{"id":5886,"date":"2020-10-03T09:20:39","date_gmt":"2020-10-03T08:20:39","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=5886"},"modified":"2020-10-07T12:46:34","modified_gmt":"2020-10-07T11:46:34","slug":"das-israelisch-arabische-komplott","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/das-israelisch-arabische-komplott\/","title":{"rendered":"Das israelisch-arabische Komplott\u00a0"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein Beitrag von R\u00fcdiger Rauls<\/em><\/p>\n<p>Die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrein haben ihre Beziehungen zu Israel normalisiert. Was treibt diese Staaten dazu, mit dem einstmals gemeinsamen Feind der Araber gemeinsame Sache zu machen?<\/p>\n<p><strong>K\u00fchne Pl\u00e4ne<\/strong><\/p>\n<p>Auf den ersten Blick scheint es keine gro\u00dfe Bedeutung zu haben, dass am 31.8.2020 erstmals ein offizieller Flug von Tel Aviv in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) startete. Aber angesichts der hochempfindlichen politischen Verh\u00e4ltnisse zwischen der arabischen Welt und dem langj\u00e4hrigen Erzfeind Israel deuten solche unscheinbaren Meldungen oftmals auf neue Entwicklungen hin.<\/p>\n<p>Die eigentlich viel gr\u00f6\u00dfere Sensation war jedoch, dass die Saudis einer offiziellen israelischen Maschine den eigenen Luftraum f\u00fcr diesen \u00dcberflug \u00f6ffneten. Wissend um die Sensibilit\u00e4t in der arabischen Welt im Falle von Zugest\u00e4ndnissen gegen\u00fcber Israel und den USA, beeilte sich Riad sofort darauf hinzuweisen, \u201ean der saudischen Haltung zu Pal\u00e4stina habe sich nichts ge\u00e4ndert\u201c. (1)<\/p>\n<p>Vollmundig dagegen sprach Israels Pr\u00e4sident Netanjahu von einer \u201eneuen \u00c4ra in den Beziehungen zwischen Israel und der arabischen Welt und \u2026 es werde weitere arabische und islamische Staaten geben, die sich dem Friedenskreis mit uns anschlie\u00dfen\u201c. (2) Ob sich da neue Entwicklungen andeuten zwischen Teilen der arabischen Welt und Israel, wird die Zukunft zeigen.<\/p>\n<p>Wie aus den Worten von Jared Kushner, Berater und Schwiegersohn von Donald Trump, zu entnehmen ist, scheint Gr\u00f6\u00dferes im Schwange zu sein. \u201eWir hoffen, dass es der Beginn einer noch historischeren Reise f\u00fcr den Nahen Osten und dar\u00fcber hinaus ist\u201c. (3) Wenige Tage sp\u00e4ter normalisierte auch Bahrein seine diplomatischen Beziehungen zu Israel. An Trumps euphorischen Kommentaren auf Twitter ist zu erkennen, dass dieses sogenannte Abraham-Abkommen ganz wesentlich die Handschrift Washingtons tr\u00e4gt.<\/p>\n<p><strong>Harte Landung<\/strong><\/p>\n<p>Bereits im Jahre 2017 hatte Trump schon einmal versucht, eine Allianz zu schmieden zwischen Saudi-Arabien und Israel. (4) Trump ist Gesch\u00e4ftsmann, kein Politiker. Er denkt nicht politisch, sondern wirtschaftlich. Ihm geht es in erster Linie darum, die hohen Kosten der teuren Kriege f\u00fcr die USA zu reduzieren.