{"id":1410,"date":"2016-05-21T10:20:30","date_gmt":"2016-05-21T09:20:30","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=1410"},"modified":"2016-05-23T20:12:50","modified_gmt":"2016-05-23T19:12:50","slug":"1410","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/1410\/","title":{"rendered":"Der Tag des Sieges"},"content":{"rendered":"<p><em>Bildquelle: Russisches Fernsehen<\/em><br \/>\n<em>Redaktion: Anja B\u00f6ttcher<\/em><\/p>\n<p>Es war zu erwarten, dass sich die (\u00f6ffentlich-rechtliche) &#8222;Berichterstattung&#8220; und Kommentierung anl\u00e4sslich der Moskauer Siegesparade zum des 71. Jahrestages des Sieges \u00fcber Nazideutschland, wieder auf gewohnt unterirdischem Niveau bewegen w\u00fcrde. Dass sich Redakteure (das Wort &#8222;Journalist&#8220; will mir hier nicht \u00fcber die Tasten) finden w\u00fcrden, die entgegen der Geschichtsschreibung und der <a href=\"http:\/\/www.swr.de\/-\/id=12673462\/property=download\/nid=7687068\/l3e12x\/staatsvertrag_ueber_den_suedwestrundfunk.pdf\">Vorgaben des Rundfunkstaatsvertrages<\/a>, im laufenden Programm \u00f6ffentlich-rechtlicher Sender dem Geschichtsrevisionismus fr\u00f6nen, sollte im Normalfall ein Fall f\u00fcr die hauseigene Personalabteilung sein. Einem solchen Fall w\u00fcrdigen wir die folgende <a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/forum\/viewtopic.php?f=30&#038;t=1342#p4876\">Programmbeschwerde an die Adresse des SWR.<\/a><\/p>\n<p><strong>Programmbeschwerde<\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Boudgoust,<\/p>\n<p>hiermit erheben wir Programmbeschwerde gegen den Beitrag <a href=\"http:\/\/www.swr.de\/swr2\/kultur-info\/russlands-militaerischer-feiertag-tag-des-sieges\/-\/id=9597116\/did=17402336\/nid=9597116\/sdpgid=1250193\/183uoji\/index.html\">&#8222;Russlands milit\u00e4rischer Feiertag  \u201eTag des Sieges\u201c &#8211; Moskau zelebriert die Isolation&#8220;<\/a> von Thomas Franke am 09. Mai 2016.<\/p>\n<p>Frankes Beitrag ist ein Kommentar,  vermittelt also die freie Meinung seines Verfassers und ist somit durch das grundgesetzlich verbriefte Recht auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung gedeckt. Doch dieser Kommentar ist auch eine an prononcierter Stelle gesendete Stellungnahme durch einen \u00f6ffentlich-rechtlichen Radiosender der Bundesrepublik Deutschland zu einem Ereignis, das dem Gedenken an ein Schl\u00fcsselmoment nicht nur deutsch-russischer, sondern gesamteurop\u00e4ischer Geschichte gewidmet ist.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund besteht eine hohe Verantwortung der verantwortlichen Redaktion, nicht nur daf\u00fcr Sorge zu tragen, dass zu diesem Anlass gesendete Beitr\u00e4ge den Anforderungen des Rundfunkgesetzesentsprechen, sondern gleichfalls der friedenspolitischen Verpflichtung des Grundgesetzes und dem in den langen Nachkriegsjahrzehnten errungenen Konsens der Bundesrepublik Deutschland in der Bewertung des verbrecherischen Vernichtungskriegs, der vom nationalsozialistischen Deutschland verschuldet wurde.<\/p>\n<p>Die friedenspolitische Orientierung bundesdeutscher Politik bestimmt das Grundgesetz in Artikel 26 (1) sehr eindeutig:<\/p>\n<p><em>\u201eHandlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen wurden, das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker zu st\u00f6ren, insbesondere die F\u00fchrung eines Angriffskriegs vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Den entscheidenden Ma\u00dfstab f\u00fcr die schwierige Einordnung der beispiellosen Naziverbrechen in das Selbstverst\u00e4ndnis Nachkriegsdeutschlands setzte am 08. Mai 1985 Bundespr\u00e4sident Richard von Weizs\u00e4cker in seiner national und international viel beachteten Rede zum 45. Jahrestag der Kapitulation Nazideutschlands und damit des Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa. Der Bundespr\u00e4sident erkl\u00e4rte hier nicht nur, dass r\u00fcckwirkend auch dieser Tag f\u00fcr die Deutschen ein Tag der Befreiung sei, der jedoch zugleich immer im Gedenken der schweren Schuld, die sie mit diesem Krieg auf sich geladen h\u00e4tten, erfolgen m\u00fcsse. <\/p>\n<p><em>\u201eNeben dem un\u00fcbersehbar gro\u00dfen Heer der Toten erhebt sich ein Gebirge menschlichen Leids,<br \/>\nLeid um die Toten,<br \/>\nLeid durch Verwundung und Verkr\u00fcppelung,<br \/>\nLeid durch unmenschliche Zwangssterilisierung,<br \/>\nLeid in Bombenn\u00e4chten,<br \/>\nLeid durch Flucht und Vertreibung, durch Vergewaltigung und Pl\u00fcnderung, durch Zwangsarbeit, durch Unrecht und Folter, durch Hunger und Not,<br \/>\nLeid durch Angst vor Verhaftung und Tod,<br \/>\nLeid durch Verlust all dessen, woran man irrend geglaubt und wof\u00fcr man gearbeitet hatte.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Er beendete seine Rede mit dem folgenden Appell:<\/p>\n<p><em>\u201eHitler hat stets damit gearbeitet, Vorurteile, Feindschaften und Ha\u00df zu sch\u00fcren.