{"id":4600,"date":"2019-01-25T13:14:13","date_gmt":"2019-01-25T12:14:13","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=4600"},"modified":"2019-01-26T12:56:05","modified_gmt":"2019-01-26T11:56:05","slug":"aus-aktuellem-anlass-maduros-wahl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/aus-aktuellem-anlass-maduros-wahl\/","title":{"rendered":"Aus aktuellem Anlass: Maduros Wahl"},"content":{"rendered":"<p><em>Bildquelle: Jiri Flogel\/Shutterstock.com<\/em><\/p>\n<p><strong>Maduros Wahl<br \/>\nVenezuela befindet sich in der hegemonialen Zange des US-Regimes.<\/strong><\/p>\n<p><em>von Wolf Gauer <\/em><\/p>\n<p><strong>Am 20. Mai 2018 wurde Nicol\u00e1s Maduro Moros (56), der Nachfolger von Hugo Ch\u00e1vez Fr\u00edas, neuerlich zum Pr\u00e4sidenten der Bolivarischen Republik Venezuela gew\u00e4hlt. Trotz inhumaner Sanktionen und Wirtschaftsblockade vonseiten der USA, der EU, der G7-Gruppe und der US-gef\u00fchrten Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) gegen die 31 Millionen Venezolaner.<\/strong><\/p>\n<p>Ihr Land wird systematisch isoliert. Am 8. August 2017 konstituierte sich in Peru die sogenannte Lima-Gruppe (Grupo de Lima). Ihre 14 Mitglieder (Argentinien, Brasilien, Kanada, Chile, Kolumbien, Costa Rica, Guatemala, Guyana, Honduras, Mexiko, Panama, Paraguay, Peru und St. Lucia) befolgen gegen\u00fcber Venezuela s\u00e4mtliche Repressionsforderungen der USA. Dazu geh\u00f6rt der Ausschluss aus dem gemeinsamen Markt Mercosur und aus anderen lateinamerikanischen Integrationsmechanismen wie der Entwicklungsbank des S\u00fcdens (Banco del Sur). Auch das Abw\u00fcrgen der Union S\u00fcdamerikanischer Nationen (UNASUR) mit Sitz und Parlament im sozialistischen Bolivien. Die USA haben den diskreten Beobachterstatus vorgezogen, auch die EU und die OAS, die hier in Brasilien schon als \u201eUS-amerikanisches Kolonialministerium\u201c verschrien ist. Sp\u00fcrbare lateinamerikanische Solidarit\u00e4t leisten nur noch Kuba und Bolivien.<\/p>\n<p>Die westlichen Medien folgen dem Pressebriefing des Wei\u00dfen Hauses und schm\u00e4hen Venezuela und seinen Pr\u00e4sidenten um die Wette. Dennoch: Der ehemalige Busfahrer und Ch\u00e1vez-Gef\u00e4hrte wurde wiedergew\u00e4hlt. In einem international \u00fcberwachten Wahlverfahren, transparent wie in den USA kaum vorstellbar. Mit einer Mehrheit von 67,7 Prozent \u2013 weit \u00fcber allen Erwartungen und, wohlgemerkt, ohne Ch\u00e1vez\u2019 Charisma und geniale Schnauze.<\/p>\n<p>Hilfreich war nicht zuletzt das buntscheckige und chronisch zerstrittene anti-chavistische Oppositions-B\u00fcndnis aus 16 Parteien namens \u201eTisch der demokratischen Einheit\u201c (MUD). Sein Wahlboykott war ein Schuss in die eigene Tischplatte. Der Mob der Tafelrunde blieb zuhause, und nur noch 46,1 Prozent der Wahlberechtigten, politisch informiert und nicht geschmiert, gingen zur Urne. 67,7 Prozent stimmten f\u00fcr Maduro, 21,1 Prozent f\u00fcr den einzigen ernsthaften Gegner, den zeitweiligen Ch\u00e1vez-Anh\u00e4nger Henri Falc\u00f3n. Der Unteroffizier gilt als m\u00f6glicher \u00dcbergangskandidat bei der US-seitig geplanten Erledigung des sozialistischen Staats, die uns noch besch\u00e4ftigen wird.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Au\u00dfensteuerung, besorgt und selbstlos<\/strong><\/p>\n<p>Entscheidender als seine internen demokratischen Resultate ist f\u00fcr Venezuela indessen all das, was sich derzeit au\u00dferhalb des Landes abspielt. An erster Stelle die zunehmend handgreifliche \u201eBesorgnis\u201c der Westlichen Wertgemeinschaft dar\u00fcber, dass die weltgr\u00f6\u00dften \u00d6lreserven (50 Milliarden Tonnen) nun einmal unter Venezuelas sozialistischem Grund und Boden liegen.