{"id":4435,"date":"2018-12-01T20:50:55","date_gmt":"2018-12-01T19:50:55","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=4435"},"modified":"2018-12-02T20:52:00","modified_gmt":"2018-12-02T19:52:00","slug":"schweigende-laemmer-getroffene-hunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/schweigende-laemmer-getroffene-hunde\/","title":{"rendered":"Schweigende L\u00e4mmer, getroffene Hunde"},"content":{"rendered":"<p><em>Foto: Igor Normann\/Shutterstock.com<\/em><\/p>\n<p><strong>Schweigende L\u00e4mmer, getroffene Hunde<br \/>\nPolitisch unbequeme Bestseller werden von den Leitmedien ignoriert oder diffamiert.<\/strong><br \/>\n<em>von Paul Schreyer <\/em><\/p>\n<p><strong>Wenn B\u00fccher, die nahe legen, dass Demokratie im Westen nur Fassade ist, zu Bestsellern werden, schweigen die Leitmedien \u2013 oder unterstellen, die Autoren w\u00e4ren verwirrte Scharlatane. J\u00fcngste F\u00e4lle: Rainer Mausfeld und Dirk M\u00fcller.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/warum-schweigen-die-laemmer\/\">\u201eWarum schweigen die L\u00e4mmer?\u201c<\/a>\u00a0 fragt Professor Rainer Mausfeld im Titel seines aktuellen Buches provokant und schaffte es damit auf Anhieb auf die Spiegel-Bestsellerliste. Mausfeld trifft einen Nerv \u2013 seine Analyse zur verdeckten Rolle von Machteliten in unserer Gesellschaft macht verst\u00e4ndlich, was viele B\u00fcrger zwar f\u00fchlen, aber bislang nur schwer in Worte fassen konnten: Warum die behauptete Demokratie an vielen Stellen nur sch\u00f6ner Schein ist. Seit seinem Erscheinen vor zwei Monaten h\u00e4lt sich das Buch durchg\u00e4ngig in den Top 30 der Sachbuchbestseller, der Verlag druckt bereits die vierte Auflage \u2013 und das ganz ohne gro\u00dfe Werbung und Pressepr\u00e4senz.<\/p>\n<p>Wie reagieren die Leitmedien auf diesen, f\u00fcr ein anspruchsvolles Sachbuch zu politischer Theorie einigerma\u00dfen erstaunlichen Erfolg? Nehmen sie den Ball auf, f\u00fchren sie die Debatte weiter, wird Mausfeld zu Anne Will und Frank Plasberg eingeladen? Mitnichten. Ist die Frage naiv? Wahrscheinlich. Der Mainstream tut bislang jedenfalls vor allem zweierlei: Schweigen und, wo das nicht reicht, diffamieren.<\/p>\n<p>Nachdem <a href=\"https:\/\/www.podcast.de\/episode\/388627514\/Buchkritik%2B-%2B%2522Warum%2Bschweigen%2Bdie%2BL%25C3%25A4mmer%253F%2522%2Bvon%2BRainer%2BMausfeld\/\">der Deutschlandfunk<\/a> das Werk in der Woche des Erscheinens als \u201eklagende Behauptung\u201c und \u201eEmp\u00f6rungsbuch\u201c abgekanzelt hatte, passierte in den gro\u00dfen deutschen Medien wochenlang erst einmal gar nichts. Landauf, landab tat man in den Feuilletons und politischen Redaktionen der Republik ganz einfach so, als sei der brisante Bestseller des Kieler Psychologieprofessors nie erschienen.<\/p>\n<p>Es dauerte einen ganzen Monat \u2013 und eine lobende Rezension <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/meinung\/warum-schweigen-die-laemmer-ld.1432075\">in der Schweizer (!) Neuen Z\u00fcricher Zeitung<\/a> \u2013, bis die S\u00fcddeutsche Zeitung sich bem\u00fc\u00dfigt sah, warnend einzugreifen. Wenn ein radikales, unbequemes Buch sich trotz Totschweigens weiter erfolgreich verkauft \u2013 und dann auch noch im Ausland gelobt wird \u2013, muss, so scheint es, die Strategie ge\u00e4ndert werden. Man schaltete auf Angriff und