{"id":3804,"date":"2018-07-02T17:00:49","date_gmt":"2018-07-02T16:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=3804"},"modified":"2018-07-05T13:01:22","modified_gmt":"2018-07-05T12:01:22","slug":"ein-weltereignis-bereitet-ard-aktuell-orientierungsprobleme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/ein-weltereignis-bereitet-ard-aktuell-orientierungsprobleme\/","title":{"rendered":"Ein Weltereignis bereitet ARD-aktuell Orientierungsprobleme"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><em>Bildquelle: Screenshot Al Jazeera<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><strong>Dr. Gniffkes Macht um acht<\/strong><\/p>\n<h3><strong>Versager auf der ganzen Linie<\/strong><\/h3>\n<p><em>von Friedhelm Klinkhammer und Volker Br\u00e4utigam<\/em><\/p>\n<p>Ein Weltereignis bereitet ARD-aktuell Orientierungsprobleme: US-Pr\u00e4sident Trump m\u00f6chte mit dem russischen Pr\u00e4sidenten Putin sprechen, und der ist einverstanden. Prompt erweist sich der im Deutschen Fernsehen epigenetisch verankerte Nachrichten-Reflex <strong>\u201cAmis gut, Russen b\u00f6se\u201d<\/strong> als hinderlich. Und auch das noch: Die Berliner Regierung guckt weg und besch\u00e4ftigt sich h\u00f6chst intensiv mit sich selbst. Was also tut ein gestandener Qualit\u00e4tsjournalist f\u00fcr ARD-aktuell, wenn sich die Berichte h\u00e4ufen, dass Putin und Trump sich am 16. Juli in Helsinki treffen und tats\u00e4chlich miteinander reden wollen? Wer gibt nun Anleitung? Was soll die Tagesschau ihren t\u00e4glich gut zehn Millionen TV-Zuschauern dar\u00fcber vorsetzen, dass US-Sicherheitsberater John Bolton zur Vorbereitung des Gespr\u00e4chsrahmens als antirussischer Saulus nach Moskau reiste \u2013 und als putinverstehender Paulus nach Washington heimkehrte? (1)<\/p>\n<p>Richtig geraten: Echte ARD-aktuell-Qualit\u00e4tsjournalisten lassen das Thema erst mal weg. Sicherheitshalber.<\/p>\n<p>Weltweit wurde umfassend \u00fcber Boltons Reise berichtet. Er wurde vom russischen Pr\u00e4sidenten im Kreml empfangen, und die Bilder dieser \u00fcberraschenden und ungew\u00f6hnlichen Begegnung flimmerten weltweit \u00fcber die Bildschirme \u2013 nur nicht, wenn eine Sendung der ARD-aktuell in der Wunderlampe lief. In dieser Redaktion ist man es gewohnt, der Berliner Regierung nach dem Munde zu reden, aber die hatte doch grad gar keine Zeit!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Solange sie das Gipfeltreffen jedoch nicht ausdr\u00fccklich begr\u00fc\u00dft&#8230;.. wird es samt seiner Bolton-Pr\u00e4liminarie eben auch von der Redaktion ARD-aktuell nur recht unauff\u00e4llig in der Internet-Ausgabe tagesschau.de erw\u00e4hnt.(2) Kein Wort in den TV-Nachrichtensendungen Tagesschau und Tagesthemen, tagelang kein Wort (vom 27. bis -30. Juni 18).<\/p>\n<p>Seri\u00f6se und umfassende Information sowie Filmberichte dar\u00fcber zu liefern, \u00fcberlie\u00dfen die Hamburger den ausl\u00e4ndischen Medien. Wer ausf\u00fchrliche \u201cwestliche\u201d Nachrichten dar\u00fcber suchte, dass sich Putin mit Bolton \u00fcber die Rahmenbedingungen des Pr\u00e4sidententreffens ausgetauscht hatte, musste die BBC oder einen US-amerikanischen Sender aufschalten (3) oder Zeitungen aufrufen. (4)<\/p>\n<p>Das Schweigen bei Dr. Gniffke und Co. setzte sich fort, als Trump den Besuch ganz formell best\u00e4tigte und nicht ausschloss, die Aufnahme der Krim in die F\u00f6deration russischer Republiken anzuerkennen. Auf die Frage von Reportern, ob er von der Verurteilung der \u201cAnnexion\u201d abr\u00fccken wolle, antwortete Trump verschmitzt: <em>&#8222;Das werden wir sehen.