{"id":5709,"date":"2020-07-08T19:32:06","date_gmt":"2020-07-08T18:32:06","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=5709"},"modified":"2020-07-11T13:25:12","modified_gmt":"2020-07-11T12:25:12","slug":"wirklichkeit-belehrt-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/wirklichkeit-belehrt-wissenschaft\/","title":{"rendered":"Wirklichkeit belehrt Wissenschaft"},"content":{"rendered":"<p><em>Quelle Beitragsbild: Screenshot Johns-Hopkins Universit\u00e4t<\/em><\/p>\n<p><strong>Wirklichkeit belehrt Wissenschaft<\/strong><\/p>\n<p><em>Beitrag von R\u00fcdiger Rauls<\/em><\/p>\n<p><strong>&nbsp;Wissenschaft schafft nicht nur Wissen sondern auch Verunsicherung. Neue Erkenntnisse stellen alte Gewissheiten in Frage. Worauf aber ist noch Verlass? Denn die Wissenschaftsgesellschaft verliert den Blick f\u00fcr die Wirklichkeit.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Im Dienst der Interessen<\/strong><\/p>\n<p>In den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen nimmt die Wissenschaft eine immer bedeutendere Stellung ein. Jeder beruft sich auf sie, der seinen Ansichten Nachdruck verleihen will. Da sie den Ruf der Neutralit\u00e4t hat, gilt sie als unverd\u00e4chtig. Damit ist sie ein idealer Deckmantel, hinter dem sich die Interessen verstecken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dieses Bild der Neutralit\u00e4t bekommt Risse. Immer h\u00e4ufiger st\u00fctzen sich die gesellschaftlichen Gruppen mit ihren Interessen auf wissenschaftliche Erkenntnisse, Studien und Theorien als Beweis f\u00fcr die Richtigkeit der eigenen Ansichten. Die Gesellschaft wird \u00fcberschwemmt mit Wissenschaftlichkeit. Sie ist das neue Glaubensbekenntnis, das Credo der Wissensgesellschaft. Was wissenschaftlich ermittelt ist, ist glaubhaft und scheint auch geglaubt werden zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Andererseits entsteht zunehmend der Eindruck, dass wissenschaftlich unterlegte Aussagen in erster Linie jenen gesellschaftlichen Kr\u00e4ften dienen, die die Studien in Auftrag geben oder finanzieren. Denn die Ver\u00f6ffentlichung der Ergebnisse liegt im Ermessen des Auftraggebers, nicht im Ermessen der Wahrheitsfindung. Wissenschaft erscheint deshalb immer h\u00e4ufiger als parteiisch und immer weniger neutral.<\/p>\n<p>Da sie im Widerstreit der politischen Diskussionen als Verst\u00e4rker der unterschiedlichen und gegens\u00e4tzlichen Interessen eingesetzt wird, erscheint sie selbst auch als immer widerspr\u00fcchlicher und beliebiger. Der Streit der Interessenvertreter f\u00e4rbt auf sie ab. Auch auf sie scheint immer \u00f6fter zuzutreffen: Wess&#8216; Brot ich ess, dess&#8216; Lied ich sing\u201c.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p><strong>Gesellschaftliche Auswirkungen<\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong>Der Eindruck verfestigt sich, dass auch der Wissenschaft nicht mehr zu trauen ist. Damit ereilt sie allm\u00e4hlich das Schicksal der politischen und staatlichen Einrichtungen, die in den Augen vieler B\u00fcrger gesteuert sind von undurchsichtigen Kreisen und geheimen Kr\u00e4ften.<\/p>\n<p>Denn die Wahrheiten von heute, gelten morgen schon als widerlegt. Aber beide waren Ergebnisse wissenschaftlich durchgef\u00fchrter Untersuchungen und deren Verfallsdatum wird immer k\u00fcrzer. Zurecht stellt sich da die Frage: \u201eWas ist denn nun richtig? Was ist wahr? Wer hat Recht?