{"id":4833,"date":"2019-04-23T20:09:15","date_gmt":"2019-04-23T19:09:15","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=4833"},"modified":"2019-05-04T14:28:42","modified_gmt":"2019-05-04T13:28:42","slug":"assange-wird-vergessen-gemacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/assange-wird-vergessen-gemacht\/","title":{"rendered":"Assange wird vergessen gemacht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right;\"><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><u><b>Dr. Gniffkes Macht um acht<\/b><\/u><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: large;\"><b>Assange wird vergessen gemacht <\/b><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-size: small;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><span style=\"font-size: medium;\"><b>Die Tagesschau l\u00e4sst einen skandal\u00f6sen Bruch internationalen Rechts aus der Froschperspektive betrachten<\/b><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Times New Roman, serif;\"><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><i>Von Friedhelm Klinkhammer und Volker Br\u00e4utigam<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><b>Wo wird Julian Assange jetzt, in diesem Augenblick, gefangen gehalten? Was wissen wir \u00fcber das Befinden des investigativen Journalisten und Wikileaks-Gr\u00fcnders? Was sind die Umst\u00e4nde seiner Haft, welche gerichtlichen Beschl\u00fcsse wurden dazu gefasst? Wie ist der Stand des Auslieferungsantrags, den die USA bei der britischen Regierung vorgelegt haben? Wer sind Assanges Anw\u00e4lte? Was sagen sie? Wie reagiert die Enth\u00fcllungsplattform Wikileaks? Warum wurde Assange nach\u00a0sieben\u00a0Jahren das Asyl entzogen?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><b>Weil in diesem Vorspann nur Fragen aufgeworfen werden: Warum, was meinen Sie, informieren die Leit- und Konzernmedien nicht laufend \u00fcber den\u00a0Fall\u00a0Assange? Warum das penetrante Schweigen\u00a0\u00fcber\u00a0einen\u00a0Mitmenschen, dem neben Edward Snowden und Chelsea Manning das historische Verdienst zukommt, die Verbrechen der US-gef\u00fchrten Westlichen Wertegemeinschaft ins\u00a0Allgemeinwissen\u00a0unserer Zeit gehoben zu haben?<\/b><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Julian Assanges aufsehenerregende Verhaftung und Abtransport in Handschellen aus der Botschaft Ecuadors in London konnte ARD-aktuell zwar nicht ignorieren; in der Hauptausgabe um 20 Uhr gab es den zu erwartenden Pflichtbeitrag von zweieinhalb Minuten. (1) Er war aber ausreichend tendenzi\u00f6s, und mehr als das Minimum wurde auch nicht geboten. Gut zwei Stunden sp\u00e4ter zeigte sich der ARD-aktuell-Tendenzjournalismus schon wieder in seiner ganzen Schamlosigkeit: Die Reportage aus der 20 Uhr-Sendung wurde nur in fast identischer Form wiederholt, von aktueller Folge- und Hintergrundberichterstattung konnte keine Rede sein. Im Gegenteil, das Thema war in den \u201cTagesthemen\u201d schon weit nach hinten gerutscht, an die f\u00fcnfte Stelle.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Bereits am Tag der Verhaftung Assanges vermittelte die Tagesschau den Eindruck, dass der Vorgang ein Ereignis unter vielen anderen und keiner besonderen Zuwendung wert sei. Die Hauptabteilung ARD-aktuell hatte ersichtlich nicht die geringste Absicht, ihm mehr Aufmerksamkeit zu schenken als absolut unvermeidlich. Was f\u00fcr ein mieser Stil: Ein Weltaufkl\u00e4rer wird verhaftet, der deutsche Qualit\u00e4tsjournalismus jedoch geht zur Tagesordnung \u00fcber \u2013 und der Informationsanspruch des Publikums geht fl\u00f6ten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Vergleichen wir diesen redaktionellen Umgang mit dem im Fall eines anderen seiner Freiheit beraubten Journalisten: Der Deutsch-T\u00fcrke Denis Y\u00fczel sa\u00df ohne Anklageschrift ein Jahr lang in t\u00fcrkischer Haft. \u00dcber ihn berichtete ARD-aktuell in mindestens 20 Hauptausgaben der Tagesschau, und zwar zu Beginn der Aff\u00e4re und \u00fcber eine Woche lang aus vollem Rohr, in allen Formaten. Tenor: Heftige Kritik am t\u00fcrkischen Staat auf der einen und volle Sympathie f\u00fcr den Inhaftierten auf der anderen Seite.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Denis Y\u00fczel ist zwar ein ungew\u00f6hnlicher, eigenst\u00e4ndiger und nicht am Mainstream orientierter Journalist; sein publizistisches Wirken reicht dennoch bei weitem nicht an Assanges weltpolitisch bedeutsame Arbeit heran, er hat diesen Anspruch ja auch gar nicht. Aber trotzdem und typisch f\u00fcr\u00a0ARD-aktuell: W\u00e4hrend eine best\u00e4ndige und informative Berichterstattung \u00fcber Assange unterbleibt, widmeten die Qualit\u00e4tsjournalisten dem Y\u00fczel\u00a0am Jahrestag seiner Freilassung sogar einen f\u00fcnfmin\u00fctigen Film in den Tagesthemen. (2) Im Anschluss folgte eine ausf\u00fchrliche Hommage im ARD-Abend-Programm. \u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Es trifft den Kern der vorgeblich demokratischen Verfassung und des Selbstverst\u00e4ndnisses b\u00fcrgerlicher Gesellschaften, wenn deren Journalisten nur wegen ihrer beruflichen Aufgabenerf\u00fcllung der Freiheit beraubt werden. Allein das Missverh\u00e4ltnis im jeweiligen Zeitaufwand f\u00fcr die Berichterstattung \u00fcber die Repressionsf\u00e4lle Assange und Y\u00fczel macht allerdings klar, welche Unaufrichtigkeit dabei herrscht und dass zweierlei Ma\u00df gilt. Es zeigt auch, wo Chefredakteur Dr. Gniffkes Qualit\u00e4tsjournalisten stehen. Es ist nicht die Position von unabh\u00e4ngigen, um strikte Sachlichkeit bem\u00fchten und kritischen W\u00e4chtern \u00fcber Rechtsstaatlichkeit und Legitimit\u00e4t politischen Handelns. Ganz im Gegenteil.