{"id":4640,"date":"2019-02-08T22:22:19","date_gmt":"2019-02-08T21:22:19","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=4640"},"modified":"2019-02-16T23:16:45","modified_gmt":"2019-02-16T22:16:45","slug":"schweinejournalismus-uebers-tierwohl-label","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/schweinejournalismus-uebers-tierwohl-label\/","title":{"rendered":"Schweinejournalismus \u00fcbers \u201eTierwohl-Label\u201c"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><strong><u>Dr. Gniffkes Macht um acht<\/u><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em>Bildquelle: https:\/\/fachinfo-schwein.de\/schweineproduktion<\/em><\/p>\n<p><strong>Schweinejournalismus \u00fcbers \u201eTierwohl-Label\u201c<\/strong><\/p>\n<p><strong>ARD-aktuell macht Reklame f\u00fcr die Bauernlobby und deren Handpuppe, die Landwirtschaftsministerin Kl\u00f6ckner<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><em>Von Friedhelm Klinkhammer und Volker Br\u00e4utigam<\/em><\/p>\n<p><strong>Wieder einmal hat es eine pure Zirkusnummer in die Hauptnachrichtensendung des Ersten Deutschen Fernsehens geschafft: \u00a0Die Tagesschau berichtete \u00fcber eine Pressekonferenz, auf der\u00a0Landwirtschaftsministerin Julia Kl\u00f6ckner\u00a0ihr Reklameprojekt \u201eTierwohl-Label\u201c vorstellte. (1) Das Siegel soll angeblich dazu beitragen, die uns\u00e4gliche Qu\u00e4lerei in der Massentierhaltung zu reduzieren. Nat\u00fcrlich nur ein bisschen und auf Freiwilligkeit beruhend.\u00a0Dementsprechend war auch die Tagesschau-Berichterstattung nur ein bisschen informativ. F\u00fcr den denkenden Verbraucher ein ebenso alberner T\u00e4uschungsversuch wie Kl\u00f6ckners dummdreiste Zumutung.<\/strong><\/p>\n<p>Das Thema Tierschutz kam in j\u00fcngerer Zeit wiederholt in den Nachrichtensendungen vor. Offenkundig nehmen Interesse und Sensibilit\u00e4t daf\u00fcr in der Bev\u00f6lkerung zu. Wortlaut des neuesten Tagesschau-Beitrags:<\/p>\n<p><em>\u201eBundeslandwirtschaftsministerin Kl\u00f6ckner will mit einer Freiwilligen-Initiative die Haltung von Tieren in der Landwirtschaft verbessern. Dazu stellte sie heute ein staatliches Tierwohl-Label vor. Mit ihm soll Fleisch gekennzeichnet werden, bei dem die Tiere besser gehalten werden, als der gesetzliche Mindeststandard vorsieht.\u00a0<\/em>(1)<\/p>\n<p>Sehen wir vom miesen Nachrichtenagentur-Deutsch mal ab \u2013 \u201eFleisch, bei dem die Tiere besser gehalten werden\u201c! \u2013 , entscheidender ist, worauf das Ganze hinausl\u00e4uft:<\/p>\n<p><em>Kl\u00f6ckner hofft, dass Verbraucher bereit sind, hierf\u00fcr mehr zu zahlen\u00a0<\/em>(ebd)<em>.<\/em><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es geht also um gesteigerte Profitmaximierung in der Fleischproduktion. Was unter gesetzlichem Mindeststandard f\u00fcr die Tierhaltung zu verstehen ist, wird in dieser Reportage hingegen nicht klar. Stattdessen macht sich ARD-aktuell per \u00dcbertragung von O-T\u00f6nen zur B\u00fchne der \u00fcberaus produzenten-freundlichen CDU-Ministerin Kl\u00f6ckner. Mit intelligenzfreien S\u00e4tzen wie diesem:<\/p>\n<p><em>\u201eWir nehmen vor allem den Zeitpunkt von der Geburt bis zur Schlachtung in den Blick.\u201c\u00a0<\/em>(ebd.)<\/p>\n<p>An einem Ministerinnenblick auf die pr\u00e4natale und auf die postmortale Zeit der Tiere besteht in der Tat kein erkennbares Publikumsinteresse. Dem kam die Tagesschau eh nur bedingt nach mit dem Kl\u00f6ckner-Hinweis, das neue Label<\/p>\n<p><em>\u201egibt dem Verbraucher mehr Orientierung, und jeder kann sich dann auch bewusst daf\u00fcr entscheiden, ob er mehr in auch Tierwohl investieren will.