{"id":4863,"date":"2019-05-17T19:57:39","date_gmt":"2019-05-17T18:57:39","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=4863"},"modified":"2019-05-21T19:46:30","modified_gmt":"2019-05-21T18:46:30","slug":"fake-news-eine-herausforderung-des-freien-denkens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/fake-news-eine-herausforderung-des-freien-denkens\/","title":{"rendered":"Fake news \u2013 eine Herausforderung des freien Denkens"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gegen \u201eFake News\u201c \u2013 nicht immer ein Kampf f\u00fcr die Wahrheit<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.nrhz.de\/flyer\/beitrag.php?id=24159\">Von Klaus Hartmann<\/a><\/p>\n<p>Das englische Wort Fake News ist vor gut einem Jahr in Mode gekommen und bezeichnet etwas, f\u00fcr das wir schon vorher ziemlich exakte Begriffe hatten: Falschmeldungen und Desinformation. Auch das Wort <em>\u201eZeitungsente\u201c<\/em> war in Deutschland gel\u00e4ufig, klingt aber nat\u00fcrlich nicht so cool und trendy wie die Neusch\u00f6pfung in Englisch. Urspr\u00fcnglich bedeutet Fake gef\u00e4lscht oder F\u00e4lschung, schon l\u00e4nger bekannt ist fake fur, das ist Kunstpelz, ein fake painting ist ein gef\u00e4lschtes Gem\u00e4lde, oder eine fake pistol ist keine echte Waffe; sondern eine Attrappe. Anfang 2017 wurden <em>\u201eFake News\u201c<\/em> zum \u201e<em>Anglizismus des Jahres\u201c<\/em> gew\u00e4hlt. Die Jury der Aktion erkennt ab November 2016 im Zusammenhang mit einer Bedeutungsverschiebung hin zu politisch motivierten Falschmeldungen, in T\u00e4uschungsabsicht hergestellt. (1)<\/p>\n<p>Mit Fake News sind keineswegs alle Falschmeldungen und Desinformationen gemeint, der Vorwurf zielt speziell auf Nachrichten im Internet und den so genannten <em>\u201esozialen Medien\u201c<\/em>. <em>\u201eBesonders im Internet wird heute gelogen, dass sich die Balken biegen\u201c<\/em>, verk\u00fcndet das Erste Deutsche Fernsehen; <em>\u201eHasskommentare und gezielte Falschmeldungen\u201c<\/em> beklagt der Norddeutsche Rundfunk, und meldet: <em>\u201eDie Bundesregierung will im Wahlkampf ein Abwehrzentrum gegen Desinformationen\u201c.<\/em> (Magazin \u201eZapp\u201c, 01.02.2017)<\/p>\n<p>Der Vorwurf bedeutet implizit einen Freispruch f\u00fcr die so genannten offiziellen Medien wie Rundfunk, Fernsehen und Presse, sowie die Nachrichtenagenturen, aus denen sie alle ihre Weisheiten beziehen. In gewisser Weise ist der Vorwurf <em>\u201eFake News\u201c<\/em> auch eine Retourkutsche f\u00fcr den Vorwurf <em>\u201eL\u00fcgenpresse\u201c<\/em>, der seit ein paar Jahren gegen die etablierten Medien erhoben wird.<\/p>\n<p>Der so genannte Kampf gegen Fake News wurde von offizieller Seite in ein Instrument verwandelt, das gegen innenpolitische Gegner und au\u00dfenpolitische Konkurrenten gerichtet ist.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dar\u00fcber, dass Falschmeldungen unsere Demokratie bedrohen w\u00fcrden, ist eine regelrechte Hysterie entstanden. <em>\u201eAus dem Modewort zur Beschreibung eines neuen Ph\u00e4nomens ist ein Kampfbegriff geworden\u201c<\/em>, scheibt das Nachrichtenmagazin <em>\u201eDer Spiegel\u201c<\/em> in \u00fcberraschende, weil seltener Offenheit (2). Demnach sei<em> \u201eFake News ein politisches Schimpfwort, das in allerlei Auseinandersetzungen hin- und hergeschleudert wird, so dass es kaum noch zu greifen ist: zwischen Trump und Medien, zwischen Linken und Rechten.