{"id":3307,"date":"2018-02-03T17:45:14","date_gmt":"2018-02-03T16:45:14","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=3307"},"modified":"2018-02-03T17:58:05","modified_gmt":"2018-02-03T16:58:05","slug":"bericht-von-der-ialana-tagung-krieg-und-frieden-in-den-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/bericht-von-der-ialana-tagung-krieg-und-frieden-in-den-medien\/","title":{"rendered":"Bericht von der IALANA-Tagung \u201eKrieg und Frieden in den Medien\u201c"},"content":{"rendered":"<p><em>Foto: studiovin\/Shutterstock.com<\/em><\/p>\n<p><strong>Nur die \u201eAngeklagten\u201c fehlen<\/strong><br \/>\n<strong>Bericht von der IALANA-Tagung \u201eKrieg und Frieden in den Medien\u201c.<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.rubikon.news\/artikel\/nur-die-angeklagten-fehlen\">von Stefan Korinth<\/a><\/p>\n<p>Die Friedensinitiative \u201eIALANA\u201c versammelte vom 26. bis 28. Januar in Kassel eine gro\u00dfe Zahl von Medienkritikern \u2013 darunter zahlreiche Prominente. Medienwissenschaftler, K\u00fcnstler, Juristen, Historiker, Ex-Politiker und kritische Journalisten debattierten drei Tage lang \u00fcber den Zustand der heutigen Medienlandschaft. Es ging unter anderem um Kriegspropaganda, Medienkonzentration und Programmbeschwerden. Vertreter des Mainstreams lie\u00dfen sich trotz Einladung nicht sehen.<\/p>\n<p>Knapp 30 Fachleute, die sich aus verschiedenen beruflichen Perspektiven kritisch mit den deutschen Medien befassen, waren nach Kassel gekommen. Neben der zentralen Lage sprach f\u00fcr die Stadt auch das Vorhandensein pazifistisch engagierter Kirchenmitglieder, die mit der Juristen-Initiative IALANA und weiteren Gruppen die Tagung organisierten und mit der Jugendkulturkirche den passenden Konferenzort zur Verf\u00fcgung stellten. An allen Tagen war die Kirche mit mehr als 350 Zuh\u00f6rern sehr gut gef\u00fcllt; die Konferenz bereits Tage im Vorfeld ausverkauft.<\/p>\n<p>Einig waren sich wohl alle Anwesenden, dass in den gro\u00dfen etablierten Medien des Landes vieles falsch l\u00e4uft. Der Korridor ver\u00f6ffentlichter Meinungen wird immer enger, Propaganda und Manipulationen nehmen zu, viele Berichte sind oberfl\u00e4chlich, einseitig und schlecht recherchiert, oft wird unkritisch PR verbreitet, Feindbilder werden aufgebaut, Etiketten geklebt, Kampagnen gefahren und obendrein wird die Publikumskritik nicht ernst genommen. Doch so verschieden die Probleme, so vielf\u00e4ltig sind auch die Gr\u00fcnde f\u00fcr das Medienversagen. \u201eDen gro\u00dfen Strippenzieher gibt es jedenfalls nicht\u201c, betonte die Erlanger Medienforscherin Sabine Schiffer in ihrem Vortrag.<\/p>\n<p><strong>Konzentration und K\u00fcrzungen<\/strong><\/p>\n<p>Schiffer warnte vor der best\u00e4ndig voranschreitenden Medienkonzentration in immer weniger H\u00e4nden. Sie zitierte den Journalisten Paul Sethe, der 1965 sagte, Pressefreiheit sei die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten. Heute ist diese Zahl weitaus geringer, betonte die Wissenschaftlerin. Immer mehr Lokalredaktionen oder ganze Zeitungen werden zusammengelegt. Den Menschen ist das oft gar nicht bewusst, weil die Zeitungstitel nach au\u00dfen hin erhalten blieben.<\/p>\n<p>Hinter vielen vordergr\u00fcndig unterschiedlichen Zeitungen stecke mittlerweile nur noch die Zentralredaktion einer \u201eMediengruppe\u201c. In Nordrhein-Westfalen h\u00e4tten beispielsweise 45 Prozent der Einwohner keine Auswahl mehr bei Tageszeitungen, sondern diese stammten nur noch von einem Monopolanbieter.<\/p>\n<p>Fusionen und Einsparungen der Verlagsh\u00e4user resultierten zwar aus zur\u00fcckgehenden Werbeeinnahmen, doch m\u00fcssten die Mittel f\u00fcr Redaktionen trotzdem nicht gek\u00fcrzt werden, zitierte sie den Medienforscher Horst R\u00f6per. Vielen Verlagen gehe es gut, ihre Existenz sei nicht bedroht. Tats\u00e4chlich gehe es um Profitsicherung.<\/p>\n<p><strong>Angst vor Kollegenkritik und heiklen Recherchen<\/strong><\/p>\n<p>Eine Folge dieser K\u00fcrzungen ist jedoch die extreme Verunsicherung vieler Journalisten. Diese wollen in solchen Situationen eher kein Risiko eingehen, etwa mit Kritik an Kollegen oder mit heiklen Recherchen. Niemand wei\u00df ja, wo er morgen unterkommen kann. Viele von ihnen orientieren sich deshalb an der Herde und an Alpha-Journalisten. Ein Etikett wie \u201eVerschw\u00f6rungstheorie\u201c gen\u00fcge denn auch, damit die meisten Journalisten die Finger von einer Recherche lassen, erkl\u00e4rte Schiffer. \u201eDoch wenn man nicht recherchiert, erf\u00e4hrt man nicht, ob es eine Verschw\u00f6rung gab oder ob es nur eine Theorie war.