{"id":3073,"date":"2017-09-09T13:30:03","date_gmt":"2017-09-09T12:30:03","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=3073"},"modified":"2017-09-27T18:31:30","modified_gmt":"2017-09-27T17:31:30","slug":"der-fuenfkampf-nach-dem-tv-duell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/der-fuenfkampf-nach-dem-tv-duell\/","title":{"rendered":"Der F\u00fcnfkampf nach dem TV-Duell"},"content":{"rendered":"<p><em>Beitragsbild ARD-Hauptstadt-Blog<\/em><br \/>\n<a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/forum\/viewtopic.php?f=30&#038;t=2188\">Link zur Programmbeschwerde&#8230;<\/a><\/p>\n<p>In der ARD Sondersendung <a href=\"http:\/\/www.ardmediathek.de\/tv\/ARD-Sondersendung\/Der-F%C3%BCnfkampf-nach-dem-TV-Duell\/Das-Erste\/Video?bcastId=3304234&#038;documentId=45680912\">\u201eDer F\u00fcnfkampf nach dem TV-Duell\u201c<\/a> vom 04.09.2017 20:15 Uhr sprachen WDR-Chefredakteurin Sonia Mikich und der Zweite Chefredakteur von ARD-Aktuell Christian Nitsche mit Spitzenpolitikern der Oppositionsparteien, sowie der CSU, AfD und der FDP \u00fcber ausgew\u00e4hlte Themen vor der Bundestagswahl.<\/p>\n<p>Ab Minute 22:50 ergreift die Spitzenkandidatin der Partei Die Linke, Sahra Wagenknecht, im direkten Anschluss an eine an sie gerichtete Frage (von der Moderation unwidersprochen) das Wort, um ihre Kritik am deutschen Rentensystem anzubringen und verweist in ihrer Argumentation auf das <a href=\"https:\/\/www.rubikon.news\/artikel\/vorbild-osterreich\">Rentensystem in \u00d6sterreich,<\/a> wo die gesetzliche Rente im Durchschnitt um 800 \u20ac h\u00f6her ausf\u00e4llt als in Deutschland.<\/p>\n<p>Angesichts der Tatsache, dass Frau Wagenknecht zur Rententhematik \u00fcberhaupt nicht befragt wurde, war Frau Mikich explizit auf das von der Linken in der Rentenfrage stets bem\u00fchte Vorbild \u00d6sterreich gut vorbereitet. So hatte sich die Moderatorin offensichtlich Notizen zurechtgelegt, aus denen sie &#8211; f\u00fcr das Publikum live erlebbar &#8211; ihre Argumentation gegen Wagenknecht ablas. Nicht nur die merkw\u00fcrdige Vehemenz der Intervention Mikichs fiel an dieser Stelle unangenehm auf, sondern auch das f\u00fcr Moderatoren unbotm\u00e4\u00dfige hineingr\u00e4tschen in Sachargumentationen ohne dem Gegen\u00fcber die Chance einer Replik einzur\u00e4umen.<\/p>\n<p>Durch die f\u00fcr das Motto der Veranstaltung \u201eF\u00fcnfkampf\u201c wenig sachdienlichen, wie auch grob fehlerhaften, Behauptungen der WDR-Chefredakteurin wurde nicht nur die Argumentation der linken Kandidatin <strong>wahlbeeinflussend<\/strong> in Frage gestellt, sondern es wurde unzul\u00e4ssig und gegen die Vorgaben des Staatsvertrages (Gegen-)Partei ergriffen.<\/p>\n<p>Die \u00f6ffentlich-rechtliche Austragungsanstalt hat insbesondere bei einem politischen Duell der Spitzenkandidaten die Grunds\u00e4tze der Objektivit\u00e4t und Unparteilichkeit zu ber\u00fccksichtigen.