wechselte dazu in ge\u00fcbter Manier in den Diffamierungsmodus. Rainer Mausfeld, so meinte <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/soziale-gerechtigkeit-die-da-oben-wir-da-unten-1.4203219\">die S\u00fcddeutsche<\/a> nun zu erkennen, sei <em>\u201eabgedriftet in krude Bescheidwisserei\u201c<\/em> \u2013 eine Art Feuilleton-Deutsch f\u00fcr: <em>\u201eWir k\u00f6nnen die vom Autor vorgebrachten Fakten leider nicht widerlegen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Mausfelds Ansichten seien <em>\u201eschnell geschrieben und schnell beklatscht, deshalb aber noch lange nicht wahr\u201c<\/em>. Der Leser, der an dieser Stelle gespannt auf die Argumentation des Rezensenten wartet, wird stattdessen mit einer vagen Bekundung abgespeist: Mausfelds Gedanken w\u00fcrden, so w\u00f6rtlich, <em>\u201eder Komplexit\u00e4t im Ringen um Fortschritte in der Weltgemeinschaft nicht gerecht\u201c<\/em>. Das klingt hilflos verschwurbelt und lie\u00dfe sich vielleicht \u00fcbersetzen mit: <em>\u201eIch wei\u00df zwar auch, dass das herrschende System gerade nicht gut aussieht, aber seine Vertreter geben sich immerhin gro\u00dfe M\u00fche.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Lassen sich Faschismus und Neoliberalismus vergleichen?<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Doch die Sache ist zu ernst, um witzig zu sein. Das wei\u00df auch der Rezensent der S\u00fcddeutschen, Tanjev Schultz, mit seinen 44 Jahren immerhin <a href=\"http:\/\/www.journalismus.uni-mainz.de\/2237.php\">Professor f\u00fcr Journalismus an der Uni Mainz<\/a>, und so gipfelt sein Verriss denn auch in heilig-grantigem Zorn: Mausfelds Werk sei letztlich nichts anderes als <em>\u201eein Buch f\u00fcr den linken Wutb\u00fcrger\u201c<\/em>. Und weiter, mit schwungvoller Emp\u00f6rung:<\/p>\n<p><em>\u201eIn offenbar zustimmender Absicht bringt das Buch ein Zitat, demzufolge die neoliberale Wirtschaftsordnung in einem Jahr locker so viele Menschen umbringe wie der deutsche Faschismus in sechs Jahren. Wer so halbseiden \u2013 man k\u00f6nnte auch sagen: infam \u2013 argumentiert, braucht sich nicht zu wundern, wenn ihm nur ein paar eingefleischte Schafe folgen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Wumms, das hat gesessen! Professor Mausfeld ist nicht nur<em> \u201ekrude abgedriftet\u201c<\/em>, sondern argumentiert auch noch <em>\u201ehalbseiden\u201c<\/em> und <em>\u201einfam\u201c<\/em> \u2013 ein frecher Scharlatan also, der besser daran t\u00e4te, seinen Mund zu halten. Doch hat die S\u00fcddeutsche an dieser Stelle das Blatt vielleicht \u00fcberreizt. Denn das vermeintlich infame, den Faschismus relativierende Zitat, stammt, der Rezensent verschweigt es wohl nicht ohne Grund, von Jean Ziegler, einem ausgewiesenen Fachmann f\u00fcr den Hunger in der Welt und dessen Verursacher. In Mausfelds Buch hei\u00dft es dazu auf Seite 39:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eJean Ziegler, der ehemalige UN-Sonderberichterstatter f\u00fcr das Recht auf Nahrung, bemerkte 2012 in der Zeitung junge Welt: &#8218;Der deutsche Faschismus brauchte sechs Kriegsjahre, um 56 Millionen Menschen umzubringen \u2013 die neoliberale Wirtschaftsordnung schafft das locker in gut einem Jahr.