{"id":4549,"date":"2019-01-13T00:08:13","date_gmt":"2019-01-12T23:08:13","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=4549"},"modified":"2019-01-16T21:41:21","modified_gmt":"2019-01-16T20:41:21","slug":"ignorant-gegenueber-mord-und-totschlag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/ignorant-gegenueber-mord-und-totschlag\/","title":{"rendered":"Ignorant gegen\u00fcber Mord und Totschlag"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><strong>Dr. Gniffkes Macht um Acht<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ignorant gegen\u00fcber Mord und Totschlag<\/strong><br \/>\n<strong>\u201eQualit\u00e4tsjournalisten\u201c der ARD-aktuell demonstrieren umfassenden Mangel an Rechts- und Verantwortungsbewusstsein<\/strong><\/p>\n<p><em>Von Friedhelm Klinkhammer und Volker Br\u00e4utigam<\/em><\/p>\n<p>\u201e<strong>USA t\u00f6ten Al-Kaida-Terroristen\u201c, hie\u00df es auf der Themenliste der ARD-aktuell am 6. Januar 2019. In der 20-Uhr-Tagesschau selbst war die Hintergrundgrafik zur Meldung etwas konkreter betitelt: \u201eUS-Milit\u00e4r t\u00f6tet Al-Kaida-Terroristen\u201c. Titel und Text waren entweder von blanker Ignoranz diktiert oder sogar absichtliche Nachrichtenf\u00e4lschung im Dienste transatlantischer Propaganda. Sie stehen in krassem Widerspruch zu nationalem und internationalem Rechtsverst\u00e4ndnis, zu den Grundregeln des Rundfunkstaatsvertrags und zu den \u201eanerkannten journalistischen Grunds\u00e4tzen.\u201c Offiziell blieb das unbeanstandet, und korrigiert wurde es bisher auch nicht, Motto: \u201eDas macht doch nichts, das merkt doch keiner.\u201c\u00a0(1)<\/strong><\/p>\n<p>Nachdenken kostet Zeit, und Zeit ist Geld. Wo Information als Ware behandelt, am Flie\u00dfband verarbeitet und als Massengut angeboten wird \u2013 \u201cARD-Nachrichten im Viertelstundentakt\u201d, \u201cNachrichten in 100 Sekunden\u201d \u2013 da bleibt journalistische Qualit\u00e4t auf der Strecke. Zwangsl\u00e4ufig kommen Meldungen heraus wie diese:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Das US-Milit\u00e4r hat einen Al Kaida-Terroristen get\u00f6tet, der ma\u00dfgeblich f\u00fcr den Anschlag auf das Kriegsschiff USS Cole im Jahre 2000 verantwortlich sein soll. Das best\u00e4tigte heute Pr\u00e4sident Trump. Jamal al Badawi wurde demnach am Neujahrstag mit einem gezielten Luftangriff im Jemen get\u00f6tet. Bei dem Sprengstoffanschlag auf die \u201aUSS Cole\u2019 in der jemenitischen Hafenstadt Aden waren 17 US-Soldaten ums Leben gekommen.&#8220;<\/em>\u00a0(2)<\/p><\/blockquote>\n<p>Der entsprechende Beitrag f\u00fcr die Internet-Ausgabe \u201etagesschau.de\u201c am 7. Januar 2019 war nur etwas ausf\u00fchrlicher, aber ebenso d\u00fcmmlich. Ausz\u00fcge:<\/p>\n<blockquote><p>\u201e<em>Er soll den Anschlag auf den US-Zerst\u00f6rer \u201aUSS Cole\u2019 im Jahr 2000 in der jemenitischen Hafenstadt Aden geplant haben. Nun ist der mutma\u00dfliche Al-Kaida-Terrorist al Badawi laut US-Pr\u00e4sident Trump bei einem Luftangriff get\u00f6tet worden (&#8230;) Die USA halten den Mann f\u00fcr den Drahtzieher des Terrorangriffs (&#8230;) vor mehr als 18 Jahren (&#8230;) Trump schrieb nun auf Twitter: \u201aUnser gro\u00dfartiges Milit\u00e4r hat den Helden Gerechtigkeit widerfahren lassen, die wir bei dem feigen Angriff auf die USS Cole verloren haben und die dabei verwundet wurden.