{"id":3222,"date":"2026-09-03T08:14:52","date_gmt":"2026-09-03T07:14:52","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=3222"},"modified":"2026-09-03T12:14:38","modified_gmt":"2026-09-03T11:14:38","slug":"publikumskonferenz-trifft-auf-oeffentliche-rundfunkanstalt-aus-der-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/publikumskonferenz-trifft-auf-oeffentliche-rundfunkanstalt-aus-der-ukraine\/","title":{"rendered":"2017 &#8211; Publikumskonferenz trifft auf \u00f6ffentliche Rundfunkanstalt aus der Ukraine"},"content":{"rendered":"<p><strong>Aus gegebenem Anlass m\u00f6chte ich an diesen Beitrag vom 2017\u00a0 erinnern: Erfahrungsaustausch mit lokalen \u00f6ffentlichen Rundfunkanstalten aus der Ukraine<\/strong><\/p>\n<p>Das Goethe-Institut Besucherprogramm f\u00fchrte im Auftrag des Ausw\u00e4rtigen Amts eine Informationsreise f\u00fcr eine Gruppe von acht Medienvertretern aus der Ukraine durch, die vom 26.11. bis 2.12.2017 in Deutschland weilten.<\/p>\n<p><em>Zum Hintergrund: Das Besucherprogramm der Bundesregierung wird vom Ausw\u00e4rtigen Amt verantwortet. Innerhalb der politischen \u00d6ffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung sind diese Informationsaufenthalte von gro\u00dfer Bedeutung. Zweck der Einladung ist die Vermittlung eines authentischen, modernen Deutschlandbildes anhand von Themen, die die ausl\u00e4ndischen G\u00e4ste beruflich interessieren. Die deutschen Botschaften und Generalkonsulate laden dazu wichtige Pers\u00f6nlichkeiten des Auslands ein. Das Goethe-Institut ist f\u00fcr die Programmplanung, Reisevorbereitung, Terminabsprachen und die Begleitung der G\u00e4ste verantwortlich.<\/em><\/p>\n<p>Es handelte sich bei den G\u00e4sten um Vertreter des in der Ukraine neugegr\u00fcndeten \u00d6ffentlichen Rundfunks, der derzeit aus 26 regionalen TV-Anstalten zu 8-9 Clustern fusioniert wird. Der Erfahrungsaustausch mit hiesigen \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten soll diesen komplexen Fusionsprozess unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><u>Die Mitglieder der Delegation waren:<\/u><\/p>\n<p>\u2022 Frau Mariya Frey, Managerin f\u00fcr Zusammenarbeit mit Regionen Public Broadcasting Company of Ukraine, Kiew<br \/>\n\u2022 Herr Orest Hryniuk, Leiter der Nachrichtenabteilung Public Broadcasting Company of Ukraine, Regionale Anstalt in Riwne<br \/>\n\u2022 Herr Dmytro Khilchenko, Producer General for Digital Platforms Public Broadcasting Company of Ukraine, Kiew<br \/>\n\u2022 Frau Tetiana Kiselchuk, General Producer (aufkl\u00e4rerischer Rundfunk) Public Broadcasting Company of Ukraine, Kiew<br \/>\n\u2022 Herr Iakiv Liubchych, Executive Producer f\u00fcr publizistische und soziale Programme Public Broadcasting Company of Ukraine, Kiew<br \/>\n\u2022 Frau Yuliia Markovska, Leiterin der GmbH \u201eTelebatschennja Sumschtschyny\u201c Public Broadcasting Company of Ukraine, Fernsehen von Sumschtschyna, Gebiet Sumy, Kramatorsk<br \/>\n\u2022 Herr Yevhen Mishchenkov, Referatsleiter f\u00fcr k\u00f6rperschaftliche Angelegenheiten in der Rechtsabteilung Public Broadcasting Company of Ukraine, Kiew<br \/>\n\u2022 Herr Mykhaylo Shmatov, Leiter der Abteilung f\u00fcr Kooperation mit Anstalten Public Broadcasting Company of Ukraine, Irpin<\/p>\n<p><u>Stationen der Besucherreise