&#8217;\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Sucht man <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/loginFailed.php?ref=\/artikel\/192298.f\u00fcr-die-v\u00f6lker-des-s\u00fcdens-hat-der-dritte-weltkrieg-l\u00e4ngst-begonnen.html\">die Originalquelle<\/a> f\u00fcr diese Aussage, dann findet man folgende Passage aus einem Interview der Jungen Welt mit Ziegler:<\/p>\n<blockquote><p>Junge Welt: <em>\u201eGibt es eine Sch\u00e4tzung, wie viele Menschen durch die Wirtschaftspolitik der entwickelten kapitalistischen Staaten ums Leben gekommen sind?\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ziegler:<\/p>\n<p><em>\u201eLaut ECOSOC-Statistik sind vergangenes Jahr 52 Millionen Menschen Epidemien, verseuchtem Wasser, Hunger und Mangelkrankheiten zum Opfer gefallen. Der deutsche Faschismus brauchte sechs Kriegsjahre, um 56 Millionen Menschen umzubringen \u2013 die neoliberale Wirtschaftsordnung schafft das locker in wenig mehr als einem Jahr. [\u2026] Immer mehr Menschen wird es klar, dass diese kannibalische Weltordnung von Menschen gemacht wurde und auch von ihnen gest\u00fcrzt werden kann.\u201c<\/em><\/p>\n<p>ECOSOC ist das K\u00fcrzel f\u00fcr den Wirtschafts- und Sozialrat der UNO. Ziegler st\u00fctzt sich also auf amtliche Zahlen. Das Interview gab er aus Anlass seines 2012 erschienenen Buches <a href=\"https:\/\/www.randomhouse.de\/ebook\/Wir-lassen-sie-verhungern\/Jean-Ziegler\/C-Bertelsmann\/e405389.rhd\"><em>\u201eWir lassen sie verhungern \u2013 Die Massenvernichtung in der Dritten Welt\u201c<\/em>,<\/a> zu dem niemand anderes als <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/autor-jean-ziegler-der-aufstand-des-gewissens-wird-kommen-1.1462597\">die S\u00fcddeutsche Zeitung (!)<\/a> damals geschrieben hatte, es sei <strong>\u201ehervorragend recherchiert\u201c<\/strong>, denn, so das Blatt: <em>\u201eZiegler wei\u00df deshalb so genau, wovon er spricht und schreibt, weil er acht Jahre lang UN-Sonderberichterstatter f\u00fcr das Recht auf Nahrung war.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Auf Nachfrage, und konfrontiert mit diesen Tatsachen, wollte Tanjev Schultz zun\u00e4chst gar nicht antworten. Als ich ihn fragte, ob er diese Art der Diskussionskultur auch seinen Studenten an der Hochschule empfehlen w\u00fcrde, kam schlie\u00dflich doch noch eine Replik. Schultz verteidigt darin seine Kritik:<\/p>\n<p><em>\u201eIch sage, es sei halbseiden argumentiert und ja, auch infam, mal so eben den Holocaust zu relativieren, indem man die Opfer neoliberaler Politik entgegenh\u00e4lt. Herr Mausfeld deutet zwar an, dass es in einem Fall eher diffuse Ursachenzuschreibungen gebe, im anderen demnach offenbar weniger diffuse \u2013 aber es hindert ihn eben nicht, Zieglers Ausspruch offenbar zustimmend zu verwenden. Das halte ich f\u00fcr argumentativ halbseiden. Denn auch bei aller berechtigten Kritik am Neoliberalismus sind es ganz andere Mechanismen, die hier zu Opfern f\u00fchren. Und die Kausalit\u00e4ten und Intentionalit\u00e4ten sind im Falle des Neoliberalismus und seinen Folgen auch noch empirisch umstritten und nicht so eindeutig, wie dies nahe gelegt wird von Ziegler und Mausfeld.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Der Autor der S\u00fcddeutschen hat hier ganz beil\u00e4ufig schon die n\u00e4chste b\u00f6swillige und falsche Unterstellung platziert: Ziegler und Mausfeld w\u00fcrden <em>\u201eden Holocaust relativieren\u201c<\/em>. Ziegler spricht dabei gar nicht isoliert vom Holocaust, sondern von den Opfern des deutschen Faschismus insgesamt, daher die hohe Zahl von circa 50 Millionen. Der Holocaust, als Teil davon, hatte 6 Millionen Opfer. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der vom deutschen Faschismus Ermordeten waren Russen beziehungsweise B\u00fcrger der damaligen Sowjetunion \u2013 <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2007\/25\/27-Millionen-Tote\">insgesamt 27 Millionen<\/a>.<\/p>\n<p>Das Gegen\u00fcberstellen der Todesopfer von Faschismus und Neoliberalismus ist sachlich auch deshalb nicht so pauschal von der Hand zu weisen, wie der Rezensent es unterstellt, da es auff\u00e4llige strukturelle Gemeinsamkeiten von Faschismus und Neoliberalismus gibt, wie Mausfeld auf Seite 102 seines Buches in einer Tabelle ausf\u00fchrlich darstellt.<\/p>\n<p><strong>Beide \u2013 Faschismus wie Neoliberalismus \u2013 eint ihre Ablehnung der Prinzipien der Aufkl\u00e4rung, vor allem der Idee der Gleichheit. Beide gr\u00fcnden auf dem Sozialdarwinismus. Beide streben extrem hierarchische Elitenoligarchien an. Und beide beruhen auf Mythen: der Faschismus auf dem Mythos der <em>\u201ereinen Rasse\u201c<\/em>, der Neoliberalismus auf dem Mythos des <em>\u201efreien Marktes\u201c<\/em>. Das Individuum hat sich in beiden Systemen vollst\u00e4ndig unterzuordnen, das eine Mal unter den <em>\u201eMarkt\u201c<\/em>, das andere Mal unter die <em>\u201eNation\u201c<\/em>.<\/strong><\/p>\n<p>Wem der Vergleich der millionenfach t\u00f6dlichen Auswirkungen des historischen Faschismus und des gegenw\u00e4rtigen Neoliberalismus dennoch unbehaglich ist, dem steht es frei, sachlich dagegen zu argumentieren. So k\u00f6nnte man etwa versuchen zu belegen, dass die von Ziegler genannten circa 50 Millionen Menschen, die jedes Jahr an Hunger, mangelnder Hygiene und Mangelerkrankungen sterben, nicht auf das Konto der herrschenden Wirtschaftsordnung gehen, sondern dass dieses Massensterben ganz andere Ursachen hat, die mit Kapitalismus und Neoliberalismus nicht in Verbindung zu bringen sind. Das w\u00e4re immerhin eine Gegenposition zu Mausfeld und Ziegler. Doch die S\u00fcddeutsche versucht nicht einmal, so zu argumentieren. Sie beschr\u00e4nkt sich aufs reine Emp\u00f6rtsein \u2013 eine Emp\u00f6rung, wohlgemerkt, gerade nicht \u00fcber die realen Zust\u00e4nde, sondern \u00fcber die scharfe Kritik an diesen. Verkehrte Welt!<\/p>\n<p><strong>Es geht um Ausgrenzung<\/strong><\/p>\n<p>Dabei, soviel Zynismus ist wohl leider geboten, geht es in solchen Texten ohnehin selten um Argumente oder eine umfassende Information zu einem Buch oder Sachverhalt. Was tats\u00e4chlich erreicht \u2013 und wohl auch beabsichtigt \u2013 wird, ist eine Markierung bestimmter Personen als Auszugrenzende. Die S\u00fcddeutsche wird vor allem von den etablierten Medienmachern selbst gelesen. Erscheint dort solch ein emp\u00f6rter Verriss, dann wissen die Kollegen: Es ist keine gute Idee, jemandem wie Mausfeld in Zeitung und Fernsehen ein \u00f6ffentliches Forum zu geben. Er \u201egeh\u00f6rt nicht mehr dazu\u201c, hat die Grenzen des Akzeptierten \u00fcberschritten, kann ignoriert oder kritisiert werden, keinesfalls aber mehr wohlwollend behandelt. Die \u00dcbermittlung solcher Botschaften ist, so scheint es, eine der wesentlichen verbliebenen Funktionen von Medien wie der S\u00fcddeutschen Zeitung. Sie geben der etablierten Medienszene den Takt und die Grenzen vor. Und alle laufen mit.