\u201c Viele wissen nicht mehr, wem sie denn nun glauben sollen.<\/p>\n<p>Dadurch wird Wissenschaft zur Glaubenssache. Die Menschen aber erwarten eindeutige Aussagen dar\u00fcber, was richtig und was falsch ist, nicht das st\u00e4ndige Hin und Her. Denn ihnen fehlen die Zeit und die Voraussetzungen, um sich selbst ein klares Bild in den Streitfragen zu verschaffen.<\/p>\n<p>Oftmals fehlt ihnen auch das Interesse an der Kl\u00e4rung solcher Fragen. Deshalb ziehen sie sich, der Rechthaberei und des unverst\u00e4ndlichen Meinungsstreits \u00fcberdr\u00fcssig, aus der gesellschaftlichen Auseinandersetzung zur\u00fcck. Sie ist f\u00fcr sie nicht mehr nachvollziehbar, weil nicht mehr Teil ihrer Welt.<\/p>\n<p><strong>Wirklichkeit als Kompass<\/strong><\/p>\n<p>Im Durcheinander all der Meinungen, Ansichten, Behauptungen, des Streits unter den selbst ernannten und ausgerufenen Experten geht eine Frage vollkommen unter, die Frage nach der Wirklichkeit. Was von all diesen Thesen und Theorien, die in den Talk-Shows, den Experten-Gespr\u00e4chen und Podiumsdiskussionen vorgetragen werden, entspricht denn \u00fcberhaupt der Wirklichkeit? Diese Frage scheint sich niemand mehr zu stellen, scheint nicht mehr von Bedeutung zu sein.<\/p>\n<p>Der \u00f6ffentliche Schlagabtausch ist ja nur ein Umsichschlagen mit \u201eHirngespinsten\u201c. Sie sind die Ergebnisse einer in den Hirnen ausgesponnenen, erdachten Wirklichkeit, ein Bild \u00fcber die Wirklichkeit, eine Vorstellung von Wirklichkeit. Aber sie sind nicht die Wirklichkeit selbst.<\/p>\n<p>Sie alle sind Kopfgeburten, erzeugt aus dem, was in der Umwelt wahrgenommen und dann in den Hirnen verarbeitet wird. Dabei hat ein jeder verschiedene Herangehensweisen, aus diesen Eindr\u00fccken Erkenntnisse und Bewusstsein zu bilden. Am Ende entsteht aus all diesen Zutaten eine Meinung.<\/p>\n<p>Deshalb bestehen so viele unterschiedliche Sichtweisen zu ein und demselben Gegenstand, Erlebnis oder Vorgang. Denn jeder Mensch nimmt aus der Wirklichkeit um ihn herum etwas anderes auf, weil jeder etwas anders sieht und als wahr annimmt. Und da die Wahrnehmung, aus der sich dann eine Sichtweise bildet, unterschiedlich ist, sind auch die Meinungen so verschieden.<\/p>\n<p>In diesem Wust der Ansichten, dem Streit um Wahrheit, der Rechthaberei und der Selbstdarstellung, der Kanonade der Argumente, Meinungen, Ansichten, der untr\u00fcglichen Studien und vorgeblichen Gewissheiten, in all dem verwirrenden Durcheinander gibt es nur eine einzige Orientierung: die Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Damit ist nicht das gemeint, was die Menschen f\u00fcr Wirklichkeit halten, sondern diese Realit\u00e4t, die unabh\u00e4ngig von den Ansichten der Menschen existiert, au\u00dferhalb ihrer K\u00f6pfe, in der Welt da drau\u00dfen. In dieser \u00e4u\u00dferen Welt war die Erde immer eine Kugel, auch wenn es tausend Beweise, Erkenntnisse und Theorien gab, die glasklar belegten, dass sie eine Scheibe ist. Aber sie alle stellten sich am Ende als falsch heraus.