<br \/>\nAngesichts der Anma\u00dfung Mikichs die Verlautbarung einer in hohem Ma\u00dfe sachkundigen Politikerin vor einem Millionenpublikum in Zweifel zu ziehen, kann von einem <strong>bewusst und vorbereiteten<\/strong> Eingriff in die freie demokratische Meinungsbildung ausgegangen werden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Moderatorin redet so nicht nur servil der defizit\u00e4ren Rentenpolitik der Bundesregierung das Wort, sondern suggeriert, dass es mit linken oder alternativen Ans\u00e4tzen (hier \u00d6sterreich) nicht weit her sei. Mikichs parteiliches agieren in einer Runde, in deren Verlauf die W\u00e4hlerInnen und W\u00e4hler dieser Republik m\u00f6glichst unvoreingenommen mit den Inhalten und Ansichten des politischen Spektrums in Deutschland vertraut gemacht werden sollten, st\u00e4rkt in besonderem Ma\u00dfe konservative und rechte Positionen. Indem die Moderatorin sich zur Expertin in Rentenfragen aufschwingt und dar\u00fcber hinaus der zu Unrecht bezichtigten Oppositionspolitikerin Wagenknecht das Recht einer Erwiderung absprach, wird der Eindruck einer <strong>vorbereiteten wahlbeeinflussenden<\/strong> Intrige gegen links offensichtlich.<\/p>\n<p>Sahra Wagenknecht hat die ihr im \u00f6ffentlich-rechtlichen Format \u201eDer F\u00fcnfkampf nach dem TV-Duell\u201c verweigerte Replik auf Mikichs Notizen inzwischen in Form eines Faktenchecks auf Facebook ver\u00f6ffentlicht:<\/p>\n<p>https:\/\/www.facebook.com\/sahra.wagenknecht\/photos\/a.220243721326366.71218.206307219386683\/1848304358520286\/?type=3&#038;theater<\/p>\n<p><em><strong>Der Faktencheck zur Rente in \u00d6sterreich<\/strong><\/p>\n<p>Eine gute gesetzliche Rente ist m\u00f6glich, wenn alle \u2013 also auch Beamte, Selbst\u00e4ndige und Politiker \u2013 fair einzahlen! So habe ich in der ARD-Sendung \u201eF\u00fcnfkampf\u201c argumentiert. Mit dem Verweis auf \u00d6sterreich, wo die gesetzliche Rente im Durchschnitt 800 Euro h\u00f6her ausf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Die Moderatorin stellte diese Aussage mit vier Argumenten infrage.<\/p>\n<p><strong>1. Es gibt in \u00d6sterreich keine Pflegeversicherung, die durch die Rente abgedeckt wird.<\/strong><\/p>\n<p><u>Richtig ist:<\/u><\/p>\n<p>Die Pflege (Pflegegeld) wird zwar in \u00d6sterreich \u00fcber die Rentenversicherung (Pensionsversicherungsanstalt) abgewickelt, aber ihre Leistungen (das Pflegegeld) werden in der Statistik getrennt aufgef\u00fchrt. Au\u00dferdem ist das Pflegegeld in \u00d6sterreich komplett steuerfinanziert! Das Argument, die Rente sei in \u00d6sterreich deshalb h\u00f6her weil daraus auch die Pflege finanziert w\u00fcrde, ist also Unsinn!<\/p>\n<p><strong>2. Die Rente in \u00d6sterreich wird voll besteuert.<\/strong><\/p>\n<p><u>Richtig ist:<\/u><\/p>\n<p>Auch in Deutschland werden Renten besteuert! F\u00fcr den Rentenjahrgang 2017 gilt ein Besteuerungsanteil von 74 Prozent, der bis 2040 auf 100 Prozent steigen wird. Da Renten in Deutschland also je nach Jahrgang unterschiedlich besteuert werden, ist ein Vergleich kaum m\u00f6glich \u2013 zumal es auch Freibetr\u00e4ge gibt: Renten bis zu einer H\u00f6he von 1111,71 Euro monatlich brutto sind in \u00d6sterreich z.B. steuerfrei. Schade, dass Frau Mikich nicht eine andere Statistik zu Renten und Steuern zitiert hat, die viel interessanter ist: Laut OECD hat Deutschland eine der niedrigsten Nettoersatzraten, d.h. die Rente f\u00e4llt hierzulande im Vergleich zu den vorherigen Verdiensten so niedrig aus wie in kaum einem anderen Industrieland! Vor allem Geringverdiener werden bei der Rente extrem benachteiligt! F\u00fcr Deutschland liegt die Nettoersatzrate bei 50 Prozent f\u00fcr einen durchschnittlich Verdienenden und bei 53 Prozent f\u00fcr einen Geringverdienenden \u00d6sterreich erzielt eine Nettoersatzrate von 91,6 Prozent f\u00fcr einen durchschnittlich Verdienenden und 92,1 Prozent f\u00fcr einen Geringverdienenden!