waren u.a.:<\/u><\/p>\n<p><strong>Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb)<\/strong><br \/>\nThema: \u00dcberblick \u00fcber das \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunksystem in Deutschland; das deutsch-polnische TV-Magazin &#8222;Kowalski &amp; Schmidt&#8220;<\/p>\n<p><strong>Presse- und Informationsamt der Bundesregierung<\/strong><br \/>\nGespr\u00e4ch und Rundgang<br \/>\nThema: Aufgaben und Funktion des Bundespresseamts<\/p>\n<p><strong>Ausw\u00e4rtiges Amt<\/strong><br \/>\nMittagessen auf Einladung auf Einladung der Abteilung Kultur und Kommunikation<br \/>\nReferat 601: Kultur- und Medienbeziehungen Europa, USA, Kanada, Russland, T\u00fcrkei, Zentralasien, Kaukasus; deutsche Minderheiten im Ausland<\/p>\n<p><strong>ZDF Hauptstadtstudio Berlin<\/strong><br \/>\nGespr\u00e4ch und Studiobesichtigung<br \/>\nThemen: Aktuelle Herausforderungen; Digitale Plattform-Strategien und Online-Formate<\/p>\n<p><strong>Mitteldeutscher Rundfunk (MDR) \u2013 Dresden<\/strong><br \/>\nGespr\u00e4ch und Hausf\u00fchrung<br \/>\nThemen: \u00dcberblick \u00fcber das Landesfunkhaus und seine trimediale Ausrichtung; die standort\u00fcbergreifende Zusammenarbeit im MDR<br \/>\n<strong><br \/>\nMitteldeutscher Rundfunk (MDR) &#8211; Leipzig<\/strong><br \/>\nGespr\u00e4ch und F\u00fchrung<br \/>\nThemen: Einblicke in die Zusammenarbeit mit der ARD und mit den Landesstudios, technische Prozesse und finanzielle Aspekte u.a. \u00fcber das Fusionieren von Sendeanstalten<\/p>\n<p><strong>Deutsche Welle <\/strong><br \/>\nPr\u00e4sentation zum Thema &#8222;Duales Rundfunksystem&#8220;<br \/>\nGespr\u00e4ch und Erfahrungsaustausch sowie Besichtigung des TV-Newsrooms<\/p>\n<p><strong>St\u00e4ndige Publikumskonferenz der \u00f6ffentlich-rechtlichen Medien e. V.<\/strong><br \/>\nThema: F\u00f6rderung der demokratischen Mitsprache bei der Umsetzung des gesellschaftlichen Programmauftrages der \u00f6ffentlich-rechtlichen Medienanstalten<\/p>\n<p>Am Dienstag, den 28.11. 2017 traf ich auf Einladung des Goethe-Institutes die 8-k\u00f6pfige ukrainische Delegation beim Abendessen im Leipziger Restaurant Telegraph. Das Gespr\u00e4ch fand in russischer Sprache statt und wurde von einer jungen Berlinerin russischer Abstammung gedolmetscht.<\/p>\n<p>Anfangs war ich mir nicht sicher, ob ich als Vertreterin der Publikumskonferenz \u00fcberhaupt die richtige Ansprechpartnerin f\u00fcr die Delegation sei und erkl\u00e4rte, dass wir keine gesetzliche Publikumsvertretung seien und sie sich doch an die entsprechenden Rundfunkgremien wenden m\u00f6gen. Erstaunlicherweise war das nicht der Plan, sondern es wurde tats\u00e4chlich das Gespr\u00e4ch \u00fcber unsere Arbeit und unser Anliegen der Etablierung einer Publikumsvertretung aus der Zivilgesellschaft gesucht. Einer der Gespr\u00e4chsteilnehmer merkte an, dass es interessant sei zu erfahren, was das Publikum von den Programmen h\u00e4lt und sie bei der weiteren Gestaltung des \u00f6ffentlichen Rundfunks nicht die gleichen Fehler machen wollen wie andere.<\/p>\n<p>Die \u00fcberwiegend jungen und sehr aufgeschlossenen und interessierten Teilnehmer der Delegation stellten zun\u00e4chst Ihr Anliegen und Ihren Sender (hier Region Riwne) vor.