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Grobskizze: Die Tagesschauer stellen Y\u00fccel als Willk\u00fcr-Opfer des undemokratischen &#8222;Feindstaates\u201c T\u00fcrkei dar. Assange hingegen wird weitgehend als Opfer seiner pers\u00f6nlichen Unzul\u00e4nglichkeit ausgegeben, dem im Grund nur zuteil wurde, was zu erwarten war. Von der verfassungsrechtlich gebotenen Unschuldsvermutung ist diese Betrachtung allerdings nicht geleitet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Assanges Rolle als Journalist und Friedensaktivist wird vollends ausgeblendet. Motiv und Ausma\u00df der seit acht Jahren andauernden, rachs\u00fcchtigen und mit allen Mitteln betriebenen Verfolgung durch die US-Regierung werden den Zuschauerinnen und Zuschauern vorenthalten. Kein Wort f\u00e4llt \u00fcber die Fragw\u00fcrdigkeit, dass Gro\u00dfbritannien f\u00fcr die jahrelange polizeiliche \u00dcberwachung Assanges rund um die ecuadorianische Botschaft und rund um die Uhr Millionen Pfund Sterling ausgab. Das letzte Mal hatte\u00a0<\/span><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><u>tagesschau.de<\/u><\/span><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">\u00a0dar\u00fcber vor fast einem Jahr spekuliert. (3) Fragen nach der Unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit dieses absurden Aufwands und nach den dahinter steckenden Beweggr\u00fcnden wurden weder damals noch jetzt aufgeworfen. Die Berichterstattung blieb so oberfl\u00e4chlich wie tagesschau-\u00fcblich.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Mit dieser pseudojournalistischen Arbeitsweise liegt Dr. Gniffkes ARD-aktuell-Redaktion voll auf Linie der gro\u00dfen Koalition Merkel-Maas. Zusammen mit EU-Kommissionspr\u00e4sident Juncker und im Gegensatz zum deutlich weniger servilen Staatspr\u00e4sidenten Macron betreiben unsere Berliner Lakaien unterw\u00fcrfige Appeasement-Politik gegen\u00fcber den USA. (4) das geschieht in der Hoffnung, von US-Pr\u00e4sident Trumps \u201cSanktionitis\u201d verschont zu werden. (5) Wir kennen diese amoralische Bereitschaft zur Gesch\u00e4ftemacherei. Keiner regt sich mehr dr\u00fcber auf, sie ist ein Wesensmerkmal der Politik: Wirtschaftlicher Vorteil gegen Menschlichkeit, Friedensbereitschaft und Humanit\u00e4t.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Kleiner Exkurs ins Generelle: Nat\u00fcrlich ist sich die Bundesregierung der weitgehenden Abh\u00e4ngigkeit der deutschen Wirtschaft vom Export bewusst. US-Sonderz\u00f6lle auf deutsche Autos, Maschinen und Pharmaprodukte in Verbindung mit weiteren Sanktionen f\u00fcr den deutschen Handel mit China, Russland und Iran w\u00fcrden uns Deutschen genauso den Hahn zudrehen wie derzeit den Venezolanern aufgrund der Abh\u00e4ngigkeit vom \u00d6lverkauf \u2013 und Kanzlerin Merkel s\u00e4he sich m\u00f6glicherweise wegen \u201eunterlassener wirtschaftspolitischer Steuerung und fehlender Diversifizierung\u201c \u00e4hnlich platter Medienkritik ausgesetzt wie \u201eMachthaber\u201c Maduro. Anbiederei und Unterw\u00fcrfigkeit m\u00f6gen vor\u00fcbergehend entlasten; ein Rezept f\u00fcr dauerhafte Erfolge sind sie selbstverst\u00e4ndlich nicht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Zur\u00fcck zum Umgang mit Assange und der ausbleibenden Nachrichtengebung dar\u00fcber.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Neun Jahre ist es her: Im April 2010 ver\u00f6ffentlichte Assanges Whistleblower-Plattform Wikileaks hunderttausende als geheim eingestufte US-Dokumente. Sie bewiesen eine Unzahl von V\u00f6lkerrechtsbr\u00fcchen und Kriegsverbrechen der USA. Im kollektiven Ged\u00e4chtnis ist das Video \u201eCollateral Murder\u201c, haften geblieben.(6) Es zeigt, wie die Besatzung eines Kampfhubschraubers 2007 im Irakkrieg Jagd auf zw\u00f6lf unbewaffnete Zivilisten machte, darunter zwei Reuters-Korrespondenten, und wie sie ihre Opfer schlie\u00dflich mit Maschinengewehrsalven ermordete. Die beteiligten Soldaten waren nicht bestraft worden.\u00a0Im Herbst 2010 folgte auf Wikileaks die Ver\u00f6ffentlichung weiterer Dokumente \u00fcber Gewalt, Folter und Mord, begangen von den US-Einsatzgruppen im Afghanistankrieg.