\u201c<\/em>\u00a0(ebd.)<\/p>\n<p>Nicht mittels gesetzlicher Vorgaben soll die Tierqu\u00e4lerei eingeschr\u00e4nkt werden, sondern der Verbraucher soll es mal wieder richten. Obwohl der Tierschutz seit mehr als 15 Jahren Staatsziel mit Verfassungsrang ist:<\/p>\n<p><em>\u201eDer Staat sch\u00fctzt auch in Verantwortung f\u00fcr die k\u00fcnftigen Generationen die nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Ma\u00dfgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.\u201c<\/em>\u00a0(2)<\/p>\n<p>Das steht in Art. 20a des Grundgesetzes. Im dazu erlassenen Tierschutzgesetz hei\u00dft es dann weiter:<\/p>\n<p><em>Zweck\u00a0dieses Gesetzes ist es, aus der Verantwortung des Menschen f\u00fcr das Tier als Mitgesch\u00f6pf dessen Leben und Wohlbefinden zu sch\u00fctzen.\u00a0Niemand\u00a0darf einem Tier ohne vern\u00fcnftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Sch\u00e4den zuf\u00fcgen. <\/em>(3)<\/p>\n<p>Darauf hinzuweisen \u2013 und die Ministerin damit zu konfrontieren und verdienterma\u00dfen zu desavouieren \u2013 \u00a0verzichten unsere Qualit\u00e4tsjournalisten wohlweislich. Ihre Distanz zum \u201eTierwohl\u201c-Label deuten sie nur leicht mit der einschr\u00e4nkenden Information an, das geplante Label sei zun\u00e4chst lediglich f\u00fcr Schweinefleisch vorgesehen und werde unter anderem f\u00fcr den Verzicht auf das Kastrieren ohne Bet\u00e4ubung, f\u00fcr \u201emehr Platz in den St\u00e4llen\u201c und f\u00fcr \u201ebessere Transportbedingungen\u201c vergeben; auch wird korrekterweise der Gr\u00fcnen-Oppositionspolitiker Anton Hofreiter zitiert:<\/p>\n<p><em>\u201eDiese Kennzeichnung ist weder gesetzlich klar, noch ist sie verpflichtend. Wir brauchen \u00a0eine Kennzeichnung, die deutlich macht: Wie werden die Tiere gehalten\u201c<\/em>\u00a0(s.u. Anm.1)<\/p>\n<p>Kurt M\u00fcller vom Bundesvorstand der Verbraucherzentralen kommt mit der Bemerkung zu Wort, schon jetzt gebe es eine Vielzahl von Kennzeichnungen, die Kundschaft wolle jedoch mehr Klarheit. Und sogar f\u00fcr die Tiersch\u00fctzer ist ein Aufmerksamkeitsrest da: Sie \u201ew\u00fcrden am liebsten die gesetzlichen Standards f\u00fcr alle Betriebe erh\u00f6hen.\u201c Mehr Information, vor allem mehr Konkretes \u00fcber besagte \u201eStandards\u201c, war allerdings bei ARD-aktuell nicht zu holen, auch nicht aus ihrem Angebot im Internet, auf \u201etagesschau.de\u201c. (4)<\/p>\n<p>Dabei w\u00e4re es zumindest in den Textformaten der ARD-aktuell m\u00f6glich gewesen, mehr zu bieten. Beispielsweise eine kurze Zusammenfassung dessen, was das Tierschutzgesetz zwar verbietet, was aber immer noch Praxis in der deutschen Massentierhaltung ist &#8211; und von den Ausf\u00fchrungsbestimmungen in den Gesetzen der Bundesl\u00e4nder nicht ausgeschlossen wird. Bevor wir darlegen, was die Tagesschau an Fakten unterschlug, sei zum besseren Verst\u00e4ndnis noch aus dem Tierschutzgesetz zitiert:<\/p>\n<p><em>\u201eWer ein Tier h\u00e4lt, betreut oder zu betreuen hat, muss das Tier seiner Art und seinen Bed\u00fcrfnissen entsprechend angemessen ern\u00e4hren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen (und) darf die M\u00f6glichkeit des Tieres zu artgem\u00e4\u00dfer Bewegung nicht so