<br \/>\nDie Bitte an die jungen Menschen lautet:<br \/>\nLassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Ha\u00df<br \/>\ngegen andere Menschen,<br \/>\ngegen Russen oder Amerikaner,<br \/>\ngegen Juden oder T\u00fcrken,<br \/>\ngegen Alternative oder Konservative,<br \/>\ngegen Schwarz oder Wei\u00df.<br \/>\nLernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das Schlimme an Richard Frankes Kommentar ist, dass er all dem, der z\u00e4hen Arbeit an V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung und Frieden in Europa, dem Ringen um \u00dcberwindung der Wunden, die dieser  Krieg und die schrecklich menschenverachtende Ideologie, die ihn antrieb, verursacht hat, einen Schlag ins Gesicht verpasst hat. Als B\u00fcrger eines Landes, das zur R\u00fcckkehr in die europ\u00e4ische V\u00f6lkergemeinschaft auf die Gro\u00dfherzigkeit und die Vergebung vor allem jener V\u00f6lker angewiesen war, an denen es sich vergangen hat, formuliert er eine von unertr\u00e4glicher Hybris zeugende schulmeisterliche Aburteilung des Gedenkens jenes Landes, dessen B\u00fcrger in absoluten Zahlen die meisten Nachkommen der Opfer und Soldaten aufweist, die die Hauptlast bei der Erringung des Siegs \u00fcber den Nazismus tragen mussten. Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass Franke dies in einer Weise tut, die just an diesem Tag auf eine Spaltung der beteiligten V\u00f6lker setzt, und zu diesem Zweck eine Schuldeinordnung Deutschlands betreibt, die man nur als revanchistisch und geschichtsrevisionistisch bezeichnen kann. <\/p>\n<p>Dass er dies als Korrespondent einer \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt  darf, ist ein Skandal.<\/p>\n<p>Um die Berechtigung dieses Urteils nachzuweisen, werden wir den Kommentar Thomas Frankes detailliert analysieren und unser Urteil mit einschl\u00e4gigen historischen Quellen und gesicherten Beurteilungen vor allem der deutschen NS-Historiographie begr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Nach der Einschr\u00e4nkung, dass der Anlass des Gedenkens schon \u201e71 Jahre her ist\u201c und \u201evon den Veteranen kaum noch jemand lebt\u201c, beginnt Thomas Franke seinen Kommentar mit dem g\u00f6nnerhaften Zugest\u00e4ndnis, dass es \u201eselbstverst\u00e4ndlich\u201c sei, sich des Kriegsendes  \u201ezu freuen und die zu ehren, die das erk\u00e4mpft und oft ihr Leben daf\u00fcr gegeben haben\u201c.  Dann aber f\u00e4hrt er fort mit einer knappen Schilderung der von ihm offenbar als unangemessen pomp\u00f6s empfundenen Ausstaffierung der Siegesfeier und der damit einhergehenden Vorbereitungen in Moskau. Nun aber setzt unvermittelt eine absch\u00e4tzige Verurteilung der russischen Regierung ein, die jeder Begr\u00fcndung entbehrt: \u201eUnd was da alles gesagt wird, hat mit historischen Fakten immer weniger zu tun. In Moskau wird Geschichte gemacht, wie es den M\u00e4chtigen gerade ins Konzept passt.\u201c Ein Beleg, auf welchen \u00c4u\u00dferungen dieses Urteil beruht, liefert Franke nicht. Es scheint, als solle der Zuh\u00f6rer nur darauf eingestimmt werden, der Russischen F\u00f6deration die Berechtigung abzuerkennen, dieses Gedenken feierlich begehen zu d\u00fcrfen. Und genau dies entspricht dem Tenor des n\u00e4chsten Abschnitts:<\/p>\n<p><em>\u201eRussland nimmt den Sieg der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg f\u00fcr sich in Anspruch. Alle anderen V\u00f6lker und Staaten, die mal die Sowjetunion gebildet haben, werden einfach vereinnahmt. Die Tatsache, dass die USA die Sowjetunion logistisch massiv unterst\u00fctzt haben bleibt unerw\u00e4hnt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Auch hier bleibt v\u00f6llig im Dunkeln, wie der Kommentator auf die Idee kommt, die Russische F\u00f6deration \u201enehme\u201c den Sieg in einer Weise \u201ein Anspruch\u201c, die die B\u00fcrger anderer Sowjetrepubliken ausschlie\u00dfe. Denn ebenso wie in Moskau deren Veteranen mit marschierten, so beteiligten sich Russl\u00e4nder an M\u00e4rschen anderswo. Wer sich dar\u00fcber hinaus im Netz die Rede des russischen Pr\u00e4sidenten angeh\u00f6rt hat, wei\u00df, dass alle Bev\u00f6lkerungen und Regierungen ehemaliger Sowjetrepubliken explizit begr\u00fc\u00dft und ihr Kriegsbeitrag feierlich gew\u00fcrdigt wurde (der kasachische Pr\u00e4sident war sogar selbst auch in diesem Jahr anwesend), einschlie\u00dflich der ukrainischen Bev\u00f6lkerung, wobei im Falle Kiews die Regierung ausgenommen wurde. Dies liegt begr\u00fcndet in der Tatsache, dass die amtierende ukrainische Regierung nicht nur ihre Feier auf den 8. Mai verschob und sowjetische Symbole offiziell verboten hat (woran sich aber viele ukrainische B\u00fcrger in diesem Jahr nicht hielten), sondern zudem noch die Symbole und Fahnen der UPA und OUM w\u00fcrdigt, obgleich diese unter deutscher Besatzung meist mit SS und Wehrmacht kollaborierten.  <\/p>\n<p>Thomas Franke insinuiert hier nicht nur etwas, das jeder faktischen Grundlage entbehrt, sondern er bem\u00fcht sich zudem, eine generelle Spaltung zwischen den ehemaligen Teilrepubliken herbeizureden, die bei der Feier des Siegestages gar nicht besteht. Warum tut er das? <\/p>\n<p>Auch der Vorwurf, die russische Regierung negiere den Kriegsbeitrag der Vereinigten Staaten, mutet merkw\u00fcrdig an. In den feierlichen Ansprachen wird gleichfalls der Verluste der westalliierten L\u00e4nder, ja selbst der dem NS-Regime zum Opfer gefallenen deutschen Sozialdemokraten, Kommunisten und anderer Antifaschisten, gedacht. Freilich spielten auch hier, wo das Gedenken der 27 Millionen sowjetischen Toten im Mittelpunkt steht, die Verluste an Menschenleben eine gewichtigere Rolle als blo\u00dfe materielle Aufwendungen. Aber wie kann man daraus etwas Verd\u00e4chtiges zimmern?  Doch Franke f\u00e4hrt in seinen Vorw\u00fcrfen von  sachlicher Betrachtung unbeirrt fort:<\/p>\n<p><em>\u201eWie selbstvergessen historische Erinnerung in Russland heute ist, zeigt sich besonders am Datum des Kriegsbeginns. In Russland ist es nicht der September 1939, als Hitlerdeutschland in Polen einmarschiert ist und kurz darauf die rote Armee von der andern Seite; in Russland beginnt der \u201eGro\u00dfe Vaterl\u00e4ndische Krieg\u201c mit dem \u00dcberfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion im Juni 1941.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Man m\u00f6chte hier fragen: wann auch sonst? Und was soll rhetorisch der Bezugspunkt \u201eheute\u201c andeuten? Angesichts der Tatsache, dass der Krieg zwischen Deutschland und der Sowjetunion 75% der beteiligten Soldaten und der in Europa stattfindenden Kriegshandlungen ausmachte und 27,5 Sowjetmenschen das Leben kostete und dass eben just dieser Krieg am 21. Juni 1941 begann, ist es wenig verwunderlich, dass seit seinem Ende in der Sowjetunion auch dieses Datums gedacht wurde, wie heute auch noch in der \u00fcberw\u00e4ltigenden Anzahl der ehemaliger Sowjetrepubliken, von denen die Russische F\u00f6deration nur die gr\u00f6\u00dfte darstellt. Dies ist so wenig ein neuerliches wie ein ausschlie\u00dflich russisches Spezifikum. Aber Thomas Franke will hier auf etwas ganz anderes hinaus \u2013 und da wird es dann, bedenkt man, dass es sich bei ihm um einen deutschen Kommentator eines deutschen \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks handelt, endg\u00fcltig unappetitlich:<\/p>\n<p><em>\u201eEine Mitschuld der Sowjetunion am Zweiten Weltkrieg wird in Moskau ebenso ausgeblendet wie die Schuld am Krieg und der Krise in der Ukraine, die verbrecherische Annexion der Krim, die \u00dcberfl\u00fcge von NATO-Territorium durch russische Kampfjets, und so weiter.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Franke erhebt hier \u201eRussland\u201c zu dem Land, das neben Nazi-Deutschland den Krieg begonnen habe, denn er vertritt ernsthaft die Auffassung, es trage \u201e[die] Mitschuld der Sowjetunion am zweiten Weltkrieg\u201c. Wie sich diese \u201eMitschuld\u201c zu der von Nazi-Deutschland verh\u00e4lt, verr\u00e4t Franke freilich nicht. Ob er sie f\u00fcr gleich gewichtig oder sogar f\u00fcr gr\u00f6\u00dfer h\u00e4lt, bleibt im Dunkeln. Als Deutscher scheint sich Franke einem durchschnittlichen, historisch f\u00fcr unbedarft gehaltenen und dort mit marschierendem Russen alleine schon deshalb moralisch haushoch \u00fcberlegen zu halten, weil Russland anders als der deutsche Franke, der \u201aseine Geschichte\u2018 \u201abew\u00e4ltigt\u2018 zu haben meint, seine \u201eMitschuld\u201c \u201eaus[..]blendet\u201c.  <\/p>\n<p>Interessant ist dabei, wie sich in einem derart kurzen Text bei Franke st\u00e4ndig die Verantwortungsarithmetik hinsichtlich des Verh\u00e4ltnisses von Russischer F\u00f6deration und Sowjetunion wandelt. Verbrach gerade noch die Russische F\u00f6deration eine unzul\u00e4ssige Usurpation, weil sie feierlich ein Kriegsende beging, obgleich sie dieses Recht auch allen anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion zugestand, so hat sie sich nun als alleine mitschuldig zu betrachten an einem Krieg, den das nazistische Deutschland gegen sie vom Zaun brach. Doch auch die gleichordnende Gewichtung der Verbrechen des Nationalsozialismus mit aktuellen  Ereignissen oder unterstellten Handlungen Russlands, die Franke hier vornimmt, befremdet zutiefst. <\/p>\n<p>Durch die Behauptung einer geteilten Kriegsschuld der Russen rutscht Thomas Franke hier in einen merkw\u00fcrdigen Vergleich:  Hinter der \u201eAusblendung\u201c als einer Klammer werden die monstr\u00f6sen Kriegsverbrechen der Nazis auf eine Ebene gestellt mit \u201e d[er] Schuld am Krieg und der Krise in der Ukraine, d[er] verbrecherische[n] Annexion der Krim, d[en] \u00dcberfl\u00fcge von NATO-Territorium durch russische Kampfjets, und so weiter.\u201c <\/p>\n<p>Das muss man Herrn Franke schon lassen: Eine Gleichung, die die Vernichtungsmaschinerie von Auschwitz, die Massenerschie\u00dfungen von Babi Yar und hunderte verbrannte russische D\u00f6rfer inklusive ihrer Bewohner mit Bagatellen wie \u201e\u00dcberfl\u00fcge[n] von NATO-Territorium durch russische Kampfjets, und so weiter\u201c auf einen Nenner bringt &#8211; und das noch unter Ausblendung von vollbest\u00fcckten US-Kriegsschiffen vor der russischen K\u00fcste und B52-Bombern der NATO, die an der russischen Grenze Attrappen von Nuklearbomben abwerfen, ist schon ein St\u00fcck rhetorisch abgefeimter Kriegspropaganda, das man erst einmal hinbekommen muss.