&#8220;<\/em> In Helsinki sei <em>&#8222;nichts ausgeschlossen&#8220;<\/em>. <em>&#8222;Ich werde mit Putin \u00fcber alles sprechen&#8220;<\/em>. (5)<\/p>\n<p>Statt \u00fcber diese erstaunliche \u00c4u\u00dferung, ein Anzeichen von Diskussionsbereitschaft \u00fcber Schritte zur globalen Entspannung zu berichten, f\u00fcllte ARD-aktuell ihr Millionenpublikum mit Pillepalle vom Boulevard ab: Schie\u00dfereien in einer Zeitungsredaktion in den USA beispielsweise. Und mit Trivialit\u00e4ten wie der, dass sich nun auch die AfD eine Parteistiftung zulegt, einen Schmiernippel, an dem k\u00fcnftig der Steuerzahler die Fettpresse anzusetzen hat; nicht zu vergessen die Gr\u00fcndung eines VW-Werkes in Ruanda, die Abw\u00e4rtstendenz der B\u00f6rsennotierungen von Dax- und von Wallstreet-Werten.<\/p>\n<p>Das Unterdr\u00fccken der Gipfel-Nachricht im Deutschen Fernsehen hat System. Die russisch-amerikanischen Initiativen ignorieren den Rahmen der aggressiven deutschen Regierungspolitik. Hatte die Berliner Regierung doch gerade erst auf EU-Ebene daf\u00fcr gesorgt, dass deren Russland-Sanktionen verl\u00e4ngert wurden. Die Bundesregierung hatte durchgesetzt, dass das korrupte ukrainische Regime erneut mit Euro-Milliarden verk\u00f6stigt wird. Berlin will die Bundeswehr-Infrastruktur f\u00fcr Cyber-Kriege modernisieren \u2013 und wer jetzt \u201cgegen wen denn?\u201d fragt, kann seine R\u00fcckschl\u00fcsse aus der massiven Verst\u00e4rkung der Bundeswehr-Pr\u00e4senz an der russischen Grenze ziehen. Letztlich haben auch die deutschen und die EU-Sanktionen gegen die syrische Zivilbev\u00f6lkerung einen stark antirussischen Akzent, wenn man ein Weilchen dr\u00fcber nachdenkt.<\/p>\n<p>Eine friedenspolitische Entwicklung zwischen den USA und Russland zwingt die aggressive deutsche Russlandpolitik erst ins Abseits und dann m\u00f6glicherweise ad absurdum. Berlin ist einfach nicht auf Entspannung gepolt, obwohl die deutschen korporierten Massenmedien den gegenteiligen Eindruck zu erwecken versuchen \u2013 und obwohl eine betr\u00e4chtliche Bev\u00f6lkerungsmehrheit Feindseligkeit gegen\u00fcber Russland ablehnt.<\/p>\n<p>Wie Merkel, Maas und die EU auf die US-amerikanisch-russische Initiative reagieren werden, ist noch unklar. Deshalb m\u00fcssen Dr. Gniffke und Co auf ihre Direktiven warten. Und werden bei n\u00e4chster Gelegenheit wieder hoch und heilig versichern, dass der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk, speziell die ARD, keine Regierungstr\u00f6te sei.<\/p>\n<p>Sie m\u00f6gen sich tr\u00f6sten, die Dr. Gniffkes und ihre journalistische Entourage. Ihre Vorturner im Berliner Kabinett kriegen selbst auch keine vernunftbegr\u00fcndete Linie gegen\u00fcber Trump und Putin zustande. Als Diener jahrzehntelang unmissverst\u00e4ndlicher transatlantischer Interessen hatten Merkel und ihr damaliger Koalitionspartner Gabriel vor der letzten US-Pr\u00e4sidentenwahl aufs falsche Pferd gesetzt. Bundespr\u00e4sident Steinmeier l\u00e4sterte \u00fcber Trump, und als der schlie\u00dflich gew\u00e4hlt war, kamen statt h\u00f6flicher und diplomatisch gebotener Gl\u00fcckw\u00fcnsche aus Berlin nur weitere arrogante Spr\u00fcche:<\/p>\n<p><em>&#8222;Enge Zusammenarbeit ja &#8211; aber nur auf Basis der gemeinsamen Werte&#8230; Demokratie, Freiheit, Respekt vor dem Recht und der W\u00fcrde jedes einzelnen Menschen, unabh\u00e4ngig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung&#8220;. <\/em><\/p>\n<p>Trump nahm diplomatische und politische Rache, wie bekannt. Seine besonders Deutschland gegen\u00fcber unnachgiebige Politik d\u00fcrfte zu einem gro\u00dfen Teil nur das Echo auf die bornierte Nibelungentreue der Berliner gegen\u00fcber der grauenhaften Furie Hillary Clinton sein.