einschr\u00e4nken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Sch\u00e4den zugef\u00fcgt werden\u201c\u00a0<\/em>(5)<\/p>\n<p>Mit der Praxis in der deutschen Massentierhaltung ist das nicht in Einklang zu bringen. Dar\u00fcber schweigt sich die Tagesschau auch in ihrem Internet-Angebot aus. K\u00fcrzlich wurde zwar einmal gemeldet, dass das bet\u00e4ubungslose Kastrieren noch bis einschlie\u00dflich n\u00e4chstes Jahr erlaubt worden sei, weil Ministerin Kl\u00f6ckner der Viehwirtschaft mehr Zeit \u201ef\u00fcr technische Anpassungsprozesse\u201c gew\u00e4hren wolle. Dazu wurden sogar ein paar absto\u00dfende Filmszenen gezeigt. (6) \u00a0Das war\u00b4s dann aber auch schon.<\/p>\n<p>Hierzulande werden 27 Millionen Schweine zur Fleischerzeugung gehalten. Damit ist Deutschland der gr\u00f6\u00dfte Schweinefleischproduzent in Europa und steht weltweit nach China und den USA an dritter Stelle. (7) Die Export\u00fcbersch\u00fcsse sind gewaltig.<\/p>\n<p>In unserem angeblich tierliebenden Land sind die Schweinezucht- und Mastbetriebe ein Hort grausamster Tierqu\u00e4lerei. Die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der industriellen Schweinez\u00fcchter und -m\u00e4ster verfrachtet die Muttersau Wochen vor dem Wurf in den sogenannten Kastenstand, der nur wenig gr\u00f6\u00dfer ist als das Tier selbst. (8) Es kann sich darin nicht einmal mehr umwenden. Eine dem Normalverbraucher weithin so unbekannte wie unvorstellbare Qu\u00e4lerei. (9)<\/p>\n<p>In Schweden, Gro\u00dfbritannien und weiteren EU-Staaten ist der Kastenstand seit Jahren verboten. Die Europ\u00e4ische Beh\u00f6rde f\u00fcr Lebensmittelsicherheit beurteilt ihn als wissenschaftlich so ausgewiesene Tierqu\u00e4lerei.<\/p>\n<p>Die M\u00e4ster behaupten, die \u201eAbferkelk\u00e4fige\u201c seien notwendig, damit sich die Mutter nicht auf ihre Jungen legen und sie zerquetschen k\u00f6nne. Womit bereits klar wird, dass die \u00a0platzsparende, profitsteigernde Massentierhaltung zu der Qu\u00e4lerei f\u00fchren muss. In modernen Laufst\u00e4llen mit reichlich Freiraum n\u00e4mlich sch\u00fctzen die Sauen ihre Ferkel und erdr\u00fccken sie nicht, wie jeder Biobauer best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Ferkel von heute sind Fleischlieferanten von morgen. Das Fleisch m\u00e4nnlicher Tiere hat, je nach Aufbereitung, angeblich einen st\u00f6renden Geruch und Beigeschmack. Deshalb werden junge Schlachteber kastriert. Zwar ist das ohne Bet\u00e4ubung auch bei Frischlingen, die noch keine Woche alt sind, seit gut f\u00fcnf Jahren \u201eeigentlich\u201c verboten. Den Viehz\u00fcchtern wurde die \u00dcbergangsfrist nun aber nochmals um zwei Jahre verl\u00e4ngert \u2013 Julia Kl\u00f6ckner f\u00fchlte sich der Lobby verpflichtet. Nach einer Begr\u00fcndung, weshalb nach f\u00fcnf Jahren \u00dcbergangszeit nochmals zwei Jahre Qu\u00e4len erlaubt werden, obwohl es l\u00e4ngst ausgereifte und kosteng\u00fcnstige Bet\u00e4ubungsmethoden gibt, wurde Kl\u00f6ckner zwar k\u00fcrzlich aber vergeblich gefragt. Ihr Drumherumgerede lie\u00dfen die Tagesschau-Qualit\u00e4tsjournalisten kaltbl\u00fctig durchgehen.