{"id":3626,"date":"2018-05-29T22:00:43","date_gmt":"2018-05-29T21:00:43","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=3626"},"modified":"2018-07-05T12:46:40","modified_gmt":"2018-07-05T11:46:40","slug":"alles-eine-sosse-banker-gauner-journalisten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/alles-eine-sosse-banker-gauner-journalisten\/","title":{"rendered":"Alles eine So\u00dfe: Banker, Gauner, Journalisten"},"content":{"rendered":"<p><em>Bildquelle: Deutsche Bank, Slogans f\u00fcr die Werbung <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Dr. Gniffkes Macht um Acht<\/strong><\/p>\n<h3><strong>In den Nachrichten \u00fcber Massenentlassungen bei der Deutschen Bank spielt das Schicksal der Betroffenen keine Rolle<\/strong><\/h3>\n<p><em>von Friedhelm Klinkhammer und Volker Br\u00e4utigam<\/em><\/p>\n<p>Die Tagesschau meldet:<\/p>\n<p><em>\u201eBei der Deutschen Bank ist ein massiver Stellenabbau angelaufen. Die Zahl der Vollzeitstellen soll von jetzt noch mehr als 97 000 auf deutlich unter 90 000 verringert werden. Konzernchef Sewing k\u00fcndigte an, vor allem Jobs beim Aktienhandel und im Investment-Banking zu streichen. Viele Aktion\u00e4re zeigten sich&#8230; unzufrieden&#8230;\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Stellenzahl wird \u201everringert\u201c. Blo\u00df nicht melden, was Sache ist: Weit mehr als 7000 Menschen werden ihre Arbeitspl\u00e4tze verlieren. Sie werden arbeitslos oder auf ungeliebte Posten verschoben, weil einem alerten Banker vom Typ Jungdynamiker nichts Besseres einf\u00e4llt, wie die Profite der Bank wieder so gesteigert werden k\u00f6nnten, dass die Aktion\u00e4re den Hals voll kriegen. Der Mann verdient mehrere Millionen Euro pro Jahr. Die Tagesschau, wichtigster Nachrichtenanbieter des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks, berichtet aus seinem und dem Blickwinkel von Aktion\u00e4ren und Managern, vulgo: Beutelschneidern. Das Schicksal von tausenden Lohnabh\u00e4ngigen interessiert sie einen Dreck. Kein wahrscheinlich Betroffener kommt hier zu Wort.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dass die Deutsche Bank einem Gangster-Syndikat \u00e4hnelt, ist keine neue Erkenntnis. Ihre fiesen Gesch\u00e4fte im Investment-Banking haben zu diesem Ruf beigetragen. 20 Milliarden Euro an Aktienwert haben die Boni-Raffer des Direktoriums in ihrer Gier in j\u00fcngser Zeit \u201everbrannt\u201c. Um den Abw\u00e4rtstrend zu stoppen, greifen sie nun zum probatesten Mittel eines kapitalistischen Wirtschaftssystems: Sie drangsalieren Arbeitnehmer, verschlechtern deren soziale Existenz und vernichten Arbeitspl\u00e4tze.<\/p>\n<p>Dass ARD-aktuell dar\u00fcber berichtet, dass fast zehn Prozent des Personals der Deutschen Bank zu L\u00fcckenb\u00fc\u00dfern eines unf\u00e4higen Bankmanagements gemacht werden sollen, versteht sich. Entscheidend ist nur die Perspektive der Berichterstattung, aus der Chefredakteur Dr. Gniffke seine ARD-aktuell-Qualit\u00e4tsjournalisten \u00fcber den rigide asozialen Kurs der Bank informieren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Das Schicksal der f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssig erkl\u00e4rten Arbeitnehmer wird in ihren Nachrichten abgehandelt nach Ma\u00dfgabe von Bilanzregeln und Kostenfaktoren:<em> \u201c&#8230;Was nach einem Umbau mit der Brechstange klingt, scheint bitter n\u00f6tig zu sein, denn die Bank hat vor allem ein Kostenproblem.&#8220;<\/em> Kein Wort verliert die Tagesschau dar\u00fcber, dass die jetzt diskutierte Massenentlassung mutma\u00dflich nur die Spitze des Eisberges ist. Im Dezember 2017 sagte der vorige Vorstandschef John Cryan der Financial Times, seiner Ansicht nach seien bei der Deutschen Bank die H\u00e4lfte der 97.000 Arbeitspl\u00e4tze \u201e\u00fcberfl\u00fcssig\u201c. Verschwiegen wird auch, dass die Aktion\u00e4re der Deutschen Bank in diesem Jahr immerhin noch rund 1,5% Dividende einsacken, das Siebenfache dessen, was derzeit ein Sparbuchbesitzer zu erwarten hat.<\/p>\n<p>Der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk, eine demokratische Errungenschaft, Einrichtung des Volkes f\u00fcr das Volk? Von wegen: In seinen Nachrichten, auch in denen der Tagesschau, kommt das Schicksal der gek\u00fcndigten Arbeitnehmer nicht vor, sondern es dominieren die Interessen der Kapitaleigner. Ausgiebig darf Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung f\u00fcr Wert-Papier-Besitz seine Kritik am Management der Bank \u00e4u\u00dfern. Eine Minute Maulen und Labern aus der Sicht von Pfennigfuchsern, ehe die Tagesschau-Reporterin ihn allen Ernstes fragt:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e7000 Stellen streichen, ist das der richtige Weg?