<\/p>\n<p>Die deutsche \u00d6ffentlichkeit erlebt deshalb schon seit fast zwei Jahren eine Medien-Kampagne gegen Donald Trump, die erstaunliche Parallelen zum Putin- und Russland-Bashing aufweist: Die D\u00e4monisierung eines Politikers mit allen geeigneten und ungeeigneten Mitteln. Oft geradezu mit Schaum vorm Maul wechselt Dr. Gniffkes &#8222;Qualit\u00e4tstruppe\u201d bruchlos von halbwegs seri\u00f6ser Berichterstattung zum Gossenjournalismus, erweist sich zu sauberer und distanzierter Analyse politischer Vorg\u00e4nge unf\u00e4hig und anf\u00e4llig f\u00fcr Hasspropaganda. Es wird manipuliert, weil man Trump nicht mag; das aber zeigt Ignoranz gegen\u00fcber dem journalistischen Auftrag und vollkommenen Mangel an Professionalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Der Publizist Prof. Dr. Ulrich Teusch hat in seiner Analyse \u201eL\u00fcckenpresse&#8220; die Linien dieser inad\u00e4quaten Berichterstattung treffend beschrieben:<\/p>\n<p><em>&#8222;&#8230; Erstens werden Nachrichten in ganz bestimmter Weise gewichtet. Zweitens werden Nachrichten gezielt unterdr\u00fcckt. Drittens werden Nachrichten in tendenzi\u00f6ser Weise bewertet, das heisst, es wird mit zweierlei Ma\u00df gemessen, es gibt &#8222;Doppelstandards\u201c. Alle drei Aspekte h\u00e4ngen eng zusammen und verst\u00e4rken sich wechselseitig. Wenn sie auf bestimmten Themenfeldern lange genug und mit ausreichender Intensit\u00e4t wirken, entstehen dominante Narrative, also gro\u00dfe journalistische Erz\u00e4hlungen oder Deutungsmuster, in die dann alle neu einlaufenden Informationen eingeordnet werden k\u00f6nnen \u2013 oder eben auch nicht, so sie denn nicht ins Narrativ passen&#8220;. <\/em>(6)<\/p>\n<p>Bezogen auf Donald Trump folgt ARD-aktuell dem Narrativ, er sei im Grunde ungeeignet f\u00fcr das Amt des US-Pr\u00e4sidenten, ein blo\u00dfer unfl\u00e4tiger Grobian:<\/p>\n<p><em>\u201cDer US-Pr\u00e4sident h\u00e4lt sich an keine Regeln, Umgangsformen oder diplomatische Traditionen. Selbst f\u00fcr einen Politiker so etwas Elementares wie gesunder Menschenverstand ist Donald Trump fremd, sonst h\u00e4tte er erkennen m\u00fcssen, dass die USA auf lange Sicht einen hohen Preis zahlen, wenn sie ihre engsten Verb\u00fcndeten behandeln wie Schulkinder. Die Welt des Donald Trump ist eine Welt der selbst erfundenen Legenden und L\u00fcgen. Unbequeme Wahrheiten will er nicht h\u00f6ren oder er versteht sie nicht&#8220;.<\/em>(7)<\/p>\n<p>Nur Nachrichten, die in diese Raster passen, finden Ber\u00fccksichtigung in der Berichterstattung von ARD-aktuell. Das hei\u00dft: Ein gespr\u00e4chsbereiter Entspannungspolitiker Trump passt nicht gut. Einer, der das milit\u00e4rische Drohpotial des Imperiums herzeigt, gegnerische L\u00e4nder wie Syrien terrorisieren und mit Bomben bewerfen l\u00e4sst und ganze Weltregionen mit Drohnen in die Untewerfung pr\u00fcgelt und in diesem Geist auch von den Europ\u00e4ern h\u00f6here R\u00fcstungsausgaben fordert, hingegen schon. In diesen F\u00e4llen wird vom Bashing abgesehen.