\u2019&#8220;<\/em>\u00a0(3)<\/p><\/blockquote>\n<p>Dieser Beitrag entspricht auch nicht ann\u00e4hernd den qualitativen Anforderungen des Rundfunkstaatsvertrages an das ARD-aktuell-Informationsangebot per Internet. Davon wird behauptet, es biete<\/p>\n<blockquote><p>\u201e<em>den Rundfunkteilnehmern hochwertige Inhalte der ARD zur zeitsouver\u00e4nen Nutzung und ohne zus\u00e4tzliche Kosten f\u00fcr die geb\u00fchrenfinanzierten Inhalte. (&#8230;) Angebotsstrukturierung und Themenauswahl folgen den Kriterien der umfassenden Information, der Themenvielfalt und Programmqualit\u00e4t.\u201c\u00a0<\/em>(4)<\/p><\/blockquote>\n<p>Was an dem Internet-Tagesschaubeitrag &#8222;hochwertig&#8220; sein k\u00f6nnte, erschlie\u00dft sich nicht einmal auf den dritten Blick.<\/p>\n<p>Werte Qualit\u00e4tsjournalisten, werte &#8211; m\u00f6glicherweise etwas begriffsstutzige &#8211; Rundfunkr\u00e4te:<\/p>\n<p>Das hier angesprochene Angebot der ARD-aktuell missachtet die Grunds\u00e4tze der Rechtsstaatlichkeit und des zivilisierten Zusammenlebens. Es verst\u00f6\u00dft gegen die \u201canerkannten journalistischen Grunds\u00e4tze\u201d, von denen im Rundfunkstaatsvertrag die Rede ist. (5)<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das widerw\u00e4rtige Getwitter Trumps kommentarlos wiederzugeben setzt dem Ganzen die Krone auf. Der Mann ist allerdings nicht der erste US-Pr\u00e4sident, der seine Unf\u00e4higkeit beweist, zwischen Rachedenken und Gerechtigkeitssinn zu unterscheiden.<\/p>\n<p>Doch es sollen uns hier nur die grundlegenden Fragen bewegen.<\/p>\n<p>In keiner der Meldungen der ARD-aktuell zum Thema gibt es den kleinsten Hinweis darauf, dass es sich bei der Tat der US-Amerikaner um Mord gehandelt hat. \u201cGet\u00f6tet\u201d ist ein Verb, das nicht juristisch qualifiziert, und dem seri\u00f6sen Journalisten verbietet sich solche Indifferenz gegen\u00fcber einem Verbrechen. Der vorgeblich \u201csachlich-neutrale\u201d, tats\u00e4chlich aber propagandistisch verlogene Wortgebrauch offenbart asoziale Gedankenlosigkeit, typische Merkmale des deutschen Mainstreams \u00ad\u2013 und Kennzeichen f\u00fcr den Qualit\u00e4tsjournalismus des Chefredakteurs Dr. Gniffke und seiner Leute.<\/p>\n<p>Dem m\u00f6rderischen \u201egezielten Luftangriff\u201c der USA und der neutralistischen indifferenten Berichterstattung dar\u00fcber liegt Rechtsnihilismus zugrunde, der \u201ealle positiven Zielsetzungen, Ideale, Werte und Normen bedingungslos ablehnt\u201c? (6) Denn auch f\u00fcr einen Araber, den das US-Imperium f\u00fcr einen Terroristen ausgibt, gilt erstens die Unschuldsvermutung bis zum Beweis seiner Schuld. Zweitens sind extralegale Hinrichtungen f\u00fcr sich genommen bereits Staatsverbrechen. Drittens sind solche Untaten, wenn von Milit\u00e4rs im Ausland exekutiert, als Kriegsverbrechen zu verurteilen.<\/p>\n<p>Auf Gewaltanwendung bei inl\u00e4ndischen Demonstrationen (man denke an die Ausschreitungen beim G20-Gipfel in Hamburg) oder bei Angriffen auf Politiker (wie j\u00fcngst in Bremen) reagiert der deutsche politisch-mediale Komplex mit \u201cAbscheu, Entsetzen und Emp\u00f6rung\u201d (Standardfloskel). Auch die ARD-aktuell mutet dem Zuschauer dann alle erdenkliche Ausf\u00fchrlichkeit zu bei der Wiedergabe banaler Bekundungen von Politikern und sonstigen Geistesgr\u00f6\u00dfen:<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;Gewalt