{"id":5916,"date":"2020-10-18T13:28:03","date_gmt":"2020-10-18T12:28:03","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=5916"},"modified":"2020-10-23T17:36:21","modified_gmt":"2020-10-23T16:36:21","slug":"venezuela-wahlbetrug-mit-ansage","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/venezuela-wahlbetrug-mit-ansage\/","title":{"rendered":"Venezuela &#8211; Wahlbetrug mit Ansage"},"content":{"rendered":"<p><strong>Am 6. Dezember dieses Jahrs wird in Venezuela ein neues Parlament gew\u00e4hlt. Das Ergebnis dieser Wahl steht f\u00fcr den Wertewesten bereits fest.<\/strong><\/p>\n<p><em>Ein Beitrag von R\u00fcdiger Rauls<\/em><\/p>\n<p><strong>Wunschdenken und Wirklichkeit<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der Versuch von Juan Guaid\u00f3, mit westlicher Unterst\u00fctzung eine Farbenrevolution in Venezuela anzuzetteln, war 2019 gescheitert. Seinen gro\u00dfen Worten und Ank\u00fcndigungen folgte eine Niederlage nach der anderen. Er scheiterte an einem Denken, das von westlichen Idealen bestimmt war, und an der Unf\u00e4higkeit zu realistischer Einsch\u00e4tzung der gesellschaftlichen und politischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse in Venezuela selbst.<\/strong><\/p>\n<p>An der Unterst\u00fctzung aus dem Wertewesten hatte es nicht gelegen, dass er nicht zum Erfolg kam. Dort h\u00e4tte man gerne noch mehr f\u00fcr Guaid\u00f3 getan, w\u00e4re er selbst in der Lage gewesen, in Venezuela die Bedingungen f\u00fcr einen Umsturz zu schaffen. Wie weltfremd sein Denken war, zeigte sich am deutlichsten an seinen Versuchen, das Milit\u00e4r zu einem Putsch gegen Maduro zu bewegen. (1)<\/p>\n<p>Guaid\u00f3s Lageeinsch\u00e4tzungen waren sch\u00f6nf\u00e4rberisch und theoriegetrieben, seine Planungen st\u00fcmperhaft. Seine Anfangserfolge bei der Mobilisierung der Massen in Caracas erweckten ein tr\u00fcgerisches Bild von St\u00e4rke. Diesem Trugbild fielen er selbst, aber auch seine westlichen Unterst\u00fctzer zum Opfer. Beide glaubten, dass es nach dem Muster der bisher stattgefundenen Farbenrevolutionen ausreichte, einige Zehntausend auf die Stra\u00dfen zu bringen, um ein System zu st\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Die Opferbereitschaft seiner weitgehend wohlhabenden Anh\u00e4ngerschaft war aber nicht so gro\u00df, dass sie den bewaffneten Volksaufstand zugunsten der eigenen Privilegien eintauschen wollten. Es zeigte sich wieder einmal, dass die luftigen Wunschvorstellungen und intellektuellen Allmachtsphantasien eines Uni-Absolventen etwas anderes sind als das Gewicht der Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Das wurde an der Grenzbr\u00fccke zu Kolumbien \u00fcberdeutlich, wohin Guaid\u00f3 die Massen beordert hatte, die ihm noch in Caracas zugejubelt hatten. Sie sollten Hilfscontainer aus den USA ins Land bringen zur Unterst\u00fctzung der Armen Venezuelas, ein Trojanisches Pferd des Wertewestens, der Venezuela durch seine Sanktionen erst in diese Lage gebracht hatte. Das sollte der Auftakt sein zum Sturz Maduros. Aber die Massen kamen nicht. Sie blieben lieber in Caracas, anstatt ihr Leben aufs Spiel zu setzen.