchen allein. Maren M\u00fcller hatte wissen wollen, wieviele es pro Jahr so sind und wie hoch ihre Herstellungs- und \u00dcbertragungskosten.<\/p>\n<p>Genau sollte sie es nicht zu wissen kriegen. Der DLF verweigerte gleich konkrete Angaben. Der NDR, dazumal gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Anstalt f\u00fcr die ARD, antwortete vage: \u201e(&#8230;) Eine Erhebung aller von Ihnen angesprochenen Zahlen br\u00e4chte einen betr\u00e4chtlichen Aufwand mit sich. &#8230; Der Staatsvertrag \u00fcber den Norddeutschen Rundfunk verpflichtet den NDR, den Kirchen angemessene Sendezeit f\u00fcr Gottesdienste und andere Sendungen in seinen Programmen zur Verf\u00fcgung zu stellen. In \u00a7 15, Abs. 4 hei\u00dft es: \u201aF\u00fcr Inhalt und Gestaltung der Sendungen ist derjenige oder diejenige verantwortlich, dem oder der die Sendezeit zugebilligt worden ist.\u2019\u201c<\/p>\n<p>Das war Maren M\u00fcller bekannt, danach hatte sie gar nicht gefragt. Bietet der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk den Religionsgemeinschaften nicht weit mehr als nur die kostenlosen Sendezeiten?<\/p>\n<p>\u201eUnter der inhaltlichen Verantwortung der Kirchen produziert das NDR Fernsehen acht halbst\u00fcndige Gespr\u00e4chssendungen. Gottesdienste jeweils aus besonderem Anlass. F\u00fcr das ARD-Gemeinschaftsprogramm Das Erste produziert der NDR in der Regel drei Gottesdienste pro Jahr und das \u201aWort zum Sonntag\u2019.\u201c<\/p>\n<p>So so, er produziert drei Gottesdienste. Und wieviele weitere \u201eaus gegebenem Anlass?\u201c Wieviele produzieren die anderen ARD-Anstalten? Namens der Kirchen, aber ohne von denen daf\u00fcr bezahlt zu kriegen? Was kostet der Spa\u00df? Der NDR: \u201e&#8230;Die Produktionskosten &#8230; unterliegen starken Schwankungen &#8230; zwischen 30.000 und 65.000 Euro. Im Einzelfall kann eine \u00dcbertragung aber auch preiswerter oder teurer werden. &#8230;\u201c<\/p>\n<p>Preiswerter eher nicht. Im Durchschnitt, erfuhr Maren M\u00fcller sp\u00e4ter vom <a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/forum\/viewtopic.php?f=49&#038;t=126\">Mitteldeutschen Rundfunk, MDR<\/a>, kosten dessen \u201eVerk\u00fcndungssendungen\u201c sogar satte 130 000 Euro. Das ZDF hingegen schrieb: \u201e&#8230;Es handelt sich durchschnittlich um ca. 56 Gottesdienst\u00fcbertragungen pro Jahr. Die j\u00e4hrlichen Kosten (inkl. innerbetrieblicher Leistungen) von rund 3,3 Millionen Euro beispielsweise im Jahr 2013, werden aus dem Haushalt des ZDF getragen\u201c (sic!). Ob es weitere Kirchensendungen gibt, bei denen das ZDF kostenlos produziert und \u00fcbertr\u00e4gt, geht aus der Korrespondenz nicht hervor.<\/p>\n<p>Schleiertanz bietet auch der NDR. \u201eWie im NDR Staatsvertrag als gesetzlicher Grundlage geregelt, liegt die inhaltliche Verantwortung f\u00fcr Verk\u00fcndigungssendungen ausschlie\u00dflich bei der jeweils zust\u00e4ndigen Kirche, die fernsehgerechte Umsetzung in der Verantwortung des Senders. &#8230;\u201c Ach ja? Von \u201efernsehgerechter Umsetzung\u201c steht da kein Wort. Im gemeinschaftlichen Rundfunkstaatsvertrag der Bundesl\u00e4nder und in den einzelnen Rundfunkstaatsvertr\u00e4gen der L\u00e4nderanstalten steht ebensowenig, dass die Sender die Produktions- und \u00dcbertragungskosten zu tragen h\u00e4tten. Wie der NDR tut das ZDF nur so als ob: \u201eEine Handhabe, diese Kosten an die Kirchen zu \u00fcbertragen, sieht der ZDF-Staatsvertrag nicht vor&#8230;.\u201c<\/p>\n<p>Ja warum sollte er? Alle Staatsvertr\u00e4ge billigen den Religionsgemeinschaften lediglich Sendezeit f\u00fcr ihre \u201eVerk\u00fcndungen\u201c zu. Das bem\u00e4ntelt der MDR noch dreister als ZDF und NDR: Der \u201e&#8230;Staatsvertrag regelt eine solche Kostentragung nicht. Dies ist anders f\u00fcr die Veranstalter privaten Rundfunks, die gem\u00e4\u00df \u00a7 41 Absatz 1 Rundfunkstaatsvertrag einen gesetzlichen Anspruch auf die Erstattung ihrer Selbstkosten haben.\u201c Wie bitte? Nichts davon im ganzen \u00a7 41. Aber im \u00a7 42 hei\u00dft es: \u201eDen Evangelischen Kirchen, der Katholischen Kirche und den Ju\u0308dischen Gemeinden sind auf Wunsch angemessene Sendezeiten zur U\u0308bertragung religio\u0308ser Sendungen einzura\u0308umen; die Veranstalter ko\u0308nnen die Erstattung ihrer Selbstkosten verlangen.\u201c<\/p>\n<p>Das k\u00f6nnten \u201edie Veranstalter\u201c, die Anstalten des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks. Machen sie aber nicht. Legt man die ZDF-Angaben zugrunde und bedenkt, dass die ARD noch weit mehr unter kirchlicher Regie Produziertes bietet, dann bel\u00e4uft sich dieser gro\u00dfz\u00fcgige Verzicht auf mindestens acht Millionen Euro. Ein Heidengeld f\u00fcr religi\u00f6se Verk\u00fcndung.<\/p>\n<p>Maren M\u00fcller: \u201eWurden Kostenpr\u00fcfungen o. g. Gottesdienst\u00fcbertragungen sowie deren grunds\u00e4tzliche Rechtm\u00e4\u00dfigkeit von entsprechenden \u00fcbergeordneten Stellen (Rechnungsh\u00f6fe, Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs, KEF) vorgenommen?\u201c Nee. Die \u201eKommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs\u201c, KEF, befasse sich nicht mit den Verk\u00fcndungssendungen. Auch die Rechnungsh\u00f6fe pr\u00fcften diese \u201eEinzelposition\u201c nicht. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret.<\/p>\n<p>Erschienen in der Politikzeitschrift Ossietzky.<\/p>\n<div style=\"float:left;margin-top: 20px;\"><span style=\"background-color:rgb(248,109,14);padding:30px;margin-left: 30px;\"><a style=\"color:white;font-size:20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<p><br style=\"clear:both;\" \/><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1327 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1327')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1327').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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