{"id":5953,"date":"2020-11-14T20:39:23","date_gmt":"2020-11-14T19:39:23","guid":{"rendered":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/?p=5953"},"modified":"2020-11-15T11:58:27","modified_gmt":"2020-11-15T10:58:27","slug":"die-kaukasische-zwickmuehle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/die-kaukasische-zwickmuehle\/","title":{"rendered":"Die kaukasische Zwickm\u00fchle"},"content":{"rendered":"<p><em>Quelle Beitragsbild: @RusPerspective via Twitter<\/em><\/p>\n<p><em>Ein Beitrag von R\u00fcdiger Rauls<\/em><\/p>\n<p><em>Vorliegender Beitrag war vor der Friedensvereinbarung zwischen Aserbaidschan und Armenien, der von Russland vermittelt worden war, bereits fertiggestellt. Die Aussagen des Artikels sind aber durch diese Entwicklung unber\u00fchrt geblieben.<\/em><\/p>\n<p><strong>Bisher hat der Wertewesten im Konflikt um Bergkarabach keine eindeutige Position f\u00fcr einen der beiden Kontrahenten bezogen. Eigene Interessen und vorgebliche Werteorientierung machen die Entscheidung schwierig.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Vorgeschichte<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDurch einen von Moskau vermittelten Waffenstillstand\u201c (1) endete 1994 der Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Bergkarabach. Am Ende dieses Krieges kontrollierte die \u201earmenische Seite Karabach und sieben umliegende Bezirke Aserbaidschans \u2026, aus denen die aserbaidschanische Bev\u00f6lkerung vertrieben wurde\u201c. (2)<\/p>\n<p>Seitdem befinden sich fast 20 Prozent des international anerkannten Territoriums von Aserbaidschan v\u00f6lkerrechtswidrig unter armenischer Kontrolle. Diese widerrechtlich besetzten Gebiete hatten sich eigenm\u00e4chtig zur unabh\u00e4ngigen Republik Karabach erkl\u00e4rt, wobei diese aber nicht einmal von Armenien anerkannt ist.<\/p>\n<p>Im Jahr 2007 hatten Russland, die USA und Frankreich als Vermittler im Karabach-Konflikt als Grundlage die Regelung ausgearbeitet, \u201edass der endg\u00fcltige Status von Nagornyj Karabach durch ein Referendum bestimmt werden soll, an dem alle Bev\u00f6lkerungsgruppen teilnehmen sollen, die vor Beginn des Konflikts dort gelebt hatten\u201c(3).<\/p>\n<p>Im Januar 2019 sahen die Au\u00dfenminister von Armenien und Aserbaidschan die Notwendigkeit \u201ekonkrete Ma\u00dfnahmen zur Vorbereitung der Bev\u00f6lkerungen auf [den] Frieden zu ergreifen\u201c. (4) Vermutlich war das eine Reaktion auf die Ver\u00e4nderung der Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse in der Region.&nbsp; Denn seine Einnahmen aus \u00d6l- und Gaslieferung hatten Aserbaidschan in die Lage versetzt, die eigene Armee aufr\u00fcsten und den Druck auf Armenien erh\u00f6hen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich wurden die Aseris von den T\u00fcrken unterst\u00fctzt, die sich ihnen als Muslime religi\u00f6s und als Turkvolk ethnisch verbunden f\u00fchlen. Bereits im Jahre 2009 hatte die T\u00fcrkei den \u201eT\u00fcrkischen Rat\u201c gegr\u00fcndet als Zusammenschluss der Turkv\u00f6lker in Zentralasien, der \u201eden legitimen Kampf des aserbaidschanischen Volkes f\u00fcr die Befreiung seiner besetzten Gebiete\u201c (5) unterst\u00fctzt.