<\/p>\n<p>Eine Theorie, die sich an der Wirklichkeit nicht bewahrheitet, ist falsch, da hilft kein Argumentieren. Wenn die Ansichten im Widerspruch stehen zu den Vorg\u00e4ngen au\u00dferhalb der Theoriegebilde, dann sind die Ansichten falsch. Da n\u00fctzt auch alle wortreiche \u00dcberzeugungskraft nichts, denn die Wirklichkeit l\u00e4sst sich nichts einreden. Sie ist unbestechlich. Sie kann auch durch noch so ausgekl\u00fcgelte Beweisf\u00fchrung nicht davon \u00fcberzeugt werden, dass sie anders sein m\u00fcsste, als sie ist.<\/p>\n<p>Wenn die F\u00fclle des Wissens, der Argumente und der Theorien kein klares Bild ergibt von der Wirklichkeit, dann sind sie nutzlos, dann erf\u00fcllen sie nicht ihre Aufgabe. Denn diese besteht darin, die Wirklichkeit verst\u00e4ndlich zu machen. Daran m\u00fcssen die Theorien gemessen werden.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6rt Ordnung. Unser Wissen besteht aus einer un\u00fcberschaubaren Menge an Erkenntnissen. Aber diese alleine schaffen noch kein Weltbild. Liegen diese ungeordnet nebeneinander, sind sie vergleichbar den Tausenden bunter Steine, die alleine auf Grund ihrer gro\u00dfen Menge und Buntheit noch lange kein Mosaik ergeben. Erst wenn sie in einer bestimmten Ordnung zusammengesetzt werden, entsteht daraus ein Bild. Denn Erkenntnis braucht Ordnung, um Bewusstsein zu werden.<\/p>\n<p><strong>Wirklichkeit erkennen<\/strong><\/p>\n<p>Die Wirklichkeit ist nicht immer einfach zu erkennen, denn Wirklichkeit hat viele Seiten. Um die vielen Seiten zu einem Weltbild zu vereinen, das auch der Welt da drau\u00dfen entspricht, braucht der Mensch ein Hilfsmittel. Dieses Hilfsmittel ist der Meinungsaustausch, nicht zu verwechseln mit dem Meinungsstreit. Der ist nur ein intellektuell klingendes Wort f\u00fcr Rechthaberei.&nbsp; Meinungsaustausch ist orientiert an Erkenntnis. Bei ihm steht das Verstehen im Mittelpunkt, nicht Eitelkeit oder Selbstdarstellung.<\/p>\n<p>Die oben bereits erw\u00e4hnte beschr\u00e4nkte Wahrnehmung des Menschen erscheint nur auf den ersten Blick als ein Makel. Es gibt kein Lebewesen, das \u00fcber eine uneingeschr\u00e4nkte Wahrnehmung verf\u00fcgt. Der Vorteil des Menschen gegen\u00fcber allen anderen Lebewesen besteht in der Aufhebung dieser individuellen Beschr\u00e4nkung durch den Meinungsaustausch.<\/p>\n<p>In ihm werden die unterschiedlichen Wahrnehmungen \u00fcber die Welt zu einem immer umfassenderen Gesamtbild zusammengesetzt. Durch den Austausch und den Abgleich der einzelnen und unterschiedlichen Ansichten entsteht ein Bild von der Wirklichkeit, das sich immer mehr der realen Welt ann\u00e4hert. Meinungsaustausch im Interesse des Erkenntnisgewinns ist die Voraussetzung f\u00fcr das Erkennen der Wirklichkeit und der Wahrheit dahinter.<\/p>\n<p><strong>Wirklichkeit in Zeiten der Krisen<\/strong><\/p>\n<p>Die Krisen des vergangenen Jahrzehnts haben besonders die westlichen Gesellschaften ersch\u00fcttert. Der Zusammenhalt l\u00f6st sich auf und kann nur unter Aufbietung st\u00e4ndiger Appelle an das Wir-Gef\u00fchl m\u00fchsam und notd\u00fcrftig gekittet werden. Jede neue Krise vertieft zum Teil die alten Br\u00fcche und f\u00fchrt zudem auch zu neuen Rissen im Gesellschaftsgeb\u00e4ude. Es nehmen nicht nur die Konflikte zwischen gesellschaftlichen Gruppen Sch\u00e4rfe und Zahl zu, auch die Distanz zwischen ihnen und dem Staat w\u00e4chst.