{"id":2956,"date":"2017-07-21T18:15:51","date_gmt":"2017-07-21T17:15:51","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=2956"},"modified":"2017-07-30T20:58:55","modified_gmt":"2017-07-30T19:58:55","slug":"luegen-die-medien-propaganda-rudeljournalismus-und-der-kampf-um-die-oeffentliche-meinung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/luegen-die-medien-propaganda-rudeljournalismus-und-der-kampf-um-die-oeffentliche-meinung\/","title":{"rendered":"L\u00fcgen die Medien? Propaganda, Rudeljournalismus und der Kampf um die \u00f6ffentliche Meinung"},"content":{"rendered":"<p><strong>L\u00fcgen die Medien? Propaganda, Rudeljournalismus und der Kampf um die \u00f6ffentliche Meinung<\/strong><\/p>\n<p>Die Mehrheit der B\u00fcrger vertraut den Medien nicht mehr. Der Begriff der L\u00fcgenpresse geistert durchs Land. Viele haben erkannt: Eine von Konzerninteressen, Hochglanzwerbung und politischer Agitation \u00e0 la \u201eDeutschland geht es so gut wie nie zuvor\u201c (Angela Merkel) gepr\u00e4gte \u201eBerichterstattung\u201c hat mit ihrer sozialen Realit\u00e4t nichts mehr gemein. Eine \u201eKernschmelze des Vertrauens\u201c (Edelman Trust Barometer 2017) findet statt.<\/p>\n<p>SPD-Urgestein und Herausgeber der NachDenkSeiten Albrecht M\u00fcller kritisiert die Medien daher als \u201eKampfpresse\u201c. Nach seinen Worten sind die Medien zu Sprachrohren der M\u00e4chtigen verkommen und stehen Gewehr bei Fu\u00df, wenn es etwa um die Legitimation von Sozialabbau geht.<\/p>\n<p>Andere Medienkritiker werfen den Medien sogar Propaganda vor und verweisen auf eine Berichterstattung, die kein Problem damit hat, entgegen journalistischer Standards mit L\u00fcgen den Weg in eine Politik zu ebnen, f\u00fcr die Kriege und das Anstacheln von Feindseligkeiten selbstverst\u00e4ndlich geworden sind.<\/p>\n<p>Fest steht: Die Einseitigkeit und Parteilichkeit vieler Medien ist kaum mehr zu ertragen. Wenn selbst f\u00fchrende Politiker inzwischen eine \u201eerstaunliche Homogenit\u00e4t\u201c (Frank-Walter Steinmeier) und mangelnde Meinungsvielfalt der Presse beklagen, wird deutlich: Wir befinden uns in einer tiefgreifenden Krise, die nicht l\u00e4nger hinzunehmen ist.<\/p>\n<p>Doch warum? Was sind die Probleme und Ursachen? Und ist ein ehrlicher und ausgewogener Journalismus \u00fcberhaupt noch denk- und vorstellbar?<\/p>\n<p>Der Medienmainstream beantwortet diese Fragen \u00fcblicherweise mit Aussagen wie \u201eWir sind nicht gesteuert, Fehler passieren jedem einmal.\u201c oder verortet die Krisenursachen mit der Behauptung \u201eDas ist doch alles Verschw\u00f6rungstheorie!\u201c, beim Publikum selbst.<\/p>\n<p>Eine umfassende und vielstimmige Medienkritik tut daher not. Eine Kritik, die den B\u00fcrgern die \u201eintellektuellen Waffen\u201c (Pierre Bourdieu) an die Hand gibt, derlei Ausfl\u00fcchte und Entm\u00fcndigungsversuche als das zu erkennen, was sie sind. Eine Medienkritik, die f\u00fcr die B\u00fcrger Partei ergreift und sich bewusst ist, dass \u201edie Propaganda f\u00fcr die Demokratie (dasselbe ist) wie der Kn\u00fcppel f\u00fcr einen totalit\u00e4ren Staat\u201c (Noam Chomsky).<\/p>\n<p>Jens Wernicke hat mit zahlreichen Medienexperten \u00fcber die verschiedenen Facetten der Krise gesprochen und sucht nach L\u00f6sungen und Auswegen. Das Resultat ist ein unverzichtbares Kompendium der Medienkritik.<\/p>\n<p>Zu Wort kommen die Journalisten Walter van Rossum, David Goe\u00dfmann, Ulrich Teusch, Volker Br\u00e4utigam, Ulrich Tilgner, Stephan Hebel, Werner R\u00fcgemer und Eckart Spoo. Die Wissenschaftler Noam Chomsky, Uwe Kr\u00fcger, Rainer Mausfeld, J\u00f6rg Becker, Michael Walter, Erich Schmidt-Eenboom, Klaus-J\u00fcrgen Bruder, Kurt Gritsch und Daniele Ganser. Sowie mit Maren M\u00fcller, Hektor Haark\u00f6tter, Sabine Schiffer, Gert Hautsch, Rainer Butensch\u00f6n, Markus Fiedler und Daniela Dahn wichtige Stimmen aus der Zivilgesellschaft.<\/p>\n<p>Das Buch erscheint am 1.9.2017, ist aber bereits <a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/luegen-die-medien\/.\">jetzt beim Westend-Verlag vorbestellbar. <\/a><\/p>\n<p><strong>Stimmen aus dem Buch:<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><em>\u201eDie bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abl\u00e4ufe. Sie sind die eigentlichen Regierungen in unserem Land. Wir werden von Personen regiert, deren Namen wir noch nie geh\u00f6rt haben. Sie beeinflussen unsere Meinungen, unseren Geschmack, unsere Gedanken. (\u2026) Ob es uns gef\u00e4llt oder nicht, Tatsache ist, dass wir in fast allen Aspekten des t\u00e4glichen Lebens, ob in Wirtschaft oder Politik, unserem Sozialverhalten oder unseren ethischen Einstellungen, von einer (\u2026) relativ kleinen Gruppe Menschen abh\u00e4ngig sind, die die mentalen Abl\u00e4ufe und gesellschaftlichen Dynamiken von Massen verstehen. Sie steuern die \u00f6ffentliche Meinung, st\u00e4rken alte gesellschaftliche Kr\u00e4fte und bedenken neue Wege, um die Welt zusammenzuhalten und zu f\u00fchren.