<\/p>\n<p>Mausfeld selbst hat sich in seinem Buch und auch <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Wir-leben-in-einer-Zeit-der-Gegenaufklaerung-4178715.html?seite=all\">j\u00fcngst im Interview <\/a>zu solchen Methoden ausf\u00fchrlich ge\u00e4u\u00dfert:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eMethoden und Funktionsweisen eines Dissensmanagements k\u00f6nnen wir besser verstehen, wenn wir statt auf Personen auf seine strukturellen Eigenschaften fokussieren. Zu diesen gut untersuchten und seit langem bekannten strukturellen Eigenschaften geh\u00f6rt es, dass in allen Machtstrukturen besonders Journalisten, Intellektuelle und Wissenschaftler, die in gesellschaftsrelevanten Bereichen arbeiten, eine Tendenz aufweisen, sich wie Eisensp\u00e4ne in den Kraftfeldern der Macht auszurichten. Folglich finden sich in allen Machtstrukturen gerade unter Personen, die \u00fcber besondere M\u00f6glichkeiten verf\u00fcgen, sich in eine \u00f6ffentliche Debatte einzubringen, bereitwillige Vertreter, die gleichsam als Bannwarte der Macht agieren und in vorauseilendem Opportunismus alles, was sie f\u00fcr einen unzul\u00e4ssigen Dissens halten, mit Diffamierungsbegriffen belegen.<\/em><\/p>\n<p><em>Da sie auf diese Weise den in Politik und Medien M\u00e4chtigen bezeugen, dass sie die herrschende Ideologie tief internalisiert haben, werden sie daf\u00fcr vor allem im journalistischen und akademischen Bereich oft mit entsprechenden Karrierechancen belohnt. [\u2026] Wer nun dennoch meint, eine ernsthafte Auseinandersetzung durch ein paar hingeworfene Schm\u00e4hw\u00f6rter ersetzen zu k\u00f6nnen, wird mit einer solchen intellektuellen Selbstauskunft leben m\u00fcssen.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Wer mit einer solchen Selbstauskunft ganz besonders leben muss \u2013 und das offenbar auch gut kann \u2013, ist der 41-j\u00e4hrige T\u00fcbinger Amerikanist Professor Michael Butter, der seine gesamte Karriere darauf aufgebaut hat, den Leitmedien als Stichwortgeber daf\u00fcr zu dienen, wer oder was als unseri\u00f6s und <em>\u201eVerschw\u00f6rungstheorie\u201c<\/em> einzuordnen ist.<\/p>\n<p>Laut Professor Butter weist Mausfelds Systemkritik <em>\u201estark populistische und mitunter auch verschw\u00f6rungstheoretische Z\u00fcge\u201c<\/em> auf. Diese ohne jeden Beleg vorgetragene Behauptung wurde umgehend <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Rainer_Mausfeld&amp;type=revision&amp;diff=176461688&amp;oldid=175765241\">in Mausfelds Wikipedia-Artikel eingearbeitet<\/a>. Auf meine Nachfrage an Butter, ob er seine Einsch\u00e4tzung vielleicht pr\u00e4zisieren und mir mitteilen k\u00f6nne, auf welche Passagen von Mausfelds Aussagen er sich dabei konkret bezieht, antwortete mir der Professor bedauernd, er sei gerade <em>\u201eunterwegs und weit weg von meinen Unterlagen\u201c<\/em>. Daher k\u00f6nne er <em>\u201edamit leider nicht dienen\u201c<\/em>. Sp\u00e4tere Nachfragen und mehrfache Erinnerungen lie\u00df Butter unbeantwortet.