<\/p>\n<p>Der \u00d6ffentliche Rundfunk wird aus dem ukrainischen Staatshaushalt finanziert. Das Jahresbudget betr\u00e4gt 25 Mio Euro bei einem Personalstamm von ca. 7000 Mitarbeitern. Der ukrainische \u00d6ffentliche Rundfunk umfasst 25 regionale Kan\u00e4le landesweit, zwei Kan\u00e4le f\u00fcr die gesamte Ukraine, 4 Radiosender und f\u00fcnf Satellitenkan\u00e4le. Das Hauptaugenmerk der Rundfunkanstalt liege auf der regionalen Berichterstattung. Die Nachrichten w\u00fcrden selbst recherchiert und geschrieben, eine \u00dcbername von Agenturmeldungen f\u00e4nde nicht statt. Die internationale Berichterstattung und die Unterhaltungssparte sei Aufgabe der Privaten. Zudem gebe das Budget die Ausf\u00fchrung dieser Leistungen nicht her.<\/p>\n<p>Auf meine Frage hin, ob es geplant sei, einen Rundfunkbeitrag analog der Finanzierung des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland zu etablieren, wurde geantwortet, dass dies nicht der Mentalit\u00e4t der ukrainischen Bev\u00f6lkerung entspreche. Diese w\u00e4re in der Regel der Ansicht, dass der Staat f\u00fcr die Finanzierung \u00f6ffentlicher Aufgaben selbst aufzukommen habe.<\/p>\n<p>Es entspann sich am Tisch ein &#8211; um die zwei Stunden dauernder &#8211; reger Austausch mit den Teilnehmern der Delegation, in dessen Verlauf ich \u00fcber Intention, Ziele und Arbeitsweisen der Publikumskonferenz Rede und Antwort stand. Insbesondere die Minimalforderungen nach ausgewogener, unparteiischer und wahrheitsgem\u00e4\u00dfer Berichterstattung unter Ber\u00fccksichtigung der Meinungsvielfalt, eine sozial ausgewogene Beitragserhebung, die st\u00e4rkere Fixierung auf den Bildungsauftrag, die Abkehr von der reinen Quotenorientierung sowie die demokratische Mitbestimmung des Publikums, stie\u00dfen bei den Teilnehmern auf gro\u00dfes Interesse.<\/p>\n<p>Allgemeines Erstaunen herrschte \u00fcber die \u00fcberbordenden Verdienstm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Intendanten, Direktoren und die mittlere F\u00fchrungsebene, sowie die Ungleichbehandlung der freien und festangestellten Mitarbeiter. Dass immer weniger Geld f\u00fcr das Programm zur Verf\u00fcgung steht, weil Liegenschaften, Personalkosten, Pensionszahlungen und -r\u00fcckstellungen, sowie exorbitante Honorare einen Gro\u00dfteil der Einnahmen verschlingen, st\u00f6\u00dft auf Erstaunen aber auch auf hintergr\u00fcndiges L\u00e4cheln und allgemeines Nicken, wohl als Verweis auf diverse bekannte Strukturen in der Heimat.<\/p>\n<p>Eine Teilnehmerin l\u00f6cherte mich regelrecht \u00fcber unsere Arbeitsweise, warum wir das machen, wie bei Recherche und Fehlerermittlung vorgegangen wird, welche Qualifikationen unsere Mitstreiter haben, wie wir uns die Arbeit aufteilen, wie wir uns finanzieren, was unsere Haupt-Themen w\u00e4ren etc.. Auch die Initialz\u00fcndung, das Schl\u00fcsselerlebnis f\u00fcr die Gr\u00fcndung des Vereins interessierte die Anwesenden.