<\/p>\n<p>In der Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008\/9 kam Kritik von vornehmlich linksorientierten Bev\u00f6lkerungsteilen am Krisenmanagement der Regierungen. Die Fl\u00fcchtlingskrise von 2015 brachte eher rechtsorientierte oder konservative Gesellschaftskreise gegen den Staat auf, dem eigentlichen&nbsp;&nbsp; Fundament der gesellschaftlichen Ordnung bis dahin. In beiden Krisen wandte sich der Protest nicht nur gegen den Staat selbst. Es wandten sich auch politisch orientierte Gruppen mit ihren Ansichten gegen die jeweils anders orientierte Seite.<\/p>\n<p>Diese politisch bestimmte Trennlinie verwischte in den anschlie\u00dfenden Krisen. In der Klima-Bewegung traten sowohl rechts- als auch linksorientierte Kr\u00e4fte f\u00fcr einen Kampf gegen den Klima-Wandel ein. Eine Unterscheidung in Rechts und Links war innerhalb der Klima-Bewegung selbst anhand von Sichtweisen kaum noch auszumachen.<\/p>\n<p>Hier verlief die Trennlinie zwischen den Einstellungen zum Thema Klimawandel, zwischen den sogenannten Klima-Leugnern und Klima-Alarmisten. Zwar belegten sich diese beiden Lager gelegentlich gegenseitig auch mit den politischen Markierungen \u201eRechts\u201c und \u201eLinks\u201c. Das war aber eher nebens\u00e4chlich und zudem auch zuf\u00e4llig. Denn es gab unter den sogenannten Klimaleugnern auch viele Linke und unter den Klima-Alarmisten sehr viele, die in ihren sonstigen politischen Ansichten eher im rechten Spektrum zu verorten waren.<\/p>\n<p>Jetzt in der Corona-Krise scheinen rechte und linke Orientierungen sich noch st\u00e4rker zu durchdringen. Hier ist eher ein gemeinsames Vorgehen gegen das Handeln des Staates zu erkennen. Der Staat ist der gemeinsame Gegner. Ein eindeutig linkes oder rechtes Argumentieren ist nicht mehr zu erkennen. Der Konflikt in der Corona-Krise entbrennt zwischen dem Staat und den Kritikern seiner Ma\u00dfnahmen auf der einen Seite, aber auch zwischen Bef\u00fcrwortern und Gegnern dieser Ma\u00dfnahmen auf der anderen Seite.<\/p>\n<p>In beiden Krisen, der Corona- wie auch der Klima-Krise, versuchen beide Seiten, die jeweils andere durch Berufung auf die Wissenschaft von der Richtigkeit der eigenen Theorien zu \u00fcberzeugen. Dazu wurden Heerscharen von Experten mit ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen, Argumenten und Studien aufgeboten, die sich gegenseitig zu widerlegen versuchten. F\u00fcr die Argumentation der einen Seite hat die jeweils andere dann auch immer gleich das passende Gegenargument parat. Man dreht sich im Kreis von Rede und Widerrede.<\/p>\n<p>Nur eines f\u00e4llt bei dieser Herangehensweise au\u00dfer Betracht: die Wirklichkeit. Im Mittelpunkt stehen die eigenen Ansichten, nicht das Verh\u00e4ltnis dieser Ansichten zu den Realit\u00e4ten au\u00dferhalb des Kopfes, der diese Ansichten gebiert.<\/p>\n<p><strong>Klima-Krise und Wirklichkeit<\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong>All die Argumente der jeweiligen Seiten konnten die Gegenseite nicht \u00fcberzeugen. Statt das Argument zu wiegen und zu messen an der Wirklichkeit, erging man sich in der Eskalation der wissenschaftlichen Beweise. Aber die F\u00fclle der Sichtweisen, die die Diskussion bestimmten, verstellten den Blick auf das Wesentliche: Wie verh\u00e4lt sich das Vorgetragene zu den Vorg\u00e4ngen, die au\u00dferhalb der K\u00f6pfe in der Welt stattfinden und wirken?