<\/p>\n<p><strong>Der Fall Dirk M\u00fcller \u2013 Rufmord nach Drehbuch<\/strong><\/p>\n<p>Zu gro\u00dfer Form lief Butter \u2013 im Gespann mit der S\u00fcddeutschen Zeitung \u2013 zuletzt im Fall von Dirk M\u00fcller auf, einem anderen Autor, der mit seiner scharfen und sachlich fundierten Systemkritik nicht hinterm Berg h\u00e4lt. M\u00fcller, aus zahlreichen Fernsehtalkshows als \u201eMr. Dax\u201c bekannt, hat einen derzeit noch erfolgreicheren Bestseller geschrieben. Sein aktuelles Werk <a href=\"https:\/\/www.randomhouse.de\/Buch\/Machtbeben\/Dirk-Mueller\/Heyne\/e538997.rhd\">\u201eMachtbeben\u201c<\/a> steht seit seinem Erscheinen vor drei Monaten ohne Unterbrechung in den Top-10 der Spiegel-Bestsellerliste und ist damit gut sichtbar im Eingangsbereich jeder gr\u00f6\u00dferen Buchhandlung in Deutschland pr\u00e4sent.<\/p>\n<p>Auch er trifft offenbar einen Nerv. M\u00fcller analysiert <em>\u201edie Macht der Plutokraten\u201c<\/em> und spricht davon, dass wir uns l\u00e4ngst \u201eauf dem Weg in die Kleptokratie\u201c befinden, also in eine Gesellschaftsordnung, in der die Diebe und Pl\u00fcnderer das Ruder \u00fcbernommen haben. In den gro\u00dfen Medien ergeht es ihm mit solchen Aussagen \u00e4hnlich wie Mausfeld: Der Mainstream schweigt \u2013 oder diffamiert. Im Fall M\u00fcller schaltete die S\u00fcddeutsche Zeitung sogar den Turbo im Abwehrkampf gegen Dissidenten ein: <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/dirk-mueller-aktien-dax-1.4219743?reduced=true\">Eine komplette Seite 3<\/a> wurde Ende November daf\u00fcr einger\u00e4umt, M\u00fcller <a href=\"https:\/\/paulschreyer.wordpress.com\/2018\/11\/25\/dirk-mueller-journalistischer-rufmord-in-der-sueddeutschen-zeitung\/\">mit unsaubersten Methoden<\/a> irgendwie in die Ecke des unseri\u00f6sen Scharlatans oder gar Rechten zu dr\u00e4ngen, der mit seinen Analysen blo\u00df reich werden wolle. Und wieder spielte Professor Butter seine bekannte Rolle als Kronzeuge der Anklage, diesmal mit besonderer Hingabe. Originalton S\u00fcddeutsche Zeitung:<\/p>\n<p><em>\u201eNach der Lekt\u00fcre einiger M\u00fcller-Kapitel musste der Professor allerdings &#8217;schlucken&#8216;, sagt er, als man mit ihm am Telefon \u00fcber den Autor und sein j\u00fcngstes Buch spricht. F\u00fcr Butter deutet vieles darauf hin, dass M\u00fcller mit seinen Thesen ein einschl\u00e4giges Publikum bedienen will, ein Publikum, das nach Verschw\u00f6rungstheorien giert und das eher im neurechten Spektrum zu Hause ist: nationalistisch, antiamerikanisch, teilweise auch antisemitisch eingestellt. [\u2026] Besonders erschrocken ist Butter \u00fcber ein anderes Beispiel: Wenn es um den Einfluss der Finanzwirtschaft auf politische Entscheidungen geht, spricht M\u00fcller nicht allgemein von Investmentbanken. Er l\u00e4sst Namen wie Rothschild fallen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Ei der Daus! M\u00fcller hat <em><strong>\u201eRothschild\u201c<\/strong><\/em> gesagt! Damit ist sein Antisemitismus quasi bewiesen \u2013 so die unterschwellige Logik. Keine Rede davon, dass die von M\u00fcller erw\u00e4hnte simple Tatsache, dass der franz\u00f6sische Staatspr\u00e4sident Emmanuel Macron f\u00fcr diese Bank gearbeitet hat und ma\u00dfgeblich von ihr gef\u00f6rdert wurde, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/emmanuel-macron-schadet-ihm-seine-bankerkarriere-bei-der-wahl-a-1146089.html\">selbst im Medienmainstream<\/a> unstrittig ist. Gallig <a href=\"https:\/\/paulschreyer.wordpress.com\/2018\/11\/25\/dirk-mueller-journalistischer-rufmord-in-der-sueddeutschen-zeitung\/\">kommentierte<\/a> M\u00fcller die Angriffe gegen sich:<\/p>\n<p><em>\u201eWie genau h\u00e4tte ich das Bankhaus Rothschild seiner (Butters) Meinung nach benennen sollen, ohne das Wort &#8218;Rothschild&#8216; zu verwenden? Etwa: &#8218;Macron war f\u00fcr das Bankhaus t\u00e4tig, dessen Name nicht genannt werden darf&#8216;!?