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nVermutlich als Reaktion auf diese Entwicklung hatte Arajik Harutjunjan, De-facto-Pr\u00e4sidenten der v\u00f6lkerrechtlich nicht anerkannten Republik Karabach, am 27.9.2020, also eine Woche vor Ausbruch der Feindseligkeiten, angek\u00fcndigt, \u201edass Karabachs Parlament nach Schuscha verlegt werden solle\u201c. (6)<\/p>\n<p>Diesen Beschluss konnte die aserische Seite nur als Provokation verstehen, da das umstrittene Gebiet, besonders aber die Stadt Schuscha nicht nur f\u00fcr die Armenier sondern auch ganze besonders f\u00fcr die Aseri von besonderer historischer und kultureller Bedeutung ist. Hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder begrenzte milit\u00e4rische Auseinandersetzungen zwischen den beiden Staaten gegeben, so kam es nun zu einem umfangreicheren milit\u00e4rischen Konflikt, der weiterhin anh\u00e4lt. Selbst die von Russland vermittelten Waffenstillst\u00e4nde waren anscheinend nicht von langer Dauer.<\/p>\n<p><strong>Ver\u00e4nderte Bedingungen<\/strong><\/p>\n<p>Seit drei\u00dfig fast Jahren waren in den Verhandlungen der Minsker Gruppe unter Teilnahme von Russland, Amerika und Frankreich keine wesentlichen Fortschritte im Karabach-Konflikt erreicht worden. Nun hat sich der Wind gedreht im Kaukasus. \u201eAserbaidschan sei die Verhandlungen satt\u201c (7), erkl\u00e4rte der aserische Regierungschef Alijew.<\/p>\n<p>Vermutlich sieht sich Aserbaidschan in der Lage, diesen seit Jahren schwelenden Konflikt nun auf milit\u00e4rischem Wege endg\u00fcltig zu seinen Gunsten zu entscheiden, nachdem der Weg von Verhandlungen die illegale Besetzung aserischen Gebiets nicht hatten beenden k\u00f6nnen. Aserbaidschan steht bez\u00fcglich von Verhandlungen auf dem Standpunkt: \u201eWenn ihr eine Waffenruhe wollt, zwingt die Armenier dazu, die besetzten Gebiete zu verlassen\u201c. (8)<\/p>\n<p>Angesichts der eigenen St\u00e4rke scheint es nur dann ein Interesse an einem Waffenstillstand zu haben, wenn die eigenen Ziele erreicht sind. So erkl\u00e4rte Aserbaidschan, dass es den Feldzug fortsetzen werde, solange Armenien keinen Zeitplan vorlege f\u00fcr den Abzug seiner Truppen aus den besetzten Gebieten. Aserbaidschan sieht sich v\u00f6lkerrechtlich im Recht, denn \u201eAserbaidschan k\u00e4mpfe auf seinem eigenen Staatsgebiet\u201c. (9)<\/p>\n<p><strong>Zwischen den St\u00fchlen<\/strong><\/p>\n<p>Aufgrund seiner neu gewonnenen milit\u00e4rischen St\u00e4rke und auch in \u00dcbereinstimmung mit dem im V\u00f6lkerrecht verankerten Grundsatz der territorialen Souver\u00e4nit\u00e4t hat Aserbaidschan in diesem Poker die besseren Karten auf der Hand. Nicht nur die widerrechtliche Besetzung aserischen Staatsgebiets schw\u00e4cht die Legitimation des armenischen Handelns, auch seine isolierte Stellung macht seine Lage schwierig.<\/p>\n<p>Der Wertewesten hat sich anscheinend noch nicht entschieden, auf welche Seite er sich stellen soll. Denn eines ist klar: Wegen Armenien d\u00fcrfte weder die EU, noch die NATO oder gar der Wertewesten insgesamt in einen Konflikt oder gar Krieg mit Russland gezogen werden oder eventuell gar mit dem schwierigen NATO-Partner T\u00fcrkei in zus\u00e4tzliche Konfrontationen geraten wollen.