<\/span><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\"  id=\"_ytid_78941\"  width=\"605\" height=\"454\"  data-origwidth=\"605\" data-origheight=\"454\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/HfvFpT-iypw?enablejsapi=1&#038;autoplay=0&#038;cc_load_policy=0&#038;cc_lang_pref=&#038;iv_load_policy=1&#038;loop=0&#038;rel=1&#038;fs=1&#038;playsinline=0&#038;autohide=2&#038;theme=dark&#038;color=red&#038;controls=1&#038;disablekb=0&#038;\" class=\"__youtube_prefs__  epyt-is-override  no-lazyload\" title=\"YouTube player\"  allow=\"fullscreen; accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen data-no-lazy=\"1\" data-skipgform_ajax_framebjll=\"\"><\/iframe><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Die meisten Politiker in den USA sch\u00e4umten vor Wut \u00fcber den \u201eVerrat\u201c. Au\u00dfenministerin Hillary Clinton fragte bei einem Brainstorming zum Umgang mit der Wikileaks, ob man Julian Assange nicht einfach &#8222;drohnen&#8220; k\u00f6nne. Immerhin sei er ja ein &#8222;relativ weiches Ziel&#8220;, das sich frei bewege und den USA eine lange Nase drehe, ohne Schaden bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen. (7)\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Wo blieb der Bericht der Tagesschau? Es w\u00e4re Journalistenpflicht gewesen, an jene Clintonsche Ungeheuerlichkeit wenigstens jetzt, im Rahmen der Berichterstattung \u00fcber Assanges Festnahme in London, nachdr\u00fccklich zu erinnern.\u00a0Doch nichts dergleichen geschah. ARD-aktuell zeigte ohnehin wenig professionelles Interesse an den Wikileaks-Dokumentationen. Die Redaktion widmete sich folgsam dem Propagandagesch\u00e4ft, kein schiefes Licht auf die Bundesregierung fallen zu lassen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Das war Herausforderung genug. In den Nachrichten tauchten Informationen dar\u00fcber auf, was die US-Amerikaner hinter vorgehaltener Hand \u00fcber deutsche Politiker sagten: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sei &#8222;selten kreativ&#8220;, zeige keine Risikobereitschaft. Sie sei wie mit Teflon beschichtet. (Der seinerzeitige) Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) sei eine &#8222;schr\u00e4ge Wahl&#8220;, CSU-Chef Horst Seehofer &#8222;unberechenbar&#8220;, Sch\u00e4uble &#8222;neurotisch&#8220;. (8)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Die ARD-aktuell-Programmgestalter sahen sich gen\u00f6tigt, zu marginalisieren, was diese Dokumente besagten. In Regierungstreue fest und devot wie ein grinsender Liftboy meinte Tom Buhrow, seinerzeit Tagesthemen-Moderator: <em>&#8222;Das mag interessant sein, aber die politische Bedeutung ist eher banal.&#8220;<\/em> (9) Ein derma\u00dfen geschmeidiger Journalist ist nat\u00fcrlich geradezu pr\u00e4destiniert daf\u00fcr, eines Tages zum Intendanten des gr\u00f6\u00dften ARD-Senders, des WDR, gek\u00fcrt zu werden. Auf der Schleimspur zum Erfolg&#8230;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Buhrow demonstrierte seine Verachtung des Informationsanspruchs der \u00d6ffentlichkeit durchaus nicht in einer Geschlossenen Gesellschaft. Auch die Kanzlerin bemerkte zu der US-amerikanischen Unversch\u00e4mtheit nur: <em>&#8222;Ein gro\u00dfer Teil dessen, was wir in Deutschland \u00fcber uns erfahren haben, ist Bestandteil jeder besseren Party, und insofern hat uns das jetzt nicht so aufgeregt.&#8220;<\/em> (10) Motto: Der Meister hat mir zwar einen Tritt in den Arsch verpasst, aber ich tu jetzt mal so, als sei das nur eine etwas ungebr\u00e4uchliche, im Grunde belanglose Geste gewesen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Eine journalistisch saubere Darstellung und kritische Auseinandersetzung mit der Abf\u00e4lligkeit, mit der die US-Administration und f\u00fchrende US-Politiker die deutsche Regierung betrachten, w\u00e4re dringend geboten gewesen. Sie unterblieb. Dass dergestalt ein fundamentaler Informationsanspruch des Bundesb\u00fcrgers abgewiesen wurde, war unserer unappetitlichen Mesalliance aus Politik und Massenmedien jedoch offenkundig egal. \u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Die Frage an den Qualit\u00e4tsjournalismus stand un\u00fcbersehbar im Raum: Wie mit den Wikileaks-Enth\u00fcllungen so umgehen, dass sie nicht zum Wiederaufleben einer au\u00dferparlamentarischen Opposition und zu vorrevolution\u00e4rer Massenemp\u00f6rung f\u00fchren, wie es 1967\/68 angesichts der US-Gr\u00e4uel im Vietnamkrieg schon einmal geschehen war? Der neue journalistische Stil gebot, Verbrechen nicht als Verbrechen zu bezeichnen und die T\u00e4ter nicht als Kriminelle; die politisch Verantwortlichen f\u00fcr all die Gr\u00e4uel sollten schon gar nicht \u00f6ffentlich benannt oder gar angeprangert werden. Erst recht nicht jene Kreise, die aus jedem Krieg und Massenmord Profit zu schlagen verstehen. Folgerichtig wurde der Fall Assange derma\u00dfen marginalisierend behandelt, dass er schon tags darauf praktisch wieder ignoriert werden konnte. Der Umgang mit den Wikileaks-Bildern von der Menschenjagd auf wehrlose Zivilisten im Irak war stilpr\u00e4gend: Senden und darauf bedacht sein, dass m\u00f6glichst bald die n\u00e4chste Sau durchs Dorf gejagt werden kann, so dass