\u201c<\/p>\n<p>Auch ARD und ZDF d\u00fcnnen ihr Korrespondentennetzwerk aus, obwohl ihre Haupteinnahmequelle, die Rundfunkgeb\u00fchr, weiter sprudelt. Aktuell gibt es weltweit nur noch 30 ARD-B\u00fcros und 18 vom ZDF. Eigentlich m\u00fcssten die \u00d6ffentlich-Rechtlichen (\u00d6R), dieses Netz ausbauen, denn damit w\u00fcrden sie sich qualitativ von allen anderen Medien abheben, sagte Schiffer. \u201eSo ein Korrespondentennetz w\u00e4re das Pfund mit dem der \u00d6ffentliche Rundfunk wuchern kann.\u201c<\/p>\n<p>Schiffer pl\u00e4dierte f\u00fcr eine Reform der \u00d6ffentlich-Rechtlichen, denn diese h\u00e4tten immer noch das beste Finanzierungssystem f\u00fcr guten Journalismus. Privatmedien hingegen sind abh\u00e4ngig von Werbekunden, Crowdfunding ist abh\u00e4ngig von Stimmungen und auch Genossenschaften sind korrumpierbar. Das zeige beispielhaft die Tageszeitung (taz).<\/p>\n<p>Sie schlug vor, dass \u00f6ffentlich-rechtliche System auch auf Zeitungen und ins Internet auszuweiten. Voraussetzung sei jedoch die Demokratisierung der \u00d6R. Das Publikum m\u00fcsse mehr Einfluss bekommen. Es solle etwa Publikumsr\u00e4te w\u00e4hlen d\u00fcrfen, die transparent arbeiten und verbindliche Programmvorschl\u00e4ge machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>\u201eStiftung Medientest\u201c notwendig<\/strong><\/p>\n<p>ARD und ZDF waren auch Thema weiterer Vortr\u00e4ge. Die Leipziger Medienkritikerin Maren M\u00fcller sprach \u00fcber ihre eigenen Erfahrungen mit den Rundfunkr\u00e4ten. Als Vorsitzende der \u201eSt\u00e4ndigen Publikumskonferenz\u201c sendet sie seit Jahren Programmbeschwerden an die \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender. Dort gelten M\u00fcller und ihre Mitstreiter inzwischen als Querulanten und \u201ePutinversteher\u201c.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Rundfunkr\u00e4te arbeiteten \u00fcberhaupt nicht im Sinne des Publikums, kritisierte M\u00fcller. \u201eDie verstehen sich selbst teilweise als verl\u00e4ngerter Arm der Intendanzen.\u201c So sitzen dort freigestellte ARD-Mitarbeiter, die zwangsl\u00e4ufig in diese T\u00e4tigkeit Loyalit\u00e4tskonflikte mitbringen. Au\u00dferdem k\u00e4men politische Akteure als Entsandte unpolitischer Verb\u00e4nde durch die Hintert\u00fcr in die R\u00e4te oder w\u00fcrden von ihren Parteien dorthin entsorgt. \u201eEin Sitz im Rundfunkgremium sollte eine Ehre sein und keine Anschlussverwendung f\u00fcr abgehalfterte Politiker\u201c, unterstrich M\u00fcller.<\/p>\n<p>Die Rundfunkr\u00e4te m\u00fcssten sich im Sinne des Publikums beispielsweise deutlich gegen die dominierende Position von Einschaltquoten in den \u00d6R aussprechen, forderte sie. Die Quoten h\u00e4tten bei ARD und ZDF nichts zu suchen. \u201eDas ist ein Instrument der Werbewirtschaft.\u201c Zudem m\u00fcsse eine Stiftung Medientest eingef\u00fchrt werden, schlug M\u00fcller vor. Gerade die gro\u00dfen Medien schreien immer am lautesten \u201eFake News\u201c und m\u00fcssten sich deshalb als allererste dahingehend kontrollieren lassen.<\/p>\n<p><strong>Ablehnungsquote: hundert Prozent<\/strong><\/p>\n<p>Auch die fr\u00fcheren ARD-Mitarbeiter Friedhelm Klinkhammer und Volker Br\u00e4utigam formulieren regelm\u00e4\u00dfig Programmbeschwerden. Die beiden konzentrieren sich dabei auf Tagesschau und Tagesthemen. Rund 400 Beschwerden seien es inzwischen, sagte Br\u00e4utigam, der selbst zehn Jahre lang als Redakteur bei der Tagesschau arbeitete.<\/p>\n<p>Doch keiner einzigen ihrer Eingaben wurde stattgegeben. Meist w\u00fcrden sie vom rund sechzig-k\u00f6pfigen Rundfunkrat des zust\u00e4ndigen NDR sogar einstimmig (!) abgewiesen. \u201eDas ist gegen jede statistische Wahrscheinlichkeit\u201c, kritisierte Klinkhammer. Geradezu \u201enordkoreanische Verh\u00e4ltnisse\u201c seien das in dem Gremium, kommentierte ein Zuh\u00f6rer.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/V-und-F-Iliana.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/V-und-F-Iliana-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"605\" height=\"404\" class=\"alignnone size-large wp-image-3308\" srcset=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/V-und-F-Iliana-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/V-und-F-Iliana-300x200.jpg 300w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/V-und-F-Iliana-768x512.jpg 768w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/V-und-F-Iliana-100x67.jpg 100w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/V-und-F-Iliana-150x100.jpg 150w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/V-und-F-Iliana-200x133.jpg 200w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/V-und-F-Iliana-450x300.jpg 450w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/V-und-F-Iliana-600x400.jpg 600w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/V-und-F-Iliana-900x600.jpg 900w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/V-und-F-Iliana.