<\/p>\n<p>Als ihm die Mobilisierung der Bev\u00f6lkerung nicht gelungen war, glaubte Guaid\u00f3 allen Ernstes, dass das Milit\u00e4r ihm in seiner Verzweiflung nun aus der Patsche helfen w\u00fcrde. Wenn auch sicherlich Teile der Armee sich unter anderen Umst\u00e4nden zu einem Umsturz h\u00e4tte bewegen lassen, so waren sie doch realistisch genug zu erkennen, dass Guaid\u00f3 ein Blender war. Milit\u00e4rs k\u00f6nnen sich kein Wunschdenken erlauben. Sie beurteilen die Lage nach Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen und realen Gegebenheiten. Das Milit\u00e4r folgte seinen Aufrufen zum Umsturz nicht.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<strong>Tretmine Guaid\u00f3<\/strong><\/p>\n<p>Der Busfahrer Maduro, womit die Medien des Wertewestens die Kompetenz des venezolanischen Regierungschefs hatten in Frage stellen wollen, siegte \u00fcber den Uni-Absolventen Guaid\u00f3. Dieser versank in der Folgezeit immer mehr in der Bedeutungslosigkeit. Besonders in Europa hatte man erkannt, dass man auf einen lahmen Gaul gesetzt hatte. Man hatte dann doch notgedrungen feststellen m\u00fcssen, dass die wahre Macht in Venezuela bei Maduro lag. (2)<\/p>\n<p>F\u00fcr die USA kam ein Zur\u00fcckweichen vor Maduro nicht in Frage. So erkl\u00e4rte der US-Au\u00dfenminister Mike Pompeo im Januar 2020 bei einem Treffen mit seinem britischen Amtskollegen Dominic Raab im kolumbischen Bogot\u00e1: \u201eDie Vereinigten Staaten w\u00fcrden weiter daran arbeiten, Maduro aus dem Amt zu dr\u00e4ngen\u201c. (3)<\/p>\n<p>F\u00fcr die USA hat Venezuela eine andere Bedeutung als f\u00fcr die Europ\u00e4er. Es liegt vor der eigenen Haust\u00fcr und in einer Weltregion, die man seit jeher als den eigenen Hinterhof ansah, in dem Washington die Ordnung bestimmt. Die USA hielten an Guaid\u00f3 fest nicht zuletzt auch mangels Alternativen zu ihrem geh\u00e4tschelten Mustersch\u00fcler.<\/p>\n<p>Aber Guaid\u00f3 wird zunehmend zu einer Belastung. Im Mai 2020 wurde seine Verstrickung in einen st\u00fcmperhaft geplanten Putschversuch offenbar, der von einigen Hundert gedungenen S\u00f6ldnern durchgef\u00fchrt werden sollte und von Washington unterst\u00fctzt worden war. Wenn auch Washington die eigene Beteiligung bestritt ebenso wie Guaid\u00f3 selbst, so k\u00f6nnen \u201eSpuren bis in das Appartment von Guaid\u00f3s Berater in Florida zur\u00fcckverfolgt werden\u201c. (4)<\/p>\n<p>Die USA sahen sich gezwungen, \u00f6ffentlich zu den Verschw\u00f6rern und Guaid\u00f3 auf Distanz zu gehen. Die Opposition in Venezuela \u201eihrerseits ist durch die Kommandoaktion in Erkl\u00e4rungsnot geraten\u201c. (5) Ihr Ansehen und das Guaid\u00f3s d\u00fcrfte sicherlich darunter gelitten haben, wenn diese sich mit den ausl\u00e4ndischen Kr\u00e4ften verb\u00fcnden, die durch ihre Sanktionen und ihren Wirtschaftskrieg f\u00fcr das Leid in Venezuela wesentlich mit verantwortlich sind.<\/p>\n<p>Aber auch die Spannungen innerhalb der Opposition sind dadurch gewachsen, was ihre Aussichten auf politische Erfolge weiter schm\u00e4lert. Vielleicht ist darin der Grund zu sehen, weshalb Guaid\u00f3 trotz all seiner Gesetzesverst\u00f6\u00dfe, Hochverratsdelikte und Umsturzversuche noch immer auf freiem Fu\u00df ist. \u201eDas politische Risiko einer Festnahme Guaid\u00f3s ist f\u00fcr Maduro dadurch geringer geworden\u201c. (6) Aber der einfache Busfahrer Maduro erweist sich als der kl\u00fcgere Stratege. Denn niemand schadet der Opposition im Lande gerade mehr als Guaid\u00f3 selbst.