Nachdenklichkeit oder gar Protest nicht aufkommen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Auch Tom Buhrow nutzte schon seinerzeit verschleierndes Vokabular; T\u00e4ter und Verantwortliche kamen in seinen Darstellungen nicht vor, es klang aber trotzdem alles richtig und sch\u00f6n gef\u00fchlig: <em>&#8222;Grausamkeit des Krieges&#8220;, &#8222;Fehlleistungen&#8220;<\/em> und <em>&#8222;Eine Gratwanderung zwischen Zur\u00fcckhaltung und \u00dcberreaktion&#8220;<\/em>. So macht man das. So erzeugt man den Eindruck, es handele sich bei den Verbrechen um ein quasi nat\u00fcrlich-katastrophales Einzelereignis und nicht um das absichtsvolle Werk von staatlich gesch\u00fctzten M\u00f6rdern in Uniform. Zu berichten ist \u00fcber etwas Schicksalhaftes und nicht \u00fcber ein systematisches, planvoll begangenes Kriegsverbrechen, das zugleich symptomatisch und typisch ist f\u00fcr den Werte-Westen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Die US-Killer im Helikopter und ihre widerw\u00e4rtige Belustigung \u00fcber ihr m\u00f6rderisches Treiben lie\u00df ARD-aktuell vermittels eines Experten der Brookings Institution indirekt sogar entschuldigen: <em>&#8222;Das sind oft sehr junge Kids in gef\u00e4hrdeten Gebieten.&#8220;<\/em> Die \u00c4rmsten! Man muss schon verstehen, dass sie ein bisschen morden, nicht wahr? Krieg ist Krieg&#8230; \u00c4hnliches Mitgef\u00fchl mit den am Boden Massakrierten war in dieser Tagesschau nicht zu sp\u00fcren. (11)\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Marginalisieren was das Zeug h\u00e4lt: Da gab es zwar von Wikileaks ver\u00f6ffentlichte Dokumente, Feldberichte von Milit\u00e4rs im Irak. Darin ist vom gezielten Mord an 15.000 Zivilisten die Rede. Die Gniffke-Truppe jedoch relativierte damals sogleich: <em>&#8222;Die Dokumente &#8211; Feldberichte von US-Soldaten &#8211; sind nicht objektiv. Sie sind einseitig und nicht nachpr\u00fcfbar. Dennoch: Das weltweite Interesse an den Unterlagen ist gro\u00df.&#8220;<\/em> (12) Ach ja?\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Dass schon zur Zeit der hier genannten Ver\u00f6ffentlichungen eine massive Kampagne gegen den Wikileaks-Herausgeber Assange lief, war zwar zu vermuten, aber noch nicht offenkundig. Das wurde es erst, als die US-Bezahlsysteme Visa, Mastercard und Paypal Ende 2010 politisch unter Druck gerieten und keine Spenden mehr an Wikileaks weiterleiteten. Ein Mastercard-Sprecher begr\u00fcndete dies damals damit, dass man keine <em>\u201cillegalen Handlungen direkt oder indirekt unterst\u00fctzen oder erleichtern\u201d<\/em> wolle.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Damit stand fest: Die US-Regierung war nicht bereit, die von Wikileaks enttarnten Kriegsverbrechen zu verfolgen, sondern willens, die Jagd auf Assange und seine Plattform zu er\u00f6ffnen: Haltet den Dieb! hie\u00df die Parole. Ausgegeben wurde sie von Massenm\u00f6rdern und aufgegriffen von Massenmedien.\u00a0Eins passte zum anderen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Assange wurde in Schweden einer Vergewaltigung bezichtigt. Die Anklage, obwohl nicht sehr beweisfest und auf einem l\u00e4nger zur\u00fcckliegenden Vorfall beruhend \u2013 Assange sprach von einvernehmlichem Sex, es habe erst viel sp\u00e4ter ein Zerw\u00fcrfnis mit seiner damaligen Partnerin gegeben \u2013 reichte immerhin f\u00fcr einen Haftbefehl. Sie reichte zudem, Unschuldsvermutung hin oder her, auch der Journaille dazu aus, ihre bis anhin enge Zusammenarbeit mit Wikileaks einzuschr\u00e4nken. Assange stand pl\u00f6tzlich als Lump da; der britische\u00a0<\/span><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><i>Guardian,\u00a0<\/i><\/span><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">die<\/span><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><i>\u00a0New York Times\u00a0<\/i><\/span><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">und\u00a0<\/span><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><i>Der Spiegel\u00a0<\/i><\/span><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">gingen auf Distanz. Wikileaks war der \u00f6ffentlichen Aufmerksamkeit ein erhebliches St\u00fcck weit entzogen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Es kam den medialen Wendeh\u00e4lsen sehr gelegen, dass auch der fr\u00fchere Assange-Freund Domscheid-Berg \u00f6ffentlich Kritik an Wikileaks und Assange \u00fcbte. Das half, vom hochexplosiven Inhalt der Dokumente noch weiter abzulenken. Daniel Domscheit-Berg mag gute oder schlechte Gr\u00fcnde gehabt haben, Wikileaks zu verlassen; das Urteil \u00fcber ihn hat die \u00d6ffentlichkeit l\u00e4ngst gef\u00e4llt. Er scheiterte grandios mit seinem Versuch, ein Konkurrenzunternehmen zu Wikileaks aufzuziehen. An seiner Plattform Open-Leaks bestand vom Start weg kein Interesse.