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 605px) 100vw, 605px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Die Rubikon-Autoren Volker Br\u00e4utigam (links) und Friedhelm Klinkhammer berichteten \u00fcber ihre Erfahrungen mit dem NDR-Rundfunkrat (Foto: Anke Westermann)<\/em><\/p>\n<p>Die Rundfunkr\u00e4te tagen nur hinter verschlossenen T\u00fcren, sie sind nicht gew\u00e4hlt und nicht rechenschaftspflichtig. Der Sender organisiere die kompletten Sitzungen bis hin zur Bewirtung mit Speisen und Getr\u00e4nken, also die Einrichtung, die die R\u00e4te eigentlich kontrollieren sollen. Erwartungsgem\u00e4\u00df verst\u00fcnden sich die Rundfunkr\u00e4te dann auch nicht als Anw\u00e4lte des Publikums, sondern als \u201eCo-Manager der \u00d6ffentlich-Rechtlichen\u201c, betonte Br\u00e4utigam. Der Rubikon hat die Vortr\u00e4ge der beiden Medienkritiker <a href=\"https:\/\/www.rubikon.news\/artikel\/nur-die-angeklagten-fehlen\">hier<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.rubikon.news\/artikel\/offentlich-rechtliche-massenmanipulation\">hier<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p><strong>Kriterien zur Identifikation von Propaganda<\/strong><\/p>\n<p>Volker Br\u00e4utigam kritisierte, dass die Tagesschau in Syrien-Berichten auch Propaganda von Dschihadisten verarbeite. Doch f\u00fcr den Durchschnittsnutzer ist es nur selten leicht, Propaganda sofort als solche zu erkennen. Der Leipziger Medienwissenschaftler Uwe Kr\u00fcger half und erinnerte in seinem Vortrag an die zehn Grunds\u00e4tze der Kriegspropaganda, die der britische Politiker Arthur Ponsonby in den 1920er Jahren formulierte. Auch weitere Fachleute h\u00e4tten bereits n\u00fctzliche Hinweise zur Erkennung von Propaganda zusammengestellt.<\/p>\n<p>Kr\u00fcger erw\u00e4hnte den US-amerikanischen Linguisten Noam Chomsky, der auf \u201ewertvolle und wertlose Opfer\u201c in den Medien hinwies. Tote und Verletzte w\u00fcrden demnach immer dann medial vernachl\u00e4ssigt, wenn sie auf die Kappe der eigenen oder einer verb\u00fcndeten Armee gehen. Ist jedoch ein als feindlich eingestuftes Land f\u00fcr Opfer verantwortlich, w\u00fcrden diese von den Medien mit allen Mitteln pr\u00e4sentiert. Idealtypisch k\u00f6nne man das heute am unterschiedlichen medialen Umgang mit bombardierten Krankenh\u00e4usern durch die russische und durch die US-amerikanische Luftwaffe analysieren, sagte Kr\u00fcger.<\/p>\n<p>Er verwies zudem auf den Medienwissenschaftler Florian Zollmann, der neun Propaganda-Indikatoren auflistete. Hellh\u00f6rig sollten Mediennutzer werden, wenn Journalisten in ihrer Berichterstattung Emp\u00f6rung sch\u00fcren und zum milit\u00e4rischen Eingreifen auffordern oder wenn sie die Frage nach der grunds\u00e4tzlichen Legitimation eines Krieges gar nicht erst thematisieren. Weitere Propaganda-Marker sind die Betonung vermeintlicher Gr\u00e4ueltaten durch Feindstaaten auch bei unsicherer Faktenlage sowie abwertende Bezeichnungen von Staatsoberh\u00e4uptern.<\/p>\n<p>Doch trotz aller Hinweise sei es zu viel verlangt, dass normale Mediennutzer selbst Propaganda aufdecken. Die Medienwissenschaft m\u00fcsste sich wieder viel st\u00e4rker mit dem Thema befassen, forderte Kr\u00fcger. \u201eIn der heutigen Kommunikationswissenschaft ist der Begriff faktisch verschwunden.\u201c Doch es gebe gerade bei Nachwuchswissenschaftlern eine regelrechte Sehnsucht nach Propagandakritik. Kr\u00fcger warb f\u00fcr die universit\u00e4re Einrichtung von Lehrst\u00fchlen zur Propaganda-Analyse. Kritische Wissenschaftler m\u00fcssten zudem ihre eigenen Netzwerke gr\u00fcnden und konkrete Propagandaverdachtsf\u00e4lle untersuchen.<\/p>\n<p><strong>Medien warben f\u00fcr Kosovo-Krieg<\/strong><\/p>\n<p>Letzteres hat Kurt Gritsch schon getan. In seiner Doktorarbeit hat der Historiker das politische und mediale Trommeln f\u00fcr den Kosovo-Krieg (1999) analysiert. Keine der von ihm untersuchten f\u00fcnf Mainstream-Zeitungen habe deeskalierend berichtet, so Gritsch. Der v\u00f6lkerrechtswidrige Angriff der Nato wurde in den Bl\u00e4ttern mehrheitlich als \u201ehumanit\u00e4re Intervention\u201c \u2013 also als menschenfreundliche Einmischung \u2013 verkauft, erl\u00e4uterte er in seinem Vortrag. Au\u00dferdem kamen in den Medien vor allem Intellektuelle zu Wort, die den Angriff bef\u00fcrworteten.