<\/p>\n<p><strong>Bedeutungsverlust<\/strong><\/p>\n<p>In der Folge versuchten besonders die Europ\u00e4er, Guaid\u00f3 auf Distanz zu halten, um einen Dialog zwischen Maduro und der venezolanischen Opposition in Gang zu bringen. Anscheinend hat man erkannt, dass der fr\u00fchere Held des Wertewestens ungeeignet ist, einen Wandel in Venezuela herbeizuf\u00fchren. \u201eKeines seiner Versprechen konnte Guaid\u00f3 einl\u00f6sen, alle Hoffnungen wurden entt\u00e4uscht. Guaid\u00f3 hat nicht die Macht, um Venezuela zu ver\u00e4ndern\u201c. (7)<\/p>\n<p>Wie schnell sein Stern in Venezuela selbst verblasst war, zeigte die Auseinandersetzung um die Pr\u00e4sidentschaft in der Nationalversammlung im Januar 2020, die vom Wertewesten zu einem \u201eweiteren Schlachtfeld des Machtkampfes zwischen dem Maduro-Regime und der Opposition\u201c(8) erkl\u00e4rt worden war. \u201eDie Hoffnung der Opposition, der \u00dcberfall auf die letzte demokratische Institution w\u00fcrde die Bev\u00f6lkerung wieder mobilisieren, hatte sich nicht erf\u00fcllt. Einem Aufruf Guaid\u00f3s folgten am Wochenende nur einige Hundert Venezolaner\u201c(9).<\/p>\n<p>Zu seinem pers\u00f6nlichen Bedeutungsverlust in Venezuela selbst kam im internationalen Rahmen seine Unf\u00e4higkeit hinzu, seine pers\u00f6nlichen Interessen den politischen unterzuordnen. So torpedierte er die europ\u00e4ischen Pl\u00e4ne, \u201eden im vergangenen Jahr [2019] angesto\u00dfenen Dialog zwischen der Regierung und der Opposition fortzusetzen. [&#8230;] Guaid\u00f3 will derzeit nichts davon wissen\u201c. (10)<\/p>\n<p>Wie sehr der Messias des Wertewestens, der Venezuela die Freiheit hatte bringen wollen, den Blick f\u00fcr die Wirklichkeit verloren hat, zeigte die Auseinandersetzung um das in der Bank of England gelagerte venezolanische Gold. Das Volk von Venezuela leidet neben den westlichen Sanktionen unter der Corona-Epidemie. \u201eMedikamente sind meist nur noch auf dem \u00fcberteuerten Schwarzmarkt zu kaufen. (11)<\/p>\n<p>\u201eUm die Notma\u00dfnahmen gegen die Epidemie zu finanzieren und Medizin und Lebensmittel einzukaufen\u201c (12), wollte die Zentralbank von Venezuela eigenes Gold im Wert von 1 Milliarde Dollar verkaufen. Der britische High Court hat die Herausgabe des Goldes verweigert. F\u00fcr ihn ist Guaid\u00f3 der anerkannte Pr\u00e4sident Venezuelas, nicht Maduro.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Volk in Venezuela dahingerafft wird, bezeichnete Guaid\u00f3s Botschafterin in London es als \u201eSieg f\u00fcr das venezolanische Volk\u201c (13), dass ihm die dringend ben\u00f6tigen finanziellen Mittel vorenthalten werden. \u201eMehr denn je ist Venezuela auf seine Goldreserven angewiesen\u201c. (14) Das wei\u00df der Wertewesten und das wei\u00df auch Guaid\u00f3, auf dessen Betreiben hin die Auszahlung verweigert wurde. Das also sind die Werte des Wertewesten, mit denen er \u00fcberall auf der Welt hausieren geht.