\u201c<\/em> F\u00fcr manche sei <em>\u201eFake News\u201c<\/em> nur <em>\u201eein bequemes Schlagwort f\u00fcr alles Neue, was einem nicht in den Kram passt\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Dabei ist der Aspekt nicht unerheblich, dass n\u00e4mlich die Regierungen und Mainstream-Medien auch unliebsame Wahrheiten mit dem Verdikt <em>\u201eFake News\u201c<\/em> versehen, um sich nicht damit auseinandersetzen zu m\u00fcssen, sondern die K\u00fcnder zu diskreditieren und aus dem <em>\u201eseri\u00f6sen\u201c<\/em> Diskurs auszuschlie\u00dfen. Damit \u00e4hnelt das Wort der Funktion des Vorwurfs <em>\u201eVerschw\u00f6rungstheoretiker\u201c<\/em>, deren Ausgrenzung, L\u00e4cherlich- und Ver\u00e4chtlichmachung mit diesem Etikett ebenso angestrebt wird.<\/p>\n<p><strong>Fakes sind keine Neuerscheinung<\/strong><\/p>\n<p>Wir sollen und k\u00f6nnen nicht akzeptieren, dass die Debatte um so genannte <em>\u201eFake News\u201c<\/em> als kleine M\u00fcnze im parteipolitischen Gez\u00e4nk und im tagespolitischen Schlagabtausch benutzt wird. Wir sollten die Konjunktur des Modewortes dazu nutzen, \u00f6ffentlich auf Lug und Trug, insbesondere die gr\u00f6\u00dferen und gro\u00dfen L\u00fcgen hinzuweisen, die uns vorgesetzt werden, und deren Hinterfragen nicht gew\u00fcnscht ist. Hier sehen wir eine besondere Herausforderung f\u00fcr die Aufkl\u00e4rung, die Freidenker auf ihre Fahnen geschrieben haben.<\/p>\n<p>Deshalb schadet es nicht, ein wenig in der Geschichte zur\u00fcckzugehen, und auch die Religionen und die Kirchen nicht zu schonen. Beginnen wir mit einer Fake News, die ein zentrales christliches Dogma behandelt: Jesus soll von einer Jungfrau geboren worden sei, nach einer unbefleckten Empf\u00e4ngnis. Die Heiligen Schriften sind voll von genannten Fake News. Das Bistum in Trier veranstaltet regelm\u00e4\u00dfig Wallfahrten zu seinem so genannten \u201eHeiligen Rock\u201c. \u00abDer Heilige Rock ist echt\u00bb, sagt der Bischof &#8211; allerdings nicht im Sinne des historischen Gewandes Jesu. Nach einem Bad im Wasser von Lourdes sollen Multiple Sklerose, Tuberkulose, Infektionskrankheiten, Knochenkrebs geheilt worden sein. Die r\u00f6misch-katholischen Kirche hat bis heute 67 angeblicher Heilungen als Wunder anerkannt.<\/p>\n<p>Hartn\u00e4ckig h\u00e4lt sich die Legende, dass die Katholische Kirche Gegnerin des Hitlerfaschismus war. Tats\u00e4chlich schlossen der Vatikan und Nazideutschland am 20.7.1933 einen Kirchenstaatsvertrag ab. Dieses <em>\u201eKonkordat\u201c<\/em> mit dem Papst war Hitlers erster v\u00f6lkerrechtlicher Vertrag. <em>\u00bbZwar waren fast zwei Drittel der 34 Artikel des Konkordats zu Gunsten der Kirche. Aber das k\u00fcmmerte Hitler nicht. Immerhin mu\u00dften die Bisch\u00f6fe, laut Artikel 16, einen Treueid ablegen und versprechen, die Regierung zu achten und durch ihren Klerus achten zu lassen. Artikel 27 gab den Nazis Einflu\u00df auf die Ernennung des katholischen Armeebischofs und der katholischen Milit\u00e4rgeistlichen. Artikel 30 sah an allen Sonn- und Feiertagen in s\u00e4mtlichen Kirchen Deutschlands nach dem Hauptgottesdienst ein Gebet f\u00fcr das Wohlergehen des Hitlerreiches vor.