<\/p>\n<p>Ginge es nur nach wirtschaftlichen Erw\u00e4gungen, w\u00e4re die Sache einfach. Da hat der Westen nicht viel von Armenien zu erwarten. F\u00fcr ihn sind das aserbaidschanische \u00d6l und Gas wichtiger, zumal diese auch noch an dem russischen Pipeline-Netz vorbei nach Europa flie\u00dfen. Das schw\u00e4cht die Monopol-Stellung der russischen Lieferanten, was seit Jahren schon westliches Interesse ist.<\/p>\n<p>Aber es geht weniger ums Gesch\u00e4ft, sondern vielmehr um Politik, das hei\u00dft um die Ver\u00e4nderung der Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse. Und da wird es f\u00fcr den Wertewesten schwierig. Durch die \u201esamtene Revolution\u201c des Jahres 2018 sind in Armenien Kr\u00e4fte an die Macht gekommen, die sich st\u00e4rker nach Westen hin orientieren. Auf diesem Weg der Losl\u00f6sung aus russischem Einfluss wird man sie vermutlich nicht alleine lassen wollen nur um der wirtschaftlichen Vorteile willen, die eine Parteinahme f\u00fcr Aserbaidschan mit sich bringen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Sicherlich aber d\u00fcrften auch \u00dcberlegungen eine Rolle spielen, den Einfluss des ungeliebten NATO-Partner T\u00fcrkei in der Region durch eine westliche Parteinahme f\u00fcr Aserbaidschan nicht noch zus\u00e4tzlich zu st\u00e4rken. Ohnehin betrachtet man ihr Ausgreifen im Nahen und Mittleren Osten sowie ihre Einmischung in regionale Konflikte zum Schaden des Westens und der NATO mit zunehmendem Unbehagen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr haben die Meinungsmacher mit dem Begriff des Neo-Osmanismus eine eing\u00e4ngige, wenn auch oberfl\u00e4chliche und nichtssagende Erkl\u00e4rung geschaffen. Der T\u00fcrkei geht es nicht um die Wiedererstehung des Osmanischen Reiches. Das ist d\u00fcmmliche westliche Interpretation gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklungen, die die Sch\u00f6pfer solcher Begriffe nicht zu verstehen scheinen.<\/p>\n<p>Der T\u00fcrkei ist in erster Linie an der Erschlie\u00dfung neuer M\u00e4rkte gelegen, da ihnen ja der Markt der EU weiterhin verschlossen ist. Nichts anderes tun auch die f\u00fchrenden kapitalistischen Staaten im Weltma\u00dfstab nur mit anderen Mitteln. (10)<\/p>\n<p><strong>Die Qual der Werte<\/strong><\/p>\n<p>Wichtiger jedoch als diese taktischen \u00dcberlegungen in einer Situation, in der die eigenen Handlungsm\u00f6glichkeiten ohnehin begrenzt sind, d\u00fcrfte f\u00fcr den Wertewesten vielmehr die Widerspr\u00fcche sein, in denen er sich im Falle des Kaukasus-Konflikts verheddern k\u00f6nnte. Er, der sich selbst ja gerne als eine Wertegemeinschaft sieht, deren Handeln von Prinzipien und nicht von Interessen bestimmt sein soll, steht in der Kaukasus-Frage vor der Quadratur des Kreises.<\/p>\n<p>Denn hier prallen zwei seiner politischen Grunds\u00e4tze aufeinander, die er sonst gemeinhin gerne nutzte, um eigene Interessen durchzusetzen, die aber als solche nicht erkennbar in Erscheinung treten sollten. Denn nach au\u00dfen ging es bei seinem Handeln immer nur um Ideale und Werte. Aber im vorliegenden Konflikt m\u00fcssten \u201edie in Widerspruch zueinander stehenden Prinzipien der Selbstbestimmung und der territorialen Integrit\u00e4t miteinander vers\u00f6hnt werden\u201c. (11) Dabei bestehen die Armenier \u201eauf Selbstbestimmung f\u00fcr Nagornyj Karabach, die Aserbaidschaner auf die territoriale Integrit\u00e4t. (12)<\/p>\n<p>Hier