<\/p>\n<p>Gritsch hat in seiner Forschungsarbeit unter anderem die monatelange Feuilletondebatte in der Frankfurter Allgemeinen (FAZ), in der S\u00fcddeutschen (SZ), in der Zeit, im Spiegel und in der taz ausgewertet. Intellektuelle, die sich \u00f6ffentlich \u00e4u\u00dferten, positionierten sich damals zwar mehrheitlich gegen den Krieg, sagte der Historiker. Rund 55 Prozent seien Gegner und weitere 15 Prozent Skeptiker gewesen. Doch in den meisten Bl\u00e4ttern waren die Kriegsbef\u00fcrworter in der Mehrheit, am deutlichsten in FAZ und Spiegel. Die taz war hingegen nah an der Realit\u00e4t \u2013 zumindest im Feuilleton. Im Politikteil war auch sie auf Nato-Kurs.<\/p>\n<p><strong>TAZ-Abo wegen Russland-Bashing gek\u00fcndigt<\/strong><\/p>\n<p>Bis heute scheint sich daran nicht viel ge\u00e4ndert zu haben. G\u00fcnther Rager, emeritierter Medienprofessor aus Dortmund, erkl\u00e4rte in seinem Vortrag, er habe die taz mittlerweile aus Wut wegen ihrer \u201eunertr\u00e4glichen Russland-Berichterstattung\u201c abbestellt. Auch er sprach \u00fcber die Kriegsberichterstattung von Tageszeitungen und zitierte aus einer noch nicht erschienenen Studie von Matthias Wolff. Dieser hatte Artikel \u00fcber die Kriege in Afghanistan, Libyen und Gaza analysiert.<\/p>\n<p>Dabei seien die Ergebnisse \u00fcberwiegend unerfreulich, sagte Rager. So erhielten die westlichen Kriegsparteien und ihre Verb\u00fcndeten in den Berichten rund viermal so viel Raum wie ihre Gegner. 70 Prozent der Zeitungskommentare seien einseitig zugunsten der pro-westlichen Kriegsparteien gewesen. Die Bl\u00e4tter zeigten \u201egro\u00dfen Einfallsreichtum\u201c, Angriffe des Westens sprachlich zu verharmlosen. Man spreche dann etwa von \u201ebombardierten Stellungen\u201c, ohne zu erw\u00e4hnen, dass sich in den Stellungen Menschen befanden, erl\u00e4uterte der Zeitungsforscher.<\/p>\n<p>Eine weitere Erkenntnis: Unter v\u00f6lker- und menschenrechtlichen Gesichtspunkten w\u00fcrden Russland, China und der Iran weitaus h\u00e4rter beurteilt als die USA, Saudi Arabien oder die T\u00fcrkei. Immer wieder inszenierten Medien ihre Berichte so, dass Leser sehr schnell merkten, wer \u201edie Guten\u201c sind. Zuschauer und Leser m\u00fcssten von der \u201everfehlten Vorstellung\u201c wegkommen, dass Journalisten nur die Wirklichkeit abbilden und nicht inszenieren, so Rager. Chefredakteure spielten bei den Inszenierungen die Rolle des Regisseurs.<\/p>\n<p>Den \u201egro\u00dfen Strippenzieher\u201c gebe es tats\u00e4chlich nicht, sagte auch Rager. Von au\u00dfen seien aber gar keine Eingriffe n\u00f6tig, um Redaktionen zu einseitiger und bellizistischer Berichterstattung zu dr\u00e4ngen, erl\u00e4uterte er. Sie arbeiten selbstst\u00e4ndig und verteilen die Rollen von Gut und B\u00f6se nach wirtschaftlich-milit\u00e4rischer B\u00fcndniszugeh\u00f6rigkeit. \u201eViele Redakteure sind von der dominierenden Weltanschauung \u00fcberzeugt.\u201c<\/p>\n<p><strong>Deckmantel von Interessenpolitik wegziehen<\/strong><\/p>\n<p>Die fr\u00fchere ARD-Moskau-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz erg\u00e4nzte, dass Journalisten ja eigentlich dazu da seien, \u201ehumanit\u00e4re Deckm\u00e4ntelchen von knallharter Interessenpolitik wegzuziehen\u201c. Doch gerade in der Russland-Berichterstattung geschehe das Gegenteil. Von Journalisten m\u00fcsse man auch erwarten k\u00f6nnen, dass sie komplexe Sachverhalte wie etwa rechtliche Fragen zu Annexion und Sezession erl\u00e4uterten, statt nur die politischen Meinungen anderer nachzusprechen. Zu viele Journalisten berichteten nicht mehr an der Sache orientiert, sondern argumentierten nur noch rein moralisch, konstatierte Krone-Schmalz. \u201eSeien Sie bei so etwas besonders misstrauisch\u201c, forderte sie die Zuh\u00f6rer auf.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Krone-Schmalz-IALANA.