\u201c<\/em> <strong>Edward Bernays<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eIndoktrination ist keineswegs inkompatibel mit der Demokratie. Vielmehr (\u2026) ihre Essenz. (\u2026) Ohne Kn\u00fcppel, ohne Kontrolle durch Gewalt (\u2026) muss man das Denken kontrollieren. Dazu greift man zu dem, was in ehrlicheren Zeiten Propaganda genannt wurde.\u201c<\/em> <strong>Noam Chomsky<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eJeder m\u00e4chtige Staat verl\u00e4sst sich auf Spezialisten, deren Aufgabe es ist, zu zeigen, dass das, was die Starken tun, nobel und gerecht ist, und dass es die Schuld der Schwachen ist, wenn diese leiden. Im Westen nennt man diese Spezialisten \u201aIntellektuelle\u2018, und sie, mit kaum nennenswerten Ausnahmen, erf\u00fcllen ihre Aufgabe mit gro\u00dfer Fertigkeit und Selbstgerechtigkeit, egal wie lachhaft ihre Behauptungen sind, in dieser Praxis, die sich bis zu den Urspr\u00fcngen aufgezeichneter Geschichte zur\u00fcckverfolgen l\u00e4sst.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Noam Chomsky<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDie Massenmedien im eigentlichen Sinn haben im Wesentlichen die Funktion, die Leute von Wichtigerem fernzuhalten. Sollen die Leute sich mit etwas anderem besch\u00e4ftigen, Hauptsache, sie st\u00f6ren uns nicht \u2013 wobei \u201awir\u2018 die Leute sind, die das Heft in der Hand halten. Wenn sie sich zum Beispiel f\u00fcr den Profisport interessieren, ist das ganz in Ordnung. Wenn jedermann Sport oder Sexskandale oder die Prominenten und ihre Probleme unglaublich wichtig findet, ist das okay. Es ist egal, wof\u00fcr die Leute sich interessieren, solange es nichts Wichtiges ist. Die wichtigen Angelegenheiten bleiben den gro\u00dfen Tieren vorbehalten: \u201aWir\u2018 k\u00fcmmern uns darum.\u201c<\/em> <strong>Noam Chomsky<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eWir stecken heute mitten im Informationskrieg. Immer mehr Menschen erkennen das und wachen sozusagen auf. Diese wachen Menschen lehnen Kriegspropaganda ab und versuchen, sich ein eigenes Bild von der Welt und den politischen Ereignissen zu machen, zum Beispiel indem sie verschiedene alternative Medien konsumieren. Es ist heute wichtig zu verstehen, dass die Massenmedien in diesem laufenden Informationskrieg benutzt werden, um die Menschen zu lenken und zu steuern.\u201c<\/em> <strong>Daniele Ganser<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDie gegenw\u00e4rtigen Formen repr\u00e4sentativer Demokratien sind Elitedemokratien, also de facto Wahloligarchien. Seit ihren historischen Anf\u00e4ngen wurde die Idee einer \u201arepr\u00e4sentativen Demokratie\u2018 mit der Absicht entwickelt, das als irrational, infantil und launenhaft angesehene \u201adumme Volk\u2018 von politischer Macht und Einfluss fernzuhalten. Die Etablierung einer repr\u00e4sentativen Demokratie war also explizit dazu gedacht, eine wirkliche Demokratie im Sinne der Erm\u00f6gli\u00acchung einer angemessenen Teilhabe, also Partizipation, der B\u00fcrger am Gemeinwesen und einer Volkssouver\u00e4nit\u00e4t zu verhindern. Worum sollten Machteliten auch ein Interesse an wirklicher Demokratie haben, wo eine solche doch ihren Status gef\u00e4hrdete?\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Rainer Mausfeld<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDie deskriptiven Aspekte der tats\u00e4chlichen Funktionsweise der Medien innerhalb der Herrschafts- und Machtbeziehungen in kapitalistischen westlichen Demokratien sind seit mehr als hundert Jahren vielf\u00e4ltig untersucht worden, und es gibt zu diesem Thema reiches empirisches Material. Es belegt in geradezu \u00fcberw\u00e4ltigender Weise, dass die Medien vorrangig dazu dienen, den gesellschaftlichen und \u00f6konomischen Status derer zu stabilisieren, in deren Besitz sie sind oder von denen sie \u00f6konomisch abh\u00e4ngig sind. Das impliziert insbesondere, dass sie die politische Weltsicht der jeweils herrschenden \u00f6konomischen und politischen Eliten vermitteln, sodass nat\u00fcrlich auch die Auswahl und Interpretation von Fakten hierdurch bestimmt ist.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Rainer Mausfeld<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eGegenw\u00e4rtig haben die Leitmedien in ihrer Bereitschaft und Willf\u00e4hrigkeit, das Weltbild transatlantischer neoliberaler Eliten zu vermitteln, ganz offensichtlich jedes Ma\u00df verloren. Das hat zur Folge, dass die Medien Fakten, die nicht in dieses Weltbild passen, immer hemmungsloser verschweigen oder verzerren. So erschaffen sie medial eine gesellschaftliche und soziale Realit\u00e4t, in der die wichtigsten Fragen gar nicht erst vorkommen und die tats\u00e4chlichen Konflikte vernebelt und verschleiert werden.