\u00ab<\/em> (Karlheinz Deschner: Mit Gott und den Faschisten. Der Vatikan im Bunde mit Mussolini, Franco, Hitler u. Pavelic, 1965, S.113) Der Vertrag wurde von der Bundesrepublik nie beendet.<\/p>\n<p>Da wollte die Evangelische Kirche in Sachen Treue zum <em>\u201eF\u00fchrer\u201c<\/em> nat\u00fcrlich nicht nachstehen: <em>\u00bbDer geistliche Vertrauensrat der deutschen evangelischen Kirche, erstmalig seit Beginn des Entscheidungskampfes im Osten versammelt, versichert Ihnen, mein F\u00fchrer, in diesen hinreisend bewegten Stunden aufs Neue die unwandelbare Treue und Einsatzbereitschaft der gesamten evangelischen Christenheit des Reiches. Sie haben, mein F\u00fchrer, die bolschewistische Gefahr im eigenen Lande gebannt und rufen nun unser Volk und die V\u00f6lker Europas zum entscheidenden Waffengange gegen den Todfeind aller Ordnung und aller abendl\u00e4ndisch christlichen Kultur auf. Das deutsche Volk und mit ihm alle seine christliche Glieder danken Ihnen f\u00fcr diese Ihre Tat.\u00ab<\/em> &#8211; Telegramm des Vertrauensrates der deutschen evangelischen Kirche vom 30.6.1941 an Adolf Hitler (Kloft, Lieber Onkel Hitler \u2013 Briefe an den F\u00fchrer, Spiegel\/MDR\/NDR\u2013Filmdokumentation, 2010)<\/p>\n<p>Ein anderes Ger\u00fccht besagt, dass der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland ein lupenreiner Demokrat gewesen sei. Konrad Adenauer, Mitglied der katholischen Zentrumspartei war von 1933 K\u00f6lner Oberb\u00fcrgermeister. 1929 schrieb er ein Telegramm an den italienischen Faschistenf\u00fchrer Benito Mussolini, der den Arbeiterf\u00fchrer Giacomo Mateotti hatte ermorden lassen: <em>\u00bbDer Name Mussolini wird in goldenen Buchstaben in die Geschichte der katholischen Kirche eingetragen!\u00ab<\/em> (Bernt Engelmann, Schwarzbuch Helmut Kohl, 1998, S.48f.) <em>\u201eDemokrat\u201c<\/em> Adenauer: das ist Fake News, die Realit\u00e4t: ein Klerikalfaschist.<\/p>\n<p>Dass die Kirche nach dem verheerenden Krieg auf Frieden gesetzt h\u00e4tte, ist ebenfalls Fake News: &#8222;<em>Kardinal Frings aus K\u00f6ln hat am 23. Juni 1950 auf dem Katholikentag in Bonn als erster \u00f6ffentlich in Deutschland die Wiederaufr\u00fcstung der Deutschen gefordert.&#8220;<\/em> (Karlheinz Deschner: Mit Gott und den Faschisten. Der Vatikan im Bunde mit Mussolini, Franco, Hitler u. Pavelic, 1965, S.115 f.)<\/p>\n<p>Er kann sich dabei auf eine lange kirchliche Tradition berufen:<em> \u00bbDie geschichtlichen Tatsachen lehren, da\u00df uns der Krieg gr\u00f6\u00dferen Nutzen bringt als der Friede.\u00ab<\/em> &#8211; Kirchenvater Theodoret im 5. Jahrhundert (Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums, Band 1 von 10, Die Fr\u00fchzeit, 1986, S. 68)<\/p>\n<p><strong>\u201eHaltet den Dieb!\u201c- au voleur!<\/strong><\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union hat im September 2015 eine <em>\u201eArbeitsgruppe zur Verfolgung und Analyse von aus Russland nach Europa str\u00f6menden Desinformationen\u201c<\/em> namens <em>\u201eEast StratCom Task Force\u201c<\/em> als Ergebnis der eingerichtet, die eine Homepage Disinformation Revue geschaltet hat. Sie durchk\u00e4mmen das Internet nach Falschnachrichten, die nach ihrer Ansicht aus Russland in die Europ\u00e4ische Union str\u00f6men. Diese Kommission beschreibt ihren