wird es schwierig f\u00fcr Werte-Missionare im Westen. In den bisherigen Konflikten war man immer in der komfortablen Lage, sich einen dieser beiden Werte aussuchen und f\u00fcr die Durchsetzung der eigenen Interessen benutzen zu k\u00f6nnen, ohne dass die Heuchelei auffiel. Pfiff man im Kosovo-Konflikt auf die territoriale Integrit\u00e4t Serbiens und erkl\u00e4rte das hohe Recht der Selbstbestimmungsrecht der Kosovaren als Motiv des eigenen selbstlosen Handelns, so hatte man daf\u00fcr im Falle der Katalanen kein Verst\u00e4ndnis. Im eigenen Herrschaftsbereich ist dieses hohe Gut des Selbstbestimmungsrechts keinen Pfifferling wert. Da hat die territoriale Integrit\u00e4t Vorrang.<\/p>\n<p>Auch der Bev\u00f6lkerung der Krim r\u00e4umte man nicht ein, was im Kosovo gegolten hatte. Hier wurde die Volksabstimmung, die unter \u00e4hnlichen Bedingungen ablief wie im Kosovo, als Verletzung der territorialen Integrit\u00e4t der Ukraine gebrandmarkt. Das Selbstbestimmungsrecht der Menschen auf der Krim war den moralisierenden Hohepriestern der Ideale wurscht, weil es den Interessen des Wertewestens nicht in den Kram passte. Denn hier nutzten sie dem ungeliebten Russland, das man doch so gerne in die Zange genommen h\u00e4tte, h\u00e4tte man ihm den Warmwasserhafen im Schwarzen Meer abspenstig machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Kaukasus jedoch steckt man nun in der unangenehmen Lage, nicht mehr nach Belieben und zum eigenen Vorteil zwischen den beiden Prinzipien w\u00e4hlen zu k\u00f6nnen. Hier muss man Farbe bekennen.&nbsp; Hier gilt es, zu den Werten zu stehen, die man sonst lauthals in die Welt hinausposaunt und nach denen man zu entscheiden vorgibt, wer mit Sanktionen in die Katastrophe getrieben werden soll und wer mit Wohltaten eingewickelt wird.<\/p>\n<p>Die Situation ist tragisch. Denn wie man sich auch verh\u00e4lt, man vers\u00fcndigt sich an einem der eigenen Werte. Unterst\u00fctzt der Wertewesten Armenien, das widerrechtlich aserisches Gebiet besetzt h\u00e4lt, dann verst\u00f6\u00dft er gegen das hohe Gut der territorialen Integrit\u00e4t. Stellt er sich aber hinter Aserbaidschan, dann verr\u00e4t er das Ideal des Selbstbestimmungsrechts der Armenier. Was immer er auch tut, der Wertewesten entlarvt sich als jemand, der sich selbst nicht an die Werte h\u00e4lt, die er aller Welt als Ma\u00dfstab und Ideal verantwortlichen politischen Handelns vorschreibt.<\/p>\n<p><strong>Besonnenes Russland<\/strong><\/p>\n<p>Zudem gibt es dummerweise auch keinen B\u00f6sewicht, den die westlichen Meinungsmacher verantwortlich machen k\u00f6nnten f\u00fcr das eigenen Handeln, wenn es denn zu offensichtlich den eigenen Werten widerspricht. In solchen F\u00e4llen ist es g\u00e4ngiges Muster westlicher Politik, andere daf\u00fcr verantwortlich zu machen, dass man sich nicht an die eigenen Werte h\u00e4lt. Wenn der Wertewesten seine eigenen Ideale und Werte verr\u00e4t, dann ist daran die Politik der Widersacher schuld. Sie zwingen ihn durch hinterh\u00e4ltiges Vorgehen, sich nicht an die eigenen Regeln und Ideale halten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Kaukasus-Konflikt ist Putin als der bedeutendste Widersacher des Westens nicht zu bewegen, sich auf die Seite einer der beiden Konfliktparteien zu