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Domscheid-Bergs pers\u00f6nlichen Vorwurf, Assange habe bei Wikileaks einen indiskutabel autorit\u00e4ren F\u00fchrungsstil an den Tag gelegt, nutzte der Mainstream skrupellos aus. Aus dem vormaligen Helden machte die Meute einen herrschs\u00fcchtigen und r\u00fccksichtslosen Egomanen. Verwundern konnte das seine Freunde nicht mehr. Schon w\u00e4hrend der Flucht Edward Snowdens erkannten sie, wie schnell aus vormaligen Kampfgef\u00e4hrten gef\u00e4hrliche Feinde werden k\u00f6nnen: <em>&#8222;Wir wussten, dass die Prim\u00e4rwaffe der Vereinigten Staaten und ihrer Verb\u00fcndeten die Medien sein w\u00fcrden, die den Regierungen ehrerbietig gegen\u00fcberstanden und ihnen nahe waren&#8220;<\/em>. (13)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Es fehlten nur noch Vorw\u00fcrfe, Assange sei Zuarbeiter Russlands oder gar ein Gesch\u00f6pf der Moskauer Geheimdienstwelt, um ihn endg\u00fcltig zu diskreditieren und zur\u00a0<\/span><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><i>persona non grata\u00a0<\/i><\/span><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">zu machen. Wie gesehen so geschehen: P\u00fcnktlich zum US-Wahlkampf 2016 wurde dieses Umweltgift tats\u00e4chlich verspr\u00fcht. Was Wunder, auch ARD-aktuell beteiligte sich an allen diesen Kampagnen im Dienste der Assange-feindlichen, weil von ihm blo\u00dfgestellten Eliten.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Der Bericht \u00fcber Assanges Verhaftung in der Londoner Botschaft Ecuadors am 11. April ist nur der vorl\u00e4ufige H\u00f6hepunkt verzerrender und diskriminierender Berichterstattung der Qualit\u00e4tsjournaille in der ARD-aktuell. Kostprobe:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><i>&#8222;Der Hintergrund der Festnahme ist ein Versto\u00df gegen die Kautionsauflagen bei der Gerichtsverhandlung 2012 gewesen.&#8220;\u00a0<\/i><\/span><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">(ebd.)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Das ist kunstvolle Verschleierung, denn der<em> \u201cVersto\u00df\u201d<\/em> war kein <em>\u201cHintergrund\u201d<\/em>, sondern diente den britischen Beh\u00f6rden lediglich als Vorwand: Julian Assange sollte gem\u00e4\u00df dem US-Feindbild, er sei ein gef\u00e4hrlicher Landesverr\u00e4ter, im Hochsicherheitsgef\u00e4ngnis Belmarsh im Osten Londons eingekerkert werden, laut BBC\u00a0die <em>&#8222;britische Version von Guantanamo&#8220;<\/em> (14); dort ist er vollkommen abgeschottet von jedem kritischen Blick der \u00d6ffentlichkeit. Eine solche Ma\u00dflosigkeit war selbstverst\u00e4ndlich erkl\u00e4rungsbed\u00fcrftig.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Tats\u00e4chlicher<em> \u201cHintergrund\u201d<\/em> der Festnahme ist unzweifelhaft das Rache- und Selbstverteidigungsbed\u00fcrfnis US-amerikanischer Politiker und von deren Hinterm\u00e4nnern. Sie wollen Assange unter Mithilfe ihres <em>&#8222;englischen Pudels&#8220;<\/em> (= britische Regierung) greifen und wie die Whistleblowerin Chelsea Manning jahrelang wegsperren. Und zwar unter Isolationshaftbedingungen, die dazu angetan sind, jeden Menschen in den Wahnsinn zu treiben, ihn physisch und psychisch zu vernichten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Das weitere Motiv dieser Grausamkeit ist, ein weltweit beachtetes Exempel zu statuieren: Wohlverstandene Pressefreiheit gibt es nicht. Die Medien haben sich immer dem US-Machtinteresse zu unterwerfen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Dass Julian Assange wegen einer rechtlichen Lappalie \u2013 Versto\u00df gegen Kautionsauflagen \u2013 in einen Hochsicherheitstrakt eingebuchtet wird, ist ein Willk\u00fcrakt sondergleichen, mit rechtstaatlichen Grunds\u00e4tzen unvereinbar. Dass Assange die Melde-Auflagen im Jahr 2012 verletzte, rechtfertigt unter keinem juristisch vertretbaren Aspekt die aktuelle Sonderhaft, zumal die schwedische Justiz den damaligen Haftbefehl l\u00e4ngst aufgehoben hat. Tagesschau und Konsorten beachteten das Missverh\u00e4ltnis zwischen Schuldvorwurf und amtlicher Reaktion allerdings nicht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Ungew\u00f6hnlich war das Engagement der englischen Beh\u00f6rden von Anfang an. Es erscheint nur auf den ersten Blick unerkl\u00e4rlich, dass Assange zun\u00e4chst ohne Vernehmung aus Schweden ausreisen konnte, dann jedoch mit unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfiger Intensit\u00e4t in Gro\u00dfbritannien verfolgt wurde. Auf den zweiten Blick weckt es den dringenden Verdacht, dass es nie um Assanges angebliche sexuelle Fehlverhalten und damit begr\u00fcndbare Strafw\u00fcrdigkeit ging, sondern darum, ihn wegen der Ver\u00f6ffentlichung der Wikileaks-Dokumente hochgehen zu lassen und aus dem Weg zu schaffen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Zu bedenken ist:\u00a0In Schweden w\u00e4ren eine Inhaftierung und anschlie\u00dfendes Auslieferungsverfahren an die USA bei weitem nicht so reibungslos m\u00f6glich gewesen, wie es sich jetzt in Gro\u00dfbritannien abzeichnet. \u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">ARD-&#8222;Qualit\u00e4tsjournalisten&#8220; redeten von einem <em>&#8222;unfreiwilligen