Zweck selbst h\u00f6chst entlarvend, n\u00e4mlich dass die aus Russland kommenden Nachrichten <em>\u201ehier f\u00fcr Unruhe sorgen und Zweifel an der etablierten Politik s\u00e4en sollen\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Ja, wo kommen wir denn da hin? Unruhe? Ruhe ist doch bekanntlich erste B\u00fcrgerpflicht. Und gar <em>\u201eZweifel an der etablierten Politik<\/em>\u201c? Einfach nur frevelhaft. Wo doch die NATO-Deutungshoheit der Wirklichkeit sakrosankt ist und jede Bedrohung dieses Monopols mindestens Majest\u00e4tsbeleidigung bedeutet!<\/p>\n<p>Wenn man der EU- und NATO-Sicht folgen m\u00f6chte, w\u00fcrde der Alarm wegen <em>\u201eUnruhe und Zweifel\u201c<\/em> doch eher zu Russland passen, aber zur EU, dem Hort der Demokratie, der Meinungsfreiheit, der m\u00fcndigen B\u00fcrger? Da haben offenbar die Russen der EU selbst die Feder gef\u00fchrt, um sie vor aller Augen zu blamieren.<\/p>\n<p>Alternative Medien? <em>\u201eSie zielen darauf, die Mainstream-Medien auszuhebeln\u201c<\/em>, klagt die Kulturwissenschaftlerin Eva Kimminich von der Uni Potsdam an, und: <em>\u201eman muss ber\u00fccksichtigen, dass einfach \u201aGegebenheiten aus Medien\u2018(!) aufgegriffen und anders dargestellt werden\u201c.<\/em> (\u201eZapp\u201c, 01.02.2017) <em>\u201eGegebenheiten\u201c<\/em>? Die Herrschaft hat\u2018s gegeben? Und wir haben es nur noch zu schlucken? Der Kommentator: <em>&#8222;Das kann schon gef\u00e4hrlich sein \u2013 wenn Entscheidungen aufgrund von Meinungsmache getroffen werden, die nur noch mit Hetze zu tun hat.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Eiferer gegen <em>\u201eFake News\u201c<\/em> w\u00fcrden besser vor der eigenen T\u00fcr kehren.<\/p>\n<p>Am 10.01.2017 meldete \u201eBild\u201c: <em>\u201eSPD-Chef Gabriel tritt gegen Merkel an\u201c<\/em>. Solche klassischen Falschmeldungen sind im Prinzip bestenfalls belustigend. Wenn sie sich als falsch herausstellen, werden sie meist kleinlaut dementiert.<\/p>\n<p>Andere Fake News haben eine schier ewige Lebensdauer. <em>\u201eDie Rente ist sicher\u201c<\/em> versprach der deutsche Arbeits- und Sozialminister Norbert Bl\u00fcm, erstmals im Wahlkampf 1986, am 10. Oktober 1997 nochmals in einer hitzigen Debatte im Deutschen Bundestag. Er meinte nicht seine eigene Rente, es war ein typisches Versprechen an die W\u00e4hler. Inzwischen sagt er kleinlaut: <em>\u201eWenn das Rentenniveau weiter so sinkt wie in den letzten Jahren, dann kommt man in die N\u00e4he der Sozialhilfe\u201c<\/em>. (Saarbr\u00fccker Zeitung, 01.12.2014)<\/p>\n<p>Das Rentenniveau im Jahr 2028 wird wahrscheinlich nur noch 44 Prozent des Durchschnittseinkommens betragen &#8211; im Jahr 2000 waren es noch knapp 53 Prozent. Aktuelle Berechnungen gehen davon aus, dass \u00fcber 50% der Erwerbst\u00e4tigen mit Renten unterhalb der Armutsgrenze rechnen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Eine besondere mediale Behandlung hat in den letzten Jahren Griechenland erfahren. Dem Fernsehzuschauer wurde von der ARD beigebracht, mit Verl\u00e4ngerung des zweiten<em> \u201eHilfspakets\u201c<\/em> habe sich die neue griechische Regierung verpflichtet, die mit der Vorg\u00e4ngerregierung vereinbarten Reformen ausnahmslos umzusetzen. Das ist zwar wahrheitswidrig, sollte aber den Eindruck erwecken, dass Athen (erneut) den Fahrplan nicht einh\u00e4lt, im Zeitverzug ist, nicht liefert, seine Hausaufgaben nicht macht, tats\u00e4chlich reformunwillig ist. Korrespondent Krause unternahm es, die Zuschauer davon \u00fcberzeugen, dass <em>\u201eder Grieche<\/em>\u201c sich auf ihre Kosten bereichern will, oder in den Worten Krauses <em>\u201ees f\u00fcr das gottgegebene Recht seines Landes h\u00e4lt, auf Kosten anderer zu leben.