\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Diese absolut bescheuerte Frage macht wasserklar, dass sich in solchen Nachrichtensendungen alles um kapitalistische Methodik dreht, nicht um soziale und humanit\u00e4re Anliegen. Die Antwort des Lobbyisten enth\u00e4lt das bekannte neoliberale Lamento: Zum Arbeitsplatzabbau bestehe keine Alternative, vergleichbare Banken k\u00e4men mit der H\u00e4lfte der Besch\u00e4ftigten aus &#8230; Es folgt seine Eloge auf den neuen Bankchef und Arbeitsplatzvernichter Sewing. Journalisten der ARD-aktuell halten solchen Typen bereitwillig das Mikrofon hin und st\u00f6ren sie nicht mit l\u00e4stig-kritischen Nachfragen. Der Nachrichtenjournalismus steht nicht im Dienste der Aufkl\u00e4rung, sondern im Dienst der wirtschaftlichen Eliten.<\/p>\n<p>Bei Dr. Gniffkes Qualit\u00e4tsjournalisten reichte es nicht einmal dazu, eine Stellungnahme der Gewerkschaft ver.di einzuholen, der zust\u00e4ndigen Arbeitnehmerorganisation f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten des Bankengewerbes. Wundern darf man sich dar\u00fcber nicht. Die ver.di-Verantwortlichen waren mutma\u00dflich in die Pl\u00e4ne der Deutschen Bank eingeweiht und tragen sie mit. Das geht aus der Aussage des Vorstandschefs Christian Sewing hervor: <em>\u201eKonkrete Ma\u00dfnahmen zum Mitarbeiterabbau kommunizieren wir immer dann, wenn wir ein Etappenziel erreicht und es mit den Arbeitnehmervertretern abgestimmt haben.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Verdi-Chef Bsirske, Mitglied im Aufsichtsrat der Bank mit weiteren sieben Gewerkschaftsvertetern, lobte Bankenchef Sewing als &#8222;ausgezeichnete Wahl&#8220;, noch bevor der sein Amt angetreten hatte. Alles eine So\u00dfe: Banker, Lobbyisten, Gewerkschaftsfunktion\u00e4re, Journalisten. Man kennt sich, man sieht sich, man versteht sich. Auch bei der \u00e4rgsten Lumperei, die Menschen ins Ungl\u00fcck st\u00fcrzt.<\/p>\n<p>Vollends aus dem Blick bleibt das Drecksgesch\u00e4ft, in dem auch die Deutsche Bank-Manager bis zum Stehkragen stecken. <em>&#8222;Ich krieg&#8216; die Krise. Raus aus Kohle, Waffen und Steueroasen!&#8220;<\/em> forderte die B\u00fcrgerinitiative Attacw\u00e4hrend der Hauptversammlung der Deutschen Bank. attac verlangt ein Ende des Gemeinwohl sch\u00e4digenden Gesch\u00e4ftsmodells der Bank: mehr als f\u00fcnf Milliarden Euro in die R\u00fcstungswirtschaft investiert; Spitzenreiter bei der weltweiten Finanzierung des Atomwaffenbaus; Drehkreuz zumindest illegitimer Finanzstr\u00f6me; Steuertrickser mit Niederlassungen in Steueroasen wie Luxemburg und den britischen Jungferninseln; Dienstleister und Hilfesteller einer Kundschaft, die sich mit <a href=\"http:\/\/www2.weed-online.org\/uploads\/deutsche_bank_verfahren_steuern_geldwaesche.pdf\">Steuerhinterziehung und Geldw\u00e4sche<\/a> bereichert.<\/p>\n<p>Wer attac ist und welche Informationen diese Organisation bereith\u00e4lt \u00fcber die dunkle Seite der Deutschen Bank, wei\u00df man nat\u00fcrlich bei der Tagesschau. Darum erscheint nur konsequent, dass dieses transatlantisch-kapitalistisches Doping verbreitende Propaganda-Institut kein Wort \u00fcber die Gegendemonstration der attac gegen die Aktion\u00e4rsversammlung der Deutschen Bank verlor. Kritiklosigkeit gegen\u00fcber den M\u00e4chtigen hierzulande ist ein Markenzeichen der Tagesschau.<\/p>\n<p>Quellen:<br \/>\nhttps:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/ts-25733.html<br \/>\nhttps:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/deutsche-bank-263.html<br \/>\nhttps:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/video\/video-406669.html<br \/>\nhttp:\/\/www.attac.de\/index.php?id=394&#038;no_cache=1&#038;tx_ttnews%5Btt_news%5D=9611<\/p>\n<p><u>Das Autoren-Team: <\/u><\/p>\n<p>Friedhelm Klinkhammer, Jahrgang 1944, Jurist. 1975 bis 2008 Mitarbeiter des NDR, zeitweise Vorsitzender des NDR-Gesamtpersonalrats und des ver.di-Betriebsverbandes sowie Referent einer Funkhausdirektorin.<\/p>\n<p>Volker Br\u00e4utigam, Jahrgang 1941, Redakteur. 1975 bis 1996 im NDR, zun\u00e4chst in der Tagesschau, von 1985 an in der Kulturredaktion f\u00fcr N3. Danach Lehr- und Forschungsauftrag an der Fu-Jen-Uni in Taipeh.<\/p>\n<p><u>Anmerkung der Autoren:<\/u> Unsere Beitr\u00e4ge stehen zur freien Verf\u00fcgung. Wir schreiben nicht f\u00fcr Honorar, sondern gegen die \u201emediale Massenverbl\u00f6dung\u201c (in memoriam Peter Scholl-Latour). Die Texte werden zumeist auf der Seite http:\/\/forum.publikumskonferenz.de\/ dokumentiert.<\/p>\n<div style=\"float: left; margin-top: 20px;\"><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_3626 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_3626')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_3626').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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