\u201c<\/em><\/p>\n<p>Doch wie schon angef\u00fchrt: Es geht nicht um Fakten, es geht ums Ausgrenzen. M\u00fcller und Mausfeld \u00fcben Systemkritik und bieten dabei einen vielschichtigen, faktenreichen Kontext, mit dessen Hilfe ihre Leser das \u201eamtliche\u201c Weltbild des Mainstreams eigenst\u00e4ndig in Frage stellen k\u00f6nnen. Damit haben sie f\u00fcr viele Leitmedien die Grenze des Zul\u00e4ssigen eindeutig \u00fcberschritten. Autoren wie M\u00fcller oder Mausfeld \u201em\u00fcssen\u201c einfach Scharlatane sein! Es darf keine legitime Deutung der Wirklichkeit geben, die den Etablierten widerspricht. In der Fr\u00fchzeit der DDR hie\u00df es:<a href=\"https:\/\/paulschreyer.wordpress.com\/2018\/11\/25\/dirk-mueller-journalistischer-rufmord-in-der-sueddeutschen-zeitung\/\"> \u201eDie Partei, die Partei, die hat immer recht.\u201c<\/a> Heute erf\u00fcllen die Leitmedien zunehmend selbst die <a href=\"https:\/\/medienblog.hypotheses.org\/1451\">Funktion einer Staatspartei.<\/a><\/p>\n<p>Man m\u00f6chte lachen \u00fcber dieses absurde Theater, doch es ist bitterer Ernst. Der \u201eliberale\u201c Mainstream hat seine Liberalit\u00e4t l\u00e4ngst verloren. Er belehrt, wo er nichts mehr erkl\u00e4ren kann, er verdammt, wo er Konkurrenz wittert, und er verschweigt oder diffamiert, wo er eine offene Debatte nicht mehr fair gewinnen kann. Rainer Mausfeld fasst es so zusammen:<\/p>\n<blockquote><p><em>\u201eWir leben in einer Phase der Gegenaufkl\u00e4rung, die es perfiderweise geschafft hat, sich als Aufkl\u00e4rung zu tarnen.\u201c<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Nachtrag: In kleinen Nischen des \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunks kommt Mausfeld noch zu Wort, <a href=\"http:\/\/www.tele-akademie.de\/begleit\/ta181202.htm\">so am 2. Dezember in der SWR-Teleakademie<\/a> und in der Sendung<a href=\"https:\/\/www.sr.de\/sr\/sr2\/sendungen_a-z\/uebersicht\/fragen_an_den_autor\/20181202_fragen_an_den_autor_mausfeld_warum_schweigen_die_laemmer100.html\"> \u201eFragen an den Autor\u201c<\/a> des Saarl\u00e4ndischen Rundfunks, wo <a href=\"http:\/\/sr-mediathek.de\/index.php?seite=7&amp;id=15794&amp;pnr=0\">auch M\u00fcller<\/a> vor kurzem interviewt wurde. Die gro\u00dfen Talkshows von ARD und ZDF hingegen, aber auch Bl\u00e4tter wie Spiegel, Stern, FAZ oder ZEIT ignorieren weiterhin konsequent die Bestseller der \u201eAbweichler\u201c.<\/p>\n<p>Dieser Beitrag erschien zuerst im <a href=\"https:\/\/www.rubikon.news\/artikel\/schweigende-lammer-getroffene-hunde\">Rubikon.<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"float: left; margin-top: 20px;\"><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_4435 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_4435')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_4435').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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