<\/p>\n<p>Da f\u00e4llt es dann kaum mehr ins Gewicht, dass Franke die Sezession der Krim, die ein versierter <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/die-krim-und-das-voelkerrecht-kuehle-ironie-der-geschichte-12884464.html\">V\u00f6lkerrechtler wie Reinhard Merkel<\/a> nicht f\u00fcr eine \u201eAnnexion\u201c halten mochte, nicht nur wie \u00fcblich mit dem formelhaften Pleonasmus der \u201ev\u00f6lkerrechtswidrigen Annexion\u201c in die \u201aVerbrechensliste Moskaus\u2018 einf\u00fcgt, sondern mit der \u201everbrecherischen Annexion\u201c auch noch eine verungl\u00fcckte Formulierung der Kanzlerin aufgreift, f\u00fcr die sich nach ihrem Besuch zum Gedenkens des 70j\u00e4hrigen Kriegsendes in Moskau das Kanzleramt entschuldigt haben soll. <\/p>\n<p>Gleichfalls wollen wir hier nicht weiter darauf eingehen, dass weder die Darstellungen des Ausw\u00e4rtigen Amts noch die Berichte der OSZE Frankes Behauptung von der einseitigen russischen \u201eSchuld am Krieg und der Krise in der Ukraine\u201c best\u00e4tigen. Denn die Perfidie seines Beitrags ist es, anl\u00e4sslich einer Feier des Kriegsendes revisionistisch die daf\u00fcr als \u201emitschuldig\u201c gebrandmarkte Russische F\u00f6deration rhetorisch zu einer Reinkarnation desjenigen Regimes aufzublasen, das die 71 Jahre zur\u00fcckliegende Katastrophe verursacht hat. Der obigen Aufz\u00e4hlung folgt \u00fcbergangslos eine Zeichnung eines finsteren \u201eReichs des B\u00f6sen\u201c (Ronald Reagan), die mit allen Stereotypen kriegerischer D\u00e4monisierung aufwartet, die das Register politischer Deklassierungsformeln in petto hat:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Regierung unter Vladimir Putin hat das Land von einer kr\u00e4nkelnden Demokratie in einen totalit\u00e4ren Staat verwandelt. Nur fehlt eine Ideologie, hinter der sich die Bev\u00f6lkerung versammeln kann.<\/p>\n<p>Deshalb braucht die Regierung Feinde. Das sind erst mal alle, die das Treiben in Moskau kritisch betrachten. Die werden dann Faschisten genannt. Das macht es einfach, denn Faschisten hat man mal besiegt. Das feiert man jedes Jahr am 9. Mai. Und dann sind wir auch gleich bei der Rechtfertigung, mit der in Russland aggressiv gegen Menschen, Organisationen und Staaten vorgegangen wird, die den M\u00e4chtigen in die Quere kommen. Der Begriff Faschismus wird dabei abgekoppelt von seiner wahren Bedeutung benutzt. Gl\u00fchende Rassisten, Homophobe, Stalinisten, chauvinistische Nationalisten und Kriegstreiber treten an zum erneuten Kampf gegen Faschismus.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Jeder, der die Filmaufzeichnungen zur aktuellen Siegesfeier gesehen hat \u2013 und zwar nicht nur in Moskau &#8211; wei\u00df, dass der Schwerpunkt dieses Jahres weniger bei der milit\u00e4rischen Parade, sondern bei den 700 000 Menschen umfassenden \u201eUnsterblichen Bataillonen\u201c lag, in denen Angeh\u00f6rige die Portraits ihrer gefallenen und nach dem Krieg verstorbenen Familienangeh\u00f6rigen trugen. Franke sieht hier nur \u201e[g]l\u00fchende Rassisten, Homophobe, Stalinisten, chauvinistische Nationalisten und Kriegstreiber\u201c, die eine Hetzjagd auf \u201ealle [veranstalten], die das Treiben in Moskau kritisch betrachten\u201c wie auch \u201eOrganisationen und Staaten [\u2026], die den M\u00e4chtigen in die Quere kommen\u201c. <\/p>\n<p>Die Botschaft, die Franke hier senden m\u00f6chte, ist, dass wir es mit einem Land zu tun h\u00e4tten, gegen das man gezwungen sei, sich milit\u00e4risch \u2013 und damit kriegsbereit &#8211; zu wappnen, da es selbst \u2013 und diesen Eindruck entnimmt er den Feierlichkeiten zum Kriegsende \u2013 sich bereits in Angriffsposition aufgestellt habe: Im fernen d\u00fcsteren Moskau machten f\u00fcrchterliche Menschen das einzige, was f\u00fcr sie \u201eeinfach\u201c sei, sie \u201etreten an zum erneuten Kampf gegen Faschismus\u201c, weil ihre Regierung \u201eFeinde\u201c \u201ebraucht\u201c und kein anderes einigendes Mittel kenne, \u201edenn Faschisten hat man mal besiegt\u201c. <\/p>\n<p>Wie wenig dieser Beitrag eine publizistische Handlung darstellt, \u201edie geeignet ist und in der Absicht vorgenommen wird, das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker\u201c zu bewahren, wurde durch diese textkritische Lekt\u00fcre bereits deutlich. Vom Wertebestand des Grundgesetzes ist hier ebenso wenig zu sp\u00fcren wie von der aufrichtigen Warnung Richard von Weizs\u00e4ckers, den Geist der Vers\u00f6hnung zu wahren, dem sich die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der Menschen in unserem Land verpflichtet f\u00fchlt. Warum aber Thomas Frankes Text als Morgenkommentar zum Tag des Kriegsendes eine noch viel weiter gehende Infamie darstellt, die durch ihren vergifteten Revanchismus die Grenzen dessen  \u00fcberschreitet, was ertr\u00e4glich ist, wird deutlich, wenn man sich noch einmal vergegenw\u00e4rtigt, von welchem Krieg hier die Rede ist.