{"id":5057,"date":"2019-09-05T20:39:20","date_gmt":"2019-09-05T19:39:20","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=5057"},"modified":"2019-09-07T14:38:33","modified_gmt":"2019-09-07T13:38:33","slug":"ungarischer-botschafter-reagiert-auf-zdf-drama-angela-merkel-und-die-fluechtlinge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/ungarischer-botschafter-reagiert-auf-zdf-drama-angela-merkel-und-die-fluechtlinge\/","title":{"rendered":"Ungarischer Botschafter reagiert auf ZDF-Drama &#8222;Angela Merkel und die Fl\u00fcchtlinge&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Einen Tag nach der Ausstrahlung des Films <a href=\"https:\/\/www.zdf.de\/dokumentation\/dokumentation-sonstige\/stunden-der-entscheidung-160.html\">\u201eStunden der Entscheidung: Angela Merkel und die Fl\u00fcchtlinge\u201c<\/a> im ZDF, reagiert der ungarische Botschafter P\u00e9ter Gy\u00f6rk\u00f6s in einem <a href=\"https:\/\/berlin.mfa.gov.hu\/asset\/view\/104466\/Gy%C3%B6rk%C3%B6s-Bellut%20ZDF%20HU%2020190904.pdf?fbclid=IwAR2gdrBG4_cjTuhvz3dZdsRVi9-J_tWrw589OCWNsiflGWSTIkEPMKmCAwg\">offenen Brief an den Intendanten des ZDF<\/a>, Thomas Bellut und Chefredakteur Peter Frey.<\/p>\n<blockquote><p>An Herrn<br \/>\nDr. Thomas Bellut, Intendant Zweites Deutsches Fernsehen<br \/>\nCC:<br \/>\nAn Herrn<br \/>\nDr. Peter Frey, Chefredakteur Zweites Deutsches Fernsehen<\/p>\n<p>Berlin, den 4. September 2019<\/p>\n<p>Sehr geehrter Herr Intendant,<\/p>\n<p>das ZDF hat am 4. September 2019 zur Hauptsendezeit ein \u00bbDokudrama\u00ab zu den Ereignissen von vor vier Jahren ausgestrahlt. Ohne Zweifel ist das Thema (nicht nur) in Deutschland von besonderem \u00f6ffentlichen Interesse. Unter Wahrung der geschriebenen und ungeschriebenen Regeln meines Berufes und der gebotenen Achtung f\u00fcr die deutschen B\u00fcrger und Politiker kommentiere ich die damit verbundenen internen Debatten nicht \u00f6ffentlich. Ich verfolge sie lediglich und nat\u00fcrlich berichte ich dar\u00fcber in angemessener Form an meine Hauptstadt.<\/p>\n<p>Nun gab es in dem erw\u00e4hnten Film derart viele Elemente, die Objektivit\u00e4t und Tatsachen missen haben lassen, und in Form von \u201eEinspielungen\u201c eine Reihe von Anspielungen auf mein Land und seinen mehrfach demokratisch gew\u00e4hlten Ministerpr\u00e4sidenten, dass ich mich gezwungen sehe, darauf zu reagieren.<\/p>\n<p>Was die ethischen und moralischen Normen verletzenden Passagen und Andeutungen angeht, kann ich nur hoffen, dass die Autoren und Macher sie mit ihrem Gewissen vereinbaren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Aber ich beschr\u00e4nke meine ins Traurige spielende Frustration auf die Tatsachen. Der \u201eMythos vom Budapester Ostbahnhof\u201c ist nicht neu. Die auch im Film immer wiederkehrende Behauptung, alles h\u00e4tte hier und jetzt seinen Anfang genommen und w\u00e4re Quelle aller Probleme, l\u00e4uft der schlichten geographischen Realit\u00e4t, den Bestimmungen des internationalen und europ\u00e4ischen Rechts und den Ereignissen vom Sommer und Herbst 2015 diametral entgegen.<\/p>\n<p>Der 4. September war einer von vielen Tagen in der seit Monaten andauernden Migrationskrise. Ich selbst hatte damals, noch als St\u00e4ndiger Vertreter bei der EU in Br\u00fcssel, meinen Kollegen schon Wochen zuvor signalisiert, dass die Zahl der t\u00e4glich eintreffenden illegalen Migranten bereits die zehntausender Marke \u00fcberschreitet. Kenntnis und Verst\u00e4ndnis der Situation belegt kaum etwas deutlicher als die Tatsache, dass das Bundesministerium des Innern am 19. August, zwei Wochen bevor sich der \u201eMarsch der Hoffnung\u201c in Bewegung setzte, die Zahl der bis zum Jahresende erwarteten Zuwanderer auf 800.000, also auf das Doppelte der bis dahin geltenden Sch\u00e4tzung, korrigiert hatte. Es waren dann am Ende \u2013 wenn ich mich nicht irre \u2013 890.000. Nicht unerw\u00e4hnt lassen sollten wir auch den Tweet des BAMF vom 25. August \u00fcber die Aussetzung der Anwendung der Dublin Verordnungen, der der Zuwanderung durchaus eine neue Dynamik verlieh.