<\/p>\n<p>Die sogenannten Klima-Alarmisten st\u00fctzten ihre Drohung vom bevorstehenden Klimakollaps auf die Behauptung, dass das CO2 in der Atmosph\u00e4re zu einer gef\u00e4hrlichen Erderw\u00e4rmung f\u00fchre. Dieser sogenannte Treibhauseffekt gilt ihnen als wissenschaftlich abgesicherte Theorie, die den Vorgang der Erderw\u00e4rmung erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Der Blick auf die Tatsachen in der Wirklichkeit offenbart, dass die Atmosph\u00e4re nur zu 0,04% aus Kohlendioxid besteht. Trotzdem soll dieser geringe Anteil einen solchen Aufheizprozess bewirken. Die Tatsachen der Wirklichkeit offenbaren aber auch, dass die Erdatmosph\u00e4re in ihrer Geschichte schon \u00fcber wesentlich h\u00f6here CO2-Konzentrationen verf\u00fcgte, zum Teil sogar im zweistelligen Prozentbereich. Und es ist eine Tatsache, die von keiner Seite bestritten wird, dass auf der Erde in fr\u00fcheren Zeiten wesentlich h\u00f6here Temperaturen geherrscht haben.<\/p>\n<p>Aus diesen Tatsachen ergibt sich ein Widerspruch der Treibhaus-Theorie zur Wirklichkeit. Wenn sich heute die Erde aufgrund von 0,04% Kohlendioxid erw\u00e4rmen soll, wie konnte sie sich dann abk\u00fchlen? Wenn unter fr\u00fcheren, wesentlich h\u00f6heren CO2-Konzentrationen und zus\u00e4tzlich wesentlich h\u00f6heren Temperaturen eine Abk\u00fchlung stattgefunden hat, wie soll dann heute unter niedrigeren Konzentrationen und niedrigeren Temperaturen eine Erw\u00e4rmung stattfinden? Nach dieser Theorie h\u00e4tte sich die Erde noch mehr aufheizen m\u00fcssen. Aber in der Wirklichkeit hat sie sich abgek\u00fchlt.<\/p>\n<p>Da steht die Theorie in den K\u00f6pfen im Widerspruch zu der Wirklichkeit au\u00dferhalb. Das l\u00e4sst sich auch nicht weg argumentieren. Das Argumentieren hat allerh\u00f6chstens dazu gef\u00fchrt, die Wirklichkeit zu ignorieren. Der Durchsetzung der eigenen Ansichten wurde der Vorrang einger\u00e4umt gegen\u00fcber dem Anspruch, die Wirklichkeit zu erkennen.<\/p>\n<p>Denn die Erde ist eine Kugel, auch wenn die Menschen sie f\u00fcr eine Scheibe hielten. Und Erw\u00e4rmung kann in der Wirklichkeit nicht stattfinden, wenn unter ung\u00fcnstigeren Bedingungen sogar Abk\u00fchlung eingetreten war.<\/p>\n<p><strong>Corona und die Wirklichkeit<\/strong><\/p>\n<p>Im Corona-Konflikt offenbart sich der Widerspruch zwischen Theorie und Wirklichkeit anders. Er verl\u00e4uft nicht zwischen den Ansichten und den Naturgesetzen. Die Klima-Aktivisten haben die Naturwissenschaften nicht bestritten. Sie haben sie ignoriert, wenn sie nicht die eigenen Ansichten best\u00e4tigen. Das ist im Streit um Corona anders.<\/p>\n<p>Die Theorien der Corona-Kritiker bestreiten, dass von dem Virus eine Gefahr ausgeht. Einige zweifeln sogar seine Existenz an. Diese Zweifel st\u00fctzen sie auf den Vergleich der heutigen Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Seuche mit jenen bei der Grippe-Epidemie vor drei Jahren.<\/p>\n<p>Damals waren allein in Deutschland circa 25.000 Tote zu beklagen, also wesentlich mehr als bei der aktuellen Corona-Epidemie. Zurecht stellt man fest, dass es aber trotz der wesentlich h\u00f6heren Opferzahlen damals nicht zu vergleichbaren Einschr\u00e4nkungen des \u00f6ffentlichen Lebens und der Grundrechte durch den Staat kam.