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDas damals angestrebt B\u00fcndnis sollte einerseits den arabischen \u201eFreunden\u201c und Verb\u00fcndeten die finanziellen Lasten der amerikanischen Kriege im Nahen Osten aufb\u00fcrden. Sie sollten die Suppe ausl\u00f6ffeln, die sich amerikanische \u00dcberheblichkeit eingebrockt hatte in dem Glauben, nach dem Zerfall der Sowjetunion den Nahen Osten nach westlichen Idealen und Interessen neu ordnen zu k\u00f6nnen. Andererseits w\u00fcrden die USA als lachender Dritter die Waffen liefern und pr\u00e4chtig daran verdienen, so das Trump&#8217;sche Gesch\u00e4ftsmodell.<\/p>\n<p>Die politischen Aufgaben sollten zuverl\u00e4ssige Staaten wie Saudi-Arabien, Bahrein und die VAE, vielleicht Jordanien und m\u00f6glichst aber auch \u00c4gypten als Truppensteller mit der Hilfe Israels \u00fcbernehmen. Diesen war mit dem Westen gemeinsam das Interesse, den Einfluss des Iran zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Dar\u00fcber hinaus ging es den arabischen Partner auch darum, die Bedrohung der eigenen Gesellschaften durch den zunehmenden Einfluss der Muslimbr\u00fcder oder aber auch dschihadistischer Gruppen in den Griff zu bekommen.<\/p>\n<p>Dieser erste Versuch einer arabisch-israelischen Allianz war fehlgeschlagen. Saudi-Arabien, das sich als Kern dieser neuen US-Pl\u00e4ne verstanden und sich amerikanischer Unterst\u00fctzung sicher gef\u00fchlt hatte, begab sich hastig, vielleicht \u00fcberhastet an die Umsetzung. Mit dem Aufbau einer \u201eArabischen Koalition\u201c, zu deren Beitritt auch Qatar hatte gezwungen werden sollen, sollten die arabischen Reihen gegen den Iran geschlossen werden.<\/p>\n<p>Aber der Schuss ging nach hinten los. Saudi-Arabien, das mit dem Krieg im Jemen schon v\u00f6llig \u00fcberfordert war, war dieser Rolle, die ihm von den USA zugedacht worden war, nicht gewachsen. Danach war der Nahe Osten aufgrund amerikanischer Baupl\u00e4ne um ein politisches Tr\u00fcmmerfeld reicher. (5) Der Iran ging gest\u00e4rkt aus der Auseinandersetzung hervor. Die Spannungen in der Region hatten sich erh\u00f6ht, weil auch die T\u00fcrkei sich eingemischt und gegen die USA auf die Seite von Qatar gestellt hatte.<\/p>\n<p><strong>Tr\u00fcgerische Ideale<\/strong><\/p>\n<p>Auch in der damaligen Allianz hatte Israel eine Rolle im Hintergrund spielen sollen. Was aber treibt die Emirate am Golf zusammen mit Saudi-Arabien in die Arme Israels und der USA? Beide sind nicht beliebt in der islamischen Welt, und wer sich mit ihnen einl\u00e4sst, muss mit mit Unfrieden im eigenen Land rechnen, eventuell auch mit Ablehnung durch andere Staaten in der arabischen Welt. Der Grat ist schmal, auf dem diese Herrscher balancieren, und trotzdem wagen sie sich auf dieses schwankende Seil.<\/p>\n<p>Das hatte schon der \u00e4gyptische Pr\u00e4sident Sadat erfahren m\u00fcssen, als er 1979 mit Israel einen Separatfrieden schloss und damit aus der Ablehnungs-Front der arabischen Staaten ausscherte. \u00c4gypten wurde f\u00fcr zehn Jahre aus der Arabischen Liga ausgeschlossen. Sadat selbst fiel einem Attentat zum Opfer. Mittlerweile ist die Ablehnungs-Front gegen\u00fcber Israel auseinandergefallen. \u201eDer Nahost-Konflikt hat \u2026 nicht mehr die zentrale Stellung, die er f\u00fcr die arabische und muslimische Volksseele einmal besa\u00df\u201c. (6)<\/p>\n<p>Die Vorstellung einer gemeinsamen arabischen Nation, die zeitweilig sogar in einer Verschmelzung von \u00c4gypten und Libyen zu einem gemeinsamen Staat m\u00fcndete, verdeckte die inneren Widerspr\u00fcche der arabischen Wirklichkeit. Die Vorstellung von einer gemeinsamen arabischen Nation, basierend auf einer gemeinsamen arabischen Geschichte, Kultur, Sprache und Werten, ist ebenso idealistisch wie der Glaube an westliche Werte als Grundlage der westlichen Gesellschaften.