darf niemals ein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein &#8211; v\u00f6llig egal, gegen wen, oder was die Motive daf\u00fcr sind&#8220;\u00a0<\/em>(7)<\/p><\/blockquote>\n<p>erkl\u00e4rte beispielsweise Au\u00dfenminister Heiko Maas, ohne zu ber\u00fccksichtigen, welch m\u00f6rderisches Ma\u00df an Gewalt er selbst und seine Kabinettskollegen beispielsweise mit ihren Syrien-Sanktionen aus\u00fcben. Wo irgend m\u00f6glich, schl\u00e4gt der Mann sein Pfauenrad. Bei Kriegs- und Gewaltverbrechen der USA und der gr\u00f6\u00dferen NATO-Staaten h\u00e4lt er hingegen wohlweislich seine lose Klappe. Regierungslautsprecher Dr. Gniffke tut es ihm diesbez\u00fcglich \u00fcbrigens gleich und verharmlost beispielsweise den Massenmord der westlichen Allianz im Jemen als \u201eMilit\u00e4raktion\u201c.<\/p>\n<p>Der Widerspruch zum Selbstverst\u00e4ndnis, das die Herrschaften vor sich hertragen und f\u00fcr unser Gemeinwesen reklamieren, kann krasser nicht sein. Rechtsstaatlichkeit ist das Sanktuarium unserer \u201cWestlichen Werte-Gemeinschaft\u201d, der WWG. Vor ihm zelebriert sie ihre vorgebliche moralische \u00dcberlegenheit gegen\u00fcber allen anderen Gesellschaften. Kern ihrer nationalen Rechtssysteme ist die Unschuldsvermutung: Ein Angeklagter hat so lange als unschuldig zu gelten, bis er vor einem zust\u00e4ndigen Gericht \u00fcberf\u00fchrt und f\u00fcr schuldig befunden worden ist.<\/p>\n<p>Wesentlich ist dar\u00fcber hinaus, wer jeweils zust\u00e4ndig und damit befugt ist, \u00fcber Recht und Unrecht zu urteilen. Allzust\u00e4ndigkeitsgebaren ist Rechtsbruch, unvereinbar mit nationalen und internationalen Rechtsprinzipien. Die Anma\u00dfungen Washingtons sind rechtlich haltlos und m\u00fcssten jederzeit und von jedermann demgem\u00e4\u00df gewichtet werden, auch von der Tagesschau.<\/p>\n<p>Die Unschuldsvermutung gilt auch f\u00fcr alle diejenigen, die unerbittliche Gegner der wei\u00dfen Herren und ihrer &#8222;Wertegemeinschaft&#8220; sind. Im Gegensatz dazu die US-Praxis: Wer von der Administration in Washington als &#8222;Terrorist&#8220; eingestuft wird und in einem Land wie Afghanistan, Pakistan, Jemen oder Somalia lebt, kommt auf die schwarze Liste. Er wird f\u00fcr vogelfrei erkl\u00e4rt, der Folter unterzogen wie die Guantanamo-H\u00e4ftlinge \u2013 oder gleich zum Abschuss freigegeben. Die Todgeweihten werden von den Auftragsm\u00f6rdern der CIA oder der US-Air Force liquidiert. Verantwortliche Politiker und Milit\u00e4rs fungieren als Ankl\u00e4ger, Richter und Henker in Personalunion.<\/p>\n<p>Das ist Staatsterrorismus, und den beschweigen Tagesschau, Tagesthemen &amp; Co. hartn\u00e4ckig.<\/p>\n<p>Der &#8222;Krieg gegen den Terror&#8220; rechtfertige das \u201egezielte T\u00f6ten\u201c, hei\u00dft es seit 17 Jahren. Die ARD-aktuell strickt flei\u00dfig an dieser Propagandamasche mit. Die multinationale Sippschaft der Meinungsmacher versucht seit 9\/11, seit dem Anschlag auf die Zwillingst\u00fcrme in New York, den Eindruck zu erwecken, es sei eine legale Kriegshandlung und sogar legitim, vermeintliche Terroristen nach Belieben umzubringen.<\/p>\n<p>Der \u201cKrieg gegen den Terror\u201d \u2013 \u201cWar on Terror\u201d \u2013 ist jedoch nur eine von dem Massenm\u00f6rder George Dabbeljuh Bush begr\u00fcndete, rechtsverleugnende Inszenierung.