<\/p>\n<p><strong>3. Es gibt in \u00d6sterreich eine andere Demografie, also mehr Erwerbst\u00e4tige die Renten finanzieren w\u00fcrden.<\/strong><\/p>\n<p><u>Richtig ist:<\/u><\/p>\n<p>Es stimmt: In Deutschland sind ca. 21% der Bev\u00f6lkerung 65 Jahre und \u00e4lter, in \u00d6sterreich nur 18,5 Prozent \u2013 aber so gro\u00df ist der Unterschied nicht. Viel entscheidender ist au\u00dferdem, wie sich die Arbeitsproduktivit\u00e4t entwickelt und wie viele Menschen durch eine gut bezahlte und sozialversicherungspflichtige Erwerbst\u00e4tigkeit in die Kassen einzahlen! Das kann man politisch gestalten: H\u00f6here L\u00f6hne = mehr Geld in der Rentenkasse! Mehr Kitapl\u00e4tze = mehr M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Frauen, erwerbst\u00e4tig zu sein u.a.<\/p>\n<p><strong>4. Es gibt in \u00d6sterreich h\u00f6here Abschl\u00e4ge bei der Erwerbsminderungsrente.<\/strong><\/p>\n<p><u>Richtig ist:<\/u><\/p>\n<p>Ja, es gibt in \u00d6sterreich h\u00f6here Abschl\u00e4ge bei der vorzeitigen Rente. Aber zum einen sind die Unterschiede marginal, zum anderen hat man in \u00d6sterreich sehr viel mehr M\u00f6glichkeiten, fr\u00fchzeitig in Rente zu gehen!<br \/>\n<\/em><\/p>\n<blockquote><p>Die Rolle eines Moderators liegt in der Regel darin, Diskussionsverl\u00e4ufe und -klima in der Gruppe zu steuern und sich beim Einbringen von Inhalten zur\u00fcckzuhalten. Die Lieferung inhaltlicher Inputs w\u00e4hrend einer politischen Diskussion im Vorfeld von Wahlen sollte jenen vorbehalten sein, auf deren Sachverstand die W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler bauen. Ein Moderator sollte insbesondere Profi darin sein, sich zur\u00fcckzuhalten und selbst in schwierigen Diskussionsverl\u00e4ufen eine neutrale Rolle einzunehmen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Frau Mikich ist seit Jahrzehnten bekannt f\u00fcr ihre eigenwilligen Interpretationen politischen Weltgeschehens und innenpolitischer Gro\u00dfwetterlagen und sieht sich offenbar in der Pflicht, das Publikum in immer k\u00fcrzer anmutenden Intervallen mit ihren Ansichten zu bekehren. Die ARD w\u00fcrde gut daran tun, f\u00fcr die demokratische Meinungsbildung wichtige Sondersendungen wie den \u201eF\u00fcnfkampf\u201c mit weniger voreingenommenen Mitarbeitern zu besetzen und darauf zu achten, dass etablierte TV-Gesichter auch zum Ende ihrer beruflichen Laufbahn erfolgreich der Verlockung widerstehen, sich \u00f6ffentlich zu Experten der eigenen Agenda zu stilisieren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/forum\/viewtopic.php?f=30&#038;t=2188\">Link zur Programmbeschwerde&#8230;<\/a><\/p>\n<div style=\"float: left; margin-top: 20px;\"><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_3073 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_3073')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_3073').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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