<\/p>\n<p>Ideale muss man sich leisten k\u00f6nnen. Sie sind der Luxus der satten Gesellschaften und gesellschaftlichen Gruppen. In den meisten F\u00e4llen schaffen sie keine neue Wirklichkeit, sondern verwirren nur die Sicht auf die aktuelle. Idealismus schafft eher Probleme, als sie zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p><strong>Ideale machen nicht satt<\/strong><\/p>\n<p>Der gemeinsame Kampf arabischer Staaten gegen den gemeinsamen Feind Israel konnte die inneren Widerspr\u00fcche der arabischen Gesellschaften nur vor\u00fcbergehend \u00fcberdecken. L\u00e4nder wie \u00c4gypten, die nicht mit gro\u00dfem \u00d6lreichtum gesegnet sind, aber mit einer gro\u00dfen Bev\u00f6lkerung, die ern\u00e4hrt sein will, standen vor anderen Problemen als reiche \u00d6l-Staaten wie Saudi-Arabien, Libyen oder die vielen kleinen Emirate am Golf mit ihrer relativ geringen Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>Letztere konnten das eigene Volk an dem Reichtum teilhaben lassen und boten ihm durch umfangreiche soziale Leistungen ein recht sorgenfreies Leben. Dieser Umstand lie\u00df die meisten B\u00fcrger dieser Staaten \u00fcber den Mangel an b\u00fcrgerlichen Freiheiten hinwegsehen. Dort wo die Lebensgrundlagen gesichert sind, sind auch die gesellschaftlichen Probleme geringer. Dagegen mussten Staaten wie \u00c4gypten, Libanon, Jemen und Jordanien f\u00fcr ihre schnell wachsende Bev\u00f6lkerungen Lebensgrundlagen ohne \u00d6lquellen schaffen.<\/p>\n<p>Dass die b\u00fcrgerlichen Freiheiten in all den \u00f6lreichen Staaten auf der arabischen Halbinsel gering vertreten waren, lag daran, dass in ihnen ein B\u00fcrgertum, wie man es aus der Entwicklung Europas kannte, kaum existierte. Diese Staaten waren keine b\u00fcrgerlichen, sondern Feudalstaaten. Sie waren durch die \u00d6lf\u00f6rderung und deren Reichtum innerhalb k\u00fcrzester Zeit auf eine neue wirtschaftliche Stufe katapultiert worden, der die innere Entwicklung der Gesellschaft hinterherhinkte.<\/p>\n<p>Die Landwirtschaft als Grundlage des Feudalismus hatte ihre Bedeutung f\u00fcr das Leben in diesen Gesellschaften verloren und war durch die \u00d6lwirtschaft als Haupteinnahmequelle abgel\u00f6st worden. Dennoch war die staatliche Verfasstheit dieser Gesellschaften weiterhin feudalistisch. Der Adel als herrschende Klasse war nicht abgel\u00f6st worden. Er regierte weiterhin und bestimmte die politische Agenda der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Die Verfassung der VAE l\u00e4sst ein Mitspracherecht der B\u00fcrger nach dem Muster der modernen westlichen Gesellschaften kaum zu. \u201eDie Verfassung von 1971 untersagt &#8230; jegliche Organisationsform und politische Gruppenbildung; sie sieht keine Parteien vor und keine Gewerkschaften\u201c. (7) Das st\u00f6rt aber die Kr\u00e4fte im Wertewesten nicht, die die VAE hofieren, aber in Hongkong und Wei\u00dfrussland vorgeben, sich f\u00fcr Menschen- und B\u00fcrgerrechte einzusetzen.