stellen. Das w\u00fcrde es dem Westen erleichtern, sich auf die andere der beiden Seiten zu schlagen. Dann k\u00f6nnte man sich vor aller Welt als Opfer der Putin&#8217;schen Politik darstellen, das sich notgedrungen auf&nbsp; die andere Seite schlagen m\u00fcsste, quasi als Gegengewicht zum B\u00f6sewicht. Schweren Herzens m\u00fcsste man eines der eigenen Prinzipien opfern, um das andere gegen den russischen Aggressor zu verteidigen. Aber das w\u00e4re dann nicht die eigene Entscheidung sondern eine von au\u00dfen aufgezwungene.<\/p>\n<p>Aber Putin tut ihnen den Gefallen nicht. Leichter ist es da f\u00fcr die westlichen Medien die T\u00fcrkei als St\u00f6renfried darzustellen, die aus den oben beschriebenen Gr\u00fcnden eindeutig Position bezogen hat f\u00fcr Aserbaidschan. Das f\u00e4llt den T\u00fcrken leichter, weil sie sich nicht als Werte-Missionare verstehen. Sie vertreten ihre Interessen und machen daraus keinen Hehl.<\/p>\n<p>Das ist bei Russland nicht anders. Sein Interesse ist es, an seiner S\u00fcdflanke Ruhe zu haben, um es seinen Gegnern im Westen nicht zu erm\u00f6glichen, dort Einfluss zu gewinnen und sich sp\u00e4ter als NATO festsetzen zu k\u00f6nnen, wie man es 2014 in der Ukraine und 2008 in Georgien ohne Erfolg versucht hatte. Dank der klugen und an den Realit\u00e4ten orientierten Politik Russlands gerieten diese beiden Expeditionen des Wertewestens zu einem Desaster und f\u00fchrten eher zu einer Schw\u00e4chung des Westens.<\/p>\n<p><strong>Mediale Unterst\u00fctzung<\/strong><\/p>\n<p>Diese Unentschiedenheit im kaukasischen Poker, besonders was die Haltung Russlands angeht, spiegelt sich wieder in der westlichen Berichterstattung. Solange sich Russland nicht f\u00fcr eine der beiden Seiten entscheidet, scheint auch die westliche Presse ihren Konsumenten kein klares Feindbild anbieten zu k\u00f6nnen oder zu wollen.<\/p>\n<p>Immer wieder versucht beispielsweise die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Berichterstattung und ihren Kommentaren den Eindruck zu erwecken, dass Russland sich f\u00fcr eine der beiden Seiten entscheiden m\u00fcsse. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass sie Einfluss hat auf Russlands Handeln hat, wenn auch sicherlich im Kreml die internationale Presse genau studiert werden d\u00fcrfte. Dasselbe gilt auch f\u00fcr die anderen am Konflikt Beteiligten wie die T\u00fcrkei, Aserbaidschan und Armenien.<\/p>\n<p>Dennoch reicht der Einfluss der FAZ weit, wie die intensiven Kontakte zu Oppositionellen in der Hongkong-Krise 2019 und auch den aktuellen Auseinandersetzungen in Wei\u00dfrussland zeigen. Sie verf\u00fcgt \u00fcber ein weitl\u00e4ufiges Netz von Korrespondenten und Kontaktpersonen in vielen Regionen der Welt, besonders zu solchen Kr\u00e4ften, die ihre politischen Interessen und Ansichten teilen und unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Sie liefert Informationen, Argumente und Sichtweisen, die in die Beurteilung von Situationen eingehen. Nicht dass die Entscheidungstr\u00e4ger hierzulande und anderswo sich in ihren Entscheidungen nach ihr ausrichteten, aber Sichtweise der Zeitung wird ernst genommen. Sie bildet Meinungen, indem sie die politische Denkarbeit leistet, zu der die meisten politischen Parteien hierzulande intellektuell und ideologisch nicht mehr in der Lage sind. Deshalb kann sie als das Zentralorgan der herrschenden Klasse in Deutschland angesehen werden.