{"id":302,"date":"2015-02-23T16:52:01","date_gmt":"2015-02-23T15:52:01","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=302"},"modified":"2025-11-27T12:56:12","modified_gmt":"2025-11-27T11:56:12","slug":"publikumskonferenz-im-visier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/publikumskonferenz-im-visier\/","title":{"rendered":"Publikumskonferenz im Visier"},"content":{"rendered":"<p>Die Kritik der Publikumskonferenz an Programm und Berichterstattung der \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, der Nachweis der teils offensichtlichen Manipulationsversuche und der Desinformation scheint auch Journalisten des privaten Bl\u00e4tterwaldes zu tangieren. Auch sie sehen ihre Glaubw\u00fcrdigkeit durch Kritiker aus dem gemeinen Fu\u00dfvolk gef\u00e4hrdet, die eigentlich nur zu konsumieren, zu abonnieren und zu finanzieren haben und ansonsten vielleicht &#8211; wenn sie Gl\u00fcck haben &#8211; einen wohlmeinenden Kommentar unter die entsprechenden Artikel der Berufsschreiber setzen d\u00fcrfen. Kritik an der Berichterstattung wird als Zersetzung, Trollerei und Mobbing neuer Wutb\u00fcrger und Bescheidwisser disqualifiziert und es wird lauthals ein Angriff auf die Pressefreiheit im Abendland beschworen.<\/p>\n<p>Ins Gespr\u00e4ch kommen wollen die H\u00fcter der Meinungshoheit mit Kritikern nat\u00fcrlich nicht, man schreibt und schwadroniert lieber \u00fcber sie, reagiert sich in Interviews und Blogs ab, ist innerhalb von Podien unter sich und versucht sich zu \u00fcberbieten mit neuen Wortkreationen, Expertenmeinungen, Professorenschwurbel, verteilt eifrig diffamierende Etiketten und \u00fcbt sich in v\u00f6llig abwegigen Deutungsversuchen \u00fcber die jeweiligen Motivationen der Kritiker.<\/p>\n<p>Dabei sind alle Varianten m\u00f6glich, nur ein Eigenverschulden der Medienschaffenden nicht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ann\u00e4herung an Kritiker empf\u00e4nde die langj\u00e4hrige <a href=\"https:\/\/krautreporter.de\/270--beschwerden-im-akkord-wie-eine-selbst-ernannte-zuschauervertretung-ard-und-zdf-zusetzt\">ARD-Redakteurin Sonja Mikich auf Anfrage<\/a> als \u201ev\u00f6llig unangemessene Belohnung f\u00fcr Renitenz und Nerverei.&#8220; Die Chefredakteurin des WDR f\u00fchlt sich bel\u00e4stigt von der Arbeit der Publikumskonferenz.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/article134854098\/Im-Sumpf-der-Halbwahrheiten-ist-Putin-Meister.html\">WELT-Journalist Eigendorf<\/a> warf Stefan Niggemeier vor, dass er die Publikumskonferenz \u201egeadelt\u201c h\u00e4tte, nur weil dieser unsere Form der Kritik als &#8222;vergleichsweise seri\u00f6s&#8220; beschrieb.<br \/>\nSp\u00e4testens hier frage ich mich: Was bilden diese Leute sich eigentlich ein?<\/p>\n<p><strong>Der Fluch der Naivit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Eine Freundin meinte zu mir, als ich beil\u00e4ufig erw\u00e4hnte, mich f\u00fcr ein Interview mit einer Journalistin von der WELT zu treffen: \u201eDu lernst es wohl nie, wa!?\u201c und ein Mitstreiter attestierte mir zumindest Mut wegen dieses Unterfangens.<\/p>\n<p>Nachdem der wohl unterirdischste Artikel anl\u00e4sslich der Berichterstattung zur sogenannten Lanz-Petition just von diesem Blatt kam, hatte ich mir eigentlich vorgenommen, da nie wieder vorzusprechen. Die Dame von DIE WELT verstand es allerdings, mich am Telefon davon zu \u00fcberzeugen, dass sie wohl ein v\u00f6llig anderes journalistisches Genre bediene und mit Boulevard nichts am Hut habe.<\/p>\n<p>Frau Ileana Grabitz, Jahrgang 1973 und stellvertretende Ressortleiterin im <a href=\"http:\/\/investigativ.welt.de\/das-team\/\">Investigativteam der \u201cWELT\u201d<\/a> traf mich am 13.11.2014 in Leipzig, um mit mir \u00fcber die St\u00e4ndige Publikumskonferenz zu sprechen \u2013 wie alles begann, was uns bewegt und wie das alles so abl\u00e4uft mit den Beschwerden und der Arbeitsteilung. Fast zwei Stunden Gespr\u00e4ch, das Handy als Aufnahmeger\u00e4t (meins auch) und nat\u00fcrlich wurden auch private Fragen gestellt. So ganz ohne Privates geht es schlie\u00dflich auch bei Investigativ-Journalisten nicht. Wobei \u2013 was ist schon dabei? Ich antworte so ziemlich auf alle Fragen, wenn sie denn gestellt werden.