<\/p>\n<p>Diese alten Verh\u00e4ltnisse in den arabischen Feudalstaaten wurden 1979 durch die islamische Revolution im Iran ersch\u00fcttert. Mit dem Sturz des Schah erkannten die Herrscher der Monarchien am Golf eine Zukunft, die auch ihnen bevorstehen konnte. Wenn der Geldsegen aus dem \u00d6lgesch\u00e4ft einmal versiegen sollte, war damit zu rechnen, dass sich auch in ihrem Herrschaftsbereich die B\u00fcrger nicht mehr zufrieden geben w\u00fcrden mit ihrer Rolle als gut versorgte Unm\u00fcndige.<\/p>\n<p><strong>Alternativlose Moderne<\/strong><\/p>\n<p>Bis zum Beginn des Arabischen Fr\u00fchlings sind die feudalistischen \u00d6lmonarchien politisch kaum in Erscheinung getreten. Man versuchte, fremde Einfl\u00fcsse vor den eigenen Landesgrenzen zu lassen, notfalls mit Gewalt und politischer Unterdr\u00fcckung. Bis heute noch ist Saudi-Arabien f\u00fcr westlichen Tourismus weitgehend verschlossen.<\/p>\n<p>Das hatte gute Gr\u00fcnde. Hatte das \u00d6l den Monarchien im Nahen Osten Reichtum gebracht, so hatte die wirtschaftliche Entwicklung, die mit ihm verbunden war, andererseits auch gezeigt, dass der Adel gesellschaftlich \u00fcberfl\u00fcssig geworden war. Wo das \u00d6l bestimmt, das Arbeiter aus dem Boden holen, da werden keine Grundbesitzer mehr gebraucht, die von abh\u00e4ngigen Bauern leben, denen sie Weide-, Ackerland und Wasserrechte verpachten. Das sind volkswirtschaftliche Peanuts gegen\u00fcber der Bedeutung der \u00d6lwirtschaft.<\/p>\n<p>Diesen Bedeutungsverlust ihrer gesellschaftlichen Stellung hatten nach dem zweiten Weltkrieg bereits die Monarchen \u00c4gyptens, Libyens und anderer arabischer Staaten erfahren m\u00fcssen, die von Volksbewegungen oder Milit\u00e4rcoups davongejagt worden waren. Die Massenproteste des Jahres 1979 im Iran hatten der feudalistischen arabischen F\u00fchrungsschicht gezeigt, wie schwach ihre gesellschaftliche Stellung in modernen Gesellschaften geworden war. Der Schah hatte weder vom Milit\u00e4r noch von den USA gehalten werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die verbliebenen Monarchien igelten sich ein, verhielten sich ruhig und versuchten, in der arabischen Welt kein Stein des Ansto\u00dfes zu sein. Der Reichtum aus der \u00d6lf\u00f6rderung, aber auch ihr Unterdr\u00fcckungsapparat sch\u00fctzte sie nach innen, die Milit\u00e4rmacht USA nach au\u00dfen. Dennoch wurde immer deutlicher, dass auf Dauer Wege gefunden werden mussten, um die Gesellschaften den ver\u00e4nderten Bedingungen anzupassen, ohne dabei den eigenen Machtanspruch zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p>Wollte man sich aus der Abh\u00e4ngigkeit vom \u00d6l l\u00f6sen, mussten andere wirtschaftliche Grundlagen geschaffen werden, um die Lebensgrundlagen der Gesellschaft zu gew\u00e4hrleisten. Feudalistische Landwirtschaft konnte diese Aufgabe nicht mehr erf\u00fcllen. Das ging aber nur durch den Aufbau moderner Wirtschaftsformen wie einer eigenen Industrie. Deshalb sind auch gerade in den feudalistischen \u00d6lstaaten am Golf die umfangreichsten Modernisierungsanstrengungen in der Region zu beobachten.