<\/p>\n<p>Dieses Urteil aus London \u201ek\u00f6nnte ihm [Guaid\u00f3] neuen Sauerstoff verleihen, vermuten Beobachter, auch im Hinblick auf allf\u00e4llige Verhandlungen zwischen der Opposition und Maduro [, denn] Guaid\u00f3s Position [ist] gegen\u00fcber Maduro aber auch innerhalb der Opposition geschw\u00e4cht\u201c. (15)<\/p>\n<p>Dass er um des eigenen politischen Vorteils und der Interessen der USA sowie des Wertewestens willen dem Volk von Venezuela&nbsp; die n\u00f6tige Hilfe verweigert, wird dort sicherlich nicht verborgen und nicht ohne Auswirkungen auf dessen Ansehen und Beliebtheit im Lande bleiben. Es stellt sich die Frage, wie er und die Opposition unter solchen Voraussetzungen die Wahl im Dezember gewinnen wollen.<\/p>\n<p><strong>Scheinbare Geschlossenheit<\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong>Trotz gegenteiliger Anzeichen versuchen die Meinungsmacher im Westen den Eindruck zu erwecken, dass die Opposition geschlossen dasteht. Diese Geschlossenheit soll sich in einer Ablehnung der Wahlteilnahme ausdr\u00fccken. An ihnen \u201eteilzunehmen k\u00e4me einer Legitimierung des Regimes gleich, sind sich gro\u00dfe Teile der Opposition einig\u201c(16) und gleichzeitig behauptet man, dass Maduro \u201epraktisch jeglichen R\u00fcckhalt in der Bev\u00f6lkerung verloren hat\u201c. (17)<\/p>\n<p>Das hatte man auch schon zu Beginn des Jahres 2019 den Medienkonsumenten im Westen weismachen wollen, als mit Guaid\u00f3 der Bezwinger Maduros aus der Taufe und auf den Schild gehoben worden war. Zu gerne hatte man damals sich von den eigenen Wunschvorstellungen blenden lassen und die realen Verh\u00e4ltnisse nicht sehen wollen. Offensichtlich hat man in den Entscheidungst\u00fcrmen des Wertewesens nichts dazu gelernt. Denn damals wie heute glaubt man, was man glauben will, und ignoriert, was in dieses Bild nicht hineinpasst.<\/p>\n<p>Denn trotz aller Sanktionen, Putschversuche und versuchten S\u00f6ldner-Invasionen hat sich das Volk nicht von Maduro ab- und Guaid\u00f3 zugewendet, wie es eigentlich nach den gesellschaftswissenschaftlichen Theorien, den Wunschvorstellungen der Meinungsmacher und den Prophezeiungen der Politiker und sogenannter Experten im Westen sein m\u00fcsste. (18)<\/p>\n<p>Auch wenn der Wertewesten Venezuela sein Gold vorenth\u00e4lt, die Bev\u00f6lkerung immer mehr verarmt, die \u00d6lproduktion auf das Niveau der 1930er Jahre gesunken ist, was nach den Vorstellungen der Meinungsmacher doch zwangsl\u00e4ufig zum Ende des Regimes f\u00fchren m\u00fcsste, ist die Realit\u00e4t eine andere. Aber diese Realit\u00e4t verstehen die sogenannten Experten im Wertewesten nicht.<\/p>\n<p>Diese Realit\u00e4t sind die Colectivos, vergleichbar mit Nachbarschaftskommit\u00e9es in China. Sie sind die St\u00fctze und Besch\u00fctzer der gesellschaftlichen Ordnung, nicht die Parlamente und die sonstigen Elfenbeint\u00fcrme, in denen die westlichen Meinungsmacher glauben, dass Politik gemacht wird. Sie versorgen die Menschen an der Basis der Gesellschaft und sorgen f\u00fcr den Zusammenhalt, den die zerrissenen Gesellschaften des Wertewestens nur noch als Ausdruck eines autorit\u00e4ren Regimes verstehen k\u00f6nnen. Das dahinter ein politisches Bewusstsein steht, das ihrem eigenen Denken fremd ist, kommt ihnen nicht in den Sinn.