<\/p>\n<p>Freilich stellt dieser Beitrag nicht den einzigen Versuch  westlicher Medien dar, derzeit die Geschichte des Zweiten Weltkriegs umschreiben zu wollen. Wie andere Darstellungen auch, interpretiert Franke den Nichtangriffspakt zwischen dem Au\u00dfenministers Nazideutschlands, Joachim von Ribbentrop, und dem Sowjetischen Volkskommissar f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Angelegenheiten, Wjatscheslaw Molotow, vom 24. August 1939 als \u201eBeginn des Zweite Weltkriegs\u201c. Dieser Lesart nach bestehe dieser darin, dass zwei aggressive und despotische M\u00e4chte einen zwischen ihnen liegenden Raum brutal verw\u00fcstetet h\u00e4tten. Wie immer man aber Gewaltakte der Sowjetunion gegen andere osteurop\u00e4ische L\u00e4nder beurteilen mag, so zeigt ein Blick auf entscheidende Dokumente des nationalsozialistischen Deutschlands deutlich, warum in einem solchen Narrativ die entscheidende Expansionsdynamik des Krieges ebenso wenig korrekt erfasst wird wie die Ursachen der ihn auszeichnenden Kriegsverbrechen. <\/p>\n<p>Den letzten innerdeutschen Versuch eines Historikers, die expansive Zerst\u00f6rungswut des NS-Krieges von einer externen aggressiven Bedrohung ableiten zu wollen, stellte Mitte der 80er Jahre der von Ernst Nolte ausgel\u00f6ste <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Historikerstreit\">Historikerstreit<\/a> dar, in dem eine Mehrheit der Beteiligten dessen Versuch einer Umdeutung deutscher Geschichte als verfehlt und revisionistisch bewerteten. Die \u00fcberhitzte Debatte um diese Ver\u00f6ffentlichung zeigte, wie sehr die beteiligten Historiker die angemessene Beurteilung der nationalsozialistischen Ideologie als <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/1986\/29\/eine-art-schadensabwicklung\">Gradmesser des inneren Zustands der Bundesrepublik Deutschland<\/a> erachteten. <\/p>\n<p>Dokumente belegen eindeutig Folgendes:<\/p>\n<p>Bereits 1925 hatte Adolf Hitler in seinem Buch \u201eMein Kampf\u201c dargelegt, dass die r\u00e4uberische Eroberung und Aneignung des gesamten Raums Osteuropas, besonders aber Russlands, bis zum Ural \u2013 und damit auch der Angriff auf die Sowjetunion \u2013 unter Beraubung der Nahrungsgrundlagen der dort ans\u00e4ssige Bev\u00f6lkerung, von Beginn an fest zum ideologischen Kernbestand des Nationalsozialismus geh\u00f6rt hatte: <\/p>\n<p><em>&#8222;Wir Nationalsozialisten setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete. Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem S\u00fcden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten. Wir schlie\u00dfen endlich ab mit der Kolonial- und Handelspolitik der Vorkriegszeit und gehen \u00fcber zur Bodenpolitik der Zukunft. Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, k\u00f6nnen wir in erster Linie nur an Russland und die ihm untertanen Randstaaten denken\u2026 Das Schicksal selbst scheint uns hier einen Fingerzeig zu geben&#8230;Das Riesenreich im Osten ist reif zum Zusammenbruch\u2026Wir sind vom Schicksal auserw\u00e4hlt, Zeugen einer Katastrophe zu werden, die die gewaltigste Best\u00e4tigung f\u00fcr die Richtigkeit der v\u00f6lkischen Rassentheorie sein wird.&#8220;<\/em> [Adolf Hitler: Mein Kampf, 2. Band, 14. Kapitel]<\/p>\n<p>Obgleich in der unmittelbaren Zeit nach Hitlers Machtantritt dieser programmatische Hauptpunkt der nationalsozialistischen Ideologie nicht im Fokus der Aufmerksamkeit Hitlers stand, bezeugen doch gen\u00fcgend Quellen, dass er durchg\u00e4ngig als Ziel der Politik der NS-F\u00fchrung wirksam war. In den einleitenden Passagen der Dokumentensammlung zum \u201eGeneralplan Ost\u201c durch das ifz-M\u00fcnchen, bereits aus dem Jahr 1958, hei\u00dft es, dass Hitler [Vierteljahresschrift zur Zeitgeschichte, Jahrgang 5 (1958), Heft 3]  \u201enach seinem Einzug in die Wilhelmsstra\u00dfe\u201c zwar \u201edas hysterische Kriegsgeschrei des \u201eMein Kampf\u201c durch eine von Zweckm\u00e4\u00dfigkeitserw\u00e4gungen bestimmte Mixtur aus Drohungen und Friedensbeteuerungen ersetzte, so hat er doch aus seiner Kampfstellung gegen die bolschewistische Sowjetunion noch sechs Jahre kein Hehl gemacht, geschweige denn seine ostpolitischen Zielsetzungen aus der Kampfzeit widerrufen.<\/p>\n<p>Widerrufen hat Hitler dann auch in den folgenden zwei Jahren nazistisch-sowjetischer Liaison kein Wort von dem Gesagten. Nicht nur in der zweiten Halbzeit dieser unheiligen Allianz, als Hitler mit zunehmender Entschlossenheit  die kriegerische Auseinandersetzung in die Wege leitete, sondern auch noch in jenen Tagen, als sich so wohl f\u00fchlte \u201ewie unter alten Parteigenossen\u201c hat Hitler zu keiner Sekunde und in keinem Gedanken auf seinen Ostlandritt verzichtet. Weder die 1941 noch die 1939 und 1940 herausgekommenen Ausgaben von \u201eMein Kampf\u201c nehmen ein Jota zur\u00fcck; das Abkommen mit Moskau war lediglich ein zum Zwecke der Isolierung Polen bestimmter <a href=\"http:\/\/www.ifz-muenchen.de\/heftarchiv\/1958_3_5_heiber.pdf\">taktischer Schachzug<\/a> und ohne Bedeutung f\u00fcr die Gesamtkonzeption seiner Politik. \u201c<\/p>\n<p>Auch nach seinem Machtantritt von 1933 benannte Hitler \u00f6ffentlich wie intern immer wieder einen Eroberungskrieg im Osten als Ziel nationalsozialistischer Politik. Am 3. Februar 1933 erkl\u00e4rte er vor Befehlshabern der Reichswehr sein Lebensraumkonzept, das offensichtlich den Vorstellungen der Heeresf\u00fchrer entsprach.  