<\/p>\n<p>Industrie jedoch braucht gebildete, selbst\u00e4ndig handelnde Menschen, die eigenverantwortliche Entscheidungen treffen k\u00f6nnen und d\u00fcrfen. Obrigkeitsh\u00f6rige Untertanen sind f\u00fcr solche Aufgaben nicht geeignet. Damit stie\u00df die wirtschaftliche Notwendigkeit an die Grenzen der politisch-gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse und f\u00fchrte die Monarchen am Golf in ein immer gr\u00f6\u00dferes Dilemma: Entwicklung einer modernen Wirtschaft unter gleichzeitiger Beibehaltung \u00fcberkommener gesellschaftlicher Strukturen.<\/p>\n<p><strong>Der Fr\u00fchling kommt<\/strong><\/p>\n<p>Aber sie hatten Gl\u00fcck. Der Fr\u00fchling nahte, der Arabische Fr\u00fchling. Der bedrohte aber gerade nicht die feudalistischen Gesellschaften am Golf sondern in erster Linie die der moderneren s\u00e4kularen Staaten der arabischen Welt: Tunesien, \u00c4gypten, Libyen und Syrien. Das b\u00fcrgerliche, intellektuelle Milieu der St\u00e4dte und seine westlich orientierte Jugend, die trotz guter Ausbildung vergeblich nach Arbeit suchte, erhoben sich gegen Perspektivlosigkeit und politische Einschr\u00e4nkungen.<\/p>\n<p>Wenn auch diese moderne Jugend in den St\u00e4dten rebellierte, die Kraft, die letztlich zum Sturz von Mubarak in \u00c4gypten f\u00fchrte, kam vom Lande. Der \u201eMarsch der Millionen\u201c f\u00fchrte am 1.2.2011 Hunderttausende von Verarmten aus den l\u00e4ndlichen Gebieten nach Kairo. Das Milit\u00e4r, das weitgehend auch aus den einfachen Menschen vom Lande bestand, solidarisierte sich mit ihnen. Es schoss nicht auf Seinesgleichen.<\/p>\n<p>Als dann auch noch der Westen signalisierte, dass ein Machtwechsel n\u00f6tig war, um die Macht zu sichern, trat die Person Mubarak zur\u00fcck, um das System Mubarak zu erhalten. Gewinner dieser Auseinandersetzung war eine Kraft, die bisher weitgehend unbekannt war im Westen: die Muslim-Bruderschaft.<\/p>\n<p>In ihr hatten sich gro\u00dfe Teile besonders der verarmten Bev\u00f6lkerung organisiert, um die gesellschaftlichen Aufgaben zu erf\u00fcllen, die der Staat zu erf\u00fcllen nicht in der Lage war. Wie gro\u00df ihr Einfluss unter der Oberfl\u00e4che der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung geworden war, zeigte sich sp\u00e4ter bei den Wahlen in \u00c4gypten, die den Kandidaten der Muslim-Br\u00fcder, Mursi, an die Macht brachten.<\/p>\n<p>Wenn auch die Wahlen nach westlichen Standards abgehalten worden waren, hatte der Wertewesten au\u00dfer einigen lauwarmen Protesten keine Probleme damit, dass Mursi durch einen Milit\u00e4rcoups gest\u00fcrzt und General al Sisi zum neuen Herrscher \u00c4gyptens ernannt wurde. Der Westen beschr\u00e4nkte sich auf Ermahnungen zur Einhaltung der Menschenrechte, was aber al Sisi wenig beeindruckte und kaum Konsequenzen nach sich zog. Es handelte sich ja auch nicht um China, Russland oder Wei\u00dfrussland.