<\/p>\n<p>Bet\u00e4ubungslose Kastration: Das Tier wird an den Hinterl\u00e4ufen hochgenommen und kopf\u00fcber in ein Metallgestell gezw\u00e4ngt, wobei die Hinterbacken zusammengepresst werden und der Hodensack nach oben gedr\u00fcckt wird. Er wird mit einem Messer so weit aufgeschlitzt, dass die Samendr\u00fcsen hervorquellen. Sie werden weggeschnitten oder, noch schlimmer, der Bauer greift mit den Fingern danach und rei\u00dft sie heraus. Die Wunde wird anschlie\u00dfend mit \u00c4tzfl\u00fcssigkeit \u201eversorgt\u201c. Ordentlich vern\u00e4ht wird sie nicht. Die Tierchen bekommen auch nach der abscheulichen Prozedur keine schmerzstillenden Mittel. Sie schreien gellend vor Qual.<\/p>\n<p>Im f\u00fchrenden Kommentar zum Tierschutzgesetz hei\u00dft es dazu:<\/p>\n<p><em>\u201eDas routinem\u00e4\u00dfige Kastrieren von unter acht Tage alten m\u00e4nnlichen Ferkeln steht nicht in Einklang mit dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit. Unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig ist der Eingriff bei Schweinen, deren Schlachtung bereits mit 100 kg K\u00f6rpergewicht oder weniger beabsichtigt ist, weil dann mangels Geschlechtsreife kein Ebergeruch im Fleisch zu bef\u00fcrchten ist.\u201c\u00a0<\/em>(10)<\/p>\n<p>\u201e\u00dcbergangsweise\u201c erlaubt ist die bet\u00e4ubungslose Kastration nur an Ferkeln, die nicht \u00e4lter sind als acht Tage. Das Problem: Die Einhaltung dieser Frist kann nicht \u00fcberwacht werden. Im \u201eSchweineland\u201c Niedersachsen gibt es gerade mal 77 Veterin\u00e4r\u00e4mter. (11) Sie haben drei gro\u00dfe Aufgabenbereiche: 1. Lebensmittel\u00fcberwachung, 2. Verbraucherschutz samt \u00a0Seuchenpr\u00e4vention, 3. \u00dcberwachung der Einhaltung des Tierschutzgesetzes. Die fl\u00e4chendeckende laufende Kontrolle aller Massentierhalter ist damit vollkommen unm\u00f6glich. Unangek\u00fcndigt auch nicht, die Viehz\u00fcchter wissen Bescheid. Meist kommt der private Tierarzt nur dann, wenn die Kastration Komplikationen verursacht hat: Entz\u00fcndungen, Verwachsungen, Futterverweigerung.<\/p>\n<p>Muttersauen sind heutzutage so gez\u00fcchtet, dass sie bis zu zweimal mehr Ferkel pro Wurf zur Welt bringen als von der Natur vorgesehen. Die vielen Jungferkel m\u00fcssen um ihren Platz am Ges\u00e4uge der Mutter k\u00e4mpfen. Dabei k\u00f6nnten die Jungschweine das Ges\u00e4uge mit ihren Eckz\u00e4hnchen verletzen. Deshalb kneift ihnen der Bauer die kleinen Hauer ab. Ohne Bet\u00e4ubung und ohne \u00e4rztlichen Beistand, versteht sich, denn das verursacht ja Kosten.<\/p>\n<p>Zwar ist die Verwendung der Zange inzwischen verboten. Das Thema Verbotskontrolle hatten wir aber schon. Und auch wenn der Bauer aus Sorge vor amts\u00e4rztlicher \u00dcberpr\u00fcfung eine Metallfeile oder Schleifmaschine zur \u201eZahnbehandlung\u201c nimmt, bereitet er den Tieren uns\u00e4gliche Qualen. Das Schreien der maltr\u00e4tierten Ferkel erinnert an Babys in gro\u00dfer Not.<\/p>\n<p>Der schon zitierte Kommentar erl\u00e4utert zum Zahnabschleifen unter Hinweis auf EU-Erkenntnisse, dass<\/p>\n<p><em>\u201e&#8230;jede Besch\u00e4digung, durch die Dentin freigelegt wird, Schmerzen verursacht, die \u00fcber Stunden oder Tage hinweg anhalten (&#8230;). Die Beschr\u00e4nkung des Eingriffs auf die ersten sieben Lebenstage\u00a0<\/em>(Art. 2 Nr. 3 TierSchG v. 19. 4. 