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Rainer Mausfeld<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eEs gibt einen wichtigen Punkt der Pressefreiheit, der in Deutschland fast nie zur Sprache kommt. Und zwar die innere Pressefreiheit in den Redaktionen. Die ist n\u00e4mlich keineswegs \u00fcberall gegeben. Ich hab das ja nun am eigenen Leib \u00fcber viele Jahre beim Spiegel mitgemacht, aber ich wei\u00df es auch aus anderen Redaktionen. Es ist nicht so, dass, wenn der Redakteur oder der Reporter, der eine Sache recherchiert hat und etwas f\u00fcr richtig oder f\u00fcr falsch erkannt hat, dass das dann automatisch auch so im Blatt erscheint. Sondern es kommt immer noch sehr h\u00e4ufig vor, dass Kollegen, die hervorragende Arbeit gemacht haben und die hervorragend schreiben und recherchieren, nicht das schreiben d\u00fcrfen und k\u00f6nnen, was eigentlich der Wahrheit entspricht. Sondern es wird zurechtgebogen, kleingemacht, zurechtgek\u00fcrzt, wenn es den jeweiligen Gesinnungen, Absichten und Interessen ihrer Vorgesetzten nicht entspricht.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Harald Schumann<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eEs gibt h\u00e4ufig politische und wirtschaftliche Interessen von Chefredakteuren und Verlegern. Und die werden von oben nach unten durchgestellt und viele Kollegen werden gezwungen, sich dem zu beugen. (\u2026) Ich durfte (beim Spiegel) zu allen Themen der politischen \u00d6konomie de facto nicht schreiben. (\u2026) Zu kritisch, zu links, nicht angepasst genug. Das wurde nicht begr\u00fcndet, sondern, wenn ich die Themen vorschlug, bekam ich die Auftr\u00e4ge nicht, da konnte ich gar nicht erst anfangen. (\u2026) Das muss man wirklich sagen: Das ist in der deutschen Presse gang und g\u00e4be, dass Chefredakteure oder Ressortleiter ihren Untergebenen sagen, was sie zu denken haben, dass Vorgaben gemacht werden, was sie recherchieren d\u00fcrfen und was nicht, und dass viele junge Kollegen daran gehindert werden, \u00fcberhaupt kritische Journalisten zu werden, weil ihre Vorgesetzten das gar nicht wollen.\u201c<\/em> <strong>Harald Schumann<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eWas die institutionelle Implementierung auf Grundlage der Agenda 2010 anging, kann man das sicherlich sagen, ja. Allerdings denke ich, dass nicht unerhebliche Teile der Bev\u00f6lkerung, insbesondere im Milieu der klassischen Arbeiterschaft, den propagierten Reformvisionen gegen\u00fcber skeptisch oder ablehnend blieben. Der Erfolg des Reformmarketings bestand hier eher darin, durch die symbolische Destruktion des traditionellen Sozialstaatsmodells dessen Bef\u00fcrwortern die Gegenwehr massiv erschwert zu haben. (\u2026) Es ging nicht nur darum, Akzeptanz f\u00fcr Reformen hervorzurufen, sondern im ganz konkreten Sinne darum, neue Sichtweisen auf das Soziale zu schaffen und die B\u00fcrger durch die Kraft der bildgewaltigen \u201aerzieherischen\u2018 Botschaften der PR-Kampagnen in \u00f6konomisch aktive und eigenverantwortliche Subjekte zu verwandeln.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Michael Walter<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eOhne Zweifel kommt im Reformdiskurs, \u00fcber den wir hier sprechen, eine \u00fcberhebliche, ja arrogante Haltung der Eliten gegen\u00fcber den vermeintlich \u201aeinfachen Leuten\u2018, insbesondere der klassischen Arbeiterschaft, zum Ausdruck. Die gesamte Debatte ist von einem deutlichen \u201aKlassismus\u2018 durchzogen. Das bereits angesprochene Aktivierungsdogma, das Ende der 1990er Jahre zum Leitbild der Reformer wurde, beruht ja auf einem grunds\u00e4tzlich negativen Menschenbild, das in aller Deutlichkeit bereits in Roman Herzogs ber\u00fchmter \u201aRuck-Rede\u2018 artikuliert wurde, die zu einem programmatischen Bezugspunkt f\u00fcr die Reformdebatte und auch die Reforminitiativen geworden ist: Der Mensch ist von sich aus ein tr\u00e4ges Wesen, dessen Antriebskr\u00e4fte durch den, wie Herzog es formuliert, \u201a\u00fcberbordenden Sozialstaat\u2018 \u00fcber die Jahre erlahmt sind. Daher bedarf es einer entschiedenen Aktivierung von au\u00dfen \u2013 wie eben beispielsweise durch die sogenannten Hartz-Gesetze \u2013, um diese einge\u00fcbte Tr\u00e4gheit in \u00f6konomisch produktive Eigeninitiative zu verwandeln.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Michael Walter<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDie Frage ist, ob wir tats\u00e4chlich dieser Form der sofort erkennbaren, direkten Staatszensur ausgesetzt sind. Ich denke nicht. (\u2026) Nach den Recherchen rund um die Wikipedia bin ich zu dem Schluss gekommen, dass wir jedoch eine weiche, nicht direkt f\u00fchlbare Staatszensur in Deutschland haben. Offensichtlich wird diese beispielsweise dadurch, dass eine \u00fcberwiegend mit Steuergeldern finanzierte Stiftung wie die Amadeu Antonio Stiftung den Auftrag des Gesetzgebers bekommt, digitale soziale Medien, in diesem Falle Facebook, auf \u201aHate Speech\u2018, also Hassreden beziehungsweise volksverhetzende Reden, hin zu untersuchen und diese dann zu zensieren.