<\/p>\n<p>Als eine ihrer wesentlichen Interessen ist der Kampf gegen den zunehmenden Einfluss und Ansehensgewinn Chinas und Russlands zu sehen. Da sie in Russland und China wenig Einfluss auf das Denken der Menschen und F\u00fchrungskr\u00e4fte hat, richtet sich ihre Einflussnahme haupts\u00e4chlich auf die Medienkonsumenten hierzulande. Diese sollen bei der wertewestlich-demokratischen Stange gehalten werden. Zu diesem Auftrag geh\u00f6rte beispielsweise die Verhinderung der Ausstrahlung eines zu positiven Beitrags \u00fcber die Erfolge der chinesischen Regierung in der Corona-Bek\u00e4mpfung in Wuhan. (13)<\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong><strong>Russlands St\u00e4rke<\/strong><\/p>\n<p><strong>&nbsp;<\/strong>Aber Russland tut dem Wertewesten nicht den Gefallen, f\u00fcr eine der beiden Seiten Partei zu ergreifen. Wenn der Wertewesten sich schon aus dem kaukasischen Gerangel notgedrungen heraushalten muss, so w\u00e4re es doch auf der anderen Seite w\u00fcnschenswert, wenn Russland sich tiefer in dem Konflikt verstrickte oder sich vielleicht sogar in einer Konfrontation mit der T\u00fcrkei verfangen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>So versucht die FAZ immer wieder, dem westlichen Leser Konfliktpotentiale im Verh\u00e4ltnis zwischen Russland und der T\u00fcrkei aufzuzeigen. Besonders in der Berichterstattung \u00fcber den Syrienkrieg wurden in den Kurdengebieten oder aber in den Auseinandersetzungen um die Region Idlib st\u00e4ndig Konflikte heraufbeschworen, die sich aber nicht zu den Konfrontationen ausweiteten, die man dem westlichen Leser prophezeite.<\/p>\n<p>Russland blieb ruhig und l\u00f6ste die Konflikte mit der T\u00fcrkei auf der Basis des Respekts vor den gegenseitigen Interessen. Dasselbe gilt auch f\u00fcr die unterschiedlichen Interessen in Libyen. Das aber ist eine Politik, die dem Wertewesten fremd ist.<\/p>\n<p>Auch in den aktuellen Auseinandersetzungen im Kaukasus ist das Bem\u00fchen der westlichen Medien zu erkennen, eine Konfrontation zwischen Russland und der T\u00fcrkei heraufzubeschw\u00f6ren. Aber trotz des Konfliktpotentials in Syrien und Libyen zwischen den beiden L\u00e4ndern ist es bisher nicht dazu gekommen, dass \u201edie m\u00e4chtigen M\u00e4nner in Moskau und Ankara sich dar\u00fcber verkracht h\u00e4tten\u201c (14).<\/p>\n<p>Russland l\u00e4sst sich nicht zu un\u00fcberlegtem Handeln provozieren und bleibt ruhig. Es versteht sich als Vermittler zwischen den Konfliktparteien. Wenn es auch aufgrund vertraglicher Vereinbarungen Armeniens Schutzmacht ist, sieht es sich dennoch nicht zur Erf\u00fcllung seiner Schutzverpflichtung aufgerufen, da \u201edie K\u00e4mpfe nicht auf dem Gebiet Armeniens\u201c stattfinden. (15) Zudem betont Moskau immer wieder, dass es auch gute Beziehungen zu Aserbaidschan pflege. Im Interesse des Friedens und der Auss\u00f6hnung der V\u00f6lker ist zu hoffen, dass es dabei bleibt.