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Krone-Schmalz-IALANA-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"605\" height=\"404\" class=\"alignnone size-large wp-image-3309\" srcset=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Krone-Schmalz-IALANA-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Krone-Schmalz-IALANA-300x200.jpg 300w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Krone-Schmalz-IALANA-768x512.jpg 768w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Krone-Schmalz-IALANA-100x67.jpg 100w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Krone-Schmalz-IALANA-150x100.jpg 150w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Krone-Schmalz-IALANA-200x133.jpg 200w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Krone-Schmalz-IALANA-450x300.jpg 450w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Krone-Schmalz-IALANA-600x400.jpg 600w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Krone-Schmalz-IALANA-900x600.jpg 900w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Krone-Schmalz-IALANA.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 605px) 100vw, 605px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Die fr\u00fchere Russland-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz warnte vor holzschnittartigen Erkl\u00e4rungen in den Medien (Foto: Anke Westermann)<\/em><\/p>\n<p>Albrecht M\u00fcller, Gr\u00fcnder und Herausgeber der Nachdenkseiten, wies in seiner<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42216\">Rede<\/a> auf die wiederkehrende Nutzung von Kampagnen durch die Medien hin. Es habe solche organisierten Kampagnen gegen die gesetzliche Rente genauso gegeben wie gegen den \u201eFriedenswinter\u201c. Die neue Friedensbewegung wurde von den Medien massiv bek\u00e4mpft, sagte M\u00fcller. \u201eSie durfte nicht so anwachsen, wie in der 80er Jahren.\u201c<\/p>\n<p>M\u00fcller erinnerte an eine gro\u00dfe Veranstaltung des \u201eFriedenswinters\u201c, bei der kein einziger Rechter sprach. Trotzdem h\u00e4tte der Mainstream die Demonstration als \u201eQuerfront\u201c verunglimpft. Auf solche Etiketten bezogen sich dann wiederum andere Medien, aber auch Wikipedia.<\/p>\n<p>Der Oldenburger Lehrer und Filmemacher Markus Fiedler erl\u00e4uterte in seinem Vortrag, wie die Online-Enzyklop\u00e4die mit negativen Assoziationen und verleumderischen Etiketten herummanipuliert, beispielsweise an der Glaubw\u00fcrdigkeit von Friedensaktivisten. Nicht vergessen werden darf beim Thema Propaganda und Manipulation die PR-Industrie. F\u00fcr Geld f\u00fchrt sie zusammen mit Medien auch ganze Kriege herbei, wie der Politikwissenschaftler J\u00f6rg Becker in seiner <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42234\">Rede<\/a> verdeutlichte.<\/p>\n<p><strong>Manipulationen des Mainstreams<\/strong><\/p>\n<p>Wie Manipulationen von journalistischen Medien funktionieren, erl\u00e4uterten weitere G\u00e4ste: Eine Frau aus dem Publikum, die im Sommer bei einer der Friedensfahrten nach Russland dabei war, berichtete, dass die Gruppe von drei ZDF-Leuten begleitet wurde. Daraus entstanden zwei Berichte bei Frontal 21. \u201eDie sind katastrophal\u201c, erkl\u00e4rte die Frau. \u201eUnsere Tochter hat vor dem Fernsehen angefangen zu weinen. Und sagte: \u201aDas stimmt doch gar nicht, was die da sagen.\u2018\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Podium-IALANA.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Podium-IALANA-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"605\" height=\"404\" class=\"alignnone size-large wp-image-3310\" srcset=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Podium-IALANA-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Podium-IALANA-300x200.jpg 300w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Podium-IALANA-768x512.jpg 768w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Podium-IALANA-100x67.jpg 100w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Podium-IALANA-150x100.jpg 150w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Podium-IALANA-200x133.jpg 200w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Podium-IALANA-450x300.jpg 450w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Podium-IALANA-600x400.jpg 600w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Podium-IALANA-900x600.jpg 900w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Podium-IALANA.jpg 1543w\" sizes=\"auto, (max-width: 605px) 100vw, 605px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Zwischen den Vortr\u00e4gen gab es immer wieder kleine Diskussionsrunden auf dem Podium, hier mit (v.l.) Moderator Gerhard Baisch (IALANA), den Journalisten Ulrich Teusch und Gabriele Krone-Schmalz sowie dem Historiker Kurt Gritsch (Foto: Anke Westermann<\/em>)<\/p>\n<p>Auch H\u00f6rfunkjournalist und Buchautor Ulrich Teusch (\u201eL\u00fcckenpresse\u201c) best\u00e4tigte den Eindruck, dass die Leitmedien kein realistisches Bild von Russland zeichnen wollen. Es gebe h\u00f6chstens Naturdokumentationen von dort, aber Berichte \u00fcber das allt\u00e4gliche Leben der Menschen in Russland fehlten g\u00e4nzlich, stellte er fest. Teusch warb in seinem <a href=\"https:\/\/www.rubikon.news\/artikel\/das-erste-opfer-eines-krieges-ist-die-wahrheit\">Vortrag<\/a> f\u00fcr einen Journalismus, der Beitr\u00e4ge zur V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung leistet.