<br \/>\nUSA und EU dekretieren da beh\u00e4nde, was im selbstlosen Interesse von Freiheit und Demokratie gegen die dortige \u201eDiktatur\u201c zu geschehen habe. F\u00fcr Washingtons Kamarilla ist die verfassungskonforme Wahl Maduros ganz einfach illegal, f\u00fcr US-Pr\u00e4sident Trump \u201ea sham\u201c (ein fauler Zauber, Chicago Tribune, 25.5.18, alle \u00dcbersetzungen Wolf Gauer).<\/p>\n<p>Dass Wahlen auch gesellschaftliches Bewusstsein, nationale Selbstachtung und Ablehnung imperialer Einmischung spiegeln k\u00f6nnten, \u00fcberfordert die hegemonialen Hirne. Ergo erkannte US-Favorit Falc\u00f3n das Wahlergebnis gleich gar nicht an. Kanada hatte schon vorauseilend den dortigen Venezolanern die Stimmabgabe in ihren Konsulaten verboten. Internationales Recht hin oder her.<\/p>\n<p>Seit 2006 haben selbst die kritischsten der internationalen Wahlbeobachter nichts am Wahlprozess Venezuelas auszusetzen. Er wurde wiederholt als korrekt und manipulationssicher befunden. Das CNN-Anh\u00e4ngsel n-tv.de wei\u00df das besser. Mit \u201eNicol\u00e1s Maduros dreckiger Sieg\u201c (n-tv, 21.5.18) gab der Sender die Tonika der weiteren Venezuela-Abfertigung vor \u2013 sofern die b\u00f6sen Russen dazu \u00fcberhaupt noch Zeit lassen. Die aber kamen n-tv und \u00e4hnlich gepolten Medien sogar entgegen und offerierten eine weitere Fliege f\u00fcr dieselbe Klatsche: Zur Venezuela-Wahl n\u00e4mlich hatte der russische Au\u00dfenminister Sergej Lawrow verlauten lassen, \u201ees sei ein gef\u00e4hrlicher Pr\u00e4zedenzfall, wenn der Wahlprozess nicht vom Blickwinkel der internationalen Beobachter abh\u00e4ngt, sondern von der Sichtweise, die gewisse Staaten schon vorher in Umlauf brachten\u201c (Radio Liberty, 22.5.18).<\/p>\n<p><strong>W\u00e4hlermotive<\/strong><\/p>\n<p>Maduros handfester Erfolg hat auch materielle Gr\u00fcnde: Er konnte seit 2016 sein Land wenigstens teilweise aus dem W\u00fcrgegriff der US- und EU-Sanktionen befreien. Venezuela h\u00e4ngt nicht mehr ausschlie\u00dflich von den Dollar-Eink\u00fcnften seiner \u00d6lproduktion ab. Zwar kommt ein F\u00fcnftel der US-\u00d6limporte aus der OPEC noch aus Venezuela (M\u00e4rz 2018), aber Russland vermarktet l\u00e4ngst venezolanisches \u00d6l, die B\u00f6rsen in Shanghai und Hong Kong handeln es seit M\u00e4rz 2018 in Yuan. Der Yuan-Erl\u00f6s kann in Gold konvertiert werden. China hat 60 Milliarden Dollar in venezolanische Infrastruktur investiert und nimmt rund 15 Prozent der \u00d6lproduktion ab, Tendenz steigend. Infolge Trumps Iran-Politik ist auch der \u00d6lpreis gestiegen (zurzeit bei circa 75 US-Dollar). Massive Lohnerh\u00f6hungen haben die Kaufkraft der Bev\u00f6lkerung verbessert.<\/p>\n<p>Venezuelas \u201ePetro\u201c, die weltweit erste Kryptow\u00e4hrung mit Mineraliendeckung, hat laut Amerika21 schon in der ersten Vorverkaufswoche (Februar 2018) rund drei Milliarden US-Dollar eingebracht. Ein von der venezolanischen Goldsch\u00fcrfung gedeckter \u201ePetro Oro\u201c soll folgen. Beide k\u00f6nnen im Inland als Zahlungsmittel gebraucht werden, eine willkommene Alternative zur inflation\u00e4ren Landesw\u00e4hrung und zum Dollar-Schwarzmarkt, insgesamt ein weiteres Abr\u00fccken von der Dollar-Hegemonie.