<\/p>\n<p>Versuchte die Frankfurter Allgemeine Zeitung noch im Juli die Opposition in Venezuela als geschlossen darzustellen, so zeigt sie im bereits September ein anderes Bild. \u201eDie Opposition ist sich uneinig. Guaid\u00f3 will die Wahl boykottieren. \u2026 Im Gegensatz dazu beabsichtigt Capriles, bessere Voraussetzungen f\u00fcr die Wahl auszuhandeln und anzutreten\u201c. (19) Er grenzt sich \u00f6ffentlich von Guaid\u00f3 ab: \u201eEntweder sei man Regierung oder Opposition, beides geht nicht. \u2026 Capriles sagte, was viele in Venezuela schon l\u00e4nger denken.\u201c. (20)<\/p>\n<p>Guaid\u00f3 scheint seinen Glanz verloren zu haben \u2013 zumindest in Venezuela. \u201eLange war es Guaid\u00f3 gelungen, den Eindruck der Einheit zu wahren und sich als Anf\u00fchrer darzustellen. Doch sein Charisma \u2026 ist in den vergangenen Monaten verblasst \u2013 und damit ist seine Autorit\u00e4t geschwunden\u201c. (21)<\/p>\n<p><strong>Faire Wahlen unerw\u00fcnscht<\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong>Aber trotz alledem scheinen die USA noch immer hinter Guaid\u00f3 zu stehen. Er ist der Mann f\u00fcr ihre Pl\u00e4ne, einen anderen haben sie nicht. Jedoch scheinen auch sie Zweifel an seinem Wahlerfolg zu haben, denn sie treffen dementsprechende Vorbereitungen f\u00fcr den Fall er Niederlage. Schon jetzt verbreiten die Meinungsmacher im Wertewesten Zweifel an der Legitimit\u00e4t der Wahlen, die noch gar nicht stattgefunden haben<\/p>\n<p>F\u00fcr sie ist jetzt schon klar: \u201eNichts deutet darauf hin, dass diese Wahl frei und fair verlaufen k\u00f6nnte \u2013 das Gegenteil ist wahrscheinlich\u201c. (22) Selbst \u201edie sofortige Begnadigung von mehr als hundert angeklagten, verurteilten und inhaftierten Regimegegnern\u201c(23) \u00e4ndert an der Propaganda der westlichen Medien&nbsp; nichts. War die Inhaftierung von Regimegegnern bisher ein Zeichen f\u00fcr die Brutalit\u00e4t des Regimes, so ist deren Freilassung nun ein Zeichen f\u00fcr dessen Heimt\u00fccke. Maduro will die Opposition spalten, so die neu verbreitete Sichtweise.<\/p>\n<p>Aber selbst diese Freilassung, vorher noch von den westlichen Medien gefordert, \u201eist allerdings keine Garantie f\u00fcr eine faire Wahl. \u2026 [dazu] braucht es mehr beispielsweise eine gro\u00dfangelegte internationale Beobachtermission\u201c. (24) Allerdings hatte Anfang September der venezolanische Au\u00dfenminister Jorge Arreaza dem EU-Au\u00dfenbeauftragten Josep Borell sowie UN-Generalsekret\u00e4r Antonio Guterres umfassende Garantien f\u00fcr die Wahl gegeben und sowohl die UN als auch die EU eingeladen, \u201eBeobachter f\u00fcr die Wahl nach Venezuela zu entsenden\u201c. (25)<\/p>\n<p>Obwohl also Venezuela gerade diesen Forderungen des Wertewestens gerecht werden wollte, um das Ergebnis der Wahlen \u00fcberpr\u00fcfbar zu machen, wies Borrell das Angebot Venezuelas zur\u00fcck, das noch kurze Zeit vorher gefordert worden war. Nun auf einmal ist Borrell der Meinung, \u201edie Bedingungen f\u00fcr die Entsendung einer Beobachtermission seien nicht vorhanden\u201c. (26) Was aber will man in Br\u00fcssel? Will man die Inthronisation des eigenen Favoriten Guaid\u00f3 ohne vorherige Wahl?<\/p>\n<p>Die Frage stellt sich, ob es den Gegnern Maduros \u00fcberhaupt um die Wahlen und ihre korrekte Durchf\u00fchrung geht. Denn schlie\u00dflich m\u00fcsste man auch dann das Ergebnis anerkennen, selbst wenn es nicht den Vorstellungen des Wertewesens entspricht. Damit entfielen aber auch die Gr\u00fcnde f\u00fcr weitere Sanktionen, beziehungsweise es w\u00e4re erheblich schwerer, deren Fortsetzung zu erkl\u00e4ren und das Elend zu rechtfertigen, das sie in der venezolanischen Bev\u00f6lkerung verursachen.