\u201c<\/em> <strong>Markus Fiedler<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eJeder Journalist, Autor und Redakteur hat doch auch eine Familie zu ern\u00e4hren. Und jeder wei\u00df: Wenn er zu viel nachforscht in Themenbereichen, die unbequem f\u00fcr die herrschenden Eliten sind, dann ist er seinen Job los. Will man das? Nein! Also macht man weiter mit Themen, die nicht so problematisch sind. Oder man gr\u00f6lt mit der Masse. Aber nur so lange, bis ein Leitmedium eine andere Richtung vorgibt, dann gr\u00f6lt man halt anders. Die Bev\u00f6lkerung wird so allerdings nicht informiert. Das Resultat ist eher Desinformation, denn Entscheidendes fehlt und soll das ja auch.\u201c<\/em> <strong>Markus Fiedler<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDer Tendenzschutzparagraph schr\u00e4nkt in den Medienunternehmen die sowieso v\u00f6llig unzureichende Mitbestimmung von Betriebsr\u00e4ten und Gewerkschaften noch weiter ein. Kein Angestellter ist so leicht auf die Stra\u00dfe zu setzen wie ein Redakteur. Das macht ihn nicht gerade wehrhaft, wenn es darum geht, wie es im unverbindlichen Ehrenkodex des Deutschen Presserats hei\u00dft, seine \u201apublizistische Aufgabe fair, nach bestem Wissen und Gewissen, unbeeinflusst von pers\u00f6nlichen Interessen und sachfremden Beweggr\u00fcnden wahrzunehmen.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Rainer Butensch\u00f6n<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eUm es kurz zu machen: Innere Pressefreiheit gibt es nicht. Macht und Ohnmacht sind im Medienbetrieb auf verschieden Rollen verteilt. Das gilt es im Interesse der Zukunftsf\u00e4higkeit unserer Gesellschaft nicht l\u00e4nger zu ignorieren.\u201c<\/em> <strong>Rainer Butensch\u00f6n<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eWir sollten sagen, was ist, wir sollten mit Kritik an den derzeitigen Zust\u00e4nden nicht sparen. Wir sollten darauf dr\u00e4ngen, in den Massenmedien endlich mehr Demokratie zu wagen. Wir sollten dazu entsprechende Initiativen entwickeln und versuchen, diese organisiert etwa \u00fcber Gewerkschaften und Volksentscheide durchzusetzen. Wir sollten uns dabei bewusst sein, dass wir gegen m\u00e4chtige Gegner antreten und dass wir die heiligste ihrer heiligen K\u00fche infrage stellen: Ihr uneingeschr\u00e4nktes Verf\u00fcgungsrecht \u00fcber ihr privates Eigentum und also die Produktionsmittel.\u201c<\/em> <strong>Rainer Butensch\u00f6n<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDie Initiative Nachrichtenaufkl\u00e4rung m\u00f6chte darauf aufmerksam machen, dass viele Themen medial unter den Tisch fallen, die gesellschaftlich relevant sind und eine Mehrheit der Bev\u00f6lkerung eigentlich angehen w\u00fcrden. Mit den \u201aTop Ten der vergessenen Nachrichten\u2018 beleuchten wir jedes Jahr zehn dieser vernachl\u00e4ssigten und ignorierten Themen etwas n\u00e4her und versuchen, sie in den Medien doch noch auf die Agenda zu heben.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Hektor Haark\u00f6tter<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eWollte man etwas differenzieren, w\u00fcrde man sagen, dass es pers\u00f6nliche und institutionelle Gr\u00fcnde f\u00fcr die Vernachl\u00e4ssigung von Themen in den Medien gibt. Zu den pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden z\u00e4hlt beispielsweise die Komplexit\u00e4t mancher Stoffe, beispielsweise bei wissenschaftlichen Themen. Arbeitsverdichtung und Zeitdruck f\u00fchren auch dazu, dass nicht nachhaltig recherchiert und berichtet werden kann, das hei\u00dft, Themen und Geschichten werden nur ereignisorientiert beleuchtet, aber nicht weiterverfolgt. Zu den institutionellen Gr\u00fcnden f\u00fcr Themenvernachl\u00e4ssigung z\u00e4hlt der politische Tendenzschutz von Medienh\u00e4usern, also dass bestimmte Geschichten nicht erz\u00e4hlt werden, weil sie politisch oder ideologisch nicht ins Bild einer Redaktion oder eines Verlegers passen. In der Medien- und Kommunikationswissenschaft sprechen wir hier vom \u201aNews Bias\u2018, also der expliziten oder impliziten Unausgewogenheit journalistischer Darstellung.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Hektor Haark\u00f6tter<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDiese fehlende Distanz f\u00fchrt dazu, dass ein verengtes Spektrum an Perspektiven und Meinungen entsteht. Auffassungen, die im Politikbetrieb oder im Mainstream der Wirtschaftswissenschaft marginalisiert sind, kommen auch in der Berichterstattung viel zu selten zum Tragen \u2013 als w\u00e4re es nicht Aufgabe des Journalismus, gerade auch diesen Auffassungen in Abgrenzung zu den vorherrschenden Interessen Raum in der \u00f6ffentlichen Debatte zu verschaffen. So versagen die Medien viel zu oft an der Aufgabe, eines der Lebenselixiere der Demokratie zu f\u00f6rdern: das Denken in Alternativen.