<\/p>\n<p>Terroristen sind Individuen, und selbst wenn sie sich in Gruppen organisieren, macht sie das noch lange nicht zu einer Nation. Auch der sogenannte Islamische Staat ist keine solche rechtsf\u00e4hige Entit\u00e4t. Krieg jedoch ist \u2013 worauf der US-Kognitionsforscher George Lakoff hinweist \u2013 eine milit\u00e4rische Auseinandersetzung zwischen Nationen, zu denen Al Kaida unzweifelhaft nicht z\u00e4hlt. (8)<\/p>\n<p>Die fraglichen Tagesschau-Berichte lassen nicht erkennen, dass die USA allenfalls einen Auslieferungsantrag an den Jemen h\u00e4tten richten und gegebenenfalls den Mann vor ein US-amerikanisches Gericht h\u00e4tten stellen d\u00fcrfen. Die ARD-aktuell referierte nur vollkommen unkritisch und empathiefrei, dass das US-Regime Rache nahm, weil 17 \u201eUSS Cole\u201c-Matrosen Opfer eines Terroranschlags geworden waren. (9)<\/p>\n<p>F\u00fcr eine solche Primitivit\u00e4t spricht auch die Vorgeschichte: Zwei der vermeintlichen \u201cCole\u201d-Attent\u00e4ter waren 2004 im Jemen zum Tode verurteilt worden, einer von ihnen war der jetzt von der US-Luftwaffe umgebrachte Jamal al-Badawi. (10) Das zweite &#8211; in Abwesenheit erlassene &#8211; Todesurteil betraf Abd al-Rahim al-Nashiri; er war nach Guant\u00e1namo verschleppt und dort gefoltert worden. Einen US-Prozess gegen ihn hat es bis heute nicht gegeben. (11)<\/p>\n<p>Das Todesurteil gegen al-Badawi war im Februar 2005 von einem jemenitischen Gericht aufgehoben und in 15 Jahre Haft umgewandelt worden. Im Oktober 2007 wurde er vorzeitig freigelassen; er habe, so hei\u00dft es, dem Terrorismus abgeschworen. Nun jedoch ereilte ihn das gleiche Schicksal wie das eines weiteren mutma\u00dflichen &#8222;Drahtziehers&#8220;: Abu Ali al-Harithi war bereits 2002 von der CIA im Jemen mittels einer von einer Drohne MQ-1 Predator abgefeuerten Luft-Boden-Rakete AGM-114 Hellfire ermordet worden. (12)<\/p>\n<p>Mit der Ermordung Jamal al-Badawis setzte die US-Administration sich unter Missachtung des V\u00f6lkerrechts und US-eigener rechtsstaatlicher Prinzipien \u00fcber das Urteil des Gerichts eines souver\u00e4nen Staates hinweg: eine pure Machtdemonstration. Die Tagesschau erw\u00e4hnt am 6. und am 7. Januar 2019 aber mit keinem Wort, dass die USA mit Recht und Gesetz wieder einmal Schindluder trieben.<\/p>\n<p>W\u00e4ren Terroristen anerkannterma\u00dfen eine Kriegspartei, dann w\u00e4ren ihre Angriffe auf milit\u00e4rische Einheiten und Einrichtungen nicht zu beanstanden: Im Krieg ist das regul\u00e4re T\u00f6ten von Soldaten der Gegenseite erlaubt. Aber kein zivilisierter Mensch ist bereit, Attentate von Terroristen als legale Kriegsakte zu betrachten und den Verbrechern damit einen \u201eKombattantenstatus\u201c einzur\u00e4umen. Terroristische Verbrecher sind f\u00fcglich strafrechtlich zu verfolgen, vorzugsweise mit polizeilichen Mitteln. Das V\u00f6lker-Kriegsrecht gilt f\u00fcr den Umgang der Staaten untereinander, nicht gegen\u00fcber Terroristen. (13)<\/p>\n<p>Jamal al-Badawi durfte deshalb wegen des Verdachts der Anstiftung zum Selbstmord-Anschlag auf die \u201eUSS Cole\u201c nicht einfach nach Kriegsrecht \u201eget\u00f6tet\u201c werden. Erlaubt war nur, ihn nach den Regeln des Strafrechts und im Rahmen entsprechender internationaler Abkommen zu verfolgen (14) \u2013 unter Beachtung der Allgemeinen Menschenrechte:<\/p>\n<blockquote><p><em>Anspruch auf diese Rechte hat jedermann ohne Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger \u00dcberzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Verm\u00f6gen, Geburt oder sonstigem Stand&#8216;.