<\/p>\n<p>Da lange Zeit nach dem Gespr\u00e4ch noch immer kein Resultat in lesbarer Form aus dem Gespr\u00e4ch hervorging, dachte ich zun\u00e4chst, dass das Material wohl doch nicht so spannend f\u00fcr ein Investigativteam war. Schlie\u00dflich schreibt man da \u00fcber brisante Themen wie NSU, Lebensmittel aus China, Dschihadisten, Geheimdienste, Ivan Rodionov und die Stiftung Warentest. Da passt die Publikumskonferenz irgendwie nicht rein.<br \/>\nVor ein paar Tagen fiel ich dann aus allen Wolken, als ich erfuhr, dass ein Investigativ-Journalist des Investigativteams der WELT zu meiner Person recherchiert.<\/p>\n<p><strong>Das WELT-Investigativteam \u2013 Streng vertraulich!<\/strong><\/p>\n<p>Im Klartext: <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/autor\/dirk-banse\/\">Dirk Banse, Jahrgang 1967<\/a>, hatte im November letzten Jahres, also ungef\u00e4hr zum Zeitpunkt des Interviews, beim Beauftragten f\u00fcr das Informationsfreiheitsgesetz beim BStU einen Antrag auf Herausgabe eines Beh\u00f6rdenvorganges gestellt, in dem der SPD-Landesverband Sachsen im Jahr 1997 seine \u00fcbliche Stasi-\u00dcberpr\u00fcfung f\u00fcr Mandatstr\u00e4ger abfragte.<\/p>\n<p>Dirk Banse, Absolvent der Leipziger Sektion Journalismus &#8211; auch unter dem Namen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sektion_Journalistik_an_der_Karl-Marx-Universit%C3%A4t_Leipzig\">\u201eRotes Kloster\u201c<\/a> bekannt, recherchiert vor allem F\u00e4lle, in denen <strong>Geheimdienste oder ein krimineller Hintergrund<\/strong> eine Rolle spielen. Wer im Roten Kloster studieren wollte, musste schon eine deutlich <a href=\"http:\/\/www.berliner-zeitung.de\/archiv\/leipzig-in-den-80er-jahren--hier-studieren-angehende-radio--und-fernsehjournalisten-der-ddr--die-stasi-interessiert-sich-fuer-sie--das-hinterlaesst-spuren-seminargruppe-606,10810590,9973698.html\">positive Einstellung zum Sozialismus<\/a> nachweisen. Ich wei\u00df nicht, was dort sonst noch an Inhalten vermittelt wurde, aber offenbar waren die n\u00fctzlich f\u00fcr eine einschl\u00e4gig investigative Laufbahn.<\/p>\n<p>Der Beh\u00f6rdenvorgang, der meine Stasi-\u00dcberpr\u00fcfung aus dem Jahr 1997 zum Inhalt hatte, ergab keine Hinweise auf eine hauptamtliche oder inoffizielle T\u00e4tigkeit f\u00fcr das MfS. Auch die zuvor und danach immer wieder erfolgten \u00dcberpr\u00fcfungen, denen ich als Mandatstr\u00e4gerin der SPD zuzustimmen hatte und die sp\u00e4ter auch anl\u00e4sslich einer Bewerbung beim Bundesverwaltungsamt erforderlich waren, sind nicht besonders ergiebig.<br \/>\nAlso, nicht ergiebig in dem Sinne, dass mir aus den Inhalten von Investigativ-Journalisten der Springer-Presse irgendetwas Bestimmtes angeh\u00e4ngt werden k\u00f6nnte. Dass dieses lange Interview mit Investigativ-Journalistin Grabitz wirklich nichts Verwertbares zu Tage brachte, was man in guter alter Springer-Manier zur Demontage missliebiger Personen verwenden k\u00f6nnte, ist sicher \u00e4rgerlich.<br \/>\nFalls sich doch in n\u00e4chster Zeit in den Untiefen meiner Biografie Ungeheuerlichkeiten f\u00e4nden, die mich zu einem R\u00fccktritt von meinem \u201eVorstandsposten\u201c bei der St\u00e4ndigen Publikumskonferenz zw\u00e4ngen, so r\u00fcckte eine andere Person nach. Soviel sei schon mal versprochen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.welt.de\/autor\/joerg-eigendorf\/\">Chef-Investigativ-Journalist J\u00f6rg Eigendorf<\/a> aus besagtem Investigativteam der WELT schrieb in einem <a href=\" http:\/\/www.welt.de\/debatte\/kommentare\/article134854098\/Im-Sumpf-der-Halbwahrheiten-ist-Putin-Meister.html\">Beitrag<\/a> folgendes:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eViele Verbindungen und Netzwerke aus Zeiten des Ostblocks sind noch lebendig. Die Identifikation mit der neuen Bundesrepublik nach 1990 ist in Teilen der Bev\u00f6lkerung gering geblieben. Es ist zudem verdr\u00e4ngt worden, dass die alte Bundesrepublik einer der Hauptpl\u00e4tze f\u00fcr ostdeutsche und russische Spionage war. Nirgends hat es so viele Quellen gegeben, die heute noch kompromittiert werden k\u00f6nnen \u2013 ohne dass es erkennbar w\u00e4re.