<\/p>\n<p><strong>Aufgeschreckte Monarchen<\/strong><\/p>\n<p>\u201eMit ihren Petrodollars und ihren Medien waren sie (VEA) die entscheidende Kraft zum Sturz Mursis und der Einsetzung von Pr\u00e4sident Abd al Fattah al Sisi. Von da an mischten sie auch in Libyen, Somalia und im Jemen mit\u201c. (8)<\/p>\n<p>In der Sicht der Monarchen der arabischen Halbinsel sind die Muslim-Br\u00fcder und \u00e4hnliche Bewegungen die gr\u00f6\u00dfte Gefahr, der sich gegen\u00fcbersehen. So \u201everfolgt kein anderes Land auf der Arabischen Halbinsel die Muslimbruderschaft so schonungslos wie die Vereinigten Arabischen Emirate\u201c. (9) Hier zeigt sich eine gesellschaftliche Kraft, der sie wenig entgegensetzen k\u00f6nnen. Anders als das prowestliche Milieu der St\u00e4dte waren die Muslim-Br\u00fcder enger mit der einfachen Bev\u00f6lkerung verbunden, weil sie sich zu ihren gemeinsamen islamischen Wurzeln bekannten.<\/p>\n<p>Wenn sich beide, Muslimbr\u00fcder und die Herrscher der arabischen Monarchien, auch als Moslems verstehen, so ist die Deutung der gemeinsamen Religion doch unterschiedlich. St\u00fctzen sich die einen auf den Islam als Grundlage ihrer Herrschaft, so fordern die anderen einen Gottesstaat, in dem unter einem gemeinsamen Gott gerechtere Verh\u00e4ltnisse f\u00fcr alle Gl\u00e4ubigen herrschen sollen. Darin gleichen sie den Anh\u00e4ngern Luthers und sp\u00e4ter den Bauern des 16. Jahrhunderts im deutschen Reich, deren Erhebung auch zu einem gerechteren Gottesstaat und der Abschaffung monarchischer Willk\u00fcr f\u00fchren sollte.<\/p>\n<p>Wenn auch der Einfluss der Muslimbruderschaft f\u00fcrs erste einged\u00e4mmt zu sein scheint, so sind es solche Kr\u00e4fte und Volksbewegungen, in denen die Monarchen der arabischen Halbinsel ihre Herrschaft bedroht sehen. \u201eEine \u00e4hnliche Sicht auf die Bedrohung Irans und gemeinsame Abneigung gegen die islamistische Muslimbruderschaft und ihre politischen Unterst\u00fctzer herrschen zwischen Israel, Bahrein und den Emiraten seit Jahrzehnten.\u201c (10)<\/p>\n<p>Nationales Wir-Gef\u00fchl endet dort, wo Herrschaft ernsthaft bedroht ist durch Teile des eigenen Volkes. Diese Bedrohung der Herrschaft durch das eigene Volk f\u00fchrte im Bahrein des Jahres 2011 dazu, dass der Emir von Bahrein w\u00e4hrend des arabischen Fr\u00fchlings saudische Truppen ins Land rief, um seine Herrschaft aufrecht zu erhalten.<\/p>\n<p>In Bahrein wurden keine Islamisten zusammengeschossen, sondern B\u00fcrger, die f\u00fcr westliche Werte eintraten. Die USA als selbsternannte Verteidiger der Menschenrechte, die einen St\u00fctzpunkt in Bahrein unterhalten, sahen tatenlos zu. Es diente ihren Interessen an stabilen Verh\u00e4ltnissen in der Region. Da darf dann auch mal ein befreundeter Diktator Krieg f\u00fchren gegen das eigene Volk und dazu sogar fremde Truppen ins Land rufen, wenn die eigenen es nicht mehr schaffen.<\/p>\n<p><strong>Hilflose Gegenschl\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p>Um \u00c4hnliches f\u00fcr die Zukunft zu verhindern, haben besonders die monarchistischen Kr\u00e4fte der Region nun politisch und milit\u00e4risch die Initiative ergriffen. Die s\u00e4kularen Staaten wie \u00c4gypten, Syrien, Irak, Tunesien, Libanon und Algerien sind durch die inneren Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre nicht mehr in der Lage, die Lage im Nahen Osten zu stabilisieren.