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kann dieser Widerspruch nicht weg diskutiert werden, denn er existiert. Verst\u00e4rkend wirkt, dass bisher auch von staatlicher Seite nicht versucht, diesen Widerspruch aufzukl\u00e4ren. Aus diesem Grunde und weil bei vielen Menschen das Vertrauen in den Staat im Verlaufe der vergangenen Krisen ohnehin stark gelitten hat, n\u00e4hrt sein Verhalten in der aktuellen Krise das Misstrauen.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind nicht von der Hand zu weisen. In den Augen gro\u00dfer Teile der Bev\u00f6lkerung sind die Krisen der Vergangenheit durch Ma\u00dfnahmen gel\u00f6st worden, die die Reichen haben reicher werden lassen und die Armen \u00e4rmer und mehr. Dadurch erscheint der Staat immer mehr Menschen als Interessenvertreter der Reichen. Man betrachtet ihn als eine Einrichtung, die nicht dem Volk dient, sondern undurchsichtigen Kreisen und im Verborgenen wirkenden M\u00e4chten.<\/p>\n<p>Dieses Misstrauen schl\u00e4gt nun auch den Ma\u00dfnahmen zur Corona-Bek\u00e4mpfung entgegen. Aufgrund des Misstrauens gegen\u00fcber dem Staat vermuten deshalb viele hinter den ergriffenen Ma\u00dfnahmen andere Gr\u00fcnde als die vorgegebenen der Seuchenbek\u00e4mpfung und der Sorge um die Bev\u00f6lkerung. Sie glauben, dass es nicht um den Schutz der B\u00fcrger geht, sondern vielmehr um eine Ausweitung der Kontrolle \u00fcber die Menschen. Diese sollen noch leichter und besser in den Dienst jener Kreise gestellt werden, deren Wirken man im Hintergrund vermutet.<\/p>\n<p>Seither spielt sich die Diskussion auf dieser Ebene der vermuteten Hintergr\u00fcnde und Pl\u00e4ne ab, die da umgesetzt werden sollen. In diesem Zusammenhang sollen Theorien und Berechnungen beweisen, dass die Epidemie nicht so gef\u00e4hrlich ist, wie verlautet, dass sie vielleicht gar nicht existiert. Manche halten gar das Virus selbst nur f\u00fcr eine Erfindung eben jener Kreise, die im Hintergrund die F\u00e4den ziehen.<\/p>\n<p>Dabei wird aber \u00fcbersehen, dass das Virus in allen Teilen der Welt bek\u00e4mpft wird. Man ist also weltweit \u00fcbereinstimmend der Meinung, dass es existiert und eine Bedrohung darstellt. Es sind nicht nur die westlichen Staaten, die das Virus bek\u00e4mpfen und die als Keimzelle jener Kr\u00e4fte angesehen werden, die mittels der Epidemie ihre besonderen Interessen verwirklichen wollen.<\/p>\n<p>Mit China und Russland beteiligen sich auch solche Staaten an der Bek\u00e4mpfung der Pandemie, die sonst nicht im Ruf stehen, nach der Pfeife des Westens zu tanzen. Die geheimen Kr\u00e4fte, die man hinter dem Virus vermutet, k\u00f6nnen zwar in den westlichen Staaten ihr Unwesen treiben, aber sie haben in Russland und China keinen Einfluss. Trotzdem bek\u00e4mpfen aber auch diese Staaten das Virus.<\/p>\n<p><em>&nbsp;<\/em><strong>Politische Nebenwirkungen<\/strong><\/p>\n<p>Hier liegt der Kern des Widerspruchs in der Corona-Debatte. Was in den L\u00e4ndern des Westens geschieht, kann nicht mehr nur alleine als interne Ma\u00dfnahmen betrachtet werden. Der gr\u00f6\u00dfte Feind in diesen L\u00e4ndern ist nicht die eigene Bev\u00f6lkerung, die man immer st\u00e4rker zu kontrollieren versucht, wie solche Theorien glauben machen wollen.<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Feind f\u00fcr den Wertewesten befindet sich nicht im Inneren, sondern au\u00dferhalb der L\u00e4nder des Wertewestens, in China. Bereits im M\u00e4rz 2019 hatte die EU das Land von einem wirtschaftlichen Konkurrenten zu einem strategischen Widersacher und Systemrivalen hochgestuft. Aus der bisher wirtschaftlichen Konkurrenz war politische geworden, eine Konkurrenz der Systeme.