\u00a0<\/em>(15)<\/p><\/blockquote>\n<p>Die UN-Menschenrechtscharta hat zwar immer noch nicht die Rechtsverbindlichkeit eines internationalen Vertrages, aber f\u00fcr uns in Deutschland und in ganz Europa ist sie Verfassungsrecht. Sie unterstreicht vor allem<\/p>\n<blockquote><p><em>das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person, Verbot der Sklaverei und der Folter, Gleichheit vor dem Gesetz, Schutz vor willk\u00fcrlicher Verhaftung und Anspruch auf ein faires, \u00f6ffentliches Verfahren vor einem unabh\u00e4ngigen Gericht<\/em>. (ebd.)<\/p><\/blockquote>\n<p>Der m\u00f6rderische Staatsterror setzt aber auch noch eine weitere bedeutende Rechtsnorm au\u00dfer Kraft: Das Prinzip der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit.<\/p>\n<p>Das Londoner\u00a0<em>Bureau of Investigative Journalism<\/em>\u00a0f\u00fchrt allein f\u00fcr Pakistan und den Zeitraum 2004 bis 2014 mindestens 400 US-amerikanische Drohnenbombardements auf. Veranlasser von 349 dieser hinterh\u00e4ltigen, m\u00f6rderischen Attacken war der Friedensnobelpreistr\u00e4ger Barak Hussein Obama. Dabei wurden \u2013 je nach Sch\u00e4tzung \u2013 zwischen 2379 und 3851 Menschen umgebracht. (16) Unter den Opfern waren erweislich viele unbeteiligte Zivilisten, Frauen und sogar Kinder. Gerade einmal vier Prozent der Toten konnten aufgrund verf\u00fcgbarer Quellen als Mitglieder von Al-Qaida identifiziert werden. Die Behauptung, es w\u00fcrden mit nahezu absoluter Sicherheit identifizierte, hochrangige Mitglieder des Al-Qaida-Netzwerkes getroffen, war und ist eine Propagandal\u00fcge.<\/p>\n<p>\u201cGezielte T\u00f6tungen\u201c, speziell die von Flugzeugen aus, f\u00fchren zu einer Entgrenzung des Krieges: In r\u00e4umlicher Hinsicht, weil milit\u00e4rische Operationen von den regul\u00e4ren Schlachtfeldern in den zivilen Lebensraum hineinwuchern. Rechtlich insofern, als sie Grauzonen schaffen, die absolute Geltung von Rechtsnormen relativieren und sie dadurch aush\u00f6hlen. Sie vermindern schlie\u00dflich sogar das individuelle Rechtsbewusstsein und zersetzen damit den Kitt, der demokratisch verfasste Gesellschaften zusammenh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Das ist auch in Deutschland deutlich erkennbar. Die widerw\u00e4rtige, fundamental antidemokratische Praxis der \u201cwestlichen F\u00fchrungsmacht\u201d USA, ihre Gegner heimt\u00fcckisch und ohne R\u00fccksicht auf sonstige Verluste per Drohne abzuknallen, weckt Nachahmungsw\u00fcnsche bei den deutschen Stahlhelm-Fraktionen. Sie scheuen sich nicht, jetzt ebenfalls Drohnen f\u00fcr die Bundeswehr zu verlangen. Zwar deklamierte ein SPD-Regierungsmitglied in Berlin<\/p>\n<blockquote><p><em>&#8222;\u00dcber diese Ma\u00dfnahmen (Drohnenbeschaffung) soll erst nach ausf\u00fchrlicher v\u00f6lkerrechtlicher, verfassungsrechtlicher und ethischer W\u00fcrdigung auf der Grundlage einer gesonderten Vorlage entschieden werden.&#8220;\u00a0<\/em>(17)<\/p><\/blockquote>\n<p>Aber wer sich auf eine solche Diskussion einl\u00e4sst, zeigt bereits, dass er V\u00f6lkerrecht, Verfassungsrecht und ethische Grunds\u00e4tze f\u00fcr relative Ma\u00dfgaben h\u00e4lt. Er ist bereit, ihre Normen der Zweckm\u00e4\u00dfigkeit unterzuordnen.