<\/p>\n<p>Die USA in der \u00dcberheblichkeit ihrer westlichen Werteorientierung und Unf\u00e4higkeit zu realistischer Lageeinsch\u00e4tzung haben gerade solche Staaten wie Irak, Syrien und Libyen selbst zerst\u00f6rt und zu zus\u00e4tzlichen Unsicherheitsfaktoren werden lassen. Die T\u00fcrkei haben sie ins Lager der Gegner des Wertewestens getrieben. Nur Israel bleibt weiterhin eine zuverl\u00e4ssige Ordnungsmacht, die sich aber aus den innerarabischen Wirren weitgehend heraush\u00e4lt.<\/p>\n<p>Nun sollen die arabischen Monarchien diese Sicherheitsfunktionen \u00fcbernehmen sowohl im eigenen Interesse als auch im westlichen. Saudi-Arabien will dem Iran die Stirn bieten, wobei der Machtzuwachs des Iran sich mehr aus den Fehlern der amerikanischen Politik im Nahen Osten erkl\u00e4ren l\u00e4sst als aus iranischen Hegemonie-Bestrebungen. Die VAE r\u00fcsteten die eigene Armee auf und modernisierten sie mithilfe des australischen Elitesoldaten Michael Hindmarsh. (11)<\/p>\n<p>Sie unterst\u00fctzen in erster Linie Staaten und Kr\u00e4fte, die Bewegungen wie die Muslim-Bruderschaften oder andere religi\u00f6s definierte Kr\u00e4fte bek\u00e4mpfen. Dazu standen sie an der Seite von General Haftar und \u00c4gyptens al Sisi, um die Islamisten in Libyen zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Die VAE&nbsp; bek\u00e4mpften zusammen mit Saudi-Arabien die Houthi-Rebellen im Jemen, wobei sie zeitweilig auch noch von anderen Golf-Emiraten unterst\u00fctzt wurden.<\/p>\n<p>Aber gerade dort mussten sie bald auch die Grenzen ihrer eigenen F\u00e4higkeiten in der Kriegsf\u00fchrung erkennen. Angesichts der ausbleibenden Erfolge in der Aufstandsbek\u00e4mpfung zogen sich die VAE 2019 aus dem gemeinsamen Kampf mit Saudi-Arabien zur\u00fcck. Aber auch die Saudis k\u00f6nnen den vergleichsweise schwachen Gegner im Jemen nicht besiegen. Zudem erh\u00f6ht der gefallene \u00d6lpreis die Schwierigkeiten im eigenen Land.<\/p>\n<p>Was also bleibt den alten Monarchien? Aufgeben und darauf warten, dass sie von der Geschichte davon gefegt werden wie all die anderen blaubl\u00fctigen Br\u00fcder und Schwestern in Europa und \u00fcberall auf der Welt, die die gesellschaftliche Entwicklung \u00fcberfl\u00fcssig gemacht hatte? Oder Frieden schlie\u00dfen mit dem alten Feind Israel, damit dieser ihnen aus der Patsche hilft gegen das eigene Volk und die heraufziehenden St\u00fcrme, die sich besonders in der Sahelzone (12) schon andeuten?<\/p>\n<p>Man hat sich offensichtlich f\u00fcr den zweiten Weg entschieden. Dazu hat man in Israel einen geeigneten Bundesgenossen gefunden mit \u00e4hnlichen Interessen, einem starken Milit\u00e4r und einer stabilen Gesellschaft, in der \u00e4hnliche Verwerfungen wie in den arabischen Staaten vorerst nicht zu erwarten sind. Dabei stehen ihnen die Demokratien des Wertewestens zur Seite. Ihm sind dann doch \u00fcberkommene r\u00fcckst\u00e4ndige Monarchen lieber als unkalkulierbare Bewegungen in V\u00f6lkern und Gesellschaften.