<\/p>\n<p>In diesen Kampf gegen das politische System in China wurden alle Themen aufgenommen, mit denen man glaubte, China diskreditieren zu k\u00f6nnen: die Lage der Uiguren, die Auseinandersetzungen in Hongkong, die Bedrohung der westlichen Demokratien durch die vorgebliche Spionage von Huawei, die Einflussnahme chinesischer Medien und Vertreter auf die \u00d6ffentlichkeit im Westen. (1)<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang sollte auch die Bek\u00e4mpfung des Virus zu einem Nachweis f\u00fcr die \u00dcberlegenheit der freiheitlichen Demokratien im Westen werden gegen\u00fcber dem autorit\u00e4ren System eines China, das durch die Politik einer kommunistischen Partei gepr\u00e4gt ist. Das Virus ist nicht nur ein Virus. Es ist zu einer politischen Waffe geworden im Kampf des Westens gegen China. Damit aber wurde ohne Not ein \u201eunverf\u00e4ngliches\u201c Virus zu einer Legitimationsfrage f\u00fcr ein politisches System aufgebauscht.<\/p>\n<p>Und dieser Schuss ging nach hinten los. Denn China gelang es schneller als dem Westen, das Virus einzud\u00e4mmen und weitgehend unter Kontrolle zu bringen. Das geschah unter ungeheuren Opfern f\u00fcr die Wirtschaft, aber auch f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung. Jedoch im Gegensatz zum Westen hatten die Menschen in China weitgehend Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Ma\u00dfnahmen und trugen sie mit.<\/p>\n<p>Noch Ende Januar 2020 war Gesundheitsminister Jens Spahn davon \u00fcberzeugt, \u201edass der Krankheitsverlauf beim Coronavirus milder sei als etwa bei einer Grippe\u201c. (2) Als es aber dann hierzulande doch heftiger w\u00fctete, als man erwartet hatte, sah man sich zu \u00e4hnlichen Ma\u00dfnahmen gezwungen wie die Chinesen. Wie h\u00e4tte man sonst der deutschen Bev\u00f6lkerung erkl\u00e4ren sollen, dass ein sogenannter Unrechtsstaat mehr Anstrengungen zum Schutze der eigenen Bev\u00f6lkerung unternimmt als der Wertewesten? (3)<\/p>\n<p>Man stand vor der Alternative, dieselben Ma\u00dfnahmen zu ergreifen wie China oder aber einen marktorientierten Weg zu gehen, wie ihn die USA beschritten, wo der Gesundheit der Wirtschaft Vorrang einger\u00e4umt wird vor dem Wohlergehen der Menschen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache \u00fcber die Wirkung der beiden unterschiedlichen Vorgehensweisen, der chinesischen und der amerikanischen, in der Bek\u00e4mpfung der Seuche.<\/p>\n<p>Wollte man in der Konkurrenz mit China nicht nur auf dem Feld von Wirtschaft, Wissenschaft und Technik zur\u00fcckfallen, sondern nicht auch noch in der Frage der Volksgesundheit und der Legitimation des Gesellschaftssystems, kam man um diese Ma\u00dfnahmen nicht herum. Das ist der Hintergrund des Widerspruchs, den die Regierungen des Wertewestens nicht in die \u00d6ffentlichkeit bringen wollten. Aber er offenbart sich im Totschweigen der chinesischen Erfolge in der Seuchenbek\u00e4mpfung.