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Besser kann man die Intention gar nicht in Worte fassen, die einen echten Investigativ-Journalisten <a href=\"http:\/\/www.axelspringer.de\/artikel\/Grundsaetze-und-Leitlinien_40218.html\">mit eindeutigem Auftrag<\/a> befl\u00fcgelt, seinem nat\u00fcrlichen Deutungsdrang eindeutige Indizien beizuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte es allerdings auch Verschw\u00f6rungstheorie nennen.<\/p>\n<p>Anstatt dem <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=24085 \">Pfusch<\/a>, der teilweise aus den Redaktionen schwappt, ehrlich und selbstkritisch zu begegnen, aufzuarbeiten und ggf. zu \u00e4ndern, wird die Schuld am aktuellen Desaster bei den Kritikern gesucht. Wer nicht einverstanden damit ist, was die meinungsbildende Berufsgruppe teilweise an Inhalten produziert und sich ernsthaft aus der Deckung traut um Medienkritik zu \u00fcben, ist also nicht nur wahlweise Putin-Troll, Russlandversteher, Nazi, Altstalinist, Verschw\u00f6rungstheoretiker &#8211; sondern muss zus\u00e4tzlich zwingend \u00fcber KGB-N\u00e4he verf\u00fcgen und hauptamtlich oder inoffiziell f\u00fcr den MfS t\u00e4tig gewesen sein.<\/p>\n<p>Mein Fazit aus dieser Geschichte l\u00e4sst sich leicht ziehen: Man kann ihnen nicht trauen.<br \/>\nH\u00e4tte mich Investigativ-Journalistin Ileana Grabitz im Zwei-Stunden-Informations-Gespr\u00e4ch direkt gefragt, sie h\u00e4tte eine Antwort bekommen. Inklusive Bescheid.<\/p>\n<p>Dass im Springer-Imperium offenbar einige Leute Probleme mit der Meinungsfreiheit ihrer Rezipienten haben, (Ja, auch Medienkritik wird vom Recht auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung gedeckt!) sollte zu denken geben. Sp\u00e4testens auf dem Weg zum Zeitungskiosk.<\/p>\n<blockquote><p>\u201eEinige der wichtigen Medienh\u00e4user haben aufgeh\u00f6rt, sich gegenseitig zu kritisieren \u2013auch dann nicht, wenn einzelne Kampagnen veranstalteten oder Vendetta-Journalismus an Kritikern \u00fcben.\u201c (Giovanni di Lorenzo: Aus der Rolle gefallen. In: Die Zeit 29.9.2005)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Offener Brief<\/strong><\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Banse,<\/p>\n<p>Sie recherchieren seit November 2014 zu meiner Person und wollten in einen Beh\u00f6rdenvorgang Einsicht nehmen, der meine \u00dcberpr\u00fcfung auf hauptamtliche oder inoffizielle T\u00e4tigkeit f\u00fcr das MfS aus dem Jahr 1997 zum Inhalt hat.<br \/>\nAntragsteller dieser \u00dcberpr\u00fcfung war seinerzeit der SPD-Landesverband Sachsen. Ich habe als Betroffene diesem Begehren meine Zustimmung verweigert und werde das auch k\u00fcnftig bei offiziellen Anfragen so handhaben &#8211; zumindest wenn das Begehren von Mitarbeitern der Springer-Presse und explizit aus Ihrem Team initiiert wird, da hier sowohl eindeutige Absichten als auch pers\u00f6nliche Interessen unterstellt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das bedeutet nicht, dass ich ein grunds\u00e4tzliches Problem damit habe, zu meiner Vergangenheit Stellung zu nehmen oder derartige Bescheide zu thematisieren, aber ich will direkt gefragt werden.<br \/>\nW\u00e4hrend meines zweist\u00fcndigen Gespr\u00e4ches mit Frau Grabitz im November vergangenen Jahres war dazu ausreichend Gelegenheit.<br \/>\nIm Anhang sende ich Ihnen den aktuellsten Bescheid von 2009 zu meiner Entlastung. <a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/Stasi.pdf\">Bescheid vom BstU<\/a><br \/>\nFalls Sie noch weitergehende Fragen oder Anliegen haben, die sich gut f\u00fcr die \u00f6ffentliche Demontage meiner Person &#8211; und damit der Publikumskonferenz &#8211; eignen, so lassen Sie mich das gerne wissen.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/p>\n<p>Maren M\u00fcller<\/p>\n<div style=\"float: left; margin-top: 20px;\"><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_302 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_302')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_302').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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