<\/p>\n<p>(1) Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 3.9.2020: Riad erlaubt \u00dcberfl\u00fcge<br \/>\n(2) FAZ vom 15.8.2020: Die historische Dimension einer pragmatischen Kooperation<br \/>\n(3) FAZ vom 1.9.2020: Drei Stunden f\u00fcr eine historische Reise<br \/>\n(4) Siehe dazu: R\u00fcdiger Rauls <a href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2017\/05\/26\/trump-setzt-neue-massstaebe\/\">trump-setzt-neue-massstaebe<\/a><br \/>\n(5) Siehe dazu: R\u00fcdiger Rauls <a href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2017\/06\/08\/paukenschlag-im-nahen-osten\/\">Paukenschlag im Nahen Osten<\/a>&nbsp; <a href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2017\/06\/28\/katar-die-buechse-der-pandora\/\">Katar &#8211; die B\u00fcchse der Pandora<\/a>&nbsp; <a href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2017\/07\/03\/planlos-in-katar\/\">Planlos in Katar<\/a>&nbsp; <a href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2017\/07\/13\/katar-die-naechste-niederlage-der-usa\/\">Katar &#8211; die n\u00e4chste Niederlage der USA<\/a>&nbsp; <a href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2017\/07\/20\/katar-saudis-unter-druck\/\">Katar &#8211; Saudis unter Druck<\/a><br \/>\n(6) FAZ vom 28.8.2020: Frieden mit dem alten Erzfeind?<br \/>\n(7) FAZ vom 15.12.2012: Sorgen am Golf<br \/>\n(8) FAZ vom 26.8.2020: Die Macht am Golf<br \/>\n(9) FAZ vom 17.2.2020: Erd\u00f6l und Gestaltungswille<br \/>\n(10) FAZ vom 14.9.2020: An der Hand Washingtons<br \/>\n(11) FAZ vom 26.8.2020: Die Macht am Golf<br \/>\n(12) Siehe dazu: R\u00fcdiger Rauls <a href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2020\/09\/17\/menetekel-mali\/\">Menetekel Mali<\/a><\/p>\n<p>R\u00fcdiger Rauls Buchver\u00f6ffentlichungen:<\/p>\n<p>Krieg um Syrien <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/1697260446\">Buchbeschreibung<\/a><br \/>\nWie funktioniert Geld?&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B013RWL1TQ\">Buchbeschreibung<\/a><br \/>\nKolonie Konzern Krieg &#8211; Stationen kapitalistischer Entwicklung&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B01MG6AL4K\">Buchbeschreibung<\/a><br \/>\nZukunft Sozialismus oder die Grenzen des Kapitalismus&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B01LY0AGOG\">Buchbeschreibung<\/a><br \/>\nDie Entwicklung der fr\u00fchen Gesellschaften-Die Geschichte Afghanistans&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B00VAVPMO2\">Buchbeschreibung<\/a><br \/>\nWas braucht mein Kind?&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B00FEC6X3M\">Buchbeschreibung<\/a><br \/>\nSp\u00e4te Wahrheit (Prosa)&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B00CQLYOS0\">Buchbeschreibung<\/a><\/p>\n<p>Herausgeber von:<\/p>\n<p>Imre Szabo: Die Hinterm\u00e4nner ( ein politischer Krimi) <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B00BAYM1ZM\">Buchbeschreibung<\/a><br \/>\nImre Szabo: Die Unsichtbaren ( ein politischer Krimi)<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/1539064301\"> Buchbeschreibung<\/a><\/p>\n<div style=\"float: left; margin-top: 20px; text-align: left;\"><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_5886 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_5886')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_5886').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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