Ende des Botschaftsexils&#8220;<\/em>. (15) Ebenso subtil wie primitiv wird damit angedeutet, Julian Assange habe sich letztlich sieben Jahre lang aus eigenem freiem Entschluss in der Botschaft Ecuadors in London aufgehalten, wohlgemerkt: im <em>\u201eExil\u201c<\/em>, nicht im Asyl. Die Formulierung ist ein Beleg daf\u00fcr, dass es ARD-aktuell nicht um objektive Berichterstattung, sondern um Meinungsmache gegen Assange zu tun ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Verst\u00e4rkt verfolgt die Tagesschau diese Intention mittels breiter Darstellung der Position der Regierung Ecuadors. Pr\u00e4sident Lenin Morenos Entscheidung, Assange die ecuadorianische Staatsangeh\u00f6rigkeit abzuerkennen und ihm f\u00fcrderhin Asyl zu verweigern, erscheint in der ARD-aktuell-Berichterstattung als eine formalrechtlich korrekte Entscheidung. Dass Morenos Vorgehensweise hingegen als \u00e4u\u00dferst zwielichtig und als Rechtsbruch zu betrachten ist, machte die<em> \u201eInternationale Vereinigung der Juristen f\u00fcr den Frieden\u201c<\/em> deutlich. Im Unterschied zur <em>\u201cprowestlichen\u201d<\/em> Tagesschau sprach die IALANA Klartext. Weil die von ihr genannten Fakten von den korporierten Massenmedien nicht aufgegriffen wurden, muss das eben hier ausf\u00fchrlich geschehen: \u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><i>&#8222;Assange war 2012 Asyl in der Londoner Botschaft durch den damaligen Pr\u00e4sidenten Correa gew\u00e4hrt worden. Erg\u00e4nzend wurde das Botschaftsgeb\u00e4ude abgesichert gegen ein bef\u00fcrchtetes illegales Eindringen seitens britischer Beh\u00f6rden. Nach der Wahl des neuen Pr\u00e4sidenten Lenin Moreno im Jahr 2017 \u00e4nderte sich das Vorgehen: Nun wollte die Regierung Assange aus der Botschaft raushaben. &#8230; Gestern wurde nun Assange ohne Vorwarnung die Fl\u00fcchtlingseigenschaft aberkannt \u2013 unter Versto\u00df gegen die Genfer Fl\u00fcchtlingskonvention, die daf\u00fcr strenge Voraussetzungen vorgibt, die nicht vorlagen. Weiter wurde die Pflicht zur vorherigen Anh\u00f6rung mit Gelegenheit zur Einlegung von Rechtsmitteln verletzt. Dann lie\u00df der Botschafter die britische Polizei ein ins Botschaftsgeb\u00e4ude, um Assange \u00fcberraschend festzunehmen und gewaltsam nach drau\u00dfen zu bringen zu lassen. Und zuletzt aberkannte Ecuador anschlie\u00dfend Assange die Staatsangeh\u00f6rigkeit, nachdem es den eigenen Staatsangeh\u00f6rigen zuvor ausgeliefert hatte, was z.B. in der BRD durch Art. 16 Abs.2 Grundgesetz und auch in vielen L\u00e4ndern S\u00fcdamerikas ausdr\u00fccklich verboten oder zumindest undenkbar ist.&#8220;<\/i><\/span><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">\u00a0(16)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">ARD-aktuell tut so, als sei das Auslieferungsbegehren der USA unproblematisch, weil zugesichert worden sei, nur Anklage wegen einer Straftat zu erheben, f\u00fcr die nicht mehr als eine Haftstrafe von maximal f\u00fcnf Jahren infrage komme. Was ein Versprechen der Herren im Wei\u00dfen Haus in Washington wert ist und dass die USA bei jeder Gelegenheit bereit sind, Vertr\u00e4ge und internationales Recht nach Gutd\u00fcnken zu brechen (<em>&#8222;America first&#8220;<\/em>), d\u00fcrfte allerdings allgemein bekannt sein.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Es mag aber der Erinnerung aufhelfen, wenn hier das grundlos gek\u00fcndigte Iran-Abkommen, die Gewaltandrohung gegen den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag f\u00fcr den Fall einer Anklage von US-B\u00fcrgern oder das Schicksal der deutschen Br\u00fcder Legrand genannt werden, denen 1999 entgegen internationalem Recht ohne konsularischen Beistand in Arizona der Prozess gemacht wurde; am Ende wurden sie hingerichtet. Eine einstweilige Anordnung des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag vom 3. M\u00e4rz 1999, die Vollstreckung aufzuschieben, hatten die US-Beh\u00f6rden missachtet. (17)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Keinerlei Erw\u00e4hnung, nicht einmal im Web-Forum\u00a0<\/span><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><u>tagesschau.de,<\/u><\/span><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">\u00a0fand bei ARD-aktuell die Verwicklung des ecuadorianischen Pr\u00e4sidenten Moreno in eine ausgedehnte Schmiergeldaff\u00e4re als Motiv f\u00fcr seine aggressive Rolle im Vorgehen gegen Assange.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Im Fr\u00fchjahr 2019 hatte Wikileaks \u00fcber die sogenannten\u00a0<\/span><span style=\"font-family: Calibri, serif;\"><u>&#8222;INA-Papers&#8220;<\/u><\/span><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">\u00a0berichtet, die eine Organisation namens <em>&#8222;La Fuente&#8220;<\/em> durchgereicht hatte. Es handelt sich dabei um eine Reihe von Dokumenten, die eindeutige Hinweise auf illegale Gesch\u00e4fte Morenos enthalten. Sie zeigen Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit dem Bau eines Wasserkraftwerks; ein Teil der Schwarzgelder floss angeblich auf Konten einer Offshore-Firma namens INA Investments Corp. In einem Interview bezeichnete Ecuadors Ex-Pr\u00e4sident Correa seinen Nachfolger Moreno wegen dessen Entscheidung, das Asyl f\u00fcr Assange aufzuheben, als \u00fcblen Verr\u00e4ter. <em>&#8222;Er k\u00f6nnte mit Judas\u00a0mithalten.