<\/p>\n<p>Die Funktionsweise und die Zusammensetzung der Rundfunkr\u00e4te als Kontrollgremium der Anstalten wurde ebenfalls interessiert hinterfragt. Die Frage, wie ein Vertreter der Kirche oder der Gewerkschaft komplizierte Haushaltspl\u00e4ne pr\u00fcfen solle bzw. ob er \u00fcberhaupt f\u00fcr eine solche Aufgabe qualifiziert sei, stand im Raum. Unsere Forderung, die Rundfunkr\u00e4te frei und direkt vom Pubikum\/Beitragszahler w\u00e4hlen zu lassen, stie\u00df auf Skepsis. Erstaunlich f\u00fcr mich war die Ansicht des juristischen Vertreters, dass man ein solches Gremium lieber mit verm\u00f6genden Personen besetzen solle, um Korruption vorzubeugen. Er war der Ansicht, dass mittellose Menschen, die das Mandat dazu nutzen, sich ein Mindesteinkommen zu sichern, anf\u00e4lliger f\u00fcr Korruption seien. Eine Ansicht die ich nicht teilte, denn die Erfahrung lehrt etwas anderes.<\/p>\n<p>Die mangelnde Qualit\u00e4t der \u00f6ffentlich-rechtlichen Unterhaltungssparte wurde von mir mittels des Vergleiches des reichhaltigen Angebotes hochwertiger internationaler Filmproduktionen im DDR-Fernsehen erl\u00e4utert. Die DDR war kein reiches Land, aber bot dem Fernsehpublikum die sch\u00f6nsten Spielfilme aus aller Welt und auch aus der deutschen Geschichte. Legend\u00e4re franz\u00f6sische, griechische, italienische, polnische, sowjetische und amerikanische Klassiker flimmerten durch die Wohnstuben und erfreuten Alt und Jung. Im \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk dagegen dominieren heute seichte Krimis, Heimat- und Liebesschnulzen, schlechte Serien und die gef\u00fcrchteten DEGETO-Filme mit Erziehungsauftrag, welche ein Gro\u00dfteil des (j\u00fcngeren) Publikums zu den Programmen der Privaten fl\u00fcchten lassen.<br \/>\nEin etwas \u00e4lterer Teilnehmer der Runde kommentierte meinen Vortrag mit der Bemerkung, dass er die DDR in sehr guter Erinnerung habe. Das war die einzige politische Verlautbarung, die seitens der G\u00e4ste an diesem Abend fiel.<\/p>\n<p>Ich hatte im Vorfeld Bedenken (da meine\/unsere Aktivit\u00e4ten offensichtlich in einem Ma\u00dfe bekannt sind, dass eine derartige Einladung \u00fcberhaupt in Frage kam) wie die G\u00e4ste auf unseren kritischen Umgang mit den Verh\u00e4ltnissen in der Ukraine nach dem Putsch reagieren w\u00fcrden. Es schien allerdings so, als w\u00e4re Politik f\u00fcr die Delegation \u00fcberhaupt kein Thema. Nicht einmal fiel der Name Putin oder auch die leiseste Kritik an Russland. Die offen interessierte, unaufgeregte, wertsch\u00e4tzende und gastfreundliche Runde machte mich auf eine ganz bestimmte Art und Weise nachdenklich. Die unfassbare Gewaltorgie, die sich in Odessa, auf dem Maidan und in der Ostukraine Bahn brach und vielen Menschen das Leben kostete, hat offenbar nichts mit den Lebensentw\u00fcrfen, Werten und Zielen der normalen ukrainischen Bev\u00f6lkerung zu tun.<\/p>\n<p>V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung muss sich \u00fcber die Interessen von Strippenziehern, Propagandisten und Geostrategen hinwegsetzen. Wenn friedlicher Diskurs und Verst\u00e4ndigung im Kleinen funktionieren und wir diese vorurteilsfrei, bei jeder sich bietenden Gelegenheit leben, ohne Argwohn und Angst, dann werden wir voneinander lernen, wieder miteinander und zum Nutzen Aller in Frieden zu leben. Wenn Veranstaltungen wie diese dazu beitragen, sollten wir sie nutzen.<\/p>\n<div style=\"float: left; margin-top: 20px;\"><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_3222 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_3222')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_3222').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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