Von dieser Rede gelangte \u00fcbrigens auch eine Abschrift nach Moskau, weil Helga von Hammerstein-Equord, die Tochter einer der anwesenden Gener\u00e4le, heimlich f\u00fcr den kommunistischen Nachrichtendienst t\u00e4tig war und eine Abschrift \u00fcbermittelte. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.kurt-bauer-geschichte.at\/PDF_Lehrveranstaltung%202008_2009\/11_Liebmann-Aufzeichnung_1933-02-03.pdf\">Liebmann-Aufzeichnung<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsch-sowjetischer_Nichtangriffspakt\">Deutsch-sowjetischer_Nichtangriffspakt<\/a><\/p>\n<p>1934 erwog er erstmals einen Blitzkrieg im Westen, um sich im Anschluss dem Ostfeldzug zuwenden zu k\u00f6nnen. Ab 1937 war er bereit, einen Krieg gegen Frankreich und Gro\u00dfbritannien zu wagen, um die Expansion nach Osten durchzuf\u00fchren. In den beiden gr\u00f6\u00dften Reden vor dem Reichstag in den Jahren 1937 und 1938 erkl\u00e4rte er mit ausgreifendem Pathos, er f\u00fchre unerbittlich den Kampf gegen den \u201ej\u00fcdischen-internationalen Moskauer Bolschewismus\u201c. Die Kontinuit\u00e4t eines gegen Osteuropa insgesamt, vor allem aber auch die Sowjetunion gerichteten Angriffskriegs, belegen auch weitere Dokumente der Regierung  Hitler. So <a href=\"http:\/\/www.dfg.de\/pub\/generalplan\/planung_1.html\">\u00e4u\u00dferte Richard Walther Darr\u00e9<\/a>, Reichsminister f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft im Jahr 1936:<\/p>\n<p><em>\u201eDer nat\u00fcrliche Siedlungsraum des Deutschen Volkes ist das Gebiet \u00f6stlich zur Reichsgrenze bis zum Ural. [\u2026] In diesem Raum werden wir siedeln nach dem Gesetz, dass das f\u00e4higere Volk immer das Recht hat, die Scholle eines unf\u00e4higeren Volkes zu erobern und zu besitzen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die entscheidend aggressive Dynamik dieses Kriegs im Zuge der Eroberung des \u201eLebensraum Ost\u201c wird rasch deutlich, wenn man sich bewusst macht, was sie gezielt vorsah und einkalkulierte: <\/p>\n<p>&#8211;\tdie vollst\u00e4ndige Unterwerfung und Kolonialisierung Osteuropas bis zum Ural sowie die Zerst\u00f6rung der Staatlichkeit der Sowjetunion,<\/p>\n<p>&#8211;\tdie Ermordung aller sowjetischen Politkommissare und Parteifunktion\u00e4re sowie von allen anderen, die die Nazis als \u201ej\u00fcdisch bolschewistische Intelligenz\u201c bezeichneten,<\/p>\n<p>&#8211;\tdas Aushungern von bis zu 30 Millionen Sowjetmenschen zur Sicherung der Versorgung der deutschen Armee und des \u201eReichs\u201c nach Ma\u00dfgabe des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hungerplan\">Hunger- oder Backe-Plan<\/a>s,<\/p>\n<p>&#8211;\tder Tod von bis zu 30 Millionen Menschen im russischen Teil der Sowjetunion durch Vertreibungen und Hungerm\u00e4rschen hinter den Ural,<\/p>\n<p>&#8211;\tdie vollst\u00e4ndige Ermordung der in Osteuropa und der Sowjetunion lebenden Juden,<\/p>\n<p>&#8211;\tdie Reduktion der verbliebenen sowjetischen Menschen als ungebildete Heloten zu Sklavendiensten der deutschen Agrarwirtschaft.<\/p>\n<p>Damit sich eine Schuldarithmetik im Sinne Herrn Frankes, der zudem noch der Russischen F\u00f6deration alle Verdienste der Sowjetunion beim Niederringen des Nazismus abstreitet, aber die Schuld f\u00fcr alle Vergehen der von dem Georgier Josef Stalin gef\u00fchrten Union alleine in Moskau abladen m\u00f6chte, bedarf es noch nicht einmal eines umfassenden Aktenstudiums in Universit\u00e4ten, sondern im Zweifelsfall reicht alleine schon die Lekt\u00fcre einschl\u00e4giger Wikipedia-Artikel und der dort verlinkten weiterf\u00fchrenden Literatur.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Unternehmen_Barbarossa\">Unternehmen_Barbarossa<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Deutsch-Sowjetischer_Krieg\">Deutsch-Sowjetischer_Krieg<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Generalplan_Ost\">Generalplan_Ost<\/a><\/p>\n<p>Wenn Thomas Franke also als Kommentator f\u00fcr einen \u00f6ffentlich-rechtlichen Radiosender in Deutschland an einem Jubil\u00e4umstag der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus die Gesamtdynamik dieses verheerenden Krieges durch eine behauptete russische \u201eMitschuld\u201c so verkehrt, dass er daraus die historische Legitimation f\u00fcr eine Aufr\u00fcstung gegen Russland ableitet, dann zeigt sich darin ein Revanchismus, der wirklich unversch\u00e4mt ist.    <\/p>\n<p>Wie anders wird dagegen die russische Feier des Kriegsendes in den folgenden beiden Artikeln der Washington Post thematisiert. Hier reagiert eine Redaktion auf das geringe Wissen der US-Amerikaner \u00fcber den sowjetischen Beitrag zum Sieg, indem sie empathisch dessen Bedeutung f\u00fcr heutige Russen schildert:<\/p>\n<p><em>MOSCOW \u2014 To most Americans, the anniversary of the defeat of Nazi Germany slips by unnoticed. To Pavel Elfimov, it\u2019s among the biggest holidays of the year.<br \/>\nAsk any Russian about their family\u2019s World War II experiences and the answer, almost invariably, is one of suffering and battlefield service. Unlike the United States, which had two oceans that largely insulated it from attack after Pearl Harbor, Russia was besieged, bombed, invaded and re-invaded during World War II. Then the Red Army swept toward Berlin and played a key role in toppling Adolf Hitler.<br \/>\n\u201cYou have Thanksgiving. We have Victory Day,\u201d said Elfimov, 44, who came with his family this week to a nighttime rehearsal for Moscow\u2019s annual Victory Day Parade. The procession is a bristling display of military might that sweeps down some of the capital\u2019s most exclusive streets before rolling through Red Square in front of the Kremlin elite. [\u2026]<br \/>\nOf more than two dozen people approached at the rehearsal, all had a parent, grandparent or great-grandparent who fought in the war. Most said at least one direct ancestor died in the fighting. Soviet losses were immense \u2014 most historians estimate the Soviet death toll between 27 million and 28 million people \u2014 and the oldest generation of Russians still has aching memories of wartime starvation.<br \/>\n\u201cIt was impossible,\u201d said Irina Kravchenko, 60, who said that 300 of the 500 people living in her small town in the Ural Mountains at the time of the war headed off to combat. Her grandfather never came home from the fighting, she said, a memory she wanted to make sure she passed down to her grandchild, who along with her daughter-in-law was watching soldiers on antiaircraft missile systems prepare for the parade.<br \/>\n\u201cThe memory of service was so tough. There was an inner strength,\u201d Kravchenko said about the townspeople who returned from war. \u201cThey didn\u2019t like to talk about their experiences.\u201d<br \/>\nWorld War II tends to be remembered in the United States as a victory by Americans, with the Red Army acting more or less as an adjunct. Russian memories are focused on their own sacrifices. As the veterans have died, their children and grandchildren have started to march on Victory Day, holding their photos, separately from the martial parades. That started as a nonpolitical movement in 2012, and has since been embraced by the Kremlin.<\/em><\/p>\n<p>Auch scheint die US-Zeitung den Anteil der sowjetischen Leistung an diesem Sieg nicht nur anders zu bewerten als Thomas Franke, sondern auch durchaus die Russische F\u00f6deration f\u00fcr ein Land zu halten, das sich berechtigt f\u00fchlen kann, dessen Erinnerung feierlich zu begehen:<\/p>\n<p>In dem Artikel \u201eDon\u2019t forget how the Soviet Union saved the World from Hitler\u201c  hei\u00dft es:<\/p>\n<p><em>\u201cIn the Western popular imagination &#8212; particularly the American one &#8212; World War II is a conflictwe won. It was fought on the beaches of Normandy and Iwo Jima, through the rubble of recaptured French towns and capped by sepia-toned scenes of joy and young love in New York. It was a victory shaped by the steeliness of Gen. Dwight D. Eisenhower, the moral fiber of British Prime Minister Winston Churchill, and the awesome power of an atomic bomb. [\u2026] The Red Army was &#8222;the main engine of Nazism\u2019s destruction,&#8220; writes British historian and journalist Max Hastings in &#8222;Inferno: The World at War, 1939-1945.&#8220; The Soviet Union paid the harshest price: though the numbers are not exact, an estimated 26 million Soviet citizens died during World War II, including as many as 11 million soldiers. At the same time, the Germans suffered three-quarters of their wartime losses fighting the Red Army. [\u2026] By some accounts, 60 percent of Soviet households lost a member of their nuclear family.\u201d<\/em> <\/p>\n<p>Im Vergleich wird die revanchistische Ausrichtung des Kommentars von Thomas Franke noch einmal deutlicher. Und deshalb stellt sich hier die Fragen: Was will er damit eigentlich bewirken? Gerade von deutscher Seite ist eine propagandistische Aufr\u00fcstung gegen unser gro\u00dfer \u00f6stliches Nachbarland, wenn sie sich ausgerechnet in unlauterer Weise der Feiern zum Kriegsende bedient, so sch\u00e4big, dass man davon ausgehen muss, der Verfasser wolle das bilaterale Verh\u00e4ltnis bewusst besch\u00e4digen. <\/p>\n<p>Wenn nun der SWR2 einem solchen Ansinnen einen Raum bietet, stellt dies nicht nur einen Affront gegen die Russische F\u00f6deration dar, sondern gegen alle B\u00fcrger Deutschlands, die sich im Sinne des Grundgesetzes  f\u00fcr Frieden und V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung in Europa einsetzen. Wir k\u00f6nnen uns diese  