&#8220;<\/em> (18)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Nichts davon in der Tagesschau&#8230;\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Zwei Tage nach Assanges Verhaftung hatte Moreno von der Weltbank auf einen bereits zugesagten Kredit von 350 Millionen Dollar eine sehr ungew\u00f6hnliche Aufstockung um weitere 500 Millionen Dollar bekommen. Das begr\u00fcndete den Verdacht, Moreno habe mit den f\u00fchrenden Kreditgebern aus den USA, der Weltbank und dem Internationalen W\u00e4hrungsfonds, (IWF), einen Tauschhandel <em>&#8222;Assange gegen Kredite&#8220;<\/em> vereinbart. Diesen Zusammenhang sah auch der fr\u00fchere Au\u00dfenminister Ecuadors, Ricardo Pati\u00f1o. (19)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Doch auch solche Absonderlichkeiten unterschlug die Tagesschau. Sie gibt sich als Lordsiegelbewahrer einer h\u00f6heren Moral der Westlichen Wertegemeinschaft. Sie l\u00e4sst gar nicht erst den Eindruck aufkommen, dass die Verhaftung und m\u00f6gliche Auslieferung Assanges und der gesamte verunglimpfende Umgang mit ihm das internationale Recht beugen und die Pressefreiheit untergraben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Es erscheint nur konsequent, dass in der Berichterstattung der ARD-aktuell die miese Rolle deutscher Politiker ebenfalls kein kritisches Echo fand. Regierung und gro\u00dfe Teile des Parlaments hatten jede Gelegenheit genutzt, sich auch im Fall Assange als inhumane Rechtsnihilisten und demokratieferne Ignoranten zu beweisen. \u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Als Heike H\u00e4nsel, Abgeordnete der Linken, am 19. Januar 2019 im Bundestag darlegte, dass der Fall Assange inzwischen eine humanit\u00e4re Dimension habe und die deutsche Regierung sich dazu verhalten m\u00fcsse, dass gegen den Wikileaks-Herausgeber eine Kontaktsperre verh\u00e4ngt worden sei und er seit acht Monaten nicht mehr besucht werden d\u00fcrfe, da berief sich SPD-Staatsminister Roth darauf, dass die Regierung Ecuadors bereits 6 Millionen Euro f\u00fcr das Asyl in der Botschaft ausgegeben habe. Eine Klage wegen der Bedingungen f\u00fcr Assanges Aufenthalt in der Botschaft sei von einem Gericht in Ecuador abgewiesen worden. Au\u00dferdem machte dieser Held\u00a0der modernen sozialdemokratischen Arbeiterbewegung und Vork\u00e4mpfer f\u00fcr die Unterdr\u00fcckten und Entrechteten klar, dass er nichts, aber auch gar nichts wegen der (seinerzeit bereits) drohenden Festnahme Assanges unternehmen wolle. Die Problematik sei nur von England und Ecuador zu l\u00f6sen. (20)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Von allen unseren 707 sogenannten Volksvertretern haben nur zwei Frauen an Ort und Stelle, n\u00e4mlich in London, kenntlich gemacht, was vom rechtswidrigen und skandal\u00f6sen Vorgehen gegen Assange, Verfechter der Informationsfreiheit, zu halten ist: Heike H\u00e4nsel und Sevim Dagdelen (Die Linke). (21) Zu ihnen gesellte sich die EP-Abgeordnete Ana Miranda (Fraktion der Gr\u00fcnen\/Freie Europ\u00e4ische Allianz). Aber Anerkennung, wem sie geb\u00fchrt: Immerhin hatten schon drei Tage vor der Aktion in London, am 12. April, in Berlin au\u00dferhalb des Parlaments einige Abgeordnete der Linkspartei f\u00fcr Assanges Freilassung demonstriert, darunter Dieter Dehm und Gesine L\u00f6tzsch sowie wiederum H\u00e4nsel und Dagdelen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Sie zeigten sich mit Assange solidarisch. Der gro\u00dfe Rest der Volksvertretung guckte weg und schwieg. Auch die Gr\u00fcnen im Bundestag wahrten dr\u00f6hnende Stille. Die Damen und Herrn der ehemaligen Menschenrechts- und Friedenspartei robben sich gerade an die f\u00fcr demn\u00e4chst gew\u00fcnschte \u00dcbernahme von Mitverantwortung in der Bundesregierung heran.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Calibri, serif;\">Das geht nat\u00fcrlich am besten b\u00e4uchlings. Auf diesem niedrigsten Niveau trifft man viele Kriecher und R\u00fcckgratlose aus Politik und Massenmedien \u2013 solche von ARD-aktuell inklusive. Aus der Froschperspektive lassen uns deren Qualit\u00e4tsjournalisten ihre Welt betrachten. Zum Gl\u00fcck sind wir nicht auf ihren Blickwinkel beschr\u00e4nkt.<\/span><\/p>\n<p><b>Quellen:<\/b><\/p>\n<p>(1) <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/archiv\/sendungsarchiv100~_date-20190411.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/archiv\/sendungsarchiv100~_date-20190411.html<\/a><br \/>\n(2) <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/tt-6683.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/tt-6683.html<\/a><br \/>\n(3) <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/assange-london-107.