<\/p>\n<p>Wenn aber die zu &#8222;B\u00f6sewichten&#8220; abgestempelten Pr\u00e4sidenten Trump und Putin sich zusammentun k\u00f6nnten, dann herrschen unter stramm deutschen Qualit\u00e4tsjournalisten Vollalarm und Verunsicherung. Die gewohnten propagandistischen Denkschablonen passen auf einmal nicht mehr.<\/p>\n<p>So schweigen sie, die Qualit\u00e4tsjournalisten. Ihren gesetzlichen Auftrag, <em>&#8222;umfassend und vollst\u00e4ndig \u00fcber wichtige Ereignisse&#8220;<\/em> zu berichten, ignorieren sie aus purer Feigheit. Und ihre Programm-W\u00e4chter, die Rundfunkr\u00e4te, entsandt von den Gewerkschaften, Kirchen, Umweltverb\u00e4nden, Arbeitgeberorganisationen und Parteien, demonstrieren ihre fachliche Unf\u00e4higkeit, begreifen offenbar nicht einmal, was da vor sich geht. Versager auf der ganzen Linie&#8230;<\/p>\n<p><u>Quellen:<\/u><\/p>\n<p>(1) <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/bolton-gipfel-putin-trump-101.html\">http:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/bolton-gipfel-putin-trump-101.html<\/a><br \/>\n(2) <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/bolton-gipfel-putin-trump-103.html\">http:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/bolton-gipfel-putin-trump-103.html<\/a><br \/>\n(3) <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=TuiSjJHkClk\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=TuiSjJHkClk<\/a><br \/>\n(4) <a href=\"https:\/\/diepresse.com\/home\/5137263\/\">https:\/\/diepresse.com\/home\/5137263\/<\/a><br \/>\n(5) <a href=\"https:\/\/www.blick.ch\/news\/ausland\/vor-gipfel-mit-putin-bahnt-sich-paukenschlag-an-anerkennt-trump-die-krim-annexion-id8561441.html\">https:\/\/www.blick.ch\/news\/ausland\/vor-gipfel-mit-putin-bahnt-sich-paukenschlag-an-anerkennt-trump-die-krim-annexion-id8561441.html<\/a><br \/>\n(6) <a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/lueckenpresse\/\">https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/lueckenpresse\/<\/a><br \/>\n(7) <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/tt-6049.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/tt-6049.html<\/a><\/p>\n<p><em><u>Das Autoren-Team:<\/u><\/em><\/p>\n<p><em>Friedhelm Klinkhammer, Jahrgang 1944, Jurist. 1975 bis 2008 Mitarbeiter des NDR, zeitweise Vorsitzender des NDR-Gesamtpersonalrats und des ver.di-Betriebsverbandes sowie Referent einer Funkhausdirektorin.<\/em><\/p>\n<p><em>Volker Br\u00e4utigam, Jahrgang 1941, Redakteur. 1975 bis 1996 im NDR, zun\u00e4chst in der Tagesschau, von 1985 an in der Kulturredaktion f\u00fcr N3. Danach Lehr- und Forschungsauftrag an der Fu-Jen-Uni in Taipeh.<\/em><\/p>\n<p><em>Anmerkung der Autoren:<\/em><\/p>\n<p><em>Unsere Beitr\u00e4ge stehen zur freien Verf\u00fcgung. Wir schreiben nicht f\u00fcr Honorar, sondern gegen die \u201emediale Massenverbl\u00f6dung\u201c (in memoriam Peter Scholl-Latour). Die Texte werden zumeist auf der Seite https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/ dokumentiert.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"float: left; margin-top: 20px;\"><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_3804 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_3804')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_3804').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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