Entgleisung im laufenden Programm des SWR2 kaum erkl\u00e4ren. Zwar bemerkt seit bereits zwei Jahren ein wachsender Teil der Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer mit gro\u00dfem Befremden, dass verantwortliche Funktionstr\u00e4ger im \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunkt versuchen, eine von ihnen  favorisierte geopolitische Frontstellung der Bundesrepublik Deutschland gegen die Russische F\u00f6deration durch eine tendenzi\u00f6se und offen unfreundliche Russlandberichterstattung zu zementieren. Bisher ist dies wenig gelungen. In den Augen der B\u00fcrger hat diese konzertierte Frontstellung eher das Ansehen der \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender besch\u00e4digt als das der Russischen F\u00f6deration. <\/p>\n<p>Doch wenn der Eifer der Diskreditierung Russlands sich so radikalisiert, dass Geschichtsrevisionismus und offener Revanchismus hier eine Plattform erhalten, ist endg\u00fcltig eine Grenze \u00fcberschritten. Denn dass die Mehrheit der Menschen in Deutschland w\u00fcnscht, die aktuelle Krise durch Ann\u00e4herung, Kooperation und intensivierte Gespr\u00e4che zu \u00fcberwinden, machen aktuelle Umfragen beeindruckend klar.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.infratest-dimap.de\/umfragen-analysen\/bundesweit\/umfragen\/aktuell\/mehrheit-hat-kein-vertrauen-in-medien-berichterstattung-zum-ukraine-konflikt\/\">Umfrage Vertrauen in Medienberichterstattung<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.br.de\/nachrichten\/inhalt\/br-medien-studie-100.html\">BR-Medienstudie<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.koerber-stiftung.de\/presse\/pressemeldungen\/presse-details-stiftung\/artikel\/annaeherung-oder-abschottung-repraesentative-umfrage-in-russland-und-deutschland.html\">Ann\u00e4herung oder Abschottung? Repr\u00e4sentative Umfrage in Russland und Deutschland<\/a><\/p>\n<p><strong>Wir fordern also von Ihnen eine \u00f6ffentliche redaktionelle Entschuldigung f\u00fcr diesen Fehlgriff an die Vertreter der Russischen F\u00f6deration und an die B\u00fcrger dieses Landes.<\/strong><\/p>\n<div style=\"float:left;margin-top: 20px;\"><span style=\"background-color:rgb(248,109,14);padding:30px;margin-left: 30px;\"><a style=\"color:white;font-size:20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<p><br style=\"clear:both;\" \/><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_1410 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_1410')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_1410').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. Schon beim Aktivieren werden Daten an Dritte \\u00fcbertragen - siehe <em>i<\\\/em>.\",\"perma_option\":\"off\",\"action\":\"like\",\"language\":\"de_DE\"},\"twitter\":{\"reply_to\":\"\",\"tweet_text\":\"%20Der%20Tag%20des%20Sieges%20%C2%BB%20St%C3%A4ndige%20Publikumskonferenz%20der%20%C3%B6ffentlich-rechtlichen%20...\",\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Twitter senden. Schon beim Aktivieren werden Daten an Dritte \\u00fcbertragen - siehe <em>i<\\\/em>.\",\"perma_option\":\"off\",\"language\":\"de\",\"referrer_track\":\"\"}},\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. N\\u00e4heres erfahren Sie durch einen Klick auf das <em>i<\\\/em>.\",\"settings_perma\":\"Dauerhaft aktivieren und Daten\\u00fcber-tragung zustimmen:\",\"info_link\":\"http:\\\/\\\/www.heise.de\\\/ct\\\/artikel\\\/2-Klicks-fuer-mehr-Datenschutz-1333879.html\",\"uri\":\"https:\\\/\\\/publikumskonferenz.de\\\/blog\\\/1410\\\/\",\"post_id\":1410,\"post_title_referrer_track\":\"Der+Tag+des+Sieges\",\"display_infobox\":\"on\"});}});\n\/* ]]> *\/<\/script><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bildquelle: Russisches Fernsehen Redaktion: Anja B\u00f6ttcher Es war zu erwarten, dass sich die (\u00f6ffentlich-rechtliche) &#8222;Berichterstattung&#8220; und Kommentierung anl\u00e4sslich der Moskauer Siegesparade zum des 71. Jahrestages des Sieges \u00fcber Nazideutschland, wieder auf gewohnt unterirdischem Niveau bewegen w\u00fcrde. Dass sich Redakteure (das &hellip;<\/p>\n<p class=\"read-more\"> <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/1410\/\"> <span class=\"screen-reader-text\">Der Tag des Sieges<\/span> Weiterlesen &raquo;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":1411,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1410","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-news"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1410","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1410"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1410\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1416,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1410\/revisions\/1416"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1411"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1410"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1410"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1410"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}