<\/p>\n<p>Die Wahlen der vergangenen Jahre in den verschiedenen Staaten und Regionen der Welt haben es immer deutlicher werden lassen, dass Wahlen in den Augen des Wertewesten nur dann fair sind und anerkannt werden, wenn sie die Ergebnisse bringen, die seinen Interessen dienen. So wurden denn die Wahlen in Katalonien, Bolivien, Wei\u00dfrussland, Hongkong und so manchen anderen nicht anerkannt, w\u00e4hrend die Wahlf\u00e4lschungen in Afghanistan, Mali und anderen stillschweigend geduldet wurden.<\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><strong>Wenig in der Hand<\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong>Damit d\u00fcrfte schon jetzt das Anzweifeln des Wahlergebnisses in Venezuela bereits beschlossene Sache sein. Ob die erhobenen Vorw\u00fcrfe des Wahlbetrugs stimmen oder nicht, wird vermutlich in Venezuela ebenso wenig eine Rolle spielen wie j\u00fcngst in Wei\u00dfrussland, obwohl die Wahlf\u00e4lschung nie nachgewiesen worden war. Auch in Venezuela ist schon jetzt zu bef\u00fcrchten, dass die Wahrheit auf der Strecke bleiben wird, wenn sie den Herrschaften in Washington und Br\u00fcssel nicht in den Kram passt.<\/p>\n<p>Aber auch damit wird der Wertewesten vermutlich seinem Ziel nicht n\u00e4her kommen, Maduro zu st\u00fcrzen. Auch das st\u00e4ndige Drehen an der Sanktionsschraube hat weder Maduro in die Knie gehen noch das Volk gegen ihn aufbegehren lassen. Die Opposition im Land ist gerade durch das ungeschickte und vollmundige Auftreten des einstigen Superstars Guaid\u00f3 st\u00e4rker gespalten und dadurch immer mehr in die Defensive geraten. Zur Zeit bietet sich niemand an, der Maduro ernsthaft gef\u00e4hrden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>F\u00fcr Washington werden die M\u00f6glichkeiten immer weniger, um ihr Ziel eines Regime-Wechsels in Venezuela zu erreichen. Zudem sind die USA durch die eigenen innergesellschaftlichen Konflikte und die L\u00e4hmung der Wirtschaft selbst erheblich geschw\u00e4cht und in ihren Handlungsm\u00f6glichkeiten eingeschr\u00e4nkt. Corona hat die Wirtschaft im W\u00fcrgegriff und die Wahlen im eigenen Land verbreitern den Riss in der amerikanischen Gesellschaft.<\/p>\n<p>Wenn auch US-Au\u00dfenminister Mike Pompeo bei seiner S\u00fcdamerikareise Ende September haupts\u00e4chlich Venezuelas Nachbarstaaten Kolumbien, Brasilien, Guyana und Surinam besuchte, um dort Stimmung gegen Maduro zu machen, so d\u00fcrfte unwahrscheinlich sein, dass diese Staaten sich zu einem Krieg f\u00fcr die Interessen der USA werden \u00fcberreden lassen. Das hatte schon 2019 nicht geklappt. Im Moment sind diese durch Corona und den daraus folgenden wirtschaftlichen Niedergang mit ganz anderen Problemen besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Wie hilf- und machtlos die USA dieser Situation gegen\u00fcber zu stehen scheinen, wird deutlich an der Wahl der Mittel. Der geplante S\u00f6ldner-Einsatz war eine gewaltige Katastrophe und hat zudem dem milit\u00e4rischen Ansehen der USA geschadet. Nun verlegt man sich auf die \u00fcbliche Propaganda gegen das Maduro-Regime, indem man ihm die Missachtung der Menschenrechte vorwirft, was aber nichts Neues ist und keine gro\u00dfartige internationale Mobilisierung bewirken d\u00fcrfte.