<\/p>\n<p>Auch sollte man die simple geographische Gegebenheit ber\u00fccksichtigen, dass den Budapester Ostbahnhof mehr als 1000 km von der Au\u00dfengrenze der EU und des Schengenraumes trennen. Beachten wir internationales Recht (Art. 31 der Genfer Konvention) oder europ\u00e4isches Recht (Schengener Grenzkodex, Dubliner Verordnung) sind zwei Dinge festzuhalten: Die illegalen Einwanderer sind auf ihrem Weg durch nicht weniger als f\u00fcnf oder sechs Staaten gezogen, in denen ihr Leben nicht in Gefahr war, sie also keine Fl\u00fcchtlinge mehr waren. Zudem ignorierten sie bewusst alle Dubliner und Schengener Regelungen, denn ihnen war klar, wohin sie wollten.<\/p>\n<p>Ungarn hat mit der Entscheidung europ\u00e4ische Regelungen durchzusetzen gro\u00dfe materielle, politische und moralische Risiken auf sich genommen. Wir haben weder Dank noch Anerkennung erwartet, daf\u00fcr wurden uns t\u00e4glich unbegr\u00fcndete Kritik und moralische Belehrungen zuteil. Seitdem sind vier Jahre vergangen, die Dinge haben sich langsam wieder in Richtung der Einhaltung von Recht und Ordnung bewegt, schrittweise gelingt es uns Ordnung und Humanit\u00e4t miteinander in Einklang zu bringen, doch die realit\u00e4tsfremde, und von Fall zu Fall an Ehrverletzung grenzende Propaganda h\u00f6rt nicht auf.<\/p>\n<p>Jedenfalls kann ich nur erneut und immer wieder anbieten, dass ich dem ZDF und anderen \u00f6ffentlich-rechtlichen oder privaten Medien bei Interesse an den Tatsachen oder dem ungarischen Standpunkt jederzeit bereitwillig zur Verf\u00fcgung stehe. Es w\u00e4re an der Zeit statt Schmutzkampagnen und Fiktionen, die die geografische Realit\u00e4t au\u00dfer Acht lassen und als Wahrheit pr\u00e4sentieren, die Fakten gew\u00e4hren zu lassen.<br \/>\nMein beruflicher Werdegang hat es mit sich gebracht, dass ich die Ereignisse sowohl 1989 (damals als f\u00fcr die DDR zust\u00e4ndiger Referent des ungarischen Au\u00dfenministeriums) als auch im Sommer und Herbst 2015 (zun\u00e4chst als st\u00e4ndiger Vertreter bei der EU, dann ab Oktober 2015 als Botschafter in Berlin) aus unmittelbarer N\u00e4he verfolgen konnte. Den ersten Stein aus der Mauer, die das eigene Volk eingeschlossen hielt, haben die Ungarn herausgeschlagen. 2015 hat sich Ungarn f\u00fcr die Einhaltung und Durchsetzung europ\u00e4ischen Rechts und f\u00fcr den Schutz der Lebensform und des Wirtschaftsmodells, die die Grundlage der EU bilden, und des durch Schengen gesch\u00fctzten Binnenmarktes eingesetzt, und den illegalen Zustrom \u00fcber die gr\u00fcne Grenze gestoppt.<\/p>\n<p>Grundlage und ein nat\u00fcrlicher Zug unseres gemeinsamen Daseins und unserer Zusammenarbeit ist, dass wir die Welt in manchen F\u00e4llen aus anderem Blickwinkel und durch andere Sichtweise betrachten. Situationen wie diese zu kl\u00e4ren gelingt jedoch nur auf der Basis von Respekt f\u00fcr unser Gegen\u00fcber und f\u00fcr die Tatsachen. Der von Ihnen gezeigte Film tut keinem dieser Kriterien Gen\u00fcge.<\/p>\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fcssen<\/p>\n<p>Dr. P\u00e9ter Gy\u00f6rk\u00f6s<\/p><\/blockquote>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.tichyseinblick.de\/daili-es-sentials\/der-brief-des-ungarischen-botschafters-ans-zdf\/\">https:\/\/www.tichyseinblick.de\/daili-es-sentials\/der-brief-des-ungarischen-botschafters-ans-zdf\/<\/a><\/p>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_5057 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_5057')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_5057').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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