<\/p>\n<p>Doch stattdessen herrsche ein staats- und wirtschaftsnaher Journalismus, der im Sinne der M\u00e4chtigen Tatsachen, die ihnen nicht passen, zu Meinungen degradiert und umgekehrt genehme Meinungen in Tatsachen verwandelt. Dies geschehe in der Tagesschau genauso wie in Polit-Talkshows, stellte Teusch fest.<\/p>\n<p>Ein Beispiel sei die durch nichts Substanzielles belegte Russiagate-Verschw\u00f6rung (Putin habe die US-Wahlen manipuliert), die interessierte Seiten in den USA aber auch in Deutschland permanent medial bespielen. \u201eDas ist nicht nur ein Kampf um Deutungshoheit, sondern ein Kampf gegen Tatsachen\u201c, betonte Teusch. Die Leitmedien bewerten Informationen danach, ob sie in den vorherrschenden Deutungsrahmen passen. Falls nicht, w\u00fcrden diese Informationen einfach nicht ver\u00f6ffentlicht. Heute-Journal-Moderator Claus Kleber h\u00e4tte sein Buch nicht \u201eRettet die Wahrheit!\u201c, sondern \u201eRettet meine Wahrheit!\u201c nennen sollen.<\/p>\n<p><strong>Diskurswaffen: Von Antisemitismus bis Verschw\u00f6rungstheoretiker<\/strong><\/p>\n<p>Immer wieder kam die Taktik von Mainstreammedien zur Sprache, Kritiker massiv mit Negativetiketten zu schm\u00e4hen. Nachdenkseiten-Redakteur Jens Berger wies auf die immer wiederkehrende Verleumdung der Nachdenkseiten als Teil einer angeblichen \u201eQuerfront\u201c hin. Besonders bitter sei, dass ausgerechnet die Gewerkschaften die linke Website heute als Feind sehen. Die Otto-Brenner-Stiftung (IG Metall) hatte den Medien mit einem tendenzi\u00f6sen Arbeitspapier das Futter f\u00fcr die Angriffe geliefert.<\/p>\n<p>Ein weiteres verleumderisches Etikett ist \u201eAntisemit\u201c, das trotz seiner schwerwiegenden Bedeutung heute geradezu inflation\u00e4r, aber h\u00f6chst wirksam gegen jede Form der Israelkritik angewandt werde. Selbst die Macher des ZDF-Kabaretts \u201eDie Anstalt\u201c h\u00e4tten eine gewisse Furcht davor, den Israel-Pal\u00e4stina-Konflikt in ihrer Sendung zu thematisieren, r\u00e4umten Max Uthoff und der Rechercheur Ekkehard Sieker ein.<\/p>\n<p>Vom freien Korrespondenten Andreas Zumach ernteten sie daf\u00fcr heftige Kritik. Die Anstalt muss endlich was zu dem Konflikt und zur v\u00f6lkerrechtswidrigen Besatzungspolitik Israels machen, forderte er. Die Fakten zu dem Konflikt liegen alle klar auf dem Tisch. Nat\u00fcrlich w\u00fcrden Henryk M. Broder, Teile des Zentralrats der Juden und Anti-Deutsche die Sendung anschlie\u00dfend mit Antisemitismusvorw\u00fcrfen angreifen, sagte Zumach. Aber solche Vorw\u00fcrfe seien Verharmlosungen des Holocausts. Das m\u00fcsste die Anstalt dann auch klar sagen.<\/p>\n<p>Ein medial \u00e4hnlich hei\u00dfes Eisen seien die Anschl\u00e4ge vom 11. September 2001. Daran wage sich kein gro\u00dfes Medium, kritisierte ein Mann aus dem Publikum. Dabei w\u00fcrden doch gerade diese Anschl\u00e4ge bis heute als Rechtfertigung f\u00fcr den weltweiten Anti-Terror-Krieg genutzt. Der Journalist und gelernte Physiker Ekkehard Sieker vom Team der \u201eAnstalt\u201c erkl\u00e4rte dazu, die offizielle Version der Anschl\u00e4ge sei zwar nicht mit den Naturwissenschaften zu vereinbaren. Doch f\u00fcr Journalisten w\u00fcrde durch Recherchen dazu ihr komplettes Weltbild zusammenbrechen. \u201eDavor f\u00fcrchten sie sich.\u201c<\/p>\n<p><strong>Der Mainstream sagt ab<\/strong><\/p>\n<p>Sieker und Uthoff arbeiten zwar f\u00fcr eine ZDF-Sendung, doch als typische Repr\u00e4sentanten des Mainstreams k\u00f6nnen die beiden nicht bezeichnet werden. Kein Vertreter eines gro\u00dfen Mediums kam ansonsten zur Tagung nach Kassel. Viele Redner und G\u00e4ste im Publikum bedauerten in ihren Wortmeldungen diese verpasste Chance zur Diskussion.<\/p>\n<p>\u201eHier fehlt schon angefangen von der \u00f6rtlichen Presse, die Hessisch-Nieders\u00e4chsische Allgemeine, die Kasseler Tageszeitungen, es fehlen die Mainstreammedien. Die gro\u00dfen Zeitungen haben hier keine Reporter hingeschickt. Es ist auch kein hessisches Fernsehen hier. Das werten wir zun\u00e4chst mal so, dass es hier offensichtlich gewisse \u00c4ngste gibt, dass man hier vielleicht einer Veranstaltung Raum gibt in der Berichterstattung, die kritisch \u00fcber das berichtet, was man selbst macht. Das ist vielleicht schwer zu ertragen\u201c, <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=qMp9rRddZls&#038;feature=youtu.be&#038;t=171\">sagte IALANA-Vorstand Otto J\u00e4ckel.