\u201c<\/em> <strong>Stephan Hebel<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDer leitende Mitarbeiter der Organisation Gehlen und sp\u00e4ter des BND Kurt Wei\u00df hatte die Parole ausgegeben, dass die schlechte nachrichtendienstliche Erfolgsbilanz durch gute Pressearbeit wettzumachen sei. Methodisch ging der Dienst dabei nach einem \u201aDo ut des\u2018-Prinzip vor: Den stets informationshungrigen Medienvertretern wurden Geheimdiensterkenntnisse zugespielt, f\u00fcr die sie sich mit einer wohlwollenden Berichterstattung bedankten.\u201c<\/em> <strong>Erich Schmidt-Eenboom<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eF\u00fcr die Geschichte bis zum Ende des Kalten Kriegs galt, dass nahezu alle Leitmedien mehr oder weniger stark von Vertrauensjournalisten des BND durchsetzt waren. Auch bei meinen gegenw\u00e4rtigen Arbeiten sto\u00dfe ich immer wieder auf neue F\u00e4lle von Symbiosen des Dienstes mit Journalisten in der Altbundesrepublik. Auf der anderen Seite stand h\u00e4ufig das Bem\u00fchen der Dienste, missliebige Journalisten zu diffamieren, auszusp\u00e4hen und zu observieren. Ich habe es am eigenen Leibe erfahren und damit die Initialz\u00fcndung f\u00fcr einen Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags geliefert. In dessen Vorfeld hat es der BND 2005 noch einmal unternommen, meinen Kollegen Andreas F\u00f6rster \u00fcber einen Agenten aus Leipzig auszuforschen, nachdem ich mit F\u00f6rster ans Tageslicht gebracht hatte, dass der BND mich von 1994 bis 1996 bespitzelt hatte. Die einhellige Verurteilung der rechtswidrigen Ma\u00dfnahmen des BND gegen Journalisten \u00fcber alle Bundestagsparteien hinweg in den Abschlussberichten hat dann daf\u00fcr gesorgt, dass der Dienst seither \u2013 zumindest soweit man wei\u00df \u2013 auf eine systematische Aussp\u00e4hung von Medienvertretern verzichtet.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Erich Schmidt-Eenboom<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eZur NS-Publizistik geh\u00f6rten n\u00e4mlich auch mehrere Medien des Au\u00dfenministeriums und das von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels herausgegebene Edel-Magazin Das Reich. Und mit viel gr\u00f6\u00dferen Auflagen f\u00fcr das breite Publikum zudem die f\u00fcnf von Goebbels lizensierten \u201aReichszeitungen\u2018, die sich schon vor 1933 f\u00fcr Hitler eingesetzt hatten: die damaligen b\u00fcrgerlichen Qualit\u00e4tsmedien Frankfurter Zeitung, Berliner B\u00f6rsen-Zeitung, K\u00f6lnische Zeitung, Deutsche Allgemeine Zeitung und Neues Wiener Tageblatt. Sie wurden von den Nazis gef\u00f6rdert, um auf Dauer auch die \u201anormalen\u2018 B\u00fcrger auf Linie zu halten. Diese Medien repr\u00e4sentierten NS-Deutschland dann auch in den von der Wehrmacht besetzten Staaten; sie wurden dort mit Genehmigung von Goebbels und des Oberkommandos der Wehrmacht verkauft und erh\u00f6hten ihre Auflage damit noch weiter. Aus diesen Medien wurden die meisten der f\u00fchrenden Journalisten der nach 1945 lizenzierten Medien rekrutiert.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Werner R\u00fcgemer<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eIn der Tat sind viele PR-Agenturen inzwischen \u00fcberm\u00e4chtig geworden und lenken als ein gewichtiger Akteur die Geschicke der Welt aus dem Hintergrund mit. Konkret beherrschen vier gigantische PR-Verbundsysteme die gesamte Welt von Werbung, Public Relations, Medien und Consulting. Im Grunde kann jeder sie f\u00fcr jeden denkbaren Zweck anheuern: einen Pr\u00e4sidenten st\u00fcrzen, die blutige Niederschlagung eines Aufstandes aus den Medien heraushalten, einen von langer Hand beabsichtigten und geplanten Krieg endlich lostreten, indem man ihn auf manipulativste Art und Weise der Bev\u00f6lkerung \u201aschmackhaft\u2018 macht, und so weiter.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>J\u00f6rg Becker<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDie PR-Industrie missbraucht die Massenmedien bereits seit Jahrzehnten f\u00fcr ihre sehr spezifischen Eigeninteressen. Nach empirischen Studien von Barbara Baerns und Ren\u00e9 Grossenbacher kann als gesichert gelten, dass PR-Firmen, Pressestellen von Unternehmen und Lobbygruppen die Medienberichterstattung weitgehend bestimmen. Nahezu zwei Drittel aller in den Medien verbreiteten Meldungen sind nicht selbst\u00e4ndig recherchiert, sondern stammen aus Pressestellen von privaten und \u00f6ffentlichen Institutionen oder PR-Agenturen und werden den Redaktionen von sogenannten Medienservices als fertige Artikel \u201ah\u00e4ppchengerecht\u2018 feilgeboten. 80 Prozent aller Nachrichten in den Medien st\u00fctzen sich auf lediglich eine einzige Quelle, die sich bei weiteren Recherchen dann als eben jene Pressestelle entpuppt, die die Meldung in Umlauf gebracht hat.