<\/p>\n<p>Hier ist jedoch nicht weiter von Politikern gleich welcher Partei, sondern immer noch vom ARD-aktuell-Qualit\u00e4tsjournalismus zu reden. Er erzeugt in unserer Gesellschaft mit seiner Indifferenz gegen\u00fcber dem imperialen Staatsterrorismus ein Quasi-Einvernehmen, die Praxis des \u201cgezielten T\u00f6tens\u201d wird als Allt\u00e4glichkeit vermittelt. Die Redaktion befolgt bei der Nachrichtengestaltung propagandistische Sprachregelungen, sogar bei Berichten \u00fcber staatlich organisierten Mord. Und die Rundfunkr\u00e4te, zust\u00e4ndig f\u00fcr kritische Nachkontrolle der Sendungen, schnarchen mit Schlafm\u00fctze \u00fcber Augen und Ohren vor sich hin.<\/p>\n<p>Kein Wunder, dass die miese Entwicklung bis in den personalpolitischen Bereich wirkt. Klassischer Dreht\u00fcr-Effekt:\u00a0Der ARD-Journalist und \u201eMilit\u00e4rexperte\u201c Christian Thiels wechselt ins Verteidigungsministerium. (18) Er wird Mitte Februar Chefredakteur der Bundeswehrredaktion, verantwortlich nicht nur f\u00fcr s\u00e4mtliche Publikationen der Streitkr\u00e4fte, sondern auch f\u00fcr die Au\u00dfendarstellung des Ministeriums auf dessen diversen Webseiten. Da kann er dann weitermachen wie gehabt.<\/p>\n<p>Der Qualit\u00e4tsjournalismus ist l\u00e4ngst in die G\u00fcllegrube des Regierungskonformismus geplumpst. Seine Heloten haben es nicht einmal gemerkt.<br \/>\n<strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<p>(1)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=tNpdfpmSoeM\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=tNpdfpmSoeM<\/a><\/p>\n<p>(2)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/ts-29281.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/ts-29281.html<\/a><\/p>\n<p>(3)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/badawi-137.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/badawi-137.html<\/a><\/p>\n<p>(4)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ard.de\/download\/1899726\/Grundsaetze_fuer_die_Zusammenarbeit_im_ARD_Gemeinschaftsprogramm_.pdf\">https:\/\/www.ard.de\/download\/1899726\/Grundsaetze_fuer_die_Zusammenarbeit_im_ARD_Gemeinschaftsprogramm_.pdf<\/a>\u00a0(Seite 3)<\/p>\n<p>(5)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ard.de\/download\/538848\/Staatsvertrag_fuer_Rundfunk_und_Telemedien_in_der_Fassung_des_20__Aenderungsstaatsvertrags__vom_8__bis_16__12__2016.pdf\">https:\/\/www.ard.de\/download\/538848\/Staatsvertrag_fuer_Rundfunk_und_Telemedien_in_der_Fassung_des_20__Aenderungsstaatsvertrags__vom_8__bis_16__12__2016.pdf<\/a><\/p>\n<p>(6)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.duden.de\/rechtschreibung\/nihilistisch#Bedeutungb\">https:\/\/www.duden.de\/rechtschreibung\/nihilistisch#Bedeutungb<\/a><\/p>\n<p>(7)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/heute\/angriff-auf-bremer-afd-chef-politiker-verurteilen-gewalttat-100.html\">https:\/\/www.zdf.de\/nachrichten\/heute\/angriff-auf-bremer-afd-chef-politiker-verurteilen-gewalttat-100.html<\/a><\/p>\n<p>(8) Lakoff e.a, \u201cAuf leisen Sohlen ins Gehirn\u201d, Carl Auer Verlag, Heidelberg, 2007, S. 126 ff.