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/assange-london-107.html<\/a><br \/>\n(4) <a href=\"https:\/\/lostineu.eu\/usa-wollen-assange-die-eu-schweigt\/\">https:\/\/lostineu.eu\/usa-wollen-assange-die-eu-schweigt\/<\/a><br \/>\n(5) <a href=\"https:\/\/lostineu.eu\/handelskrieg-weitet-sich-aus-regulierungswut-setzt-sich-fort\/\">https:\/\/lostineu.eu\/handelskrieg-weitet-sich-aus-regulierungswut-setzt-sich-fort\/<\/a><br \/>\n(6) <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=HfvFpT-iypw\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=HfvFpT-iypw<\/a><br \/>\n(7) <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Clinton-ueber-Julian-Assange-Koennen-wir-den-Kerl-nicht-einfach-drohnen-3340894.html\">https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Clinton-ueber-Julian-Assange-Koennen-wir-den-Kerl-nicht-einfach-drohnen-3340894.html<\/a><br \/>\n(8) <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Merkel-die-Teflon-Pfanne-article2028951.html\">https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Merkel-die-Teflon-Pfanne-article2028951.html<\/a><br \/>\n(9) <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/tt2706.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/tt2706.html<\/a><br \/>\n(10) <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/news-122010\/8\/iptc-bdt-20101208-531-27649466xml\">https:\/\/www.zeit.de\/news-122010\/8\/iptc-bdt-20101208-531-27649466xml<\/a><br \/>\n(11) <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/tt2196.html\">http:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/sendung\/tt2196.html<\/a><br \/>\n(12) <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/wikileaks152.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/wikileaks152.html<\/a><br \/>\n(13) <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50933\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=50933<\/a><br \/>\n(14) <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/353096.pressefreiheit-solidarit%C3%A4t-mit-assange.htm\">https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/353096.pressefreiheit-solidarit%C3%A4t-mit-assange.htm<\/a>l<br \/>\n(15) <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/wikileaks-assange101.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/wikileaks-assange101.html<\/a><br \/>\n(16) <a href=\"https:\/\/www.ialana.de\/aktuell\/ialana-deutschland-zur-aktuellen-diskussion\/ialana-zu-whistleblowing\">https:\/\/www.ialana.de\/aktuell\/ialana-deutschland-zur-aktuellen-diskussion\/ialana-zu-whistleblowing<\/a><br \/>\n(17) <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/LaGrand-Br%C3%BCder\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/LaGrand-Br%C3%BCder<\/a><br \/>\n(18) <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/assange-wikileaks-botschaft-ecuador-1.4407956\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/assange-wikileaks-botschaft-ecuador-1.4407956<\/a><br \/>\n(19) <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/2019\/04\/225089\/ecuador-weltbank-iwf-moreno-assange\">https:\/\/amerika21.de\/2019\/04\/225089\/ecuador-weltbank-iwf-moreno-assange<\/a><br \/>\n(20) <a href=\"http:\/\/dipbt.bundestag.de\/dip21\/btp\/19\/19073.pdf\">http:\/\/dipbt.bundestag.de\/dip21\/btp\/19\/19073.pdf<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49330\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=49330<\/a><br \/>\n(21) <a href=\"https:\/\/www.linksfraktion.de\/themen\/nachrichten\/detail\/freiheit-fuer-julian-assange-keine-auslieferung-an-die-usa\/\">https:\/\/www.linksfraktion.de\/themen\/nachrichten\/detail\/freiheit-fuer-julian-assange-keine-auslieferung-an-die-usa\/<\/a><\/p>\n<p><em><b>Das Autoren-Team:\u00a0<\/b><\/em><\/p>\n<p><em>Friedhelm Klinkhammer, Jahrgang 1944, Jurist. 1975 &#8211; 2008 Mitarbeiter des NDR, zeitweise Vorsitzender des NDR-Gesamtpersonalrats und des ver.di-Betriebsverbandes sowie Referent einer Funkhausdirektorin.<\/em><\/p>\n<p><em>Volker Br\u00e4utigam, Jahrgang 1941, Journalist. 1975 &#8211; 1996 Mitarbeiter des NDR, zun\u00e4chst in der ARD-Tagesschau, nach 1991 in der NDR-Hauptabteilung Kultur. Danach Lehr- und Forschungsauftrag an der Fu-Jen-Uni Taipeh.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em><b>Anmerkung der Autoren:<\/b><\/em><\/p>\n<p><em>Unsere Beitr\u00e4ge stehen zur freien Verf\u00fcgung. Wir schreiben nicht f\u00fcr Honorar, sondern gegen die \u201emediale Massenverbl\u00f6dung\u201c (in memoriam Peter Scholl-Latour). Die Texte werden auf der Seite\u00a0<a href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\">https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog<\/a>\u00a0dokumentiert.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style=\"float: left; margin-top: 20px;\"><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_4833 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_4833')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_4833').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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