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>J\u00f6rg Becker<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eEs ist nicht einfach, die vorgefertigten Textbausteine in Pressemitteilungen und aus Briefings nicht einfach nachzubeten. Das Wording ist darin meist schon vorgegeben, und das ist ganz entscheidend f\u00fcr die Wahrnehmung eines Sachverhalts. So k\u00f6nnen Sie einen Attent\u00e4ter etwa als \u201aTerroristen\u2018, \u201aFanatiker\u2018, \u201aSpinner\u2018, \u201aRebellen\u2018 oder \u201aFreiheitsk\u00e4mpfer\u2018 bezeichnen und werfen damit jedes Mal ein g\u00e4nzlich anderes Licht auf ein und dieselbe Tat, auf ein und denselben Sachverhalt. So wird in der Syrien-Berichterstattung beispielsweise zu oft kritiklos die Bezeichnung \u201aRebell\u2018 \u00fcbernommen, obwohl nicht ersichtlich ist, worin sich die Islamisten der Al-Nusra-Front von jenen des sogenannten Islamischen Staates unterscheiden sollen. Die vorgenommene Unterscheidung dient dem Interesse von NATO, USA, EU und anderen, das darin besteht, die Gegner Assads mit dem Begriff \u201aTerrorist\u2018 zu verschonen. Das aber ist nichts anderes als durch die Anwendung doppelter Standards organisierte, reine Manipulation, denn in bestimmten anderen L\u00e4ndern w\u00fcrde man bewaffnete Aufst\u00e4ndische auch nicht als B\u00fcrgerrechtsaktivisten verharmlosen.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Sabine Schiffer<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eObjektiv und \u201avon au\u00dfen\u2018 betrachtet laufen L\u00fccken und L\u00fcgen am Ende \u2013 also in ihrer Funktion, ihrer Wirkung \u2013 auf das Gleiche hinaus. Verschwiegene Information, unten gehaltene Information, k\u00fcnstlich hochgespielte Information, dominante Narrative und so weiter \u2013 das alles verzerrt die Wirklichkeit, tr\u00e4gt letztlich zu einem unwahren Bild bei.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Ulrich Teusch<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eVielleicht sollten wir tats\u00e4chlich vom Vorwurf des L\u00fcgens zum Entscheidenden kommen. N\u00e4mlich dazu, dass die Presse f\u00fcr die Macht und die M\u00e4chtigen Partei ergreift und ihrem selbstgestellten Auftrag, als \u201avierte Gewalt\u2018 die drei anderen Gewalten zu kontrollieren und damit Demokratie erst zu erm\u00f6glichen, l\u00e4ngst nicht mehr gerecht wird.\u201c<\/em> <strong>Klaus-J\u00fcrgen Bruder<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eWenn Sie sich einmal anschauen, wie einseitig die hiesigen Medien, von taz bis Welt, \u00fcber die Ereignisse in der Ukraine berichten, dann kann man wirklich von einer Desinformation im gro\u00dfen Stil berichten. \u00c4hnliches fand und findet ja bez\u00fcglich Syrien und anderen Krisenherden statt.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Peter Scholl-Latour<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eMassenmedien waren stets Teil des Spiels und also Sprachrohr f\u00fcr den vorherrschenden Konsens unter den Eliten. In aller Regel wirkten sie dabei als Brandbeschleuniger. Und wenn leitende Herren der Branche auch heute noch gerne \u201aObjektivit\u00e4t\u2018, \u201aUnabh\u00e4ngigkeit\u2018 und \u201a\u00dcberparteilichkeit\u2018 als Ethos der Zunft proklamieren, dann l\u00fcgen sie zwar nicht unmittelbar, zeigen aber ein erschreckendes Ma\u00df an Reflexionsunf\u00e4higkeit und sprechen der Realit\u00e4t mittelbar Hohn. Das ist nicht polemisch gemeint, sondern eine Beschreibung des g\u00e4ngigen Berufsprofils.\u201c<\/em> <strong>Walter van Rossum<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eJeder Handtaschendieb hat einen Anspruch auf ein detailliertes Protokoll seiner Untat. Wenn es in den fast schon grotesken Wirren des Syrienkriegs zu einem Giftgasanschlag kommt, dann haben unsere Qualit\u00e4tsjournalisten allerdings keinerlei M\u00fche damit, binnen Sekunden den T\u00e4ter zu ermitteln und ein Urteil zu sprechen. Das ist billigster Erregungsjournalismus, der wahrhaft ersch\u00fctternde Ausma\u00dfe angenommen hat.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Walter van Rossum<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDer moderne Mensch hat inzwischen scheinbar gelernt, dass man \u201aJa\u2018 sagen muss zu all diesen Zw\u00e4ngen, dass man sich an ihre Spitze setzen muss, um sie \u201amit \u00dcberzeugung\u2018 ausf\u00fchren zu k\u00f6nnen und so selbst weiterzukommen. Im Gegensatz zu fr\u00fcheren Herrschaftssystemen ist der b\u00fcrgerliche Mensch inzwischen mit seiner eigenen Unterdr\u00fcckung regelrecht identifiziert. Und dass der Journalismus dabei die letzte Bastion unkontrollierter Freiheit sein soll, nur weil das in irgendwelchen Gesetzen steht, mutet doch ziemlich phantastisch an.