<\/a><\/p>\n<p>Gabriele Krone-Schmalz, lange Jahre bei der ARD t\u00e4tig sagte: \u201eDie Stimmung in Deutschland ist so vergiftet, dass sich Kollegen der Leitmedien nicht hierher trauen.\u201c Das ist ein Zeichen der Verh\u00e4rtung, meinte Albrecht M\u00fcller. \u201eDieser Dialog muss auf den Tisch.\u201c Sein Kollege Jens Berger sagte: \u201eFr\u00fcher wurden wir noch f\u00fcr Gastbeitr\u00e4ge angefragt oder ins Radio eingeladen. Das ist heute vorbei.\u201c Die klassischen Medien tun sich mit der Frontstellung keinen Gefallen, erkl\u00e4rte er. Sie treiben damit die Zuschauer nur zu den alternativen Medien.<\/p>\n<p><strong>Alternativmedien sagen zu<\/strong><\/p>\n<p>Von den alternativen Medien stellten sich neben Weltnetz TV, den Nachdenkseiten, der St\u00e4ndigen Publikumskonferenz und Peace Counts auch der Rubikon mit seinem Gr\u00fcnder Jens Wernicke vor. Sein Impulsreferat wurde ebenfalls bei <a href=\"https:\/\/www.rubikon.news\/artikel\/ist-die-welt-uberhaupt-noch-zu-retten\">Rubikon<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Jen-W.-IALANA.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Jen-W.-IALANA-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"605\" height=\"404\" class=\"alignnone size-large wp-image-3311\" srcset=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Jen-W.-IALANA-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Jen-W.-IALANA-300x200.jpg 300w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Jen-W.-IALANA-768x512.jpg 768w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Jen-W.-IALANA-100x67.jpg 100w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Jen-W.-IALANA-150x100.jpg 150w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Jen-W.-IALANA-200x133.jpg 200w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Jen-W.-IALANA-450x300.jpg 450w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Jen-W.-IALANA-600x400.jpg 600w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Jen-W.-IALANA-900x600.jpg 900w, https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Jen-W.-IALANA.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 605px) 100vw, 605px\" \/><\/a><br \/>\n<em>Jens Wernicke stellte die Idee des \u201eRubikon\u201c vor und betonte, dass die Akzeptanz von Meinungspluralit\u00e4t bei jedem selbst beginnt (Foto: Anke Westermann)<\/em><\/p>\n<p>Die taz \u00fcbrigens \u2013 einst als Alternativmedium schlechthin gegr\u00fcndet \u2013 sei heute keines mehr, sagte Ute Finkh-Kr\u00e4mer. Die SPD-Politikerin arbeitete lange im Bundespresseamt (BPA). Seit 1999 wertet das BPA die taz f\u00fcr die t\u00e4gliche Pressemappe des Bundeskanzlers aus, berichtete sie. In dieser Mappe liege nichts alternatives, sondern nur Mainstream.<\/p>\n<p>Die Macher der Alternativen wiesen erneut darauf hin, wie wichtig die Finanzierung durch Nutzer ist. Mit Ehrenamtlern allein k\u00f6nnten diese Medien nicht betrieben werden. \u201eGuter Journalismus braucht Zeit und Geld\u201c, sagte Tilman W\u00f6rtz von Peace Counts. \u201eEs ist wahnsinnig anstrengend, guten Journalismus zu machen.\u201c Der Friedensaktivist Rainer Braun betonte, dass viele Journalisten in prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnissen lebten. Eine Art gesellschaftlicher Fonds, der Journalisten bei ihren kritischen Recherchen finanziell unterst\u00fctzt, m\u00fcsste gegr\u00fcndet werden, so sein Vorschlag.<\/p>\n<p><em>Hier ruft niemand \u201eL\u00fcgenpresse\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Festzuhalten bleibt:<\/strong> Die Juristenvereinigung IALANA hatte eine gro\u00dfe Zahl interessanter Medienkritiker in Kassel zusammengef\u00fchrt, die die Schwachstellen des heutigen Journalismus klar aufzeigten. Oder wenn man es in der Sprache einer Gerichtsverhandlung ausdr\u00fccken wollte: Viele Sachverst\u00e4ndige bezeugten den Tathergang, doch die Hauptangeklagten erschienen nicht. Wie so oft, wenn sie konstruktiv kritisiert werden, schlugen die Mainstream-Medien die Einladung zur Debatte aus und ignorierten die Veranstaltung auch in ihrer Berichterstattung. Journalisten vom Tagesspiegel, von der S\u00fcddeutschen Zeitung und von der Frankfurter Rundschau hatten Anfragen vorliegen. Selbst das \u201eRechercheb\u00fcro Correctiv\u201c war eingeladen. Alle sagten ab.