\u201c<\/em> (Tagesthemen-Kommentar vom 17.02.2015)<\/p>\n<p>Framing &#8211; Nach den Fake News m\u00fcssen wir uns mit weiteren Anglizismen abgeben, zun\u00e4chst dem Framing: Der vom US-amerikanischen Linguisten George Lakoff aufgestellten Kommunikationsmaxime, Fakten nur innerhalb moralischer Frames zu diskutieren, folgt die ARD-Berichterstattung ebenso wie das von Lakoff inspirierte Diskussionspapier der Bertelsmann Stiftung zu strategischer Regierungskommunikation aus dem Jahr 2006: <em>\u201eGelungenes Framing zeichnet sich dadurch aus, dass Reformpolitik ihre Gestaltungsanliegen sprachlich mit gesellschaftlichen Sinn- und Wertzusammenh\u00e4ngen verkn\u00fcpft.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die sachliche Debatte um \u00f6konomische L\u00f6sungen f\u00fcr eine Schuldenkrise tritt in den Hintergrund zugunsten einer medial inszenierten Frage der Tugendhaftigkeit. Mit Hilfe der so erzeugten <em>\u201eIllusion der Informiertheit\u201c<\/em> wird das tats\u00e4chliche Informationsvakuum innerhalb der Berichterstattung verdeckt. Die St\u00e4rke der Narration ist, dass sie den Werte-Frame subtil transportiert \u2013 ohne ihn explizit zu nennen.<em> \u00a7Der Rezipient erkennt selbst\u00e4ndig, dass das Thema einen f\u00fcr ihn bedeutsamen Grundwert tangiert\u201c<\/em> [179], f\u00fchrt Herbert Flath in seiner Dissertation zu <em>\u201eStorytelling im Journalismus\u201c<\/em> aus. Storytelling ist also der n\u00e4chste Begriff der sch\u00f6nen neuen Medienwelt, den wir uns merken sollten.<\/p>\n<p>Auch eine <em>\u201eSemantik der Eskalation\u201c<\/em> (Frank Schirrmacher), die aus Ausdr\u00fccken besteht wie <em>\u201eschrille T\u00f6ne\u201c, \u201eAffront\u201c, \u201eaufeinanderprallende Welten\u201c, \u201eEklat\u201c, \u201eheftiger Streit\u201c und \u201egeballte Faust\u201c<\/em> wird einen Gro\u00dfteil der Zuschauer davon \u00fcberzeugen, dass diese <em>\u201ehemds\u00e4rmeligen\u201c, \u201eruppigen\u201c<\/em> (Thomas Roth 04.02.2015), <em>\u201eselbstverliebten\u201c<\/em> (Ulrich Deppendorf 27.02.2015) <em>\u201eHalbstarken\u201c<\/em> (Claus-Erich Boetzkes 12.02.2015), diese<em> \u201eSchuljungen\u201c<\/em> (Thomas Bormann 21.02.2015) mit ihrer <em>\u201eRuppigkeit-ich-will-nicht-sagen-Arroganz\u201c<\/em> (Thomas Roth 16.02.2015), diese <em>\u201eunberechenbaren Teenager\u201c mit \u201efrechem Grinsen im Gesicht<\/em>\u201c (Angela Ulrich 08.07.2015), die ihre <em>\u201eHausaufgaben\u201c<\/em> (Caren Miosga 23.02.2015) nicht machen wollen und es als ihr <em>\u201egottgegebenes Recht ansehen, auf Kosten anderer zu leben\u201c<\/em> (Rolf-Dieter Krause 17.02.2015), <em>\u201erunter von den B\u00e4umen\u201c<\/em> (Ulrich Deppendorf 27.02.2015) m\u00fcssen, <em>\u201eins Gebet\u201c<\/em> (Bettina Scharkus 29.01.2015) genommen werden m\u00fcssen. Und wenn alle Ermahnung nicht hilft \u2013<em> \u201eIch-kann-gar-nicht-so-viel-fressen-wie-ich-kotzen-m\u00f6chte\u201c<\/em> [183] (Rolf-Dieter Krause, Presseclub, 14.06.2015) \u2013, dann m\u00fcssen diese <em>\u201eSchurken\u201c<\/em> (Alois Theisen, 27.06.2015), vor allem dieser <em>\u201eirrlichternde Varoufakis\u201c<\/em> [184] (Reinald Becker 29.06.2015) mal richtig diszipliniert, am besten <em>\u201ezum Teufel gejagt\u201c<\/em>[185] werden. (Rolf-Dieter Krause, Hart aber fair, 29.06.2015) (3)<\/p>\n<p>Diese und viele weitere Medienmanipulationen hat die <em>\u201eSt\u00e4ndige Publikumskonferenz\u201c<\/em> \u00f6ffentlich gemacht, die sich f\u00fcr Medienkompetenz und demokratische Mitsprache bei der Umsetzung des Programmauftrags der Medien stark macht. Ihre Vorsitzende Maren M\u00fcller kommentiert: Wir werfen der ARD vor, entgegen der Vorgaben des Rundfunkstaatsvertrages das Publikum mit Desinformation, Falschaussagen und Auslassungen wichtiger Informationen \u00fcber Wochen und Monate regelrecht \u00fcberzogen zu haben:<\/p>\n<p>Die Griechenlandberichterstattung der ARD \u2013 explizit von Tagesschau und Tagesthemen \u2013 war einseitig, regierungskonform, manipulativ, feindselig, verleumderisch und in Teilen geradezu absurd ob ihrer boulevardesken Erz\u00e4hlweise. Durch die inflation\u00e4re Verbreitung national-stereotyper Klischees im Zusammenhang mit den griechischen Staatsschulden wurden bei der deutschen Bev\u00f6lkerung niedere Instinkte wie Neid, Hass, Zynismus und offener Rassismus geweckt sowie Zwietracht unter den europ\u00e4ischen Nachbarn ges\u00e4t. <em>\u201eDas stereotypenspezifische Werte-Framing wirkt stark polarisierend. Es aktiviert und best\u00e4tigt zugleich das im Langzeitged\u00e4chtnis gespeicherte Stereotyp von den chaotischen, unzuverl\u00e4ssigen, trickreichen, unp\u00fcnktlichen, unbeherrschten, faulen (=reformunwilligen) und verschwenderischen S\u00fcdeurop\u00e4ern, die angeblich die (nord-) \u201eeurop\u00e4ischen Gepflogenheiten\u201c (Rolf-Dieter Krause) missachten.\u201c<\/em> (4)<\/p>\n<p>In gleicher Richtung wirkt auch das <a href=\"https:\/\/www.medienverantwortung.de\/\">Institut f\u00fcr Medienverantwortung<\/a>, das von der Freidenkerin Dr. Sabine Schiffer geleitet wird. Sein Anliegen ist die F\u00f6rderung von Medienkompetenz auf Seiten der Mediennutzer. Sie gab zuletzt unter dem Titel <em>\u201eUkraine im Visier. Russlands Nachbar als Zielscheibe geostrategischer Interessen\u201c<\/em> ein Buch heraus, in dem verschiedenen Autoren die Medienmanipulationen zur Ukraine-Krise untersuchen.<\/p>\n<p>Ein weiterer Anglizismus ist der so genannte spin doctor, ein aus den USA importierter Begriff, wo diese Gattung zun\u00e4chst, seit 1984 als PR-Berater von Pr\u00e4sidentschaftskandidaten in den war rooms t\u00e4tig war, den Wahlkampfzentralen der Parteien. Ihre Aufgabe: die \u201e<em>Dinge ins richtige Licht zu r\u00fccken\u201c<\/em>, der Berichterstattung den gew\u00fcnschten Dreh zu geben. Sie sollen Themen setzen, Interpretation vorgeben und den Ereignissen immer einen eigenen Drall, einen spin geben, auch wenn der sich kaum mehr mit den Tatsachen deckt. Personen oder Ereignisse sollen in einem m\u00f6glichst positiven oder auch negativen Licht erscheinen. (5)<\/p>\n<p>Daher sind die v\u00f6lkerrechtswidrigen Kriege des Westens immer <em>\u201ehumanit\u00e4re