<\/p>\n<p><strong>Ausblick<\/strong><\/p>\n<p>Was bleibt sind die modernen Formen der Destabilisierung durch die Instrumentalisierung der Generation Facebook. Kampagnen, angesto\u00dfen politischen Kr\u00e4ften, deren Hintergrund und Finanzierung oftmals undurchsichtig sind, treiben immer h\u00e4ufiger meist junge, intellektuelle und \u00fcberwiegend von Moral getriebene Menschen auf die Stra\u00dfen f\u00fcr Ideale, die denen des Wertewestens zu entsprechen scheinen.<\/p>\n<p>Dadurch lassen sie sich mit Kr\u00e4ften ein, die selbst diese Werte im eigenen Herrschaftsbereich nur solange befolgen, wie sie den eigenen Interessen nutzen. Dieses Konzept k\u00f6nnte auch im Falle von Venezuela zur Anwendung kommen. Die propagandistischen Grundlagen sind gelegt. Denn schon jetzt werden Zweifel ges\u00e4t an der der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit des Wahlergebnisses.<\/p>\n<p>Was fehlt ist nur noch die Umsetzung \u00fcber die sogenannten sozialen Medien. F\u00fcr solche Pl\u00e4ne gibt es zwar im Moment noch keine Hinweise. Der Fall von Wei\u00dfrussland aber hat gezeigt, wie schnell ein solches Konzept umgesetzt werden kann, wenn die Vorbereitungen bereits getroffen sind und ein entsprechendes Potential von mobilisierbaren Menschen vorhanden ist. Aber das wird die weitere Entwicklung zeigen.<\/p>\n<p>Venezuela leidet weiterhin unter den Sanktionen und dem Wirtschaftskrieg, den der Wertewesten gegen das Land f\u00fchrt, aber es scheint nicht daran zu zerbrechen. Das Elend der Bev\u00f6lkerung spielt f\u00fcr die Idealisten im Westen keine Rolle, wenn es um H\u00f6heres geht. So war auch die fr\u00fchere US-Au\u00dfenministerin Madeleine Albright der Meinung, dass der Tod von 500\u2019000 irakischen Kindern durch die westlichen Sanktionen den Preis wert war. Es waren ja nicht die eigenen Kinder.<\/p>\n<p>Zunehmend aber kommen Venezuela andere Sanktionierte zu Hilfe sowie Russland und China. (27) Sie alle haben wirtschaftliche Interessen. Das ist nicht zu verurteilen, denn die hat auch Venezuela selbst, ganz zu schweigen vom Wertewesten, auch wenn dieser sich so oft selbstlos gibt und immer nur den westlichen Idealen und Werten verpflichtet.<\/p>\n<p>Aber die Notleidenden in Venezuela, Syrien und all den anderen L\u00e4ndern der Welt, die unter westlichen Sanktionen leiden, wissen, was von diesen Idealen und Werten zu halten ist. Das ist der Grund, weshalb die USA und der Westen immer mehr an Einfluss verlieren, w\u00e4hrend der von Russland und China weltweit w\u00e4chst.<\/p>\n<p>Ohne z\u00e4hlbaren Erfolg, aber mit umso mehr z\u00e4hlbaren Schulden m\u00fcssen die westlichen Staaten aus Afghanistan abziehen. Der Nahe Osten und das Zentrum Afrikas entgleiten immer mehr ihrer Kontrolle. Und im Zentrum Asiens haben sie ohnehin schon lange nichts mehr zu sagen. Dort zeigt das Wirken von China und Russland in der Entwicklung entlang der Seidenstra\u00dfe un\u00fcbersehbare Erfolge.