2006)<em>\u00a0<\/em><em>\u00e4ndert daran nichts&#8230;<\/em>\u00a0(s. Anm. 10)<\/p>\n<p>Jungschweine bekommen w\u00e4hrend der Mast keine Chance, ihre nat\u00fcrliche Entwicklung auszuleben. Sie wachsen in gr\u00f6\u00dfter Enge auf. F\u00fcr das angehende Turboschwein gibt es nichts zu erkunden, nichts zum spielerischen Knabbern. Damit die Ferkel nicht aus Langeweile die Schw\u00e4nze ihrer Geschwister anbei\u00dfen und sie verletzen, schneiden die meisten M\u00e4ster den Tieren die Schw\u00e4nze ab. Dazu dient meist eine Gartenschere oder ein K\u00fcchenmesser. Im Schwanz, der Verl\u00e4ngerung der Wirbels\u00e4ule, l\u00e4uft aber der Zentralnerv aus. Er ist \u00e4u\u00dferst schmerzempfindlich. Ihn ohne Bet\u00e4ubung abzuschneiden und dabei oft auch noch einen Wirbelknochen zu zertr\u00fcmmern, bereitet h\u00f6llische Qual. Die nachfolgende Ver\u00e4tzung der Wunde nicht minder. Das Tierchen schreit und schreit. Die Qu\u00e4lerei w\u00e4re \u00fcberfl\u00fcssig, h\u00e4tten die Jungschweine etwas Platz zum Herumtollen. (12)<\/p>\n<p>F\u00fcnf Prozent der Schweine erleben die sogenannte Schlachtreife nicht. Die hygienischen Bedingungen in der Schweinehaltung sind \u201eunter aller Sau&#8220;: trockene, saubere Liegepl\u00e4tze gibt es nicht, zugekotete Futterrinnen sind keine Seltenheit. (13) Auch diese Art der Tierqu\u00e4lerei ist nach dem Gesetzeswortlaut strafbar und k\u00f6nnte Haft bis drei Jahre bzw. hohe Geldstrafen einbringen. (14) Abermals ist der Hinweis auf die fehlende amtliche \u00dcberwachung des Schweinegesch\u00e4fts angebracht.<\/p>\n<p>Trotz unbekannt hoher Dunkelziffer wurden im Jahr 2017 allein in Bayern insgesamt 850 F\u00e4lle von Tierqu\u00e4lerei gemeldet. Die Aufkl\u00e4rungsquote lag bei 67 Prozent. Im Jahr davor waren 181 Personen daf\u00fcr verurteilt worden. Nicht alle, aber viele von ihnen waren Massentierhalter. (15)<\/p>\n<p>Regeln, deren Einhaltung man nicht \u00fcberwachen kann und will, sollte man vern\u00fcnftigerweise nicht erlassen. Aber der Kl\u00f6cknerin geht es ja eh nur um\u2019s L\u00e4uten. Ein Blick auf die \u201eVerbesserung der Transportbedingungen\u201c, f\u00fcr die es das \u201eTierwohl\u201c-Kennzeichen ebenfalls geben soll, macht das klar. Die denkbar unpr\u00e4zisen EU-Regeln erm\u00f6glichen grausige Qualtransporte, sogar ohne zeitliche Obergrenzen, ohne pr\u00e4zise Vorgaben f\u00fcr die Gr\u00f6\u00dfe der Transportboxen, F\u00fctterung und F\u00e4kalienentsorgung. L\u00e4nger als acht Stunden unterwegs? Statthaft. Pausenregelungen gibt es f\u00fcr die Lkw-Fahrer, nicht f\u00fcr die Tiere. Kontrollen, ausgef\u00fchrt von fachkundigem Personal, finden nicht statt. Ministerin Kl\u00f6ckners \u201eTierwohl\u201c-Kennzeichen kann der Viehtransporteur f\u00fcr `nen Appel und ein Ei bekommen. An der Missachtung des Tierwohls \u00e4ndert es nichts.<\/p>\n<p>Mit solch pr\u00e4zisen Fakten tut sich die Tagesschau nicht hervor. Sie lie\u00df auch trotz gegebenem Anlass nichts davon wissen, dass derzeit gerichtlich \u00fcberpr\u00fcft wird, ob sich die Massentierhaltung in Deutschland mit dem Staatsziel des Tierschutzes, mit dem Grundgesetz und mit den Tierschutzgesetzen von Bund und L\u00e4ndern \u00fcberhaupt vereinbaren l\u00e4sst. (16)<\/p>\n<p>Den folgenden Absatz f\u00fcgen wir zur Ehre jener b\u00e4uerlichen Minderheit an, die ihre Schweine tiergerecht aufzuziehen versucht, weil sie in ihnen nicht nur Profitbringer sieht, sondern auch empfindsame, leidensf\u00e4hige Lebewesen. Das l\u00e4sst sich leider nur von grob gesch\u00e4tzt neun Prozent der Schweinehalter sagen. Sie bieten ihren Tieren im Laufstall, manchmal sogar im Freiland ausreichend Bewegungsraum, f\u00fcttern sie mit Mischkost und sorgen f\u00fcr ausreichend Tierhygiene. Der Veterin\u00e4r schaut vorbei, wenn eine Muttersau wirft, und falls bei ihr, den Ferkeln oder sp\u00e4ter den Jungtieren chirurgische Eingriffe n\u00f6tig werden, dann bet\u00e4ubt er sie, um ihnen Schmerzen zu ersparen.