<\/p>\n<p>(1) Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22.10.2020: Existenzielle Bedrohung<br \/>\n(2) FAZ vom 31.10.2020: Nagornyj Karabach vor dem Fall<br \/>\n(3) FAZ vom 22.10.2020: Existenzielle Bedrohung<br \/>\n(4) FAZ vom 22.10.2020: Existenzielle Bedrohung<br \/>\n(5) FAZ vom 29.10.2020: Ein Reservoir an K\u00e4mpfern<br \/>\n(6) FAZ vom 31.10.2020: Nagornyj Karabach vor dem Fall<br \/>\n(7) FAZ vom 27.10.2020: Waffenruhe in Karabach gebrochen<br \/>\n(8) FAZ vom 27.10.2020: Waffenruhe in Karabach gebrochen<br \/>\n(9) FAZ vom 17.10.2020: Alle Zeichen stehen auf Eskalation<br \/>\n(10) siehe dazu <a href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2020\/11\/04\/zunehmende-entfremdung\/\">R\u00fcdiger Rauls Zunehmende Entfremdung<\/a> und <a href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2020\/07\/22\/geht-die-nato-am-mittelmeer-baden\/\">Geht-die-nato-am-mittelmeer-baden?<\/a><br \/>\n(11) FAZ vom 22.10.2020: Existenzielle Bedrohung<br \/>\n(12) FAZ vom 17.10.2020: Alle Zeichen stehen auf Eskalation<br \/>\n(13) <a href=\"https:\/\/ruedigerraulsblog.wordpress.com\/2020\/06\/18\/chinesische-zustaende\/\">Siehe dazu R\u00fcdiger Rauls: Chinesische Zust\u00e4nde<\/a><br \/>\n(14) FAZ vom 29.10.2020: Ein Reservoir an K\u00e4mpfern<br \/>\n(15) FAZ vom 17.10.2020 Alle Zeichen stehen auf Eskalation<br \/>\n<strong>R\u00fcdiger Rauls Buchver\u00f6ffentlichungen:<\/strong><\/p>\n<p>Krieg um Syrien <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/1697260446\">Buchbeschreibung<\/a><br \/>\nWie funktioniert Geld? <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B013RWL1TQ\">Buchbeschreibung<\/a><br \/>\nKolonie Konzern Krieg &#8211; Stationen kapitalistischer Entwicklung <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B01MG6AL4K\">Buchbeschreibung<\/a><br \/>\nZukunft Sozialismus oder die Grenzen des Kapitalismus <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B01LY0AGOG\">Buchbeschreibung<\/a> Die Entwicklung der fr\u00fchen Gesellschaften &#8211; Die Geschichte Afghanistans <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B00VAVPMO2\">Buchbeschreibung<\/a><br \/>\nWas braucht mein Kind? <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B00FEC6X3M\">Buchbeschreibung<\/a><br \/>\nSp\u00e4te Wahrheit (Prosa) <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B00CQLYOS0\">Buchbeschreibung<\/a><\/p>\n<p><strong>Herausgeber von:<\/strong><\/p>\n<p>Imre Szabo:<\/p>\n<p>Die Hinterm\u00e4nner (ein politischer Krimi) <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/B00BAYM1ZM\">Buchbeschreibung<\/a><br \/>\nDie Unsichtbaren (ein politischer Krimi) <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/1539064301\">Buchbeschreibung<\/a><\/p>\n<p><u>&nbsp;<\/u><\/p>\n<div style=\"float: left; margin-top: 20px; text-align: left;\"><span style=\"background-color: #f86d0e; padding: 30px; margin-left: 30px;\"><a style=\"color: white; font-size: 20px;\" href=\"https:\/\/publikumskonferenz.de\/blog\/foerdermitgliedschaft\/\">F\u00f6rdermitglied werden<\/a><\/span><\/div>\n<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_5953 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_5953')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_5953').socialSharePrivacy({\"services\":{\"facebook\":{\"status\":\"on\",\"txt_info\":\"2 Klicks f\\u00fcr mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie k\\u00f6nnen Ihre Empfehlung an Facebook senden. 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