Missionen\u201c, \u201ef\u00fcr Menschenrechte\u201c und den \u201eSchutz der Zivilbev\u00f6lkerung&#8220;<\/em>, und die Gegner von USA und NATO immer <em>\u201eVerr\u00fcckte\u201c, \u201eSchl\u00e4chter\u201c, \u201eDiktatoren\u201c, \u201eM\u00f6rder des eigenen Volkes\u201c und \u201eneue Hitler\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Wiederholt hat der ehemalige Tagesschau-Redakteur Volker Br\u00e4utigam wegen der einseitigen Propaganda und Desinformation der ARD \u00fcber den Ukraine-Konflikt eine Programmbeschwerde eingereicht. In einem Fall r\u00fcgte er, dass das Erste Deutsche Fernsehen eine Patrouille von NATO-Soldaten den Zuschauern als <em>\u201eOSZE-Beobachter\u201c<\/em> verkaufen wollte.<\/p>\n<p>Die \u201eStellungnahme\u201c des ARD-aktuell-Chefredakteurs Gniffke darauf schl\u00e4gt jede Satire:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eWir haben den Begriff &#8218;OSZE-Milit\u00e4rbeobachter&#8216; richtig verwendet. \u2026 Die Bezeichnung \u2026 steht im Einklang mit dem Wording von Nachrichtenagenturen und Qualit\u00e4tszeitungen\u2026\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Br\u00e4utigam kommentierte: &#8222;<em>Gniffke kombiniert also Arroganz und Ignoranz. Er merkt nicht mal, dass er ein intellektuelles Null Ouvert spielt und zugleich die zumindest mentale \u2013 nachrichtenagenturgest\u00fctzte \u2013 Gleichschaltung der Medien nachweist, indem er das eigene Falschinformieren mit demjenigen der Agenturen und \u201eQualit\u00e4tszeitungen\u201c rechtfertigt. Borniertheit, Arroganz und Kritikunf\u00e4higkeit der Staatssender kennen offensichtlich keine Grenzen.&#8220;<\/em> (6)<\/p>\n<p>Dank ARD-Gniffke haben wir einen weiteren Anglizismus gelernt: <em>\u201eWording\u201c<\/em>. Gemeint ist die Sprachregelung, auf die sich die <em>\u201eim Konkubinat mit der Politik lebenden Medien\u201c<\/em> (Br\u00e4utigam) verst\u00e4ndigt haben, um dem Berichteten den <em>\u201erichtigen Drall\u201c<\/em> (Spin) zu geben, der ihre Deutungshoheit \u00fcber die Ereignisse sicherstellt.<\/p>\n<p>Klaus Hartmann ist Vorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbands und der Weltunion der Freidenker.<\/p>\n<p>Fussnoten:<\/p>\n<p>1 Anglizismus des Jahres 2016, verantwortlich im Sinne des Presserechts: Anatol Stefanowitsch, abgerufen am 8. Februar 2017, lt. https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fake_News#cite_ref-9<br \/>\n2 http:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/web\/bild-1129628-1093845.html<br \/>\n3 https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/2016\/08\/20\/auswertung-ueber-taeuschung-tugend-und-teenager\/<br \/>\n4 https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/<br \/>\n5 https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Spin-Doctor<br \/>\n6 https:\/\/propagandaschau.wordpress.com\/2014\/07\/10\/volker-brautigam-uber-den-umgang-der-ard-mit-seiner-programmbeschwerde\/<\/p>\n<p><strong><br \/>\nSiehe auch:<\/strong><\/p>\n<p>Teil 2 des Vortrags von Klaus Hartmann (zum Thema Krieg)<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.nrhz.de\/flyer\/beitrag.php?id=24182\">NRhZ 630 vom 27.09.2017<\/a><\/p>\n<p>&#8222;Fake news \u2013 eine Herausforderung des freien Denkens&#8220; &#8211; Kolloquium der Weltunion der Freidenker<br \/>\nHerrschaftsmittel Fake<br \/>\nVon Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.nrhz.de\/flyer\/beitrag.php?id=24103\">NRhZ 627 vom 06.09.2017<\/a><\/p>\n<p>Gegen die Macht um Acht<br \/>\nBeschwerden gegen manipulierende Berichterstattung von ARD-aktuell<br \/>\nVon Volker Br\u00e4utigam und Friedhelm Klinkhammer<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.nrhz.de\/flyer\/beitrag.php?id=24166\">NRhZ 629 vom 20.09.2017<\/a><\/p>\n<div style=\"float: left; margin-top: 20px;\"><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_4863 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_4863')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_4863').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. Schon beim Aktivieren werden Daten an Dritte \\u00fcbertragen - siehe <em>i<\\\/em>.\",\"perma_option\":\"off\",\"action\":\"like\",\"language\":\"de_DE\"},\"twitter\":{\"reply_to\":\"\",\"tweet_text\":\"%20Fake%20news%20%E2%80%93%20eine%20Herausforderung%20des%20freien%20Denkens%20%C2%BB%20St%C3%A4ndige%20...\",\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Twitter senden. Schon beim Aktivieren werden Daten an Dritte \\u00fcbertragen - siehe <em>i<\\\/em>.\",\"perma_option\":\"off\",\"language\":\"de\",\"referrer_track\":\"\"}},\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. N\\u00e4heres erfahren Sie durch einen Klick auf das <em>i<\\\/em>.\",\"settings_perma\":\"Dauerhaft aktivieren und Daten\\u00fcber-tragung zustimmen:\",\"info_link\":\"http:\\\/\\\/www.heise.de\\\/ct\\\/artikel\\\/2-Klicks-fuer-mehr-Datenschutz-1333879.html\",\"uri\":\"https:\\\/\\\/publikumskonferenz.de\\\/blog\\\/fake-news-eine-herausforderung-des-freien-denkens\\\/\",\"post_id\":4863,\"post_title_referrer_track\":\"Fake+news+%E2%80%93+eine+Herausforderung+des+freien+Denkens\",\"display_infobox\":\"on\"});}});\n\/* ]]> *\/<\/script><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gegen \u201eFake News\u201c \u2013 nicht immer ein Kampf f\u00fcr die Wahrheit Von Klaus Hartmann Das englische Wort Fake News ist vor gut einem Jahr in Mode gekommen und bezeichnet etwas, f\u00fcr das wir schon vorher ziemlich exakte Begriffe hatten: Falschmeldungen &hellip;<\/p>\n<p class=\"read-more\"> <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/fake-news-eine-herausforderung-des-freien-denkens\/\"> <span class=\"screen-reader-text\">Fake news \u2013 eine Herausforderung des freien Denkens<\/span> Weiterlesen &raquo;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":4864,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[313,354,9],"class_list":["post-4863","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-news","tag-dr-gniffke","tag-fake-news","tag-tagesschau"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4863","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4863"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4863\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4893,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4863\/revisions\/4893"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4864"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4863"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4863"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4863"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}