<\/p>\n<p>Wer Schweinefleisch von einem Biobauern kauft oder im Markt auf Bio- oder Neuland-Siegel achtet, darf demnach seinen Schweinebraten halbwegs ruhigen Gewissens verzehren, wenn er denn meint, auf Fleisch nicht verzichten zu k\u00f6nnen.\u00a0Er w\u00fcrde zudem der eigenen Gesundheit dienen: Biofleisch enth\u00e4lt nicht die extremen Mengen an Adrenalin wie das Fleisch gequ\u00e4lter Schweine aus der Massentierhaltung. Von den dort \u00fcblichen Hormongaben zur Wachstumsbeschleunigung und den Antibiotika nicht zu reden.<\/p>\n<p>Ihr \u201eTierwohl-Label\u201c h\u00e4tte sich die Ministerin ins Blondhaar ondulieren lassen k\u00f6nnen, so \u00fcberfl\u00fcssig und t\u00e4uschend ist es.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re der Tagesschau ein Leichtes und mit Blick auf ihr Informations- und Vollst\u00e4ndigkeitsgebot auch notwendig gewesen, auf die faulen Ausreden der Ministerin Kl\u00f6ckner aufmerksam zu machen. Ginge es der Politikerin tats\u00e4chlich um das mehrheitliche Interesse der Bev\u00f6lkerung am Tierwohl, h\u00e4tte sie problemlos eine gesetzlich verankerte Kennzeichnungspflicht initiieren k\u00f6nnen, nach gleichen Gesichtspunkten, wie sie schon f\u00fcr die Eierproduktion gelten: Freiland \/ Laufstall\/ Koben. Auf zwingende Argumente geht die christliche CDU-Frau aber nicht ein. Im Gegenteil: Auf der Webseite ihres Ministeriums l\u00e4sst sie zum Staatsziel des Tierschutzes erkl\u00e4ren:<\/p>\n<p><em>\u201eAus einer Staatszielbestimmung k\u00f6nnen die B\u00fcrger allerdings keine individuellen Anspr\u00fcche herleiten. Weiter leitet sich aus einer Staatszielbestimmung kein Vorrecht gegen\u00fcber den Grundrechten ab. Vielmehr ist jeweils ein Ausgleich mit anderen Verfassungsg\u00fctern herzustellen.\u201c<\/em>\u00a0(17)<\/p>\n<p>F\u00fcr die Ministerin hei\u00dfen die \u201eanderen Verfassungsg\u00fcter\u201c offenkundig: Der Massentierhalter darf sein Schweinegeld verdienen \u2013 egal wie widerw\u00e4rtig er mit dem Lebewesen umgeht. Seine Tierqu\u00e4lerei l\u00e4sst sich ja reklamewirksam verlabeln \u2013 durch die Tagesschau.<\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<p>(1) <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/ts-29793.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/ts-29793.html<\/a><\/p>\n<p>00:02\u2019:51\u201c-00:04\u2019:18\u201c\u00a0 &#8211;<\/p>\n<p>(2) <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/20a.html\">https:\/\/dejure.org\/gesetze\/GG\/20a.html<\/a><\/p>\n<p>(3) <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TierSchG\/2.html\">https:\/\/dejure.org\/gesetze\/TierSchG\/2.html<\/a><\/p>\n<p>(4) Tagesschau.de: <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/regional\/nordrheinwestfalen\/wdr-story-21179.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/regional\/nordrheinwestfalen\/wdr-story-21179.html<\/a><\/p>\n<p>(5) \u00a7\u00a7 1-3 TierSchG, s. a. <a href=\"https:\/\/www.juraforum.de\/gesetze\/tierschg\/\">https:\/\/www.juraforum.de\/gesetze\/tierschg\/<\/a><\/p>\n<p>(6)) <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/ferkel-kastration-103.