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Walter van Rossum<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDie NATO hat nicht aus humanit\u00e4ren Gr\u00fcnden oder gar aus Altruismus in den Kosovo-Konflikt eingegriffen. Letzteres sollte offensichtlich sein, wurde jedoch von vielen Kriegsbef\u00fcrwortern ausgeblendet. Doch auch die behaupteten humanit\u00e4ren Motive waren nicht zutreffend. Mitte April 1999 sagte der NATO-Oberkommandierende Wesley Clark gegen\u00fcber der BBC, man habe die Operationen nach den Weisungen der politischen F\u00fchrung ausgef\u00fchrt, sie seien nicht geplant gewesen als Mittel, die ethnischen S\u00e4uberungen aufzuhalten. Sp\u00e4ter hat Clark den wahren Grund f\u00fcr das Eingreifen genannt, indem er zugab, dass der Angriff ein entscheidender Pr\u00e4zedenzfall f\u00fcr das 21. Jahrhundert war: Die \u201aOut-of-Area-Strategie\u2018, die Wandlung der NATO vom Verteidigungsb\u00fcndnis zur globalen Interventionsmacht, war bereits in den fr\u00fchen 1990er Jahren vorbereitet und rechtzeitig zum f\u00fcnfzigsten Geburtstag des B\u00fcndnisses am 24. April 1999 umgesetzt worden.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Kurt Gritsch<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eMan kann nat\u00fcrlich auch dem Idealismus der \u201afreien Presse\u2018 folgen. Das ist die Grundhaltung, die uns anerzogen worden ist. Sie macht jedoch keinen Sinn. Die gesellschaftlichen Machtverh\u00e4ltnisse enden ja nicht auf wunderbare Weise an den Toren der Medienunternehmen und Rundfunkanstalten.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>David Goe\u00dfmann<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDar\u00fcber hinaus findet offensichtlich in Hintergrundkreisen, elit\u00e4ren Vereinen, Think Tanks, exklusiven Konferenzen und an anderen Orten vertraulicher Begegnung ein Abgleich der Perspektiven statt. Dieser l\u00e4sst Journalisten oft zu Politiker-Verstehern werden, die die Fragen des Publikums nicht mehr stellen, die R\u00fccksichten nehmen und sich f\u00fcr das Gelingen einer bestimmten Politik mitverantwortlich f\u00fchlen. Eine solche \u201aVerantwortungsverschw\u00f6rung\u2018, wie ich es zugespitzt nenne, sah man in j\u00fcngster Zeit bei Themen wie Ukraine und Russland, Griechenland und Schuldenkrise sowie bei der sogenannten \u201aFl\u00fcchtlingskrise\u2018: Journalisten im Gleichklang mit der Regierung gemeinsam gegen Putin, Syriza, Pegida, oft ohne ernsthaft die Perspektiven und Interessen dieser Herausforderer unseres Establishments zu spiegeln und die G\u00fcltigkeit ihrer Argumente zu er\u00f6rtern.\u201c<\/em> <strong>Uwe Kr\u00fcger<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eUnd dass es hierzulande eine L\u00fcgenpresse gibt, sollte sp\u00e4testens nach G\u00fcnter Wallraffs Recherchen bei der BILD-Zeitung allgemein bekannt sein. Diese Zeitung, die auflagenst\u00e4rkste im Lande, steht nicht allein so h\u00e4sslich auf gr\u00fcner Flur. Denn ihre Tendenz ist die aller Bl\u00e4tter des Springer-Konzerns, und die publizistischen Interessen der zehn gr\u00f6\u00dften Pressekonzerne, denen weit mehr als die H\u00e4lfte aller Zeitungen, Zeitschriften und Kommerzsender in Deutschland geh\u00f6ren, unterscheiden sich, wenn \u00fcberhaupt, auch nur gering voneinander.\u201c<\/em> <strong>Eckart Spoo<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eWenn eine Gruppe von Medien wider besseres Wissen h\u00e4ufig unwahre Darstellungen ver\u00f6ffentlicht, wenn Texte auf Deutsch gesagt L\u00fcgen sind, dann ist der Begriff L\u00fcgenpresse auch angemessen. Wenn Medien sich zum Forum machen, auf dem Politiker oder andere Magnaten unwidersprochen Unwahrheiten verbreiten d\u00fcrfen, obwohl bekannt ist, dass es sich um Unwahrheiten handelt, dann darf von L\u00fcgenpresse gesprochen werden.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Volker Br\u00e4utigam<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eZeitungen werden eingestellt, Lokalredaktionen verschwinden, Jobs werden ausgelagert, und so weiter. Es gibt inzwischen ein Heer von sogenannten freien Journalisten, die ihre Dienste anbieten. Die wenigsten davon freiwillig, w\u00fcrde ich meinen. Folglich werden die angestellten Redakteurinnen und Redakteure erpressbar, die Tarifvertr\u00e4ge verlieren an Wirkung. Jeder wei\u00df: Wenn ich entlassen werde, finde ich kaum wieder eine vergleichbare Stelle. Wer wagt es da schon, gegen die politische Linie des Verlegers oder seines Chefredakteurs aufzumucken?\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Gert Hautsch<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eNur eine umfassend und wahrheitsgem\u00e4\u00df informierte Gesellschaft ist in der Lage, demokratisch, bewusst und angemessen Entscheidungen \u00fcber das t\u00e4gliche Leben zu treffen. Von Propaganda beeinflusste Rezipienten werden hingegen zum Spielball diverser Interessen, die nur schwer zu durchschauen sind. Das f\u00e4ngt beim t\u00e4glichen Verbraucherverhalten an und endet bei der Wahl einer politischen Partei. Dazwischen liegen manipulierte Zustimmungen zu milit\u00e4rischen Eins\u00e4tzen, zu Massen\u00fcberwachung, undemokratischen Gesetzen, zu K\u00fcrzungen im Sozialbereich und unpopul\u00e4ren Eingriffen in Verbraucherrechte oder individuelle Lebensentw\u00fcrfe.