<\/p>\n<p>Wenn demn\u00e4chst wieder jemand behauptet, Mainstreamkritiker, Friedensbewegte und Alternative Medien wollen sich in Filterblasen verschanzen und nur Argumente ihrer Mitstreiter h\u00f6ren, m\u00f6ge derjenige auf diese Veranstaltung schauen. Die vermeintliche Filterblase war weit ge\u00f6ffnet. Der rote Teppich war ausgerollt, <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42173\">wie Marcus Kl\u00f6ckner schreibt<\/a>. Seri\u00f6se Veranstalter, kompetente Redner und ein interessiertes, gut informiertes Publikum h\u00e4tten sich gern die Sicht des Mainstreams angeh\u00f6rt und sachlich-kritisch mit den Alpha-Journalisten debattiert. Hier h\u00e4tte niemand \u201eL\u00fcgenpresse\u201c gerufen, sie ausgepfiffen oder mit Pr\u00fcgel gedroht.<\/p>\n<p>Doch vielleicht ist auch genau das der Grund. Blieb der Mainstream vielleicht weg, weil er mit Kritikern wie denen in Kassel nicht umgehen kann? Sie sind den etablierten Journalisten wom\u00f6glich unangenehm, weil diese Kritiker genau wissen, wovon sie reden, weil sie die Abl\u00e4ufe in den Redaktionen kennen, weil sie empirische Untersuchungen zur Hand haben und ihre Argumente wissenschaftlich unterlegen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>So gesehen hat der Mainstream die Rufer \u00e1 la \u201eL\u00fcgenpresse \u2013 auf die Fresse\u201c gern. Mit denen muss er sich inhaltlich nicht auseinandersetzen. Doch die, die in der Sache etwas zu sagen haben, sind ein gro\u00dfes Problem f\u00fcr die gro\u00dfen Medien. Da bleibt man lieber weg.<\/p>\n<p><strong>Was tun?<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Bericht soll nicht mit dem desillusionierenden Blick auf den Mainstream beschlossen werden, sondern konstruktiv mit einer Zusammenfassung der praktischen Handlungsvorschl\u00e4ge, die die Redner in Kassel machten. Die Frage \u201eWas tun?\u201c wurde von Veranstaltern und Publikum dort immer wieder gestellt.<br \/>\nFolgende Ideen kamen zusammen:<\/p>\n<p>Einf\u00fchrung gew\u00e4hlter Publikumsr\u00e4te bei den \u00d6R, siehe hierzu auch die <a href=\"http:\/\/publikumsrat.de\/ueber-uns\/erlanger-erklaerung\/\">Erlanger Erkl\u00e4rung<\/a><br \/>\nGr\u00fcndung einer \u201eStiftung Medientest\u201c<br \/>\nEinrichtung von Lehrst\u00fchlen f\u00fcr kritische Propaganda-Analyse<br \/>\nSt\u00e4rkung und Gr\u00fcndung eigener Netzwerke wie die <a href=\"https:\/\/kritischekommunikationswissenschaft.wordpress.com\/\">Initiative kritischer Kommunikationswissenschaftler <\/a>Institutionalisierte Untersuchung konkreter Propagandaverdachtsf\u00e4lle<br \/>\nEinf\u00fchrung eines Schulfaches Medienkompetenz<br \/>\nGr\u00fcndung eines Fonds zur finanziellen Unterst\u00fctzung f\u00fcr kritische Journalisten in prek\u00e4ren Bedingungen. <\/p>\n<p>Eine kleine Liste \u2013 deren Verwirklichung und Fortschritt bei der n\u00e4chsten IALANA-Medientagung durchaus \u00fcberpr\u00fcft werden darf.<\/p>\n<p><strong>Anmerkung<\/strong><\/p>\n<p>Da in diesem Bericht nicht alle Vortr\u00e4ge in ihrer Tiefe wiedergegeben werden k\u00f6nnen, soll hier auch auf die Berichterstattung unserer Kollegen verwiesen werden. WeltnetzTV wird die gefilmten Reden aller Beteiligten online stellen. Der Auftakt der Tagung mit der linken Publizistin <a href=\"https:\/\/weltnetz.tv\/video\/1385-max-uthoff-krieg-und-frieden-den-medien\">Daniela Dahn und dem Kabarettisten Max Uthoff<\/a> ist dort bereits zu sehen. RT Deutsch filmte einen <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=V8Uq14Dwk2U\">Teil einer Podiumsdiskussion<\/a>. Weitere schriftliche Berichte von der Tagung gibt es unter anderem <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=42173\">von Marcus Kl\u00f6ckner bei den NachDenkSeiten<\/a>, vom <a href=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/1178\">Medienwissenschaftler Michael Meyen<\/a> und vom <a href=\"http:\/\/www.der-freigeber.de\/zwischen-propaganda-und-wahrhaftigkeit-konstruktive-kritik-auf-der-ialana-medientagung\/\">Journalisten Jens Brehl.<\/a> Eine Sammlung von Pr\u00e4sentationen, Videos und Fotos gibt es auch hier auf der <a href=\"http:\/\/medientagung.ialana.de\/category\/auswertung\/\">Website zur Tagung.<\/a><\/p>\n<div style=\"float: left; margin-top: 20px;\"><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_3307 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_3307')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_3307').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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