<\/p>\n<p>Der wohl st\u00e4rkste Beweggrund aber f\u00fcr venezolanische W\u00e4hler, sich hinter den chavistischen Kandidaten Maduro zu stellen, verbindet sich mit drei Namen: Juan Manuel Santos, scheidender Pr\u00e4sident von Kolumbien, Stella Calloni, 83, Symbol des kritischen Journalismus Lateinamerikas, und Kurt W. Tidd, Admiral, Pentagon-Vordenker und Kommandant des US Southern Command (S\u00fcdkommando der US-Armee), dessen Flotte die Karibik beschattet. Es handelt sich in der Folge nicht um Science-Fiction.<\/p>\n<p><strong>Der Abschlachtplan<\/strong><\/p>\n<p>Im Mai 2017 offenbarte Pr\u00e4sident Santos seinem leidgepr\u00fcften und arglosen Volk den umgehenden Anschluss Kolumbiens an die NATO als 37. Mitglied des nordatlantischen Verteidigungspakts. Ein Jahr sp\u00e4ter, am Vorabend des ersten Wahlgangs der kolumbianischen Pr\u00e4sidentschaftswahlen, best\u00e4tigte Santos: \u201eWir sind das einzige Land Lateinamerikas mit diesem Privileg\u201c (Telesur, 25.5.18). Kolumbiens \u201ePrivileg\u201c verst\u00f6\u00dft gegen den Vertrag von Tlatelolco (1967), in dem sich 21 lateinamerikanische Nationen (einschlie\u00dflich Kolumbien) zur nuklearfreien Zone erkl\u00e4rt haben.<\/p>\n<p>Der argentinische B\u00fcrgerrechtler und Friedensnobelpreistr\u00e4ger Adolfo P\u00e9rez Esquivel gibt zu bedenken, dass die NATO genau das Gegenteil aller bisherigen lateinamerikanischen B\u00fcndnisse darstellt: \u201eSie f\u00f6rdert Nuklearwaffen, den Interventionismus und die Verletzung der Menschen- und V\u00f6lkerrechte\u201c (Bit\u00e1cora, 11.6.18). Kolumbien ist seit der milit\u00e4rischen Teilung durch die USA (1903) deren scheindemokratisches Zubeh\u00f6r und nunmehr die ideale Aufmarscharena gegen das benachbarte Venezuela. Der am 17.6.18 gew\u00e4hlte US-nahe Pr\u00e4sident Iv\u00e1n Duque M\u00e1rquez d\u00fcrfte daran nichts \u00e4ndern. Ein geeigneter Startkonflikt l\u00e4sst sich jederzeit arrangieren, der gro\u00dfe NATO-Bruder wartet schon. Und er hat die Erledigung des Problems Venezuela l\u00e4ngst akribisch durchgeplant.<\/p>\n<p>Stella Calloni, die unbeirrbare Chronistin Lateinamerikas, ver\u00f6ffentlichte und kommentierte am 9. Mai 2018 \u2013 rechtzeitig vor den venezolanischen Wahlen \u2013 den Venezuela-Plan des US-SouthCom und seines Chefpiraten Kurt W. Tidd (\u201eDer Meister-Schlag der USA gegen Venezuela\u201c, Voltairenet, 14.5.2018). Callonis brisante Publikation ist \u00e4u\u00dferst lesenswert.<\/p>\n<p>Nur so viel sei vorweggenommen: Tidds Schlachtplan vom 23. Februar 2018 tr\u00e4gt den Titelvermerk \u201etop secret\u201d. Zu Recht: Die Ma\u00dflosigkeit und Brutalit\u00e4t seines Vorhabens schockieren. Die USA sind nicht mehr an einem Regierungswechsel interessiert, urteilt der franz\u00f6sische Journalist und politische Berater Thierry Meyssan, sondern an der milit\u00e4rischen Zerst\u00f6rung des venezolanischen Staates, \u201eam Zerquetschen der Chavisten und der sonstigen Gegner, damit niemand mehr regieren kann und sich allein der Wille Washingtons durchsetzt\u201c (Voltairenet, 22.5.2018).<\/p>\n<p>Der Beitrag erschien zun\u00e4chst in Ossietzky, Zweiwochenschrift f\u00fcr Politik \/ Kultur \/ Wirtschaft, Heft 13\/2018<\/p>\n<div style=\"float: left; margin-top: 20px;\"><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_4600 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_4600')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_4600').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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