<\/p>\n<p>Bei allem Zweifeln an der Existenz des Virus und seiner Gef\u00e4hrlichkeit darf ein grundlegender Widerspruch zwischen diesen Vermutungen und der Wirklichkeit im Kapitalismus nicht ignoriert werden: Alle diese Theorien \u00fcber etwaige hinterh\u00e4ltige Absichten der Herrschenden stehen im Widerspruch zu ihren wirtschaftlichen Interessen. Ihnen als Besitzer der Unternehmen oder als Investoren d\u00fcrfte es ganz und gar nicht gepasst haben, dass die Wirtschaft in weiten Teilen lahm gelegt wurde.<\/p>\n<p>Die Herrschenden wollen Gewinne erwirtschaften. Sie wollen ihr investiertes Kapital verzinsen. Das steht f\u00fcr sie an oberster Stelle. Denn das ist die Quelle ihrer Macht, \u00fcber die sie in der Gesellschaft verf\u00fcgen. Aber da k\u00f6nnen sie keinen Lockdown gebrauchen, der ihre Unternehmen \u00fcber Wochen lahm legt, ihre Gewinne pulverisiert und am Ende vielleicht sogar noch ihr investiertes Kapital vernichtet. Ob das Teil des Plans war, muss bezweifelt werden. Da steht die Theorie im Widerspruch zur Wirklichkeit.<\/p>\n<p>1 siehe dazu: <a href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2020\/03\/29\/vorteil-china\/\">R\u00fcdiger Rauls: Vorteil China<\/a><\/p>\n<p>2 <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Spahn-sieht-Deutschland-gut-gewappnet-article21536864.html\">https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Spahn-sieht-Deutschland-gut-gewappnet-article21536864.html<\/a><\/p>\n<p>3 siehe dazu: <a href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2020\/04\/22\/keine-feigheit-vor-dem-virus\/\">R\u00fcdiger Rauls: Keine Feigheit vor dem Virus!<\/a><\/p>\n<p><strong>&nbsp;R\u00fcdiger Rauls Buchver\u00f6ffentlichungen:<\/strong>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Wie funktioniert Geld?&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B013RWL1TQ\">Buchbeschreibung<\/a><\/li>\n<li>Krieg um Syrien <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/1697260446\">Buchbeschreibung<\/a><\/li>\n<li>Kolonie Konzern Krieg &#8211; Stationen kapitalistischer Entwicklung&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B01MG6AL4K\">Buchbeschreibung<\/a><\/li>\n<li>Zukunft Sozialismus oder die Grenzen des Kapitalismus&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B01LY0AGOG\">Buchbeschreibung<\/a><\/li>\n<li>Die Entwicklung der fr\u00fchen Gesellschaften-Die Geschichte Afghanistans&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B00VAVPMO2\">Buchbeschreibung<\/a><\/li>\n<li>Was braucht mein Kind?&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B00FEC6X3M\">Buchbeschreibung<\/a><\/li>\n<li>Sp\u00e4te Wahrheit (Prosa)&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B00CQLYOS0\">Buchbeschreibung<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Herausgeber von:<\/p>\n<ul>\n<li>Imre Szabo: Die Hinterm\u00e4nner ( ein politischer Krimi) <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B00BAYM1ZM\">Buchbeschreibung<\/a><\/li>\n<li>Imre Szabo: Die Unsichtbaren ( ein politischer Krimi)<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/1539064301\"> Buchbeschreibung<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<div style=\"float: left; margin-top: 20px; text-align: left;\"><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_5709 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_5709')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_5709').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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