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.carl-auer.de\/programm\/artikel\/titel\/auf-leisen-sohlen-ins-gehirn\/\">https:\/\/www.carl-auer.de\/programm\/artikel\/titel\/auf-leisen-sohlen-ins-gehirn\/<\/a><\/p>\n<p>(9)\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/USS_Cole_%28DDG-67%29\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/USS_Cole_%28DDG-67%29<\/a><\/p>\n<p>(10)\u00a0<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20080311115433\/http:\/www.cnn.com\/2004\/WORLD\/meast\/09\/29\/yemen.cole\/index.html\">https:\/\/web.archive.org\/web\/20080311115433\/http:\/\/www.cnn.com\/2004\/WORLD\/meast\/09\/29\/yemen.cole\/index.html<\/a><\/p>\n<p>(11)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.humanrightsfirst.org\/senate-report-cia-torture\/abd-al-rahim-al-nashiri\">https:\/\/www.humanrightsfirst.org\/senate-report-cia-torture\/abd-al-rahim-al-nashiri<\/a><\/p>\n<p>(12)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.theage.com.au\/national\/us-missiles-kill-al-qaeda-suspects-20021106-gdurel.html\">https:\/\/www.theage.com.au\/national\/us-missiles-kill-al-qaeda-suspects-20021106-gdurel.html<\/a><\/p>\n<p>(13)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/frankreich-kriegsgerede-und-kriegsrecht-1.2744992\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/frankreich-kriegsgerede-und-kriegsrecht-1.2744992<\/a><\/p>\n<p>(14)\u00a0<a href=\"http:\/\/www.taz.de\/!5146712\/\">http:\/\/www.taz.de\/!5146712\/<\/a><\/p>\n<p>(15)\u00a0<a href=\"http:\/\/www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de\/menschenrechte\/un-menschenrechtscharta.html\">http:\/\/www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de\/menschenrechte\/un-menschenrechtscharta.html<\/a><\/p>\n<p>(16)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.zeitschrift-luxemburg.de\/drohnenkriege\/\">https:\/\/www.zeitschrift-luxemburg.de\/drohnenkriege\/<\/a><\/p>\n<p>(17)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/drohnen-143.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/drohnen-143.html<\/a><\/p>\n<p>(18)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/christian-thiles-wird-chefredakteur-bei-der-bundeswehr-15983957.html\">https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/christian-thiles-wird-chefredakteur-bei-der-bundeswehr-15983957.html<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u>Das Autoren-Team:<\/u><\/p>\n<p><em>Friedhelm Klinkhammer, Jahrgang 1944, Jurist. 1975 &#8211; 2008 Mitarbeiter des NDR, zeitweise Vorsitzender des NDR-Gesamtpersonalrats und des ver.di-Betriebsverbandes sowie Referent einer Funkhausdirektorin.<\/em><\/p>\n<p>Volker Br\u00e4utigam, Jahrgang 1941, Journalist. 1975 &#8211; 1996 im NDR, zun\u00e4chst in der ARD-Tagesschau, nach 1991 in der NDR-Hauptabteilung Kultur. Danach Lehr- und Forschungsauftrag an der Fu-Jen-Uni Taipeh.<\/p>\n<p><u>Anmerkung der Autoren:<\/u><\/p>\n<p><em>Unsere Beitr\u00e4ge stehen zur freien Verf\u00fcgung. Wir schreiben nicht f\u00fcr Honorar, sondern gegen die \u201emediale Massenverbl\u00f6dung\u201c (in memoriam Peter Scholl-Latour). Die Texte werden auf der Seite\u00a0<a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\">https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog<\/a>\u00a0dokumentiert.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"float: left; margin-top: 20px;\"><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_4549 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_4549')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_4549').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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