<\/p>\n<p>(1) siehe dazu R\u00fcdiger Rauls: <a href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2019\/02\/20\/humanitaerer-angriff-auf-venezuela\/\">Humanit\u00e4rer Angriff auf Venezuela<\/a><br \/>\n(2) siehe dazu R\u00fcdiger Rauls: <a href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2019\/02\/10\/guaido-und-die-verfassung\/\">Guaid\u00f3 und die Verfassung<\/a><br \/>\n(3) Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22.2.2020: Guaid\u00f3 setzt auf Davos<br \/>\n(4) FAZ vom 13.5.2020: Das Himmelfahrtskommando<br \/>\n(5) ebenda<br \/>\n(6) ebenda<br \/>\n(7) FAZ vom 14.1.2020: Mut gegen Macht<br \/>\n(8) ebenda<br \/>\n(9) ebenda<br \/>\n(10) ebenda<br \/>\n(11) FAZ vom 4.7.2020: Venezuelas letztes Hemd<br \/>\n(12) ebenda<br \/>\n(13) ebenda<br \/>\n(14) ebenda<br \/>\n(15) ebenda<br \/>\n(16) FAZ vom 16.7.2020: Der letzte Boykott<br \/>\n(17) ebenda<br \/>\n(18) siehe dazu R\u00fcdiger Rauls: <a href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2019\/03\/28\/entscheidend-ist-das-volk\/\">Entscheidend ist das Volk<\/a><br \/>\n(19) FAZ vom 3.9.2020: Maduro und die Bioterroristen<br \/>\n(20) FAZ vom 7.9.2020: Boykottieren oder mitmachen?<br \/>\n(21) ebenda<br \/>\n(22) ebenda<br \/>\n(23) FAZ vom 3.9.2020: Maduro und die Bioterroristen<br \/>\n(24) FAZ vom 7.9.2020: Boykottieren oder mitmachen?<br \/>\n(25) ebenda<br \/>\n(26) ebenda<br \/>\n(27) siehe dazu R\u00fcdiger Rauls: <a href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2020\/08\/19\/die-sanktionierten-schlagen-zurueck\/\">Die Sanktionierten schlagen zur\u00fcck<\/a><\/p>\n<p><strong>R\u00fcdiger Rauls Buchver\u00f6ffentlichungen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Krieg um Syrien <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/1697260446\">Buchbeschreibung<\/a><\/li>\n<li>Wie funktioniert Geld?&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B013RWL1TQ\">Buchbeschreibung<\/a><\/li>\n<li>Kolonie Konzern Krieg &#8211; Stationen kapitalistischer Entwicklung&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B01MG6AL4K\">Buchbeschreibung<\/a><\/li>\n<li>Zukunft Sozialismus oder die Grenzen des Kapitalismus&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B01LY0AGOG\">Buchbeschreibung<\/a><\/li>\n<li>Die Entwicklung der fr\u00fchen Gesellschaften-Die Geschichte Afghanistans&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B00VAVPMO2\">Buchbeschreibung<\/a><\/li>\n<li>Was braucht mein Kind?&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B00FEC6X3M\">Buchbeschreibung<\/a><\/li>\n<li>Sp\u00e4te Wahrheit (Prosa)&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B00CQLYOS0\">Buchbeschreibung<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Herausgeber von:<\/p>\n<p>Imre Szabo: Die Hinterm\u00e4nner (ein politischer Krimi) <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B00BAYM1ZM\">Buchbeschreibung<\/a><br \/>\nImre Szabo: Die Unsichtbaren (ein politischer Krimi)<a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/1539064301\"> Buchbeschreibung<\/a><\/p>\n<div style=\"float: left; margin-top: 20px; text-align: left;\"><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_5916 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_5916')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_5916').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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