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Maren M\u00fcller<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eMein Unmut \u00fcber die Kritik an meiner Berichterstattung war auch deshalb so gro\u00df, weil ich mich schon l\u00e4nger in den M\u00f6glichkeiten beschnitten f\u00fchlte, als f\u00fcr die Afghanistanberichterstattung verantwortlicher Korrespondent das Scheitern des Westens und auch Deutschlands in Afghanistan aufzuzeigen. So wurde ich regelm\u00e4\u00dfig nach Bagdad geschickt, wenn ein Kollege aus Mainz in Afghanistan affirmative Berichte \u00fcber den Einsatz der Bundeswehr am Hindukusch fertigte. Dass ich sp\u00e4ter vom deutschen Botschafter in Kabul erfuhr, mein Telefon sei in der fraglichen Zeit abgeh\u00f6rt worden, und dass ich den Polizisten, der wegen der Verfolgungsjagd ausgezeichnet wurde, nicht interviewen durfte, best\u00e4tigte meine Einsch\u00e4tzung. Erst sp\u00e4ter erfuhr ich, dass ich im Ausw\u00e4rtigen Amt in Berlin als nicht vertrauensw\u00fcrdig und damit als nicht zu unterst\u00fctzender Journalist gewertet wurde.\u201c<\/em> <strong>Ulrich Tilgner<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDas Ausw\u00e4rtige Amt, das neben dem Bundesministerium der Verteidigung und dem Bundeskanzleramt die Hauptverantwortung f\u00fcr das deutsche Afghanistan-Desaster tr\u00e4gt, f\u00f6rdert vor allem Journalisten, die die Hintergr\u00fcnde des Scheiterns von Entwicklungspolitik aussparen, und zeichnet eher solche Kolleginnen und Kollegen aus, die geneigt sind, westlichen Interventionen positive Aspekte abzugewinnen.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Ulrich Tilgner<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDie Vorw\u00fcrfe von Buchautoren wie Albrecht M\u00fcller, Harald Schumann, Uwe Kr\u00fcger, Ulrich Teusch, Walter van Rossum oder Uli Gellermann werden einfach ignoriert. Die von all diesen Kritikern angesprochenen Schmerzzonen bleiben tabuisiert: die Folgen der R\u00fccksicht auf die Interessen der Medieneigent\u00fcmer und Anzeigenkunden, der Mangel an Zeit und Geld f\u00fcr Recherchen und der R\u00fcckgriff auf PR-Agenturen, die Existenz \u201adiskreter Fabriken der Desinformation\u2018 (Peter Scholl-Latour), die Disziplinierung durch Zeitvertr\u00e4ge, der Zusammenhang von Karriere und Selbstzensur, die besseren Honorare f\u00fcr Beitr\u00e4ge, die den M\u00e4chtigen gefallen, Hofberichterstattung in Folge allzu enger Kontakte mit Politikern, der Mainstream als Parteinahme f\u00fcr die Elite, zu der man selbst geh\u00f6rt, die Kluft zwischen \u00f6ffentlicher und ver\u00f6ffentlichter Meinung, redaktionelle Vorgaben und Anpassungsdruck als Ursache f\u00fcr die Tendenz zu Selbstgleichschaltung, Meinungshomogenit\u00e4t durch Ausgrenzung allzu deutlicher Abweichler. Indem die selbsternannten Leitmedien bei ihrer Selbstreflexion diese Fragen weitgehend aussparen, belegen sie freiwillig den Hauptvorwurf gegen sie: L\u00fcgen durch Weglassen.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Daniela Dahn<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDie gro\u00dfen Zeitungen, Privatsender und Internetplattformen sind Waren, die sich verkaufen und Werbekunden bei Laune halten m\u00fcssen. Mindestens so gro\u00dfe Gefahren wie durch die oben benannten Strukturen drohen von dieser Seite. \u201aDie erste Freiheit der Presse besteht darin, kein Gewerbe zu sein\u2018, schrieb Karl Marx 1842 in der Rheinischen Zeitung. \u201aDeine Freiheit ist nicht meine Freiheit, ruft die Presse dem Gewerbe zu.\u2018 Doch die Freiheit des Gewerbes hat gesiegt, Medien unterliegen der totalen Kommerzialisierung.\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Daniela Dahn<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDie kommenden Jahre werden es zeigen: Wird die \u00bbpolitische und wirtschaftliche Macht\u00ab gem\u00e4\u00df Altschulls \u00bbGesetz\u00ab die Kontrolle \u00fcber die Nachrichten behalten \u2013 oder werden \u00bbunkontrollierte\u00ab Nachrichten das politische und \u00f6konomische Machtgef\u00fcge ver\u00e4ndern?\u201c<\/em><br \/>\n<strong>Forschungsgruppe zu Propaganda in Schweizer Medien<\/strong><\/p>\n<div style=\"float: left; margin-top: 20px;\"><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_2956 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_2956')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_2956').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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