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/ferkel-kastration-103.html<\/a><\/p>\n<p>(7) <a href=\"https:\/\/www.praxis-agrar.de\/tier\/schweine\/schweinehaltung-in-deutschland\/\">https:\/\/www.praxis-agrar.de\/tier\/schweine\/schweinehaltung-in-deutschland\/<\/a><\/p>\n<p>(8) <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kastenstand\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kastenstand<\/a><\/p>\n<p>(9) <a href=\"https:\/\/www.vier-pfoten.de\/kampagnen-themen\/themen\/schweine-haltung\/kastenstand\">https:\/\/www.vier-pfoten.de\/kampagnen-themen\/themen\/schweine-haltung\/kastenstand<\/a><\/p>\n<p>(10) https:\/\/www.beck-shop.de\/hirt-maisack-moritz-tierschutzgesetz-tierschg\/productview.aspx?product=819680<\/p>\n<p>(11) <a href=\"https:\/\/www.amtstierarzt.de\/adressen\/untere-veterinaerbehoerden\/77-veterinaeraemter-in-niedersachsen\">https:\/\/www.amtstierarzt.de\/adressen\/untere-veterinaerbehoerden\/77-veterinaeraemter-in-niedersachsen<\/a><\/p>\n<p>(12) <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.de\/themen\/landwirtschaft\/jedes-schwein-zaehlt\">https:\/\/www.greenpeace.de\/themen\/landwirtschaft\/jedes-schwein-zaehlt<\/a><\/p>\n<p>(13) <a href=\"http:\/\/www.ariwa.org\/wissen-a-z\/archiv\/wissen-archiv\/34-wissen-a-z\/370-schweineleben-110kg-bis-zum-tod.html\">http:\/\/www.ariwa.org\/wissen-a-z\/archiv\/wissen-archiv\/34-wissen-a-z\/370-schweineleben-110kg-bis-zum-tod.html<\/a><\/p>\n<p>(14) <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/tierschg\/__17.html\">https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/tierschg\/__17.html<\/a><\/p>\n<p>(15) <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/warum-quaelen-menschen-tiere,R1dPqKm\">https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/warum-quaelen-menschen-tiere,R1dPqKm<\/a><\/p>\n<p>(16) <a href=\"https:\/\/www.greenpeace.de\/themen\/landwirtschaft\/schweinehaltung-vor-gericht\">https:\/\/www.greenpeace.de\/themen\/landwirtschaft\/schweinehaltung-vor-gericht<\/a><\/p>\n<p>(17) <a href=\"https:\/\/www.bmel.de\/DE\/Tier\/Tierschutz\/_texte\/StaatszielTierschutz.html\">https:\/\/www.bmel.de\/DE\/Tier\/Tierschutz\/_texte\/StaatszielTierschutz.html<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><strong>Das Autoren-Team:\u00a0<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Friedhelm Klinkhammer, Jahrgang 1944, Jurist. 1975 &#8211; 2008 Mitarbeiter des NDR, zeitweise Vorsitzender des NDR-Gesamtpersonalrats und des ver.di-Betriebsverbandes sowie Referent einer Funkhausdirektorin.<\/em><\/p>\n<p><em>Volker Br\u00e4utigam, Jahrgang 1941, Journalist. 1975 &#8211; 1996 Mitarbeiter des NDR, zun\u00e4chst in der ARD-Tagesschau, nach 1991 in der NDR-Hauptabteilung Kultur. Danach Lehr- und Forschungsauftrag an der Fu-Jen-Uni Taipeh.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em><strong>Anmerkung der Autoren:<\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>Unsere Beitr\u00e4ge stehen zur freien Verf\u00fcgung. Wir schreiben nicht f\u00fcr Honorar, sondern gegen die \u201emediale Massenverbl\u00f6dung\u201c (in memoriam Peter Scholl-Latour). Die Texte werden auf der Seite\u00a0<a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\"><u>https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog<\/u><\/a>\u00a0dokumentiert.<\/em><\/p>\n<div style=\"float: left; margin-top: 20px;\"><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_4640 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_4640')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_4640').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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